Herz aus Eis

GeschichteRomanze / P18
Doctor Strange / Stephen Vincent Strange Kaecilius OC (Own Character) The Ancient One Wong
19.06.2018
30.11.2019
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„Wo Liebe wächst, gedeiht Leben,
wo Hass aufkommt, droht Untergang.“
~ Mahatma Gandhi




Hätte ihr vor ein paar Wochen jemand gesagt, dass sie einmal im Bett von Stephen Strange aufwachen würde, hätte sie ihn garantiert für verrückt erklärt. Tatsache war aber, dass sich Catherine gerade tatsächlich in Stephens Bettwäsche einkuschelte. Als sie die Augen aufschlug, drangen bereits die ersten Sonnenstrahlen leicht durch die Vorhänge. Mit einem aufgeregten Kribbeln erinnerte sie sich wieder daran, was vor ein paar Stunden gewesen war.
Stephen hatte sie tatsächlich darum gebeten, die Nacht über hierzubleiben. Natürlich hatte Catherine auch keine Sekunde gezögert. Sie liebte Stephens Nähe und offenbar schien er so viel Vertrauen in sie zu haben, um sie hier nächtigen zu lassen. Anfangs war es noch äußerst seltsam gewesen, ihn neben sich zu spüren, aber nach wenigen Minuten hatte Catherine all ihre Bedenken über Bord geworfen und war sogar ziemlich zügig eingeschlafen. Zu dem Zeitpunkt, als Catherine noch wach gewesen war, hatte Stephen seine Hände auch brav bei sich behalten. Offensichtlich wollte er tatsächlich nicht in Versuchung geraten, was Catherine zwar als äußerst schade empfand, aber dennoch verstand. Trotzdem hätte sie ihn gerne näher gespürt – in vielerlei Hinsicht.

Seufzend drehte sich Catherine schließlich auf den Rücken. Noch immer war sie komplett durch den Wind, aber gleichzeitig auch unendlich glücklich. Ihre einzige Panik war nun, dass Wong sie eventuell sehen könnte, wenn sie aus diesem Stockwerk geschlichen kam. Was würde er wohl denken? Catherine legte die Stirn in Falten und wandte sich zu Stephen um, doch von ihm war nichts zu sehen. Irritiert zog sie die Decke beiseite. Nein, der Mann war verschwunden. Er würde doch wohl nicht aus seinem eigenen Schlafzimmer schleichen? Für einen kurzen Moment überlegte Catherine, ob sie sich vielleicht alles nur eingebildet hatte und das hier gar nicht sein Zimmer war, doch dann hörte sie etwas, das sie sofort erröten ließ. Die Dusche lief. Oh, Gott, am besten, ich stell mich wieder schlafen!
Panisch warf sich Catherine wieder zurück ins Kissen und lauschte. Jetzt konnte sie eine Duschtür hören. Offenbar war er gerade erst unter die Dusche gegangen. Langsam richtete sie sich wieder auf. Sollte sie verschwinden? Oder lieber sitzen bleiben? Ihre Gedanken machten sich mal wieder selbstständig und begannen, Bilder zu projizieren. Catherines gesamter Körper wurde von einem aufgeregten Kribbeln durchzogen, als sie daran dachte, dass ihr Meister nur ein paar Meter von ihr entfernt komplett unbekleidet war. Ihre Gedanken tanzten fröhlich, dachten daran, wie Stephen sich gerade durch die nassen Haare fuhr und das Wasser seine Bahnen über seinen nackten Körper zog. Catherine seufzte verträumt. Ihre Gedanken und ihr Körper gaben sich wohl gerade die Hand, denn die Bilder in ihrem Kopf ließen ihren Körper sofort reagieren. Brennend vor Verlangen meldete sich ihr Unterleib und verlangte nach Erlösung. Catherine hätte dieser Versuchung nur allzu gern nachgegeben, aber was sollte sie jetzt machen? Ins Badezimmer stürmen und ihn in der Dusche überfallen? Oder lieber Spaß mit sich selbst haben und darauf hoffen, dass Stephen nicht zum ungünstigsten Zeitpunkt wiederkommen würde?

