Schattenblume

OneshotDrama, Romanze / P16 Slash
25.06.2018
25.06.2018
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Herzlichen Glückwunsch an die geliebte  Yuena(-chan)! Du bist jetzt leider ein Jahr älter und ich hoffe, dass dir dieser One-Shot gefällt. ♥




Schattenblume


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Der Nachmittag im Blumenladen von Inos Eltern hatte angefangen wie immer, wenn Sakura von ihren Lesungen zurückkam. Sie steckte Blumensträuße zusammen, kümmerte sich freundlich lächelnd um Kunden und achtete darauf, dass alles in Ordnung war. Gut, es musste gesagt sein, dass sie erst seit knapp drei Wochen jeden Nachmittag aushalf, um sich etwas zu verdienen, immerhin musste sie das bisschen, was sie vom Staat als finanzielle Hilfe bekam, aufbessern. Jedenfalls machte sie das schon seit ein paar Wochen und es war gerade mal die erste Woche, dass sie alleine hier, vorher war Ino noch regelmäßig mit bei, um ihr im Notfall helfen zu können und Dinge zu erklären, doch mittlerweile vertraute man ihr so weit, dass sie es alleine schaffen konnte und die Pinkhaarige könnte momentan nicht stolzer sein.

Der letzte Kunde war vor einer knappen Viertelstunde gegangen und ließ Sakura mit nichts zu tun zurück. Sie wischte die Theke einmal sauber, sah nach, ob die Blumen in den Töpfen ordnungsgemäß gewässert waren und überlegte, ob sie noch einen weiteren Strauß binden sollte, als die Klingel von der Tür läutete und ihr somit anzeigte, dass jemand den Laden betreten hatte und lächelnd sah Sakura auf.

Ihr Lächeln gefror ihr auf halbem Wege.

Dort stand jemand, von dem sie dachte, dass sie ihn nie wieder sehen würde, nachdem sie sich damals im schlechten getrennt hatten. »Sasuko…«, murmelte Sakura überrascht und konnte nichts weiter tun, als die Dunkelhaarige aus ungläubigen grünen Augen anzustarren. Die andere Frau runzelte die Stirn und legte ihren Kopf leicht schief, sodass eine Strähne ihres langen Haares verrutschte. »Entschuldigung, kennen wir uns?«, fragte sie mit tieferer Stimme, als Sakura in Erinnerung hatte, doch es passte unglaublich zu ihr.

Fassungslos klappte Sakura der Mund auf. »Ja, das tun wir. Sasuko, wir waren mal befreundet, hast du das etwa schon vergessen?!«, kam es schnaubend von der Haruno und sie verschränkte ihre Arme vor ihrem Oberkörper. Oh je, dabei wollte sie doch gar nicht mehr wütend sein…

Doch Sasuko schüttelte nur etwas unbehaglich ihren Kopf. »Es tut mir leid, aber ich kann mich an nichts mehr erinnern, seitdem ich meinen Unfall hatte. Ich wünschte, ich könnte dich erkennen«, meinte sie mit einem entschuldigenden Tonfall und richtete ihre Körperhaltung, sodass sie ein bisschen gerader stand. Sakura erkannte das als ihre „Kampfhaltung“ – diese Bewegung hatte sie damals immer gemacht, wenn sie das Gefühl hatte in eine ihr unbekannte Situation zu gehen. Überrascht blinzelte Sakura.

»Das heißt… du kannst dich an rein gar nichts mehr erinnern? Nicht an unsere Freundschaft? Nicht an Naruto? Auch nicht daran, dass du dich wie der letzte Arsch benommen hast?«, fragte sie und jedes Mal schüttelte die Dunkelhaarige ihren Kopf. »Nein. Aber Naruto kenne ich jetzt wieder. Der Idiot ist wirklich… unermüdlich«, gab sie zu und Sakura prustete amüsiert. »Stimmt. Er ist eine Klasse für sich.«

Unbehagliches Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, weil keiner von beiden wirklich wusste, was er jetzt noch sagen sollte. Dann fiel Sakura ein, dass sie auch noch einen Job zu erledigen hatte. »Oh, tut mir leid, wie dumm von mir. Kann ich dir irgendwie helfen? Brauchst du einen Blumenstrauß oder doch lieber Blumen im Topf?«

