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Sanctuary (ACoTaR)

SongficSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
27.06.2018
27.06.2018
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Auch hier gehört mir nichts.
Read and Review.
Das Lied stammt von Welshly Arms und ihr findet es hier:
https://www.youtube.com/watch?v=eYAQeV9Z00M

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Sanctuary


When the darkness don't let you sleep
I'ma hold you close

Ich hatte die Panik gefühlt, die sie ergriffen hatte. Verschwommene Bilder aus ihrem Traum hatten sich über das Band, das sich zwischen unseren Seelen spannte in meinen Geist gedrängt. Sie war wieder dort. Zurück in Amaranthas Thronsaal, hielt wieder den Dolch aus Eschenholz Umklammert und blickte in die, von Tränen verschleierten, strahlend blauen Augen des jungen High Fae den sie hatte töten müssen. Sofort wanderten auch meine Gedanken zurück zu jenem entsetzlichen Tag. Wieder hörte ich Feyres genick brechen, fühlte das Band zwischen uns zerfasern. Doch ich zwang mich ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Sie brauchte mich.
Ich sprang aus dem Bett und stürzte hinüber in ihr Zimmer. Sie schlief noch immer. Sie hatte sich in der Decke verheddert und ich registrierte am Rande dass ihr Bettzeug schwelte. Die Macht des Herbsthofes…
Doch ich dachte nicht weiter darüber nach. Ich packte sie an den Schultern und schüttelte sie.
„Feyre! Feyre, wach auf, alles ist gut. Es ist vorbei, du bist in Sicherheit.“ Sie kämpfte noch ein paar Augenblicke gegen mich an, dann schien sie mich endlich zu erkennen und lag still. Dann schien sie zu bemerken dass ihre Finger Löcher in ihr Bettzeug gebrannt hatten. Entsetzt starrte sie auf ihre Hände und im nächsten Moment hatte sie mich auch schon von sich gestoßen und stürzte ins Badezimmer, wo sie sich heftig in die Toilette erbrach. Ich beeilte mich ihr zu folgen. Neben ihr auf dem Boden kniend griff ich nach ihrem wirren, schweißnassen Haar und fasste es sanft im Nacken zusammen um es ihr aus dem Gesicht zu halten. mit der freien Hand beschrieb ich langsame, beruhigende Kreise auf ihrem Rücken. Es brach mir das Herz, sie so zu sehen.
Langsam beruhigte sie sich und ihre glühenden Fingerspitzen erloschen mit einem leisen Zischen am kühlen Porzellan der Toilettenschüssel.
„Herbst?“, fragte sie mich mit heiserer Stimme.
„Herbst.“, bestätigte ich leise und legte ihr einen tröstenden Arm um die Schultern. Ganz langsam hörte sie unter meiner beruhigenden Berührung auf zu zittern und lehnte sich an die geflieste Wand in unserem Rücken. Ich dachte darüber nach sie zu bitten doch ins Bett zurückzukehren, brachte es aber nicht über mich. Viel zu sehr genoss ich es, sie neben mir zu wissen. Außerdem fürchtete ich, der Anblick ihrer angebrannten Bettlaken würde die nächste Panikattacke bei ihr auslösen. Ich musste sie wechseln, bevor ich sie ins Bett zurückbrachte, fürchtete aber sie alleine zu lassen.
Schließlich traf sie indirekt die Entscheidung für mich. Ihr Kopf sank an meine Schulter, sie war wieder eingeschlafen. Vorsichtig löste ich mich von ihr und lehnte sie sanft gegen die Wand. Ich würde nicht lange brauchen. Ich eilte in ihr Zimmer, wo ich eilig die löchrigen und schweißgetränkten Laken gegen neue auswechselte.
Als ich das erledigt hatte kehrte ich zurück zu Feyre und hob sie behutsam in meine Arme. Sie war noch immer entsetzlich leicht. Der bloße Gedanke daran wie Tamlin zugesehen hatte wie sie Nacht für Nacht aus Alpträumen aufschrak und sich langsam aber sicher in ein bloßes Gespenst der jungen Frau verwandelt hatte die sie gewesen war, dem Tod näher als dem Leben ließ eisige Wut in mir aufsteigen. Ich hasste ihn dafür; Ich hasste ihn dafür was er ihr angetan hatte und dass sie ihn trotz allem noch immer liebte.
Vorsichtig, um sie nicht zu wecken legte ich sie zurück in ihr Bett und breitete die Bettdecke über sie.

