Izanamis Klage

von curuvari
GedichtÜbernatürlich / P12
19.06.2018
19.06.2018
1
307
5
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Izanamis Klage

Manche Nacht scheucht Fūjin seine Winde so erbarmungslos,
Dass ihr Heulen auf der Erde selbst an meine Ohren dringt.
Solcher Nächte darf ich ahnen, dass, obgleich in meinen Schoß
Täglich tausend Leben fallen, dein Werk ohnehin gelingt.

Viele deiner Menschenkinder, die ich von dort oben raube,
Wispern mir von deiner Schönheit, von dem Glanze deiner Welt.
Ihre Worte malen Bilder, dass ich selbst bald daran glaube,
Mich nach deinem Licht zu sehnen, dem mein Antlitz so missfällt.

Und ich höre von der Sonne, die das Tal in Wärme bettet,
Von dem Mondlicht, dass die spitzen Berge weiß und silbern tupft.
Von Kuraokamis Regen, der die Jahresernte rettet,
Wenn Amaterasus Hitze an Inaris Feldern rupft.

Heute sitzt die Sonnengöttin auf der Menschen höchstem Throne,
Hochgepriesen und geliebt wird sie von all den Sterblichen.
Ihre Flamme brennt am Himmel, tot ist unser Feuersohne.
Niemand will vom Prinzen wissen; lang lebe die Königin!

Wunderhübsch sind deine Töchter in der Menschen Lobeslieder,
Stolz und stattlich deine Söhne, dir in deinem Wesen gleich.
Makellos ist deine Erde, nur dein Weib ist dir zuwider.
Schmore sie bis an ihr Ende in dem düstren Höllenreich.

Indes reiße ich Verschmähte dein brillantes Schaffen nieder.
Stund' um Tag um Jahr bringe ich dich um deine Seelenruh',
Denn ich weiß, du spürst das stete Altern deiner eignen Glieder:
Eines Tages, mein geliebter Izanagi, stirbst auch du.



geschrieben für das Projekt »120 Texts of life« auf warriorcatsforum.de zum Thema »Kami«
Review schreiben