Herz aus Eis

GeschichteRomanze / P18
Doctor Strange / Stephen Vincent Strange Kaecilius OC (Own Character) The Ancient One Wong
19.06.2018
30.11.2019
29
130506
60
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VORWORT

Ihr lieben Leser!
Ich freu mich, schreibtechnisch wieder mal im Marvel-Universum unterwegs zu sein, und somit heiße ich euch herzlich Willkommen zu meinem neusten Irrsinn ;D

Nach diversen OneShots und einer großen „Marvel-Allstars“ Story mit Natasha als Hauptperson(„Scherbenmeer“) wage ich mich jetzt an den Film "Doctor Strange". Zeitlich gesehen wird die Story einige Zeit nach dem Standalone-Film spielen und nach "Infinity War" bzw. "Endgame" wahrscheinlich enden. Natürlich wird der Fokus auf Doctor Strange, seiner Magier-Gemeinschaft und meinen (hoffentlich lieben) OC's liegen, aber dennoch kann ich euch schon mal versprechen, dass auch der ein oder andere Avenger hier auftauchen wird ;D Außerdem habe ich mir erlaubt, die Lehrstunden im Kamar-Taj ein wenig auszuweiten - Lehrer, Unterrichtsstunden, Gebäude - eben alles, was dazu gehört ;))
Und ja, es ist als Romanze eingestuft und das soll natürlich auch im Vordergrund stehen, aber der Hintergrund wird auch ein wenig düster werden. Nichtsdestotrotz möchte ich hier eine etwas andere Lehrer-Schüler-Lovestory auf die Beine stellen und es wird auch an "kuscheligen/schönen/erotischen" (was auch immer) Szenen nicht mangeln, keine Sorge. Ihr wisst ja - im Kamar-Taj ticken die Uhren etwas anders ;D

So, jetzt noch ein kurzes Dankeschön, das mir sehr wichtig ist. Ich möchte mich bei einer lieben Freundin bedanken: Mrskreativlos (ganz so kreativlos, wie es ihr Nickname uns weismachen will, ist sie gar nicht ;D schaut mal bei ihr vorbei!) Vielen lieben Dank für das witzige und informative Brainstorming! Das schätze ich wirklich sehr und ich hoffe, dass wir das auch weiterhin so handhaben :))

Ähm, gut, ich glaube, das war genug des Vorwortes ;D Ich hoffe sehr, dass ihr auch an dieser neuen Marvel-Story ein wenig Freude haben werdet. Natürlich freue ich mich über jedes Feedback von euch, aber mir gefällt auch die Alternative der Empfehlungssternchen, wenn man mal nichts zu sagen hat ;D

Enjoy!

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„Es gibt zu Recht viele Interpretationen zu einem Einzigen; nämlich deshalb, weil es aus verschiedenen Perspektiven gesehen werden muss.
Aus einem Blickwinkel allein, vermögen wir das Ganze nicht zu erfassen.“

~ Manfred Poisel




Über den Bundesstaat Arizona hatte sich bereits ein dunkler Mantel gelegt und ein beeindruckender Vollmond nutzte den pechschwarzen Himmel als Leinwand. Es war ein klarer, wenn auch kühler Halloween-Abend, doch das hielt die Kinder nicht davon ab, in teilweise selbst gemachten Kostümen um die Häuser zu ziehen und nach Süßigkeiten zu fragen.

In einem großen Gebäudekomplex in der Hauptstadt Phoenix grübelte Matthew Perkins über einigen Akten, die er noch zu bearbeiten hatte, ehe es mit der Familie in den Urlaub ging. Prustend klappte er eine Mappe zu und warf sie auf den bereits abgearbeiteten Stapel Papier. Als nächstes griff er sich ausgerechnet die Mappe, die ihm zurzeit schlaflose Nächte bereitete. Matthew seufzte laut, als er sie aufklappte. Eigentlich war dies nicht einmal sein Fall und dieser lag auch schon Jahre zurück, aber es war eine Herzensangelegenheit. Sie waren seine Freunde gewesen und ihr Unfalltod war keineswegs lückenlos. Nein, es gab Hinweise darauf, dass Howard und Maria von der Straße abgedrängt worden waren und anschließend ermordet wurden.