Nein, sie musste auf andere Gedanken kommen! Ablenken hieß es jetzt. Während Catherine grübelte und ihre Unterlippe als Kaugummi missbrauchte, fiel ihr doch prompt wieder diese ominöse Liste von gestern Abend ein. Wieso hatte Stephen die überhaupt hervorgezogen? Und was in aller Welt stand da drauf? Neugierig schielte Catherine zu dem Nachtkästchen, das sich auf Stephens Bettseite befand. Eigentlich war es nicht Catherines Art, in den Dingen anderer Menschen zu wühlen, aber hier überwog einfach ihre Neugierde. Außerdem wollte sie eine potenzielle Konkurrentin, die ihm vielleicht einen Brief hinterlassen haben könnte, ausschließen. Sicherheitshalber lauschte sie nochmal und als sie das Rauschen der Dusche vernahm, krabbelte sie schließlich wenig elegant über das Bett, hinüber zu Stephens Nachtkästchen. Sie zog die Schublade auf und bei dem Knarren, dass das Ding verursachte, lief es ihr eiskalt über den Rücken. Doch irgendwie schien das Ding sich nicht richtig bewegen zu wollen. Catherine zog nun mit aller Kraft daran, was sich als Fehler herausstellen sollte. Anstatt die Schublade nur ein Stück herauszuziehen, schaffte sie es, das hölzerne Ding komplett rauszureißen, sodass es nun mit einem lauten Scheppern zu Boden ging und die Klinke sogar noch abbrach. Panisch starrte Catherine auf die alte Klinke, die sie noch in der Hand hielt.
„Verdammt, du dumme Kuh“, rügt sie sich selbst. Just in diesem Moment erstarb auch das Rauschen der Dusche. Panik durchflutete Catherine und da sie eins und eins zusammenzählen konnte, wusste sie auch, dass sie die Schublade in ihrer Hektik nicht mehr zurück an ihren Ursprungsplatz bringen konnte. Schnell schob sie das Teil samt Inhalt unter das Bett und als eine Tür zu hören war, machte Catherine einen Satz nach hinten und verkümmelte sich wieder unter die Decke. Den Henkel der Schublade schob sie schnell unter ihr Kissen.

Aus der Nebelschwade, die gerade ins Schlafzimmer strömte, trat nun Stephen, der nur ein Handtuch um die Hüften gewickelt hatte und mit einem zweiten Tuch die Haare trocken rieb. Catherine erstarrte einen Moment lang. Natürlich hatte sie sich schon oft ausgemalt, wie er wohl ohne Klamotten aussehen würde, aber dieser Oberkörper übertraf all ihre Erwartungen. Sie schluckte und versuchte jedes Detail zu speichern. Fasziniert hypnotisierte sie die einzelnen Tropfen, die über seinen Oberkörper hinabsausten und am Handtuch endeten. Catherine durfte gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn jetzt das Handtuch fallen würde. Allein bei dem Gedanken daran wurde sie wieder rot.

