DAS LICHT AM ENDE DER  FAHNENSTANGE

von Alias-B
GeschichteAllgemein / P12
Alexander "Xander" Harris Angel Buffy Summers Dawn Summers Faith Spike
25.06.2018
08.09.2018
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28.06.2018 2.026
 
Buffy war stinksauer.
Erst war er den ganzen Tag weg, und dann brachte er eine Frau mit! Wirklich göttlich! War er jetzt total übergeschnappt? Ein bisschen Rücksicht könnte er ja wohl auf sie, Buffy, nehmen.
Allerdings machte er nicht den Eindruck, als wäre er irgendwie in diese Dame verliebt – die bestimmt schon über vierzig, also nicht mehr ganz so frisch war. Außerdem war die überhaupt nicht sein Typ.
Hmmm, leider wusste Buffy nicht so genau, was für einen Typ Frau Spike so bevorzugte. Das war wirklich schwer zu sagen. Drusilla hatte ganz anders ausgesehen zum Beispiel.
Andererseits war diese Maja sehr schön. Sie besaß so eine ruhige Schönheit, beherrscht, irgendwie majestätisch, da waren keine unkontrollierten Bewegungen zu sehen, und sie strahlte eine innere Sicherheit aus, die Buffy fremd war und die sie hoffte, irgendwann einmal zu erlangen, so in circa zehn bis zwanzig Jahren. Buffy befürchtete allerdings, ihr Temperament würde ihr dabei immer im Wege stehen.
Buffy hasste die Frau, obwohl sie eigentlich einen netten Eindruck machte und Gwydion und Morgan sehr freundlich begrüßt hatte, vor allem Gwydion.

Diese Maja lebte jetzt schon seit drei Tagen im Hyperion. Ruhig und unauffällig.
Man hätte wirklich denken können, dass Spike sie und die Kinder wegen dieser schwedischen Abba-Agnetha-Gurke vernachlässigte. Nein, aber das stimmte so nicht. Er kümmerte sich um die Kinder wie immer, wickelte Gwydion, badete ihn, scherzte mit ihm, spielte mit ihm, legte ihn zum Mittagsschläfchen hin, und danach spielte er mit Morgan, die allmählich anfing zu sprechen mit einem – wie Buffy meinte – leicht britischen Akzent, soweit man das bei den wenigen Worten schon sagen konnte. Aber wie sie Daddy sagte und Spike dabei anstrahlte, das kam Buffy verdammt very britisch vor ...
Spike schaffte es spielend, Morgan neue Worte beizubringen. Er hatte sich eine weiße Socke über seine Hand gestreift und tat so, als würde die Socke sprechen. „Warum schlägst du mich? Ich bin doch nur eine blöde Socke an einer blöden Hand“, quietschte er, als Morgan versuchte, die Socke zu hauen.
„Ich liebe es, mit dieser Socke zu sprechen“, sagte Spike zu Buffy, die genauso fasziniert wie Morgan auf die Socke gestarrt hatte.
„Du bist verrückt“, kicherte Buffy, denn sie freute sich, weil er so guter Laune war. Das kam wirklich selten vor. Dann musste sie wieder an die fremde Frau denken.
„Demnächst muss ich eine richtige Puppe haben!“, meinte Spike. „Eine Handpuppe, mit der ich mich herumstreite. Das wäre geil!“

Kurz danach war er weg. Buffy wusste nicht, ob er bei dieser Maja oder ganz woanders war, vielleicht bei seiner Agentin Vivian, und sie fühlte sich, ach wie sollte sie es nennen: Traurig? Ausgepowert? Verarscht? Aber vor allem fühlte sie sich vernachlässigt.
So behandelte man nicht die Mutter seiner Kinder. Nein, seines Kindes. Gwydion war nicht ihr leibliches Kind, aber jetzt war sie seine Mutter. Jawoll, das war sie! Und ein bisschen Respekt konnte sie doch wohl verlangen. Oder?
