Rattenfänger

GeschichteDrama, Romanze / P18
Alea der Bescheidene Jean Méchant der Tambour OC (Own Character)
17.06.2018
24.01.2020
79
407810
20
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Hallöchen liebe Dudel-Freunde :)
Rattenfänger ist unsere erste Story auf dieser Seite, geschrieben wird sie zusammen mit SueC.
Die Charaktere haben natürlich nichts mit den Jungs im wahren Leben zu tun, besonders Jean haben wir auf einen etwas dunkleren Weg geschickt^^
Uns gehören nur unsere eigenen Charaktere wie Freya und Lizzy. Außerdem wird das Rating (in einiger Zukunft) auf P18 hochgesetzt.
Wir hoffen, es gefällt euch!
Viel Spaß beim Lesen,
Enna & Sue

                                                                                                ***

1. Kapitel

Seit dem römischen Reich hatte sich in Europa eine Vielzahl von verschiedenen Herrschaftsformen abgewechselt. Demokratien und Republiken waren wie Monarchien mühsam aufgebaut und unter viel Aufruhr wieder gestürzt worden, und am Ende waren die meisten Länder in alte Herrschaftssysteme zurückgefallen wie ein Bauer der sich auf dem Markt eine neue Erntetechnik vorführen lässt, schließlich aber doch auf seinen bewährten Pflug und Ochsen vertraut. Im 18. Jahrhundert aber machte sich eine neue Bewegung auf dem westlichen Kontinent breit, die sowohl dem traditionsversessenen Bauern als auch den Adligen ein nicht schwinden wollendes Kopfzerbrechen bescheren sollte. Die Aufklärung. In einigen Ländern wie Frankreich mochte die Reformation zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts weit fortgeschrittener sein als in anderen, dennoch ging der Wandel auch an einem kleinen Reich wie Neu Hohegeiß nicht ganz spurlos vorbei.

Neu Hohegeiß, ein noch sehr junger Staat der erst seit knapp dreißig Jahren seine Unabhängigkeit von Preußen erreicht hatte, war noch voll und ganz dem Absolutismus zugewandt. Die Königsfamilie regierte mit mächtiger Hand über das Volk und der einzige Grund weshalb das Volk sich noch nicht mit Stimmen der Aufklärung und Revolution gegen sie gewandt hatte war, dass der König ein angenehm gerechter und friedfertiger war. Seit über zwanzig Jahren hatte es keinen Krieg, nicht einmal eine Schlacht, gegeben und so lebte ein Großteil des Volkes in Wohlstand und Zufriedenheit. Doch auch ein bemühter Herrscher wie König Lothar konnte es nicht allen seinen Untertanen recht machen und bald würde auch er sich eingestehen müssen, dass das Geflüster im Land über Aufstände und Reformen zu mehr führen könnte als die üblichen Beschwerden.

Doch zu diesem Zeitpunkt waren Aufstände und Reformen des Königs geringstes Problem.

Es war später Oktober und das einzige was ihm nun bevorstand war der Umzug vom königlichen Palast in der Hauptstadt auf das Landgut, auf dem er und seine Familie den Winter verbringen würden. Noch verharrten er und seine Gemahlin im Palast, um die letzten Angelegenheiten zu regeln, seine beiden einzigen Töchter jedoch hatte er bereits vorgeschickt. Zusammen mit dem Großteil der Dienerschaft und angemessener Wache natürlich. Die Entscheidung, die königliche Familie getrennt reisen zu lassen, mochte auf die meisten seltsam wirken und in der Tat wurde sie in diesem Moment weit entfernt vom Palast in einer prunkvollen Kutsche, die gerade durch eine Allee aus orange und rot bestückten Pappeln ruckelte, heftig diskutiert.

„Ich bin ja immer noch felsenfest davon überzeugt, dass sie uns einfach los sein wollen, damit sie ihren eigenen Urlaub in den Bergen machen können. Ohne uns“, sagte Prinzessin Elizabeth gerade.

„Unsinn“ unterbrach Prinzessin Freya ihre Schwester und verschob eine Figur auf dem Schachbrett zwischen ihnen „sie kommen später, weil Vater Mutter noch ein Hochzeitsgeschenk schuldet und ihr deshalb heimlich einen Ball organisiert hat.“

„Vater würde doch nie einen Ball ohne uns organisieren.“

„Hm, stimmt, ein Ball ohne meine betörende Singstimme wäre doch ein Skandal.“

Die beiden kicherten und die Amme die ihnen gegenüber saß warf ihnen einen tadelnden Blick zu.

„Meine Lieben, ich muss doch sehr bitten Euch wie die Damen zu benehmen die Ihr seid und nicht wie zwei alberne junge Mädchen.“

Keine der Prinzessinnen sah von dem Schachspiel auf.

„Was war denn albern daran, Magda? Findest du nicht, dass meine Schwester eine betörende Singstimme hat?“

Die Amme sah Elizabeth schmallippig an. Man konnte ihr ansehen, dass sie genau wusste, in welche Richtung dieses Gespräch führen würde. Und doch geboten es ihr ihre eigenen Regeln dem offensichtlichen Pfad ins Fettnäpfchen zu folgen.

