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Versuche mich zu lieben. Nein - liebe mich einfach!

von Eruanna
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Elrond Elros OC (Own Character) Thranduil
28.06.2018
27.08.2018
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5.437
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28.06.2018 1.546
 
THRANDUIL
Celeborn begrüßte mich mit einem leichten Kopfnicken in der Küche. Die Party war gestern sehr lange geworden zu Lis Missfallen. Immerhin war es Elrond und Elros gelungen, ihre abendliche Beschäftigung soweit im Zaum zu halten um sicherzugehen, dass sie nicht entwischte. Ich hatte nicht versucht, mich ihr ein weiteres Mal zu nähern. Jetzt, da ich wusste, wo ich sie finden konnte, konnte ich mir Zeit lassen sie zu beobachten. Und Lietúre war äußerst interessant – insbesondere ihr Verhalten faszinierte mich. Sie besaß erstaunlich viele unterschiedliche Facetten und schien sich sehr wenig um die Meinung anderer zu scheren. Dennoch war ihr liebenswerter Kern besonders im Umgang mit Brim und Fingon zu erkennen. Es fiel mir schwer, die Eifersucht beiseite zu drängen. Eigentlich musste ich mir da keine großen Sorgen machen, gehörten die beiden doch zu ihrer Familie. Aber die Unruhe blieb, warum auch immer.
„Kaffee, Duil?“ Ich grinste kurz über den Spitznamen aus Kindertagen, nickte aber zustimmend. Ohne Kaffee konnte ich mich gar nicht auf den nächsten Vortrag konzentrieren. Celeborn war Co-Referent, Privatassistent des Direktors und ziemlich angesehen in den akademischen Kreisen. Er war praktisch dauernd beschäftigt und auch jetzt, während er die Maschine bediente, schrieb und beantwortete er dauernd irgendwelche Mails oder Nachrichten. Schon in der Schule war er binnen kürzester Zeit zum Schulsprecher und Vertreter des Schülerrats gewählt worden. Woran genau das lag wusste ich nicht. „Sag bloß, du machst dir wegen der kleinen Peredhel solche Sorgen. Du weißt schon, dass sie zu jung ist für dich. Mal ganz davon abgesehen, dass du der Tutor ihrer Brüder bist.“
Aus schmalen Augen musterte ich seinen Rücken. Woher nahm er sich eigentlich das Recht, mich so zu behandeln? Natürlich wusste ich, dass es sie stören würde, mit dem Tutor ihrer Brüder zusammen zu sein. Aber sie war kein Kind mehr, sondern mit ihren einundzwanzig Jahren volljährig und erwachsen genug. Ganz sicher nicht zu jung für mich.
Was waren denn schon sieben Jahre Altersunterschied? Celeborns Eltern trennten 12 Jahre und meine eigenen waren 14 Jahre auseinander. Lächerlich deshalb einen Aufstand zu machen. Außerdem war ich bereits mit ihr zusammen gewesen. Gut, es lag vier Jahre zurück, aber war das nicht egal? Im Endeffekt änderte sich nämlich nichts an meiner Entscheidung. Ich wollte Lietúre Peredhel zurück und ich würde nicht eher ruhen, bis sie wieder mein war. Ende der Diskussion.
„Seit wann interessierst du dich eigentlich so sehr für mein Liebesleben?“ Mit hochgezogenen Augenbrauen, das Handy in der linken Hand, drehte er sich zu mir um. Er lächelte fast schon herablassend. „Seien wir ehrlich Thranduil, du kannst einfach nicht akzeptieren, das eine Frau mit dir Schluss gemacht hat und nicht umgekehrt. Ihr seid damals wegen einer Wette zusammengekommen und natürlich hat Lietúre die Wahrheit herausgefunden. Galadriel hat mir erzählt, wie du dich benommen hast, als die Kleine dich zur Rede stellte. Du bist ein eiskalter Mistkerl, weißt du das eigentlich? So geht man nicht mit Frauen um.“
Wütend riss ich ihm meinen Becher Kaffee aus den Händen. Die unselige Wette war seine Idee gewesen. Gut, wir waren beide damals ziemlich betrunken, aber letzten Endes war er Schuld an der Misere! Selbst wenn er Recht haben sollte und ich allein weil sie mich abgewiesen hatte, sie zurück wollte, ginge es ihn immer noch nicht an. Höchstens ihre Brüder, aber Elros und Elrond würden sich mir nicht in den Weg stellen.
