Versuche mich zu lieben. Nein - liebe mich einfach!

von Eruanna
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Elrond Elros OC (Own Character) Thranduil
28.06.2018
27.08.2018
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LIETÚRE
Grollend starrte ich meine beiden Freunde an. Sie hatten es doch tatsächlich gewagt, mich von meinen Büchern wegzulocken, in dem sie behaupteten, dass meine Brüder Elrond und Elros wieder einmal in die Gruben gegangen wären um sich dort mit irgendwelchen Orks anzulegen – stattdessen war ich in eine ausgelassene Party geschleppt worden. Warum? Weil ich heute Geburtstag hatte und sie ihn feiern wollten. Die Tatsache, dass ich Geburtstagen und Feiern im Allgemeinen wenig abgewinnen konnte ignorierte sie natürlich. Finster verschränkte ich die Arme vor der Brust. Es war eine Sache, mich vom Lernen so kurz vor meinem Abschluss abzuhalten,  aber eine ganz andere, mir eine solche Lüge aufzutischen. Da half ihnen auch nicht dieser Welpenblick kombiniert mit einem Schmollmund. Wenn Glorfindel und Lindir eines waren, dann unverbesserlich. Bei beiden konnte ich allerdings nicht so ganz nachvollziehen, warum sie meinen Geburtstag so wichtig fanden, dass sie mir eine solch gewaltige Lüge auftischten. Immerhin war der Abschluss wirklich wichtiger. Ich war ein Jahr älter geworden, na und? Kein Grund, darum einen derartigen Wirbel zu veranstalten. Ich feierte seit meinem Auszug von Zuhause meinen Geburtstag nicht mehr. Dieser wiederum lag nun sechs Jahre zurück. Sechs lange Jahre der Freiheit – zumindest hatte ich das gedacht, bis ich vor drei Wochen zufällig meinen Ziehvater Maedhros in meiner Nähe bemerkte. Ab dann hatte ich erfahren, dass ich die ganze Zeit überwacht worden war von ihm und seinen Brüdern. Als ob ich nicht auf mich allein aufpassen könnte! Ich hatte ihn zur Rede gestellt. Die Antwort ließ mich immer noch mit den Zähnen knirschen: >Du bist immer noch unser kleines Mädchen. Deine Eltern würden wollen, dass wir auf dich aufpassen, Li. Wer weiß, wer sich sonst an dir vergreifen würde.< So viel zu dem vielgerühmten Vertrauen, das zwischen uns eigentlich bestehen sollte. Was die Geschichte mit meinen Eltern anging, ich konnte mich nicht einmal an sie erinnern! Damals, als der Brand stattfand, war ich gerade mal drei Jahre alt gewesen. Von ihnen war nichts übrig geblieben, keine einzige Erinnerung. Nie hatte ich meine Brüder gefragt, ob sie sich an sie überhaupt erinnern konnten, denn sie sprachen nicht gerne über diese Zeit. Seufzend konzentrierte ich mich wieder auf die Gegenwart. Wie schnell konnte ich wohl den Ort verlassen, ohne dass meine Brüder mir in die Parade fuhren, von meinen Freunden ganz zu schweigen?! Wären es wenigstens nur Thorin, Dwalin, Balin und Dis, meine Klassenkameraden, mit denen ich feierte! Aber natürlich hatte man diese Vier nicht eingeladen. Ich hatte nie verstanden, was meine nervige Verwandtschaft und einige Freunde gegen sie hatten. Mit ihnen war ich durchaus bereit, mal zu schwänzen und die Bücher sein zu lassen. Aber sie waren nicht hier um mich vor der Ansammlung chronischer Idiotie zu retten. Bedauerlich. Früher oder später würde ich aus der Haut fahren.
„Ach, komm schon Li. Wir haben uns solche Mühe gemacht. Freust du dich nicht ein bisschen?“ Die erwartungsvollen Gesichter gefielen mir überhaupt nicht. Ich mochte keine Menschenansammlungen. Ich schloss kurz die Augen und zählte im Stillen bis zehn. Warum musste ich nur so viele männliche Freunde und Verwandte haben, die meinten zu wissen, was für mich das Beste war? Sah ich wirklich so hilfsbedürftig aus? War ich noch immer drei Jahre alt? Nein! Leider hatte ich weder eine Keule noch einen dicken Wälzer zur Hand, um sie damit zu erschlagen oder im Zweifelsfall mich. Die Musik dröhnte durch den Raum und ließ mich das Gesicht verziehen. Eindeutig nicht mein Geschmack. Aber was kann man von einer hinterlistigen Bande auch erwarten? Ich stellte mich auf die Zehenspitzen um meine beiden Brüder zu erkennen, die schamlos mit zwei Frauen flirteten. Spöttisch schnaubte ich. Notorische Player! Solange ich sie nicht wie vor drei Wochen in einer Gruppensex-Orgie erwischte, konnten sie sich meinetwegen vergnügen. Ich kannte ihre unterschiedlichen Methoden gut genug, um meine Freundinnen von ihnen fernzuhalten. Früher oder später verfiel jede ihrem Charme. Kotz. Spei. Würg. Augenverdrehen.
