DAS LICHT AM ENDE DER  FAHNENSTANGE

von Alias-B
GeschichteAllgemein / P12
Alexander "Xander" Harris Angel Buffy Summers Dawn Summers Faith Spike
25.06.2018
08.09.2018
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Und du, Buffy Anne Summers, willst du den hier anwesenden Bill Castaway zum Mann nehmen, ihn lieben und ehren und ihm treu sein, bis dass der Tod euch scheidet?
„Ja, ich will!“, sagte Buffy enthusiastisch.
„Was willst du?“ Eine tiefe raue Stimme riss Buffy aus diesem Tagtraum, und sie ächzte enttäuscht auf.
„Hab' wohl geträumt“, meinte sie verlegen und musste erst realisieren, wo sie sich befand. Okay, sie war in einem Flugzeug, die Kinder schliefen, sie würden natürlich nicht mehr lange schlafen, spätestens bei der Landung in Los Angeles würden sie mit Sicherheit wieder aufwachen.
„Wo werden wir eigentlich wohnen?“, fragte sie, obwohl sie die Antwort schon ahnte.
„Na, bei Angel natürlich“, meinte Spike, alias Bill Castaway leichthin. Bei Angel in Los Angeles, das war Pflicht. Er hatte mit Angel telefoniert, Angel war einverstanden und hatte alles für ihren Besuch vorbereitet. Spikes Sachen befanden sich noch im ehemaligen Hotel Hyperion – sehr praktisch – und außerdem war das Hotel groß genug, um Spike, Buffy und den Babys Unterschlupf zu bieten.
Den Gedanken, eventuell in seiner eigenen Wohnung – Spike korrigierte sich im Geiste, nein, in Lilahs Wohnung - zu wohnen, hatte er gar nicht erst erwogen. Diese Wohnung war tabu für Buffy. Es befanden sich zuviel an Erinnerungen an Lilah in dieser Wohnung. Spike hatte dort zum erstenmal mit Lilah geschlafen, und er fühlte sich immer noch so entsetzlich leer, weil sie unwiederbringlich tot war. Die Trauer um sie nahm einfach kein Ende. Und jetzt im Anflug auf L.A. dachte er an die vielen Orte, durch die er hindurch musste, Orte, an denen er mit Lilah zusammengewesen war und an denen er jetzt ohne sie sein musste. Scheiße, Scheiße, dachte er verzweifelt.
Es war nun drei Monate her, dass Lilah durch W&H ermordet wurde, Diese drei Monate waren Spike wie ein einziger Alptraum erschienen. Daran konnten auch die Kinder nichts ändern. Und Buffy erst recht nicht.
Spike blickte verstohlen zu ihr hinüber. Sie sah ziemlich zufrieden und ausgeglichen aus, mit Betonung auf ziemlich. Eigentlich hatte sie ja keinen Grund, zufrieden und ausgeglichen zu sein, denn er hatte ihr alles verweigert, was ihr von Rechts wegen zustand.
Verweigert mit einem vagen Versprechen auf bessere Zeiten, in denen er vielleicht nicht mehr an Lilah und an die gemeinsame Zeit mit ihr denken würde. Diese Zeit mit ihr war so verdammt kurz gewesen, hatte aber dennoch sein Leben geprägt.
Denn er wusste jetzt, was er wollte – und er würde sich nicht mit weniger zufrieden geben. Er wollte eigentlich nur so geliebt werden, wie er selber liebte. Bei Lilah war das alles so einfach gewesen. Aber bei Buffy? Er wusste ja nicht einmal, was er für sie empfand. Irgendwas von seinen Gefühlen war bei seiner Menschwerdung abhanden gekommen. Aber selbst wenn er sie noch liebte in den hintersten Abgründen seines Bewusstseins – woran er eigentlich nicht glaubte, denn das war zu absurd – waren die Tage der selbstlosen Liebe vorbei.
Solch ein Idiot war er nicht mehr. Das glaubte er zumindest zu wissen.