Stephen zog das Handtuch schließlich vom Kopf und bemerkte ihren Blick. „Du bist schon wach“, stellte er das Offensichtliche fest. „Hast du gut geschlafen?“
„Äh, ja, es war äußerst erotisch… äh, ich meinte, erholsam.“ Catherine kniff peinlich berührt die Augen zusammen.
„Du wolltest dich doch mit erotischen Träumen begnügen“, ging Stephen nun direkt auf ihren Versprecher ein. Ihn schien es irgendwie zu amüsieren, sie so aus dem Konzept zu bringen.
Der Mut des vergangenen Abends war komplett verschwunden. „Eigentlich hab ich überhaupt nichts geträumt“, fand sie eine karge Antwort und wandte ihren Blick ab.
Stephen legte den Kopf schief und sah sie an. „Was ist los? Ist der Anblick so schrecklich, dass du mich nicht mehr ansehen willst?“, fragte er.
„Nein, was denkst du denn?!“ Sofort meldete sich ihr schlechtes Gewissen. „Ich war nur nicht darauf vorbereitet, dass du hier jetzt halb nackt umher spazierst. Du bringst mich damit komplett aus dem Konzept.“
Stephen lachte auf. „Nächstes Mal schicke ich eine Marschkapelle voraus, die mich ankündigt“, grinste er. „Wäre das besser?“
„Das würde mich noch mehr schockieren“, lächelte sie und langsam fing sie sich wieder. „Ich hab nichts dagegen, wenn du so leicht bekleidet rumläufst. Ich war nur überrascht, dass du tatsächlich noch besser aussiehst als in meinen Vorstellungen.“
„Mit so einem Kompliment hätte ich nicht mehr gerechnet“, schmunzelte Stephen, der nun langsam auf sie zukam.
Catherine schenkte ihm zwar ein Lächeln, doch sie wusste jetzt nicht, was sie mehr aus dem Konzept brachte: Stephen, halbnackt neben ihrem Bett stehend, oder die kaputte Schublade, die er offenbar noch nicht bemerkt zu haben schien.
Stephen beugte sich zu ihr hinab und hauchte ihr einen zarten Kuss auf, was Catherine freudig erwiderte. Ihre Sinne wurden komplett benebelt, als sie den angenehmen Duft seines Shampoos aufnahm. Automatisch wanderten ihre Finger seinen Hals entlang und es gefiel ihr, dass seine Haut so warm und noch leicht feucht war. Erneut meldete sich bettelnd ihre Mitte und Catherine war gewillt, ihr nachzugeben.
„Wieso lässt du das Handtuch nicht fallen und kommst zu mir ins Bett?“, säuselte sie und allein bei diesen Worten schien ihr Körper einen freudigen Aufschrei zu tun.
„Würde ich sehr gerne, aber ich muss so schnell wie möglich ins Kamar-Taj. Dort melde ich mich ab und dann geht’s ab nach Dänemark“, enttäuschte er sie.
„Richtig, die Pflicht ruft ja“, meinte Catherine traurig. Aber so schnell kam er ihr nicht davon.
„Aber danach hab ich alle Zeit der Welt für dich. Das heißt, falls du dann noch möchtest?“ Stephens Gesicht hatte wieder einen seltsam erregenden Ausdruck angenommen.
Catherine biss sich auf die Lippe. „Jederzeit“, antwortete sie. „Allerdings werde ich auch ins Kamar-Taj verschwinden. Piper und ich wollten uns nochmal zusammensetzen. Aber ich bin allzeit bereit, ähnlich wie die Feuerwehr.“ Sie grinste über beide Ohren.
Mit einem vielsagenden Grinsen bediente sich Stephen an seinem Kleiderschrank und verschwand wieder im Bad. Catherine sammelte sich kurz und verscheuchte alle anstößigen Gedanken, ehe sie wieder über das Bett kletterte und die Schublade unter dem Bett hervorzog. Darin befanden sich keine spannenden Sachen. Catherine stellte zudem fest, dass Meister Strange wohl kein Fan von Kondomen war oder aber er bewahrte sie wo anders auf. Bevor jedoch weitere obszöne Bilder vor ihrem inneren Auge auftauchen konnten, konzentrierte sie sich auf die Liste, die ihr auch direkt in die Hände fiel. Zwar nagte das schlechte Gewissen an ihr, doch sie musste es einfach wissen. In krakeliger, aber vertrauter Handschrift standen dort einige Namen aufgeschrieben.
„Dormammu, Zeloten, Loki, Chitauri, Korath, Kree, Surtur, Ulik, Amora, Mangog, Gorr“, las Catherine einige wenige Namen irritiert vor. Mit Loki konnte sie etwas anfangen. Der hatte ja vor einigen Jahren New York fast in Schutt und Asche gelegt. Auch Dormammu, die Zeloten und Chitauri sagten ihr etwas, aber der Rest?
„Du hättest mich auch einfach fragen können“, erklang Stephens Stimme direkt hinter ihr.
Ertappt zerknüllte sie das Papier. Sie blickte über ihre Schulter und erkannte, dass Stephen komplett eingehüllt in seiner Magier-Robe hinter ihr stand.
„Außerdem hättest du dafür nicht mein Nachtkästchen demolieren müssen“, fügte er noch an.
„Tut mir leid“, flüsterte sie beschämt. „Mich hat der Gedanke an die Liste nicht losgelassen. Ich war nur…“
Stephen verschränkte die Arme vor der Brust. „Neugierig? Eifersüchtig?“, schlug er vor.
„Ein wenig von beidem“, antwortete Catherine und hielt ihm das Stück Papier unter die Nase. „Es tut mir wirklich leid. Bitte entschuldige.“
Er nahm das Papier an sich, hob die andere Hand und beschwor einen Zauber, den Catherine noch nie gehört hatte. Sofort schnellte die Schublade zurück an ihren Ursprung und auch der Henkel schoss unter dem Kissen hervor und setzte sich wieder auf die Schublade.
„Entschuldigung angenommen. Zumindest dann, wenn du mir versprichst, mich vorher zu fragen“, erwiderte Stephen und seiner Stimme entkam ein ernster Unterton.
„Versprochen“, nickte Catherine und deutete auf die Liste. „Was sind das für Namen?“
Stephen starrte auf die Liste und bedachte Catherine mit einem Seitenblick. Wog er gerade ab, ob er ihr trauen konnte? Er seufzte auf. „Seit dem Angriff von Dormammu, Kaecilius‘ Zeloten und Mordos Verrat führe ich eine Liste von Wesen, die der Erde erheblichen Schaden zufügen können“, erklärte er ihr.
„Loki hat das ja schon geschafft“, merkte Catherine an. „Und woher nimmst du deine Infos?“
Stephens Mundwinkel zucken kurz. „Es ist vielleicht besser, wenn du nicht alles weißt“, wich er aus. „Ich werde mich jetzt auf den Weg machen. Wir sehen uns später.“


*****



Es war nicht so, dass er Catherine nicht traute, doch vielleicht wäre es besser, wenn er ab sofort seine wichtigen Dinge in seinem Arbeitszimmer wegschließen würde. Je weniger sie wusste, desto sicherer wäre sie. Allerdings musste Stephen sich gedanklich auch selbst rügen. Seit er die Wache des New Yorker Tempels angenommen hatte, hatte noch nie eine Frau sein Schlafzimmer von innen gesehen. Bis zu Catherines Auftauchen galt die Liste dort also als sicher. Stephen musste schmunzeln, als er daran zurückdachte. Es ehrte ihn in gewisser Art und Weise, dass sie sich solche Gedanken über die Liste gemacht hatte. Offenbar war er ihr also doch wichtiger als angenommen. Und über die kaputte Schublade konnte er nur lachen. Die war wohl Opfer von Catherines Schussligkeit geworden.

