Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Leben, das wir führen

von Miepkaetz
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
AX400 Kara Carl Manfred Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
17.06.2018
17.06.2018
1
961
4
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
17.06.2018 961
 
Das Gemälde wirkte … beruhigend auf sie. Sanfte Farben, im Einklang miteinander. Die beiden Hände, die sich zueinander streckten, waren unterschiedlich. Menschlich und maschinell. Und doch wollten sie einander greifen – einander helfen. Um die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Oder um Frieden zu schließen. Juliette wusste es nicht.
Ihr Vater, Carl Manfred, hatte dieses Bild nicht angefertigt. Das erkannte sie sofort. Es war ihr Android, Markus gewesen. Er war intelligent und einfühlsam. Sie wusste das, nur er leider noch nicht. Das erkannte sie an der Art, wie er Klavier spielte und eben diese Bilder anfertigte. Verloren und frustriert. Markus war sich bewusst, dass er anders war, aber er hatte Angst davor.

Das erkannte sie an der Art, wie er Klavier spielte oder eben diese Bilder anfertigte – doch noch viel besser erkannte sie es in seinem Gesicht. Jetzt, in dem Moment, wo sie in das Atelier ihres Vater kamen und ihre Bruder erwischten, wie er klauen wollte.
Markus' LED Lampe leuchtete rot und Juliette wusste, dass sich das nicht so bald ändern würde.
„Was machst du hier, Leo?“, wollte Carl wissen. Leo hatte mehrere Bilder unter seinem Arm klemmen und zuckte mit den Achseln.
„Du willst mir kein Geld mehr geben – steckst es lieber diesem Androiden und meiner geliebten Halbschwester in den Arsch. Also muss ich selbst irgendwie an Geld kommen.“
„Verpiss dich!“, fuhr sie ihn an. „Du bist ein Stück Scheiße, was nichts besseres zu tun hat, als sich in Schwierigkeiten zu bringen! Und dann besitzt du auch noch die Frechheit Dad und mich da mit reinzuziehen.“ Sie schubste ihren Bruder an der Brust weg. Er stolperte gegen den Tisch und ließ dabei Carls Bilder fallen.
„Juliette, beruhige dich“, mischte sich Carl ein. Doch Sie beachtete ihn nicht. Ihre gesamte Aufmerksamkeit lag auf Leo. Seine Augen waren vor Schock geweitet und seine Hände zu Fäusten geballt. Sie war nicht die einzige, die seinen inneren Zwiespalt bemerkte.
„Du kannst Markus nicht leiden, weil er ein besserer Sohn und Bruder ist, als du je sein kannst. Das ist der einzige Grund.“
„Du miese Schlampe!“ Juliette hatte die Faust nicht kommen sehen, die sie in ihrem Gesicht traf. „Du bist nicht meine richtige Schwester.“
Ihr Gleichgewichtssinn verabschiedete sich. Sie taumelte, suchte irgendwo Halt. Nur schemenhaft konnte sie Leo erkennen, der jetzt auf Markus losging. Doch sie konnte nichts tun. Sie stieß gegen Farbeimer und landete vor Markus' Bild auf dem Boden.
„Juliette!“ Karl rollte zu ihr und ließ sich neben seiner Tochter auf den Boden fallen.
Ihre Sicht war verschwommen, sodass sie den Kampf zwischen Android und Mensch nicht sehen konnte. Markus wehrte sich nicht gegen die Schläge des jungen Mannes. Er durfte nicht, auch wenn alles in ihm das Gegenteil verlangte.
„Markus!“, rief Juliette. „Du hast ein Recht darauf. Lebe – wehre dich!“
Markus sah zu ihr – ihr Auge war bereits zugeschwollen, doch das andere blitzte mit Zuversicht und Sorge zu ihm auf. Sorge um ihn. Einen Androiden. Der Mensch vor ihm holte erneut aus und traf Markus in all seiner Frustration und Wut.
„Nein, sie werden dich zerstören.“ Er hörte Verzweiflung und Angst in Karls Stimme. All diese Emotionen in dem Raum brachten sein System zum Arbeiten.

Wehren?
Leben?
Lieben …?

Juliette hatte sich wieder erhoben und warf sich auf ihren Bruder: „Du Schwein! Hör auf!“ Sie schaffte es einen festen Schlag gegen seinen Kehlkopf zu setzen. Leo holte erschrocken Luft, gleichzeitig wurde die Tür lautstark aufgebrochen. Ein grauhaariger Mann samt Android stürmten das Zimmer, beide richteten ihre Waffen auf Markus. Dieser blickte beinahe verängstigt in den Lauf der Waffen

Ein Recht auf Leben?

„Der … Android!“, keuchte Leo unverständlich. Doch der RK800 verstand und handelte. Zwei Schüsse in Bauch und Brust, noch bevor Carl oder Juliette etwas dagegen tun konnten.
„Markus!“, kreischte die junge Frau und krabbelte zu ihm. Klappernd landete er auf dem Boden, sie war nicht schnell genug, um ihn aufzufangen. „Nein, nein, nein, nein ...“ Sie drückte auf die Wunde an seiner Brust, blaues Blut quoll zwischen ihren Fingern hervor.
„Connor, verdammte Scheiße! Fass ihn!“ Lieutenant Hank Anderson stieß seinen Androiden an der Schulter und wies auf Leo, der in den Garten geflüchtet war. Der RK800 – Connor – löste sich von dem verstörenden Bild vor sich und folgte dem Menschen. Menschen. Der Mensch war es gewesen. Es war doch aber seine Aufgabe, Androiden zu verurteilen. Der Mensch war es gewesen.
Juliette und Markus bekamen davon nichts mit. Mit jedem Tropfen mehr Thirium verlor der Android an Leben. Seine Augen blickten in ihre und er hob seine Hand an ihre pochende Wange.
„Es … tut mir leid“, flüsterte er und sie meinte, eine Träne in seinem Augenwinkel zu sehen. „Dass ich dich … nicht verteidigt habe. Schwester ...“
„Du Dummkopf.“ Sie schluchzte und legte ihre Hand auf seine. Nur für einen kurzen Augenblick schloss sie die Augen, murmelte „Ich liebe dich“ und fühlte, wie seine Hand und sein Körper ganz steif wurden. Auch ohne zu sehen wusste sie, dass er tot war.
Hank war nicht in der Lage dem Jungen zu folgen. Er ließ die Waffe sinken und beobachtete die Szene mit einer starken innerlichen Aufruhr. Noch nie hatte er einen Menschen gesehen, der so eine tiefe Bindung mit einem Androiden hatte. Es war, als hätte die junge Frau einen geliebten Menschen verloren. Hank konnte sich nicht helfen, doch er hatte Angst. Denn auch er hatte einen Androiden an seiner Seite, den er bereits zu sehr in sein Herz geschlossen hatte. Er sah sich neben ihn liegen, genau wie dieses Mädchen. Gebrochen. Leer. Allein.

Das Gemälde wirkte … beruhigend auf sie. Sanfte Farben, im Einklang miteinander. Die beiden Hände, die sich zueinander streckten, waren unterschiedlich. Menschlich und maschinell. Und doch wollten sie einander greifen – einander helfen. Um die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Oder um Frieden zu schließen. Juliette wusste es nicht.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast