Andromeda Black

GeschichteRomanze, Familie / P16
Andromeda Tonks Bellatrix Lestrange Druella Black Narzissa Malfoy Rabastan Lestrange Ted Tonks
13.06.2018
09.08.2019
37
152835
52
Alle Kapitel
184 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
31. Träume aus Dunkelheit und Glück


Andromeda benötigte wenige Herzschläge, um zu entscheiden, dass sie Elijah ganz gewiss nicht von ihren Gefühlen für Ted erzählen durfte. Sie wollte sehr gerne, doch eine solche Torheit wagte sie nicht zu begehen. Dann aber kam ihr etwas anderes in den Sinn. Gwendolyns Mutter. Sie schüttelte den Kopf, wie um den Gedanken zu verscheuchen, doch er schien dort festzukleben.
Gwendolyn wollte schließlich ohnehin dieses Buch schreiben. Und Elijah hatte ein Stück der Wahrheit verdient, wenn sie ihm auch niemals die ganze offenbaren konnte.
„Ich erzähle es dir“, sagte sie also noch immer ein wenig zittrig und vermutlich noch immer kalkweiß im Gesicht, „Aber dafür brauche ich eine Garantie, dass du Stillschweigen über alles bewahren wirst, das ich dir nun erzähle.“
„Ani.“ Elijah nahm wieder ihre Hand, zwang sie stehen zu bleiben und blickte ihr fest in die Augen, „Ich stehe dir näher als meiner Familie. Deine Geheimnisse sind auch meine, das verspreche ich dir.“
„Es…“ Andromeda holte tief Luft. „Ich brauche eine Garantie, weil es nicht meine Geheimnisse sind.“
Elijah sah sie einen Augenblick lang an und schien nachzudenken. „Ein Versprechen“, sagte er dann, „Ich gebe dir mein Wort, dass ich es nicht weitererzähle.“
Andromeda überlegte kurz, dann nickte sie. „Dein Wort bedeutet mir eine ganze Menge.“
„Also?“ Elijah sah sie auffordernd an. „Was ist schlimm genug, dass du… die undamenhafteste Aktion abziehen musst, die ich jemals von dir erlebt habe?“
„Merlin.“ Andromeda entzog ihm ihre Finger und bette den Kopf in die Hände. „Das war ziemlich peinlich, was?“
Elijah löste langsam ihre Finger von ihrem Gesicht und sah sie ernst an. „Das war es nicht“, sagte er eindringlich, „Mr Lestrange hat nichts mitbekommen. Sonst auch niemand. Und ich… ich bin für dich da.“
„Ich bin auch immer für dich da“, versicherte sie ihm eilig und Elijahs Gesicht wurde von einem Lächeln erhellt.
„Ich weiß, Ani“, sagte er, „Das weiß ich doch.“
„Also schön.“ Sie vermochte es nicht, ihm in die Augen zu sehen, also richtete sie den Blick stattdessen nach vorne und begann wieder zügig Richtung Schloss zu gehen. Sie war noch immer ein wenig wacklig auf den Beinen und froh, dass sie es nicht als nötig empfunden hatte, Gwendolyns Trank zu trinken.  
Zwei Tropfen aus dem Fläschchen in dem Beutel und du läufst grün an, wie ein Marsmensch. Vier Tropfen und dein gesamter Mageninhalt entleert sich vor dir.
Sie fühlte sich, als habe sie das Vierfache davon konsumiert.
„Es geht um Gwen“, sagte sie nun langsam. Die zynische Stimme Bellatrix’ meldete sich diesmal nicht zu Wort, aber das war auch gar nicht nötig. Den Verrat, den sie soeben beging, spürte sie auch so in jeder Faser ihres Körpers.
„Slinkhard?“ Elijah krauste die Stirn. „Ich dachte, ihr habt euch wieder vertragen.“
„Haben wir auch.“ Andromeda nickte. „Doch das schafft den Grund unserer Entfremdung nicht aus der Welt. Elijah - ihre Mutter ist ein Squib.“
„Oh“, sagte Elijah langsam und bedächtig und sie rechnete es ihm hoch an, dass er nicht schwieg, „Oh, das ist in der Tat ein Problem.“