„Durchaus. Was mir missfällt ist die Art wie Eure Schwester Graf Theodors Kompliment wiedergab. Sie sollte sich geehrt fühlen, dass ein so schmucker Herr ihr-“

„Schmucker Herr“, schnaubte Freya. „Alt, hölzern und langweilig wären eher Attribute, mit denen ich ihn beschreiben würde.“

„Du hast kahl vergessen“, fügte Elizabeth hinzu und ihre Schwester blickte grinsend von dem Spiel auf.

„Natürlich, wie konnte ich das nur vergessen?“

„Schwierig sich an etwas zu erinnern das nicht da ist…“

„Ich muss doch sehr…“

„…bitten!“, riefen die Schwestern im Chor, bevor sie in lautes Gelächter ausbrachen und die Amme feuerrot anlief.

Die roten Wangen und die zornigen Augen waren nach all den Jahren zu ihrem Markenzeichen geworden. Über zwanzig Jahre hatte sie die beiden Prinzessinnen nun schon aufwachsen sehen und sie konnte ohne Zweifel sagen, dass sie jedes einzelne ihrer grauen Haare dieser Aufgabe verschuldete.

Freya und Elizabeth waren Zwillinge, am selben Tag geboren und nur wenige Stunden auseinander. Freya war die ältere, doch abgesehen von einigen wichtigen Aufgaben, die die Erbfolge mit sich brachte, merkte man keinen Unterschied in der Benimmweise der beiden. Sie waren einander so nahe wie zwei Schwestern sich nur sein konnten und hatten der armen Amme schon so einige schlaflose Nächte bereitet. Nur wenn sie bei Hofe oder in Gegenwart ihrer Eltern waren fiel ihnen mit einem Mal ein, sich wie Prinzessinnen zu benehmen und behandelten die Amme mit einer Freundlichkeit die sie oft noch mehr zur Weißglut brachte, als wenn sie sich daneben benahmen.

Für das ungeübte Auge mochten die Zwillinge gleich aussehen, beide waren blond, blauäugig und von gleicher Statur, doch wer genauer hinsah, dem fiel auf, dass Prinzessin Freya einen helleren Teint und ein helleres Blond hatte als ihre Schwester.

„Aber einmal im Ernst“ sagte Freya schließlich „warum der ganze Aufwand, zwei Reisen zu organisieren? Warum reisen wir nicht alle gemeinsam, wie immer?“

„Zu Eurer eigenen Sicherheit. Diesen Sommer wurden mehr Berichte über Unruhen und Drohungen gegen den König vorgetragen als in den letzten beiden Jahren zusammen.“ Die Amme wirkte zufrieden, da sie nun endlich einmal die volle Aufmerksamkeit ihrer beiden Schützlinge hatte. „Die königlichen Berater hielten es für weiser die Familie auf zwei Reisedelegationen aufzuteilen und so das Risiko eines Anschlags zu verringern.“

„Wir wurden also vorgeschickt, um zu testen wie sicher der Weg ist?“, fragte Elizabeth ungläubig.

„Selbstverständlich nicht! Aber so bleibt das Königshaus eher besteh-“

„In anderen Worten“ unterbrach Elizabeth sie trocken „wenn wir auf dem Weg ermordet werden, können Vater und Mutter immer noch einen Erben nachzüchten.“

„Mylady!“, rief die Amme empört, während ihre Schwester sich eine Hand vor den Mund halten musste, um nicht laut los zu prusten. „Es dient doch lediglich zu Eurem eigenen Schutz!“

Draußen warfen sich die Wachen amüsierte Blicke zu, als abwechselnd Gelächter und Gezeter aus der Kutsche drang.

Der Weg von der Hauptstadt zu dem Landsitz war lang und beschwerlich und die Amme fiel bald in einen lange überfälligen Schlaf, sodass sie nicht mitbekam, wie sie am frühen Morgen des nächsten Tags auf den Hof vorfuhren. Die beiden Prinzessinnen hingegen waren putzmunter und sprangen aus der Kutsche, kaum dass sie Halt machte.

„Es ist viel kleiner, als ich in Erinnerung hatte.“

„Unsinn, es ist nicht um einen Zentimeter geschrumpft. Wann sie wohl Frühstück auftragen können? Ich verhungere.“

Elizabeth verdrehte die Augen und zog ihre Schwester am Arm zurück zu der Delegation an Wagen, Pferden und Dienern die hinter ihnen den gepflasterten Hof fluteten.

„Lass uns erst nach den Pferden sehen, dann besorgen wir uns etwas zu essen.“

Freya stöhnte gespielt auf, ließ sich aber widerstandslos vom Eingang fortführen.  Als Töchter eines Königshauses, dem eine ganze Pferdezucht gehörte, hätten sie Anspruch auf so viele Pferde gehabt wie sie nur wollten, zum ausreiten, springen und jagen. Doch entgegen aller allgemeinen Vorurteile gegenüber ihres exzessiven Lebensstils waren beide überglücklich jede nur eines zu besitzen.

Sie fanden Lady und Jasper allein vor den Ställen angebunden, während zwei Knechte drinnen wohl versuchten herauszufinden, welche der vielen Boxen für die beiden gedacht waren. Elizabeth besah sich die Hufe ihrer Stute. Eine umständliche Angelegenheit, wenn man außerdem darauf achten musste, sein Kleid nicht zu beschmutzen.

