⚞ Golden Velvet ⚟

OneshotRomanze, Suspense / P16
Boa Hancock Don Quichotte de Flamingo Don Quichotte Rocinante / Corazon Eustass 'Captain" Kid Smoker "der Weiße Jäger" Trafalgar Law
13.06.2018
08.12.2019
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//16 Coin// – All Together Now

♦ Und selbst wenn die Liebe nur flüchtig ist,
so ist sie ein Abenteuer wert. ♦


Das Seil in deinen Händen spannt sich straff über die Reling, lässt das Gewicht auf der anderen Seite in leichtem Protest baumeln, während die rauen Fasern unangenehm an deiner Haut kratzen. Das rettende Ufer ist nur wenige Schritte entfernt und wirkt dennoch unerreichbar, hinterlässt ein angestrengtes Seufzen, das über deine Lippen streicht, während Rayleigh schweigt.
Er hat sich entspannt zurückgelehnt, hält ein schmales Lächeln auf den Lippen und ignoriert die Tatsache, dass du immer wieder nach ihm siehst. Unauffällig, wann immer es gelegen erscheint. Deine Augen mustern alles an ihm, bewundern die Reife, die er ausstrahlt und die Kraft, die Geborgenheit in seiner Anwesenheit verspricht. Sein bloßes Dasein vermittelt Kleinigkeiten, die du niemals wirklich gesucht und dennoch gefunden hast. Seltsam, wie du dir selbst eingestehen musst.
Eigentlich bist du mit dem Wunsch nach Arbeit auf diese Insel gereist, hast Sabaody als geeignetes Ziel für dein Handwerk angesehen. Mit jemandem wie diesem ehemaligen Piraten hast du jedoch nicht gerechnet. Die gewissenhafte Haltung und die Fältchen, die den Bereich um seine Augen zieren, haben Interesse in dir geweckt, die sich beinahe automatisch mit einem ungewohnten Herzklopfen breitgemacht hat. Ein wenig, als würde er in einem vollkommen anderen Licht stehen. Anders, als die vergangenen Menschen, die du bereits kennengelernt hast, weil ein Hauch von Unerreichbarkeit an ihm hängt. Vermutlich weckt er einfach die Lust zur Entdeckung in dir.
Es ist eigenartig daran zu denken, dass du ihn erst seit ein paar Stunden kennst und dennoch zu vielem bereit wärst, um ihm zu helfen, gar zu gefallen. Rayleigh hat einfach etwas an sich, das erschreckend fesselnd wirkt. Vielleicht ist es der besonnene Ausdruck in seinem Gesicht, vielleicht aber auch das Prickeln im Magen, das du ihm gegenüber empfindest. Er mag alt sein, aber auch das Alter kann Reiz bringen. Zumindest in diesem Fall.

