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Tatsächlich...Android

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
18.06.2018
13.06.2020
50
203.756
39
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18.06.2018 1.655
 
Dad und ich verbrachten den ganzen Tag im Wohnzimmer auf der Couch und schauten uns einen Film nach dem anderen an. Jeder von uns suchte sich eine DVD aus und abwechselnd spielte der Player Kitsch und Actionfilme. Mit Popcorn, jede Menge Decken und Kissen machten wir es uns richtig gemütlich. Und ich konnte mich wieder wie ein ganz normales Mädchen fühlen, das einfach mit ihrem Dad einen gemütlichen Tag machte, naja jedenfalls bis mein Wecker klingelte und die Zeit für meine Tabletteneinnahme verkündete.

Wie eine sechs Jährige wurde ich um 22 Uhr ins Bett geschickt. „So, morgen hast du wieder Unterricht, ab ins Bett mit dir große.“ Mit einer hochgezogenen Augenbraue sah ich ihn von der Seite an. „Du weißt schon das ich, wenn ich oben bin nicht schlafe oder?“ Ich würde ganz sicher noch nicht schlafen, ich würde mir noch mindestens 3 Folgen Supernatural ansehen. „Ich weiß, du bist schon so gut wie erwachsen. Aber morgen kann mir niemand vorwerfen, dass ich dich nicht frühzeitig ins Bett geschickt hätte.“  Dann ging er aus dem Wohnzimmer in Richtung Küche und zwinkerte mir noch einmal zu, bevor er verschwand. Mrs.Wetcher hasste es wenn ich während ihrer Unterrichtsstunde gähnte. Sie war allgemein immer sehr streng, weil sie der Meinung war, wenn sie nett zu mir wäre, würde ich ja bevorzugt werden. Keinen blassen Schimmer was sie veranlagte so zu denken aber immerhin, war sie eine gute Lehrerin. Nachdem ich meinen Dad ein Gute Nacht Kuss gegeben hatte, machte ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer. Die Treppe hoch angekommen, wurde mir etwas schwindelig und ich beeilte mich ins Bett zu kommen. Keine zwanzig Minuten später befiel mich die Müdigkeit und ich fiel erschöpft in einen unruhigen Schlaf.

Drei Stunden später schreckte ich verschwitzt hoch und fasste mir an den Brustkorb. Mein Herz raste und meine Brust fühlte sich an, als ob Steine sie beschweren würden. Mit schnappartigen Luftzügen versuchte ich mich aufzusetzen. Ich war es gewohnt jede Nacht aufzuwachen, aber an manchen Nächten war es ganz schrecklich. Dann wachte ich mit dem Gefühl auf zu ersticken und alles was ich dann noch konnte war nach Luft zu hecheln. Deswegen hatte mein Dad ein Babyfon auf  seinen und meinen Nachttisch aufgestellt. Dann kam er reingerannt und begleitete mich nach draußen in unseren Garten, damit ich besser Luft bekam. Das passierte zum Glück in letzter Zeit kaum noch. Ich versuchte so leise wie möglich meine Lungen zu beruhigen, um ihn nicht zu wecken. Nachdem meine Atmung sich etwas stabilisiert hatte, schlich ich nach unten, um mir ein Glas Wasser zu holen. Nicht selten verbrachte ich dann die halbe Nacht auf Wanderschaft im Haus. Mit Herzrasen und Atemnot, ließ es sich nämlich wieder schwer einschlafen. Irgendwann muss ich dann doch wieder eingeschlafen sein, denn ich wurde am frühen Morgen geweckt. Hatte mein Wecker überhaupt geklingelt? Dieses dumme Ding war zu nichts zu gebrauchen und klingelte nur dann wenn es wollte. „Elsie Liebes, du musst aufstehen, es ist schon halb acht. Mrs.Wetcher kommt gleich und du musst dich noch fertig machen. Nicht auszudenken, was sie wieder für ein Theater macht, wenn sie dich wieder in Schlafanzug und mit verstrubbelten Haaren sieht!“ Ich schnappte mir das Kissen neben mir und presste es über meinen Kopf, dabei ließ ich einen frustrierten lauten Seufzer aus, der schon fast hysterisch klang. „Na na, wer wird denn da schlechte Laune haben? Der Tag hat gerade erst angefangen. Und schau dir nur den klaren Himmel an.“ Wenn ich mehr Schlaf hätte, hätte ich sicherlich viel bessere Laune. Ich fühlte mich wie erschlagen und meine Augen wollten sich erst gar nicht öffnen. Nachdem Susan das Zimmer mit Licht geflutet hatte, nahm sie mir das Kissen weg. „Hey!“
„Los steh auf, sonst bekommst du es mit Mrs.Wetcher zu tun und die wird ganz sicher nicht so nett sein wie ich!“ Das stimmte wohl. Früher oder später musste ich ja eh aufstehen. Mir wäre aber trotzdem später lieber gewesen. Vorsichtig setzte ich mich auf, um nicht direkt wieder einen schummrigen Kopf zu bekommen. „Wie geht’s dir denn heute?“ Ich blickte zu Susan rüber, die mittlerweile am Türrahmen stand und beide Arme in die Hüfte gestemmt hatte. „Ganz okay, geh nur zur Arbeit Susan, ich komme schon klar.“ Mit einem analysierenden Blick musterte sie mich, bis sie nickte. „Okay, dann mach ich mich mal auf den Weg, denk dran wenn was ist, ruf jederzeit an.“ Mit wedelnden Händen zeigte ich ihr, dass sie gehen sollte und sich keine Sorgen um mich machen brauchte. Dann verschwand sie aus meinem Sichtfeld, um kurz darauf ihren Kopf  wieder ins Zimmer zu stecken. „Ach ja, unten steht Essen für dich, beeil dich sonst wird es kalt.“ Mit einem letzten ermahnenden aber zugleich mütterlichen Blick nickte sie mir zu und verschwand.

Erst als ich die Haustüre hörte, machte ich mich fertig und ging nach unten. Da ich überhaupt keinen Hunger hatte, ließ ich das Marmeladentoast achtlos liegen. Mit einem Tee bewaffnet, machte ich mich ins Wohnzimmer auf  und bereitete den Tisch für den Unterricht vor. Als ich Mrs.Wetchers Auto in der Auffahrt hörte, überprüfte ich noch schnell meine Haare und entschied mich doch noch meine blonden Haare zu einem Zopf zu binden. Mit den Fingern strich ich unter meinen Augen. Leider hatte ich nichts, womit ich meine Augenringe hätte kaschieren können. Schminke besaß ich kaum, wozu auch? Ich ging nicht oft nach draußen und noch seltener unter Leute. Der Unterricht zog sich wie Kaugummi und ich war froh als ich wieder alleine war. Danach brauchte ich immer eine lange Pause, weil ich mich so schrecklich erschöpft fühlte, trotzdem nahm ich mir vor später am Nachmittag spazieren zu gehen.