Wenigstens sie hatten ihren Spaß. Allerdings würde ich mir kaum mir die Mühe machen, mir die Namen ihrer gegenwärtigen Gespielinnen zu merken. Morgen waren es eh wieder andere. Reine Zeitverschwendung sich mit ihnen abzugeben. Aber sie waren nicht die einzigen Herzensbrecher in meiner Verwandtschaft. Wenn ich da so an Celebrimbor oder Aredhel dachte... Wo steckten die zwei übrigens? Sie waren bei jeder Party dabei, also müssten sie auch hier sein. Nicht, das ich mich zu ihnen gesellen wollte. Aber es war gut, sie im Auge zu behalten bei dem, was sie in betrunkenem Zustand alles anstellten. Tsts.
„Fragt mich das in drei Minuten noch mal.“ Angespannt überflog ich die Anwesenden. Nicht nur mein engster Freundeskreis war anscheinend eingeladen worden, sondern praktisch jeder, den ich jemals kennengelernt hatte, außer natürlich meinen Lieblingsklassenkameraden. Für einen Moment stockte ich, als ich den eisblauen Blick auffing. Das konnte nicht wahr sein. So grausam waren sie nicht, dass sie ausgerechnet ihn einluden! Ich musste mich irren. Nur waren meine Augen nicht wirklich schlecht. Verdammt sollten sie sein. Sofort suchte ich nach Fluchtwegen. Keinen Moment lang wollte ich mehr hier bleiben. Erst Recht nicht, wenn ich befürchten musste, dass er mich ansprechen würde und dank meines Geburtstages hätte er den idealen Vorwand. Meine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Macht eine Sekunde draus! Was macht ausgerechnet er hier?! Habt ihr alle den Verstand verloren?!“
„Lietúre!“ Oh nein. Nicht. Auch. Noch. Sie. Ich stürmte davon, ehe Galadriel mit mir reden konnte oder besser noch mich in die Arme ihres Ex-Freundes stoßen konnte. Oropherion konnte mir gestohlen bleiben. „Ich wollte dir zum Geburtstag gratulieren!“
Ich nickte ihr kurz über die Schulter hinweg zu. >Gehetzt< wäre die ideale Bezeichnung für meinen Gesichtsausdruck. „Glückwunsch angenommen. Tschüss!“ Alles, nur weg von hier. Leider suchten sich Celeborn, Erestor und Celebrimbor gerade diesen Moment aus, um sich vor mir aufzubauen und in eine Gruppenumarmung zu ziehen. Argh! Wollten die mich etwa zu Tode drücken? Gierig schnappte ich nach Luft und zappelte ein wenig in ihren Griff. Plötzlich lockerte sich die Umarmung, aber ich konnte nicht wirklich aufatmen. Kiefernholz und Wald. Diesen Geruch würde ich überall erkennen. Ich versteifte mich und versuchte Abstand zu ihm gewinnen.
Vergebens. Seine Arme hatten sich wie Stahlbänder um mich gelegt und verhinderten, dass mir die Flucht gelang. Verflucht! Das konnten sie mir doch nicht wirklich antun. Das Herz schlug mir bis zum Hals und ich spürte, wie die Kälte sich um mein Herz schloss. Würde er mich wieder so verletzen wie damals? Warum konnte er mich nicht einfach in Ruhe lassen?! Dennoch schwieg ich stur. Kein Wort würde ich mit diesem Mistkerl wechseln. „Lietúre. Entspann dich. Ich werde dich nicht verletzen.“ Verächtlich schürzte ich die Lippen. Ja sicher. Und die Orks waren kleine süße Häschen mit einer Vorliebe für Zuckerrüben. Anscheinend hielt er mich wirklich für dumm.
Es gefiel mir nicht, so an seinen Körper gedrückt zu werden, als würde Anspruch auf mich erheben. Das war lächerlich, ich gehörte nur mir selbst und hatte sehr gute Gründe Single zu bleiben. Kein Mann war es wert, seinetwegen eine Träne des Herzens zu vergießen – es sei denn, es handelte sich dabei um meine Brüder. Aber sie waren schon immer die berühmte Ausnahme der Regel gewesen.