Matthew ging die Fakten noch einmal durch und machte sich gelegentlich Notizen. Im Gebäude war es komplett ruhig. Nur in wenigen Etagen waren noch Menschen, die ihrer Arbeit nachgingen. Dementsprechend erschrocken zuckte Matthew zusammen, als es energisch an seiner Türe klopfte.

Hektisch klappte Matthew die Akte wieder zu und versteckte sie schnell unter einem weiteren Stapel Papiere. „Herein!“, rief er schließlich.
Augenblicklich wurde die Türe aufgerissen und ein Mann Mitte Dreißig trat herein.
„Kaecilius“, sagte Matthew und versuchte freundlich zu klingen. „Was treibt Sie denn hierher?“
„Ich hatte keine Zeit, vorher zu kommen. Verzeihen Sie die späte Störung“, entschuldigte sich Kaecilius.
Matthew nickte und bedeutete Kaecilius an, sich zu setzen. „Nicht weiter schlimm. Ich bin doch sowieso noch da“, grinste der Anwalt. „Also, womit kann ich dienen?“
„Es ist eine etwas ungewöhnliche Bitte, aber ich weiß nicht, an wen ich mich sonst noch wenden soll“, erklärte der Däne zögerlich.
Matthew musterte den Mann, der ungefähr sein Alter war. Er kannte den Dänen Kaecilius flüchtig. Sie waren sich öfter schon begegnet und hatten ein paar freundliche Worte gewechselt, doch vertieft hatten sie die Gespräche nicht.
„Wie kann ich helfen?“, wiederholte Matthew.
Kaecilius presste die Lippen aufeinander. „Nun ja, meine Frau und ich wollten unsere Kinder bei meiner Schwiegermutter abholen. Sie müssen wissen, meine Schwiegermutter wohnt in einem ziemlich wüsten Berggelände, das sehr gefährlich werden kann.“ Er holte tief Luft, ehe er weitersprach: „Meine Frau ist voraus gefahren, weil ich geschäftlich noch etwas zu erledigen hatte. Jedenfalls habe ich seit einem Tag nichts mehr von ihr gehört. Dann habe ich mitbekommen, dass ein Autowrack gefunden wurde.“
Matthew runzelte die Stirn. Er hatte nicht gewusst, dass Kaecilius ein verheirateter Familienvater war. „Sind Sie sicher, dass es sich um den Wagen Ihrer Frau handelt?“, fragte er nach.
„Ja!“ Kaecilius nickte. „Sie wollte die Kinder bei ihrer Mutter holen, doch dort ist sie nie angekommen.“
„Das... tut mir natürlich von Herzen leid, Kaecilius. Aber wie kann ich da helfen?“, hinterfragte er nun.
Kaecilius lehnte sich ein Stück weit nach vorne. „Die Polizei will mir nichts sagen, weil ich nur ein begrenztes Visum habe! Diese Idioten.... Bitte, Sie müssen mir helfen. Ich muss wissen, ob es meine Frau ist und wieso ich nichts von meinen Kindern gehört habe.“
Matthew überlegte. Gut, Kaecilius war Däne und hatte nur ein Besuchervisum. Das dürfte durchaus Probleme geben, da die Polizei von Arizona gerade bei Bergunfällen ziemlich streng hantierte.
„Hm, okay, ich kann ein paar Anrufe für Sie tätigen, aber mehr kann ich leider nicht ausrichten. Zumindest nicht aktuell. Das ist leider nicht meine Baustelle“, lenkte Matthew ein und notierte sich einiges.
„Ich wäre Ihnen da sehr verbunden, Matthew“, meinte Kaecilius und seufzte. „Ich hoffe so sehr, dass ich mich irre und es nicht meine Familie ist.“

Matthew musterte sein Gegenüber besorgt. Der Mann sah schlecht aus. Offenbar hatte er kaum geschlafen und sehr viel geweint. Matthew verstand ihn nur zu gut! Würde seiner Tochter und seiner Frau etwas zustoßen, würde er seines Lebens nicht mehr glücklich werden.
Er würde sich für Kaecilius einsetzen und ihm ermöglichen, seine Familie zu identifizieren. Natürlich hoffe er für ihn auch nur das Beste und betete, dass es nicht seine Familie war. Ironischerweise erinnerte ihn diese Erzählung ein wenig an Howard und Maria Stark. Hingen die beiden Fälle zusammen? Nein, das war unmöglich! Es lagen Jahre dazwischen und nur weil es Parallelen aufwies, hieß das noch lange nicht, dass auch Kaecilius' Familie Opfer eines Mordanschlages geworden war.

