Neuanfang in Slytherin

GeschichteAllgemein / P16
Draco Malfoy Harry Potter Neville Longbottom Pansy Parkinson Theodore Nott
22.06.2018
20.01.2020
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Das Urteil

Die Mitglieder des Zaubergamots begannen untereinander zu flüstern. Das waren Entwicklungen, die niemand hatte voraussehen können. Unter diesen Umständen konnten sie Draco Malfoy nicht zum Kuss des Dementors verurteilen, ja nicht einmal zu einer langen Haftstrafe in Askaban.

Die vier wichtigsten Belastungszeugen hatten im Grunde für ihn ausgesagt. Blieb eigentlich nur noch Harry Potter um den blonden Slytherin hart zu bestrafen.

Als dieser nun nach vorne kam, hofften nicht nur diejenigen, die über Draco Malfoys Schicksal zu entscheiden hatten auf harte Worte. Auch die übrigen Anwesenden dachten, mit wenigen Ausnahmen, dass der junge Todesser nun den endgültigen Todesstoß bekam. Doch weit gefehlt.

Schon bei den ersten Worten zerplatzten die letzten Hoffnungen.

Draco hätte fast lachen können als die Gesichter der Mitglieder des Zaubergamots förmlich entgleisten, wenn es nicht um sein eigenes Leben gegangen wäre. Er glaubte nicht daran, dass er trotz der für ihn letztendlich positiven Aussagen der Hauptzeugen um Askaban herumkam.

„Aber er versuchte Albus Dumbledore zu töten.“

Der Vorsitzende konnte es nicht fassen, dass Harry so gar nicht nach seinem Geschmack aussagen wollte und versuchte ihn in die gewünschte Richtung zu treiben. Harry wandte sich Draco zu und der ahnte, was den Löwen bewegte. Fast unmerklich nickte er.

„Er hätte ihn nie töten können. Man mag Draco vieles nachsagen können, aber nicht, dass er ein kaltblütiger Mörder ist. Er hat es nicht fertig gebracht Dumbledore zu töten und ich will lieber nicht wissen, wie er dafür durch Voldemort leiden musste.“

Wie Harry geahnt hatte wurde Spott laut, doch er reagierte sofort.

„Wenn er tötet ist er in euren Augen verabscheuungswürdig. Wenn er es dagegen nicht fertig bringt, verspottet ihr ihn. Kann mir bitte jemand diese Logik erklären?“

Katie Bell sagte in die schlagartig entstandene Stille hinein: „Also dass würde mich auch mal sehr interessieren. Irgendwie passt das nicht zusammen.“

„Mir scheint, für euch hat das Urteil von vornherein festgestanden. Draco hat sich in einigen Punkten schuldig gemacht und dass weiß er auch. Aber er bereut aufrichtig. Und welche Wahl blieb ihm denn, um seine Eltern zu retten? Wie hätte die magische Welt über ihn geurteilt, wenn er sie hätte umbringen lassen, nur um selber unbescholten zu sein?“

Hermines Worte lösten Gemurmel aus.

„Wir werden uns zur Beratung zurückziehen.“

Die Zauberer und Hexen verschwanden und Draco senkte den Kopf. Plötzlich spürte er eine Bewegung neben sich.

„Kingsley, ich möchte dich bitten, ihm ein Glas Wasser zu bringen.“

„Das hat er…“, Harry unterbrach den Auroren.

„Bitte sei menschlich.“

Knurrend stand der Angesprochene auf und verschwand.

„Danke, Harry. Ich habe fürchterlichen Durst.“

Dankbar hob der Slytherin den Kopf.

„Kann ich mir denken.“

„Was meinst du, werde ich Gnade finden oder werde ich nach Askaban müssen. Ich habe Angst, dass sie mich für den Rest meines Lebens einsperren oder den Dementoren ausliefern.“

Als Harry Draco ansah, bemerkte er die Angst in dessen Augen und beruhigend legte er ihm eine Hand auf die Schultern.

„Sie werden sich etwas ausdenken, um dich zu demütigen, aber mit unseren Aussagen haben wir ihnen die Grundlage für ein hartes Urteil genommen. Auch wenn viele versucht haben dich als A… hinzustellen.“

Harry verschluckte was er eigentlich hatte sagen wollen, doch Draco hatte verstanden.

„Sie haben nicht Unrecht. Ich war gemein, hinterhältig und was auch immer, aber… bitte glaube mir, dass ich es bereue.“

„Du weißt, dass ich dir glaube. Mach dir keine Sorgen. Wir werden dir immer helfen, Draco.“

Shackelbolt kam zurück und dankbar nahm Draco das Wasser entgegen und wagte ein kleines Lächeln.

