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Die Wege der Macht

von fblacky
GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Anakin Skywalker / Darth Vader Obi-Wan Kenobi Qui-Gon Jinn Sheev Palpatine / Darth Sidious
19.06.2018
01.06.2020
30
100.442
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19.06.2018 3.079
 
Kapitel 1: Alles auf Anfang


„Ich hasse Euch!“ Der Schrei dröhnte in seinen Ohren, obwohl er längst verklungen war, ließ seine Schultern erbeben und seine Seele bluten. Mehr stolpernd als gehend kämpfte Obi-Wan sich vorwärts. Seine Augen starrten blicklos auf den Boden zu seinen Füßen, die Ruinen dessen, was vom Unterschlupf der Separatisten geblieben war, überhaupt nicht wahrnehmend, während er verzweifelt versuchte dem Schmerz Herr zu werden, der unbarmherzig durch seine Eingeweide tobte und sein Herz in immer kleinere Fetzen zerriss.

„Ich hasse Euch!“ Die Worte wirbelten durch seinen Verstand ohne sich ihm zu erschließen, ohne irgendeine Erklärung zu liefern und ließen nichts als Chaos und Zerstörung zurück. Leicht schwankend und ohne es wirklich wahrzunehmen setzte Obi-Wan einen Fuß vor den anderen und nur die Hitze, die ihm mit einem Mal wieder mit geballter Intensität entgegenschlug, ließ einen winzigen Teil seines wie ferngesteuert funktionierenden Gehirns registrieren, dass er das zerstörte Gebäude hinter sich gelassen hatte. Die Lava, die sich brodelnd und zischend ihren Weg über das dunkle Gestein suchte, und das Ächzen hinter ihm, machten einen Höllenlärm, aber Obi-Wan bemerkte es nicht. Seine Wahrnehmung war auf den nächsten Meter Boden unter seinen Füßen zusammengeschrumpft und in seinen Ohren hallten die Worte seines Freundes, seines Bruders.

„Ich hasse Euch!“ Aber es war nicht sein Bruder gewesen, der diese Worte ausgesprochen hatte. Dieser junge Mann war nicht mehr Anakin Skywalker gewesen, sondern der manipulierte Sith Darth Vader. Anakin hätte all das niemals getan! An diesen Gedanken musste Obi-Wan sich regelrecht klammern, um nicht auch noch seinen Verstand an den Schmerz zu verlieren, der in seinem Inneren wütete und mit jedem Schritt an Intensität gewann. Ein winziger Teil von ihm, der trotz allem noch halbwegs klar denken konnte, registrierte nüchtern, dass sein zerrissenes Inneres hundertmal mehr schmerzte als jede körperliche Wunde und jede Foltermethode, die die grausamsten Wesen der Galaxis zu ersinnen pflegten.

„Ich hasse Euch!“ Fast hätte Obi-Wan sich die Hände auf die Ohren geschlagen, wenn er geglaubt hätte, dass das irgendetwas bringen würde. Die hasserfüllte Stimme seines ehemaligen Schülers war ebenso wenig zum Schweigen zu bringen wie die vorwurfsvollen Fragen, die durch seinen Kopf wirbelten, sich dem Sturm in seinem Herzen anschlossen und den Schmerz noch verstärkten. Was hatte er falsch gemacht? Wo war er so blind gewesen, dass er Anakins Konflikt nicht bemerkt hatte? Wie hatte er es zulassen können, dass Anakin der Dunklen Seite verfiel? Die Gewissheit seiner Schuld ließ ihn straucheln und beinahe stürzen. Er hatte versagt. Es war seine Schuld. Er war Anakin nicht der Meister gewesen, den dieser gebraucht hätte, und jetzt waren die Republik von der Dunkelheit verschlugen und die Jedi vernichtet worden.

