⚞ Golden Velvet ⚟

OneshotRomanze, Suspense / P16
Boa Hancock Don Quichotte de Flamingo Don Quichotte Rocinante / Corazon Eustass 'Captain" Kid Smoker "der Weiße Jäger" Trafalgar Law
13.06.2018
08.12.2019
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//18 Coin// – The Continuing Story Of Benn Beckman

♦ Die Zeit heilt keine Wunden,
aber sie verwischt Erinnerungen. ♦


Du hast ihn schon seit Jahren nicht mehr gesehen.
Sein Gesicht wirkt wie eine ferne Erinnerung, die man dir hinterlassen hat, um einen Abschnitt mit schiefen Haken abzuschließen, in der Hoffnung, es sei vorbei. In erster Linie, weil er dir immer einen Schritt voraus war. Benn hat das Talent, das dir fehlt und auch hat er die Ruhe und Gelassenheit, die in deinem Inneren schon lange in Vergessenheit geraten ist.
Früher war es anders. Damals, als die Walnussbäume eurer Heimat ihre herbe Note in der Luft verteilt haben und der Wald alles hergegeben hat, um ein Leben zu leben. Zwischen Gesindel und Adel, das nicht weniger Gesindel mit weniger Wert ist.
Benn schoss damals die Tiere, du hast sie irgendwie über knackendem Feuer zubereitet. Am Rande der Welt aufgewachsen, von den Familien beider Seiten zurückgelassen, wart ihr immer füreinander da. Zu zweit. Bis er Pirat werden wollte und deine Angst vor der See den Weg in zwei verschiedene Pfade teilte. Seitdem arbeitest du hier, in dieser Bar, in eurer vermeintlichen Heimat. Und er ist zurückgekehrt. Aber nicht zu dir.
Er ist größer geworden, seine Schultern sichtlich breiter. Benn spiegelt einen Mann wider, der unbekannt gar bekannten Boden betreten hat. Gewappnet mit allen Mitteln, aber gesegnet mit dem Bewusstsein an diesem Ort keine Gefahr zu erwarten.
Zusammen mit Shanks hat er Platz am Tresen gefunden, trägt noch immer dieselbe Flinte, mit der er einst Tiger gerichtet und Elefanten bewältigt hat. Doch du kannst sehen, dass das Blut, das in all den vergangenen Jahren gegen den Lauf getropft ist, nicht mehr nur von Tieren aus Wäldern stammt. Er hat Menschen getötet, deren Leben genauso wertlos erscheint wie deines, seitdem die hohen Wellen dir die Grenzen der Freiheit aufgezeigt haben.
Trotzdem haucht ein Teil deines inneren Freude aus, Begehren, weil er nach all den Jahren einen Teil dessen, was euch beide ausmacht, noch immer an sich hat. Du weißt nicht, was es ist, weißt nicht, ob es Geruch, Art oder Ganghaltung ist. Dort ist nur das Gewissen, dass es noch immer existiert. Irgendwo hinter der Narbe an seiner Schläfe, hinter dem grauen Haar und den gütigen Augen. Es ist noch immer da.

Das Herz in der Brust schlägt zu einem dir unbekannten Takt, erinnert daran, dass du zum Tresen musst, um Bestellungen durchzugeben. Das Tablett auf deiner Handfläche wirkt heiß, als du die Seite wechselst, Blech auf unterkühlte Haut trifft. Erst dann setzt du dich mühsam in Bewegung, steuerst die Männer an, die teilweise fröhlich vor sich hin plaudern. Spaß begleitet jede Geste, Gelassenheit jedes Wort. Diese Männer sind Frei und so verlockend es scheint, du weißt, dass du die Ketten der Gesellschaft niemals ablegen wirst. Einzig, weil alles hinter dem Festland zu ungewiss ist, um das Leben für nichts aufs Spiel zu setzen. An diesem Ort gibt es wenigstens noch eine Funktion für Menschen wie dich.
Egal ob großartig oder nur um zu Überleben.
Deine Füße wirken bleiern, schrecklich schwer mit jedem Meter, den du näher an die Crew herankommst. Das Blut scheint in den Adern zu gefrieren. Stockend, kaum vorankommend, erdrückend, als du neben Benn stehenbleibst. „Was kann ich euch bringen?“
Sein Blick gleitet in deine Richtung, taxiert dich von oben bis unten. In seinen Augen liegt Neugierde, auf seinen Lippen ein sanftes Lächeln. Vermutlich hat er dich bereits vergessen. Ihr habt euch seit Jahren nicht mehr gesehen.
„Bier und Fleisch.“ Shanks ist es, der die Bestellung binnen Sekunden aufgibt, munter lachend und von der Freude des Tages getrieben. Er ist das reinste Gegenteil von Benn und trotzdem haben sie all die Zeit über zusammengehalten. Warum du ihn wohl nicht halten konntest?
Leicht nickend ist sein Wunsch dein Befehl, willst dich gerade abwenden, als Beckmanns Worte dich in sanfter Melancholie erreichen.
„So sieht man sich wieder. Wie lange ist es her?“
Der Atem stockt, bleibt in deinem Hals stecken, trocken und fade. Es kommt unerwartet, lässt dich dennoch umdrehen. „Vermutlich zu lange.“
„Und in all den Jahren bist du hier geblieben. Macht die See dir noch immer Angst?“
Obwohl du eine Bestellung weitergeben sollst, kannst du dich nicht bewegen. Stattdessen brüllst du das Begehren der Crew zu den anderen durch, lässt sie einfach machen und widmest dich Benn. „Wenn es nicht so wäre, denkst du, ich wäre noch hier?“
Er schmunzelt, senkt kurz den Blick, weil er weiß, dass seine Frage auf Unverständnis deinerseits stößt. Trotzdem lässt er nicht locker, beugt sich etwas zu dir herunter. Der Puls rast, kratzt in deiner Kehle, obwohl alles an ihm einen bitteren Geschmack von Trauer hinterlässt. Trotzdem ist sein Interesse noch immer vorhanden. „Vielleicht? Um auf mich zu warten.“
„Jahrelang?“
„Wer weiß?“

