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Rot und Blau

von Ayuko
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor WR400 North
19.06.2018
28.08.2019
19
120.081
23
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22.06.2018 3.852
 
Angespannt lauschte ich meiner schweren Atmung und starrte zu dem toten Mann, der nur wenige Meter von uns entfernt im Dreck lag.
Eben noch wollte er mich und die Kinder eiskalt erschießen. Nun liegt er dort selbst.
Hingerichtet von einem Android.
Und wir werden die nächsten sein.

Nervös hörte ich meinen dumpfen Herzschlag in der Brust hämmern, während mir mit Schrecken bewusst wurde, dass ich kaum noch klar sehen konnte. Alles verschwamm miteinander und meine Gliedmaßen wurden immer schwerer.

Jemand zog mühsam an meinem Arm und versuchte mich mit aller Kraft wieder auf die Beine zu ziehen. Das Ergebnis war jedoch mehr, oder weniger bedenklich.
Aber immerhin konnte ich mich aufsetzten, während Amber mich festhielt und besorgt musterte.
"Wir müssen hier weg!", zischte mir Adam ins Ohr, doch mehr als ein nicken kam bei mir nicht mehr zustande. Mein Mund fühlte sich staubtrocken an und die Zunge so schwer wie ein Stein.

"Das wird nicht möglich sein in eurem Zustand", sprach uns nun der Android ruhig an, der unseren Angreifer niedergeschossen hatte.

Zwar klang seine Stimmlage sanft und freundlich, doch mir lief ein kalter Schauer über den Rücken.
Was geht hier nur vor sich? Was wollen diese Dinger nur von uns?! Und wie konnten die uns mitten im Nirgendwo finden?
Mittlerweile fing ich an zu zittern und blickte an mit herab. Mein viel zu großes und liederlich zu geknüpftes Hemd, hing dreckig und klebend an meiner nassen Haut. Die linke Seite des Hemdes war Blutgetränkt und ließ mich beinahe würgen.
Den dumpfen und pochenden Schmerz den ich an dieser Stelle verspürte, ebbte langsam ab.
Doch vermutlich nur, weil ich dabei bin zu verbluten.
"Ihr müsst keine Angst vor uns haben. Mein Name ist Josh.", stellte sich einer der Androiden freundlich lächelnd vor und trat einen Schritt auf uns zu. Er hat afroamerikanisches Aussehen und kurze, melierte Haare. Er sah nur wenige Jahre älter aus als ich.

Langsam wurde mir schwindlig. Schwerfällig hielt ich noch das Gleichgewicht und versuchte verbissen nicht zur Seite zu kippen.
Der metallene Geschmack in meinem Mund wurde stärker, ließ mich würgen und schließlich Blut zu Boden spucken.

"Hannah!", rief Amber ängstlich und umarmte mich hektisch. Durch diese plötzliche Bewegung ihrerseits, verlor ich nun endgültig mein eh schon lausiges Gleichgewicht und kippte einfach um.
"Verschwindet auf der Stelle!", rief Adam aufgebracht und nahm sich einen naheliegenden Stock, den er wild um sich schlagend ergriffen hatte, um uns beide nun damit zu verteidigen.
Plötzlich waren Schritte zu hören und dann das splittern von Holz, als dieses gebrochen wurde.
Adam schnappte entgeistert nach Luft, dann landete er bereits mit einem lauten schmatzen Geräusch im Dreck.
Schwerfällig hielt ich die Augen offen und versuchte zu erkennen, was gerade vor sich ging.
Doch alles wurde immer schemenhafter und auch die Geräusche immer dumpfer und klangloser.

