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Tatsächlich...Android

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
18.06.2018
13.06.2020
50
203.756
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18.06.2018 2.453
 
Ich erwachte mit einem Gefühl von Einsamkeit. Die Bilder von meinen Traum schwirrten noch ganz klar in meinem Kopf herum. Mein Brustkorb fühlte sich ganz eng an, woraufhin ich Atemübungen machte. Das Anziehen fiel mir heute besonders schwer und ich brauchte jedes Mal eine Pause, wenn ich mir was aus und anzog. Ich wusste, dass heute einer dieser Tage war, an denen ich mit allem was ich tat, langsam vorangehen musste. Als ich schließlich unten ankam saß Dad zeitungslesend am Tisch, während Susan sich um das Frühstück kümmerte. Dad hatte sich heute extra frei genommen um Susan noch bei den letzten Vorbereitungen für den Umzug zu helfen. Das hatten sie zu mindestens gesagt.

„Guten Morgen.“ Begrüßte ich beide. Dad schaute von seiner Zeitung auf und schaute mich aus seiner Brille hindurch an. „Guten Morgen kleines.“ Susan kam auf mich zu und umarmte mich herzlich. Sie roch wie immer nach Blüten und Zitrone und ich zog ihren Duft kräftig ein, um ihn mir einzuprägen. Dann streckte sie mich von sich und schaute mich prüfend an. „Du bist so blass, ist alles in Ordnung? Bekommst du genug Luft?“ Ich nahm ihre Hände von meinem Gesicht und zugleich spürte ich das besorgte Gesicht meines Vaters, der mich jetzt ebenfalls besorgt musterte. „Es ist alles in Ordnung. Ich habe zum ersten Mal die ganze Nacht durchgeschlafen. Also eigentlich sollte ich topfit aussehen.“ Susan ließ den Blick nochmal prüfend über mich gleiten und navigierte mich dann in Richtung Stuhl. „Hier! Ich hab dir einen leckeren gesunden Smoothie gemacht, mit all den Vitaminen die du brauchst.“ Ich schaute über den grünen Smoothie, den sie vor mich auf den Tisch gestellt hatte und konnte mir grade noch das „Iehh“ verkneifen. Trotzdem ertappte sie mich beim verziehen meines Gesichtes. Ihre Arme stützte sie wieder in die Hüfte und in ermahnender Blick traf mich. „Der wird getrunken, ohne Wenn und Aber.“ Ich beschloss es schnell hinter mich zu bringen aber leider schmeckte der Smoothie noch schlimmer als er aussah. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mir die Nase dabei zuzuhalten. Dad packte seine Zeitung weg und wendete sich an mich. „Kommt Lucy heute zu dir?“ Ich runzelte die Stirn. „Ja, warum?“ Ich musste mich zusammenreißen, den Smoothie in mir zu behalten.
„Ich und Susan haben noch was zu erledigen, ich möchte nicht, dass du alleine Zuhause bist.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Okay.“ Lucy war meine beste Freundin und eigentlich auch meine Einzige. Wir kannten uns von der High School, auf der ich eine Zeit lang mal gegangen war. Als ich dann Hausunterricht bekam, brachen alle Kontakte aus der Schule ab, außer der zu ihr. Wir trafen uns weiterhin und halfen uns gegenseitig, um zu lernen oder einfach nur abzuhängen. Wir hatten uns jetzt schon eine Weile nicht mehr gesehen, da sie mitten in den Abschlussprüfungen steckte. Daher blieb der Kontakt in letzter Zeit nur telefonisch. Aber ich freute mich sehr sie heute wiedersehen zu können. Mit ihr konnte ich über meine Probleme reden, ohne dass sie mich direkt mit Fürsorge überschüttete oder mich mit Tabletten vollstopfte.  Um den fiesen Geschmack in meinem Mund wegzuspülen, machte ich mir einen Pfefferminztee und erwähnte ganz beiläufig das Gespräch der beiden von letzter Nacht. „Gibt es irgendetwas Neues? Etwas das ihr mir erzählen wollt oder dass ich wissen sollte?“ Dad machte eine ruckartige Bewegen mit dem Kopf zu Susan. Seine Augen weiteten sich und er schien sich jetzt voll und ganz auf Susans Antwort zu verlassen. Irgendwas stimmte hier doch nicht. Ich stemmte die Hände in die Hüfte, so wie Susan es immer tat, wenn sie mich rügen wollte. „Was ist hier eigentlich los? Was verschweigt ihr mir?“ Susan und mein Dad wechselten einen nervösen Blick bevor Susan das Wort an mich richtete. „Dein Dad und ich müssen gleich noch etwas erledigen. Wenn wir nach Hause kommen reden wir darüber, in Ordnung?“ Mein Blick musste wohl plötzlich sehr besorgt aussehen, Susan fügte nämlich augenblicklich etwas hinzu. „Und keine Sorge, es ist nichts schlimmes.“ In diesem Satz lag zu viel Unsicherheit, ich beließ es aber dabei einfach nur zu nicken.

