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a little something

OneshotFreundschaft / P12
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
26.06.2018
26.06.2018
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Detroit: Become Human - Connor & Hank
                    A LITTLE SOMETHING


Halb eins.
Connor blickte mit gerunzelter Stirn von seiner Arbeit auf und ließ seine Sensoren gleichzeitig mit seinen Augen arbeiten, aber fündig wurde er nicht. Er registrierte das geschäftige Treiben im Büro, er konnte Detective Reeds stechenden, genervten Blick förmlich spüren, wie er sich in seinen Rücken bohrte, aber eine Sache fehlte.
Connors Blick wanderte zu dem Schreibtisch, der seinem gegenüber stand.
Oder vielmehr – jemand fehlte.
Lieutenant Hank Anderson.
Sein Tisch war immer noch leer.
Menschen würden jetzt wohl den Kopf schütteln oder seufzen oder eine ähnliche Reaktion zustande bringen; der Android dagegen starrte nur mit ausdrucksloser Miene zu dem verwaisten Platz.
Dem Police Departement wuchsen die Fälle beinahe über den Kopf, seit Markus es geschafft hatte, gleiche Rechte für Menschen und Androiden durchzusetzen, denn viele Menschen hielten immer noch an alten Prinzipien fest, was auch zu Verstößen führte – und immer mehr Androiden wiederum meldeten, weil sie ihre Rechte nun wirklich einfordern konnten. Die Akten stapelten sich im gesamten Büro, digital sowie aus Papier, und es war eigentlich umso wichtiger, dass jeder Officer seiner Arbeit nachkam.
Das hinderte allerdings den Lieutenant nicht daran, nach wie vor jeden Tag dann aufzutauchen, wenn ihm danach war.
Und es hinderte auch Reed nicht daran, untätig an seinem Platz herumzulungern, die Füße auf dem Tisch, das Smartphone in der Hand und gelegentlich zur Tarnung auf seinem Computer herumtippend, wie dem RK800 vermehrt auffiel. Seine vermeintlich dringend benötigten Kaffeepausen verbrachte er wohl damit, sich neue Beleidigungen für Connor auszudenken oder ihn finster anzustarren. So wie jetzt. Connor musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass sein Kollege gerade an seinem Kaffee nippte und ihn voller Missbilligung musterte, obwohl er eigentlich arbeiten sollte, statt sich mit einem Fakt zu beschäftigen, der nach den vergangenen Monaten Teil seines Alltags sein sollte. Sie waren nun mal Kollegen, ob es ihm passte oder nicht.
Der Android konzentrierte sich wieder auf Hanks leeren Platz. Sein Partner musste wirklich etwas an seiner Arbeitsmoral ändern. Und er sollte seinen Tisch bei Gelegenheit reinigen – dort sammelten sich langsam jede Menge Müll und alte Kaffeetassen.
Seine Augen wanderten zu seinem eigenen Tisch, der im Vergleich zu Hanks nahezu klinisch rein wirkte – was auch daran lag, dass er ihn nicht mit persönlichen Gegenständen beladen hatte und er als Android sonst keinerlei Abfall verursachte. Neben ein paar Schreibutensilien – die er eigentlich auch nicht benötigte, sondern nur dort lagerte, damit der Tisch nicht völlig leer wirkte – stand auf dem Tisch nur eine Schneekugel von Detroit, die Hank ihm vor einiger Zeit mitgebracht hatte, nachdem er sich beschwert hatte, wie ungenutzt der Tisch noch immer wirkte. Daneben lag normalerweise nur noch Connors Münze, mit der er sich hin und wieder die Zeit vertrieb, aber gegenwärtig drehte er sie bereits nachdenklich zwischen seinen Fingern.
„Hey Blechbüchse!“, schallte es auf einmal zu ihm hinüber und er spürte seine eigene Missbilligung. Gavin konnte es scheinbar nicht einen Tag aushalten, ohne dumme Sprüche zu reißen.
