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All a matter of time...

von JEH
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Het
Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter James "Krone" Potter Lily Potter Sirius "Tatze" Black
25.06.2018
14.08.2020
47
194.347
67
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
02.01.2019 1.925
 
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Prolog

Unbeachtet tropfte die Tinte von der Schwanenfeder auf das abgenutzte Holz. Im flackernden Licht eines halben Dutzend Kerzen hatte sich der Mann zurückgelehnt und blickte nachdenklich herab auf das halb beschriebene Pergament, das er auf dem massiven Schreibtisch vor sich ausgebreitet hatte.

Er war von mittleren Alter: Nach wie vor im Vollbesitz seiner Kräfte, aber doch zeigten sich bereits erste Spuren eines Lebens, das mit Widrigkeiten nicht hatte sparen wollen. Tiefe Falten der Konzentration hatten sich in seine Stirn gegraben, zusätzlich betont durch die Tatsache, dass seine kastanienbraunen Haare zurückgebunden waren, am Hinterkopf zu einem Dutt zusammengeknotet. Ein verschlissener Umhang hing ihm um die Schultern. Am Rand des linken Ärmels ließ sich das Ende einer wulstigen Narbe erahnen, die sich über den gesamten Unterarm zog.

Nahezu unhörbar murmelte er nun vor sich hin, was er auf dem Blatt verewigt hatte:


Lieber Nachfahre,

erlaube mir, dass ich mich zunächst vorstelle: Mein Name lautet Ignotus. Ich fertigte den Tarnumhang, der sicher gegenwärtig neben dir liegt. Das Talent scheint in der Familie zu liegen; auch meine zwei Brüder sind wie ich selbst in der Lage, mächtige Artefakte zu erschaffen. Jeder von uns hatte sein Meisterstück: im Falle meiner Brüder sind es ein Zauberstab, der für sich beanspruchen kann, unbesiegbar zu sein, und ein Stein, der die Toten zum Leben zu erwecken vermag.


Er blickte auf, bemerkte endlich sein Malheur, schüttelte ärgerlich den Kopf und legte die Feder beiseite, vorerst allerdings ohne den Tisch zu reinigen.

Stattdessen ließ er den Blick durch den Raum schweifen. Er hatte zwei Fenster, die weit aufgerissen waren in der Hoffnung, vielleicht eine kühle Brise hereinzulocken. Trotz der tiefen Schwärze, die sich dahinter bereits breit gemacht hatte, hatte der Tag kaum etwas von seiner fiebrigen Schwüle eingebüßt. Den ohnehin schon trockenen Holzscheiten im Kamin würden noch Wochen der Ruhe vergönnt sein. Sie würden brennen wie Zunder. Nicht, dass es für ihn eine Rolle gespielt hätte. Auch vor Regen triefendes Holz hätte sich in seinem Kamin der Flammen nicht erwehren können. Dennoch erschien ihm trockenes Holz natürlicher. Weniger widerspenstig.

Mit dem Anflug eines Schmunzelns senkte er den Blick wieder.


Kürzlich suchte mich eine Freundin auf, die die außergewöhnliche Gabe der Weissagung besitzt, und berichtete mir von einem großen künftigen Unheil, das höchstwahrscheinlich nur mit Hilfe der Heiligtümer abgewendet werden kann. Deshalb schreibe ich nun diesen Brief, in der vagen Aussicht, dass es Jahrhunderte dauern mag, bis er seinen wahren Empfänger erreicht...

Wenn du also dich also mit keinen größeren Problemen konfrontiert siehst - und damit meine ich solche weltbewegender Ausmaße - dann freue ich mich aufrichtig für dich: Du kannst nun aufhören zu lesen und den Brief guten Gewissens vergessen.

Andernfalls lass dir gesagt sein: Ich habe (anderes als meine Brüder, wie ich glaube) die besondere Macht erkannt, die den Heiligtümern gemeinsam innewohnt und die über ihre einzelnen Fähigkeiten wesentlich hinausgeht. Ich glaube zu ahnen, welches Potential in ihnen steckt. Leider vermag ich die konkrete Ausprägung dieser Ahnung zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Worte zu fassen, aber ich bin sicher, wenn die rechte Zeit gekommen ist, wirst du es herausfinden.

Nun möchte ich dich mit ihnen bekannt machen, damit du sie wiedererkennen kannst, sollten es die Umstände erfordern. Worte taugen allerdings nur begrenzt dazu, das Wissen um ihre Gestalt zu vermitteln, deshalb habe ich einige meiner Erinnerungen beigefügt. Berühre das nachfolgende Bild mit deinem Zauberstab und du wirst sehen, was ich dir zeigen will.