***


Gwendolyn wartete im Gemeinschaftsraum auf sie. Sie saß am Kamin, der jetzt, da die Gruppe, die ihn sonst zumeist belegte, dem Treffen im Verbotenen Wald beiwohnte, frei war. Die Füße hatte sie lässig auf einem Tisch abgelegt und in ihren Händen hielt sie ein Buch, dessen Titel Andromeda nicht entziffern konnte.
„Ist es schon fertig?“, fragte sie aber und sprang auf, sobald Elijah und Andromeda den Gemeinschaftsraum betraten.
Andromeda warf Elijah einen mahnenden Blick zu, dieser aber ignorierte sie. „Ani geht es nicht so gut. Darum sind wir gegangen.“ Seine Stimme war kühl und Andromeda überkam die ungute Vorahnung, dass er Gwendolyn für ihre Misere verantwortlich machte.
„Wollt ihr euch setzen?“ Gwendolyn machte unbeholfen einen Schritt zur Seite.
„Vielleicht sollte Ani lieber schlafen gehen“, warf Elijah ein, ohne eine Miene zu verziehen.
„Schlafen?“ Gwendolyn vollführte eine ausholende Bewegung mit dem Arm. „Es ist nicht einmal neun Uhr.“
„Elijah hat vermutlich Recht“, sagte Andromeda rasch. Das schlechte Gewissen quälte sie, doch viel größer war die Angst, Bellatrix noch anzutreffen, „Ich sollte mich am besten ein wenig kurieren.“
„Okay.“ Gwendolyn griff nach dem Buch, welches noch immer am Kamin lag, und machte Anstalten, Andromeda zu folgen.
Elijah trat ihr in den Weg. „Sie braucht Ruhe“, sagte er scharf, „Und nicht dich, die sie jetzt vollquatscht.“
Gwendolyn wirkte einen Herzschlag lang gekränkt, dann aber entspannte sie sich. „Das werde ich nicht“, sagte sie behutsam, „Aber lesen kann ich auch in meinem Bett. Und dann bekomme ich immerhin mit, wenn es Dromeda wieder schlechter geht.“
Ehe Elijah etwas erwidern konnte, hatte sie sich bei Andromeda untergehakt, und zog sie zur Treppe. Diese aber wandte sich ganz oben noch einmal um. Elijah blickte ihnen nach und wirkte ganz verloren im Gemeinschaftsraum. Rasch löste sie sich aus Gwendolyns Umklammerung, lief die Stufen wieder hinab und zog Elijah in eine Umarmung.
„Danke“, wisperte sie an seine Ohr, „Danke für alles, El.“
Sie glaubte sein Lächeln an ihrer Wange zu spüren. „Dafür sind doch Freunde da, Ani.“