»Einen Strauß. Zwei weiße Rosen, zwei gelbe Gerbera und weiße Hortensien«, sagte Sasuko und Sakura nickte. »Natürlich, warte bitte einen Moment«, meinte sie nur und begann die gewünschten Blumen in ihrer Hand zu arrangieren. »Möchtest du etwas Grünzeug als Deko haben?«, fragte sie und sah wieder von ihrer Aufgabe auf und erhaschte noch rechtzeitig einen Blick auf die Dunkelhaarige, die nickte. Schweigend verrichtete Sakura ihre Aufgabe, währenddessen ließ Sasuko sie nicht aus den Augen.

»Wird das ein Gesteck für ein Grab?«, fragte die Pinkhaarige und sah aus den Augenwinkeln, wie Sasuko sich versteifte und ihr Gesichtsausdruck kühler wurde. »Ja«, kam es lediglich von ihr und ihr Tonfall war bedeutend kühler, als zuvor. Sakura sah auf mit einem entschuldigenden Gesichtsausdruck. »Oh, das tut mir leid!«, sagte sie und sie meinte es auch so. Selbst wenn sie und Sasuko damals nicht unbedingt im Guten auseinander gegangen sind, so würde sie ihr doch niemals den Tod von jemandem wünschen, den sie liebte. So grausam war sie nicht.

»Darf ich fragen, wen es betrifft? Deinen Bruder?«, kam es sanfter von der Pinkhaarigen und sah noch aus den Augenwinkeln, wie Sasuko den Kopf schüttelte. »Meine Eltern. Autounfall, der gleiche, bei dem ich meine Amnesie bekommen habe«, gestand sie und Sakura nickte verstehend. Die Dunkelhaarige zog unamüsiert ihre Stirn kraus. »Warum erzähle ich das?«

Sakura zuckte mit ihren schultern. »Das kann ich dir nicht sagen.«

Es herrschte dann Schweigen zwischen den beiden Frauen, bis die Haruno das Gesteck fertig gebunden hatte und die Uchiha die Blumen bezahlt hatte.

»Bist du jetzt öfter hier oder ist das nur eine einmalige Aushilfe?«, fragte Sasuko sie und die Grünäugige sah auf, überrascht, dass die andere so viel Interesse zeigte, was damals nie der Fall war, selbst dann nicht, wenn es um Naruto ging und diese beiden waren anfänglich zwar wie Feuer und Wasser, aber trotzdem waren sie an der Hüfte permanent zusammen geklebt. Es überraschte sie, wenn sie ehrlich sein musste.

»Ich arbeite hier seit kurzem. Ich brauche das bisschen Extrageld, um mir meine staatlichen Hilfen aufzubessern.«

»Wofür brauchst du Hilfe vom Amt?«, kam es von der Dunkelhaarigen mit leicht schräg gelegtem Kopf und sah sie aufmerksam aus ihren obsidianfarbenen Augen an. Sakura spürte, wie sie rot wurde und senkte für einen Moment ihre Augen, bevor sie sich wieder gefasst hatte. »Ich studiere Medizin und meine Eltern können das nicht bezahlen, deshalb«, erklärte sie so knapp wie möglich, weil sie der Uchiha nicht noch unter die Nase reiben wollte, dass die Haruno im Vergleich zu ihr arm wie eine Kirchenmaus war. Das brauchte sie nun wirklich nicht.

Die Kundin sah sie einen Moment ausdruckslos an, ehe sie erneut ihr Portmonee raus holte und ihr einen kleinen Schein in die Hand drückte. Vollkommen überrumpelt starrte Sakura sie an und konnte es nicht fassen. »Was soll das jetzt?«, kam es verwirrt von ihr.

Die Uchiha biss sich leicht auf ihre Unterlippe und sah etwas unsicher aus, doch die Pinkhaarige war sich sicher, dass sie sich das nur einbildete, wieso sollte DIE Sasuko Uchiha unsicher sein? Dazu gab es keinerlei Grund. »Sieh’ es als… Trinkgeld dafür, dass du mir etwas von meiner schleierhaften Vergangenheit erzählt hast«, sagte sie nur und nahm hastig den Blumenstrauß in die Hand und wandte sich zum Gehen.