Der Krieg war etwas noch Üblerem gewichen, was Obi-Wan sich nicht einmal in seinen schlimmsten Albträumen hatte vorstellen können. Die Sith hatten die Macht übernommen. Einer befand sich in dem Büro, von dem aus er bereits seit vielen Jahren die Fäden zog, und einer verbrannte in der glühenden Lava Mustafars.

Dieser Gedanke trieb Obi-Wan das erste Mal einen gequälten Laut über die Lippen. Er wusste genau, dass es ganz und gar nicht der Weg der Jedi gewesen war, ein Lebewesen einem so grausamen Tod auszuliefern, auch wenn dieses Lebewesen ein Sith war, aber selbst mit all den schrecklichen Dingen vor Augen, die Anakin getan hatte, hatte er sich einfach nicht dazu bringen können, ihn zu töten. Er hatte ja sogar daran gezweifelt, ob er überhaupt in der Lage sein würde, gegen ihn zu kämpfen. Als Anakin ihn dazu gezwungen hatte, das Lichtschwert gegen ihn zu erheben, war etwas in ihm zerbrochen, was den alles verzehrenden Schmerz in seinem Inneren entfesselt hatte.

Obwohl er sich fühlte, als wären seine Sinne allesamt in einen Zustand völliger Taubheit gefallen, spürte er wie die Macht um ihn herum wirbelte, noch aufgewühlter als der Sturm aus Schmerz in seinem Inneren. Obi-Wan keuchte leise und schmerzerfüllt. Mit einem Mal war es nahezu unmöglich weiterzugehen. Der düstere Boden verschwamm unter seinen Füßen als ihn heftiger Schwindel erfasste. Er registrierte kaum wie die Macht gegen das Dunkle kämpfte, das Anakins Präsenz an diesem Ort hinterlassen hatte, während sie wogend und wirbelnd um ihn her toste, viel zu sehr war er damit beschäftigt nicht zusammenzubrechen. Er biss die Zähne so fest aufeinander, dass sie protestierend knirschten, während er sich einen weiteren Schritt in Richtung seines Raumschiffes kämpfte.

Er musste weitermachen. Irgendwie musste er seinen Körper auch ohne Herz und mit benebeltem Verstand dazu bringen weiter zu funktionieren. Er musste zurück nach Coruscant und Yoda helfen, den Jedi-Meister im Kampf gegen den Sith-Lord unterstützen, der ihm seinen Bruder genommen und die Demokratie vernichtet hatte. Aber es war unmöglich. Der Schmerz schien ihn von innen heraus zu zerreißen, während die Macht so stark an ihm zerrte, dass ihm beinahe schwarz vor Augen wurde. Verzweifelt versuchte er sich auf seinen bebenden Knien zu halten und die Qual zu ignorieren, die seine Sinne in Brand steckte und wie die Lava des Planeten durch seine Adern kroch, aber es war ein Kampf, den er nicht gewinnen konnte. Obi-Wan Kenobi schrie auf, als seine Beine unter ihm nachgaben.


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Blasterfeuer zuckte durch den königlichen Palast in Theed. Die Hauptstadt der Naboo hatte normalerweise eine beinahe märchenhafte und vor allem friedliche Ausstrahlung, mit den großen Kuppeldächern in freundlichen Tönen zwischen den Wasserfällen und inmitten endlosen Grüns, das nur am Horizont von blauen Tupfern unterbrochen wurde, die den Anfang des Seenlands markierten. Von dieser Ruhe war nun allerdings nichts mehr übrig. Die Kampfdroiden, die den Planeten vor einigen Tagen besetzt hatten, liefen sichtlich konfus durch die Straßen, auf der Suche nach denen, die sie angegriffen hatten, während Captain Panaka und sein kleiner Trupp treuer Soldaten ohne Unterlass immer mehr Verwirrung unter den Droiden stifteten. Ihre Aufgabe, ein Ablenkungsmanöver zu starten, war ihnen definitiv gelungen. Dennoch war die Gruppe, die an den abgelenkten Droiden vorbei in den Palast eingedrungen war, nicht lange unentdeckt geblieben.