Dann fiel ihr ein, dass die fremde Schwedin wahrscheinlich Lilah gekannt hatte und dass sie deswegen für Spike so wichtig war. Hatte er nicht etwas von Trauzeugin gesagt? Aber Buffy hatte natürlich nicht richtig zugehört, weil sie soo stinksauer war, dass ihre Ohren nichts von dem mitbekommen hatten, was er sagte.
Buffy fühlte, wie Ärger und Frust sie überschwemmten. Sie wartete den ganzen Nachmittag auf Spike, aber der machte keinerlei Anstalten zurückzukommen. Zurückzukommen zu ihr und ihren Kindern.

Als Morgan und Gwydion schliefen, machte Buffy sich auf die Suche nach Angel. Er war schließlich der einzige, den sie hier richtig kannte, mit Ausnahme von Spike natürlich. Natürlich kannte sie auch Cordelia, aber mit der wollte sie sich nicht unbedingt unterhalten.
Er war in der Empfangshalle des Hyperion. Und er war allein.
Angel hatte einen guten Riecher für die Verzweiflung, die Buffy ausstrahlte. Und er war froh, dass er sie trösten konnte, aber es schien nicht leicht zu sein, sie zu trösten.
„Er behandelt mich wie Dreck“, klagte Buffy nicht ganz wahrheitsgetreu, „und ich weiß nicht, was ich machen soll.“
„Dann schick ihn weg“, schlug Angel vor. „Du brauchst ihn nicht.“
„Doch ich brauche ihn, aber...“
„Ich könnte auch für Morgan sorgen“, unterbrach Angel sie, obwohl er so seine Bedenken hatte. Morgan war Spikes und Buffys Kind, das würde Angel nie vergessen können, und Morgan war ihm nicht besonders zugeneigt – sie liebte nur Spike – während er,selber seltsamerweise eine innige Liebe zu Gwydion entwickelt hatte, der ja der Sohn seiner ehemaligen Feindin Lilah war. Kompliziert das alles ...
„Du verstehst das nicht“; sagte Buffy, während ihr Tränen in die Augen stiegen und sie sich an ihn klammerte.
„Was ist daran so schwer. Schick ihn in die Wüste!“ Angel sprach dieses eindringlich, legte seine Arme um Buffy und zog sie an sich, bis ihr Kopf an seiner Schulter lag.
„Wir haben geheiratet“, schluchzte Buffy an seiner Schulter, „aber es war nur wegen der Kinder. Für ihn war es nur wegen der Kinder!“

„Und wieso trägst du keinen Ring?“, fragte Angel nach einer Weile des Schweigens.
„Er trägt ihn ja auch nicht“, sagte Buffy, und ihre Unterlippe schob sich trotzig vor. „Es war nur so eine Proforma-Heirat.“
„Aber warum?“
„Du weißt doch, dass W&H irgendwie an den Kindern interessiert sind, ich glaube, ich weiß auch warum. Nun ja, Spike meinte, wenn einem von uns beiden was passieren sollte, dann wären die Kinder jeweils ungeschützt.“
„Was soll das heißen? Ungeschützt?“
„Wenn sie Spike erwischen“, erklärte Buffy ihm geduldig, „dann hätte Gwydion keine Verwandten mehr, die sich um ihn kümmern könnten. Das ist der Punkt.“
„Gut, das verstehe ich. Aber du hast doch Verwandte, die eventuell für Morgan...“
„Ich habe zwar Verwandte, aber Dawn ist zu jung, um offiziell für ein Kind sorgen zu können, und mein Vater ... Du weißt ja, dass ich nicht so ein gutes Verhältnis zu ihm habe.“
„Du hast ihm nie verziehen, dass er sich von deiner Mutter hat scheiden lassen“, sagte Angel nachdenklich und hielt Buffy immer noch umschlungen.