»Das kannst du doch nicht–«

»Doch, nimm’ es! Auf wieder sehen.«

»Ich wünsche dir auch einen–«, Sakura stockte für einen Moment der Atem, weil sie Sasuko einen schönen Tag wünschen wollte, obwohl sie gerade auf dem Weg zum Grab ihrer Eltern war. Das… war makaber. »… Bis zum nächsten Mal«, kam es deutlich leiser von ihr, doch die Dunkelhaarige verstand es, denn sie hob nur eine Hand zum Abschied, bevor sie mit dem Klingeln der Tür aus dem Laden verschwand.

Etwas verloren sah Sakura ihr hinterher.


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Immer noch am Grübeln, wegen dem, was am Vortag im Blumenladen von Inos Eltern passiert war, ging Sakura zur Uni aufgrund einer Lesung, jedoch war sie mit den Gedanken ganz woanders. Sie nahm kaum ihre Umgebung wahr und hätte der rothaarige Mann sie nicht zuerst gegrüßt, dann hätte sie ihn nicht bemerkt.

»Guten Morgen, Sakura«, grüßte er sie mit seiner üblichen monotonen Stimme und überrascht fuhr die Pinkette zu ihm herum. »Oh, Sasori-san, guten Morgen!«, kam es dann hastig von ihr und sie schenkte ihm ein abwesendes Lächeln, was Sasori gleich bemerkte. »Ist etwas nicht in Ordnung?«, fragte er sie und wenn sie es nicht besser wüsste, dann würde sie behaupten, dass seine braunen Augen sie gelangweilt ansahen, doch dem war nicht so.

»Ja, also, nein, ich habe nur... nur eine alte Klassenkameradin nach ein paar Jahren wieder gesehen... und ich weiß nicht so recht, was ich von ihrem Besuch halten soll...«, gestand sie und aufmerksam sah er sie an. »Wieso, ist etwas vorgefallen?«

»Nicht gestern, aber damals. Sie war... ein absoluter Arsch, das kann ich sagen, aber ich mochte sie trotzdem wirklich sehr, aber sie kann sich an unsere gemeinsame Schulzeit nicht mehr erinnern, weil sie in einem Unfall war, und nun ist sie so viel netter als vorher und sie hat ihr Gedächtnis verloren und ich sie hat da auch ihre Eltern verloren und einerseits tut sie mir leid, verstehe mich jetzt nicht falsch, aber andererseits bin ich immer noch ziemlich angepisst wegen damals, aber dann war sie gestern so... so hilflos, dass es mir das Herz bricht, vor allem, weil-«, Sakura hörte auf zu reden und starrte stumm und trüb vor sich hin.

»Weil?«, hakte Sasori mit unglaublich sanfter Stimme nach.

»Weil ich damals schon in sie verliebt war und ich glaube-«, ihre Stimme brach zum Ende hin und sie flüsterte leise vor sich hin: »Ich bin es immer noch, irgendwie.«

Hilflos sah sie ihn aus grünen Augen an und er legte eine Hand auf ihre Schultern. »Sakura. Es ist vollkommen... in Ordnung, wenn es so ist. Ich würde sagen, dass du sie noch einmal kennen lernst und du dich mit ihr anfreundest. Lerne, ob sie deine Zeit wert ist, aber lass' dich nicht auf eine Beziehung ein. Das wäre jetzt nicht gut für dich, vor allem in diesem Anfangsstadium«, erklärte er ihr und dankbar lächelte sie ihn nun an. »Danke, Sasori-san!«

Abwägend sah er sie an. »Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass du mich einfach Sasori nennst«, meinte er nur trocken und sie gluckste leicht. »Okay, Sasori«, bestätigte sie ihm und sah auf ihre Armbanduhr. »In einer Viertelstunde fängt meine Lesung an. Willst du noch vorher mit mir einen Kaffee trinken?«

»Gerne. Wenn du mir wieder etwas von deinen Ballett-Eskapaden erzählst«, neckte er sie dann und der Hauch eines Lächelns umspielte seine Lippen. Lachend warf sie ihren Kopf in den Nacken. »Das sind doch nicht meine Eskapaden, sondern nur die von den anderen Mitgliedern, Sasori!«