Matthew nahm sich fest vor, nach seinem Urlaub die Akte wieder aufzuschlagen. Seine Freunde hatten Gerechtigkeit verdient.


*****



„Sie ist endlich eingeschlafen“, flüsterte Elizabeth ihrem Mann zu.

Matthew warf einen kurzen Blick in den Rückspiegel zu seiner Tochter, die auf dem Rücksitz friedlich an der Fensterscheibe lehnend schlief.

Seit dem Besuch von Kaecilius waren zwei Tage vergangen. Matthew hatte sein Versprechen gehalten und sich hinters Telefon geklemmt, um mit der Polizei von Arizona zu telefonieren. Da Matthew als Anwalt hohes Ansehen genoss, lenkte die Polizei schnell ein und ließ Kaecilius ins Präsidium kommen. Bedauerlicherweise handelte es sich bei einem der Opfer tatsächlich um Kaecilius' Frau. Das Wie und Warum musste zwar noch geklärt werden, aber dennoch fühlte Matthew mit dem Mann.

„An was denkst du wieder?“, fragte Elizabeth leise und strich ihrem Mann sanft über die Wange.
„Ach, an vieles.“ Er seufzte. „Ich muss mich mit dem Fall von Howard und Maria nochmal auseinandersetzen.“
Elizabeth hob den Kopf. „Matt, bitte, fang nicht wieder damit an. Halte dich aus Dingen heraus, die dich nichts angehen.“
„Mich nichts angehen? Howard war ein guter Kollege und ich kann es nicht sehen, wenn dieser Fall zu den Akten gelegt wird“, zischte er und konzentrierte sich auf die dunkle Landstraße vor ihnen.
„Das weißt du doch gar nicht. Überlass diesen Fall bitte Kollegen, die sich damit befassen und auch ermitteln. Du bist dafür nicht zuständig“, erinnerte ihn seine Frau.
„Ja, schon, aber.... ich habe das Gefühl, dass die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Irgendwas stimmt nicht mit diesem Fall“, war sich Matthew sicher.
Elizabeth seufzte theatralisch. Sie wollte sich ihren Urlaub nicht vermiesen lassen und lenkte ein. „Schön, kümmer dich weiter um den Fall, aber bitte erst nach dem Urlaub“, erklärte sie. „Ich weiß übrigens, dass du die Akte mitgenommen hast. Ich hab sie im Koffer entdeckt.“
Matthew warf einen kurzen überraschten Blick zu seiner Frau hinüber, ehe er lächelte. Niemand kannte ihn so gut wie Elizabeth. Er war immer wieder erstaunt, wie scharfsinnig sie war und sich immer um ihn sorgte.
Er streckte die Hand aus und griff nach ihrem Kinn. „Gut ermittelt, Sherlock“, lächelte er. „Ich liebe dich, weißt du das schon?“
„Nein, das ist ja was ganz neues“, stichelte Elizabeth, bevor ihr Grinsen die Dunkelheit im Wagen überstrahlte. „Ich liebe dich auch.“
Das Ehepaar sprach leise weiter, während ihre zwölfjährige Tochter im hinteren Teil des Wagens noch immer selig schlief. Die Perkins waren weiterhin unterwegs in ein Landhaus in Mexico, das Matthew ein paar Mal im Jahr als kleines Fluchtziel vor dem Alltag wählte. Elizabeth und ihre kleine Tochter genossen es in vollen Zügen, Matthew wieder für sich zu haben. Dieser kleine Kurztrip, der meist nachts startete, war für die Familie eine willkommene Abwechslung.
Elizabeth war gerade dazu übergegangen, ihrem Mann die neuste Marotte ihrer Schwester aufzutischen, als im Rückspiegel ein grelles Licht auftauchte. Matthew registrierte dies sofort.
„Wo kommt der denn plötzlich her?“, fragte Matthew etwas lauter.
Elizabeth stoppte in ihrer Erzählung und sah nach hinten. „Sieht aus wie ein Motorrad“, sagte sie und bemerkte, dass auch ihre Tochter die Äuglein wieder offen hatte.
„Will der bei uns im Kofferraum mitfahren? Der soll gefälligst überholen!“, knurrte Matthew und sein Griff um das Lenkrad wurde immer stärker.
Der Motorradfahrer verringerte den Abstand zu dem Wagen der Perkins wieder und es war ein Wunder, dass er ihnen noch nicht hinten aufgefahren war.
„Mummy, was ist los?“, fragte eine piepsige Stimme auf der Rückbank.
„Nichts, Liebling. Du kannst ruhig weiterschlafen“, antwortete Elizabeth beruhigend, obgleich ihrer Stimme eine besorgte Nuance mitschwang.