Nachdem sich Stephen ordnungsgemäß im Kamar-Taj abgemeldet hatte, machte er sich auf den Weg nach Dänemark. Ein ihm bekannter Magier namens Benjamin Jones betrieb dort eine kleine Magierschule und hatte Kontakt zu Kaecilius‘ ehemaligem Geschäftspartner Frederik Jacobson aufgenommen. Dankbar über diesen Kontakt öffnete Stephen ein Portal zum verabredeten Treffpunkt in Kopenhagen. Um in der bunten Hauptstadt Dänemarks nicht aufzufallen, bediente er sich an einem erneuten Kleidungswechsel, den er mit einem einfachen Zauber herbeiführte. In einer kleinen Gasse öffnete sich das Portal und sofort machte er sich auf den Weg zu dem Brunnen, den sie als Treffpunkt vereinbart hatten. Stephen setzte sich auf den Steinrand und beobachtete das bunte Treiben im Stadtinneren. Irgendwie schien diese Stadt deutlich lebhafter zu sein, als von ihm angenommen, dennoch war er froh, bald wieder in New York zu sein.

Ein unscheinbarer Mann mit blauer Mütze, unter der braune Haare hervorstanden, stellte sich nach wenigen Minuten neben ihn. „Meister Strange, ich hätte Sie in der normalen Alltagsklamotte fast nicht erkannt“, sprach er ihn an.
Stephen schmunzelte. „So fällt man wenigstens nicht auf“, antwortete er. „Ich danke Ihnen für Ihre Zeit, Meister Jones.“
„Keine Ursache. Wenn ich dem Chef helfen kann, dann tu ich das gerne“, meinte Benjamin Jones und verschränkte die Arme. „Ich habe von diesen ganzen Morden gehört. Unheimlich.“
„Das ist es in der Tat. Vor allem ist es beängstigend, wie fit diese Frau in Sachen Magie ist“, erwiderte Stephen, während Benjamin ihm nun andeutete, ihm zu folgen.
Der Meister drehte sich zu Stephen. „Es ist eine Frau?“, fragte er erschrocken. „Agamotto möge uns beistehen.“
„Ja, und ich muss heute noch einigen Hinweisen nachgehen“, erwiderte Stephen, der Meister Jones blind durch die wuselige Stadt folgte.
„Was versprechen Sie sich von dem Treffen mit Mr. Jacobson?“, wollte Jones jetzt wissen.
„Antworten“, sagte Stephen. „Er war die letzte Verbindung zu Kaecilius bevor er im Exil verschwand. Vielleicht weiß er irgendwas.“
Jones nickte zustimmen. „Oder er ist involviert in die Sache“, mutmaßte er.
„Hoffen wir es nicht.“ Stephen seufzte.
Es vergingen einige Minuten in denen die Meister ein paar Informationen austauschten. „Hier ist es“, ließ Meister Jones verlauten, ehe sie nach wenigen Gehminuten vor einem unscheinbaren Gebäude stehen blieben. Nach dem ganz großen Erfolg sah diese Firma ja nicht aus, aber Stephen konnte sich auch irren.
Stephens Blick wanderte die Fassade nach oben. „Haben Sie uns angemeldet?“, wollte er wissen.
„Ja, und zwar gleich nachdem wir beide miteinander gesprochen haben“, bestätigte Jones. „Ich habe ihm gesagt, wir seien an Arbeit interessiert.“
Ohne etwas zu erwidern drückte Stephen die Klingel durch, die offenbar für die Firma vorgesehen war. Das Ding war so unerträglich laut, dass Stephen und Benjamin Jones es sogar bis nach draußen hören konnten.
„Derjenige, der diese Klingel installiert hat, muss taub sein“, kommentierte Jones das Läuten, während Stephen noch einmal klingelte.
„Sagten Sie nicht, Sie hätten uns angemeldet?“, bohrte Stehen ungeduldig nach. Ihn beschlich ein seltsames Gefühl.
Jones zuckte mit den Schultern. „Sicher. Wenn er nicht das Zeitliche gesegnet hat, dann muss er da sein“, kam es aus der Richtung des jüngeren Meisters.
Sofort wurde Stephen flau im Magen. Irgendeine innere Stimme schlug Alarm und Stephen ahnte, dass etwas passiert sein musste. Verdammt! Er konnte nur hoffen, dass sie nicht zu spät waren. „Schnell, wir müssen da rein!“
Jones zog die Augenbrauen zusammen, tat aber wie ihm aufgetragen wurde. Mit einem schnellen Zauber schlug die Türe bereits auf und Stephen drängte sich an Jones vorbei ins Innere. Der Empfang neben der Türe war unbesetzt, da wunderte es Stephen auch nicht, dass ihm niemand geöffnet hatte. Doch wo war Jacobson? Wieso meldete sich der nicht?
„Die Büroräume sind oben“, informierte Benjamin Jones, während er Mühe und Not hatte, mit Stephen Schritt zu halten.
Sofort bog Stephen in Richtung Treppe ab und nahm zwei Stufen auf einmal. Oben angekommen bemerkte er, dass alle Räume mit Namenschildern versehen waren. Stephen fing direkt damit an, die Türen nach Jacobsons Namen abzusuchen und er wurde schnell fündig. Seine Gedanken überschlugen sich, als er erkannte, dass die Türe nur angelehnt war.