Verzweifelt versuchte ich bei Bewusstsein zu bleiben und mich wieder aufzurichten.
Doch es war sinnlos.
Lediglich mein abgehacktes und schwerfälliges Atmen bekam ich noch zustande.
"Adam und Amber Traynor, ihr müsst uns nun begleiten", sprach eine andere Stimme auffordernd, die ich nicht zuordnen konnte.
Es herrschte Stille.
Beinahe war ich mir sicher, dass ich bereits Tod war, bis ich die zitternde Stimme von Amber vernahm.
"Nicht...ohne Hannah"
Schwerfällig öffnete ich wieder die Augen und versuchte die Kinder zu erkennen.
"Ihre Überlebenschancen stehen nur bei 12,4 Prozent, das wird sie nicht überleben", widersprach nun der Android mit der Nummer RK800. Seine Stimme war recht leicht wiederzuerkennen.
Angespannt krallte ich mich in die feuchte Erde und versuchte gerade meine Gedanken zu ordnen, doch selbst das fiel mir schwer.
Doch grob überschlagen wusste ich, dass die mich hier liegen lassen werden, damit ich seelenruhig sterben kann.
„V-verdammt…“, schnaufte ich aufgebracht, sammelte meine letzten verbliebenden Kräfte und  richtete mich auf.
Allerdings fühlte es sich so an, als ob ich mir meine Wunde weiter aufreiße, doch immerhin sorgte dieser zerreisende Schmerz für einen neuen Adrenalin Stoß, der mich dazu brachte aufzustehen.
Zwar stand ich auf wie eine alte, gebrechliche Frau in ihrem 90. Lebensjahr auf, aber ich stand immerhin.
Amber stütze mich schnell und sah lächelnd zu mir hoch, die Erleichterung in ihren Augen schien sich beinahe zu überschlagen. Auch ich kam nicht umhin kurz gequält zu lächeln.
„Es könnte für Stabilität sorgen, wenn wir sie mitnehmen“, sprach plötzlich der Android namens Josh, blickte dabei ruhig zu dem RK800, der mich anstarrte.
Ich ahnte bereits, dass er vermutlich seine Alternativen abschätze und jede Kleinigkeit an mir genau zu durchleuchten schien.
„Was wollt ihr überhaupt von uns?!“, blaffte Adam nun wütend und stellte sich vor der Maschine auf, die mich eben noch zu analysieren zu schien.
„Wir werden euch in Sicherheit bringen. Das hat oberste Priorität“
Perplex sah ich drein und kam nicht umhin, mein Gegenüber abschätzend anzustarren.
„In Sicherheit?“, wiederholte Amber nun verwirrt und musterte die Maschine vor sich ebenfalls unsicher und abschätzend.
„Wegen euch ist doch erst alles ins Chaos gestürzt! Ihr seid an allem schuld! Ihr verdammten Arschlöscher!“, schrie Adam seine ganze Wut heraus. Sein Körper bebte vor Zorn und als er mit seiner Faust ausholte, die er geradewegs in das Gesicht des RK800 krachen lassen wollte, schrie ich erschrocken auf, in der Hoffnung ihn aufhalten zu können.
Doch seine Faust wurde gestoppt, unmittelbar vor dem Gesicht der Maschine die scheinbar seine bebende Faust locker festhalten konnte. „Mein Name ist Conner“, stellte er sogleich klar und ich war  baff, ebenso Amber und Adam.
Letzterer starrte ungläubig in die braunen dunklen Augen des RK800 und konnte es anscheint nicht glauben, dass sein brachialer Angriff wohl so mühelos gestoppt wurde.
Währenddessen ging ich wieder schmerzlich stöhnend in die Knie, als mein kurzzeitiger Adrenalin Stoß mich nun völlig antriebslos zurück ließ.
Die Schmerzen trieben mich mit rasender Geschwindigkeit in Richtung Bewusstlosigkeit, doch selbst mein eiserner Kampf dagegen konnte nichts ändern.
Es war nur noch eine Sache von Sekunden.
Ich wollte etwas sagen, etwas überdenken und diese ganze verdammte Situation erst einmal aufklären.
Doch das einzige was durch meinen Kopf raste, war meine Sorge um die Kinder, die sich verzweifelt mir zuwandten, ehe sie von der Dunkelheit verschluckten wurden. Und ich mit ihr.




