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Blauer Nagellack

von JaliceTo
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Alex Standall Bryce Walker Hannah Baker OC (Own Character)
26.06.2018
29.07.2018
12
15.545
3
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
29.07.2018 2.170
 
Huhu Ihr lieben, ich wollte euch nur Bescheid geben das wir uns langsam aber sicher dem Ende der Story nähern. Es wird noch der Epilog kommen =)
Viel Spaß beim lesen wünsche ich euch.

Lg eure JaliceTo

Hilferuf

Einige Wochen sind vergangen und ich hatte Hannah´s Rat befolgt. Ich hatte Zach kurz nach Ende des Sozialkundekurses abgefangen und mein Herz hatte so schnell geschlagen, das ich davon überzeugt war, er hätte die Lautstärke ganz bestimmt gehört.


"Zach? Kann ich dich kurz sprechen?"

Einige Schüler gingen an uns vorbei und ich hatte mich endlich getraut, Hannah´s gut gemeintem Rat folge zu leisten. Zach würde bestimmt nicht beißen und mehr als nein sagen konnte er nicht. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie Hannah mir nur aufmunternd zu nickte, ehe sie mit den anderen Schülern das Klassenzimmer verließ.

"Hey Adriana - klar was gibts?"
Ich beobachtete wie Zach seinen Rucksack geschultert hatte, den Stuhl zurück an den Tisch und blickte mich dann abwartend an. Ich konnte seine dunklen Augen erkennen, wie sie freundlich-abwartend funkelten. Wie konnte eine Person so schöne dunkle Augen haben? Vielleicht sollte ich aufhören weiter darüber nach zu denken und mich auf das wichtige konzentrieren.
"Gehst du auf den Winterball?"

Das war eine nicht clevere  und doofe Frage. Warum bin ich nicht gleich mit der Tür ins Haus gefallen und habe gefragt, ob er mit mir dort hingehen möchte. War es jetzt doof so wie ich es angefangen habe? Hält er mich jetzt für naiv oder blöde? Oh Gott ich hätte mir einen Plan machen sollen.

"Ja, mit den Jungs", erwiderte Zach und warf einen kurzen schnellen Blick auf die große Uhr die im Klassenzimmer hing. Das war wirklich nahe liegend, immerhin unternahm er sehr viel mit den Jungs aus dem Baseball Team.
"Ja, Jeff hatte etwas erwähnt das ihr wohl alle zusammen Smokings kaufen gehen wollt", erwiderte ich und fuhr mir nervös durch meine blonden Haaren. Ob es nun irgendwas mit Rudeldynamik zu tun hatte oder ob es einfach nur so ein Ding unter Jungs war - würde ich nie erfahren, aber Jeff hatte mir diese interessante Sache letztens erzählt.

Jedenfalls lachte Zach kurz darüber, ehe er diese Sache bejahte.
"Richtig. Irgendwie sind wir auf die Idee gekommen das es praktisch wäre", erklärte Zach und wollte sich an mir vorbei schieben, um das Klassenzimmer zu verlassen. Jetzt oder nie! Ich sollte wirklich auf diese hartnäckige kleine Stimme hören.

"M..Möchtest du vielleicht mit mir zum Ball gehen Zach?"
Ich blickte kurz scheu auf den Boden, ehe ich es wagte vorsichtig in Zach´s Gesicht zu sehen. Seine dunklen Augen funkelten überrascht, aber freundlich. Und so veränderte sich auch seine Mimik. Ein freundliches Lächeln zierte sein Gesicht.
"Ich würde sehr gerne mit dir zum Ball gehen", sagte er ich und spürte wie mein Herz so schnell schlug, wie die Flügel eines Kolibri.
Ich strahlte ihn einfach nur happy an - ich hatte ein Date für den Winterball und es war Zach Dempsey. Könnte mein Herzschlag sich jetzt bitte wieder beruhigen?


Das Zach tatsächlich ja gesagt hatte, mein Date zu sein hatte ich erst etliche Stunden später realisiert und es natürlich sofort Hannah erzählt. Sie hatte sich für mich gefreut und ich hatte ihr dann den Tipp gegeben, einfach Clay zu fragen - auch wenn sie nur Freunde/Arbeitskollegen sind, war es einen Versuch wert. Sie hatte mir versprochen sich zu melden, nach dem Ende ihrer Schicht am heutigen Tag.