Jedoch wurden die Augen des Mädchens immer größer, als der aufdringliche Motorradfahrer zum Überholen ansetzte und ganz gemächlich an ihrer Scheibe vorbeifuhr. Instinktiv duckte sich das Mädchen und zog die Decke über ihren Kopf. Was danach passierte, sollte ihre Welt für immer verändern...

Sie hörte ihren Vater fluchen. „Verdammter Idiot!“, stieß er wütend aus und schon im nächsten Moment ertönte ein unnatürliches Geräusch, das das Mädchen aufschreien ließ.
Metall ächzte und schrie, während sich die Kleine fühlte, als säße sie in einem Kinderkarussell auf dem Rummel. Zwar überschlug sich der Wagen nicht, aber er drehte sich unaufhörlich, bis er schließlich von etwas gebremst wurde und zum Stillstand kam.
Die Händchen fest auf ihre Ohren gepresst und laut schluchzend hob das Kind wieder den Kopf. Die Decke war mittlerweile von ihrem Körper gerutscht und ihre Augen suchten panisch die Umgebung ab. Aus dem Motorraum stieg Rauch auf und Flammen knisterten. Neben ihrem eigenen Schluchzen konnte sie ihren Vater hören, der stöhnend im Fahrersitz hing. Ihre Mutter rührte sich nicht mehr.

„Mummy?“, flüsterte sie ängstlich, versuchte die Tränen zu unterdrücken. „Mummy, sag doch was.“

Sie schnallte sich vom Sitz ab und rutschte in den Fußraum. Leise schniefend griff sie um den Sitz und berührte den Arm ihrer Mutter, doch sie reagierte noch immer nicht. Sie konnte nicht begreifen, was gerade geschah. Das Mädchen drehte ihren Kopf zur Seite. Ihr Vater, der immer so stark war, hatte zwar noch die Augen geöffnet, aber auch er schien weit weg zu sein. Als das kleine Mädchen am Fenster den dunklen Schatten erkannte, der offensichtlich für den Unfall verantwortlich war, zuckte sie ängstlich zusammen. Doch, wieso? Was wollte er von ihnen?
Schnell kletterte das Mädchen zurück in den Fußraum, zog die Decke von ihrem Sitz und wickelte sich ein. Automatisch legten sich ihre Hände wieder um ihre Ohren, doch leider konnte sie nicht jedes Geräusch dämpfen. Zwei Schüsse hallten durch die sonst so stille Nacht und sofort kullerten Tränen über das kleine Kindergesicht. Sie konnte es nicht sehen, und das wollte sie auch gar nicht, aber sie spürte, dass ihre Eltern nun für immer schweigen würden.

Einige Sekunden, die dem kleinen Mädchen, wie Stunden vorkamen, rührte sie sich nicht. Sie hatte noch immer die Hände auf ihre Ohren gepresst, versuchte ihrem Schluchzen Einhalt zu gebieten und sich nicht zu rühren. Doch plötzlich riss jemand die Türe in ihrem Rücken auf und die Kleine spürte einen kalten Griff, der ihr die Decke von den Schultern riss. Noch kälter als dieser Griff war jedoch der Lauf einer Waffe, die sie nun in ihrem verschwitzten Nacken spürte. Augenblicklich fing ihr ganzer Körper an zu bibbern.

Was danach geschah, konnte sich das Mädchen lange nicht erklären. Eine unmenschliche Hitze durchströmte ihren Körper und eine Welle der Energie überrollte sie. Sie hörte das Klirren der Scheiben; sah die Decke über ihrem Kopf fliegen; roch den Rauch, der aufgewirbelt wurde, doch am allerwichtigsten war das, was sie spürte: Sie spürte nichts, außer Freiheit.
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