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Detroit: Becoming Hank Andersons Babysitter

OneshotHumor, Freundschaft / P16 Slash
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
18.06.2018
18.06.2018
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Kalter Novemberregen.

Es regnete in Strömen.

Und das schon seit Stunden.

Und schon seit Stunden versuchte Connor, der Android, seinen Partner Lieutenant Hank Anderson zu erreichen.
Vergebens.

Connor gab so etwas wie ein Seufzen von sich.

Wie würden sie denn nun die Untersuchungen der Abweichlerfälle fortsetzen? Er hatte eine Mission und wenn er diese Mission nicht erfüllen würde, würde Cyberlife ihn abschalten.  Immerhin war er, Connor, ein Prototyp, der Menschen bei der Ermittlung helfen sollte.
Doch ausgerechnet musste er mit Hank Anderson, einem androidenhassendem, dem Alkohol nicht abgeneigtem, psychisch labilem, Lieutenant arbeiten.  Aber Connor war auf die Zusammenarbeit mit einem Menschen programmiert.
Und auch war ihm bekannt, dass Menschen mit Gefühlen und Schmerz zu kämpfen hatten.  
Connor stieg in das selbstfahrende Taxi und fuhr an die ihm bekannte Adresse.
Er war schon einmal hier gewesen und hatte den Polizisten stark alkoholisiert und bewusstlos vorgefunden.
Der Android mit dem blassen Gesicht war auf das Schlimmste vorbereitet, als er an Hanks Haustür klingelte.
Doch im Gegensatz zu seinem letzten Besuch, öffnete heute der mürrische Hausherr in Boxershorts und T-Shirt die Tür.
„Connor, was zum Teufel willst du denn hier?!“, begrüßte ihn der langhaarige, bärtige Mann.
„Guten Abend, Lieutenant. Ich versuche Sie seit Stunden zu erreichen. Ich wollte noch einmal alle Informationen zu den Abweichlern, die wir bis jetzt gesammelt haben, zusammenfassen.“
„Verdammt nochmal, es ist 21 Uhr, Connor. Ich habe seit sechs Feierabend, falls du das vergessen hast. Und hör verdammt nochmal auf mit diesem Lieutenant, ich heiße Hank.“
„Verzeihung, Hank.“, sprach der Android und im Gesicht des Mannes, der in der Tür stand, machte sich so etwas wie ein Lächeln breit.
Gerade wollte der junge Android sich umdrehen und gehen, da setzte Hank an:“ Wieso bleibst du nicht da und leistest mir ein bisschen Gesellschaft. Oder musst du deinen Akku laden?“
Hanks Witze waren grauenhaft, aber Connor entfuhr ein leises Lachen.
„Aber natürlich, Hank. So können wir uns besser kennenlernen, Hank.“
„Okay, okay. Du musst nicht nach jedem Satz meinen Namen sagen, Connor. Außerdem was soll dieses ganze Kennengelerne. Bist du ein Nannyandroid oder ein Copandroid?“
Diesmal lachte der Mann über seinen eigenen Witz.
Connor trat ins Haus und sofort kam Sumo, Hanks Bernhardiner, schwanzwedelnd auf ihn zugelaufen.
Der Android begrüßte den Hund und diesem entfuhr ein freudiges Bellen. Dann rannte er davon und kam mit einem roten Bällchen im Mund wieder.
„Sumo. Aus. Ich hab doch erst vorhin mit dir Bällchen gespielt!“, befahl Hank dem Hund, woraufhin dieser beleidigt abzog.
Connor folgte Hank ins Wohnzimmer, wo dieser gerade ein Basketballspiel im Fernsehen ansah. Auf dem Couchtisch standen 3 leere Bierdosen, eine halbe Salami-Peperoni- Pizza und eine offene Packung Kartoffel Chips. Den Berechnungen des Androiden zufolge waren das weitaus mehr Kalorien, als des ausgewogenen Tagesbedarfs seines menschlichen Komplizen.
Hank hatte sich derweil eine weitere Dose Bier aus dem Kühlschrank geholt und setzte sich dann seufzend auf das Sofa.
„Willst du den ganzen Abend da rumstehen, oder was? Setz dich gefälligst hin, Conor.“
„Wird gemacht, , Lieut, ähm Hank.“
Irritiert sah Hank ihn an und nahm dann einen kräftigen Schluck aus der Dose.
Einen kurzen Moment lang herrschte eine unangenehme Stille zwischen den beiden, bis Connor die Umgebung gescannt hatte und ihm ein Poster in Hanks Wohnzimmer aufgefallen war. Es zeigte einen blonden, langhaarigen Mann, mit einer Gitarre und Zigarette im Mund.  Natürlich wusste Connor, wer das war, denn Connor war ein Android und er konnte auf jegliche Informationen zugreifen, dennoch fragte er Hank, ob er das auf dem Bild dort sei.
Hank musste so kräftig lachen, dass er sich fast an seinem Bier verschluckte.
„Nein, Connor. Das ist Kurt Cobain, der Sänger der Band Nirvana. Ich kann dir später mal was von ihnen vorspielen. Ach, der Klang meiner Jugend. Einmal noch jung und sorgenfrei sein… Aber was erzählt der alte Sack dir da, denkst du dir jetzt bestimmt.“
„Wie bitte? So etwas würde ich niemals sagen, das verbietet mir mein Programm. Ich wurde auf das Arbeiten mit Menschen programmiert. Erzähl ruhig weiter. Von früher.“