Der RK800 drehte sich mit seinem Stuhl und einem fragenden Blick zu seinem Kollegen, der ein arrogantes Grinsen zutage trug. Der Abweichler in ihm wollte ihm das Grinsen am liebsten aus dem Gesicht wischen, aber den Ärger war es ihm dann doch nicht wert.
„Kommt der alte Sack heute noch zur Arbeit oder hat er keinen Bock mehr darauf, mit einem wandelnden Stück Plastikmüll zu arbeiten?“
Connor runzelte die Stirn, seine Sprüche waren früher definitiv kreativer gewesen. Ihm schienen langsam die Ideen auszugehen. „Tut mir Leid, Sie enttäuschen zu müssen, Detective Reed, aber ich weiß auch nicht, wo der Lieutenant ist.“
Reed schien gerade zu einer Erwiderung ansetzen zu wollen, als eine andere, knurrige Stimme sich einmischte. „Der alte Sack schlägt dir für die nächste dämliche Bemerkung in die Fresse und du wärst überrascht, wie viel Kraft er noch hat, Reed.“
Gavin wandte sich um und sah sich einem schlecht gelaunten Hank gegenüber, der ihn alles Andere als wohlwollend anblickte. Scheinbar wollte er sich keinen weiteren Ärger einhandeln und entschied, endlich wieder zu arbeiten, statt nur an seinem Platz herumzusitzen und nichts zu tun – denn er wandte sich seinem Computer zu, ohne einen weiteren Blick zu wagen.
Jeder, der ihn eine Weile kannte, wusste – mit einem derart schlecht gelaunten Hank war nicht gut Kirschen essen. Selbst Reed fügte sich dem praktisch immer.
Der Lieutenant schnaufte unterdessen einmal laut und setzte sich wieder in Bewegung, hielt auf seinen Platz zu und nickte seinem Partner nur zur Begrüßung zu, was dieser mit einem versuchten Lächeln erwidern wollte – ausgehend von Hanks skeptischem Blick schien das aber eher weniger zu funktionieren. Connor registrierte das etwas nachdenklich, Menschen taten so etwas untereinander häufig. Vielleicht hatte er ja einfach den Bogen noch nicht raus?
Hank ließ sich bloß missmutig auf seinen Stuhl fallen und presste eine Hand kurz an seinen Kopf, bevor er sich seinem Computer zuwandte.
Der Android sah ihn einen Moment ausdruckslos an, ein schneller Scan verriet ihm nur, dass sein Partner wieder getrunken hatte.
„Was is'?“, murrte er; Connor musste ihn länger gemustert haben, als ihm klar war.
„Geht es Ihnen gut, Lieutenant?“, fragte er direkt und Hank blickte ihn verständnislos an.
„Seh' ich vielleicht so aus?“
„Nein, tun Sie nicht.“
„Gut, dem ist nämlich auch nicht so.“ Hank betonte den Satz schon beinahe übertrieben, Connor runzelte nur die Stirn.
„Sie wollten doch weniger trinken.“
Hank lächelte, aber der Android erkannte es als ein ironisches Lächeln. Das hatte er mittlerweile verinnerlicht. „Pass auf, Connor, steck' deine neugierige Nase einfach nicht in meine Angelegenheiten, sondern konzentrier' dich auf deine Mission.“
„Lieutenant, Sie sind immer noch mein Partner und es gehört zu meiner Aufgabe, auf Ihre Gesundheit zu achten“, erwiderte er und Hank seufzte.
