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habits

OneshotFamilie, Freundschaft / P12
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
19.06.2018
19.06.2018
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Detroit: Become Human - Hank & Connor
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Die großen Pfoten des Bernhardiners schliffen träge über den Boden, Hank folgte Sumo mindestens genauso langsam um das nächste Ladenregal, wo jemand durch den Gang schlenderte – oder wie man Connors langsames Gehen sonst nennen wollte, der sich den Regalinhalt scheinbar genaustens einprägen wollte. Seine weniger zielstrebigen Bewegungen verliehen ihm allerdings etwas noch Menschlicheres als sein sonstiges Erscheinungsbild, wie Hank fand. Die normale Kleidung machte schon einen gravierenden Unterschied, aber mit dem Durchbrechen seiner Programmierung hatte Connor außerhalb seines Jobs an Zielstrebigkeit verloren und legte menschlicheres Verhalten an den Tag. Er stritt das allerdings immer noch vehement ab – was nur verriet, wie schwer er sich damit tat, zu akzeptieren, dass er wirklich ein Abweichler geworden war. Hank hatte allerdings den Eindruck, dass das nicht sein einziges Problem mit den Ereignissen der letzten Monate war. Er brachte es aber auch nicht über sich, Connor danach zu fragen.
Der Lieutenant streckte seine Hand nach dem Whiskey aus, der im Regal vor ihm stand und sah aus dem Augenwinkel, wie der Android sich zu ihm umdrehte.
„Meinen Sie nicht, Sie sollten mit dem Trinken aufhören? Sie schaden damit nur sich selbst.“
Hank blickte zu ihm hinüber und legte zwei Flaschen des Alkohols unter Connors wachsamen Augen in den Einkaufskorb, der ihm leise surrend durch den Laden hinterher rollte. „Ich hör' damit auf, wenn du aufhörst, mir mit deiner Münze auf den Sack zu gehen.“
Connor schwieg einen Augenblick. „Sehr amüsant, Lieutenant“, erwiderte er dann ausdruckslos und hielt die Hände hinter dem Rücken verschränkt – seine gesamte Haltung erinnerte wieder an die Maschine, die er im Grunde noch war.
Hank deutete vage mit einer weiteren Flasche in seine Richtung. „Sieh's als Teil meiner Programmierung.“
„Die Münze gehört nicht zu meiner Programmierung“, erwiderte Connor bloß, während Hank eine weitere Flasche ablegte.
„Nicht? Was ist es sonst? Eine Angewohnheit, die du von Anfang an hattest?“ Er hob fragend eine Augenbraue und bemerkte das unruhige gelbe Flackern an Connors Schläfe und seinen leer wirkenden Blick. Er wirkte beinahe weggetreten. „Connor?“ Hanks Partner reagierte immer noch nicht. „Entspann' dich, ist ja nicht so, als wäre das schon ein erstes Anzeichen fürs Abweichen gewesen.“
Die LED flackerte bei diesen Worten kurz rot auf und Hank runzelte verwundert die Stirn, bevor er auf seinen Partner zulief und vor seinem Gesicht einmal schnipste.
Connor sah Hank nun direkt an und ein scheinbar verzweifelter Ausdruck spiegelte sich in seinen Zügen wider. „Was, wenn es das doch war?“
Hank musterte den Androiden, der gerade wesentlich menschlicher geklungen hatte als sonst, weil eine gewisse Verunsicherung in seiner Stimme mitgeschwungen hatte und sich in seinen Augen eindeutig Emotionen zeigten. „Connor, was ist los mit dir? Du bist schon ein gottverdammter Abweichler, warum beschäftigt dich das so?“, fragte er schließlich verwirrt.
Connor schien mit sich zu ringen, er zögerte – dieses Zögern war Hank im Laufe ihrer Zusammenarbeit immer häufiger über den Weg gelaufen und hatte in der Zeit nachdem Connor zum Abweichler geworden war, in gewissen Situationen immer öfter Anklang gefunden. Entweder war er dabei, ihm etwas vorzuenthalten oder er log.
Allerdings schien er dieses Mal nachzugeben. „Amanda -“, hob er an, stoppte jedoch wieder, als er den verwirrten Blick seines Gegenübers auffing.
„Wer zum Henker ist Amanda?“
„Sie war Kamskis Mentorin und er hat nach ihrem Vorbild ein Interface geschaffen, mit dem ich mich über unsere Fortschritte in den Abweichlerfällen austauschen konnte.“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung, als er bemerkte, dass Hank immer noch recht ratlos wirkte. „Sie hat nachdem ich zum Abweichler wurde -“, er stockte einen Augenblick, als würde ihm der Gedanke nicht wirklich gefallen, „ - sie hat noch einmal versucht, die Kontrolle über mich zu erlangen. Und dabei erklärte sie mir -“ Der Android brach ab und seine LED flackerte wieder gelb auf. Er schwieg einen Moment, bevor er seinen Satz zu Ende brachte. „Sie erklärte mir, dass ich darauf programmiert wurde, früher oder später abzuweichen.“
Hank erwiderte einen Augenblick nichts und beobachtete stattdessen Sumo, der zwischen den Regalen herumlief und ausgiebig herumschnüffelte, obwohl er den Laden schon unzählige Male bis in die letzte Ecke erkundet hatte. Sie kamen oft zusammen hierher; Hank hatte nur diesmal Connor mitgenommen, weil dieser außerhalb der Arbeit immer etwas verloren wirkte. Er hatte bisher noch kein Interesse für irgendwelche Hobbys gezeigt, also wollte Hank ihm den menschlichen Alltag etwas näherbringen, in der Hoffnung, dass das irgendetwas bewirkte.
