Alca - Licht gegen den Schatten

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
OC (Own Character)
14.06.2018
13.06.2019
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Ich, Alca, hätte eigentlich Grund gehabt mich zu freuen, doch an diesem Morgen spiegelte das Wetter meine Stimmung besser wieder, als ein Spiegel es jemals vermocht hätte. Es regnete wie aus Eimern, obwohl heute der erste Ferientag war und das Radio behauptet hatte, es würde heute strahlenden Sonnenschein geben. Genauso heftig flossen übrigens die Tränen über mein Gesicht, eine nach der anderen, ein Verkehr wie freitagabends auf einer Bundesstraße, wenn Feierabend war. Normalerweise war und bin ich wirklich ein Sonnenschein ohnegleichen und mit Sicherheit wäre ich es auch heute gewesen, wäre da nicht diese eine kleine Nachricht gewesen. Drei Wörter, fünfzehn Buchstaben und hunderte von Tränen, die ich deswegen vergossen hatte. Hat euch schon jemand das Herz gebrochen? Wenn ja, mein Beileid, wenn nein, dann herzlichen Glückwunsch. Ich kann euch jetzt sagen, dass es wehtut. Ich las die Nachricht noch einmal: Ich mache Schluss. Langsam, sehr langsam, wurde meine Trauer zu Wut und ich trat wütend gegen meinen Schreibtischstuhl. Der wollte aber nicht so wie ich und rollte weg, als ich ihn traf, sodass ich durch den Schwung meines Trittes ausrutschte und auf den Boden plumpste. „Au! Verdammt noch einmal“, fluchte ich und stand wieder auf. Nun tat mir nicht nur die Brust weh, sondern auch noch mein Rücken. Ungeschickt taumelte ich zu meinem Kleiderschrank und zog mir eine schwarze Jeans und eine dunkelgrüne Bluse heraus. Auf das Frühstück verzichtete ich, denn erstens hatte ich einen riesigen Kloß im Hals und zweitens musste ich mich sputen, denn ich hatte heute noch Theaterprobe. In Rekordzeit putzte ich mir die Zähne und flocht mir die Haare. Ein Blick auf die Uhr sorgte dafür, dass ich mich beim Anlegen meines Kostüms noch zusätzlich beeilte. Brustpanzer, Schulterpanzer, Unterarmschutz, Schwerter, Gürtel, Dolche, Kapuzenumhang und Stiefel. In knapp zehn Minuten war ich fertig, sodass ich mich auf’s Fahrrad schwang, die komischen Blicke meiner Mitmenschen ignorierend. Um 7:57 Uhr traf ich im alten Theater ein. Eilig schloss ich mein Fahrrad an und öffnete die Tür. Mit langen Schritten lief in die Umkleide, um mein Kostüm noch mal zu prüfen. Als ich in den Spiegel schaute, starrten zwei sturmgraue Augen zurück, direkt in mein Gesicht, musterten die schmale Nase, meine blassen Lippen und die geschwungenen Augenbrauen, dann die hellblonden Strähnen, die mir ins Gesicht fielen. Aus irgendeinem Grund spielten wir zur Zeit ein Stück, das in Mittelerde spielte. Mittelerde, die Welt. In der Herr der Ringe spielte. Bäh! Glück hatte ich allerdings, dass ich dank meiner leicht angespitzten Ohren eine Elbin spielte. Ich mag Elben. Die sind cool und man kann mit ihnen sicher schöne philosophische Gespräche führen. Ich befestigte nur noch die scharfen Metallplatten an meinem rechten Unterarmschutz und an den Schulterpanzern und richtete die Stiefel, dann schritt ich in den Theatersaal. Der Theatersaal war leer. Leer und dunkel. „Hallo?“Suchend blickte ich mich um. Nur umgestürzte Stühle und eine dreckige Bühne. „Hallo?“Ein Luftzug hinter mir ließ mich schaudern. Erschrocken drehte ich mich um. Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun. „Verdammt noch einmal, wenn hier jemand ist, soll er oder sie sich gefälligst zeigen!“Ein dreckiges Lachen ließ mich herumfahren. Ein Mann, gekleidet in einen Kapuzenumhang, stand dort und amüsierte sich offenbar köstlich. „Was ist denn so lustig?