Als ich zurück vom Spazieren kam, wartete Susan im Haus schon auf mich und ein köstlicher Duft von Braten und Kartoffeln stieg mir in die Nase. Ich begrüßte sie mit einem Kuss auf die Wange und setzte mich an den Tisch. Doch der Appetit verging mir wieder, als ich wieder daran dachte dass Susan in ein paar Tagen wegziehen würde. „Dad hat mir erzählt das du bald wegziehst.“ Sie war gerade dabei mir Soße auf die Kartoffeln zu gießen, als sie innehielt und schuldbewusst zu mir herüber blickte. „Ich weiß, ich hätte dir selbst davon erzählen sollen, aber ich konnte nicht. Ich hatte zu große Angst dir in die Augen zu blicken und deine Enttäuschung zu sehen.“ Ich runzelte die Stirn. „Warum sollte ich denn enttäuscht sein, ich weiß doch wie glücklich du mit Robert bist. Und ich weiß auch, dass er weit von hier wohnt. Früher oder später wärst du mit ihm zusammengezogen. Ich.. hatte nur gehofft, er würde zu dir ziehen.“ Sie sah mir in die Augen und ihre Augen wurden wässrig. „Ach meine Elsie, ich wäre so gerne hier geblieben, das musst du mir glauben.“ Sie nahm meine Hände in ihre. „Aber mein kleines Haus ist viel zu klein für ihn und seine ganzen Tiere.“ Sie lachte. „Bei ihm ist genug Platz und ich habe eine tolle Stelle dort gefunden, wo ich mehr Geld verdienen kann.“ Ihre Augen fingen an zu glänzen und ich merkte wie glücklich sie doch darüber war und wie sehr sie sich freute. „Ich werde dich so sehr vermissen.“ Um ihr nicht noch mehr ein schlechtes Gewissen zu machen setzte ich direkt ein aber dahinter. „Aber ich freue mich so sehr für dich, jetzt beginnt ein neuer Abschnitt deines Lebens.“ Das Wasser war in ihren Augen zurückgekehrt und  Tränen liefen ihr nun über die Wangen. „Ich werde dich auch ganz schrecklich vermissen. Aber ich bin ja nicht aus der Welt. Ich werde schauen, dass ich euch mindestens einmal in der Woche besuchen komme. Und ich werde dich jeden Tag anrufen!“ Ich drückte ihre Hände. „Das will ich auch hoffen!“ Dann fielen wir uns gegenseitig in die Arme und weinten uns die Seele aus dem Leib. Susan war die Erste, die sich wieder fangen konnte. Sie strich uns beiden die Tränen aus dem Gesicht und dann lachten wir über unsere verquollenen Gesichter und ließen uns das nur noch lauwarme Essen schmecken.


Die nächsten Tage vergingen wie im Flug und mir graute der Tag, an dem ich Susan von der Auffahrt zu winken würde. Ich hasste Abschiede. Neben Dad war sie mir der zweitliebste Mensch auf der Welt und ich wollte gar nicht daran denken, wie es dann ohne sie werden würde. Wie sollte ich einen Alltag ohne sie schaffen? Ich schüttelte den Gedanken ab und stand von meinen Schreibtischstuhl auf. Gerade als ich die Treppen runtersteigen wollte, hörte ich ein Geflüster. Auf Zehnspitzen schlich ich die Treppen runter um zu lauschen. Ich linste vorsichtig am Treppengelände ins Wohnzimmer. Ich konnte Susan sehen, die sich angeregt mit meinen Vater unterhielt. Leider konnte ich nicht verstehen was sie sagten, also beschloss ich mich zu zeigen. Sofort stoppte die Unterhaltung und Dad räusperte sich. „Elsie! Ist alles in Ordnung? Kannst du wieder nicht schlafen?“ Ich schüttelte den Kopf. „Alles Gut, ich wollte mir nur etwas Zutrinken holen.“ Dad nickte nervös. Im Gegensatz zu Dad verhielt sich Susan ganz normal und schenkte mir ihr Sonnenschein Lächeln. Ich erwiderte es und huschte in die Küche. Wieder oben angekommen zerbrach ich mir den Kopf, worüber die beiden wohl geredet haben könnten. Es gab eigentlich nie Geheimnisse zwischen uns, deswegen wunderte es mich, dass sie flüsterten. Hoffentlich war alles in Ordnung und es kamen nicht noch mehr Probleme auf uns zu. Ich beschloss gleich morgen früh Susan zu fragen. Susan. Morgen war unser letzter Tag zusammen. Meine Müdigkeit ließ das Problem jedoch in die Ferne rücken. Sehnlichst wünschte ich mir diese Nacht durchzuschlafen, damit ich morgen fitter war und vielleicht noch etwas mit Susan unternehmen konnte. Weiter konnte ich nicht denken. Meine Augen fielen zu und es war so als ob meine Gebete erhört worden waren. Ich schlief die ganze Nacht durch und träumte von Dad und Susan, denen ich zuwinkte, während sie mit dem Auto davonfuhren.
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