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Elfenmärchen II

von Flammendo
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Tiranu Yulivee
22.06.2018
19.10.2018
104
224.750
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
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22.06.2018 1.609
 
*Disclaimer zu Elfenmärchen II*
Ich werde neben der Geschichte noch ein Namensverzeichnis pflegen. Dieses werde ich mit jedem Kapitel erweitern, bzw. man kann darin nach dem Kapitel in dem man sich befindet suchen und sieht dann alle bisher genannten Charaktere. Besonders was langollische Charaktere betrifft, kann es vorkommen, dass der Charakter in Elfenmärchen II nur eine kurze aber in der Vorgeschichte zu Tiranus Jugendjahren eine durchaus tragende Rolle spielt.
Auch möchte ich nicht zu viel Spoilern, was geschehen würde, wenn ich einzelne Charaktere von Anfang an vollkommen offen lege.

Eine Bitte habe ich noch.
Bei der Bewertung der Charaktere, sollte man trotz allem mit Abstand an die Sache herangehen. Einige Charaktere mögen schlechter oder besser erscheinen als sie sind.
Ein jeder Mensch findet seine Verhaltensweisen richtig und kann sie gegebenenfalls begründen. Wenn man sich also nun ein Bild von einer beliebigen Person in der Geschichte macht, sollte dies mit einem emotionalem Abstand geschehen.
Auch die Entscheidungen, die gewisse Charaktere treffen, sind in der Realität äußerst fragwürdig. Doch auch wir leben in einer fragwürdigen Welt, in der Menschen betrunken Kinder überfahren und mit einer Geldstrafe davonkommen.

Ein Vorwurf, den ich mir angehört habe, als jemand die Geschichte probe las, dass ich mir wünschte Yulivee zu sein, weise ich weit von mir. Yulivee ist sogar explizit mehr anti-Heldin als Heldin konzipiert... und Tiranu wäre nicht meine erste Wahl.
*Disclaimer Ende*

Sie waren nun schon seit drei Jahren auf den Spuren von Tranju und Feeleyla. Manchmal hatte es ausgesehen, als wären die beiden ganz nah gewesen und dann kamen wieder Berichte die sie am anderen Ende Albenmarks gesehen haben wollten. Teilweise waren Tiranu und Yulivee der von ihnen bestimmten Route gefolgt, aber oft auch davon abgewichen. Manchmal fragte Yulivee sich, ob sie nicht einem Schatten nachjagten und all die Berichte nichts waren als Schall und Rauch. Aber am Ende hatte sie das Reisen an sich schon genossen. Sie war die Königin Albenmarks und musste allen ihren Völkern nah sein, nicht nur denjenigen des Herzlandes. Das Reisen brachte sie ihrem Volk näher.

Ihrem Volk und ihrem Schwertmeister? Es fiel ihr plötzlich schwer sich vorzustellen wie es sein würde, wenn er nicht mehr an ihrer Seite wäre sondern Tranju. Sie musste grinsen. Man konnte sich wirklich an die schlimmsten Ekelpakete gewöhnen.

Zusammen waren sie in die Trollfeste gereist und hatten mit diesen zusammen einen Leichenschmaus gefeiert. Sie hatte, um die Trolle nicht zu verärgern, einen ganzen Teller gegessen, nur um anschließend alles unter dem höhnischen Gelächter des Schwertmeisters wieder zu erbrechen. Aber es war seltsam gewesen, die Trolle hatten ihn mehr akzeptiert als sie. Es war beinahe so, als hätten sie ihn in ihren Reihen willkommen geheißen – was ihm allerdings, zu wiederrum ihrer Belustigung, kein bisschen zu behagen schien.

Dann waren sie durch das Windland gereist. Dort hatten sie gemeinsam mit den Zentauren gezecht. Bei der Erinnerung griff sich Yulivee unterbewusst an den Kopf. Anschließend waren sie darin übereingekommen ihre Reise für ein paar Tage zu unterbrechen, bis die Schmerzen aller Angehörigen ihres reisenden Hofes nachließen.