»Trotzdem würde ich gerne mehr von deinem Training erfahren.«

»Ich habe dir doch von der echt strengen Lehrerin erzählt, die aussieht, als wenn sie ein paar Gehstöcke verschluckt hätte, oder?«, als der Rothaarige bestätigend nickte, fuhr sie fort. »Jedenfalls hat einer das Ding des Jahres gerissen und sie hat dann-«

Bedeutend fröhlicher begann nun Sakura von ihren Erlebnissen zu berichten und vergaß darüber hinweg die Dunkelhaarige, die ihr solche Kopfzerbrechen bereitet hatte, ohne es zu wissen.


. ✽.



Als Sasuko das nächste Mal in dem Blumenladen während Sakuras Schicht auftauchte, war sie lange nicht so aus der Bahn geworfen, wie beim ersten Mal. Stattdessen lächelte sie Sasuko an, mit Sasoris Rat im Hinterkopf, dass sie die Uchiha neu kennen lernen sollte und dazu sollte sie ihren alten Groll und Schmerz begraben, denn diese Version von Sasuko wusste ja nicht, wie sie vor dem Unfall vom Charakter war und was nützte es ihr, wenn man sie immer darauf hinwies, dass sie eine absolute Bitch war, wenn sie sich nicht mal erinnern konnte, was sie getan hatte und wieso? Nichts, so viel nützte es ihr.

So kam es, dass sie Sasuko Uchiha eine zweite Chance gab in ihr Leben zu treten, wenn sie denn dazu gewillt war, was sich noch zeigen würde.

Die Dunkelhaarige nickte ihr grüßend zu. »Ich hätte gerne das Gleiche, wie beim letzten Mal, also zwei weiße Rosen, zwei gelbe Gerbera und weiße Hortensien.« Sakura summte leicht, als Zeichen, dass sie die Bestellung wahrgenommen hatte und machte sich auf gleich ans Werk. Diesmal war das Schweigen zwischen den beiden Frauen nicht so unangenehm, wie beim ersten Mal, sondern… entspannter. Bis die Haruno die Stille brach.
»Was machst du jetzt eigentlich vom Beruf her, Sasuko?«, fragte sie die Dunkelhaarige und schenkte ihr einen schnellen Blick aus ihren sittichgrünen Augen, die noch eindrucksvoller wirkten durch den Rest an Glitzer, der noch auf ihren Wangen klebte, von der gestrigen Ballettvorstellung.

»Ich helfe meinem Bruder – du kennst doch Itachi, oder?«, hakte sie fragend nach und die Pinkhaarige nickte zustimmend. »Jedenfalls helfe ich ihm ein bisschen die Firma von unseren Eltern zu führen. Aber eigentlich mache ich eine Ausbildung als Polizistin, zusammen mit Naruto.«

Überrascht sah Sakura auf. »Wirklich? Naruto hat nie etwas erzählt und dabei haben wir regelmäßig Kontakt und treffen uns noch!«, meinte sie nun eingeschnappt, dass ihr blonder bester Freund ihr diese Information vorenthalten hatte.

»Na ja, wenn wir im Streit auseinander gegangen sind, wäre es nicht sinnvoll, oder? Außerdem habe ich erst nach meinem Unfall mit der Ausbildung angefangen«, warf sie ein und Sakura schnaubte ungehalten. »Trotzdem! Er ist mein bester Freund! Sonst erzählt er auch jeden Scheiß’!«

»Ich habe ihn gebeten nicht jedem davon zu erzählen«, meinte Sasuko nur und Sakura sah sie überrascht an und blinzelte. »Wow, dann kann er besser ein Geheimnis für sich behalten, als ich dachte.«

Sasuko gab ein Schnauben von sich und ein überlegenes Grinsen schlich sich auf ihre Lippen und Sakura fühlte sich in ihre Kindheit zurück versetzt, denn diesen Gesichtsausdruck hatte die Dunkelhaarige schon damals immer getragen. »Naruto kann sehr wohl Geheimnisse und ähnliches für sich behalten. Er ist auch schlauer, als man auf dem ersten Moment erwarten würde.«