Bilder blitzen immer wieder in der Dunkelheit auf. Kurze Sequenzen, die ich erst nicht einordnen konnte.
Sie kamen so kurz und flüchtig, dass ich sie einfach vorbei ziehen ließ wie einen Blitz, der den Himmel kurz erhellte.
Bilder von meiner Heimat...einem Viertel, in dem man nachts kein Fuß mehr vor die Tür setzten wollte. Eingeschlagene Fenster, Graffiti an den zerstörten Wänden und-
Adam und Amber auf der Flucht vor dem, was uns alles genommen hatte, in nur wenigen Augenblicken. Ihre Augen vor Entsetzten geweitet, ein stummer Schrei aus ihren aufgerissenen Mündern, der jedoch nie erklang.
Ein anderer Aufschrei erklang plötzlich so laut und deutlich in mir, dass ich erwachte und zusammenzuckte.



Stimmen klangen in meinem Ohr, etwas Nasses lag nun auf meiner Stirn und ließ mich leise stöhnen.
Diese Kühle tat so unglaublich gut.
Langsam spürte ich wieder...und zwar mich selbst.
Die schweren Augenlieder, die sich partout nicht von mit öffnen lassen wollten, meine schmerzenden Gliedmaßen, die wohl einfach wie festgefroren schienen und dann wurden die Geräusche um mich herum auch langsam verständlicher.
Etwas legte sich sanft auf meine Wange und blieb dort für wenige Sekunden, ehe es wieder verschwand.
Vermutlich eine Hand.
"Sie hat immer noch Fieber und es geht seit Tagen nicht weg", sprach eine klare Kinderstimme und ich konnte sie gleich, als die von Amber identifizieren.
Mühsam versuchte ich sogleich auf mich aufmerksam zu machen, doch sämtliche körperliche Aktivität war wohl abgestellt.
Nebenbei traf mich fast der Schlag, als ich eine weitere Stimme hörte und die ebenfalls zugleich zuordnen konnte. Dieser Android…dieser RK800! Ich bin mir absolut sicher!
"Unbehandelte Schussverletzungen führen bei Menschen zu Entzündungen oder Blutvergiftung"
Stille.
...war ich damit gemeint? In meinem Kopf ratterte es auf Hochtouren.
„Kann man daran sterben?“, wisperte Amber fassungslos. Ihre Stimme schien zu zittern.
Es folgte keine Antwort seitens des Androiden, vielleicht gab er ihr aber auch irgendein Zeichen. Kopfnicken vermutlich, was auch sonst…
Wieder herrschte eine bedrückende Stille, meine schwerfällige Atmung war das einzige was zu hören war. Selbst wenn ich nicht aktiv an diesem Gespräch teilnahm, so war es ja selbst mir schon unangenehm.
Aber einem Kind und einem Androiden ist vermutlich nichts unangenehm.
"Sag mal, Connor", fing Amber vorsichtig an, als mir der nasse Lappen plötzlich von der Stirn genommen wurde.
"Kannst du auch krank werden?"
"Nein", sprach der Android kurz angebunden.
Wieder herrschte kurz Stille, dann sprach Amber sogleich neugierig weiter, ihr Wissensdrang wollte gestillt werden.
"Aber Computer Vieren, oder? Du kannst dir ein Computervirus einfangen!“
„Amber, jetzt frag doch nicht diesen Plastikmüll aus!“
Eindeutig Adam in seiner miesepetrigsten Form.
Aber die beiden waren am Leben und anscheinend bei Gesundheit. Das war die beste Erkenntnis, seit dem ich endlich wieder wach bin.
Langsam bekam ich auch das Gefühl in meinen Gliedern wieder und versuchte immerhin meine kleinen Finger zu bewegen. Tatsächlich gelang es mir auch.
Ein Teilerfolg! Und den Rest werde ich auch schaffen!
Gerade als ich meine ganzen kümmerlichen Kräfte auf die Öffnung meiner Augen lenken wollte, griff plötzlich ein Arm unter meinem Rücken und hob mich scheinbar mühelos an.
Beinahe von selbst öffneten sich meine Augen dadurch und ich starrte perplex zu Boden.
„Hannah!“, schrie Amber euphorisch auf und ließ so unfreiwillig meine Ohren klingeln. Als sie mich stürmisch umarmte und sich an mich drückte, durchzuckte mich sogleich ein intensiver Schmerz an meiner Hüfte und ließ mich schmerzhaft keuchen.