„Ist doch jetzt egal. Eigentlich halte ich meinen Vater für zu alt, um mit einem Kind klarzukommen, und seine neue ... Lebensgefährtin würde sich schön bedanken, wenn sie auf einmal so einen Wurm aufziehen müsste.“ Buffy überlegte ein paar Sekunden und sagte dann ein wenig verzweifelt: „Außerdem weiß er noch gar nicht, dass ich ein Kind habe und verheiratet bin. Wir wollen ihn in den nächsten Tagen besuchen.“
Buffy sagte Angel nicht, dass sie eine Heidenangst vor diesem Besuch hatte. Denn sie würde ihrem Vater so einiges erklären müssen.
„Und Spike wollte also mit dieser Heirat...“
„Nur wegen der Kinder! Die liebt er. Mich mag er nicht einmal.“ Buffy hatte sich von Angel losgerissen und schaute ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
„Aber ich dachte, ihr versteht euch, das hast du mir doch sagen wollen, damals bevor Spike ... verschwand.“
„Wir haben uns verstanden. Sogar gut verstanden. Aber jetzt erinnert er sich nur an unsere schlechteren Zeiten, an die Zeiten, in denen ich ihn ... Ach Mist!“ Buffy starrte einen Augenblick gedankenverloren an Angel vorbei, bevor sie weitersprach: „Jedenfalls glaubt er mir nicht, dass ich ihn liebe. Er denkt, es ist seine Seele, die ich liebe und nicht ihn selber.“ Buffy machte sich ganz frei von Angel und trat einen Schritt zurück.
„Und ich dachte schon, ihr hättet ...“, stöhnte Angel auf.
„Wenn es nach mir ginge, jederzeit“, sagte Buffy hart und sah Angel an, als wäre er ein Fremder für sie. Was tat sie überhaupt hier? Spike würde möglicherweise bald kommen, und sie war seine Frau, zwar nur dem Namen nach, aber es bedeutete ihr trotzdem viel, seine ‚Frau’ zu sein, egal wie auch immer ihr Zusammenleben aussah. Denn er hatte ihr versprochen, alles mögliche zu tun, damit sie gut zusammen leben könnten. Im Augenblick wäre er zwar nicht so der romantische Liebhaber, er wäre eben Witwer, ein ganz frischer Witwer, und er hätte keine Ahnung, wie lange er noch um Lilah trauern würde. Das hatte er gesagt.
Mittlerweile zweifelte Buffy allerdings an der Wahrheit dieser Worte. Natürlich trauerte er um Lilah, das war so was von wahr, aber ob er jemals ein romantischer Liebhaber sein würde – Buffy schüttelte den Kopf, während Angel sie verwundert anschaute - das war nicht die Frage. Die Frage war, ob er überhaupt jemals ein Liebhaber sein würde. Und Romantik war zur Zeit sowieso unvorstellbar.
Er lässt keine Gefühle zu, dachte sie, und damals habe ICH keine Gefühle zugelassen. Sie erinnerte sich noch gut an seine verzweifelten Worte in ihrem Badezimmer: Lass es zu! Lass es zu! Und dann war er außer Kontrolle geraten, und es war aus gewesen. Total ausgewesen. Irgendwann, als er seine Seele wiederhatte, hatte sie ihm seinen gewaltsamen Übergriff verziehen. Sie hatte sich über Vergewaltigungen informiert und herausgefunden, dass sie eigentlich nichts mit Sex zu tun hatten, sondern eher mit der Demütigung von Frauen, und Spike wollte sie damals bestimmt nicht demütigen, sondern nur ... Ach Mist! Und jetzt glaubte er natürlich, dass sie ihn nie geliebt hatte.
Wieso war Spike damals – quatsch, es war keine zwei Monate her – überhaupt zu ihr gekommen? Was wollte er von ihr? Denn nach Lilahs Tod hatte er sie zurückgewiesen und war einfach verschwunden. Nachdem er mit ihr geschlafen hatte ...