„Mr. Jacobson? Sind Sie da?“, rief Stephen etwas lauter. Doch es kam keine Antwort. Kurz wandte sich Stephen an Benjamin Jones, der stirnrunzelnd hinter ihm stand, dann öffnete er die Türe. Dahinter bot sich den beiden Meistern ein Anblick des Grauens. Das komplette Zimmer war verwüstet, überall lagen Papiere auf dem Boden zerstreut, doch das Schlimmste an dem ganzen Szenario war, dass mitten auf dem Schreibtisch Frederik Jacobson lag. Das Messer ragte ihm noch aus dem Rücken.
„Verdammt, wir sind zu spät gekommen“, knurrte Stephen, der nun die Entfernung zu Jacobson überbrückte.
Jones wurde unterdessen blass um die Nase. „Alter, shit. War das diese Frau?“, fragte er.
„Davon gehe ich aus“, seufzte Stephen, der den Toten genauer unter die Lupe nahm. Jacobson war übersäht mit Schürf- und Abwehrwunden. Im Rücken- und Nackenbereich fanden sich mehrere Stichwunden. „Entweder ist er durch den hohen Blutverlust gestorben oder ein lebenswichtiges Organ wurde verletzt“, fügte Stephen kritisch an. Da der Mann noch warm war, konnte Stephen davon ausgehen, dass sie die Täterin nur knapp verpasst hatten. Und diese Frau war eindeutig in Mordlust, angetrieben durch ihre unbefriedigte Rache. Egal, wie das Böse für manch einen aussehen mochte – für Stephen war es eindeutig diese Frau.
„Vermutlich. Ich ruf die Polizei“, meinte Jones träge, ehe er das Handy hervorzog. Seinem Gesicht war die Farbe komplett entwichen.
„Ben, alles in Ordnung?“, fragte Stephen über die Leiche hinweg.
„Klar, ich hab nur...“ Er würgte kurz. „Ich hab noch nie eine Leiche gesehen. So viel Blut.“
Bevor Stephen irgendwie reagieren konnte, klappte Benjamin vor dem Schreibtisch zusammen und knallte unsanft auf den Boden. Offenbar konnte der Jüngere kein Blut sehen, geschweige denn einen Toten.
„Ben! Ach, verdammt, auch das noch“, knurrte Stephen. Das konnte er jetzt nicht gebrauchen. Stephen erkundigte sich kurz, ob seinem Magier-Kollegen auch nichts fehlte, drehte ihn etwas auf die Seite und begann dann damit, die Akten auf dem Tisch zu durchsuchen. Ella oder Ida – wer auch immer die Mörderin war – musste etwas gesucht haben. Etwas, was auf ihren Vater oder die Menschen hindeutete, die damals am Bruch ihrer Familie Schuld hatten. Stephen hatte nach wenigen Minuten fast alles durchsucht, natürlich mit einem Zauber, der hinterher sofort alle Fingerabdrücke ausradierte, als ihm unter dem Schreibtisch ein dunkelblaues Buch auffiel. Fast hätte er es übersehen, da es dieselbe Farbe wie der Teppich hatte. Behutsam hob er es auf und blätterte darin. Dieses Buch schien eine private Angelegenheit von Frederik Jacobson zu sein. Alles war handschriftlich festgehalten. Sogar Daten, die schon fast zwanzig Jahre alt waren. Als Stephen sich dem Datum näherte, an dem Kaecilius und Freya in die Staaten gereist waren, stellte er ernüchternd fest, dass fast alle Seiten rausgerissen wurden. Ein Stöhnen ließ ihn kurz aufhorchen. Als er jedoch bemerkte, dass es nur Benjamin war, der wieder zu sich kam, schnaubte er und erhob sich vom Boden. Er legte das Buch auf den Tisch, holte das Auge von Agamotto unter seinem Pullover hervor und öffnete es.
Benjamin rieb sich die Augen und hielt sich dann benommen den Kopf. „Was geht hier ab?“, fragte er abwesend.
„Rufen Sie die Polizei. In wenigen Sekunden hab ich alles, was ich brauche“, wies Stephen an und ließ ein grünes Mandala aufleuchten. Mit einer eleganten Handbewegung drehte Stephen an der Zeit und holte die fehlenden Seiten zurück. Ähnlich, wie er es beim Buch von Cagliostro getan hatte. Als er die Seiten zurückgeholt hatte, grinste er triumphierend. Genau diese Seiten hatte er gesucht. Gierig sog er jedes Wort darin auf, speicherte jedes wichtige Detail davon ab. So langsam ergab das alles einen Sinn.
„Sie sind gleich da“, informierte Benjamin, ehe er versuchte, sich wieder auf die Beine zu berappeln.
„In Ordnung. Vielleicht gehen wir an die frische Luft“, meinte Stephen, der das Auge von Agamotto wieder schloss und das Amulett unter seinem Pullover verschwinden ließ.
„Tut mir leid, dass Sie keine Antworten von ihm erhalten haben“, bedauerte Benjamin.
Stephen hob einen Mundwinkel. „Ach, wissen Sie – ich habe alle Antworten bekommen, die ich wollte“, meinte er zuversichtlich.
„Was? Aber der Mann ist tot“, bemerkte Benjamin, der keine Ahnung hatte, wovon Stephen sprach.
„Wissen Sie, Meister Jones. Nicht einmal im Tod entkommt man der Vergangenheit. Die Toten erzählen uns meist mehr, als die Lebenden“, erklärte Stephen kryptisch, wohlwissend, was er da gelesen hatte. „Lassen Sie uns vor die Türe gehen.“