Schnell wich das Mädchen wieder zurück und sah erschrocken drein, als sie mein schmerzverzehrtes Gesicht sah. „Tut mir Leid! Das wollte ich nicht!“, rief sie entschuldigend.
Ich wollte ihr etwas sagen, doch es kam nichts weiter als ein krächzendes Geräusch über meine Lippen, gefolgt von einem trockenen Husten.
Schwerfällig hebt und senkte sich mein Oberkörper und ich fühlte mich erneut völlig schlapp. Wenn ich nicht festgehalten werden würde, wäre ich bestimmt schon wieder umgekippt. Träge blickte ich zur Seite und sah prompt in dunkle braune Augen, die mich aufmerksam zu Beobachten schienen. Jetzt bemerkte ich auch, dass er derjenige ist der mich angehoben hatte und weiterhin festhielt.
Ein kurzes süffisantes Grinsen huschte über mein Gesicht.
„Wie war das nochmal mit deinen 13,9 Prozent?“, sprach ich leise mit rauer Stimme. Mittlerweile war ich mir sicher, dass ich um mindestens 60 Jahre gealtert sein muss.
Der RK800 schien nicht sonderlich beeindruckt, dennoch legte er leicht den Kopf schief und schien seine Antwort kurz zu überdenken.
„Es waren 12,4 Prozent und nur weil sie jetzt wach sind, heißt das noch lange nicht, dass sie überleben werden“
Realistisch und direkt. Feingefühl wäre ein Update, was sich bei diesem Androiden durchaus lohen würde!
Frustriert sah ich wieder zu Boden und atmete tief ein und aus. Mein Brustkorb schmerzte unangenehm, aber es war auszuhalten. Was mir mehr Sorgen bereite, war dieser tiefe und stechende Schmerz weiter unten.
Als ich zu Boden blickte, bemerkte ich die alte und durchlöcherte Decke die über mir lag und einen ziemlich üblen Eigenduft hatte.
Weshalb ich die Decke mit etwas Eckel seitlich an den Fingerspitzen anhob, in der Hoffnung mich nicht noch mit irgendwas schmutzig zu machen.
Mit entsetzten fiel mir plötzlich auf, das ich komplett nackt unter dieser verwanzten Decke lag!
Doch das war mein kleinstes Problem. Als ich die Wunde an meiner Hüfte sah, wurde mir augenblicklich wieder übel. Die Schusswunde sah entzündet und vereitert aus, ebenfalls nahm ich einen leichten fauligen Geruch war, der mir beinahe in der Nase stieß.
Viele kleine Äderchen, die beinahe schwarz aussahen, hatten sich um die Wunde gebildet und vermittelten mir den Eindruck, dass ich ein großes Problem bekommen werde.
„Bitte verzeihen Sie Miss, doch wir haben die Verletzung nur notdürftig versorgt mit dem was wir da hatten. Die Kleidung die sie trugen, war leider nicht mehr zu gebrauchen, nachdem wir diese als Verband zweckentfremdet hatten und musste nach der Blutstillung entsorgt werden. Zwar haben wir die Wunde gesäubert, aber sie haben dennoch eine leichte Sepsis entwickelt, die sie vermutlich töten wird“, stellte dieser sogenannte Connor seine These sachlich zu Ende und ließ mich wieder schwer schnaufen.
„Sepsis?“, wiederholte Amber verwirrt und sah fragend zu dem Androiden auf. „Was ist das? Diese Blutvergiftung?“
Der scheinbar junge Android nickte nur erneut, ließ seinen Blick nochmals über meine blasses Gesicht senken, während ich regelrecht spürte, wie er mich wieder abscannte um mir vermutlich noch meine genaue Todeszeit nennen zu können.
"So schnell gebe ich nicht auf, nur weil  mir jemand sagt, dass meine Chancen schlecht stehen. Das wäre ja noch schöner", sprach ich schon beinahe bockig und blickte entschlossen zu Amber, deren Gesichtsausdruck sich wieder erhellte. Hastig griff sie nach meinen Händen und drückte diese sacht.
"Ich hab mir Sorgen gemacht, weißt du? Du hast ganze drei Tage durchgeschlafen", plapperte das Mädchen gleich drauf los und ihr Blick wurde wieder sorgenvoller.
Ich musste stutzen und sah verblüfft drein.
Ich habe ganze drei Tage geschlafen? Dieser komische Traum fühlte sich doch nur nach wenigen Minuten an.
Unwohl Strich ich über meinen Hals und bemerkte wie trocken sich dieser anfühlte.