„Kannst du ihn noch etwas halten?“ An dich gewandt, stellt er eine Frage, die du mit einem Nicken bestätigst. Es braucht keine Überlegung, um zu wissen, was er meint. Am Ende des Seils, gut befestigt und mit zahlreichen, blauen Flecken übersät, hängt irgendein junger Seeräuber, dessen Reise an diesem Punkt wohl endet. Seine Crew ist unauffindbar, er hat eine Teufelsfrucht im Blut und er hat versucht Rayleigh übers Ohr zu hauen, als du gerade um einen Job bitten wolltest.
Der gescheiterte Fluchtversuch, bei dem er über ein Tau gestolpert ist, hat schlicht dazu geführt, dass seine Lage um ein vielfaches erdrückender wurde. Für das meiste hat er bereits eingesteckt, doch sein Schiff ist beschichtet und er weigert sich noch immer zu zahlen. Es war nicht die schlechteste Entscheidung deinerseits, ihn dafür über die Reling seines Dreimasters zu hängen und mit dem klaren Wasser darunter zu drohen, das für ihn den Tod bedeuten könnte.
Er kann ertrinken oder zahlen – die Optionen sind gegeben.
Das Seil etwas zu dir ziehend, spürst du den Druck in deinen Armen und die Anstrengung in den Knochen. Die Müdigkeit haftet schon lange in den Muskeln und fast jeder Funken deiner Konzentration hängt daran, nicht loszulassen. Auch, wenn du zeigen willst, wie simpel solche Manöver erscheinen, so ist es alles andere als einfach, das Gewicht deines Opfers zu halten. Dieser Fremde an der Leine ist schwer, gleicht fast dem ruhigen Blick des Alten, der dich unweigerlich aus der Reserve lockt. In Rayleighs Augen willst du alles, nur nicht versagen.
Es ist schwer zu vermitteln, welches Bild du genau für ihn verkörpern willst, aber Schwäche soll eindeutig keinen Platz darin finden. Nicht in der Meinung dieses Mannes.
„Passt schon.“ Schnell, zugleich gepresst, gibst du ihm Antwort, erhältst dafür ein charmantes Lächeln, das dich förmlich ansteckt. Es lässt das Herz ein wenig schneller schlagen – ein oder zwei Takte, die kaum spürbar prickelnd unter deiner Haut verweilen. Du hättest gerne etwas mehr von seiner Aufmerksamkeit, mehr von dieser Mimik, die etwas regt, das unverständlich verbleibt. Was er in alldem sieht, mag ein Rätsel sein, aber der Druck zwischen deinen Rippen will einfach nicht nachlassen. Ein wenig berstend, wie er sich ausbreitet. Angenehm, weil er beruhigende Wärme hinterlässt, die Schutz und Vertrauen vermittelt.
„Wenn das so ist“, räuspernd verschränkt Rayleigh die Arme vor der Brust, senkt kurz die Lider, als würde er über etwas Bestimmtest nachdenken, „lassen wir ihn ein wenig hängen. Du kannst ihn halten oder festmachen und mit reinkommen, wenn du möchtest.“
„Reinkommen?“ Sein Angebot ist freundlich, lässt dich trotzdem ungläubig nachfragen. Du hast ihm nichts von deinem Anliegen erzählt, bist gar nicht erst dazu gekommen. Deshalb wirkt seine Einladung anders für dich. Nicht geschäftlich, jedoch auch nicht freundschaftlich. Als würde er Bekanntschaft suchen, die Zeit mit ihm verbringt, die im Sinne eines Augenaufschlags verstreichen kann. Für einen Moment, vielleicht auch eine Ewigkeit.
„Du wolltest mich doch um etwas bitten.“ So klar wie deine Gedanken um ihn kreisen, so nüchtern scheint er das Offensichtlichste festzustellen. Natürlich willst du etwas fragen, doch zugleich willst du ihm im Augenblick auch nur ein wenig näherkommen. Das Mysteriöse in seinem Blick verstehen und die Geborgenheit in seinen Armen spüren. Du willst ihn kennenlernen.
Irrationales Wunschdenken.

Kopfschüttelnd bringst du dich davon ab, lässt los, hebst abwehrend die Hände, als würdest du nichts von ihm wollen. Nur ein Wort, nur eine winzige Aussage soll ihm klarmachen, dass es einen Grund für dein Erscheinen gibt. Etwas anderes, als bloßes Interesse an seinem Dasein. Doch das Platschen, das durchdringend an deine Ohren reicht, schreckt dich letztlich auf.
Panisch den Blick zum Seil gleiten lassend, ziehst du scharf die Luft ein. Es brennt in der Kehle, lässt dich von Rayleigh absehen. Der Fremde ist dir durch die Finger gerutscht, im Wasser versunken und hinterlässt nur auffällige Luftblasen, die sich langsam an der Oberfläche sammeln, um zu zerbersten. Kurze Sekunden, in denen du schaltest, nach der vermeintlichen Rettungsleine greifst und ziehst. Mit starken, kräftigen Zügen holst du ihn zurück nach oben, hörst sein wehleidiges Keuchen und klägliches Husten, ehe dein beschämter Blick zu dem Mann fällt, der all das mit einem belustigten Schmunzeln beobachtet hat.
„Man sollte immer bedenken, was man tut, bevor man es tut.“ Er zwinkert dir zu, lässt dich beinahe unbewusst die Lippen aufeinanderpressen.
„Das war nicht meine Absicht. Ich wollte nur...“ Du weißt es nicht, hat keine Antwort auf die eigene Frage, die schon beinahe lächerlich wirkt. „Was auch immer.“
„Also, willst du mit reinkommen? Es gibt gutes Essen.“ Sein Angebot steht noch immer, wirkt trotz allem verlockend. Ihm zu folgen, sich seine Geschichten und vergangenen Ziele anzuhören – in diesen Minuten kannst du dir nichts Angenehmeres vorstellen, als dem Klang seiner gefestigten Stimme zu lauschen. Dem Ton, der dein Herz springen lässt. Ungewiss, doch stetig.
Vielleicht, weil er interessant ist – oder, weil du ein kleines bisschen verliebt bist. In den Hauch der gelebten Tage, des Wissens und der Erfahrung. Weil er so viel mehr weiß, als die kleinen Fische auf See. Sehr viel mehr, das er noch weitergeben kann.
Das Gefühl in dir mag vergänglich sein, nur ein Augenblick von vielen in deinem Leben. Doch es wäre eine Schande es einfach ziehen zu lassen. Denn auch das ist eine Erfahrung unter tausenden und du willst sie machen. Nur einmal. Mit ihm.
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