Die nächsten Stunden, die ich damit verbrachte auf Lucy zu warten, zerbrach ich mir den Kopf darüber, was es mit diesem Geheimnis auf sich hatte. Ich wusste nicht, ob der Smoothie oder die Geheimniskrämerei die Schuld an meinen Bauchschmerzen trug. Nachdem ich beobachtete wie Susan und Dad die Auffahrt runterfuhren überkam mich ein ungutes Gefühl. Doch als es an der Türe klingelte, wandelte sich mein schlechtes Gefühl in Freude um und ich rannte schon fast euphorisch zur Tür. Als ich die Tür öffnete, fielen wir uns gegenseitig in die Arme. „Was hast du mit deinen Haaren gemacht? Die sind ja orange!“ verwundert strich ich durch ihre schulterlangen orangenen Spitzen. „Gefällt’s dir?“ sie biss sich auf die Lippen und drehte sich im Kreis, wobei sie mit ihren Haaren rumwedelte. Ich musste laut lachen. „Du bist echt verrückt, weißt du das?“ sie verdrehte die Augen, schubste mich sanft beiseite und machte sich auf den Weg nach oben. Ich folgte ihr nach oben, so als wäre es ihr Haus. „Sind wir alleine?“ fragte sie, als wir oben ankamen und schaute sich nach allen Seiten um. „Ja, Dad und Susan sind…“ Ja, wo waren sie eigentlich?