„Ich wusste, ich hätte sie schon in der Stadt neu beschlagen lassen sollen“, murmelte sie und fuhr mit dem Daumen testend über das Eisen.

„Sag Anton doch einfach, dass er dem Schmied Bescheid geben soll. Dann kann er sich Jasper gleich auch nochmal anschauen.“

Elizabeth richtete sich wieder auf und rieb sich ächzend die Seite, wo ihr die Schnürung ihres Kleids in die Hüfte geschnitten hatte. „Haben wir nicht einen neuen Schmied?“

„Kann sein.“

„Dann mach ich das später selber. Ich will dabei sein, wenn er ihnen neue Eisen anlegt.“

„Wie du meinst, können wir jetzt zurück? So lieb ich Jasper auch habe, ich sterbe vor Hunger!“

Freya spähte schon sehnsüchtig zurück zum Haus, wo nun reges Treiben herrschte. Diener, Zofen, Knechte und Mägde schafften hunderte von Kisten und Körben ins Innere des Hauses und sie konnten bereits Rauch aus einem der dicken Kaminschlote steigen sehen. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass man die Küche als erstes herrichtete. Elizabeth drückte Lady einen letzten Kuss auf die Stirn, dann hakte sie sich bei ihrer Schwester unter und sie eilten ins Haus. Das Herrenhaus war riesig. Es bot genügend Platz für die Königsfamilie und ihre Gäste. Darunter einige ausgewählte Vertreter des königlichen Rates, über ein Dutzend Hofdamen und deren Zofen. Außerdem standen gleich mehrere Zimmer für hochrangige Gäste bereit, die über den Winter und besonders zum Winterball zu Besuch kommen würden. Ein angrenzendes Gebäude bot der Dienerschaft und den restlichen Arbeitern auf dem Gut Unterkunft.

Das Hauptgebäude war zu allen Seiten von mehreren Hektar Parkanlage und Wald umgeben, in denen man lange Spaziergänge führen und ausreiten, ja sogar jagen konnte. Letzterer Zeitvertreib wurde aber hauptsächlich vom König allein betrieben. Die beiden Prinzessinnen hätten keiner Fliege etwas zu leide tun können und es war ihnen als weibliche Teilnehmer der Jagd ohnehin nur erlaubt als Begleitung und nicht als Jäger mitzureiten. Dennoch schmückten mittlerweile so einige Hirschgeweihe und ausgestopfte Wildschweinköpfe die Flure und Säle des Guts.

Freya und Elizabeth würdigten die Jagdtrophäen an diesem Morgen allerdings nicht eines Blickes. Ihr Weg führte sie direkt in die Küche, die im östlichen Flügel des Erdgeschosses lag und wo das Personal bereits wie ein Schwarm aufgeregter Bienen umherschwirrte.

„Ah, ich hatte mich schon gefragt, wo meine beiden Mädchen wohl bleiben!“, dröhnte eine fröhliche Stimme, kaum dass sie eingetreten waren.

Der Koch, ein dicklicher alter Mann, der sein langes graues Haar in einem Zopf zurückgebunden hatte und auf den Namen Falk hörte, wandte sich ihnen mit einem breiten Lächeln zu und streckte die Arme zu beiden Seiten aus, als wolle er sie umarmen. Angesichts der beiden mehligen Hefezöpfe in seinen Händen beließen es die Schwestern aber lieber bei einem herzlichen Lächeln und Winken und setzten sich an den großen Eichentisch in der Mitte der Küche.

„Frühstück?“, fragte Freya begierig und erntete dafür einen Rippenstoß von ihrer Schwester.

Doch Falk lachte nur.

„Aber sicher doch. Nur noch ein wenig Geduld. Meine Helfer sind ja wieder einmal zu nichts zu gebrauchen.“

Er warf erst einen finsteren Blick zu seinen schnarchenden neuen Hilfsköchen am unteren Ende des Tisches und dann, weil er in der Küche das Sagen hatte, warf er schließlich auch noch einen Hefezopf hinterher. Elsi, der ältere der beiden, schreckte mit einem erstickten Laut aus dem Schlummer auf, als der Teigklumpen auf seinem Gesicht landete und beeilte sich ungeschickt auf die Füße zu kommen.

„Was? Frühstück?“

„Ja, Frühstück! Sieh zu, dass du in die Gänge kommst und den Ofen auf die richtige Temperatur bekommst! Und weck deinen nichtsnutzigen Cousin! Er soll nach der Kühlkammer sehen!“

Elsi starrte erst den Koch, dann die beiden Prinzessinnen finster an, bevor er unter viel Murren zu seinem schlafenden Cousin schlurfte und ihm einen Finger in die Seite stieß. Till gab nur ein unzufriedenes Schnaufen von sich und drehte sich auf seinem Stuhl um.

„Zu nichts zu gebrauchen“, seufzte Falk wieder und wandte sich dem Herd zu. Er legte den zweiten Hefezopf beiseite und zog eine Schachtel mit frischen Eiern heran. „Ein einfaches deftiges Frühstück nach der langen Reise ist doch immer noch das Beste.“

„Hauptsache warm und viel“, stimmte Freya zu.