*****



Mittlerweile war es spät in der Nacht, als Stephen Dänemark verließ. Nachdem Jones die Polizei informiert hatte, hatten beide Meister gemeinsam auf die Beamten gewartet und die Situation erklärt. Selbstverständlich hatten sich die beiden Männer diverser Ausreden bedient, aber das hatten ihnen die Beamten glücklicherweise direkt abgekauft. Nicht zuletzt deswegen, weil Stephen ein extrem guter Redner war und sehr überzeugend sein konnte. Danach hatte Stephen noch Meister Jones bei einem Arzt vorbeigebracht und ihn anschließend nach Hause begleitet. Dem jüngeren Magier war noch immer nicht ganz wohl und Stephen hielt es für angebracht, ihn in dieser Zeit erst einmal nicht alleine zu lassen. Nachdem Stephen seinen dänischen Kollegen sicher zu Hause verfrachtet und sich versichert hatte, dass es ihm gut ging, öffnete er ein Portal ins Kamar-Taj. Dort war es bereits kurz vor drei Uhr morgens, aber dennoch wollte er dort nachsehen, ob alles in Ordnung war. Vermutlich schon, denn sonst hätte Wong ihn längst informiert oder Finnigan hätte es ihm unter die Nase gerieben.
Im Innenhof des Kamar-Taj war es tatsächlich sehr friedlich. Nur wenige spärliche Lichter leuchteten noch auf und die kühle Herbstluft ließ ihn kurz zittern. Sofort löste er den Zauber seiner Alltagsklamotten auf und umwickelte sich wieder mit seiner Magier-Robe, die deutlich wärmer in den frischen Nachtstunden war. Auch wenn es jetzt schon Zeit zum schlafen war, konnte Stephen nicht leugnen, dass ihm die Stille dieser nächtlichen Stunde gut tat. Trotz aller Vorkommnisse schien dieser Ort noch immer eine Ruhe auszustrahlen, die nicht nur er dringend notwendig hatte. Er nahm sich die Zeit und schloss einen Moment die Augen. Inmitten des großen Innenhofes genoss er die Brise, die um seine Nase wehte und seinen Kopf von all den schlimmen Informationen befreite. Aber mitten in die erholsame Stille mischte sich nun ein leises Gekicher, das aus einer Ecke im Innenhof kam. Stephen sah sich irritiert um. Ignorierte da jemand die Ausgangssperre? Das Gekicher war zwar sehr leise, aber dennoch konnte Stephen es genau lokalisieren. Unter der Treppe, die direkt in die Schlafgemächer führte, saßen zwei Frauen, die sich offenbar noch leise miteinander unterhielten. Beim näheren Hinsehen konnte Stephen auch erkennen, um wen es sich dabei handelte. Es waren Catherine und Piper, die offenbar die zu früh abgebrochene Geburtstagsfeier mit Sekt begossen.