„Vielen Dank, Sir.“

Verwundert sah der Auror ihn an. Seit wann gab es höfliche Todesser?

Es schien ewig zu dauern, bis die Hexen und Zauberer, in deren Händen seine Zukunft lag, zurückkamen und als sie endlich ihre Plätze eingenommen hatten, begann Draco unwillkürlich zu zittern. Der Auror neben ihm bemerkte es mit Genugtuung.

„Wir sind zu folgendem Entschluss gekommen. Draco Malfoy ist schuldig des Vorwurfs ein Todesser zu sein und muss die daraus entstehenden Konsequenzen tragen. Nicht zu halten ist hingegen der Vorwurf des Mordversuchs an Albus Dumbledore.“

Draco schöpfte ein wenig Hoffnung, als der wahrscheinlich schwerwiegendste Vorwurf fallen gelassen wurde.

„Die meisten seiner Opfer zeigen Milde mit ihm und bescheinigen auch sein nicht freiwilliges beitreten zu den Todessern. Somit wird der Angeklagte Draco Malfoy nicht zu einer Haftstrafe in Askaban verurteilt.“

Narzissa atmete auf, auch wenn sie wusste dass Draco eine Strafe bekommen würde. Aber zumindest blieb ihrem Sohn eine Rückkehr in das berüchtigte Gefängnis erspart.

Der Vorsitzende fuhr fort: „Draco Malfoy wird für drei Jahre aus der Welt der Magier zu den Muggeln verbannt.“

Hier unterbrach ihn das Hohngelächter der Zuschauer und Draco zuckte zusammen. Er kannte sich dort überhaupt nicht aus und er hatte auch nie Muggelkunde belegt, sodass er nicht mal auf Bücherwissen zurückgreifen konnte. Wie sollte er dort zu recht kommen? Er war so gut wie verloren.

Endlich schafften die Saaldiener es, die Leute unter Kontrolle zu bekommen und wieder für Ruhe zu sorgen.

„Er kann jemanden bitten ihm binnen drei Tage einen Crashkurs zu geben, was Muggel angeht.“

Hermine nickte ihm unmerklich zu und als er nun aufgefordert wurde, jemanden zu benennen, räusperte Draco sich.

„Ich möchte Hermine Granger bitten, mir das nötigste beizubringen.“

Die Blicke aller Anwesenden war auf Hermine gerichtet, die der Slytherins eindeutig flehend ansah. Sie saßen zu weit auseinander um die geflüsterten Worte zu hören, aber Hermine konnte an Dracos Lippen ein „bitte“ ablesen.

„Ich werde dich unterrichten. Aber….“, nicht nur Draco, auch die Slytherins zuckten zusammen. „ich verlange, dass du dich anstrengst. Sonst breche ich das Training sofort ab.“

„Ich gebe dir mein Wort. Ich tue was immer du mir sagst.“

„Dann haben Sie drei Tage Zeit, Miss Granger. In diesen drei Jahren darf Draco Malfoy sich nichts zuschulden kommen lassen, oder er wird sofort nach Askaban überführt. Dazu wird er unter ständiger Aufsicht stehen. Desweiteren ist ihm jeder von ihm selbst ausgehender Kontakt zur magischen Welt verboten. Zuwiderhandlungen werden mit Askaban bestraft. Damit ist die Verhandlung geschlossen.“

Kingsley Shackelbolt stand auf und zerrte Draco Malfoy hinter sich her.

Die Slytherins warteten bis fast alle den Saal verlassen hatten, ehe sie hinausschlichen. Das erwies sich allerdings als vergeblich, da sie draußen von einigen erwartet wurden.

Harry, Ron und Hermine hatten sich noch mit Narzissa unterhalten, die noch nicht so recht fassen konnte, was das Gericht ihrem Sohn als Strafe auferlegt hatte und verließen nun auch den Saal. Als sie an den Slytherins vorbeikamen, baten diese leise reden zu dürfen. Ehe die drei antworten konnte, mischte sich Michael Corner ein: „So ist es ungewohnt für euch. Oder? Ihr habt nichts mehr zu vermelden und….“,

Harry unterbrach ihn: „Worüber wolltet ihr mit uns reden?“

„Wir… wir wollen…“, Blaise verstummte unter dem Hohn und der Verachtung, die von allen Seiten auf die Slytherins niederging.