Während Falk die Mahlzeit zubereitete und ihnen dabei genau erklärte, was er tat, beobachteten die beiden Prinzessinnen mit mildem Interesse, wie Elsi versuchte seinen Cousin Till zu wecken. Keiner der drei Männer schien sich im Geringsten daran zu stören, dass gerade zwei Prinzessinnen in ihrer Küche saßen. Und genau das war es, was die beiden in den vielen Wintern die sie schon auf diesem Gut verbracht hatten immer wieder in die Küche gezogen hatte.

Falk war wie ein Onkel den sie nur zu den Festtagen sahen und der sie daher nur umso überschwänglicher umsorgte. Manches Mal war er ihnen fast mehr ein Vater gewesen als ihr eigener. Im Palast in der Hauptstadt war es schwieriger sich in die Küche zu schleichen und ihn zu besuchen. Ihre Mutter hatte es ihnen ausdrücklich verboten, mit der Begründung, dass sie den Köchen dort nur im Weg rumsaßen. Doch hier auf dem Gut war die Küche überschaulich und die Hälfte des Personals war noch nicht eingetroffen.

So verbrachten sie den halben Morgen gemütlich in der Küche sitzend, unterhielten sich mit dem Koch und amüsierten sich darüber, wie er seine beiden Gehilfen durch die Gegend scheuchte.

Sie hätten vermutlich den ganzen Tag in der warmen Küche Falks Geschichten und Rezeptanweisungen gelauscht, wäre am späten Vormittag nicht die aufgebrachte Stimme ihrer Amme durch die Tür hereingeweht worden.

„Hat jemanden die Prinzessinnen gesehen?“

„Oh, verdammt“, fluchten die beiden wie aus einem Munde, was ihnen einen tadelnden Blick des Kochs einbrachte, doch da waren sie schon aufgesprungen und machten, dass sie davon kamen.

Bis zur Ankunft des Königs und seiner Frau Gemahlin in zwei Tagen hatten die beiden kaum Pflichten zu erfüllen, doch die Amme schien nie ohne Ideen zu sein, wenn es dazu kam ihnen weitere Unterrichtsstunden aufzudrücken oder sie zum Sticken zu verdonnern. Dass die Prinzessinnen schon lange keine Kinder mehr waren, schien sie dabei nicht im Geringsten zu stören.

„Wohin jetzt?“, fragte Freya, als sie durch die vielen Flure und Korridore des Guts schlenderten, hier und da stehen blieben, um in ein Zimmer hineinzuspähen wo reges Treiben herrschte oder sich ein verstaubtes Gemälde besahen, von dem sie seit vergangenem Winter vergessen hatten, dass es existierte.

„Lass uns wieder nach draußen an die frische Luft gehen, vielleicht hat der Schmied schon die Feuerstelle an. Dann können wir die Pferde neu beschlagen lassen. Hier wird so viel Staub aufgewirbelt, dass sie uns am Ende des Tages mit einer alten Ritterrüstung verwechseln können.“

Der Hof hatte sich beträchtlich geleert, als sie wieder nach draußen traten. Die meisten Wagen waren schon fortgeschafft worden und die Dienerschaft war nun im Haus zugange.

Die Stallungen mit den normalen Reit- und Zugpferden lagen direkt neben den Unterkünften der Diener hinter dem Hauptgebäude, doch für die Schmiede mussten sie ein gutes Stück durch den Park reiten, um zur Pferdezucht zu gelangen, wo mehrere Weiden verstreut um einen langen Stall, eine kleine Reithalle und die Schmiede lagen.

Elizabeth war glücklich nach den vielen Stunden in der Kutsche wieder auf Lady zu reiten. Sie konnte es kaum erwarten, endlich wieder im Wald ausreiten zu gehen, ohne dabei vom halben Hofstaat begleitet zu werden.

Die Schmiede war ein Haus mit einer geschlossenen Arbeitsstube, in der der Schmied wohnte, und einem Anbau draußen. Eine breite Tür, durch die eine Kutsche gepasst hätte, stand offen und gab den Blick auf eine brennende Feuerstelle, einen Amboss und allerlei anderer säuberlich aufgehängter Werkzeuge frei. Als die Hufschläge ihrer Pferde auf dem Pflaster vor der Schmiede verklangen, öffnete sich eine Tür die den Anbau mit dem Haus verband, und ein Mann trat heraus. Bei ihrem Anblick blieb er stehen und für einen Moment sah er nur zwischen den beiden Prinzessinnen hin und her, scheinbar unschlüssig, was sie von ihm wollten. Schließlich wischte er sich in aller Seelenruhe die Hände an einem Stück Stoff ab, faltete es ordentlich und hängte es über einen Haken. Erst dann trat er zu ihnen nach draußen. Er war nicht sonderlich groß, aber dafür breitschultrig und kräftig. Sein Haar war kurz und dunkel, fast schon schwarz, und es ging an den Schläfen und in seinem Bart bereits in Silber über. Anstatt sich ihnen vorzustellen oder sich zumindest zu verbeugen, wie es sich eigentlich für neue Angestellte gehörte, betrachtete er sie lediglich mit einem leichten Stirnrunzeln und sagte nichts.