„Meister Strange, Sie hier und nicht in Dänemark?“, fragte Catherine, die Stephen bereits bemerkt hatte. An ihrer Tonlage konnte Stephen deutlich heraushören, dass sie einiges getrunken haben musste.
„Sie haben die Ausgangssperre ignoriert“, ließ Stephen verlauten, wobei er versuchte, möglichst ruhig zu sprechen, damit kein anderer Meister auf sie aufmerksam wurde.
„Haben wir das? Es ist doch erst...“ Catherine schielte auf ihr Handgelenk, wo eigentlich eine Uhr sein sollte, aber keine war.
Stephen zog die Augenbrauen nach oben. Zwar konnte er es nicht sonderlich gebrauchen, dass Catherine jetzt so neben sich stand – immerhin wollte er ihr mitteilen, was er herausgefunden hatte – aber irgendwie war es in seinen Augen sogar ziemlich niedlich. „Ich mach Ihnen ein Angebot“, begann Stephen verheißungsvoll.
„Uh, na da bin ich gespannt, was dein Freund zu sagen hat“, lachte Piper und verpasste Catherine einen Ellbogencheck. Die musste nur überdreht kichern.
Über Pipers kurzzeitige Ernennung, dass er Catherines Freund wäre, musste Stephen schmunzeln. Das hörte sich gar nicht so schlecht an, wie er feststellen musste. Dennoch musste er Haltung bewahren. Immerhin war er noch immer ihr Chef. „Sie, Miss Garcia, begeben sich umgehend in Ihr Schlafgemach und nehmen die Sektflasche mit. Und Sie, Miss Perkins, begleiten mich wieder nach New York“, ordnete Stephen an.
„Selbstverständlich, Meister“, sagte Piper, die todernst vor ihm salutierte.
Stephen schüttelte den Kopf. Betrunkene Frauen hatten auch so ihre Eigenarten. Nun erhob sich auch Catherine schwungvoll, wobei sie beinahe umgekippt wäre, hätte Stephen sie nicht noch am Arm zu greifen bekommen. „Danke, Liebling“, nuschelte sie dabei nur.
Stephen entkam ein leicht genervter Seufzer. Er deutete Piper an, sofort nach oben zu gehen, was diese mit einem kurzen „Nacht, ihr Süßen“ auch tat, und hielt Catherine noch immer am Arm fest.
„Ich hoffe, du kannst selber laufen“, schnaubte er.
„Sicher, ich hab nicht viel getrunken“, war sich Catherine sicher, wobei sie sich in Bewegung setzte und für eine Betrunkene in erstaunlich geraden Linien davonschritt.
Sicherheitshalber legte Stephen ihr einen Arm auf die Schulter. Bei Catherines unendlichem Talent, zu stolpern oder zu stürzen, wollte er auf alles vorbereitet sein und sie notfalls auffangen. Nachdem Stephen ein Portal geöffnet hatte, kamen sie ohne Zwischenfälle in New York an. Dort bemerkte Stephen auch seine eigene Müdigkeit. Erst Dänemark, dann Nepal und jetzt New York – und das alles an einem Tag. Kein normaler Mensch würde das aushalten. Er war todmüde, obwohl es noch nicht mal acht Uhr abends war. Aber ein Seitenblick zu Catherine bestätigte, dass keiner von ihnen heute noch unternehmenslustig war.
„Du kannst gerne wieder zu mir hochkommen und anfangen, auszunüchtern“, meinte Stephen, der sie kritisch musterte.
Catherines Gesicht überzog ein Grinsen. „Das Angebot nehme ich doch gerne an“, hauchte sie und schlang ihre Arme um seine Hüften. Dieser körperliche Angriff war wohl etwas überraschend gekommen, denn der Schwebeumhang löste sich augenblicklich von den Schultern seines Meisters.
„Begib dich zur Ruhe, sonst landest du auch noch in ihrem Klammergriff“, sagte Stephen in die Richtung des Mantels. Das rote Stück Stoff schien ihn zu verstehen, denn er kräuselte aufgeregt den Kragen und zog dann von Dannen.
„Komm, gehen wir nach oben“, meinte Stephen dann und zog Catherine die restlichen Treppen nach oben. Irgendwie schien es ihm, als hätte sie plötzlich tausend Arme, denn er fand sie überall wieder. Auf seinem Rücken, in seinem Nacken und auch auf seinem Hinterteil. Diese Frau schien ein eindeutiges Ziel zu verfolgen und Stephen fragte sich, ob sie überhaupt locker lassen würde. Protestieren wollte er auch nicht unbedingt, denn diese Berührungen, auch wenn sie noch so fahrig waren und durch den Stoff gehindert wurden, ließen sein Blut kochen.
„Was hast du denn jetzt vor?“, lachte Stephen, als sie in seinem Schlafzimmer standen.
Ehe er irgendwie reagieren konnte, schlang sie ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn stürmisch. „Ist das nicht offensichtlich?“, fragte sie zwischendurch verführerisch.
Ja, irgendwie schon, aber dennoch weigerte sich Stephens Gewissen, den Sex zuzulassen, solange Catherine nicht ganz bei Sinnen war. Allerdings hatte sein Körper andere Pläne, denn der reagierte sofort auf Catherines Berührungen. Wie benebelt zog er einen Teil seiner Robe aus und streifte seine Schuhe von den Füßen. Catherine schien diesen Umstand zu bemerken, biss sich neckisch auf die Unterlippe, obwohl sie augenscheinlich überhaupt nicht Herrin ihrer Sinne war. Nach und nach entblättert sich die junge Frau immer mehr und Stephen kam sich vor, wie das hypnotisierte Kaninchen vor der Schlange, während er sich langsam auf dem Bett niederließ. Gott, er war einfach zu müde, um noch irgendeinen klaren Gedanken fassen zu können! Obwohl es im Raum ziemlich dunkel war, konnte er erkennen, dass sie nur noch in ihrem langen Top, das knapp bis zur Hüfte reichte, bekleidet war. Die sanften Konturen, die er im Mondlicht noch erahnen konnte, machten