“, fauchte ich ihn an. „Ein junges Mädchen, ein junges narbenloses, unerfahrenes Mädchen befiehlt mir? Weißt du überhaupt, wer ich bin?“„Äh… ein unmodisch gekleideter Vollpfosten?“„Nein, aber dein Tod.“Nach dieser dramatischen Aussage ließ er einen Dolch auf mich niedersausen. Mit Mühe konnte ich noch meine Schwerter (und ja, sie waren scharf, denn in einer Szene sollte ich jemandem die Bartattrappe abschneiden) ziehen und die Klinge von meinem Hals fernhalten. ‚„Oh… du suchst Streit?“Ich war zu sehr damit beschäftigt meine Hände zu kontrollieren und nicht aufgeschlitzt zu werden, um zu antworten. Dieser Typ war zugegebenermaßen ein guter Schwertkämpfer, wie er mir bewies, nachdem er seine Schwerter gezogen hatte. Schritt für Schritt, Stück für Stück trieb er mich auf eine Wand zu, sodass ich bald mit dem Rücken zur Wand stand. In dieser Position verstand ich dieses Sprichwort endlich. Wieder ließ der Mann (oder was auch immer, ich war mir inzwischen nicht mehr sicher, ob er überhaupt ein Mensch war) seine Klingen auf mich niederschnellen und nur knapp konnte ich verhindern, dass er mir die Brust aufschlitzte. Es ist kein schönes Gefühl, da an der Wand zu stehen, mit gekreuzten Theaterschwertern und erfolglos zu versuchen, die Klingen von sich wegzudrücken. „Mit dem Rücken zur Wand…“Ich hatte das Gefühl, dass der Mann, das Monster, was-auch-immer, sich innerlich schlapplachte. Da war die Grenze erreicht. Ich meine, ein Tollpatsch wie ich darf sich nicht viel Stolz erlauben, doch nun waren auch meine kläglichen Reste davon verletzt und das machte mich wütend. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, wie ich das gemacht hatte, nur noch, dass ich einen Wutschrei ausstieß und das Was-auch-immer gegen die Wand flog. Und dann fiel ich.

Ich musste wohl bewusstlos geworden sein, denn ich wachte auf. Noch mit geschlossenen Lidern merkte ich, dass ich nicht im Theater war, denn die Vögel zwitscherten, es war warm und das Licht war so hell, dass es meine Lider durchdrang. Dann plötzlich begann mein Kopf zu pochen. Aber wie konnte das sein, ich war doch bloß gefallen?Ja, du Dummerchen, aber wer fällt muss doch auch irgendwo landen, beantwortete ich mir meine Frage selber. Aufgrund von Mangel an anderen Möglichkeiten öffnete ich die Augen -  und starrte in das Gesicht von – ja, wer war das eigentlich?„Ach, du bist wach.“„Nehme ich jetzt einfach mal an.“„Du willst sicher wissen, was passiert ist, nachdem du aus dem Loch gefallen bist.“„Ich bin aus einem Loch gefallen? Wo bin ich denn überhaupt hier?“„Du bist in den Häusern der Heilung.“„Danke. Das erklärt alles.“„Du hast doch sicher schon von den Häusern der Heilung im letzten Heimischen Haus gehört.“„Wo genau liegt das denn auf der Landkarte?“„Du weißt nicht, wo in Arda Imladris liegt?“„Was? Imladris? Gerade erzählten sie noch etwas von Häusern und Heimen und so. Ist Imladris ein Seniorenheim?“„Nein, Imladris ist der eigentliche und elbische Name von Bruchtal.“„Meine Güte! Also liegt das Hospital in einem Seniorenheim für Elben das Imladris heißt und so viele Namen hat es, damit die älteren Leute, die langsam vergesslich werden, sich zumindest einen merken, richtig?“Entnervt schüttelte der Mann den Kopf. Dann fiel mir eine kleine Ungereimtheit auf. „Warten Sie – Sagten sie elbisch?!“„Ja, elbisch, oder genauer, Sindarin.“„Sindarin?! Das hieße ja… heiliger Sankt Martin, sie sind ein Elb!“Der Mann – ich korrigiere, Elb – nickte. „Es wundert mich, dass Ihr für diese Erkenntnis so lange brauchtet.