„Guten Morgen“, brach Elizabeth schließlich die währende Stille und seine ernsten Augen richteten sich wieder auf sie.

„Guten Morgen, Mylady. Mylady“, wandte er sich dann an Freya und nickte auch ihr zu.

Elizabeth neigte sachte den Kopf, während sie ihn musterte.

„Wir wollten unsere Pferde neu beschlagen lassen“, sagte Freya, als Elizabeth nichts weiter hinzufügte „du bist der neue Schmied, richtig?“

Er nickte.

„Perfekt. Ist es jetzt recht?“

Der Schmied verschränkte die Arme vor der Brust. „Nur diese beiden?“

„Ja.“ Freya war bereits aus ihrem Sattel gesprungen und führte Jasper zum Pflock vor der Schmiede, wo sie ihn anband. Elizabeth glitt nun ebenfalls aus ihrem Sattel, ging aber direkt auf den Schmied zu.

„Ich bin Prinzessin Elizabeth“ stellte sie sich vor und deutete dann zu Freya „das ist meine Schwester, Prinzessin Freya. Und dein Name ist…?“

„Jean.“ Er nickte zu den Pferden. „Es sollte nur eine Stunde dauern, ich werde einen Stallburschen schicken, sobald ich-“

„Das wird nicht nötig sein“, unterbrach ihn Elizabeth. „Ich werde bleiben und zusehen und helfen, wenn notwendig.“

Der Schmied hob eine Braue, sagte aber nichts. Er nahm Ladys Zügel in die Hand und band sie einen Pflock weiter von Jasper an. Dann verschwand er wortlos wieder in seiner Schmiede, um das Werkzeug zu holen.

„Na, sonderlich gesprächig ist er ja nicht“, flüsterte Freya.

Die nächste Stunde sahen sie zu, wie der Schmied mit geübten Handgriffen Lady und Jasper erst die alten Hufeisen entfernte, Maße nahm und ihnen dann neue aufschlug. Weder Freya noch Elizabeth fanden etwas auszusetzen an der Kompetenz des neuen Schmieds und so setzten sie sich bald einfach auf die Bank vor der Schmiede, lehnten sich zurück und genossen die Sonne.


Vier Tage lang herrschte vom frühen Morgen bis spät in die Nacht nur aufgeregtes Treiben und Gewusel auf dem königlichen Landsitz, um die Ankunft des Königpaars vorzubereiten. Den Prinzessinnen fielen dabei allerlei organisatorische Pflichten zu und um dafür zu sorgen, dass die beiden ihren Aufgaben nachkamen, folgte die Amme ihnen in dieser Zeit auf Schritt und Tritt.

Doch die Prinzessinnen wären wohl kaum die Prinzessinnen gewesen die Magda schon mit acht das letzte Haar grau gefärbt hatten, wenn sie es nicht geschafft hätten, sich an jedem einzelnen Tag für einige Stunden davonzuschleichen.

So befanden sie sich also auch am Tag bevor ihre Eltern eintrafen auf einem Ausritt anstatt die Vorbereitungen im Großen Saal zu überwachen. Ihre beiden Leibwächter waren zwar alles andere als begeistert gewesen von der Aussicht, sich bei ihrer Rückkehr dem Zorn der Amme stellen zu müssen, doch sie waren immer noch den beiden Prinzessinnen unterstellt und so blieb ihnen gar keine andere Wahl, als die Zwillinge zu begleiten. Ihr Ausflug führte sie fort vom Anwesen, durch Wälder und sanfte Hügellandschaften auf denen Bauern die Ernte einfuhren und in ihrer Arbeit innehielten, um ihnen neugierig hinterherzusehen.

„Ob sie uns wiedererkennen?“, fragte sich Freya, als sie über einen breiten Weg ritten, der zwischen großen Salat- und Kartoffelfeldern hindurch führte.

„Wer?“

„Die Menschen hier.“ Freya deutete auf die Bauern. „Ich meine, letztes Jahr waren wir kaum mehr als ein paar Wochen hier. Ob sie sich daran erinnern, wie wir aussehen?“

„Gewiss“, meinte Elizabeth. „Wir sind so weit weg von der Hauptstadt, ich bezweifle, dass sie viele Adelige zu Gesicht bekommen. Und wie viele adelige Zwillinge in unserem Alter gibt es schon im Königreich?“ Sie sah ihre Schwester von der Seite an. „Was geht dir durch den Kopf?“

Freya rutschte unruhig in ihrem Sattel umher. „Ich muss nur immer wieder daran denken, was Meister Torus uns beim Abschied gesagt hat. Darüber, dass sich ein Umschwung ankündigt. Dass die Dinge sich bald sehr wahrscheinlich ändern werden. Für uns alle. Und dann hat Magda von Aufruhren gesprochen.“

„Worauf willst du hinaus?“

„Sieh sie dir doch an, Lizzy. An wie vielen Feldern sind wir heute vorbeigeritten und wie viele von den Bauern haben mit uns gesprochen? Wie viele Kinder sind angelaufen gekommen und haben nach etwas Geld oder etwas Süßem gefragt?“