es ihm zunehmend schwerer, nein zu sagen. Seine Erregung drückte zudem unsanft gegen seine Hose und er musste sich irgendwie davon befreien. Catherine lehnte sich nun so schwungvoll gegen seinen Oberkörper, dass beide mehr oder weniger den Halt verloren und Stephen auf dem Rücken landete. Catherine musste dabei so laut lachen, dass Stephen nicht anders konnte, als es ihr gleichzutun. Sie stützte sich schließlich mit ihren Armen ab, rutschte ein Stück nach unten und begann damit, an seiner Hose zu nesteln. Da sie aber fernab jeglicher Realität schien, klappte das natürlich nicht. Allerdings gab Stephen nun endlich nach und entledigte sich seiner restlichen Klamotten. Während Catherine langsam ihrem Slip auszog und einen schlüpfrigen Kommentar zu seinem Körper losließ, fischte Stephen eilig ein Kondom aus der unteren Schublade seines Nachtkästchens hervor – diese war glücklicherweise von Catherine verschont geblieben. Mittlerweile war auch Stephen wie benebelt. Er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und kam sich selbst vor, als wäre das alles gar nicht real. Zu schnell hatte Catherine wieder die Oberhand gewonnen und krabbelte nur im Top bekleidet über ihn hinweg.
„Du siehst so verdammt heiß aus“, konnte er nur noch heraushören, ehe sie seinen Hals mit Küssen bedeckte.
Stephen sog scharf die Luft ein und schloss kurz die Augen, um sich zu sammeln. Wenn das hier schon passierte, dann wollte er das auch genießen und sein Körper schrie ohnehin nach Erlösung. Er griff nach ihren Hüften, fuhr mit den Händen dabei auf und ab. Ihre Haut fühlte sich so zart an und Stephen wurde das Gefühl nicht los, dass seine Hände nun nur noch mehr zitterten. Wie gerne hätte er es mehr genossen und sie auf jegliche Art und Weise verführt, doch in ihrem betrunkenen Zustand war das nicht mehr möglich. Aber er würde es sehr bald wieder gut machen.
„Ich will dich spüren“, hörte Stephen sich selbst sagen, und ehe Catherine etwas erwidern konnte, führte er sie zu seiner intimsten Stelle und drang langsam in sie ein. Catherine reagierte augenblicklich mit einem tiefen Stöhnen, das Stephen eine ausgewachsene Gänsehaut bescherte. Sie fühlte sich einfach so gut an und erst jetzt bemerkte er richtig, was ihm die letzten Jahre gefehlt hatte. Liebe. Körperliche Nähe. Und sie.  Sie war alles, was er brauchte. Stephen fühlte sich, als wäre er in einem Rausch gefangen, während Catherine anfing, sich auf ihm zu bewegen. Es dauerte auch nicht lange, da hatten beide einen gemeinsamen Rhythmus gefunden. Auch wenn Catherine es wohl weniger genießen konnte wie er, genoss Stephen es in vollen Zügen. Die Lust peitschte nur so durch seine Adern und verursachte, dass sich seine Hände schmerzvoll in ihren Hüften festgriffen, doch es fühlte sich berauschend an. Obwohl er gerne die Augen geschlossen und diesen Sex genossen hätte, musste er sie einfach ansehen. Ihre schöne Haut, überzogen von einer leichten Schweißschicht; ihre wilden rötlichen Haare, die ihr wirr vom Kopf abstanden; und diese wunderschönen, leicht geöffneten Lippen. Stephen wollte seinen Höhepunkt so lange hinauszögern, wie nur möglich, doch nach wenigen Stößen warf er dieses Vorhaben über Bord und ergab sich diesem elektrisierenden Gefühl. Sein Höhepunkt überschwemmte ihn wie eine Welle.
„Oh, Gott, Stephen“, keuchte Catherine schweratmend und irgendwie wusste Stephen nicht so recht, ob auch sie zum Höhepunkt gekommen war oder einfach nur in ihrem betrunkenen Zustand etwas vor sich hin brabbelte.
Stephen verharrte einige Sekunden in ihr, ehe er seinen Oberkörper aufrichtete. Er schenkte ihr einen tiefen Kuss, fuhr sanft durch ihre Haare und lachte leise. „Du bist verrückt“, meinte er liebevoll.
„Ich bin so dicht“, lachte Catherine überdreht, erwiderte jedoch den Kuss schnell und stürmisch.
„Ich mach es wieder gut, Cat“, versprach Stephen sanft und Catherine schien nicht einmal zu bemerken, dass er sie zum ersten Mal „Cat“ genannt hatte.
„Was gut machen? Du warst toll“, grinste sie diebisch.
Stephen zog sie noch ein Stück näher an sich heran, atmete den Duft ihrer Haut ein. „Nächstes Mal werde ich dir die schönste Nacht deines Lebens bescheren“, erklärte er und erneut fanden sich ihre Lippen.

Irgendwie erinnerte sich Stephen in genau diesem Moment daran, was ihm die Älteste vor Jahren einmal gesagt hatte. Sie hatten in der Bibliothek darüber gesprochen, wie sie es denn schaffte, nach all den dunklen Kämpfen noch immer eine solche Frohnatur zu sein und das Gute in den Menschen zu sehen. Daraufhin hatte ihm die Älteste gesagt, dass sie sich immer an den Menschen festhielt, die ihr Liebe und Wärme schenkten; Menschen, die die Dunkelheit vertrieben. Neckisch hatte sie Stephen damals augenzwinkernd eröffnet, dass auch sie kein Kind von Traurigkeit wäre. Vertieft hatten sie dieses Gespräch niemals wieder, aber heute wusste Stephen, was sie damals gemeint hatte.

So dunkel die Zeiten auch sein mochten – solange ein Funke Liebe in dieser unendlichen Finsternis existierte, war kein Kampf verloren. Und Catherine war in dieser Dunkelheit sein Funke.
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