Königin Padmé Amidala von Naboo, die im Moment in so schlichte Gewänder gekleidet war, dass sie von Personen außerhalb ihres engsten Stabes erst auf den dritten Blick erkannt werden konnte, duckte sich rasch hinter eine der hohen marmornen Säulen als Blasterfeuer nur wenige Zentimeter an ihrem Ohr vorbei zischte. Sie zögerte nur für die kurze Dauer eines Luftholens, ehe sie ihren eigenen Blaster fester packte, halb hinter der Säule auftauchte und das Feuer erwiderte. Die tödlichen Lasergeschosse zuckten durch den Raum, aber es war keiner der Seiten möglich einen tatsächlichen Vorteil für sich zu erkämpfen.

Hastig ließ Padmé ihren Blick umherschweifen, als sie sich erneut kurz komplett hinter die schützende Säule zurückzog. Das dauerte viel zu lange. Sie hatten keine Zeit sich mit jedem einzelnen Kampfdroiden zu beschäftigen. Sie mussten in den Thronsaal gelangen und den Vizekönig für seine Verbrechen gefangen nehmen, ehe die Gungans von der schieren Übermacht seiner Invasionsarmee überrannt wurden.

Trotz ihrer eigenen verzwickten Situation krampfte sich ihr Herz bei dem Gedanken zusammen wie viele Gungans in diesem Moment für die Freiheit Naboos ihr Leben ließen und ihre Eingeweide verknoteten sich schmerzhaft als sie an ihre beiden Beschützer dachte, die im Augenblick ihren eigenen Kampf ausfochten. Tief unter ihnen, im Energiegenerator der Stadt, kämpften die Jedi gegen einen Feind, den ihr Orden seit über tausend Jahren tot geglaubt hatte, und irgendetwas sagte ihr, dass dieser Kampf ein tödliches Ende nehmen würde.

Während der Lärm ihres eigenen Kampfes um sie herum tobte, hoffte sie mit an Verzweiflung grenzender Intensität, dass wenigstens Ani in Sicherheit war. Ohne sich komplett darauf zu konzentrieren streckte sie einen weiteren Droiden nieder, während sie sich nach einem Weg umsah, der sie an den Droiden vorbei zum Thronsaal bringen würde, und dann hellte sich ihr Gesicht auf, als ihr Blick an den hohen Fenstern hängen blieb.


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Der Schmerz war allgegenwärtig. Er raste durch seinen Körper, wirbelte durch seinen Kopf und schlug seine scharfen Klauen wie ein wild gewordenes Nexu in alles, was er erreichen konnte, während die Macht jede einzelne seiner Poren durchdrang und ihn auf eine Art und Weise erfüllte, die er nie zuvor gespürt hatte.

Obi-Wan hatte das Gefühl in einem tobenden Orkan aus undurchdringlicher Dunkelheit und Schmerz gefangen zu sein und er hätte sich vor lauter Qual wohl die blutigen Reste seiner zerfetzten Seele aus dem Leib geschrien, wenn er in diesem Wahnsinn seine Stimme gefunden hätte. Gerade fragte er sich, wie viel ein menschlicher Körper zu ertragen in der Lage war und wieso die Macht, die ihm sein Leben lang ein Wegweiser und Freund gewesen war, ihm das antat, als der Schmerz so schnell verschwand als wäre er nie da gewesen und nur eine seltsame Mischung aus Kribbeln und Pochen zurückließ.

Die Dunkelheit, die ihn umgab, begann sich zu lichten und die Schwärze wich einem glühenden Rot. Aber es war nicht der dunkle intensive Farbton der Lava auf Mustafar. Es war auch nicht das bösartige Rot der Lichtschwertklinge eines Sith, mit dem Obi-Wan nach den letzten Geschehnissen am ehesten gerechnet hatte. Es war das matte Glühen von roten Energiebarrieren, die Bestandteil eines Systems waren, das nur die schlauesten Ingenieure verstanden und genug Energie produzierte, um eine ganze Stadt mit Strom zu versorgen.