Und dann erzählte der Mann, der neben Connor auf dem Sofa saß. Von 9o-er Kindern, Gameboys, Rockkonzerten und einer Zeit vor Androiden, Red-Ice und Abweichlern. Gespannt verfolgte der Android das Gespräch, nickte zwischendurch oder sagte so etwas wie Hmm oder Verstehe.
Dann rückte Connor ein Stück näher an Hank, sodass dieser ihn verwirrt ansah.  Connor schnipste Hank am Knie, sodass dieser aufschrak.
„WAS ZUR HÖLLE, CONNOR?“
„Da war ein Fussel auf deinem Knie, Hank.“
„Okay, Connor. Du kannst mich nicht einfach so angrapschen, verstanden?“
„Verstanden.“
Hank schien so etwas wie ein Erröten auf Connors Gesicht aufleuchten.
Diese verdammten Androiden!
Wer kam überhaupt auf die Idee sie aussehen zu lassen wie echte Menschen und ihnen dann noch menschliche Züge zu verpassen? Kein Wunder, dass sich einige Androiden zu Abweichlern entwickelt hatten, dachte sich Hank in diesem Moment.
Einen Moment lang herrschte eine unangenehme Stille, bis Hank sich wieder gefasst hatte.
Der Polizist nippte an seinem Bier und hatte es anschließend in wenigen Zügen geleert.
Gerade lief im Fernsehen eine Werbung für den Eden Club, einen Nachtclub, an dem Menschen mit Androiden besondere Abenteuer erleben konnten.
Zumindest war das der Werbeslogan.
„So, Connor. Jetzt berichte du mir doch einmal, was du davon denkst.“
Hank sah in das Gesicht des jungenhaften Androiden und dieser sah aus, als würde sein innerer Prozessor arbeiten.
„Connor? Ist deine Software abgestürzt?“
„Äh, nein. Ich weiß nicht, was ich von diesem Eden Club halten soll. Ich meine wir haben dort zusammen die Abweichler Tracis untersucht und das alles.  Aber anscheinend ist es eine lohnende Investition, wenn man die Bewertungen im Internet anschaut.“
„Ach, Junge. Du und deine social skills. Da hat dich Cyberlife aber schön programmiert, was? Wieso haben sie dich eigentlich so ungefährlich designt? Und nicht so Terminatormäßig?“
„Weil ich dazu designt wurde, bei Abweichleruntersuchungen mit zu ermitteln und nicht, um Verbrecher niederzuschießen!“
Dann lächelte der Android und Hank lachte kopfschüttelnd.
„Wenn du den ganzen Tag nur Androiden oder Menschenblut analysieren musst, dann hätte ich jetzt eine neue geschmackliche Explosion für dich. Wie wäre es, wenn ich uns ein Erdnussbutter-Marmeladen-Sandwich mache?“
Hank stand auf und lief in die Küche, die wie Connor fand, auch mal bessere und saubere Zeiten hinter sich hatte.
Dann schmierte der weißhaarige Mann ein Sandwich mit besagtem Belag.
Connor versuchte einen Witz zu machen, aber sagte dann lieber nichts.
„Da ich einen interessanten Beitrag über Androiden gesehen habe, weiß ich, dass ihr nichts essen könnt. Also darfst du das Messer ablecken.“
„Aber? Bitte, was?“, fragte Connor Hank.
„Du hast mich schon richtig verstanden. Und jetzt leck gefälligst das Messer ab und sag mir dann, ob dir das schmeckt!“
Seine Stimme war laut und bestimmend und sie schüchterte Connor ein wenig ein, daraufhin probierte Connor die Marmeladen-Erdnussbutter-Mischung und sein Gesicht strahlte.
„Ja, schmeckt interessant.“
„Nussig, salzig und süß zu gleich, was? Eine Geschmacksexplosion!“, entgegnete Hank und grinste.
Manchmal wusste Connor nicht, wie der grummelige Mann seine Gefühle mitteilen wollte, aber das war in diesem Moment völlig in Ordnung.
Hank erzählte daraufhin weiter von seiner Jugend und Kindheit, als es noch nicht so viel Technologien und schon gar keine Androiden gab.
Zwischendurch trank er mehrere Bier und irgendwann rülpste er so laut, dass Connor sich ein bisschen schämte.
Kurz darauf schlief Hank ein.
Connor überlegte, was er nun tun sollte.
Gehen? Bleiben? Mit Sumo spielen (aber der schlief auch schon und schnarchte leise)? Oder sollte er auch seine Augen schließen?
Aber dann hatte er Angst, dass Amanda, sein Kontrollprogramm von Cyberlife nach ihm schauen würde.
Connor beschloss zunächst, Hank zu zudecken. Er wäre auch sicher ein guter Nanny-Android geworden. Vielleicht konnte er auch zehntausend Gerichte kochen und Kindern bei den Hausaufgaben helfen, dachte er.
Der Android lief in Hanks Schlafzimmer, holte Hanks Bettdecke und deckte anschließend den Mann zu.
Dann setzte er sich neben ihn auf die Couch und beobachtete ihn beim Schlafen, wie sein Brustkorb sich hob und wieder sank.
Ein physiologischer Herzschlag und eine physiologische Atemfrequenz, schloss Connor aus seinen Scans.
Nur Hanks Alkoholgehalt im Blut war erhöht.
Menschen waren doch so interessante und verletzliche Kreaturen, dachte Connor.

Und irgendwie empfand er in diesem Moment so etwas wie eine tiefe Bindung zu diesem Exemplar Mensch, das neben ihm auf der Couch schlief.

Dann rückte der blasse Android neben Hank, legte seinen Kopf auf seine Schulter und schloss die Augen.

-Ende-
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