Ausgerechnet Wesley holte sie vom Flughafen ab.
Spike konnte seine Abneigung gegen Wes kaum unterdrücken, und daran konnte auch Gwydions Gegenwart nichts ändern. Spike mochte Wes nicht, weil er Lilahs Liebhaber gewesen war. Und vor allem mochte er Wes nicht, weil er Lilah verschmäht hatte, Wes, der Achsogute hatte Lilah verschmäht, weil er eben ... achsogut war. Was für ein Idiot! Er stand wirklich auf einer Stufe mit Buffy, der ebenso Achsoguten. Vielleicht sollte er die beiden miteinander verkuppeln, Buffy stand ja auf Wächter oder Exwächter, ihr letzter Liebhaber war auch ein Wächter gewesen, zumindest hatte er das behauptet, und Buffy war willig in seine Arme geflogen – bis sie ihn fast umgebracht hatte. Spike musste unwillkürlich lächeln. Es war ein grimmiges Lächeln.
Oh Gwydion, warum besänftigte er seine Gefühle nicht? War er etwa immun gegen Gwydions Beeinflussung geworden? Oder war die Wahrheit einfach so ernüchternd, dass auch ein Wunderkind wie Gwydion sie nicht in etwas Schöneres und vielleicht sogar Wahreres verwandeln konnte? Okay, ich bin sein Vater, überlegte Spike. Und als Vater musste er manchmal objektiv sein und durfte sich von den Kids nicht auf der Nase herumtanzen lassen, sonst hätte er bald ein total verzogenes Kind. Aber es war müßig, sich jetzt schon Gedanken über Gwydions Entwicklung zu machen. Man musste abwarten.

Buffy und Spike saßen sich gegenüber in dem Auto, das von Wes gesteuert wurde, und Spike musste automatisch Buffy anschauen.
Sie hielt Gwydion auf dem Arm, betrachtete ihn zärtlich und küsste seinen dunklen Haarflaum. Es war so schwer, Gwydion nicht zu lieben. Liebte sie Gwydion, weil er sein Sohn war? Oder liebte sie ihn, weil es praktisch unmöglich war, ihn nicht zu lieben? Und was würde in L.A. passieren? In Angels Nähe ...
Pikanter Gedanke. Spike musste wieder lächeln, denn er fühlte sich wie der Zuschauer in einem Drama, das seit Urzeiten aufgeführt wurde und in dem immer die Liebe gesiegt hatte. Wie in jedem Drama. Manchmal waren die Liebenden allerdings tot am Ende – das war dann eins der besseren Dramen – aber sie waren immer noch Liebende. Allerdings tote Liebende.
Nett das! Aber ihn, Spike, interessierte das wenig, nun denn, vielleicht ein bisschen und wenn dann nur aus statistischem Interesse. Denn der eigentliche Grund, warum er all dies auf sich nahm, waren die Kinder. Nämlich Morgan und Gwydion.

Buffy beobachtete ihn verstohlen. Warum lächelte er so grimmig? Er sah so süß aus mit Morgan auf dem Arm. Morgan himmelte ihn förmlich an.
Buffy wusste, dass Morgan ihr größter Trumpf war, Spike irgendwann zurückzugewinnen. Morgan liebte ihn über alles. Und die beiden hatten diese seltsame Art der Verständigung in Bildern, die sich gegenseitig übermitteln konnten. Diese Gabe hatte sie – Buffy dachte dankbar daran – aus dem Gefängnis befreit, als sie des Mordes angeklagt war.
Die Gedanken sind frei? Nein, nicht wenn man eine Tochter hat, die bildliche Gedanken lesen kann und sie eventuell ihrem über alles geliebten Daddy zur Verfügung stellt. Aber Morgan war natürlich noch viel zu klein, sie war keine fünfzehn Monate alt, und sie konnte es natürlich nicht steuern ... Oh je, hoffentlich konnte sie es nicht steuern. Vor allem die Sachen, die mit Sex zu tun hatten ... Aber alles andere wäre schon okay.
Nicht, dass Buffy Angst davor hatte, dass ihre bildlichen Gedanken jederzeit Spike auf Abruf zur Verfügung standen unter der Voraussetzung, dass Morgan es für wichtig genug hielt, nein Buffy hatte eher Angst davor, dass Morgan es nicht für wichtig genug hielt, Spike Buffys Sehnsucht nach ihm zu übermitteln. Schwierig kompliziert das.
Denn sie sehnte sich nach ihm. Oh verdammt noch mal, sie sehnte sich nach ihm! Aber Spike war so weit weg. Er lebte immer noch in der Erinnerung an seine verstorbene Frau, die göttliche Lilah, so dass Buffy sich manchmal vorkam wie der letzte emotionale Müll, nein, eigentlich kam sie sich  vor wie ein Nichts.
Immerhin trug er, wie sie mit einem verstohlenden Blick auf den kleinen Finger seiner rechten Hand feststellte, Lilahs Ehering nicht mehr. Und seinen eigenen früheren Ehering trug er auch nicht mehr. Das war sicher schon ein Fortschritt, denn er konnte sich doch nicht für immer abkapseln. Konnte er nicht, oder konnte er doch? Buffy seufzte still vor sich hin.