Er richtet sich wieder auf, rutscht dann vom Hocker und näher zu dir. Seine Größe ist befremdlich, irgendwie, doch anziehend zugleich. Ihr kennt euch und zugleich seid ihr einander völlig fremd. Die Aufregung zügelt das Gewissen in keinster Weise, wallt auf und verweigert, dass du zur Seite trittst. Du machst ihm keinen Platz, rührst dich nicht, obwohl du ihm vermutlich nichts entgegenzusetzen hast. Er ist Mitglied bei einer der stärksten Crews, ist Freund und Begleiter von Shanks. Du bist nur Bedienung in einer Bar.
„Ich wäre gegangen, hätte ich gekonnt.“ Mit Nachdruck hebst du die Stimme an, stemmst die Hände in die Hüften, um ihm irgendetwas entgegenbringen zu können. „Aber es hat nicht geklappt.“
„Versuch es noch einmal. Wir würden dich mitnehmen.“ Der seichte Ton einer unausgesprochenen Entschuldigung in seiner Stimme lässt dich vor Verachtung schlucken. Für dich ist all das kein Scherz, kein freudiges Wiedersehen oder ein glückliches Aufeinandertreffen nach Jahren der verlorenen Zuflucht. Doch du verstehst ihn scheinbar falsch. „Kommt mit mir. Bis zur nächsten Insel.“
Bis zur nächsten Insel. Eine Fahrt über die grauenhaften Wellen, fort von diesem erdrückenden Ort, hinein in neue Engen. Es wirkt blasphemisch, macht dich krank auf eine Weise, die du nicht für möglich hältst. Ein Teil von dir hatte auf etwas anderes gehofft. Auf die Rückkehr eines Freundes, auf eine Veränderung, die völlig unerwartet erscheint. Liebe, die du schon seit Kindheitstagen empfindest, doch niemals ausgesprochen hast. Stattdessen ist dort nur das Angebot einer Überfahrt. Von dieser Insel zu einer anderen, die noch sehr viel schlimmer sein könnte. Alles ist möglich.
Und du wärst tagelang an seiner Seite. Die Zuneigung in deinem Herzen würde erneut blühen, wo sie beinahe in der Vergessenheit ertrunken ist. Sie würde gedeihen und ihn lieben, bis sie dich auf der anderen Insel absetzen. Das Herz in Scherben, mit nichts außer deinem eigenen Willen.
Du willst nicht mit ihm gehen, um am Ende erneut zurückgelassen zu werden. Damals standen die Wellen zwischen euch, jetzt eine Crew.
„Nein.“ Du lehnst sein Angebot mit erstickten Worten ab, drehst ihm letztlich den Rücken zu. Es gibt kein Miteinander für Menschen, die nicht dasselbe Leben leben. Nicht so. Niemals anders. Deshalb bringst du Abstand zwischen euch, hörst, wie er leise seufzt. Schlussendlich willst du ihn nicht zurücklassen, so bist du doch besser, als er es jemals war. Folglich wirfst du einen letzten Blick über die Schulter. Manchmal muss man Hoffnung streuen, um Frieden zu ernten. „Aber wenn du eines Tages nach Hause kommst, weil du alles gesehen hast...oder weil du das Leben als Pirat satthast, dann...würde ich mich freuen, wenn du mir die Welt zeigst. Dein ehemaliges Leben und die Geschichte hinter deiner Reise.“
Sein Nicken ist deine Bestätigung. Es ist das Ende eines Besuches, doch der Anfang einer neuen Geschichte. Eine, in der du wartest. Schweigend. Weil die Hoffnung gering und die Saat zart ist.
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