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Elfenmärchen - Zwischenspiel

von Flammendo
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Emerelle Tiranu Yulivee
20.06.2018
21.06.2018
2
3.680
 
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20.06.2018 1.285
 
*Disclaimer*
Für diejenigen die weiterlesen wollen: Yulivee und Tiranu sind keine Kinder mehr. Manchmal mag dennoch etwas kindliches Gemüt aufblitzen. Ich denke, Elfen altern nicht in Jahren, sondern in Lebenserfahrung und Schmerz. Wird ein Elf zu sehr behütet, wie z.B. Yulivee am Hofe Emerelles, kann sie nur ein gewisses Stadium altern.
*Disclaimer Ende*


Yulivee saß zu Füßen Emerelles und spielte auf einer ihrer Flöten. Es war ein fröhliches Lied. Zwei Blütenfeen wirbelten zum Takt ihrer Melodie in der Luft herum. Immer schneller und schneller flatterten die winzigen Flügel. Weitere Blütenfeen schlossen sich an und schon bald sirrte die Luft um den Thron herum vom wilden Reigen.

Dann störte ein Fremder die Heiterkeit und die letzten Töne von Yulivees Flöte verklangen. Ein Krieger hatte den Thronsaal betreten. Er war bleich mit kurzem dunklen Haar und schwarzen kalten Augen. Yulivee fröstelte als sein Blick über sie glitt. Sie hatte ihn schon einmal gesehen, erinnerte sich aber nicht daran wo. „Wer ist das?“, flüsterte sie einer der Blütenfeen zu, gerade laut genug dass sie diese verstehen konnte. „Der Fürst von Langollion“, antwortete eine andere, „ich habe ihn gesehen als…“

Yulivee hörte bereits nicht mehr zu. Langollion. Viele ihrer Freunde waren in den Schattenkriegen gestorben. Und dann war da auch noch die Sache mit ihrem Kindheitsfreund und dem Nachkommen Alathaias gewesen. Damals hätte sie diese Rosenturmsbrut beinahe umgebracht. Es war ihr schon immer unbegreiflich gewesen, wie Emerelle noch weiterhin dulden konnte, dass die Langollier an ihren Hof kamen. Und zu guter Letzt waren es die Schnitter gewesen, die gezögert hatten als es um die Befreiung von Gishild gegangen war. Hätten diese Krieger damals die Befehle von Fenryl sofort akzeptiert, hätte das Schicksal der Menschenprinzessin anders verlaufen können. Wäre sie selbst Elfenkönigin gewesen, sie hätte das Pack davonjagen lassen. Sie warf dem Fürsten einen hasserfüllten Blick zu, den dieser geflissentlich ignorierte.

Vielleicht war ja sogar er es gewesen, der Tranju damals geschlagen hatte? War das der Grund, warum sie sich an ihn erinnerte? Sie betrachtete ihn genauer. Er war definitiv anders als andere Elfen. Es mochte die Blutmagie sein, die er einst praktiziert hatte, die ihn nun so hager und beinahe kränklich aussehen ließ. Seine Nase und seine Wangenknochen stachen aus seinem Gesicht hervor und unterstrichen den strengen Blick seiner vollständig schwarzen Augen. Seelenlose Augen, ohne Mitgefühl, dachte sie. Augen, wie sie ein Kindsmörder haben konnte.

„Meine Königin“, der Fürst beugte sein Knie, „ich bringe dir die lang ersehnte Nachricht von der Menschenprinzessin aus dem Fjördland.“ Yulivee horchte auf. Konnte es wirklich sein, dass dieser Elf die Informationen von Gishild hatte auf die sie bereits so lange warteten? Hoffnung keimte in ihr auf.

Emerelle betrachtete den Elfen lange, bevor sie anfing zu sprechen. „Du wirst mir diese Information nicht ohne Gegenleistung geben, nicht wahr?“, fragte sie ihn. Der Fürst schüttelte den Kopf und grinste sie heimtückisch an. „Du liest in meinen Gedanken, meine Königin. Macht mich zu deinem Schwertmeister und ich gebe die Information mit Freuden heraus“ – „Nein!“, das eine Wort das Emerelle ihm entgegenwarf zeigte bereits, dass sie darüber nicht verhandeln würde. Das hochmütige Grinsen des Fürsten gefror im gleichen Moment. Yulivee weidete sich an dem neuen Ausdruck der über sein Gesicht glitt. Sie verabscheute ihn. Wie konnte er mit Leben feilschen? Dann fasste er sich wieder.