„Es ist Erntezeit. Sie haben wichtigeres zu tun, als zwei eingebildeten Prinzessinnen nachzulaufen und nach Rosenwasser zu fragen.“, grinste Elizabeth. Doch als ihre Schwester nur weiter vor sich hinbrütete, seufzte sie. „Was noch?“

„Hm?“

„Na los doch, da ist doch noch mehr. Als wenn es dich je interessiert hätte, ob einer unserer Untertanen uns ignoriert. Und seit wann glaubst du auch nur ein Wort von dem, was Magda über die Welt erzählt? Also…? Worum geht es hier wirklich?“

Freya warf ihrer Schwester einen kurzen Seitenblick zu, dann zuckte sie mit den Schultern. „Erinnerst du dich an den Schmied?“

„Den neuen?“

„Ja. Wie hieß er doch gleich…?“

„Jean.“

„Jean, richtig.“

„Was ist mit ihm?“

„Fandst du es nicht etwas…sonderbar, wie gleichgültig er sich uns gegenüber verhalten hat?“

Elizabeth hob die Augenbrauen. „Gleichgültig? Seit wann erwarten wir von jedem bei unserem Anblick in Ohnmacht zu fallen?“

„Das doch nicht…ich fand nur, dass er recht…unbeeindruckt wirkte. Sehr ruhig. Fast zu ruhig. Als…wäre er überhaupt nicht nervös in unserer Gegenwart.“

„Du meinst, weil er im Gegensatz zu den meisten unserer Bediensteten Blickkontakt mit uns halten kann?“

„Also ist es dir auch aufgefallen?“

Elizabeth zuckte mit den Achseln. „Schon. Aber genau das mochte ich an ihm.“

Nun war es Freya, die ihre Schwester mit hochgezogenen Brauen ansah. „Was soll das denn heißen?“

„Nichts natürlich. Er ist ein guter Schmied, der etwas von seiner Arbeit versteht. Und er war freundlich. Ich bin zufrieden mit ihm, das ist alles.“

Freya sah sie schmunzelnd von der Seite an. „Ja, natürlich.“

Elizabeth schüttelte den Kopf. „Was genau wolltest du doch gleich damit sagen?“

„Vermutlich ist es nichts. Ich habe nur das Gefühl, dass da vielleicht etwas dran sein könnte…an Meister Torus‘ Worten.“

Elizabeth zuckte mit den Achseln und sah zu den Bauern hinüber, die sich in einiger Entfernung auf dem Feld tatsächlich wieder ihrer Arbeit zugewandt hatten, als wären die beiden Prinzessinnen keine Sehenswürdigkeit die es weiter zu begaffen wert war.

„Vielleicht…vielleicht auch nicht. Wer weiß. Ich werde mich jedenfalls nicht über ein bisschen weniger Aufmerksamkeit beklagen.“

„Ich beklage mich doch nicht.“

„Nicht? Dann genießt du also all die Aufmerksamkeit, wenn du vorsingst gar nicht?“

„Das ist etwas anderes. Ich will für meine Stimme bewundert werden, nicht für die Tatsache, dass ich eine Prinzessin bin.“

„Vielleicht solltest du einfach jetzt anfangen zu singen. Dann kommen sie alle bestimmt sofort angelaufen, um dich zu bewundern und jedes Risiko um einen Aufstand ist im Keim erstickt“, neckte Elizabeth sie.

Freya warf ihr einen finsteren Blick zu. „Siehst du. Genau deshalb bin ich die Thronerbin. Singen, um das Volk zu besänftigen…da könnten wir auch gleich Schokolade und Kuchen verteilen.“

Elizabeth sah sie unschuldig an. „Was wäre denn so falsch an Schokolade und Kuchen?“

Freya sah sie lange an, dann holte sie tief Luft. Und so war es bereits später Nachmittag, als sie sich schließlich wieder auf den Rückweg machten. In ihre Diskussion über Politik vertieft überließen sie es ihren Pferden den Weg zurück zum königlichen Landsitz zu finden. Sie ritten gerade durch eine Allee von Eichen die sie zurück zum Wald führen würde, als Elizabeth Freyas währenden Monolog der letzten zehn Minuten unterbrach und nach vorne deutete, wo ein einzelner Wagen auf der Straße in Richtung des Landguts ruckelte.

„Sieh mal, ob die zu uns wollen?“

Freya reckte sich auf ihrem Pferd.

„Es gibt nur eine Methode, das herauszufinden.“

Sie fielen in einen leichten Trab und schlossen zu dem Gefährt auf. Es war ein alter Wagen der mit einer Plane bespannt war und so klapprig aussah, als würde er beim nächsten Schlagloch in all seine Einzelteile zerfallen. Das vorgespannte Zugpferd wirkte nicht viel kräftiger. Zwar schien es gut genährt, aber ging es so langsam, als hätte es den Leiterwagen in seinem Leben schon mehrere Dutzend Male um die Welt und wieder zurückgezogen. Ein riesiger Mann mit langem ergrauendem Haar führte es am Strick mit sich. Doch die Blicke der Prinzessinnen wurden fast augenblicklich von seinem Begleiter angezogen, der auf der anderen Seite des Wagens ging und sich als erster zu ihnen umwandte, als er das Geräusch ihrer Pferde hinter sich vernahm. Er trug einen Ziegenbart zur Schau, hatte sich den braunen Haarschopf an den Seiten kurz geschoren und nur in der Mitte seines Kopfes einen Kamm gelassen, der ihm zu einer Seite hin und nach vorne in die Stirn fiel. Die Spitzen waren rot eingefärbt. Seine rechte Augenbraue wurde von einer feinen Narbe in zweigeteilt und er trug eine ärmellose Weste, die Sicht auf zwei muskulöse Arme gab. Er sah furchteinflößend aus. Doch nur auf den ersten Eindruck. Denn als sein Blick auf die beiden jungen Frauen fiel, breitete sich ein freundliches Lächeln auf seinem Gesicht aus.