"Das erklärt mein staubige Kehle“, sprach ich krächzender Stimme eher zu mir selbst.
Von meinem allgemeinen Unwohlsein mal abgesehen, fühlte ich mich definitiv schlapp.
Aufmerksam sah ich mich nun um und versuchte meine Umgebung zu erkennen.
Wir waren immer noch im Wald, soviel stand fest. Dichte Nebelschleier bahnten sich ihren Weg durch die alten Bäume und ließ die Luft kühl und feucht anfühlen.
Ich saß auf einer großen, alten Rinde die immerhin etwas Schutz vor dem nassen Boden bot.
Und dicht hinter mir dieser komische Android. Aber seine Freunde konnte ich nirgends entdecken.
Dennoch beschlich mich das Gefühl, das wir definitiv nicht allein waren und vermutlich beobachtet werden.
Allerdings sagte mir die Umgebung gar nichts. Diesen Teil des Waldes kam mir nicht wirklich vertraut vor.
"Connor hat dich die ganze Zeit getragen, als wir losgelaufen sind. Wir müssen nämlich wirklich unbedingt nach Detroit zurück", sprach Amber nachdrücklich und ließ mich so wieder perplex zu ihr sehen.
War das ihr ernst?!
"Amber, wir können unmöglich dorthin zurück! Die Stadt ist verloren, da wohnt kein einziger Mensch mehr!", rief ich fassungslos, doch augenblicklich fing ich heftig an zu Husten und bekam kaum noch Luft.
Schritte waren zu hören und ich erblickte Adam, der zu mir kam und mir eine Flasche Wasser entgegen hielt.
Dankbar nahm ich sie an und nahm gleich ein paar große schlucke, ehe ich mich wieder daran verschluckte und nochmals kurz Husten musste.
Bei jedem Hustenreiz schmerzte meine Hüfte wieder unangenehm und ließ mich vor Pein erzittern.
Völlig kraftlos wurde ich jetzt nur noch von dem Android gehalten.
Was für ein Desaster.
Unwohl schielte ich hinter mir und erblickte erneut diese braunen Augen, die tief in mich hinein blicken zu schienen. Vermutlich wurde ich wortwörtlich tot analysiert.
Dass ich mich deswegen nackt fühlte, brauche ich gar nicht zu erwähnen. Ich bin  es ja jetzt schon bereits, was mir die Schamesröte ins Gesicht trieb.
Aber immerhin kann ich es auf mein Fieber schieben und Androiden stören sich vermutlich an diesem entblößten Zustand nicht sonderlich.
"Wir sollten weiter gehen. Es ist ein weiter Weg bis nach Detroit", sprach dieser sogenannte Connor ruhig und ließ mich damit leise aufstöhnen.
Was hatte ich für einen weiten und gefährlichen Weg mit den Kindern zurückgelegt, um aus dieser verdammten Stadt rauszukommen. Und jetzt kehren wir in diese Hölle zurück?!
Augenblicklich wurde mir schwindlig.
Ehe ich gegen die Anweisung des Androiden jedoch Einspruch erheben konnte, spürte ich wie sich ein Arm unter meine Kniekehle schob und mich anhob. Die andere Hand an meinen Rücken Stütze mich nun zusätzlich.
Erschrocken versuchte ich mich irgendwo festzukrallen und traf dabei mit meinem Gesicht auf das Emblem RK800, welches auf dem Jackett eingestickt war.
Verdattert starrte ich drauf und hörte meinen lauten Herzschlag in meinen Ohren wiederhallen.
Dieser verdammte Android trägt mich ja tatsächlich!
"Hab keine Angst, Hannah! Ich habe Connor bereits gesagt, wenn er dich fallen lässt, dann bekommt er gewaltigen Ärger mit mir und Adam", hörte ich Amber' s tröstende Worte. Mit ihrer Hand tätschelte sie tröstend meine Hand, mit der ich mich  immer noch panisch an dem Jackett von der Blechbüchse festhielt.
Ich wagte es gar nicht nach oben zu sehen, da mir mehr als 1000 Gedanken durch den Kopf schossen. Aber mein Gehirn war gerade restlos mit der Gesamtsituation überfordert.
Ehe ich es mich versah, ging Connor auch sogleich zügig los und ich ließ dabei vor Schreck fast meine stinkende Decke fallen, die nur notdürftig über meinem malträtieren Körper lag.
Hastig hielt ich sie verzweifelt an mich gedrückt und suchte panisch mit meinen Augen ab, ob nicht irgendwo etwas Haut zu sehen war.