Die kleine Morgan zog automatisch ihren geistigen Schutzschild hoch, sie hatte natürlich keine Ahnung, was ein Schutzschild war, aber sie konnte damit lästige Gedanken abblocken und sich unbeschwert anderen Dingen zuwenden. Das war auch viel besser als Moms Gedanken. Die drehten sie immer nur um Daddy, Mom mit Daddy, Daddy mit Mom, Mom in Daddys Armen, Mom Daddy küssend, Daddy mit Mom Dinge tun, die Morgan absolut nicht verstand, also wirklich alles total l a n g w e i l i g!!!
Morgan blickte zu Daddy hoch: Ich bin müde.
Daddy schaute zu zu ihr hinunter und nickte. „Wir sind gleich da, dann kannst du schlafen. Ganz lange schlafen.“ Morgan gab sich damit zufrieden und gähnte schon mal ausgiebig.
„Sie ist tatsächlich eingeschlafen“, sagte Spike kurz darauf zu Buffy. „Und das freiwillig!“

Sie hatten nicht viel Gepäck mitgenommen. Spike wollte nicht unter Stress geraten .Es war ihm fast peinlich gewesen, Buffy zu sagen, dass er noch nie geflogen war – als Vampir wäre das ziemlich gefährlich gewesen außer bei Nachtflügen, also hatte er sich auf Schiffen versteckt – und dass er keine Ahnung hatte vom Ein- und Auschecken und dem ganzen anderen Mist.

Buffy war schon fünfmal geflogen. Einmal von L.A. nach Cleveland, nachdem Sunnydale untergegangen war. Und dann von Cleveland nach L.A. im letzten Mai. Es ging nicht gut aus, denn statt Spike von ihrer gemeinsamen Tochter zu erzählen, traf sie stattdessen auf eine glückliche schwangere Lilah, so dass sie frustriert und ohne Spike getroffen, geschweige denn ihm etwas von Morgan erzählt zu haben, den Rückzug, beziehungsweise Rückflug nach Cleveland antrat. Und das letzte Mal, als sie wieder nach L.A. geflogen war, um Spike zu helfen, weil Lilah tot war, da hatte sie zwar eine großartige Nacht mit ihm erlebt, die aber für sie nicht besonders gut endete, weil Spike sie nicht haben wollte. Nein, das war falsch, korrigiert sich Buffy, er wollte sie durchaus haben, sexmäßig, aber er wollte sie nicht behalten ... Also zurück nach Cleveland. Zum fünftenmal geflogen. Zurück in das Kaff Woodcape. Tja, man konnte wirklich sagen, dass Buffy eine gewisse Flugerfahrung besaß.

Ihr Gepäck bestand aus zwei handlichen Kinderwagenoberteilen, in denen die Kids zur Not schlafen konnten, drei Reisetaschen, die zum größten Teil mit Klamotten für die Kids gefüllt waren, ein bisschen Spielzeug, wenig Zeugs für Buffy und wenig Zeugs für Spike. Buffy hatte sich damit trösten lassen, dass er in L.A. mit ihr einkaufen gehen würde. Gute Aussichten also in Bezug auf ein Zusammensein mit ihm. Sie war sehr bescheiden geworden. Tja. Hmmm ... Die Kinderwagenuntergestelle hatten sie nicht dabei. Spike pflegte Gwydion immer mit sich herumzutragen, und Buffy hatte sich angewöhnt, Morgan immer mit sich herumzutragen, denn das war viel bequemer als das nervtötende Rumhantieren mit irgendwelchen Kinderwagen.
Natürlich tauschten sie auch die Kinder. Und das fand sie schön.

Angel erwartete sie schon.
Buffy ließ sich von ihm umarmen, und sie fand es angenehm, wie zärtlich er sie behandelte. Im Gegensatz zu Spike, der sie überhaupt nicht zärtlich behandelte, sondern sich so unterkühlt wie ein Eisblock verhielt.

Spike beobachtete Buffy und Angel und wie sie sich zärtlich begrüßten, und ehrlich gesagt war es ihm egal, denn er hatte nichts anderes erwartet. Angel konnte ja nicht dafür. Und Buffy konnte auch nichts dafür.

Angel führte sie in ihre Zimmer, die sich im ersten Stock des Hotels befanden. Drei an der Zahl, eins links außen für Spike, eins in der Mitte für die Kinder und eins rechts außen für Buffy. Angel hatte auch Kinderbetten besorgt, was Spike dankbar registrierte. Man hätte zur Not in L.A. was kaufen können, aber so war es natürlich viel besser.
Spike musste auch grinsen, denn immerhin hatten diese drei Zimmer Verbindungstüren – die man selbstverständlich abschließen konnte. Wahrscheinlich machte sich Angel Sorgen um Buffys Sicherheit und Unschuld. Ach du lieber Himmel! Da bestand nun wirklich keine Gefahr. Spike musste noch mehr grinsen. Angel hatte ja keine Ahnung ...