Ganz langsam, nicht schneller als eine Mondblume, die ihre Knospen mit der untergehenden Sonne öffnete um ihre sanft leuchtende Blüte zu entfalten, stellten Obi-Wans Augen scharf. Schemenhaft erkannte er zwei Gestalten hinter der roten Barriere aus reiner Energie direkt vor seine Nase, die sich mit gezündeten Lichtschwertern gegenüberstanden und beinahe so wirkten, als hätte etwas absolut Unerwartetes ihren Kampf unterbrochen.

Vollkommene Verwirrung füllte seine Gedanken. Was war das jetzt wieder? Und wo war er hier? Denn dass dieser Ort, der ein seltsames Gefühl des Wiedererkennens in seiner Brust hervorrief, das ihm die vollständig ausgetrocknete Kehle zuschnürte, nicht Mustafar war, konnte er selbst mit seinem vernebelten Geist mit Gewissheit sagen, obwohl er seine Umgebung immer noch nur eigenartig verwischt wahrnehmen konnte. Als hätte ein rutanischer Künstler mit dem Ärmel über sein Gemälde gestrichen und die Anordnung der verschiedenen Farben durcheinander gebracht. Die Hitze war verschwunden, es hing nicht das winzigste Partikelchen Asche in der Luft und statt dem Brodeln der Lava füllte das Summen der roten Energiebarrieren seine Ohren.

Obi-Wan blinzelte, noch immer heillos verwirrt, aber den Kampf gegen seine eingeschränkte Sicht Stück für Stück gewinnend. Die verschwommenen Gestalten vor ihm erhielten schärfere Konturen und Gesichter und explosionsartig gesellten sich Unglauben, Verleugnung und erneuter Schmerz zu seiner alles umfassenden Verwirrung. Sein Herz setzte einen Schlag aus, ehe es seinen Dienst etwas holprig wieder aufnahm und seine Augen weiteten sich vor Schock, während er völlig konsterniert in das sorgenvolle, aber ohne Zweifel sehr lebendige Gesicht von Qui-Gon Jinn starrte.

Etwas in seinem vollkommen überanstrengten Gehirn blockierte, weigerte sich, sich mit der Situation auseinander zu setzen, die ihm seine Augen präsentierten. Seine Knie zitterten und er schwankte erneut besorgniserregend, aber irgendetwas, ob es die Macht war oder nur der kümmerliche Rest seiner Selbstbeherrschung, konnte Obi-Wan nicht sagen, hielt ihn auf den Beinen und verhinderte, dass sie zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit unter ihm nachgaben.

Eine Reihe mechanischer Laute ertönte und mit einem Zischen erstarb die Energiebarriere vor ihm, aber Obi-Wan blieb, wo er war. Ohne auch nur einen Muskel zu rühren starrte er auf den hochgewachsenen Mann vor ihm, dessen Gesicht ihm fast so vertraut war wie sein eigenes, bis etwas, und erneut war Obi-Wan sich nicht sicher, ob es die Macht war, ihn den Blick abwenden und auf einen Punkt etwa zwei Meter links von dem Mann, der aussah wie sein alter Meister, richten ließ.

Erneut stolperte sein Herzschlag, wenn auch diesmal nicht vor Schock (Obi-Wan bezweifelte, dass ihn jetzt noch irgendetwas schocken konnte), sondern vor blankem Entsetzen. Die zweite Gestalt, deren Anwesenheit beim Anblick Qui-Gons vollkommen aus seinem Gehirn, das sowieso jeglichen Dienst verweigerte, verdrängt worden war, hatte offenbar entschieden, dass es an der Zeit war, den unterbrochenen Kampf wieder aufzunehmen. Das rote Licht der Waffe spiegelte sich in Obi-Wans leeren Augen, als der Zabrak sein Doppelklingenlichtschwert hob, um den Jedi-Meister mit dem grünen Lichtschwert, dessen Blick noch immer auf Obi-Wan gerichtet war, erneut anzugreifen und etwas in Obi-Wans Gehirn brannte durch.