Eine vorüberziehende Koboldkarawane versprach etwas Abwechslung und so hatten sie sich dieser angeschlossen. Yulivee erinnerte sich noch genau, dass sie sich eines Abends davongestohlen hatte um an einem ihrer Feste teilzuhaben. Ein trächtiges Hornschildkrötenweibchen hatte ein Junges geboren. Zuerst hatte sie für die Kobolde auf ihrer Flöte gespielt. Außer ihr war auch Tiranu bei den Kobolden erschienen, aber aus ganz anderen Gründen. Er hatte versucht sie auszufragen ob sie den beiden Elfen begegnet seien, denen sie beide so vergeblich nachjagten. Aber die Kobolde waren ihnen nie begegnet.

Später hatte er sie beobachtet, wie ihre Finger über die Löcher der Flöte tänzelten, mit dem für ihn typisch grimmigen Blick. Er hatte die Stimmung verdorben, so wie er es immer tat. Aber dieses eine Mal wollte sie die Freude völlig auskosten. Und so sprang sie plötzlich auf, packte ihn an den Händen und zog ihn mit Hilfe ihres Körpergewichtes nach vorne. In wilden Kreisen drehten sie sich umeinander – und Tiranu ließ es, zu Yulivees erstaunen, geschehen. Wo auch immer ihr wilder Tanz hinführte, stoben die Kobolde in lautem Kreischen und Gelächter auseinander. Auch sie musste lachen. Kurz hatte sie geglaubt, sogar auf dem Mund des Elfen ein Lächeln ausmachen zu können, aber es war so schnell verflogen gewesen, dass sie zweifelte ob ihr die übermäßige Heiterkeit nicht einen Streich gespielt hatte. Noch heute war sie dem nicht so sicher.

Dumpfes Gelächter durchbrach das Stakkato der Koboldmusik und im gleichen Moment stieß er sie von sich. Beinahe wäre sie deswegen gefallen. Sie wollte ihn schon zurechtweisen, als sie die zwei Elfensoldaten ausgemacht hatte, die den Schwertmeister bereits mit höhnischen Ausdrücken verspotteten.
Tiranu wandte sich um und stürmte davon. Sie grinste. Es geschah ihm recht. Dann hatte sie sich an die Soldaten gewandt. Beide lachten, als sie zu ihnen kam und prosteten ihr mit einem Trinkbeutel vergorener Ziegenmilch zu. Sie hatte einem der Soldaten den Beutel aus der Hand gerissen und einen tiefen Zug genommen. Den beiden Elfen schien das zu gefallen, denn sie lachten erneut. Bis spät in die Nacht hatten sie zusammen gezecht. Die beiden Elfen hatten bald darüber hinweg sehen können, dass sie die Königin war. „Wie haltet ihr es eigentlich mit diesem Ekel aus?“, fragte sie die Soldaten und dachte dabei an Tiranu. Die beiden sahen sich an und zuckten mit den Schultern. „Wem denn?“, fragte der vorlautere der beiden. „Na dem Schwertmeister“, entgegnete Yulivee.

Beide Elfen begannen gleichzeitig zu lachen. „Er ist nicht so schlimm wie er tut“, meinte der eine. „Man kann sich gut über ihn lustig machen“, antwortete der andre, der sich weit mehr wagte als der erste „er ist zu ernst, aber lässt auch viel durchgehen, solange es im Rahmen bleibt.“ Der Erste lachte wieder. „Genau wie vorhin!“, fuhr der Vorlaute fort. „Es war Marteens Idee“, meinte der andere und nickte dem frecheren der beiden zu.
„Tu nicht so, als hätte es dir keinen Spaß gemacht Morwin.“ Der Elf der auf den Namen Marteen hörte grinste seinen Spießgesellen verschwörerisch an, „es macht immer Spaß, sich über den Schwertmeister lustig zu machen. Er nimmt seine Ehre einfach zu ernst. “