Sakura dachte an damals zurück, als sie weinend und mit gebrochenem Herzen bei dem Blonden aufgetaucht war, nachdem Sasuko alle zurück gelassen hat und abgerutscht war. Damals hat er ihre Schultern umfasst und sie aus sonst so selten ernsthaften blauen Augen angesehen. »Ich bringe dir Teme zurück und wenn es das Letzte ist, versprochen, Sakura-chan.« Sie konnte sich noch genau daran erinnern, wie hilflos und verzweifelt sie sich gefühlt hatte, wie sehr er ihr geholfen hatte, weil er ganz genau von ihrer Verliebtheit wusste und hat dieses Thema seitdem nie wieder aufgegriffen. Dafür war sie ihm dankbar.

»Ich weiß«, sagte sie nur mit leiser Stimme und nun Sasuko sie so… so weich an.

»Hier, dein Strauß«, Sakura reichte ihrem Gegenüber die Blumen, was diese annahm und auch gleich den Betrag auf die Theke legte.

»Danke. Wie läuft es mit deinem Studium?«, hakte sie nach und Sakura begann von ihren Vorlesungen zu erzählen, von ihren Kommilitonen und Professoren, auch von ihren Freunden, die sie dort kennen gelernt hatte, wie Sasori, Deidara, die ganzen Akatsuki-Leute im Allgemeinen und Sasuko hörte ihr die ganze Zeit interessiert zu und die Pinkhaarige musste zugeben, dass sie mehr miteinander sprachen, als in all’ den Jahren davor, was traurig war.

Sie sprachen noch eine lange Zeit miteinander und erst, als die Dunkelhaarige gegangen war und Sakura das Geld in die Kasse stecken wollte, fiel ihr auf, dass die Uchiha ihr wieder zu viel gegeben hatte. Einerseits wollte sie es zurückgeben, weil sie sich schlecht fühlte – es war ein Blumenladen, kein Restaurant, bei dem man der Kellnerin oder dem Kellner etwas extra gibst – und andererseits brauchte sie es und jedes bisschen half ihr… sie würde es mitnehmen. Dann würde sie ihr mal bei Gelegenheit einen Kaffee ausgeben.


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»Hey, triffst du dich immer noch mit deiner alten Klassenkameradin?«, fragte Sasori eines Tages aus dem Nichts, obwohl sie eigentlich für ihren Test in Anatomie lernen sollten und irritiert sah Sakura auf, bevor sie ihm antwortete. »Ja, sie schaut regelmäßig im Blumenladen vorbei, um Grabgestecke zu kaufen. Wieso fragst du?«

»Du hattest doch mal von ihr erzählt und ich war neugierig. Wie heißt sie?«, fragte er und Sakura fühlte sich für einen Moment, als wenn sie Sasuko vor ihm beschützen müsste, weil sie immer noch ihre Freundin war und dann fiel ihr ein, dass sie beide nicht mehr als Bekannte waren, auch wenn das wehtat.

»Sasuko. Sasuko Uchiha.«

Mit Verwunderung sah sie, wie der Rothaarige sich versteifte und einen wütenden Blick in seinen sonst so nonchalanten Augen bekam. »Das ist nicht dein Ernst. Sag’ mir nicht, dass das dein Ernst ist!«, rief er wütend und bedeutend lauter, als sie es von ihm gewohnt war.

»Sasori, was ist–?«, kam es von ihr, doch er unterbrach sie rau.

»Wie kannst du nur diese dumme Bitch mögen?!«, zischte er verächtlich und als er sah, dass Sakura nicht verstand, schnaubte er abwertend, schnappte sich seine Sachen und machte sich davon.

»Hey, Sasori, wo gehst du hin? Sasori?!«, rief sie ihm hinterher, doch erfolglos. Ratlos sah sie, wie seine rothaarige Gestalt verschwand und sie hatte das Gefühl, welches sie immer hatte, wenn sie eine wichtige Information nicht bekommen hatte, die alle anderen wussten, nur sie tappte im Dunkeln. Sie hasste dieses Gefühl.