Ignotus zog seinen Zauberstab hervor und legte die Spitze an die Schläfe. Als er sie vorsichtig wieder davon wegbewegte, haftete daran ein silbrig schimmernder Faden, der direkt aus seiner Stirn zu kommen schien. Der Faden wurde länger und länger, bis er schließlich abriss. Behutsam ließ Ignotus ihn der Länge nach auf das Pergament gleiten. Dieses schien bereits präpariert worden zu sein, denn nach einem Moment leuchtete es auf und die Erinnerung verschwand, schien in das Blatt hinein zu sickern. Stattdessen zeigte sich nun ein kleines Rechteck, in dem sich Bilder bewegten und einen Film abzuspielen schienen.

Er beugte sich tiefer hinab, bis seine Nasenspitze fast das Blatt vor ihm berührte, und verfolgte die Szene aufmerksam, wie um zu kontrollieren, dass sie seinen Erwartungen entsprach.


Eine kleine, aber lichterfüllte Kammer. Die schlichte Ausstattung bestand aus einem Tisch, auf dem ein dickbauchiger Kessel stand, sowie einem einzelnen Stuhl, über dessen Lehne ein brauner Umhang gehängt war. Auf der anderen Seite des Tisches stand ein Mann, der wie ein Ei dem anderen ebenjenem glich, der nun von außen die Szene beobachtete.

Der Mann rührte konzentriert mit seinem Zauberstab in der silbrig glänzenden Substanz, die sich im Kessel befand: Einmal im Uhrzeigersinn, dreimal dagegen, dann jeweils zweimal in beide Richtungen. Die Flüssigkeit im Kessel wurde völlig klar, als wäre sie plötzlich gegen blankes Wasser ausgetauscht worden.

Der Trank musste noch einen kurzen prüfenden Blick über sich ergehen lassen, dann zog der Mann seinen Zauberstab aus dem Kessel und stieß geräuschvoll die Luft durch die Nase aus. »Es ist vollbracht!«, sagte er triumphierend zu niemand bestimmtem.

Die Tür auf der rechten Seite des Raumes flog auf. Er schrak zusammen. Dabei stieß er den Kessel um, dessen Inhalt sich über den Tisch und den Stuhl auf der anderen Seite ergoss und sich in einer Lache auf dem Boden sammelte.

Fluchend drehte er sich zu dem Neuankömmling um, der lediglich durch seine blauen Augen von ihm zu unterscheiden war. »Ich hoffe, du hast einen sehr guten Grund für dein unangekündigtes Eintreten, Antioch«, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Du hast soeben Monate der Arbeit ruiniert!«

Der Umhang, der über der Lehne des Stuhls gehangen hatte, schien verschwunden zu sein - und besagte Lehne gleich mit ihm. Antioch wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als...


Das bewegliche Bild erstarrte und verblasste, zurück blieben lediglich einige Linien, die ein verschlungenes Muster bildeten. Das Pergament wirkte nun wieder unscheinbar und normal, kein Hinweis auf das Geheimnis, das in ihm verborgen war.

Erneut blickte Ignotus auf. An der Wand gegenüber hing ein Bild, das eine stattliche Frau gehobenen Alters zeigte. Üblicherweise wachte sie über die munter gluckernden Kessel auf dem Tisch direkt darunter; nun aber hatte sie die Augen geschlossen und schlief. Ihr leises, gänzlich undamenhaftes Schnarchen mischte sich unter das schwache Rascheln der Blätter, das von draußen hereindrang. Ein Spritzer einer grünlichen Flüssigkeit stob aus dem mittleren Kessel in die Höhe und fiel plätschernd wieder in das Behältnis zurück.

Er setzte erneut den Zauberstab an die Schläfe. Wenige Momente später wurde eine weitere leuchtende Spinnwebe von dem Pergament vor ihm aufgesogen.


Antioch saß im Schneidersitz auf dem moosigen Boden einer ruhigen Waldlichtung. Der Schein der Sonne wurde durch die Baumkronen gedämpft, sodass sich Licht und Schatten willkürlich abwechselten. Vögel zwitscherten munter im Hintergrund.

In der Hand hielt er ein längliches Stück Holz und schnitzte. Er war mit seiner Arbeit schon weit fortgeschritten: Auf den ersten Blick ließ sich ausmachen, dass es sich um einen Zauberstab handelte. In der Spitze des Stabes befand sich ein kleines Loch, durch das er einen haarfeinen Hohlraum hereingebohrt hatte, der durch die gesamte Länge verlief. Auffällig waren zudem ein gutes Dutzend kleiner Kugeln, die sich, in regelmäßigem Abstand über den Stab verteilt, zur Spitze hin immer mehr verjüngten.

Antioch schabte zum letzten Mal ein wenig Holz von dem neuen Zauberstab, dann zog er einen Zweiten aus seinem Umhang. Mit diesem tippte er die Spitze des Werkstückes an; die kleine Öffnung schloss sich. Zufrieden nickte er, steckte beide Zauberstäbe zurück in seinen Umhang und stand auf.


Ein drittes Mal wiederholte sich das inzwischen bekannte Spiel.


Der dritte der Brüder stand an einem Fluss mit kieselsteinbedecktem Ufer. Graue Augen und rabenschwarzes Haar hoben ihn von seinen Geschwistern ab. Er wischte sich über die vor Schweiß glänzende Stirn und blickte unmutig hoch zum wolkenlosen Himmel. Die hoch stehende Sonne brannte erbarmungslos auf ihn herab.

