Nicht richtig!

von Miwa86
OneshotFantasy, Schmerz/Trost / P12
18.06.2018
18.06.2018
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Kleine Vorwarnung vorweg: meine Betaleserin weigert sich, den OneShot zu lesen, weil er ihr zu traurig sein wird! Ihr seid also gewarnt! ^^
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie mir bitte melden! Danke sehr.





Eigentlich hattest Du dich bloß an Deck geschlichen, um einen Blick auf den ausbrechenden Vulkan zu werfen. Nicht, weil Du Naturkatastrophen toll fandest, das nun wirklich nicht, aber die rohe, ungezähmte Kraft, die dahinter steckte, faszinierte dich schon. Genau wie das Wetter war das hier etwas, was die Menschen weder kontrollieren, noch manipulieren konnten. Jedenfalls im Moment noch nicht. Wobei Du keinen Zweifel daran hattest, dass es vermutlich nicht mehr lange dauern würde, bis es irgendjemand zumindest beim Wetter versuchen könnte.
Mit einem leichten Kopfschütteln blicktest Du wieder auf die Insel. Mittlerweile war der Lavastrom dem Bereich um das ehemalige Besucherzentrum herum gefährlich nahe gekommen, von den äußeren Gebäuden schienen sogar schon Rauch aufzusteigen. So genau konntest Du es jedoch nicht erkennen, denn die riesige Aschewolke, die dem Lavastrom voraus ging, machte es schwer, Einzelheiten richtig wahrzunehmen. Und die glühenden Gesteinsbrocken, die vom Vulkan ausgespuckt und dann wie kleine Geschosse am Strand und im Wasser aufschlugen, machten die Sache auch nicht besser. Alles in allem war es schon ein erschreckendes Schauspiel und Du warst sehr froh darüber, in der relativen Sicherheit des Schiffes anstatt am Strand zu sein. Selbst mit den ganzen Dinosauriern ein paar Decks tiefer.
Die übrigens auch der Grund waren, warum Du dich überhaupt hier aufhieltest. Nachdem nämlich bekannt geworden war, dass der Vulkan auf der Isla Nublar, der Jurassic World – Insel, kurz vor dem Ausbruch stand und die Regierungen nichts unternehmen wollten, um die Tiere zu retten, war ein Privatunternehmen an den Reeder deines Schiffes heran getreten und hatte ihn um Mithilfe gebeten, um wenigstens einen kleinen Teil der Dinosaurier erhalten zu können. Zwar waren dir die ganzen Großwildjäger, Soldaten und einige andere, die danach an Bord gekommen waren, reichlich suspekt vorgekommen, doch so lange sie dich in Ruhe deine Arbeit machen ließen, warst Du bereit, sie zu tolerieren. Zumal Du zum einen ohnehin nichts gegen ihre Anwesenheit tun konntest und zum anderen eigentlich dankbar dafür warst, dass es zumindest ein paar Menschen gab, denen die Rettung der Dinosaurier wichtig war. Du hofftest wirklich, dass es ihnen gelungen war, möglichst viele Exemplare zu retten. Dass es nicht bei allen gelingen konnte, war allerdings schon klar gewesen. Dafür waren es einfach zu viele Saurier und viel zu wenig Zeit. Die Tiere, die jetzt zum Sterben zurückgelassen werden mussten, taten dir leid. Langsam von Lava eingeschlossen und verbrannt zu werden, stelltest Du dir schrecklich vor. Was der betreffende Saurier dabei an Angst und Schmerzen durchmachen musste, darüber konntest Du nicht einmal im Ansatz nachdenken, ohne dich schrecklich schuldig zu fühlen. Beinahe wünschtest Du dir, das Privatunternehmen hätte sich ein anderes Schiff ausgesucht …