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Seit diesem… Gespräch waren mehrere Wochen vergangen, in denen Sasuko noch öfter im Blumenladen war und sie besser kennen lernte, doch mit Sasori versuchte sie zu reden, doch vergeblich, denn er meldete sich nicht ein einziges Mal bei ihr, was sie ziemlich anpisste, denn er war ein guter Freund für sie. Lange nicht auf den gleichen Level wie Naruto, aber trotzdem. Sie hatte sich immer gut mit dem Älteren verstanden.

Es war ein angenehmer Tag im Sommer, als Sasuko wieder in den Laden trat, diesmal jedoch dem Wetter angepasst ein bauchfreies Sportoberteil, kurze Hosen und einfache Sandalen trug und Sakura begann über das ganze Gesicht zu strahlen, als sie die Dunkelhaarige sah. »Sasuko-chan!«, rief sie fröhlich und kam hinter ihrer Theke hervor, um ihrem Gegenüber eine Umarmung anzudrehen, die auch (wenn auch immer noch recht zaghaft) erwidert wurde.

»Hallo Sakura«, meinte die Uchiha nur simpel, denn das entsprach eben ihrem Typ.

»Brauchst du wieder die üblichen Blumen oder möchtest du etwas anderes haben?«, fragte sie Pinkette, denn manchmal, wenn auch selten, kaufte Sasuko Blumen für Freunde und Verwandte (die wenigen, die sie eben hatte) für besondere Anlässe und nicht nur Grabgestecke für ihre Eltern.

»Nein, dieses Mal wieder das Übliche–«

Sie beide drehten sich überrascht zum Eingang um, weil sie normalerweise um diese Uhrzeit selten von einem weiteren Gast unterbrochen wurden, doch als die Pinkhaarige ihren Kommilitonen sah, weiteten sich ihre grünen Augen mit Verwunderung und Ärger.

»Sasori!«, meinte sie wütend und starrte ihn funkelnd an, doch entgegen ihrer Erwartung richtete sich der Blick seiner rehbraunen Augen nicht auf sie, sondern er bleib an ihrer dunkelhaarigen ehemaligen Klassenkameradin hängen, die er anstarrte, als hätte sie ihm persönlich jeglicher Lebensfreude beraubt.

»Uchiha…«, grollte er leise und Sakura sah, wie Sasuko automatisch in eine Verteidigungshaltung ging und sich zwischen sie und Sasori stellte.

»Ich kenne Sie nicht, aber Sie scheinen mich zu kennen… damit sind Sie im Vorteil, Sir«, kam es betont höflich von der Dunkelhaarigen, die ihn misstrauisch anstarrte und Sakura wieder so sehr an damals erinnerte.

Und bevor die Haruno auch nur eingreifen konnte, raste der Rothaarige auf Sasuko zu und verpasste ihr einen ordentlichen Kinnhaken. Die Dunkelhaarige taumelte zurück, bevor sie sich fing und gerade noch so dem nächsten Schlag ausweichen konnte, sodass dieser sie nur auf die Wange traf, als auf der Nase, wie wahrscheinlich beabsichtigt.

Sie verpasste ihm einen Schlag gegen den Oberkörper, der ihm kurzzeitig die Luft zum Atmen nahm, wie man seinem leichten Röcheln entnehmen konnte und mit einem Fußfeger verfrachtete sie ihn auf den Boden, er umfasste einen ihrer Knöchel und zog sie ebenfalls zu Boden, sie krachte gegen die Theke und hielt sich schützend die Arme vor ihrem Kopf, als ein gepeinigter Schrei von dem Rothaarigen erklang.

»Fuck!«, schrie er und hielt sich seine Hände ins Gesicht. »Fuck, meine Augen! Aargh!«

Sakura stand über ihm, mit wütend blitzenden Augen und einem benutzten Pfefferspray in der Hand und starrte auf den jungen Mann nieder, von dem sie gedacht hatte, dass er einer ihrer Freunde wäre. Wie man sich in einen Menschen täuschen konnte.