Sie gingen früh zu Bett, nachdem sie die sanitären Einrichtungen auf dieser Etage des Hotels inspiziert hatten, das war wichtig, um die Kids zu baden, zu füttern undsoweiter. Es gab auch eine kleine Küche auf dieser Etage. Und sie hatten keinen anderen Bewohner des Hotels angetroffen. Dazu würde noch reichlich Zeit sein, befürchtete Spike, der immer noch ein wenig menschenscheu war, obwohl er jetzt selber ein Mensch war. Andererseits kam diese Menschenscheu nur zum Vorschein, wenn er auf Menschen traf, die seine Vergangenheit kannten.

Er hatte, bevor er sich in sein Zimmer zurückzog, mit Buffy ausgemacht, dass sie sich am morgigen Tag um die Kinder kümmern würde. Er war nicht zum Vergnügen in L.A. Er hatte ernste Sachen zu erledigen, und zwar:
1.) Die Jungs zu treffen und ihnen klarzumachen, dass er nicht länger Mitglied der Band sein wollte. Das war zwar schade, aber diese Zeiten waren vorbei.
2.) Lilahs Eigentumswohnung zu verkaufen.
3.) Den Porsche zu verkaufen. Er brauchte ihn nicht.
4.) Vivian, seine Agentin zu treffen – Vivian war eine Freundin von Lilah – um den Filmvertrag zu unterzeichnen. Ja tatsächlich, Spike sollte die Hauptrolle in einem Film spielen. Die Probeaufnahmen hatte er schon hinter sich, und der Produzent war begeistert gewesen über Spikes Ausstrahlung auf der Leinwand, obwohl Spike kein gelernter Schauspieler war.

Als er am nächsten Morgen keinen der Jungs telefonisch erreichen konnte, überwand er sich dazu, ins E-body zu fahren. Seinen Van hatte er auf dem Parkplatz hinter dem Hotel Hyperion gefunden. Danke Snikkers!
Die Erinnerungen an Lilah waren groß, vor allem im E-body.
Der Parkplatz hinter dem E-body mit der versteckten Bank. Mr. Minuteman ...
Die pastorale Bank im E-body, auf der er so oft mit Lilah gesessen hatte, seinen Arm um sie gelegt, sie an ihn geschmiegt, während er mit den Jungs knobelte.
Aber er musste da durch.
Zögernd betrat Spike das E-body. Es war elf Uhr, das E-body hatte gerade aufgemacht und Spike hoffte, Bronson dort anzutreffen, denn auch den hatte er telefonisch nicht erreichen können. Er mied die Polsterbank und setzte sich auf einen Barhocker.
Bronson, der Bassgitarrist der Band und gleichzeitig Thekenbedienung im E-body, stand hinter dem Tresen und guckte Spike fassungslos an.
„Spike, du bist es. Wirklich!“
„Na, wer sonst“, Spike grinste.
„Junge, wie geht es dir?“
„Wie soll es mir schon gehen ...“
„Sie war großartig, Spike.“ Bronson hatte Lilah immer schon gemocht, vor allem ihre dichterischen Fähigkeiten, mit denen sie seine vergessenen Verse wieder aufmöbelte.
„Ich weiß.“
„Was meinst du, sollen wir frühstücken?“ Bronson ging zum praktischen Teil über.
„Du meinst diese fantastischen Brötchen mit dem Krabbensalat?“
„Genau Alter, du müsstest sie allerdings selber holen, du weißt ja, ich kann hier nicht weg.“
„Kann ich machen, ist ja nicht weit.“ Das stimmte wirklich, es war nicht weit, es waren nur ein paar Schritte zum Supermarkt nebenan, wo er immer mit Lilah eingekauft hatte... Spike erstarrte. Ach Lilah!
Er riss sich zusammen und wollte gerade zur Tür hinausgehen, als die blonde Schwedin Maja, die Ehefrau des Wirts, aus der Küche des E-body kam. Auch das war hart für Spike, denn Maja war Lilahs auserwählte Trauzeugin gewesen.
Spike und Maja schauten sich an. Spike hatte nie bemerkt, was für eine Schönheit Maja war, welch eine straffe Figur sie hatte, ohne im entferntesten mager zu sein, welch klassische Ebenmäßigkeit ihr Gesicht besaß mit einer winzigen Andeutung von Stupsnase, wie voll ihr weizenblondes, nein, ihr arktischblondes Haar war, sie trug es in einem dicken Zopf. Maja hatte Lilahs Haar bei der Hochzeit zu einem sogenannten Bauernzopf geflochten, in dem Orangenblüten steckten, zugegeben nicht gerade die nordische Art, aber wunderschön. So wunderschön wie Lilah ...
Lilah war natürlich jünger als Maja gewesen, aber Spike erinnerte sich daran, wie die beiden sich in ihrer Schönheit ergänzt hatten, nur hatte er es damals nicht wahrgenommen, auch jetzt nahm er Majas Schönheit nicht bewusst war, er empfand sie als einen Abglanz von Lilahs Schönheit. Und sie war Lilahs Freundin gewesen.