„Lasst uns nach Potter Manor flohen. Hier versteht man ja sein eigenes Wort nicht mehr.“

Harry wollte wissen, was die Slytherins bewegte und er ahnte, dass sie hier trotz seiner Aufforderung nicht frei reden würden.  Seine Gegenüber nickten.

„Und Pansy komm mal her.“

Verschüchtert folgte die Slytherin seiner Aufforderung, was noch mehr Hohngelächter auslöste. Harry nahm seinen Zauberstab und richtete ihn auf ihre Verletzung. Bei dem Sturz hatte sie sich eine Platzwunde an der Schläfe zugezogen. Der Gryffindor murmelte etwas und die Wunde schloss sich.

„Danke Harry.“

Pansys Stimme zitterte und war kaum zu verstehen.

Auf dem Weg zu den Kaminen wurden sie weiter verspottet und kurz bevor sie die Feuerstellen erreichten, stieß Kingsley Shackelbolt zu ihnen.

„Wann kann ich Malfoy morgen zu dir bringen, Hermine?“

„Ich bin so gegen 9 Uhr fertig. Wenn’s dir dann recht ist.“

„Ist okay und nimm ihn ordentlich ran.“

Hermines Blicke folgten dem sich entfernenden Auror und wer sie genau kannte, merkte, dass sie sich sehr beherrschen musste nichts zu sagen. Harry trat in den Kamin und war kurz darauf verschwunden. Die Slytherins folgten, während Ron und Hermine den Abschluss bildeten.
In der großen Eingangshalle des Manors versammelt, wandte sich Harry an die unsicheren Mitschüler.

„Gehen wir in den Salon, dort können wir über alles reden was euch auf dem Herzen liegt. Ihr müsst nicht….“, er stockte und Hermine mischte sich ein.

„Was er sagen will, ist dass ihr frei reden könnt. Seid bitte nicht so unterwürfig.“

Kurz huschte ein Lächeln über die angespannten Gesichter der Slytherins.

„Das wird von uns erwartet, Hermine. Je demütiger wir sind, desto eher können wir darauf hoffen, dass wir ungeschoren bleiben.“

Ron platzte heraus: „Das ist…. Das ist widerlich. Wie können die euch so behandeln?“

„Wir haben es verdient. Wir müssen…. Unsere frühere Arroganz bezahlen.“

Im Salon fragte Harry was die anderen trinken wollten und wieder zögerten die Slytherins.

„Also wirklich.“

Erschrocken zuckten diese zusammen. Hatten sie Harry verärgert? Ängstliche Blicke huschten hinüber zu dem schwarzhaarigen Gryffindor, der sie aber beruhigend anlächelte und erst einmal verschiedene Getränke und einige Sandwiches und Kuchen bestellte. Er wusste Ava würde etwas Gutes zaubern. Leise gab er ihr eine Anweisung ein reichhaltiges Abendessen für sie alle vorzubereiten.

„Und dass ihr mir ja davon nehmt.“

Er erinnerte sich daran, dass Pansy kaum Geld für Essen hatte und nahm an, dass es den anderen nicht besser erging. Und damit lag er richtig.

Die drei Freunde aßen mit und schließlich tauten die Schlangen auf. Sie hatten begriffen dass Harry ihnen nichts Böses wollte und Blaise begann schließlich zu reden.

„Wir wollten uns bedanken, dass ihr gnädig mit Draco wart. Ihr hattet ihn für immer nach Askaban bringen oder schlimmer noch, ihn den Dementoren ausliefern können.“

Er schluckte, als er sich seinen Freund vorstellte, wie der im Angesicht eines näherkommenden Dementors erstarrt wäre.

„Wir haben nur die Wahrheit gesagt, Blaise. Draco hätte eine solche Strafe nicht verdient.“

„Ich werde ihm in den nächsten drei Tagen soviel wie möglich beibringen, damit er gerüstet ist.“

„Danke, Hermine. Du bist…“, Pansy zögerte „einfach Spitze. Bitte verzeih mir, wie ich dich immer behandelt habe.“

Pansy schluckte und wartete, ob Hermine ihr alles nachsehen würde. Sie war bereit zu tun, was die Gryffindor forderte. Aber auch die anderen Slytherins baten die Hexe um Vergebung und hofften, dass sie ihnen gewährt wurde. Reue zeichnete sich deutlich auf ihren Gesichtern ab.

Noch lange redeten sie miteinander und saßen schließlich gemeinsam am Esstisch. Was kein Slytherin zugegeben hätte war, dass das die erste warme Mahlzeit seit Tagen für sie war.
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