»Du verschwindest jetzt aus diesem Laden und wage es dich, hier noch mal aufzutauchen oder sonst mit mir zu reden! Du bist unten durch bei mir! Du bist das Letzte!«, zischte sie giftig und selbst er erkannte einen verloren Kampf, wenn er ihn sah. »Ich wollte dich vor einem Fehler bewahren!«

»Meine Fehler mache ich alleine, danke!«, schnaubte sie hoheitlich und bugsierte ihn an den Armen hinaus, weil er durch das Spray in seinen Augen immer noch gehandikapt war. Als er endlich weg war, drehte sich Sakura wieder zu Sasuko um, die sie voller Bewunderung anschaute.

»Wow, das… wow«, kam es einfach von ihr und als die Dunkelhaarige versuchte aufzustehen zischte sie schmerzerfüllt und erst dann fiel Sakura auf, dass sie sie auf Verletzungen überprüfen und diese, wenn notwendig, behandeln sollte.

»Oh Gott, Sasuko-chan!«, rief sie besorgt aus und eilte an ihre Seite, um ihr besser hoch zu helfen. »Komm’ mit nach hinten, dann gebe ich dir Eis für dein Gesicht und gucke mir den Rest an, okay?«, fragte sie, auch wenn sie ohne Zustimmung die Uchiha mitnahm, die es jedoch widerstandslos über sich ergehen ließ.

Sie bugsierte Sasuko auf einen Stuhl, kramte aus einem kleinen Kühlschrank ein Kühlakku hervor, was sie mit einem Handtuch umwickelte und an die Wange von ihrem Gegenüber hielt, die schon anfing anzuschwellen. Dann wandte sie sich dem Rücken zu, der eine lange rote, aufgeschürfte Strieme zierte. »Oh oh, das sieht nicht so gut aus«, meinte sie und besah es sich genauer.

»Sasuko-chan, zieh’ das Oberteil auf, sonst kann ich die Verletzung nicht ordentlich reinigen«, befahl sie der Dunkelhaarigen, die sofort der Aufforderung Folge leistete, während sie etwas Desinfektionsmittel und ein paar saubere Tücher zusammen suchte. Als sie alles beisammen hatte und sich wieder rum drehte, bemerkte sie erst, dass ihre alte Klassenkameradin nur noch im BH dort saß und Sakura errötete. Das hatte sie vollkommen außer Acht gelassen. Sie schluckte einmal hart und begann sich an die Arbeit zu machen.

Stumm arbeitete sie solange, bis Sasuko das Wort ergriff. »Sakura?«, kam es kleinlaut von ihr und Sakura horchte auf. »Ja?«

»Danke, dass du–, also, dass du mir geholfen hast, das war– das haben bis jetzt nur Itachi und Naruto für mich gemacht«, sagte sie leise und Sakura brach es das Herz, dass es außer den beiden keiner daran gedacht hatte, ihr zu helfen.

Sie hauchte einen Kuss auf Sasukos Wange und berührte dabei leicht ihre Mundwinkel. Überrascht starrte sie die Pinkhaarige an. »Kein Problem, das habe ich gerne gemacht«, lächelnd blickte sie die Uchiha an.

Dann, im nächsten Moment, wurde ihr Gesicht von zwei Händen gepackt und ihre Lippen krachten mit denen von Sasuko zusammen. Im ersten Augenblick war sie viel zu überrumpelt, doch dann erwiderte sie mit der gleichen Leidenschaft und sie spürte, wie die Hände der Uchiha auf Wanderschaft gingen, nicht, dass sie besser war, nein. Sakura wurde feuerrot und heiß.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ließen die beiden voneinander ab und mit glänzenden Augen und beschleunigtem Atem starrten sich die beiden an.

»Sasuko-chan? War das jetzt nur so oder sind wir zusammen oder was–?«

Die Dunkelhaarige schnaubte nur amüsiert. »Ich wäre enttäuscht, wenn du jetzt nicht meine Freundin wärst.«

Die Pinkhaarige lachte rau, ehe sie erneut die Aufmerksamkeit ihrer (funkelnagelneuen) festen Freundin auf sich zog.

»Weißt du… du bist wie eine Schattenblume; erträgst kein direktes Sonnenlicht, siehst schön aus und bist leicht ungenießbar für Unwissende«, meinte sie schelmisch grinsend ehe sie der Uchiha erneut eine gefühlte Milliarde an Küssen aufdrückte.

Sasukos leichtes Grinsen ging dabei unter.
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