„Sie sind unterwegs. Warum fragst du?“ als Antwort darauf nahm sie einfach meine Hand und zerrte mich fast schon gewaltsam in mein Zimmer. Sie zog mich mit sich aufs Bett. Gespannt schaute ich sie an. „Adam hat mich gefragt ob ich mit ihm zum Abschlussball gehen möchte.“ Keine Sekunde später kreischte sie los und schüttelte mich wie einen Milkshake. „Wirklich? Wann hat er dich gefragt?“ sie ließ sich rückwärts auf das Bett fallen und ich tat es ihr gleich. Lucy schaute nach oben zur Decke. „Letzten Freitag, nach Geschichte kam er zu mir und fragte mich, ob ich schon jemanden hätte, mit dem ich auf den Ball gehen würde. Ich sagte natürlich nein und dann hat er mir seine Nummer gegeben.“ Sie klatschte vor Aufregung in die Hände. Warte mal. „Du hast doch David schon zugesagt??“ sie zuckte unschuldig mit den Schultern. „Na und? Pech für ihn.“ Schnell setzte ich mich wieder auf.
„Wow Lucy… einfach nur…wow. Wie kaltblütig du bist. Der Typ vergöttert dich schon seit Anfang der High School und du willst ihm jetzt einfach so den Laufpass geben?“ Lucy schaute mich an, als ob ich etwas nicht ganz verstanden hätte. „Jaaaa? Oh man Elsie, der Typ ist wie ne Klette. Der schreibt mir ständig Nachrichten, obwohl ich ihm nicht antworte. Er fragt mich  immer wieder, ob ich mit ihm ausgehen will.“ Oh man ich konnte es nicht fassen. „Lucy, das ist doch ganz normal, wenn man auf jemanden steht.“ Sie machte es sich jetzt auf meinen Kissen gemütlich. „Egal, er wird schon darüber hinwegkommen.“ Ich biss mir auf die Lippe und schaute weg.
„Sag mal Elsie? willst du nicht auch zum Abschlussball kommen?“ verwirrt sah ich sie an. „Aber ich bin doch keine Schülerin mehr auf der Schule, ich glaube nicht dass sie mir das erlauben.“ Lucy fasste mich an den Schultern. „Elsie, die Lehrer haben dich alle gemocht und du bist ja nicht geflogen oder sowas. Ich glaube bei dir werden sie eine Ausnahme machen. Ich werde sie überreden mit dem Direktor zu sprechen. Das wird schon klappen.“ Ich setzte mich in den Schneidersitz, sodass ich ihr gegenüber saß. „Selbst wenn es klappt, ich hab doch niemanden mit dem ich dahingehen könnte.“ Lucy tippte sich mit dem Finger auf die Lippen. „Hmm.“ Plötzlich wurden ihre Augen ganz groß. Oh nein. „Was ist mit Robert! Ihr beiden habt euch doch immer so gut verstanden.“ Lauthals lachte ich los. „Lucy! Robert ist schwul.“
„Oh.“ Robert und ich hatten mehrere Fächer zusammen und verstanden uns wirklich gut. Und er war sehr nett. Aber ich hatte schon direkt am Anfang den Verdacht, dass er schwul war. Dann dachte ich nochmal darüber nach. Warum eigentlich nicht? Schwul zu sein, war kein Ausschlusskriterium für den Abschlussball. Es würde doch nur für einen Abend sein.
„Du kannst ihn ja mal fragen, ob er Lust hätte mit mir dahin zu gehen.“ Sie runzelte die Stirn. „Wirklich?“ achselzuckend schaute ich sie an. „Klar, warum nicht. Ist ja eh nur für einen Abend. Danach sehe ich wahrscheinlich eh niemanden mehr von denen wieder.
„Doch vielleicht auf dem College. Apropos hast du dich schon beworben?“ ich seufzte schwer. „Nein, ich werde wahrscheinlich irgendeine einfache Büroarbeit ausüben.“
„Überleg dir das nochmal. Absagen kannst du ja immer noch.“ Eigentlich brauchte ich gar nicht darüber nachzudenken. Mein Herz war so schwach, die Medikamente die ich nahm, wirkten nur bedingt.  Ich stand schon lange auf der Warteliste für ein Spenderherz. Der Arzt sagte selber zu mir, dass es Jahre dauern würde, bis ich dran wäre. Und ob mein Körper es annehmen würde, war auch die Frage. Im Internet hatte ich darüber nachgeforscht und was ich gefunden hatte, hatte mir gar nicht gefallen. “Jeder zehnte Transplantierte stirbt im ersten Jahr nach der Herztransplantation, fünf Jahre danach leben noch sieben von zehn Spenderherzempfängern.“ So oder so, eine Chance auf ein langes Leben hatte ich nicht. Vielleicht blieben mir maximal fünf oder sechs Jahre. Lucy holte mich aus meinen Gedanken raus. „Hey! Was machst du für ein Gesicht? Wehe du heulst jetzt.“ Sie lachte und warf ein Kissen nach mir.  Wir lachten und es entstand eine kleine Kissenschlacht.  Ich hob ergeben die Hände und ich musste so lachen, dass kein Laut mehr aus meinem Mund kommen konnte. Hustend setzte ich mich auf.