Es war egal, sie hatte mit ihm die Ehe geschlossen.
Und sie hatte gewusst, worauf sie sich da einließ. Voller Hoffnung einließ, doch jetzt war es so, als ob diese verdammte Stadt ihn noch weiter von ihr entfernen würde. Oder war es vielleicht die Nähe zu Angel? Obwohl die beiden doch gut miteinander klarkamen, als sie in Cleveland aufkreuzten, um sie aus dem Gefängnis zu befreien.
Spike hatte sie nach Weihnachten gebeten, seine Frau zu werden. Aus rein praktischen Gründen, um die Kinder vor W&H zu schützen. Nichts bei dieser sogenannten Hochzeit war im entferntesten so, wie Buffy sich als junges Mädchen ihre Hochzeit vorgestellt hatte. Natürlich gab es Trauzeugen, nämlich Dawn und Willow. Natürlich gab es einen Standesbeamten. Natürlich gab es ein Eheversprechen. Das übliche Eheversprechen, Spike hatte natürlich dabei gelogen.
Natürlich gab es einen Ring. Nein, es gab zwei Ringe, für jeden einen, aber Spike nahm seinen kurz nach der Hochzeit wieder ab. Immerhin hatte er, wie Buffy erleichtert registrierte, seinen alten Ehering und den von Lilah, den er bis zu diesem Zeitpunkt am kleinen Finger getragen hatte, auch abgenommen. Jetzt war er absolut ringlos.
Und um nicht als total bescheuert zu gelten, nahm Buffy einen Tag später auch ihren Ehering ab, verwahrte ihn in einer Schublade und holte ihn alle paar Tage heraus, um ihn zu bewundern ... und ihn dann traurig wieder in die Schublade zurückzulegen.
Weiter: Es gab zwar einen Kuss, aber der war nicht so innig, wie sie sich ihn gewünscht hätte. Es war eher ein leichter freundschaftlicher Kuss.
Und das alles gab es nicht: Keine Feier, Keine Flitterwochen, nichts mit Überdietürschwelletragen.
Und vor allem gab es keine Hochzeitsnacht.
Das war alles nichts, womit ein Mädel angeben könnte, dachte Buffy resignierend. Bis auf den Bräutigam natürlich ...
Dafür gab es einen Ehevertrag, nicht weil Spike ihr sein Vermögen im Falle seines Todes oder einer Scheidung nicht gönnte, nein, er wollte es für Gwydion aufbewahren. Er schloss sie von allem aus.
Weiter: Es gab folgerichtig auch kein Zusammenleben. Spike machte keinerlei Anstalten, ein gemeinsames Schlafzimmer mit ihr zu beziehen, sondern wohnte immer noch wie ein Gast im Keller des Hauses ins Woodcape. Was Willow und Kennedy schon recht seltsam fanden, aber Buffy hatte nicht den Nerv, den beiden irgend etwas zu erklären. Was hätte sie ihnen auch schon erklären können. Buffy wusste ja selber nicht, was eigentlich mit ihm los war.
Dawn allerdings war es egal, ob Schwester und Schwager das Bett teilten, Spike war jetzt Bestandteil ihrer Familie geworden, und er war der Sänger von ‚THE BIG BAD THING’. Dawn war schon ein richtiger kleiner Snob, was nicht ausschloss, dass sie Spike wirklich gern hatte.
Geheiratet hatten sie Ende Januar, obwohl Spike zu dem Zeitpunkt eigentlich schon in L.A. sein wollte. Wichtige Erledigungen, wie er sagte. Doch dann hatten sie ihn zu Probeaufnahmen irgendwo in der Nähe von New York eingeladen, Spike hatte die Reise nach L.A. verschoben, und dann war er weg vom Fenster für vierzehn Tage.
Und nach seiner Rückkehr aus New York waren sie nach L.A. aufgebrochen.
Von wegen Zusammenleben ...
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