Sein bewusstes Denken, so fern es überhaupt noch vorhanden gewesen war, schaltete sich aus und als hätte jemand seinen Körper in den Autopiloten gestellt, sprang er vor. Seine eigene Waffe war so schnell in seiner Hand, dass er selbst es kaum wahrnahm, und fing die rote Klinge des Sith ab, ehe der seinen Angriff auch nur komplett ausführen konnte. Blaues Licht blitzte auf, als Obi-Wan sein Lichtschwert so schnell um seinen Körper herumwirbeln ließ, dass ihm davon beinahe selbst wieder schwindelig wurde und der Sith überrumpelt ein paar Schritte zurückwich und ihn mit seinen gelben Augen anstarrte, in denen eindeutige Überraschung zu lesen war.

Obi-Wan ließ sein Lichtschwert für einen Wimpernschlag zur Ruhe kommen und straffte die Schultern, die in den letzten Stunden unter all dem Grauen mehr und mehr in sich zusammengesunken waren. Etwas pulsierte mit einer derartigen Kraft durch seine Adern, dass es sich diesmal nur um die Macht handeln konnte. Ohne nachzudenken ließ Obi-Wan seinen eigentlich am Rande einer Ohnmacht stehenden Körper von ihr durchströmen und sich von ihr leiten. Er war sich ziemlich sicher, dass er sich im Moment ohnehin nicht hätte wehren können, selbst wenn er es gewollt hätte.

Erneut wirbelte die Macht mit einer nie gekannten Intensität um ihn herum und durch ihn hindurch, aber anstatt ihn erneut von den Füßen zu reißen, riss sie ihn dieses Mal mit sich. Fast kam es Obi-Wan so vor als flüsterte sie ihm freundliche Ratschläge, dessen, was als nächstes zu tun war, ins Ohr und beinahe wie ferngesteuert hob er die rechte Hand, während die linke mit dem Lichtschwert den Sith in Schach hielt.

Der überraschte Aufschrei, der eine Sekunde später ertönte, erreichte Obi-Wans Ohren nicht, als der andere Jedi sich in die Luft erhob und hinter die Energiebarrieren schwebte, die einen Augenblick später erneut zum Leben erwachten, den Raum in rotes Licht hüllten und den Jedi an der Teilnahme an diesem Kampf hinderten. Aber Obi-Wan hatte keine Zeit, Freude oder auch nur Zufriedenheit zu dem Gefühlschaos in seinem Inneren hinzuzufügen. Die Macht hielt seinen Kopf wunderbar leer, führte seine Hände und lenkte seine Konzentration auf die dunkle Bedrohung vor ihm.


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Mit weit aufgerissenen Augen und halb offenem Mund, der ihm ein leicht einfältiges Aussehen verlieh, das ihm in jeder anderen Situation sicher unangenehm gewesen wäre, starrte Qui-Gon Jinn auf die Szenerie vor ihm, als sein Padawan sich erneut mit gehobenem Lichtschwert auf den Sith stürzte.

Zu sagen, dass er geschockt war, wäre die größte Untertreibung diesseits der Republik gewesen. Er hatte die Angst seines Padawans gespürt, als dieser noch derjenige gewesen war, der gefangen hinter der Energiebarriere hilflos hatte zusehen müssen, und er hatte sein Bestes getan, um sie auszublenden, um sich auf den Kampf konzentrieren zu können. Aber die plötzliche und unglaublich starke Veränderung in Obi-Wans Machtpräsenz hatte nicht nur ihn, sondern auch den Sith aus dem Konzept und den Kampf kurzzeitig zum Erliegen gebracht.