Erst jetzt realisierte Yulivee, dass die Anwesenheit der beiden Elfen wahrscheinlich der Grund für Tiranus plötzliche Flucht gewesen sein musste. Auf gewisse Weise ärgerte sie das. Trotz allem war es das erste Mal gewesen, dass zwischen ihr und Tiranu etwas Freundschaftliches gewesen war.
„Er will eben die Ehre seiner Familie wieder herstellen und sich dabei keine Blöße geben“, entgegnete Morwin plötzlich ungehalten, „was ist ihm denn nach den Schattenkriegen noch geblieben außer seiner Schwester und einem Namen der in ganz Albenmark verhasst war? Ich erinnere mich noch daran, wie er in Gefangenschaft war. Wie er vor die Königin geführt wurde und ein Kobold ihn anspuckte. Wie trotz allem vor Gericht keine Beweise gegen ihn vorlagen und am Ende er freigesprochen wurde.“

„Nun ist aber genug!“, unterbrach ihn Marteen. Doch Morwin ließ nicht locker. „Ich erinnere mich daran, wie der Schwertmeister Mal um Mal sein Leben für die Krone riskierte. Wie er die Schnitter in jeder Schlacht an der Spitze anführte. Ich erinnere mich, an den Blutzoll den wir entrichtet haben und dass der Fürst immer versucht hat jeden zu retten. Er war immer der Erste der in die Schlacht ritt und der Letzte der sich zurückzog. Ich war in Valancour mit ihm wo er Seite an Seite mit mir den Innenhof der Burg verteidigte. Obwohl wir weit unterlegen waren schnitten wir uns durch die Gegner. Und als ich verletzt wurde war es der Fürst Tiranu, der mich an einen Adler festschirrte. Sag du mir nicht, dass er seine Ehre zu ernst nimmt. Er ist genauso, wie er sein sollte.“ Morwins Gesicht hatte sich verfinstert und seine Hand war zu seinem Schwertgriff gewandert. Betrunken wie sie waren, mochten die beiden Elfen etwas Unüberlegtes tun. Yulivee bekam Angst, aber Marteen lachte nur. „Du hast ja Recht Morwin. Zwar bin ich kein Elf aus Langollion, aber auch meine Treue gilt dem Schwertmeister. Er hat oft genug bewiesen, dass man sich auf ihn verlassen kann.“ Er hob seinen Beutel. „Auf den Schwertmeiste, den größten Helden unsrer Zeit.“ Morwins Gesicht heiterte sich augenblicklich auf und auch er hob den Beutel. „Auf den Fürsten von Langollion!“, stimmte er mit ein. Dann senkte sich eine unangenehme Stille über die Gruppe. Yulivee merkte plötzlich, dass beide Elfen sie angestarrten als warteten sie auf etwas. Dann kam es ihr. Sie hob ihren Beutel mit Ziegenmilch. „Auf Tiranu!“, prostete sie den Kriegern zu. Damit schienen beide zufrieden zu sein.

Dieses letzte Ereignis war nun kaum eine Woche her und doch hatte Yulivee viel daraus gelernt. Tiranus Krieger folgten ihm, nicht der Krone. Sie ahnte, dass er ihre Loyalität in unzähligen Schlachten gewonnen hatte. Jornowell und die anderen hatten vielleicht mehr Recht als sie bisher schon geglaubt hatte, dass wenn sich der Schwertmeister von ihr abwendete, es sie mehr kosten würde als nur eine enthaltene Stimme beim Fest der Lichter.

Sie warf einen Blick über das Heerlager zu Tiranu. Wie jeden Morgen trainierte er seinen Körper. Einige Strähnen hatten sich aus seinem langen schwarzen Haar gelöst und hingen ihm ins Gesicht. Seine blasse Haut bildete dazu einen starken Kontrast. Sein Körperbau war schmaler, als bei den meisten Kriegern und sein Gesicht kantig mit den leicht eingefallenen Wangen und der im Verhältnis zu großen Nase. Sie fragte sich kurz, ob seine Übellaunigkeit daher kam, dass er zu wenig aß. Dann traf sie sein finsterer, stechend schwarzer Blick und blieb an ihr haften.

Sie erinnerte sich an diesen Elfen, Morwin, der ihn verehrt hatte wie einen Helden aus der alten Zeit.
Nein, einen Helden stellte sie sich anders vor. Sie wendete sich ab und ging davon.
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