***


Als Andromeda am nächsten Morgen erwachte, war Gwendolyn an ihrer Seite. Die Ereignisse des vergangenen Abends waren in ihrem Kopf zu einem unförmigen Schemen verwischt und sie konnte sich nicht mehr an den Zeitpunkt erinnern, an dem sie die Freundin gebeten hatte, bei ihr zu bleiben. Doch sie war froh, dass es so war. Eine Weile verharrte sie reglos im Bett, lauschte den regelmäßigen Atemzügen Gwendolyns und versuchte, sich zu entspannen. Als es ihr beinahe gelungen war, die Ereignisse des vergangenen Abends zu verdrängen, setzte sie sich mit einem Mal stocksteif auf. Sie hatte kein Recht, sich in der Freundschaft Gwendolyn zu aalen. Nicht nach allem, was sie getan hatte. Nicht nach den Dingen, die sie Elijah über Gwendolyn erzählt hatte.
„Du bist wach.“
Gwendolyns Stimme an ihrer Seite ließ sie zusammenfahren. Als sie sich umwandte, bekam sie gerade noch mit, wie Gwendolyn sich ebenfalls aufrichtete.
„Ich konnte nicht mehr schlafen“, gab sie vage als Antwort zurück.
„Oh.“ Gwendolyn sah ein wenig betreten drein. „Das lag womöglich an dem Trank. Er war…“
„Es lag nicht an dem Trank.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich meine… ich habe ihn nicht benutzt…“
Gwendolyn zog eine Braue in die Höhe. „Aber du bist gegangen.“
„Sagen wir es so…“ Andromeda bettete den Kopf in die Hände, um zu verhindern, dass sie in Tränen ausbrach und Gwendolyn alles beichtete, „Der Trank war nicht nötig.“
„Du hast dich übergeben?“ Ein ersticktes Geräusch kam von ihrer Seite und als sie Gwendolyn wieder ansah, erkannte sie, dass die Freundin ein Lachen zu unterdrücken versuchte. „Wer hat das gesehen?“
„Elijah.“
Nun lachte Gwendolyn ganz offen. „Merlin“, japste sie zwischendrin erstickt, „Ich bin überrascht, dass er noch nicht das Weite gesucht hat. Du hast dich vor ihm übergeben.
Trotz ihrer teils etwas prüden Erziehung, die Andromeda derartige Themen angewidert betrachten ließ, und trotz des schlechten Gewissens, das an ihr nagte, musste sie in das Lachen einfallen. „Können wir das Thema bitte sein lassen?“, bat sie dennoch.
Dann fiel ihr Blick auf das leere Bett Celinas und die Erheiterung verflog langsam wieder.
„Ich habe Higgs nicht reinkommen hören“, bemerkte Gwendolyn leise, die ihrem Blick gefolgt war.
Andromeda hob die Schultern. „Wahrscheinlich ist sie schon beim Frühstück. Wir sollten auch…“
„Was?“, hakte Gwendolyn nach, als sie mitten im Satz abbrach.
„Sie alle werden dort sein“, sagte Andromeda fahrig, „Celina, Rabastan…“
„Bellatrix“, vollendete Gwendolyn den Satz, „Du hast Angst vor der Begegnung mit deiner Schwester.“
„Sie wird wissen, weshalb ich gegangen bin.“ Panik drohte in ihr aufzusteigen.
„Dromeda.“ Gwendolyns Tonfall war bestimmt und ihre Handbewegungen fest, als sie Andromedas Gesicht in die Hände nahm. „Deine Schwester kann sich nicht einmal vorstellen, dass jemand diese Veranstaltung freiwillig misst. Sie wird dich bemitleiden. Aber sie wird nicht schlecht von dir denken.“
„Du hast Recht“, sagte Andromeda nach einem Herzschlag des Schweigens, obgleich sie keinesfalls so empfand, „Niemand wird schlecht von mir denken.“