"Warum sind wir nicht auf die Idee gekommen zusammen Kleider für den Ball zu kaufen? Jetzt muss ich mit meiner Mom extra in die nächst größere Stadt fahren"
Leah und ich verließen gerade das Schulgebäude und wollten uns auf den Weg zu ihrem Auto machen, sie wollte mich zu Hause absetzten und dann mit ihrem Mom ein Kleid für den Ball kaufen gehen.
"Wir denken anders als die Jungs. Ich sage nur das letzte Basketball Spiel - weißt du noch wie wir auf der Tribüne saßen und geklatscht haben als das Team gewonnen hat. Die Jungs haben sich umarmt und hoch geworfen - anstatt sich einfach ab zu klatschen", erklärte ich. Dank der intensiven Planung des Teams für die schulischen Aktivitäts Vorbereitungen war die Atmosphäre beim ersten Basketball Spiel des Halbjahres ein voller Erfolg gewesen.
"Mich würde ja eher das verschwitze stören, und Jeff meint jedes mal, wenn ich ihm vom Training abhole, mich absichtlich fest umarmen zu müssen. Daran musst du dich nach dem Winterball gewöhnen, denn Jeff hat mir erzählt das Zach wohl über dich schwärmt", verriet Leah mir, fischte ihre Autoschlüssel aus der Tasche und wir erreichten eine Weile später ihren Wagen.
"Wer sagt das wir nach dem Winterball miteinander gehen? Ich meine er ist einfach so lieb und süß, aber es ist nur ein Tanz", erwiderte ich und spürte wie meine Wangen rot wurden.
"Gegen Gefühle kann man nichts machen. Wie ist denn euer Tanzkurs im Gemeindezentrum? Ihr habt noch zwei Stunden oder?", erkundigte Leah sich und sprach den Tanzkurs an, zu welchem Hannah und ich mich uns angemeldet hatten und ihn nun seit einigen Stunden/Abenden besuchten.
"Gut. Wir haben Spaß und Hannah kann den ganzen Scheiß der passiert ist mal vergessen - du weißt schon in den letzten Wochen", erwiderte ich und bekam ein zustimmendes Nicken von Leah.
"Das ist die High School - man sollte nicht viel auf den Mist geben der täglich passiert. Erst recht nicht auf so eine abfuckende Liste"
Sie verdrehte ihre dunklen Augen, schloss das Auto auf und stieg ein. Ich nahm auf dem Beifahrersitz platz und nickte zustimmend.
"Ich meine wer gibt schon großartig Wert auf eine ´Hot List´ sie wird nie in deiner Bewerbung fürs College zu sehen sein. Ich habe ihr gesagt, sie soll sich keinen Kopf darum machen, doch sie tut es. Konntest du in Erfahrung bringen, wer die Liste geschrieben hat?", erwiderte ich und meine Versuche, Hannah davon zu überzeugen, das es wirklich nur eine verdammte Liste war, hatten nicht so ganz funktioniert.
"Nein leider nicht, aber wenn Hannah mal ein wenig abschalten will und den ganzen Mist noch mehr vergessen will als nur bei einem Tanzkurs, Jeff will nächstes Jahr ne kleine Party schmeißen, während es Spring Breaks. Er hat Clay auch schon eingeladen - wir wollen alle ein wenig Spaß haben und du wirst mit Hannah kommen. Dein Handy hat gerade einen Ton von sich gegeben - ist es dein Date?", sagte Leah amüsiert und ich schmunzelte, warf einen schnellen Blick auf das Display und nickte.
"Ja, er fragt nach meiner Adresse, damit er weis, wo er mich nächste Woche abholen kann", erwiderte ich lächelnd.
"Süß. Also wir feiern den Spring Break nächstes Jahr zusammen und Hannah und Clay bekommen wir auch irgendwie zusammen", sagte Leah motiviert und zwinkerte mir zu.
"Klingt gut. Dann kann ich mich wieder im Billard versuchen, auch wenn ich das Gefühl habe das Jeff mich erneut dadrin schlagen wird", sagte ich kichernd und bedankte mich bei Leah für das nach Hause fahren, verließ das Auto und betrat mein zu Hause.

Meine Familie würde heute später kommen, aber damit hatte ich kein Problem. Ich würde mich schön in mein Zimmer verkrümeln und ein wenig lesen.
Allerdings änderten sich meine Pläne als es an der Tür klingelte.
"Hannah?"
Ich war extrem überrascht sie hier zu sehen, hatten wir uns verabredet? Nein. Hatte ich mein Handy Ladekabel bei ihr vergessen? Nein das war es auch nicht. Erst dann viel mir auf, das sie rote Augen hatte. War etwas passiert?
"Komm rein, möchtest du einen Tee oder ein Taschentuch?"

Zehn Minuten später saßen wir in unserer Küche, ein dampfende Tasse Erdbeertee stand vor Hannah ebenso wie eine Packung Taschentücher. Ich saß ihr gegenüber und bis jetzt hatte sie kein Wort gesagt. Sie starrte nur ihren Tee an und wirkte - in sich gekehrt.
"Du weist du kannst mit mir über alles reden. Egal was es ist", sagte ich vorsichtig und wollte meiner Freundin das Gefühl vermitteln, das sie mit mir über alles reden konnte. Doch Hannah zuckte nur mit den Schultern. Ich kannte dieses Bild des Lockenkopfes nicht und ich machte mir Sorgen. Es war eigenartig wie sie sich verhielt.
"Ich habe noch eine Tafel Schokolade , einen Moment ich werde sie holen gehen. Schokolade macht alles besser"
Ich stand auf und machte mich auf den Weg ins Wohnzimmer, um aus einem der Schränke eine große Tafel Vollmilchschokolade holen zu gehen.