„Ich sehe, es gibt Dinge die verhandelbar sind und Dinge über die man nicht verhandeln kann“, hob er an, „also lasst mich umgekehrt fragen. Was bietet Ihr mir für die Information.“
Yulivee hätte ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt. Wie konnte dieser Elf es wagen, das Leid anderer auszunutzen um sich selbst zu profilieren?
„Du strebst schon lange danach ein Elfenritter zu werden. Ich werde persönlich dafür sorgen, dass du den weißen Umhang noch heute erhältst.“ Emerelles Stimme klang eisig. Nun war es an Yulivees Reihe zu grinsen, es wäre ein schlechter Handel für diesen Elf. Selbst wenn er den Umhang eines Elfenritters erhielt, sie würden ihn nie unter sich aufnehmen. Zwar hatten auch andere Elfen aus Langollion es in ihre Reihen geschafft, doch keiner von ihnen war je ein wahrer Teil der Elfenritter geworden. Selbst unter der Elite waren sie Außenseiter.
Der Fürst lachte höhnisch auf. „Es wurden schon schlechtere Krieger als ich zu Elfenrittern berufen. Diese Auszeichnung hätte mir schon lange zugestanden, mit oder ohne Kunde von der Königstochter. Macht ein neues Angebot.“
Yulivee ballte ihre Fäuste. Dieser arrogante Wichtigtuer feilschte weiter um das Leben ihrer teuren Freundin.
„Woher weiß ich, dass die Information die Du bringst ausreichen um sie aufzuspüren?“, fragte Emerelle sachlich.
„Weil nur ich weiß, wo sie sich befindet“, antwortete ihr der Fürst. Yulivee zweifelte an seinen Worten. Wahrscheinlich waren sie erstunken und erlogen. Aber Emerelle schien das anders zu sehen. Sie nickte. „Ich gewähre Dir neben dem Umhang der Elfenritter, dass du in dieser einen Schlacht, in der die Prinzessin befreit wird, Ollowain gleichgestellt sein wirst. Weiterhin wirst du ihn in den Schlachten vertreten, an denen er nicht teilnehmen kann. Das ist der höchste Preis den ich zu zahlen bereit bin.“

Aus dem hämischen Gesicht des Langolliers konnte man ablesen, dass er mit diesem Angebot zufrieden war. „Abgemacht“, entgegnete er. Yulivee ahnte, was in seinem Kopf vor sich ging. Emerelle hatte einen schlechten Handel gemacht. Würde Ollowain sterben, wäre dieser Elf der nächste Schwertmeister. Das hatte natürlich auch zur Folge, dass es plötzlich jemanden gab, der ein reges Interesse am Ableben Ollowains hegte.
„Dann steht der Handel!“, verkündete Emerelle, „nutze die Chance gut, die ich dir gebe. Es mag deine Letzte sein.“
„Sie ist in der Festung von Valloncour.“ Dieser eine Satz des Fürsten war so teuer erkauft worden. Sie hätte ihn am liebsten angeschrien, doch Emerelle schien mit dieser Auskunft zufrieden zu sein.

„Ich erwarte dich morgen zur Besprechung des Angriffs.“ – „Sehr wohl, ich werde kommen.“ Der Elf fuhr auf seinem Absatz herum und stapfte davon.

Yulivee schauderte. „Du wirst dein Wort nicht halten oder? Man kann ihm nicht trauen“, sagte sie, an die Königin gewandt.
„Nein, man kann ihm nicht trauen“, stimmte Emerelle ihr zu, „und genau deswegen werde ich mein Wort halten. Solltest du irgendwann einmal einen Adelstitel erhalten, so rate ich dir, halte deine Freunde nah aber deine Feinde noch näher. Je näher Fürst Tiranu dem Thron ist, desto besser kann jede seiner Taten von meinen Spitzeln beobachtet werden. Wenn ich ihn wegschicke, wer überwacht ihn dann? Er würde sich nur mit Vertrauten umgeben. Dann wäre er wirklich eine Gefahr für ganz Albenmark.“ Yulivee nickte. Die Antwort stellte sie nicht vollkommen zufrieden, aber sie war nicht die Königin.
„Tiranu ist gefährlich. Er ist es jetzt und er mag es auch nach den Tjuredkriegen noch sein“, Emerelles Stimme war zu einem Flüstern geworden, sie sprach eher zu sich selbst als zu Yulivee.

Tiranu klang fast wie Tyrann, dachte Yulivee. Sie erinnerte sich an ihren Kindheitsfreund Tranju aus Arkadien. Auch sein Name klang dem von Tiranu zum Verwechseln ähnlich. Aber ihre Charaktere waren so unterschiedlich wie sie nur sein konnten. Tranju war sanftmütig gewesen und wenn sie ihn angesehen hatte, war ihr warm ums Herz geworden. Außerdem sah er gut aus. Sie hatte sich damals auf den ersten Blick in ihn verliebt. Wenn er einen angesehen hatte war einem warm ums Herz geworden. Tiranus Blick dagegen ließ sie frösteln.
Wie Tranju wohl inzwischen aussehen mochte? Sie stellte ihn sich muskulös vor, die Haut etwas dunkler, vom Training unter der Sonne, ein keckes Grinsen auf den Lippen. Beinahe wäre sie in den Tagträumen versunken. Wo er wohl war?

Sie musterte noch einmal die Stelle, an der Tiranu vor kurzem noch gestanden hatte. Wie zwei Elfen die beinahe den gleichen Namen hatten nur so unterschiedlich sein konnten. Aber es war nicht verwunderlich, kam der eine doch aus Arkadien und der andere aus Langollion.
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