Erleichtert stellte ich fest,  dass dem nicht so war.
"Ist dir kalt?", fragte Adam  und beobachtete meine Aktion eher mit Skepsis.
Ich sparte mir eine Antwort und blickte zu Amber, die ebenfalls neben Connor lief und immer wieder zu mir hinaufsah.
Erst jetzt fiel mir auf, dass die beiden immer noch die viel zu großen Kleidungsstücke trugen, die ich aus diesem alten Schrank gezerrt hatte.
Aber immerhin besaßen sie welche.
Frustriert spürte ich dagegen, wie meine nackte Haut immer wieder gegen den rauen Stoff der Decke rieb. Vermutlich werde ich mir noch die Krätze einfangen, als wenn ich sonst keine anderen Probleme noch hätte.
Während ich so meinen schwermütigen Gedanken um halbwegs passable Kleidung nachging, breitete sich Stille über uns auf.
Nur das knacken von Holz war zu hören, als die drei sich einen Weg durch das Dickicht bahnten.
Dieses beständige hin- und her schunkeln in den Armen des Androiden, die zudem bequemer sind als ich zunächst dachte, sorgte nun dafür das ich langsam wieder schläfrig wurde.
Auch wenn es hoch verlockend war, sich dem Schlaf hinzugeben, so konnte ich es mir einfach nicht erlauben.
Zu vieles war noch nicht geklärt.
Warum haben diese Androiden ausgerechnet uns gesucht und dann auch noch gefunden?
Zudem ist mir das größte Rätsel, was diese Androiden eigentlich von uns wollen?
Ich erlaubte mir einen Seitenblick nach oben, um mir kurz diesen Androiden namens Connor genauer anzuschauen.
Er sah aus wie ein Mensch, sprach wie ein Mensch und verhielt sich auch wie einer, mehr oder weniger...doch was ist er eigentlich wirklich? Nach dem 11. November ist bei Androiden ja alles möglich.
Der kreisrunde, blau leuchtende LED an seiner Schläfe war im Grunde das einzige, was ihn zumindest äußerlich von einem Menschen unterschied.
Schnell sah ich wieder nach unten, als der Android wohl meine Blicke zur Kenntnis genommen hatte und mich ansah.
Abgesehen davon, dass ich jetzt eh nicht zu einem großen Gespräch bereit war, dank meiner kaum vorhandenen Stimme, habe ich generell keine Lust mich unter diesen Umständen zu einem small-Talk hinreißen zu lassen.
Denn so wie es aussah, war das hier wohl eine Teilweise-Entführung. Ich wollte definitiv nicht nach Detroit zurück, aber die Kinder anscheint doch, was mich innerlich wirklich ziemlich zerrüttet.
Wie können sie einfach so mit diesem Androiden mitgehen, den wir vorher noch nie gesehen haben? Selbst Adam kommt mit, und er war um einiges noch impulsiver als ich.
Seit diesem Zwischenfall in ihrem Haus in Detroit, haben Amber und Adam nicht die geringste Ambitionen gehabt, sich weiterhin mit Androiden auseinander zusetzen.
Ganz im Gegenteil, sie wollten so weit wie möglich weg von ihnen.
Und nun gehen sie einfach mit diesem Connor mit. Warum, verdammt?!
Was ist nur in diesen drei Tagen passiert, in denen ich komplett weggetreten war? Vielleicht hat er ihnen irgendeine Gehirnwäsche unterzogen, manche Androiden sollen dafür ein besonderes Programm haben.
Kann aber auch sein, dass ich da mal wieder was missverstanden habe.
Und warum schleppt er mich auch noch wortwörtlich mit? Es wäre viel einfacher für ihn, wenn er mich einfach liegen gelassen hätte. Immerhin waren ja meine Überlebenschancen mehr als kümmerlich, wie mir netterweise mitgeteilt wurde.
Ich versank weiter in meinen Gedanken, grübelte über unsere prekäre Situation nach und bekam langsam wieder Kopfschmerzen.
Erschöpft schlossen sich langsam meine Augen, auch wenn ich noch so sehr dagegen ankämpfte. Wenn mir nicht so warm wäre, dank des Fiebers, hätte ich mich dann auch nicht halb im Delirium befindend, an das einzig kühle in meiner Nähe geschmiegt.
Schließlich fiel ich in einen tiefen Schlaf.