„Halt den Mund, Celeborn! Als ob du nie etwas Schlimmes gemacht hättest. Darf ich dich an Lorena erinnern? Oder an Varisse?“
Lässig winkte er ab. Seine Kaltblütigkeit und heuchlerische Ignoranz regten mich nur noch mehr auf. Er hatte wirklich kein Recht mir Vorhaltungen zu machen. Wie er mit Lorena und Varisse umgegangen war, das konnte ich einfach nur als krank bezeichnen. Für solche Spiele brauchte es viel Vertrauen beidseitig. Aber er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht sicher zu gehen, dass es ihnen währenddessen gut ging. Das war eine Seite an ihm, die ich verabscheute.
„Das ist lange her und sie wurden großzügig entschädigt.“
Finster funkelte ich ihn an. Das entwickelte sich gerade zu einem handfesten Streit und ich hatte nicht einmal den ersten Kaffee intus! Ein schlechter Start in den Tag. Zumal Celeborn, Glorfindel und ich uns eine WG teilten. Glorfindel verbrachte die meiste Zeit mit seinem Freund Erestor. Die beiden waren seit Beginn des Studiums zusammen und quasi unzertrennlich. Celeborn dagegen, nun er war an beiden Geschlechtern interessiert und einem Seitensprung nicht wirklich abgeneigt. Treue im Liebesleben war ein Fremdwort für ihn.
„Du hast ihnen Geld bezahlt, damit sie ihre Kinder abtreiben und eine Anklage zurückziehen! Cel, du hast ihr Schweigen erkauft!“
„Was regst du dich eigentlich so auf, Thranduil? Soweit ich weiß, geht es ihnen gut und sie sind ziemlich erfolgreich in ihren Berufen.“
„Und das entschuldigt alles oder wie?!“
„Trink deinen Kaffee aus, du Nervensäge. Ich muss los!“
„Läufst wieder vor der Wahrheit davon, nicht wahr?“ Die gehässige Frage war gestellt, ohne dass ich darüber nachdachte. Celeborn verpasste mir einem Kinnharken und verschwand Türen schlagend. Ich rieb mir das Kinn und ignorierte den pochenden Schmerz. Erst einmal würde ich meinen Kaffee trinken und die Celeborn-freie-Zeit genießen. Lang genug würde sie ja wahrlich nicht anhalten.

Als ich die Tür zur Universitätsbibliothek aufstieß hielt ich überrascht inne. Neben Elrond, der sich über irgendeine medizinische Abhandlung beugte, saßen seine Mitstudentinnen Celebrían und die Zwergin Arlais. Beide Mädchen hatten bislang nie so viel Interesse an der Bibliothek gezeigt, anders als der Frischling Legolas, ein enger Freund der Zwillinge. Elrond und Legolas leiteten sogar den örtlichen Literatur-Club und organisierten regelmäßig irgendwelche Events. Schon seltsam, das ausgerechnet der Herzensbrecher und Player Elrond auch diese ernste Seite hatte.
„Wie war eigentlich gestern die Überraschungsparty? Hat sich Li darüber gefreut?“ Arlais betrachtete Elronds dunklen Haarschopf mit sichtlichem Interesse. Allerdings war dieses nicht sexueller Natur. Wie ungewöhnlich. Normalerweise brauchten die Frauen nur einen Blick auf ihn zu werfen und schon liefen sie ihm förmlich wie kleine Hündchen hinterher – mit Ausnahme natürlich seiner Schwester und seinen anderen weiblichen Verwandten. Nachdenklich lehnte ich mich gegen ein Bücherregal um zu lauschen. „Sie war nicht wirklich begeistert und hat uns heute Morgen einen lautstarken Vortrag gehalten. Wenigstens sind bald Ferien und ihre Abschlussprüfungen auch vorbei. Vielleicht wird sie dann etwas lockerer.“
Interessant. Das klang ja geradezu vielversprechend.