“Vollkommen entsetzt starrte ich den Elb an. „Ein Elb! Das geht doch gar nicht!“ „Und wieso genau nicht?“„Soweit ich weiß, leben Elben in Mittelerde und Mittelerde gibt es nicht! Das ist irgendeine Geschichte, die Tolkien da niedergeschrieben hat!“Der Elb legte misstrauisch den Kopf schief und runzelte die Stirn. „Wo kommst du den her?“„Vorausgesetzt das hier ist tatsächlich“, ich musste mich zusammenreißen, um diesen Namen über meine Lippen zu kriegen, „Mittelerde, dann komme ich aus einer anderen Dimension und müsste eigentlich tot sein.“ Erschrocken stand der Elb auf. „Eine andere Dimension? Gandalf hatte also doch recht!“„Ich habe nicht den blassesten Schimmer, wer zur Hölle Gandalf ist, aber ja, eine andere Dimension.“„Ich habe keinen blassen Schimmer, was bei Eru eine Hölle ist, aber ich scheine etwas Wichtiges verpasst zu haben.“ Die tiefe Stimme eines … ja, vermutlich war auch das ein Elb, erscholl von der Tür her. „In der Tat. Dieses Mädchen – wie heißt du eigentlich?“„Ich bin Alca.“‘„Also, Alca hier kommt aus einer anderen Dimension.“ „Ihr wollt sagen, Gandalf hätte die Wahrheit gesagt? Das ist lächerlich! Es kommt mir vor, als würde unser mächtiger Zauberer langsam senil werden.“Also brauch Mittelerde doch ein Seniorenheim!, dachte ich. „Es würde aber Sinn ergeben. Es gab die letzte Nacht eine so dichte Wolkendecke, dass es stockdüster war und mit dem ersten Lichtstrahl ist sie durch einen Riss im Himmel zu uns gefallen.“„Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Sie in ihrer Diskussion störe, aber gerade dieser Teil ergibt gar keinen Sinn. Erstens, sollte ich wirklich aus einem Riss gefallen sein, dann müsste das ein Riss in der Existenz gewesen sein. Das wäre allerdings unmöglich, da dieser Schnitt ganz sicher auch das ein oder andere Atom gespalten hätte. Das würde zu einer Atomstrahlung führen, die ein Mädchen in meinem Alter nicht überlebt. Zweitens, sollte dieser Riss wirklich am Himmel gewesen sein, dass ich geschätzte fünf bis acht Kilometer gefallen wäre, da Sie mich beim fallen sehen konnte und das Wettergeschehen in der Troposphäre stattfindet, die etwa zehn Kilometer breit ist. So. Und allein der Fall wäre schon schwer zu überleben, mal vom Sauerstoffgehalt dort oben abgesehen. Außerdem muss ich ja irgendwie auf dem Boden aufgekommen sein. Also dürfte ich theoretisch gar nicht mehr leben.“Die beiden Elben blickten mich eine Weile an, bis der mit der tiefen Stimme zu sprechen begann. „Nun, fallen war wohl das falsche Wort, schweben trifft es eher.“„Das geht allein wegen der Gravitation nicht.“„Seht Ihr, Lord Elrond, selbst Alca hält das für völlig unmöglich.“Ah, Elrond war also der Name des ersten Elben. „Lord Erestor, Ihr könnt jetzt gehen.“Erestor war also der andere. Aha. Kaum hatte sich die Tür hinter Erestor geschlossen, drehte sich Elrond mir zu. „Ich werde sie später über ihre Ankunft befragen. Nun solltet Ihr Euch Eure Kleider anziehen, denn ich werde bald jemanden schicken, der Euch in Imladris herumführt. Währenddessen  werde ich nach Gandalf schicken lassen. Einen schönen Aufenthalt wünsche ich Euch.“ ‚Ich konnte gerade noch ein „Ebenso“ erwidern, da knallte die Tür schon zu und der Elbenlord ließ mich zurück, allein mit mehr Fragen als Sterne im Universum sind, die mich aber glücklicherweise meinen Kummer vom Morgen vergessen lassen hatten. Da war ich jetzt also in Imladris. In Mittelerde. Ich stand auf, um meine Kleider überzuziehen. Dieser Tag versprach, sehr interessant zu werden.
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