Er ging in die Hocke und schien etwas zwischen den Steinen zu suchen. Nachdem er mehrfach eine Handvoll von ihnen aufgenommen und unversehens wieder fallen gelassen hatte, richtete er sich schließlich auf, einen schlichten schwarzen Kiesel in der linken Hand. Mit der anderen Hand zog er seinen Zauberstab und wartete. Immer wieder warf er dabei einen prüfenden Blick zum Himmel. Dann, als die Sonne gerade ihren höchsten Punkt erreicht hatte, hob er den Stein über seinen Kopf und begann Beschwörungen zu murmeln.

Was immer er vorhatte, es schien zunächst wirkungslos zu bleiben. Aber schließlich, als das letzte Wort über seine Lippen gekommen war, brach der Stein plötzlich mit einem Lichtblitz und einem ohrenbetäubenden Knall in der Mitte auseinander. Beide Teile fielen dabei zu Boden; er beeilte sich, sie wieder aufzuheben, damit sie nicht verloren gingen. Eine Hälfte des Steines hatte nun in klaren Linien ein sonderbares Zeichen eingeritzt, welches entfernt an ein Auge erinnerte: ein Dreieck, welches einen Kreis umschloss, in dessen Mitte wiederum ein senkrechter Strich zu finden war. Die andere Hälfte zeigte dasselbe Muster, nur nicht eingeprägt, sondern leicht aus der Oberfläche hervorstehend, was logisch erschien, da der ursprüngliche Kiesel schließlich entlang genau dieser Kanten auseinandergebrochen war.


Ignotus lehnte sich zurück und nickte, augenscheinlich zufrieden. Dann wandte er sich dem Rest des Briefes zu.


Dies sind sie also: unsere Heiligtümer. Sicherlich hast du mein Missgeschick bemerkt. Am Ende stellte es sich jedoch als positiver Zufall heraus, was die Wut auf meinen Bruder rasch verrauchen ließ.

Abschließend lass mich dir folgende Worte mit auf den Weg geben, die meiner Freundin einer Eingebung gleich in den Sinn kamen; vielleicht mögen sie dir nützlich sein:

Möchtest du die Macht der Heiligtümer nutzen, so verbinde die Vergangenheit mit der Zukunft, ohne Zeit zu verbrauchen. Du bestimmst das Ziel, aber das Ziel ist unbestimmt. Beachte, dass die Magie eine Grundlage braucht und denke daran, es gibt immer eine helle und eine dunkle Seite. Wenn du Hilfe brauchst, wähle weise. Vergiss nicht, Wissen ist Macht, aber zu viel Wissen an der falschen Stelle kann auch Ohnmacht bedeuten. Wenn du ins Zweifeln kommst, beachte: Nicht alles ist so, wie es scheint, und selbst die Macht der Magie ist nicht unendlich.

Ich hoffe, dass es dir gelingt, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Nachdem du den Brief gelesen hast, bitte ich dich, ihn wieder mit dem Zauberstab zu löschen, denn er ist nur für deine Augen bestimmt. Du wirst nichts davon vergessen, vertrau mir.


Ignotus nahm wieder die Feder zur Hand und tauchte sie kurzentschlossen in das gläserne Tintenfass. Dann kratzte sie erneut über das Pergament.


Ich wünsche dir alles Gute.

Dein Vorfahre,
Ignotus Percival Peverell


Er schob seinen Stuhl zurück, rollte das Pergament sorgfältig zusammen und stand auf. Dann ging er hinüber zu einem nahen Stuhl, auf dem eben jener Tarnumhang lag, von dem in dem Brief die Rede gewesen war, und legte ihn darauf. Er zog seinen Zauberstab hervor und richtete ihn auf das Pergament. Seine Augenbrauen zogen sich in höchster Konzentration zusammen, was ihm ein entfernt falkenhaftes Aussehen verlieh.

Ohne dass er ein Wort gesagt hätte, leuchtete das Blatt auf. Die Intensität des Glühens stieg nun stetig an; schließlich wurde das Licht so grell, dass nichts mehr zu erkennen war außer reinem leuchtenden Weiß. Dann erlosch es wieder, so plötzlich, dass der im Halbdunkel liegende Raum einige Lidschläge lang in tiefster Schwärze erschien. Das Blatt war verschwunden.

Ein feines Lächeln umspielte Ignotus' Lippen, während er zurück an seinen Schreibtisch trat. Er setzte sich, nahm ein frisches Pergament von seinem Stapel am Rand des Schreibtisches und begann, einen neuerlichen Brief aufzusetzen. So beiläufig, als hätte er auf das soeben Geschehene nicht einen Mond lang hingearbeitet.

Denn warum sollte er sich auch weiter damit beschäftigen? Die Entscheidung war gefallen, der Zauber gewirkt, die Zukunft festgelegt.


Oder?

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