„Dann steckt sie jetzt also in der ganz heißen Prüfungsphase?“
„Jap. Und sie wird unausstehlich, wenn man sie vom arbeiten abhält. Ich weiß nicht, wie sie es schafft, all dieses Wissen zu behalten und nicht zu verwechseln im Ernstfall. Sogar vom Chor und der Buchhandlung hat sie sich momentan losgesagt. So viel lernen kann nicht gesund sein.“ Überrascht musterte Elrond seinen Freund, der ruhig die vor ihm liegenden Bücher katalogisierte. Legolas, das brünette Organisationstalent und Mitbewohner von der Wohnung, in der Lietúre lebte. Gemeinsam mit der Zwergin Dis und den beiden Hobbits Bungo Beutlin und Belladonna Tuk. So viel hatte ich in Erfahrung bringen können. Brim wurde äußerst redselig unter Alkoholeinfluss. Sehr nützlich für meinen Geschmack.
„Machen Dis und Bella eigentlich auch ihren Abschluss diesen Sommer?“
Ohne aufzusehen von seiner Arbeit antwortete der dunkelhaarige Elb gelassen: „Das tun sie. Bungo arbeitet ja sehr erfolgreich in dem Familienunternehmen, einer Bäckerei- und Konditoreikette. Insgesamt haben alle viel zu tun und ich werde froh sein, wenn der ganze Stress ein Ende hat. Aber genug von uns, wie steht es mit euren Ferienplänen?“
Arlais hob die Schultern und drehte eine braune Haarsträhne zwischen den Fingerspitzen. „Bisher habe ich noch nichts Konkretes vor. Vielleicht statte ich meiner Verwandtschaft die aufgeschobenen Besuche ab oder fahre für ein paar Tage ans Meer. Was ist mit dir Bria?“
„Ich soll an ein paar Empfängen teilnehmen, weil Galadriel keine Lust hat, diesen Sommer die Rolle der Repräsentationsfigur für die Familie und das Unternehmen zu verkörpern. Vater sprach von irgendwelchen Eheanbahnungen in diesem Zusammenhang.“ Sie schnitt eine Grimasse. „Ich hoffe sehr, dass ich darum herumkomme. Bevor ich über Heirat ernsthaft nachdenke, möchte ich viel reisen und erleben. Himmel, ich bin zwei Jahre älter als Li und viel zu jung um zu heiraten.“
Leise kicherten Arlais, Legolas und Elrond über ihren wehleidigen Tonfall. Im Schatten verborgen grinste ich. Ja, das sah Galadriel ähnlich, sich vor ihren eigentlichen Pflichten in der Glamour-Welt zu drücken, solange sie tatsächlich ein Liebesleben hatte. Wie gut, dass sie die arme Celebrían einspannen konnte. Äußerlich ähnelten sie sich sehr, so dass es oft genug zu irgendwelchen Verwechslungen kam.
„Was ist mit dir Legolas?“
„Ich bin mit Lietúre für eine dreiwöchige Bootstour verabredet. Dieser Event steht schon seit einem Jahr an und mir ist es wichtig, Zeit mit ihr zu verbringen. Ohne den ganzen Prüfungsstress ist sie immer noch das Energiebündel von früher.“ Finster fixierte ich den jungen Mann. Er kam mir besser nicht in die Quere! Ich würde keinen Rivalen akzeptieren. Elrond hob mit einem Grinsen den Kopf. „Seid ihr eigentlich immer noch zusammen oder wieder getrennt?“
„Wir waren ein Paar, da hast du Recht und ich werde auch als ihr Begleiter zu ihrem Abschlussball gehen, aber ob wir wirklich zusammen sind musst du deine Schwester selbst fragen.“
„Sie würde mir den Kopf abreißen, wenn ich das täte.“
Ich trommelte leicht mit den Fingerspitzen auf meinem Oberschenkel. Was ich hier hörte gefiel mir gar nicht. Legolas wäre besser beraten sich von ihr fernzuhalten. Wenn ich eines nicht tat, dann war das Teilen.
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