"Sorry, meine kleine Schwester muss den Süßigkeiten Vorrat geplündert haben und..."
Ich blieb wie vom Blitz getroffen im Türrahmen zur Küche stehen und traute meinen Augen nicht.
"Hannah? Hannah hör auf damit!"
Es dauerte einen Moment bis ich mich bewegen konnte, um Hannah von diesem Verhalten abhalten zu können. Denn meine Freundin saß in ihrem Stuhl und kratze mit ihren Fingernägel über ihr rechtes Handgelenk. Es war kein einfaches normales Kratzen, als würde es irgendwo jucken. Nein in diesem Fall hatte es etwas hypnotisiertes, eingefahrenes an sich. Etwas verzweifeltes.
"Hannah - hör bitte auf, sie mich an ja?"
Vorsichtig hockte ich mich neben ihren Stuhl, zog ihre Hand, mit der sie sich an ihrem Handgelenk kratzte weg und hielt diese Hand sanft, aber bestimmt fest. Es dauerte einen Moment bis sie mich anblickte - in ihren blauen Augen schimmerten Tränen.
"E...es ist etwas passiert Adriana"
Es war ein verzweifelter Hilferuf von Hannah, ihr selbstverletztendes Verhalten war nicht gut - es war meist ein Zeichen für seelischen Stress und emotionale Belastung. Was ist nur passiert? Ich wusste es nicht, aber eine Sache war mir glasklar, ich musste nun für sie da sein - so etwas machen Freundinnen für einander und ich wollte nicht sehen das es ihr so schlecht geht.
"Was ist passiert? Erzähl mir davon - bitte", bat ich sie und die Tränen rollten nun über Hannah´s Wangen während sie mir langsam davon berichtete, was ihr in den letzten Monaten widerfahren ist. Von all den Dingen die niemand mitbekommen hat.

Hannah erzählte mir davon, wie sehr sie ihr erster Kuss mit Justin auf Wolke Sieben schweben gelassen hat, wie sehr sie gekränkt war, nachdem er dieses Foto gepostet hatte. Sie berichtete mir von der komplizierten Freundschaft zu Jessica und Alex, die sich irgendwann aufgelöst hatte und instabil geworden war. Ihr Herz hatte sich krampfhaft zusammen gezogen als Jessica zuerst eine kurze Beziehung mit Alex und anschließend mit Justin angefangen hatte. Hannah hatte sich von ihren beiden Freunden hintergangen gefühlt.

Dann sagte sie mir, wie enttäuscht sie von Courtney gewesen ist und das dieses Foto was auf mysteriöse Art und Weise den Umlauf gemacht hatte, von Tyler Down stammt - das er sie seit längerem stalken würden.
Des weiteren berichtete Hannah mir von der Situation mit ihren Eltern, das sie sich immer öfter streiten würden und als letzten Punkt warum sie sich so hilflos fühlte.
Die Nachwirkungen der Hot List. Die Jungs an unserer Schule sahen sie als ein Stück ´Frischfleisch´ das sie nach Lust und Laune betatschen konnten. Ihr Ruf als ´Schlampe der Schule´ war durch diese bescheuerte Liste noch verstärkt worden. Hannah erzählte mir davon, wie Bryce Walker ihr an den Arsch gefasst hatte, um den Wahrheitsgehalt der Liste zu überprüfen.
Außerdem hatte sie Angst das sie nicht gut genug für Clay wäre, das sie ihn verderben könnte.

Es häuften sich sehr viele Taschentücher an und ich hatte tiefstes Mitleid mit dem was Hannah widerfahren war.
Ich holte tief Luft und dachte über meine Worte nach. Ich wollte Hannah beruhigen - irgendwie.

"Wir finden eine Lösung okay? Ich bin an deiner Seite um diesen ganzen Mist Schritt für Schritt zu verkleinern ja? Da musst du nicht alleine durch. Ich habe damals als ich die Liste gesehen habe ein Foto davon gemacht. Wenn wir mit einem Erwachsenen darüber reden, ihm die Beweise zeigen können wir etwas verändern. Wir finden einen Weg das es dir nicht mehr so scheiße geht - das verspreche ich dir"

Ich nahm meine Freundin in den Arm und spürte wie Hannah sich fast schon nach Schutz suchend, an mich drückte. Wie lange hatte sie all das mit sich herum geschleppt? Warum hatte sie mir nicht früher von den Problemen die sie belasten erzählt?
Diese Fragen würde Hannah bestimmt nur als Vorwürfe auffassen und das wollte ich nicht.
Wir würden gemeinsam einen Weg finden, diesen ganzen Mist zu beseitigen.
Ich war nur froh diesen verzweifelten Hilferuf durch Zufall entdeckt zu haben - wer weis was passiert wäre wenn Hannah sich mir nie anvertraut hätte? So etwas wollte ich mir gar nicht ausmalen.
"Dich selbst zu verletzten mit deinen Fingernägeln ist nicht gut Hannah - wir reden mit deinen Eltern und Jess und Alex - und wenn sie es nicht verstehen sind sie blind. Du hast mich hörst du? Wir sind Freundinnen und werden immer für einander da sein", flüsterte ich ihr zu und hörte leise schluchzende Laute von Hannah.
Wir würden das schon schaffen. Irgendwie.
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