„Wen haben wir denn da? Einen wunderschönen guten Tag, werte Ladies!“, rief er galant.

Nun sah sich auch sein Gefährte zu ihnen um, allerdings ohne stehen zu bleiben. Die Prinzessinnen sahen sich kurz an, ignorierten die warnenden Blicke ihrer Leibwachen und schlossen in stiller Übereinkunft zu dem Wagen auf.

„Guten Tag“, erwiderte Freya, als sie ihre Pferde neben den Jüngeren der beiden geleitet hatten. Er hatte dem Weg vor sich immer noch den Rücken zugewandt, sodass er nun rückwärts weiterlief, was ihn aber überhaupt nicht zu kümmern schien. Stattdessen musterte er die Prinzessinnen mit unverhohlener Neugier und die beiden Prinzessinnen nutzten die Gelegenheit, um ihn mit derselben Neugier aus der Nähe zu betrachten. Seine Gewänder waren recht einfach, was ihn als normalen Bürger der Unterschicht hätte durchgehen lassen. Die schwarze Weste dagegen war mit goldenen Ornamenten bestickt und schien sein ganzer Stolz zu sein, denn sie war im Gegensatz zu seinen abgetragenen Hosen und dem groben Hemd in sehr gutem Zustand.

„Was mögen zwei so wunderschöne Damen wie Ihr es seid, auf einer Straße zu suchen haben, die aus dem Nirgendwo kommt?“, fragte er, als er sich sattgesehen hatte und ignorierte den tadelnden Blick, den ihm sein Begleiter über den Hals des Zugpferdes hinweg zuwarf.

„Das hat dich nicht zu interessieren, Bursche“, brummte Freyas Leibwächter.

Die Prinzessin bedeutete ihm zu schweigen. „Es ist ein schöner Tag, auszureiten. Was führt euch diesen Weg entlang?“

Der Mann zwirbelte seinen Ziegenbart und grinste sie keck an. „Ratet!“

Freya hob milde eine Braue. „Ihr wollt, dass wir raten?“

„Ganz recht.“

„Warum?“

„Warum denn nicht?“

Freya warf ihrer Schwester einen irritierten Blick zu, doch die hatte schon eine Antwort parat. „Ihr seid Gaukler, nicht wahr? Ihr seid auf dem Weg zum königlichen Landsitz für die Auswahl.“

Der Mann machte eine spielerische Verbeugung, was im Laufen so komisch aussah, dass Elizabeth kichern musste.  

„Zu Euren Diensten und zu Eurer Vergnügung immer zur Stelle, Mylady!“

Freya betrachtete den Gaukler noch einmal eingehend und besah sich dann den anderen Mann, der über seinen Begleiter nur den Kopf schüttelte. Er trug einen langen schwarzen Mantel mit silbernen Knöpfen und war um einiges älter, Freya schätzte ihn auf Mitte vierzig. Er strahlte eine autoritäre Ruhe aus und im Moment schien er seinem Gefährten den Kopf abreißen zu wollen.

„Gaukler“ sagte Freya nachdenklich „welcher Art?“

„Es gibt verschiedene Arten von Gauklern?“, fragte der Mann mit den roten Haaren. Er wandte sich dem anderen zu. „Es scheint uns in verschiedenen Ausführungen zu geben, wusstest du das? Seltsam“ wieder ignorierte er den mahnenden Blick des anderen und sah die Prinzessinnen mit spielerisch forschender Miene an „welche Art von-“

„Wir sind Spielmänner“, fiel der Ältere ihm schließlich ins Wort. Er war so groß, dass er keine Mühe hatte, die Prinzessinnen über den Rücken des Zugpferdes zwischen ihnen anzusehen, als er die Unterhaltung in friedlichere Gewässer führte.

„Wenn ich uns vorstellen darf. Das ist Alea und mein Name ist Lasterbalk.“

„Ihr reist nur zu zweit?“, fragte Elizabeth neugierig.

„Unser dritter Mann schläft momentan seinen Rausch aus“, feixte Alea und deutete mit dem Daumen auf den Wagen.

Lasterbalk seufzte tief. „Luzi leidet unter dem Wetter, das ist alles.“

Nun musste auch Freya ein Grinsen zurückbeißen. Spielmänner. Ihre Neugier war geweckt.