„Warum musst du nur so stur sein?“ Ungläubig zog ich eine Augenbraue hoch. Wann hatte der das letzte Mal in den Spiegel gesehen? Wahrscheinlich erst heute Abend, bevor er hier aufkreuzte. Tsts, er sollte sich ruhig mit anderen Weibern beschäftigen. Ich kannte arrogante, herrische und befehlsgewohnte Männer zu gut, um den Fehler ein zweites Mal zu machen, mich auf ihn einzulassen. Er seufzte leise und ich spürte sein Atem in meinem Haar. Was zur Hölle machte er da?! Konnte er mich nicht einfach in Ruhe lassen? War das wirklich zu viel verlangt?
„Thranduil.“ Ich spürte, wie er erstarrte, als Maedhros seinen Namen aussprach. Nun, an seiner Stelle würde ich auch leicht panisch werden, denn die schneidende Kälte war die einzige Warnung, die man erhielt, ehe der rothaarige Hüne zuschlug. „Lass sie los.“

THRANDUIL
Ich bekämpfte halbherzig meinen berechtigten Ärger. Nach all den Mühen, die ich hatte sie aufzuspüren, sollte ich sie nun gehen lassen? Ausgerechnet die junge Frau, die ich niemals hatte aus meinen Gedanken, geschweige denn meinen Träumen verdrängen können?  Damals hatte ich den Fehler begangen sie gehen zu lassen und es jede einzelne Sekunde seither bereut. Warum sollte ich nun also auf seine Forderung eingehen?
„Maedhros.“ Ihre Stimme klang genauso frostig wie seine. Innerlich zuckte ich zusammen. „Wer ist für dieses Theater verantwortlich? Du, deine und meine Brüder?“
„Du solltest dich nicht immer hinter deinen Büchern verkriechen. Elros meinte, du hättest deine Geburtstage seit sechs Jahren nicht mehr gefeiert.“ Deutlich hörte ich ihr verächtliches Schnauben. Sie war wirklich nicht begeistert. Eigentlich konnte ich das nicht nachvollziehen. Ich hatte sie als lebensfrohes Energiebündel in Erinnerung, für jeden Spaß zu haben und so redselig, dass man ihr Schokolade in den Mund stopfen musste, damit sie mal still war. Anscheinend hatte sie sich in den letzten Jahren sehr verändert. Ob der Lerndruck dafür verantwortlich war? Von Elros wusste ich, dass Li neben der Schule auch noch in einem Chor sang, Nachhilfe gab und in einer Buchhandlung arbeitete. Ihr tägliches Pensum musste so enorm sein, dass sie abends kaum mehr Kraft hatte. Vielleicht rührten daher diese Schatten unter ihren Augen. Kein Wunder, das die anderen sich alle Sorgen um sie machte. Irgendwann musste sie unter diesem Druck einbrechen! Sie war doch keine Maschine. Mal ganz davon abgesehen, dass ihr Liebesleben gehörig darunter litt. Ja, ich hatte mich diesbezüglich informiert. Ich wollte keinen Rivalen, auch wenn das natürlich einen gewissen Reiz hätte...
„Ha! Einen feinen Plan habt ihr euch da ausgedacht!“ Wow, ihre Worte trieften vor Sarkasmus. Meine Mundwinkel begannen zu zucken, während ich den rothaarigen Hünen vor mir betrachtete. „Kümmere dich meinetwegen um diese lästige Kakerlake, die mich festhält -“ empört schnappte ich nach Luft, was sie natürlich ignorierte, „- aber lass mich verdammt noch mal in Frieden! Ich bin nicht ausgezogen um mich von euch weiter bemuttern zu lassen. Rhos, ich bin erwachsen!“
Ich zog amüsiert eine Augenbraue hoch. Ah, da war ja ihr Temperament, das hatte ich schon schmerzhaft vermisst. Der Hüne dagegen zuckte leicht mit den Schultern, ehe er mich mit einem tödlichen Blick bedachte. Nun wurde mir doch etwas mulmig zumute. Seine Miene verriet, dass es ihm bitterer Ernst war mich loszuwerden. Oh, autsch. Ganz lebensmüde war ich noch nicht. Vielleicht sollte ich mich tatsächlich für einen strategischen Rückzug entscheiden, denn in dieser Stimmung hätte ich nicht einmal den Hauch einer Chance. Murrend ließ ich Lietúre los und machte mich auf die Suche nach Elros. Zeit, alles über die Buchhandlung herauszufinden, in der sie arbeitete...
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