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von phantasos
OneshotFamilie / P6
Alice Williams AX400 Kara TR400 Luther
28.06.2018
28.06.2018
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826
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28.06.2018 826
 
Kara lauschte aufmerksam dem Knistern neben ihr. Androiden empfanden weder Kälte noch Wärme, aber hatten sie den Kamin erbaut, sollten Rose und Adam auf Besuch kommen. Menschen waren anders und in Kanadas Wäldern konnte der Winter rau werden.
Irgendwann dann, nach den ersten Besuchen, hatte Kara sich dabei ertappt, wie sie es sich zur Angewohnheit gemacht hatte, an stürmischen Abenden das Feuer zu schüren.
Einfach so, weil sie es mochte und das Haus nicht in gänzlicher Stille unterging.

Luther hatte ihnen eines gebaut, ein Holzhaus, direkt am Rande des kleinen, überschaubaren Städtchens, fast schon im Nirgendwo.
Großstädte mieden sie, hatten genug von ihnen und hier fand sich alles, dass ihnen ein gemächliches Leben ermöglichte. Selbst mit den Bewohnern arrangierten sie sich, obwohl es anfangs durchaus skeptische Blicke und Bedenken gegeben hatte, aber in dem Jahr, das sie nun hier wohnten, hatte sich das Bild gewandelt.
Man hatte Anschluss gefunden.
Dafür war sie Markus auf ewig dankbar. Seine friedvolle Demonstration hatte ihnen den Weg geebnet. Wäre jene Nacht anders verlaufen … was hätte auf sie gewartet? Wahrscheinlich Hass und Ablehnung statt eines freien und unbeschwerten Lebens.
Aber selbst heute noch war Akzeptanz keine Selbstverständlichkeit, das zeigten die noch immer geführten Diskussionen. Gegner lauerten und warteten auf Fehler, aber bislang zeigten sich Androiden, trotz ihres größten Fehlers … ja, fehlerfrei und boten wenig bis gar keine Angriffsfläche.
Welch Glück, sonst hätte Kara mit ihrer Familie als Nomaden leben müssen. Nie länger als ein, maximal zwei Jahre am selben Ort leben können, bis ihre Tarnung ins Wanken gekommen wäre.
Menschen alterten. Menschen wuchsen, aber Alice blieb Alice.  
Oh Alice.
Kara hatte nie so recht verstanden, warum ihr System sämtliche Auffälligkeiten verleugnet hatte. Im Nachhinein hatte alles einen Sinn ergeben. Vielleicht, was sie Markus einst auch mitteilte, war Kara der Umstand egal gewesen. Ob Android oder Mensch. Sie hatte Alice als Kind gesehen. Als ein Kind, das beschützt werden musste. Was zählte da schon blaues oder rotes Blut?

Was wirklich zählte, war das Leben, das Alice nun führte. Sie hatte Anschluss gefunden. Sie hatte ein Zuhause und Eltern, die sie liebten. Mehr hatte sich Kara nicht wünschen können. Todd und die Flucht lagen endgültig in der Vergangenheit.
Überrascht wurde Kara einzig von der Bitte in die Schule gehen zu dürfen, wie ein menschliches Kind eben. Kara mussten lügen, hätte sie keine anfängliche Angst empfunden. Was dachten die anderen Kinder? Oder gar die Lehrer? Durfte sie überhaupt daran teilnehmen, sobald das Geheimnis aufgedeckt war? In den ersten Wochen verhielten sie sich eben zurückhaltend, aber ein übereifriges Spielen führte zur Aufdeckung.
Unbegründete Sorgen.
Einfach war es nicht gewesen, aber gehörte Alice nun dazu und sie hatte Freunde gefunden.
Aber, und Kara empfand etwas wie Furcht davor, wuchsen Kinder. Noch hielten die aufgebauten Banden, aber was dann? Wenn sie zu Teenager und später erwachsen wurden?  Alice hielt nicht mit, stagnierte.
Was geschah dann?

Starr fixierte Kara das Feuer.
Aus Angst war sie zur Abweichlerin geworden. Die Angst um Alice.
Mittlerweile war sie die Mutter geworden, nach der sich Alice immer gesehnt hatte und manchmal, und Kara gefielen diese Momente, wurde sie auch als Mom angesprochen.
Ein recht simples Wort, eine hohe Bedeutung.
War es das, das das Muttersein ausmachte? Sich sorgen, sich etliche Gedanken um das Kind zu machen?
Es war noch immer ungewohnt, manchmal furchteinflößend, aber um nichts in der Welt wollte sie eben jene Erfahrung hergeben.

Auch Luther wurde immer mehr zu ihrem Dad.
Sein Erscheinungsbild hatte die Leute gern eingeschüchtert, und passte überhaupt nicht zu seinem Wesen.
Ihr Beschützer, Verbündeter und Vertrauter.
Sie waren Freunde, die gemeinsam als Eltern fungierten. Wobei er derjenige war, der Alice weitaus mehr durchgehen ließ. Alice hatte ihn voll und ganz in der Hand.
Luther war eben ein sanftmütiger, freundlicher Riese.

Noch war ungewiss, wie lange sie hier das ruhige und normale Leben führten. Irgendwann, das wusste Kara, zogen sie weiter. Sie alle verspürten etwas wie Reiselust. Länder bereisen, Kulturen hautnah zu erleben.
Und doch hatten sie sich vorerst hierfür entschieden, nicht nur, weil es der perfekte Anfang für sie war, sondern weil ihnen die Zeit nicht davon lief.
Sie hatten noch genügend übrig und vor sich.
Alice hatte sich eingelebt, mochte die Schule. Luther und sie arbeiteten. Es war zwar eine vollkommen andere Welt, aber eine, die sie mochten und die sie glücklich machte.  
Eine Welt in Freiheit, die ihnen alles ermöglichte, worauf sie Lust hatten.
Sie waren frei.

Da schwang die Tür auf - sofort war ein helles und glückliches Lachen zu hören, gefolgt von Luthers schwerem Gang, woraufhin sich Kara erwartungsvoll umdrehte. Alice war bei Freunden gewesen und Luther hatte sie abgeholt. Für sie blieb er gerne länger in der Stadt und wartete, nur damit sie zusammen nach Hause gehen konnten.
Das Vatersein stand ihm.
Während Alice Kara freudig entgegen lief, um sich ihr in die Arme zu werfen, schüttelte Luther den letzten Rest Schnee von seinem Haupt. Er lächelte sanft.
Sie waren glücklich.
Sie waren eine Familie.
Das allein zählte.
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