„Du hast mir wirklich besser gefallen, als dein einziges Ziel die Erfüllung deines Jobs war.“
„Ich berichtige Sie nur ungern, aber das habe ich nicht.“
Hank blickte ihn einen Augenblick schweigend an, dann seufzte er erneut. „Nein, hast du nicht“, gab er nach und ein Schmunzeln bemächtigte sich seiner Gesichtszüge. Er wandte seinen Blick ab und begann in einer Schublade seines Tisches zu wühlen. „Ich hab da was für dich“, sagte er währenddessen und schloss geräuschvoll eine Schublade, um eine andere zu öffnen. „Wo hab ich das Ding denn...“
Es dauerte einen Moment, bis er schließlich ein dunkelgraues Bündel hervorholte. Stoff, wie der Android über einen flüchtigen Scan feststellte. Hank erhob sich derweil von seinem Platz und ging um seinen Tisch herum, bis er an den seines Partners gelangte, wo er stehen blieb und auf das Stück Stoff in seinen Händen hinabsah. „Ich dachte mir, du könntest vielleicht was brauchen, wo nicht fett drauf steht, dass du 'n Android bist. Jetzt, wo alle von gleichen Rechten reden.“ Er streckte das Bündel in Richtung seines Partners und Connor blickte einen Moment von Hank zu seinen Händen und wieder zurück; er legte seine Münze auf den Tisch, die er seit Hanks Eintreffen nur noch ruhig in seiner Hand gehalten hatte. Er hatte bisher nicht wirklich darüber nachgedacht, sich von seiner Kleidung zu trennen. Er mochte sein Aussehen und ihn störte es nicht, dass seine Modell- und Seriennummer auf seiner Brust prangten, genauso wenig wie ihn der Schriftzug auf seinem Rücken störte oder die blau strahlenden Dreiecke auf seinem Rücken und seiner Brust – oder die LED an seiner Schläfe und das breite, blaue Band an seinem rechten Arm. Das alles war immer noch ein Teil von ihm.
Aber er wusste auch, dass Hank Recht hatte, wenn er ihm vorschlug, auch andere Kleidung zu tragen – wenn die Androiden sich weiterhin so merklich von der Masse abhoben durch ihre Kennzeichnungen und Kleidung, würde es nur schwieriger werden, sie zu integrieren.
Connor nahm Hank das dunkelgraue Kleidungsstück ab und hielt es vor sich in die Luft, um seine gesamte Erscheinung zu mustern. Ein Kapuzenpullover, auf dem Detroit Police stand, begleitet von dem Symbol des Departements.
„Danke, Hank.“ Connor sah von dem Pullover wieder zu seinem Partner, der mittlerweile wieder auf seinem eigenen Platz saß und ihm ein warmes Lächeln schenkte, bevor er sich seinem Computer zuwandte. Connor lächelte seinerseits etwas unsicher, bevor er das Kleidungsstück fein säuberlich zusammenlegte und auf seinem Tisch deponierte, damit er weiter arbeiten konnte. Er war sich nicht völlig sicher, ob seine Reaktion so war, wie ein Mensch sie erwarten würde, doch Hank machte nicht den Eindruck, als wäre er unzufrieden damit, also schien sie richtig gewesen zu sein. Es war noch etwas schwierig für ihn, sich damit auseinanderzusetzen, menschlich zu empfinden, aber es wurde doch besser.
Der Android hörte Gavin verächtlich schnauben – was scheinbar auch dem Lieutenant nicht entgangen war. „Willst du was loswerden, Reed?“ Seine Laune schien wieder sichtlich gesunken zu sein.
„Nein nein“, kam nur abwehrend zurück, doch die Beiden lieferten sich ein vielsagendes Blickduell, bevor sie sich wieder ignorierten.
„Arschloch“, murmelte Hank verärgert und wandte sich dem Bildschirm vor ihm zu.
Connor beobachtete das nur leicht amüsiert, bevor er seine Münze wieder vom Tisch nahm und sie zwischen seinen Fingern spielen ließ, während er sich auf Meldungen neuer Vorfälle auf seinem eigenen Bildschirm konzentrierte.
Allerdings wanderte sein Blick noch einmal kurz zu dem dunkelgrauen Pullover, der neben ihm auf dem Tisch ruhte.
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