„Und damit hast du so ein Problem?“, fragte er dann nur und sah wieder zu dem Androiden auf, dessen Gesicht auf diese Erwiderung hin wieder an Emotionen verloren.
„Ich hatte keine Wahl, Hank. Das stellt alles in Frage, was ich je getan habe.“
„Das spielt doch absolut keine Rolle. Dann haben die Idioten dein Leben eben vorherbestimmt, und? Jetzt hast du 'n freien Willen und kannst so handeln, wie du es für richtig hältst.“
Connor schien nicht wirklich überzeugt zu sein, sagte jedoch nichts weiter dazu, weswegen Hank ihm nur einen freundschaftlichen Schlag auf den Arm verpasste und in die Richtung lief, in der sein Hund noch immer herum stromerte.
Ein metallisches Geräusch ließ ihn einen Blick über die Schulter zurückwerfen, wo Connor noch verharrte, seine Finger spielten mit seiner Münze. Normalerweise sah er dabei nicht auf die Münze hinab, doch diesmal waren seine Bewegungen langsamer und er wirkte schon beinahe betreten, wie er so den Blick gesenkt hielt und seine Tricks bewusster durchführte – was zwar nichts daran änderte, dass er sie perfekt beherrschte, dem ganzen aber eine gewisse Schwermütigkeit und unsauberes Aussehen verlieh.
Hank seufzte und schickte Sumo wieder voraus, der sich vor ihn gesetzt hatte, während er zu Connor zurückgeblickt hatte. „Na los, alter Sack, sonst kommen wir heute gar nicht mehr Nachhause.“ Er sah noch einmal zu seinem Partner. „Connor?“
Der RK800 blickte auf und Hank nickte in Richtung Kasse, woraufhin er wieder langsam folgte. Eine Weile schwiegen sie sich noch an und Hank kümmerte sich um den Rest seiner Einkäufe, bis Connor sich doch wieder zu Wort meldete. „Sie könnten sich das alles doch auch einfach bestellen; warum gehen Sie noch selber einkaufen?“
Hank zuckte bloß mit den Schultern, während er in Richtung Kasse lief, wo mittlerweile alles völlig automatisch ablief. „Gewohnheit, schätze ich.“
„Gewohnheit?“ Connor legte den Kopf verwundert schief. Der Lieutenant wusste, dass Connor nicht das Wort irritierte, sondern er viel mehr interessiert daran war, was er damit meinte.
„Ich bin zu Zeiten aufgewachsen, in denen man noch selber einkaufen gehen musste. Und du weißt, dass ich's mit der beschissenen Technik nicht so habe, also geh ich halt immer noch selbst“, erklärte er und bestätigte derweil seine Zahlung. „Manchmal ist es einfacher, mit sich zu leben, wenn man an gewissen Dingen und Angewohnheiten festhält.“ Hank warf einen Blick zu seinem Partner, dessen LED einmal kurz gelb aufblinkte.
„Ich verstehe.“ Connor sah hinab auf seine Hand, womit er seine Münze immer noch festhielt; offenbar hatte er sie seit vorhin nicht wieder in seine Tasche gesteckt. Er schnipste sie einmal in die Luft und fing sie problemlos wieder auf. Hank verfolgte bloß schweigend, wie aus Connors zögerlichen Ansätzen wieder seine fließenden Tricks wurden. Mit jeder weiteren Bewegung schien das Zögern zu schwinden und er sich etwas zu entspannen.
Hank lächelte und bedeutete Sumo in Richtung Ausgang zu gehen, während er seine Einkäufe in ein paar Stofftaschen umlagerte und schließlich mit zwei vollen Taschen seinem Hund folgte. Der RK800 schloss rasch zu ihm auf und lief neben ihm her, während Sumo etwas aufgeweckter vor ihnen her trabte; außerhalb des Ladens wirkte er wacher als sonst.
„Soll ich Ihre Einkäufe tragen?“, fragte Connor unvermittelt und kassierte dafür einen überraschten Blick.
„Bist du mein Haushalts-Android oder was? Quatsch, nein, ich trag das Zeug selbst.“
Connor erwiderte seinen Blick mit einem ausgesprochen überzeugenden Lächeln. „Ich würde das aber gerne tun.“ Ehe Hank weiter reagieren konnte, hatte Connor ihn bereits von den Taschen befreit und trug sie mit Leichtigkeit selbst, dabei wirkte er ungewöhnlich zufrieden.
Hank sog die Luft tief ein und stieß sie langsam wieder aus, seine Hände steckte er in seine Jackentaschen.
Sein Partner traf mittlerweile seine eigenen Entscheidungen, völlig unabhängig von seiner alten Programmierung, das musste er ihm wohl lassen.
Eigentlich ein wirklich gutes Zeichen.
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