⚞ Golden Velvet ⚟

OneshotRomanze, Suspense / P16
Boa Hancock Don Quichotte de Flamingo Don Quichotte Rocinante / Corazon Eustass 'Captain" Kid Smoker "der Weiße Jäger" Trafalgar Law
13.06.2018
22.10.2019
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//17 Coin// – Mother Nature's Son

♦ Manchmal berühren Lieder die Seele.
Doch viel zu oft streifen sie nur leere Hüllen. ♦


Es sind sanfte Windböen, die das Blattwerk der Bäume rascheln lassen und deine Stimme melodisch untermalen. Sekunden voller Harmonie, die du nicht nachempfinden kannst, weil deine Augen seit einer Ewigkeit auf dem müden Blick eines Mannes ruhen, der verzweifelt auf den Knien nach Antworten sucht. Sein Name ist bekannt und die Explosion, die vor wenigen Minuten am Rande der Insel für Aufmerksamkeit gesorgt hat, schallt noch immer in weiter Ferne wider.
Du musst zugeben, dass Männer durchaus interessant sind. Normalerweise sieht man auf Amazon Lily nur wenige von ihnen, die als Statuen am Rande eines entfernten Gartens dieses Ortes enden. Die Kaiserin, Hancock, zieht jeden von ihnen zur Rechenschaft. Aus Rache. Außer diesen einen Kerl, dessen Leben in Scherben zu seinen Füßen liegt. Sie hat Gefallen an dem Piraten gefunden und du kannst verstehen, warum es so ist. Bereits als er ankam hat er ein Kribbeln in deiner Brust ausgelöst, das du nicht zu beherrschen weißt. Er ist nicht mehr als ein armer Junge, irgendwo auf dem Land aufgewachsen, zwischen Banditen und Seegängern. Du hingegen lebst als kriegerische Amazone auf dieser Insel voller Frauen, auf der es keine Liebe, sondern nur Verachtung gegenüber dem anderen Geschlecht gibt. Ihr seid beide Kinder der Natur, doch eure Maßstäbe sind unterschiedlich.
Ihr habt beide die Freiheit gewählt. Er im wahren Sinne, du nur noch im Gesang, gefangen an diesem Ort, den du deine Heimat nennst. Lauernd auf jede Gelegenheit. Trauernd, weil das, was dein Herz begehrt in jedem Sinne tabu ist.
Du kannst Monkey D. Luffy nicht haben.

Seufzend beobachtest du ihn weiterhin schweigend aus der Ferne, entscheidest dich jedoch unbewusst dazu einen Fuß vor den anderen zu setzen. Weg von den Liedern, die deine Stimme täglich wispert. Immer wieder, in der Hoffnung auf Veränderung.
Deine nackten Füße streifen durch die Wiese, hinterlassen ein Kitzeln unter den Sohlen. Die Neugierde in deinem Blick lässt sich nicht ablenken, fixiert den jungen Piraten. Immer näher, bis er in unmittelbarer Nähe scheint. Zum Greifen nahe, sodass das Verlangen in dir steigt. Nur für ihn willst du singen, sein Gemüt beruhigen, um neue Hoffnung in diesem verlorenen Herzen zu wecken. Normalerweise sind deine Lieder für jeden auf dieser Insel, für jede Frau, die sich nach etwas anderem als Einsamkeit sehnt. Doch dieses Mal soll es für einen Fremden sein, einen Mann, der deine Wangen heiß glühen lässt, obwohl ihr noch nie ein Wort miteinander gewechselt habt. Du weißt, dass es nur Liebe sein kann, doch dir ist auch bewusst, dass du die Grenzen nicht überschreiten darfst. Nicht, weil er ein Mann ist, sondern, weil du Boa Hancock nicht in den Weg kommen darfst. Sie beherrscht dieses Land. Das Leben zwischen den Gräsern.
Sie ist die Kaiserin der Meere und der Traum eines jeden Albtraums. Sie ist das Ende für dich, wagst du einen Schritt zu weit in unbekannte Gefilde. Dir bleibt nur die seichte Stimme, die bereits ein Leben lang Teil deiner Wege ist. Ein ewiger Gefährte, der dich niemals allein zurücklässt.
„Der junge Mann läuft dort den Waldweg, mit dem Pfeil zur Jagd gespannt. Da hört er sie schwach singend und folgt dem Laut hinab ins Land“, hauchst du in seine Richtung, mischst eine Geschichte im munteren Singsang voller Erinnerungen, die du niemals erlebt hast. Fließende Bäche, wie Tränen so salzig, die den Wasserspiegel stetig steigen lassen. Sie nehmen die Trauer, das bittere Vergnügen und tragen es weit hinweg. So auch die des Piraten.
Du kannst sehen, wie Luffy nach Luft schnappt, sich langsam wieder einkriegt, während du deinen Gesang weiter an seine Ohren reichen lässt. „Er sprach sie an, sie lauschte, tat es umzäunt von rotem Gift. 'Komm mit mir, du Wilde. Komm vom Käfig der ewigen List.' Doch sie sah nur voller Zweifel, schüttelt das Haupt in summender Ablehnung.“

Ein traumhafter Klang exotischer Musik durchkämmt dein Haar, ist alles, was dich die Jahre über bei Sinnen gehalten hat. Es ist das fliegende Gefühl der falschen Freiheit, die dich beflügelt, jeden Schritt ganz einfach wirken lässt. Ehe es wirklich zu dir durchdringt, stehst du bereits neben Luffy, streichst vorsichtig über sein verschwitzt braunes Haar. Der Stress hat ihn bis aufs Äußerste durchtränkt, lässt sichtlich rote Flecken durch die schneeweißen Verbände fließen.
„Sieh mich an, ein flackerndes Licht im Monde.“ Langsam gehst du in die Hocke, flüsterst ihm ins Ohr. „Sieh mich an, ich kann diesen Ort nicht verlassen.“
Er dreht den Kopf in deine Richtung. Seine Augen haben sich gelichtet, sind nicht mehr von Schmerz und Hilflosigkeit verhangen. Das Prickeln unter deiner Haut wird beständiger, löst ein wohliges Gefühl der Wärme in dir aus. Es ist die Unsicherheit, die deine Stimme ins Wanken bringt und dennoch an diesen einzelnen Sekunden festhält. „Hör mich an, den brüchigen Klang der Wälder. Zwing mich nicht, zu folgen, wohin du auch gehst.“
„Wer bist du?“ Seine Worte klingen dümmlich, lassen dein Inneres dennoch auf und ab gleiten. Er ist bei Sinnen, fängt sich in diesen Atemzügen, in denen du einfach aufstehst und den Rückzug antrittst. Du hast in seinem Leben keinen Platz. Außerdem kannst du dich nicht vor Hancock stellen. Niemand würde so weit gehen, vor allem nicht eine Amazone aus den Wäldern. Sollte er dich jemals suchen, so wird er dich wohl zwischen Blättern und Ästen versteckt im Nirgendwo finden. Dort, wo die Einsamkeit ihre Heimat findet. Wo die Gänseblümchen munter wachsen, faule Lieder unter der Sonne singen, wo sie niemand hören kann.
Vermutlich kann dich auch niemand hören, konnte es noch nie. Weil die Frauen das Gefühl in deiner Brust nicht deuten können. Ihnen fehlt die Vorstellung für mehr als die ewige Leibwache der Kaiserin. Ihre Träume sind schwarz. Anders als deine. Anders als deine Lieder.
Luffy mag sie vielleicht zu verstehen. Eines Tages, auf hoher See. Wenn das Leben an euch vorbeigezogen ist.
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