Kaum eine Sekunde später hatten sich die Energietore geöffnet, aber Obi-Wan hatte nicht einen Muskel gerührt. Erst als der Sith wieder angegriffen hatte, war er mit einem sehr seltsamen Ausdruck in den Augen aus seiner Starre erwacht und nun kämpfte er gegen einen Gegner, der ihn selbst vor wenigen Minuten noch fast besiegt hätte.

Qui-Gon spürte, wie etwas von der Angst, die er vor wenigen Augenblicken noch bei seinem Padawan gespürt hatte, über seine Wirbelsäule kroch und sich um sein Herz legte, während er, gefangen hinter der Energiebarriere, nur mit vor Unglauben so weit aufgerissenen Augen, dass sie ihm beinahe aus den Höhlen fielen, dabei zusehen konnte wie Obi-Wan von einem blauen Schemen begleitet auf den Sith eindrang.

Er bewegte sich so schnell und mit einer solchen Präzision und Anmut, die ihm vor wenigen Minuten noch vollkommen fremd gewesen war, dass es selbst Qui-Gon schwer fiel, die Klinge seines Schülers nicht aus den Augen zu verlieren und der Zabrak sich immer wieder nur mit weiten Sprüngen im letzten Moment vor einer Verletzung bewahren konnte.

Wäre die Situation nicht so todernst, dann würde Qui-Gon sich in diesem Moment ernsthaft fragen, ob irgendeine giftige Substanz in seinem Essen gewesen war, oder ob er vielleicht besonders lebhaft träumte. Die Szene vor ihm sollte ansonsten schlicht unmöglich sein. Obi-Wan kämpfte wie ein erfahrener Jedi-Meister und Qui-Gon hätte es für absolut unmöglich gehalten, dass sich ein Kampfstil innerhalb von Sekunden so dramatisch verändern konnte, wenn seine Augen ihm nicht den Beweis geliefert hätten.

Ohne tatsächlich zu begreifen was sich da, in das rote Licht der Energiebarriere getaucht, vor ihm abspielte, beobachtete Qui-Gon wie Obi-Wan einen Überkopfschlag sowie den einen Lidschlag später auf seine Knie hinab rasenden Schlag seines Gegners abwehrte und sich in einer fließenden Bewegung um sich selbst drehte.

Sein Lichtschwert schlug mit der Geschwindigkeit einer angreifenden Sandviper zu, suchte sich zielsicher seinen Weg durch die Verteidigung des Zabraks und schlug dem Sith die Schwerthand ab. Das Doppelklingenlichtschwert wirbelte davon, deaktivierte sich noch in der Luft, rutschte über den metallenen Boden und segelte dann in den gähnenden Reaktorschacht, der sich neben den Kämpfenden auftat, wo es verschwand.

Das Ganze ging so schnell, dass der Sith kaum die Zeit hatte, ungläubig die Augen aufzureißen und hätte Qui-Gon in diesem Augenblick geblinzelt, hätte er es wohl verpasst. Das Lichtschwert des Zabraks war noch nicht ganz verschwunden, als Obi-Wan bereits wieder zuschlug und dem Sith mit einem präzisen und seltsam endgültigen Schlag seiner blauen Waffe den Kopf von den Schultern trennte.

Es kam Qui-Gon wie eine Ewigkeit vor, bis der geschlagene Sith am Boden angekommen war. Es wollte ihm nicht wirklich in den Kopf, dass sein Schüler gerade einen Gegner besiegt hatte, der ihn selbst fast das Leben gekostet hätte. Obi-Wan stand einfach nur da, den toten Sith zu seinen Füßen und sein deaktiviertes Lichtschwert in der rechten Hand. Seine Augen wirkten nach wie vor seltsam leer und sein Körper bebte ob der vor Überanstrengung protestierenden Muskeln.

„Zwei Sith an einem Tag ...“, nuschelte er so leise, dass Qui-Gon ihn kaum verstand, ehe seine Beine unter ihm nachgaben und er auf dem kühlen Boden des Energiegenerators zusammenbrach.
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