And when space is all you need
I can let you go

Ich wäre gerne bei ihr geblieben, hätte sie einfach nur festgehalten um sie - und mich - vor den Alpträumen zu beschützen. Doch ich wusste dass sie es nicht gewollt hätte. Sie liebte mich nicht. Sie wollte mich nicht. Sie liebte Tamlin und, ich wusste, wenn sie es wollte würde ich sie gehen lassen. Ich würde sie nicht festhalten. Ich würde sie zurückkehren lassen zu dem Mistkerl, der zugesehen hatte wie sie langsam aber sicher starb; auch wenn es mir das Herz brechen würde, wenn sie es wirklich wollte würde ich sie gehen lassen.

And if the spark in your eye goes out
I can be your glow
Bringing you home, yeah
Bringing you home

Doch so lange sie es mir erlaubte würde ich alles dafür tun, dass es ihr besser ging. Und wenn ich sie bis aufs Blut reizen musste um jenen Lebensfunken in ihre Augen zurückzuholen, ich würde es tun.

I see your hurt, I feel your pain
All of our dirt is washed in the rain
I've walked that road, I've felt that shame
No place is home but times, they are changin’

Ich wusste welche Schrecken sie im Reich unter dem Berg durchlebt hatte. Viele von ihnen hatte ich mit ihr geteilt auch wenn sie, wie ich mir eingestehen musste, mich vermutlich eher als Feind denn als Freund betrachtet hatte. Doch ich hatte nicht anders gekonnt. Ich hatte keine andere Möglichkeit gesehen zugleich sie und die Menschen die ich liebte zu beschützen.
Doch zu meiner äußersten Erleichterung kehrte nun hier in Velaris, langsam aber sicher die Farbe zurück in ihre Wangen.

This is our sanctuary
We can find shelter and peace
This is our sanctuary
You are, you are safe with me

Die Stadt des Sternenlichts war nicht nur die Zuflucht für mich und mein Volk, auch Feyre schien im Frieden der Stadt langsam eine Heimat gefunden zu haben.
Und noch wichtiger: Langsam schien sie sich mir zu öffnen.

This is our sanctuary
We can find shelter and peace
This is our sanctuary
You are, you are safe with me

Und endlich, exakt ein Jahr nach dem ich sie zum ersten Mal gesehen hatte erhielt ich die Gelegenheit ihr die Wahrheit zu sagen. Und sie wandte sich nicht von mir ab. Endlich gestand sie sich ein, dass sie meine Gefühle erwiderte.
Und in dieser Zeit des drohenden Krieges war ich glücklicher als ich es jemals zuvor gewesen war. Feyre liebte mich!

When the rain starts to take its toll
You can slow me down

Und nun war sie es die mich daran erinnerte,
wofür ich lebte. Die mich zurückhielt wenn ich drauf und dran war mein Leben in einem zwecklosen Unterfangen aufs Spiel zusetzen. Ich trug die Verantwortung nicht mehr alleine. Ich hatte meine Seelengefährtin an meiner Seite.

’Cause we both know that the world's turned cold
And I just need you now
Keep holding on (hold onto me, hold on)

In ihren Armen fand ich Trost, schöpfte neue Hoffnung darauf, dass vielleicht noch nicht alles verloren war.

You'll see my hurt, you'll feel my pain
All of our dirt is washed in the rain
You've walked that road, you felt that shame
No place is home but times, they are changin’

Und keiner meiner Freunde, nicht Mor oder Amren, nicht Cassian oder Azriel verstanden mich so wie sie es konnte. Nur ihr konnte ich anvertrauen was man mir im Reich unter dem Berg angetan, was ich geopfert hatte um meine Familie zu beschützen.

This is our sanctuary
We can find shelter and peace
This is our sanctuary
You are, you are safe with me
This is our sanctuary
We can find shelter and peace
This is our sanctuary
You are, you are safe with me
You are, you are safe with me

Und gemeinsam waren wir stark. Unsere Liebe umhüllte uns wie ein Schutzmantel, spannte sich zwischen uns wie eine unzerstörbare Kette und wir beide schöpften Kraft daraus.

We share this hurt, we share the pain
All of our dirt is washed in the rain
We've walked that road, we've felt that shame
Mmh, times, they are changin’

Und wenn nun einer von uns aus einem der, deutlich seltener gewordenen, Alpträume aufschreckte schloss der andere ihn fester in die Arme. Wir mussten nicht darüber sprechen, welche Erinnerungen uns im Traum heimsuchten: Wir hatten sie beide. Wir hatten es gemeinsam durchlebt und gemeinsam überstanden.
 
 
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