In diesem Moment zog eine Bewegung in der Rauch- und Aschewolke deine Aufmerksamkeit auf sich. Erstaunt sahst Du genauer hin. Ein langer Hals schälte sich aus dem Dunst, dem ein massiger Körper folgte, fast hättest Du gelächelt. Dort erschien gerade dein erster Dinosaurier. Der Langhals lief geradewegs auf den Strand zu, fast so, als wüsste er, dass das Schiff Rettung versprach. Kurz sahst Du auf die riesige Aschewolke und den Lavastrom, wenn das Schiff nur ein wenig länger am Strand blieb, konnte der Dinosaurier es noch schaffen. Um das Chaos, das ein freilaufender Langhals unter Deck anrichten würde, machtest Du dir dabei keine Gedanken. Dafür wart ihr doch schließlich hier. Um so viele wie nur möglich zu retten.
Doch wie es schien sah dein Kapitän das anders. Du spürtest, wie die Reling unter deinen Fingern stärker zu beben begann, als die großen Maschinen unten im Rumpf ihren Dienst wieder aufnahmen. Auch der Wind frischte auf, was angesichts der Hitze, die mittlerweile von der Insel ausging, angenehm war. Oder besser gesagt gewesen wäre, wenn Du nicht ganz genau gewusst hättest, was es bedeutete: das Schiff nahm Fahrt auf. Erschrocken richtete sich dein Blick wieder auf den Dinosaurier, stumm batest Du darum, dass die Zeit noch reichen und er es an Bord schaffen würde. Just in diesem Augenblick stieß der Saurier ein gespenstisches Heulen aus. Es kam dir so vor, als würde er um Hilfe bitten, und darum, ihn doch bitte nicht auf dieser Insel zurück zu lassen. Als er ein weiteres Mal heulte, schnürte es dir die Kehle zu. Wider besseres Wissen begannst Du zu hoffen, dass dein Kapitän es sich noch einmal anders überlegen und stoppen würde. Der Saurier hatte es doch fast geschafft, es fehlten nur noch ein paar Meter. Und trotz seines Humpelns, welches dir erst jetzt auffiel, bewegte er sich für jemanden seiner Größe recht gewandt. „Lauf zu!“ Du hieltest es nicht mehr aus, konntest gar nicht anders, als ihn anzufeuern. „Du hast es doch fast geschafft! Noch ein Stück!“ Wenn er einen großen Satz machte, konnte er die Rampe noch erreichen. Wieder stieß der Langhals sein Heulen aus, es klang zunehmend verzweifelter. Außerdem bekamst Du den Eindruck, als würde er dich direkt ansehen, die Bitte um Rettung stand deutlich in seinen Augen. Die erste Träne löste sich aus deinen Augenwinkel, es konnte doch einfach nicht sein, dass diese paar Meter über sein Leben oder seinen Tod entscheiden sollten.

Nur wenige Sekunden später musstest Du erkennen, wie naiv deine Hoffnung gewesen war. Bitter erkanntest Du, dass das Schiff noch weiter Fahrt aufnahm. Der Abstand zum Strand wuchs weiter, das Brummen der Maschinen wurde lauter.
Dies schien auch der Dinosaurier zu merken, er hielt genau an der Kante des Anlegestegs an. Erneut heulte er, die Verzweiflung, die Du darin zu hören glaubtest, sorgte dafür, dass dir eine weitere Träne über die Wange lief. Hilflos musstest Du mitansehen, wie der Langhals wieder von der Rauch- und Aschewolke eingeholt und umschlossen wurde, nur sein Kopf ragte noch für einige wenige Sekunden daraus empor. Er stieß ein weiteres Heulen aus, langgezogen und tieftraurig. Dann war er verschwunden. Stumm starrtest Du auf die Stelle im Rauch, konntest es noch gar nicht fassen, was gerade geschehen war. Im nächsten Moment bemerktest Du das rote Glühen, welches allmählich den Rauch durchdrang. Das musste die Lava sein, schoss es dir durch den Kopf. Sie hatte den Pier und den Strand erreicht. Unwillkürlich hieltest Du den Atem an. Und dann sahst Du ihn. Der Dinosaurier, dein Langhals, hatte sich auf seine Hinterbeine aufgerichtet, es wirkte wie eine letzte, verzweifelte Abwehr des Unvermeidbaren. Ein allerletztes Mal hörtest Du ihn heulen, dann sahst Du noch, wie er langsam zur Seite kippte, ehe die Rauchwolke wieder dunkler wurde und dir endgültig die Sicht nahm. Nun konntest Du deine Tränen nicht mehr zurück halten. Auch wenn Du es dir als einfache Leichtmatrosin nicht erlauben konntest, allzu sentimental zu sein, bedeutete dies nicht, dass Du ein Herz aus Stein hattest. Und so etwas Schönes auf so grausame Art und Weise sterben zu sehen, ließ auch in dir nur einen einzigen Gedanken zu: Das war nicht richtig!




So, nachdem ihr den Text nun gelesen habt, hoffe ich, ihr reißt mir nicht den Kopf ab. Aber nachdem ich am Samstag im Kino war, musste dieser kleine OneShot einfach sein. ^^