„Wo die Ladies nun wissen wer wir sind und wohin wir unterwegs sind“, sagte Alea „wäre dies nicht der geeignete Zeitpunkt zu erfahren, mit wem wir das Vergnügen haben uns unterhalten zu dürfen?“

Freya reckte das Kinn, ein süffisantes Lächeln auf dem Gesicht. „Ratet.“

Aleas Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen. „Also schön.“ Er drehte sich um, sodass er wieder vorwärts lief und stemmte die Arme in die Seiten. „In dieser Richtung sind es über zwanzig Meilen bis zum nächsten Dorf. Das einzige auf dem Weg dorthin, wo zwei so edle Damen wie Ihr unterkommen wollen würdet…wäre das königliche Landgut. Also seid ihr Gäste dort!“

Die Prinzessinnen grinsten.

„Könnte man so sagen.“

Alea plusterte sich auf und warf seinem Gefährten einen selbstzufriedenen Blick zu. Der schien die Antwort der Prinzessinnen allerdings besser gedeutet zu haben, denn er betrachtete die beiden mit neugewonnener Vorsicht. Er schickte sich aber nicht an, seinen Kameraden über seinen Irrtum aufzuklären.

„Also haben wir dasselbe Ziel!“

„Es scheint so.“

„Dann bitte, holde Damen, begleitet uns doch!“

Freya schüttelte den Kopf.

„Warum nicht? Schickt es sich nicht, in Begleitung des Fahrenden Volkes vor die königliche Familie zu treten?“

Obwohl die Stimme des jungen Spielmanns nach wie vor heiter klang, war die Schärfe in seinen Worten nicht überhörbar. Freya wusste nicht, ob sie ihn für seinen Wagemut bewundern oder für einen leichtsinnigen Narren sollte. Vernünftig war nun jedenfalls das letzte Wort, mit dem sie den Spielmann beschrieben hätte.

„Auch wenn deine Vorurteile uns gegenüber nicht vollkommen aus dem Nichts gegriffen sein mögen, sind sie in diesem Fall unangebracht.“ Sie gab ihrer Stimme denselben autoritären Klang, den ihre Mutter und Magda für gewöhnlich bei ihr und ihrer Schwester einsetzten, wenn sie sie für eine Ungezogenheit schalten. „Wir sind lediglich in Eile. Und so angenehm wir eure Bekanntschaft auch finden mögen, euer Zugpferd scheint bei weitem nicht mehr das jüngste zu sein und würde uns nur noch mehr verspäten.“

Elizabeth sah sie mit großen Augen von der Seite her an, angesichts der Kühle in ihrer Stimme. Alea war der erste, der seine Worte fand.

„Ich bitte um Verzeihung, wenn meine Worte anmaßend waren.“

„Deine Entschuldigung ist akzeptiert“, erwiderte Freya mit einem Nicken. „Habt noch eine angenehme Reise.“

Sie drückte Jasper sanft mit den Fersen in die Seite, doch Alea griff ihr in die Zügel und hielt sie zurück.

„Bitte, wartet.“

Freya hob die Hand, als sie hinter sich ihre Wachen die Schwerter ziehen hörte.

„Verratet mir wenigstens Euren Namen, Mylady.“

Freyas Herzschlag beschleunigte sich, als sie auf den Spielmann herabblickte. Mit einem Mal war ihr klar, weshalb sie so gereizt reagiert hatte.

Sie schluckte. „Nein“

„Nur Euren Namen“, bat er noch einmal, doch Freya schüttelte nur den Kopf.

Alea ließ seine Hand langsam sinken und trat zurück. „Dann werde ich ihn beim Willkommensfest herausfinden.“

Freyas Stimme war rau, als sie fragte: „Was macht dich so sicher, dass die Prinzessinnen euch dafür auswählen?“

„Weil ich jetzt einen Grund habe, die Auswahl zu gewinnen. Keine Prinzessin wird mich davon abhalten können, für Euch zu singen, Mylady.“

Freyas Fersen bohrten sich in Jaspers Seiten und er machte einen erschrockenen Satz nach vorne.

„Ich werde Euch auf dem Empfang wiedersehen!“, rief der Spielmann ihr selbstsicher nach, als sie Jasper zu einem schnellen Trab antrieb. Elizabeth folgte ihr verwirrt. „Ich werde ein Lied schreiben! Nur für Euch! Ihr werdet schon sehen, Mylady!“

Die Spielmänner sahen zu, wie die beiden Prinzessinnen und ihre Leibwachen davonritten und immer kleiner wurden, bis sie um eine Kurve und aus ihrem Sichtfeld verschwanden.

Alea wandte sich mit breitem Grinsen und ausgebreiteten Armen um. „Ich habe mein Herz verloren!“

„Komm her“, sagte Lasterbalk und blieb stehen.

Alea sprang pfeifend auf seinen Spielmannsgefährten zu und stemmte grinsend die Arme in die Hüften. „Na, was sagst du dazu?“

Lasterbalk nahm den Strick in eine Hand und schlug Alea mit der anderen hart auf den Hinterkopf. „Du bist ein Trottel.“

Alea rieb sich den schmerzenden Kopf, zuckte aber nur mit einem schiefen Lächeln die Schultern. „Aber ein verliebter Trottel.“

Lasterbalk setzte sich mit einem Seufzen wieder in Bewegung. „Ein Trottel nichts desto trotz.“

                                                                                                    ***
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