„Hannah!“
Träge öffnete ich langsam meine Augen und musste kurz blinzeln. Adam war über mir gebeugt und musterte mich aufmerksam, dann legte er eine Hand auf meine Stirn. Nachdenklich zog er die Stirn in Falten.
Nun sah er viel älter aus, als er eigentlich war. Und ängstlicher, als ich ihn je gesehen hatte.
„Du hast immer noch Fieber“, stellte er fest und erhob sich.
Ehe ich es mich versah, rannte er von mir weg und ließ mich einfach liegen. Kurz sah ich mich um, strich mit meinen Fingern über den kalten Boden unter mir.
Mein Kopf dröhnte, während mich ein plötzliches zittern  ergriff und mir sämtliche Muskeln im Körper anspannen ließ.
Augenblicklich verkrampfte ich stark und bekam kaum noch Luft. Verzweifelt japste ich nach Luft und schrie mich in Gedanken an, ruhig zu bleiben.
Geschwächt drehte ich mich zur Seite, in der Hoffnung meine Lungen irgendwie zu entlasten. Leider ging mein Plan nicht wirklich. Das Atmen strengte immens an, alles drehte sich…und mir war so enorm heiß.
Als würde ich von innen verbrennen.
Mit verklärtem Blick sah ich, wie Adam zu diesem Androiden rannte, ihn an seinen Handgelenken packte und kräftig daran zog und ihn anschrie. Doch er reagierte zunächst nicht.
Erschöpft schloss ich die Augen, legte zitternd meine Hand auf die vereiterte Wunde und schrie leise auf, als mich so starke Schmerzenswellen durchlitten, dass ich mich beinahe übergeben musste.
Gerade als ich alles und jeden in Gedanken verfluchen wollte und auch froh war, wenn es endlich vorbei wäre, stand dieser Android plötzlich vor mir. Zumindest konnte ich seine geputzten Schuhe gleich erkennen.
Am liebsten hätte ich mich auf diesen Übergeben, stattdessen drehte ich mich wieder auf den Rücken und starrte ihn einfach nur an, während ich verzweifelt versuchte meine Atmung zu Regulieren.
Ich war mir sicher, er würde mir jetzt das Leben nehmen. Diese komödiantische Vorführung meinerseits ging eh schon viel zu lange.
„Das wird Ihnen jetzt vermutlich Schmerzen bereiten“, sprach er ruhig auf mich ein, ehe er sich zu mir niederkniete.
Mit trüben Blick sah ich ihn an und leckte mir ungewollt über meine spröden und rissigen Lippen.
Ehe ich noch etwas sagen konnte, sah ich nur seine Hand die sich geradewegs auf meine entzündete Wunde legte und mich allein dadurch leise aufschrien ließ. Ich wollte sie bereits wegschlagen, als meine Hand scheinbar locker von ihm zu Boden gedrückt wurde.
Alles was ich noch spürte, war dieser zerreisende Schmerz, als sich die Hand des Androiden durch mein vereitertes Gewebe bahnte und mich nun endgültig zum Kollaps brachte.
Aber immerhin gab es kein Schmerz mehr.

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Danke für die fleißigen Mitleser und die 4 Favo Einträge ;D
Ich hoffe dieses Kapitel hat euch gefallen, es geht bald wieder weiter versprochen^^
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