Sie umarmten sich schweigend.
Maja sah nicht besonders glücklich aus, wie Spike fand, und er betrachtete sie prüfend. „Was ist los, Maja“, fragte er schließlich.
„Ess hat sich viel verändert, Sspike“, sagte sie nach kurzem Zögern mit einem unvollkommenden ‚r‘ und einem zweifachen ‚ss’, denn ihren schwedischen Akzent würde sie wohl nie wegbekommen.
„Was meinst du, Maja?“,  Spike war sensibel genug, um Majas Rede nicht  auf ihn allein zu beziehen. Nicht nur auf sich und auf Lilahs Tod.
„Er ssäuft wieder.“
„Was? Karel?“ Spike war nicht wirklich verwundert ob der Tatsache, dass Karel, der Wirt des E-body, wieder mit dem Saufen angefangen hatte, denn Karel war immer schon ein Säufer gewesen mit gelegentlichen trockeneren Phasen zwischendurch.
„Aber jesst ssäuft er permanent“, sagte Maja.
„Scheiße!“, sagte Spike.
„Sspike, was ssoll ich machen? Ich kann nicht mehr. Bei unsserem lessten Urlaub in Acapulco, da hat er Tag und Nacht gessoffen, einmal klopfte ess morgenss an unsere Ssimmertür, und dass mexikanisse Ssimmermädchen kam herein und ssagte zu mir: Da! Mann in Halle! Du kommen mit! Ess war Karel, der da lag.“
„Was zum Teufel ...“, Spike dämmerte es allmählich, dass Maja von einem Beziehungsdrama oder einfacher ausgedrückt von einem Alkoholiker erzählte.
„Er lag dort!“ Majas Stimme zitterte. „Er lag nackt auf dem Ssofa in der Empfanghalle. Und er war sso bessoffen, dass ich ihn nicht wach gekriegt habe. Wass ssoll ich nur machen?“
„Wenn er wirklich so drauf ist, dann hat es keinen Sinn, Maja“, meinte Spike nach längerem Überlegen, und er meinte es ernst.
„Ich habe ess sson sso oft errlebt, er trinkt und trinkt und er findet keine Ende.“
„Hast du ihm sson mal ein Ultimatum gestellt?“ Spike verfluchte sich, weil er automatisch ‚sson’ gesagt hatte auf nordische Art.
„Sson oft. Es geht dann ein paar Wochen gut, und dann fängt er wieder an ssu trinken.“ Maja schluckte. „Wir hatten schon sseit sswei Jahren keinen Ssex mehr, nicht, das ess mir wass aussmachen würrde, ich liebe ihn, aber sso ganss ohne ....“
„Er liebt dich auch, Maja, aber bei dem vielen Saufen kann er wohl nicht mehr ...“
„Auch ohne Ssaufen kann er nicht mehr“, sagte Maja traurig. „Und ich will nicht mehr, Sspike.“
„Was willst du dann?“
„Ssurück nach Ssweden!“ Maja schien wirklich entschlossen zu sein.

Was Spike dazu bewog, sie nach mehreren Stunden, die sie gemeinsam im E-body verbrachten – unter anderem hatten sie ein gutes ‚Frühstück’, das aus Brötchen mit Krabbensalat und aus Kaffee bestand – sie mit ins Hyperion zu nehmen, um ihre Entscheidung fernab von Karel, dem Wirt, noch einmal zu überdenken. Maja kannte nämlich niemanden, zu dem sie gehen konnte, denn Karel und sie hatten zwar immer viele Gäste gehabt, doch wirkliche Freunde waren nicht dabei gewesen. Und Angel würde nichts gegen einen weiteren Gast haben. Na und wenn auch, es war ihm egal!
Immerhin waren im Laufe des Tages noch die Jungs nacheinander im E-body eingetrudelt, und Spike konnte wenigstens einen Punkt auf seiner Liste abhaken.
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