„Alles klar? Oder musst du kurz raus?“ Ich winkte ab. „Geht schon…muss…kurz  Luft…holen.“ Nach ein paar Minuten bekam ich wieder etwas besser Luft, vorsichtshalber setzte ich mich aber auf meinen Schreibtischstuhl, um etwas mehr Halt zu haben, falls mir wieder plötzlich schwindelig wurde. „Also willst du mit auf den Ball kommen?“ erkundigte sich Lucy zur Sicherheit. Stumm nickte ich. Befriedigend lächelte sie vor sich hin. „Das wird der beste Abend unseres Lebens!“ Irgendwas war in ihren Augen, dieses Glitzern kannte ich, wenn sie einen Plan ausheckte. Vorsichtig hakte ich nach. „Lucy, was hast du wieder geplant?“ Sie kicherte. „Naja weißt du, ich bin 18 und immer noch Jungfrau. Ich will das sich das bald ändert.“ Meine Augen wurden ganz groß. „Doch nicht mit Adam!“ empört schnappte sie nach Luft. „Warum denn nicht?“ Mir blieb die Luft weg. Was ging nur in diesem Mädchen vor? „Du kennst ihn doch nicht einmal! Willst du nicht warten bis-“
„bis ich meinen Traumprinzen kennen gelernt habe, der alles für mich tun würde und mir das Blaue vom Himmel holt? Elsie! Solche Männer gibt es nicht, sie sind alle gleich. Sie alle wollen nur das Eine. Und ich will das ausnutzen, also, wo liegt da das Problem?“ Ich schüttelte den Kopf. Darin hatten wir unterschiedliche Meinungen. Aber ich akzeptierte ihre Meinung. Ich mochte ihre quirlige Art, deswegen wurde es auch niemals langweilig mit ihr. Sie lenkte mich ab und schenkte mir das, was ich am meisten brauchte. Jemand der mich sah. Bei ihr war ich nicht das kranke und schwache Mädchen. Sie stellte mich mit allen anderen gleich und das liebte ich an ihr. Bei ihr konnte ich sein wie ich war. Und sie schaute auch nicht betreten weg, wenn ich einen Hustenanfall bekam oder nach Luft hechelte. Aber trotzdem schaffte sie es, irgendwie für mich da zu sein. „Was ist mit dir? Wann hast du vor deine Jungfräulichkeit zu verlieren?“ wieder wurden meine Augen groß und meine Wangen fingen an zu brennen. Verlegen blickte ich zur Seite. Lucy lachte nur und verschränkte ihre Arme hinter dem Kopf. „Elsie, du bist so süß. Hör mal, du musst unbedingt mehr unter Leute, um deine Schüchternheit abzulegen. Es tut dir nicht gut den ganzen Tag hier rumzuhängen, da wird man doch wahnsinnig von! Du bist soo hübsch und süß, ehrlich. Die Männer würden dir zu Füßen liegen, wenn du dich ein bisschen herrichten und etwas selbstbewusster auftreten würdest.“ Sie hopste aus dem Bett und stellte sich hinter mich, um verschiedene Haarfrisuren an mir auszutesten. Dann nahm sie eine Spange und steckte ein Stück meiner Haare auf die linke Seite. Kritisch betrachtete sie mich. „Das steht dir voll gut! Es ist unglaublich wie ähnlich du-“
„Dianna Agron ähnelst, jaja das sagtest du bereits mindestens hundertmal!“ unterbrach ich sie. „Spinnst du? Ähnlich? Hier besteht Verwechslungsgefahr!“ wieder musste ich über sie lachen. Lucy hielt auf einmal inne. „Hey, was hat es eigentlich mit der Nachricht auf sich, die du mir heute Morgen geschickt hast?“ Ich drehte mich mit dem Stuhl zu ihr um. „Keine Ahnung, Dad und Susan haben irgendein Geheimnis vor mir, sie wollten heute Morgen nicht mit mir darüber reden. Sie meinten, wenn sie zurückkommen, würden sie es mir sagen.“ Sie schien zu überlegen. „Vielleicht bekommst du ein Katzenbaby.“ Gequält schaute ich sie an. „Dad würde mir niemals ein Haustier erlauben, es sei denn es wäre ein Nacktmull oder so.“ ich erinnerte mich noch ganz genau als ich klein war an die vielen Diskussionen und Heulereien, die ich mit Dad hatte. Angefleht hatte ich ihn, mir einen kleinen Hundewelpen zu kaufen. Doch er ließ sich nicht erweichen. Heute verstand ich es, es würde es mir nur schwerer machen zu atmen, wenn Hundehaare rumfliegen würden. Trotzdem wünschte ich mir eine kleine treue Seele an meiner Seite. Ich war so oft einsam…
„Ach Mist, es ist schon nach sieben! Ich muss los, meinen Bruder vom Fußball abholen. Sie verdrehte die Augen theatralisch. Hektisch umarmte sie mich und gab mir einen dicken Kuss auf die Wange. Ich begleitete sie noch bis zur Tür.

Kurz bevor sie die Tür verließ, drehte sie sich nochmal zu mir um. „Wehe du rufst mich heute Abend nicht an und erzählst mir was das für eine Neuigkeit ist.“  Ich ließ mich gegen die Haustür lehnen und rieb mir über das Gesicht. Mich überkam wieder eine plötzliche Müdigkeit. „Natürlich.“ Mit einem selbstzufriedenen Grinsen sprintete sie zu ihrem Auto rüber, was auf der anderen Seite der Straße stand. Zum Abschied warf sie mir ein romantisches Küsschen zu. Ich tat so als ob ich es auffangen würde und spielte eine Ohnmachtspose nach. Dann schüttelte ich den Kopf über uns beide. Wenn uns einer sah! Egal, es brachte mich zum Lachen und mit einem breiten Grinsen schloss ich die Tür.
Keine zwanzig Minuten später hörte ich die Türklingel erneut.
Wer klingelte denn da? Dad hatte doch einen Schlüssel? Mit großer Mühe schälte ich mich aus meinem Bett und ging nach unten. Mit einem Schwung öffnete ich die Tür und ich erstarrte. Bevor ich auch nur ansatzweise etwas sagen konnte unterbrach mich der Android.

„Guten Tag, Elsie. Ich bin RK800 aber du kannst mich auch Connor nennen. Freut mich dich kennen zu lernen.“
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