***


Beim Betreten der Großen Halle hatte Andromeda dennoch das Gefühl, alle Blicke auf sich zu ziehen. Sie sah Bob und Ted, die neben einem ahnungslosen Amar am Haustisch der Hufflepuffs saßen, und beide ein wenig besorgt schienen - obgleich sie das bei Bob nicht wirklich sicher sagen konnte. Er war ein größerer Meister der Ausdruckslosigkeit als jeder Schüler Mafalda Shafiqs. Sie glaubte die Blicke Bill Weasleys auf sich zu spüren, der am Vorabend noch erwähnt worden war, und allein das hübsche Mädchen an seiner Seite schien seine Aufmerksamkeit wieder von Andromeda wegzuverlagern. Sie sah Narzissa und Amanda, die Haferbrei löffelten und die Köpfe zusammensteckten. Sie sah Elijah, der ihr liebevoll zulächelte und auf den Platz neben sich deutete.
Und sie sah Bellatrix, zwischen Rabastan und ihrer blonden Mitschülerin, die dunklen Augen auf Andromeda gerichtet, das Gesicht zur Maske erstarrt.
„Crabbe sagte uns, dir sei nicht wohl gewesen“, bemerkte sie spitz, als Andromeda neben Elijah Platz nahm und beugte sich zu ihnen hinüber. Mit einem Anflug von Erleichterung registrierte Andromeda, dass Gwendolyn sich so setzte, dass Bellatrix nicht zu ihr durchrücken konnte. Der missbilligende Blick allerdings, mit dem Elijah Gwendolyn betrachtete, wollte ihr gar nicht behagen. Doch sie schob jegliche Gewissensbisse von sich.
Einen Schritt nach dem anderen.
„Das Essen war wohl nicht gut“, nutzte sie die gleiche Ausrede wie Elijah, „Die Hauselfen…“
„Nun“, fiel Bellatrix ihr ins Wort, ehe sie die wohl ausformulierten Worte loswerden konnte, „Wir hatten jedenfalls noch ungemein Spaß nachdem ihr weg wart.“
Andromeda erstarrte, als hätte man sie geschlagen. „Hattet ihr das?“, fragte sie dann langsam.
„Oh ja.“ Bellatrix tauschte einen Blick mit Rabastan, den Andromeda nicht einordnen konnte. „Du hast eine Menge verpasst, Ani.“
Es schien, als habe es die Wochen der Freundschaft zwischen Bellatrix und Andromeda nie gegeben und auf einmal wurde ihr klar, dass es auch beim letzten Mal das Treffen der Todesser gewesen war, das sie ihrer Schwester entfremdet hatte. Es barg eine gewisse Ironie, hatte Druella sie doch eigentlich zu diesem Treffen genötigt, um die Freundschaft aufzubessern.
„Das ist bedauerlich“, gab sie nun gepresst zurück und wollte den reumütigen Klang ihrer Worte selbst nicht glauben.
„Allerdings.“ Bellatrix taxierte sie raubtierhaft. Andromeda vermochte sich erst aus der stählernen Umklammerung ihres Blicks zu lösen, als es für jeden Anwesenden unangenehm zu werden drohte.
„Ich habe keinen Hunger, fürchte ich“, wandte sie sich an Elijah, der ihre Hand ergriff.
„Ist vielleicht auch besser so“, bemerkte dieser mitfühlend, „Gestern warst du grün wie ein…“
„Marsmensch!“, warf Gwendolyn enthusiastisch ein, doch auf einen bösen Blick Bellatrix’ hin verstummte sie bedrückt und wandte sich ihrem Haferbrei zu.
„Möchtest du, dass ich dich begleite?“, fragte Elijah, den Einwurf überhörend.
Andromeda erhob sich, den Blick auf die verschränkten Hände gerichtet. Sie war unheimlich glücklich über die Freundschaft, die sie verloren geglaubt ahtte, doch es war nicht Elijah, nachdem sie sich gerade sehnte. Im Rücken Bellatrix’ und Rabastans erblickte sie Bob, Amar und Ted, die ihr Frühstück beendet hatten und sich anschickten, die Große Halle zu verlassen.
Hastig wandte sie sich wieder Elijah zu. „Ich will dir wirklich nicht dein Frühstück vermiesen, El“, sagte sie bemüht ruhig und ignorierte Bellatrix’ abfälliges Schnauben, „Ich… ich sollte mich bloß ein wenig ausruhen. Und vermutlich packen.“
„Hast du es noch nicht gehört?“, mischte sich Narzissa ein. Sie saß ein ganzes Stück entfernt und unter normalen Umständen hätte sie gewiss keinen der familieninternen Streitigkeiten nach draußen getragen.
Was sollen wir noch nicht gehört haben?“, fragte Bellatrix und für einen wundervollen Moment standen die beiden Schwestern wieder auf derselben Seite.
„Du musst nicht packen, Ani“, sagte Narzissa spitz, „Denn wir bleiben diese Osterferien im Schloss.“

***


Als Andromeda endlich den Frühstückstisch verließ, war es deutlich später, als sie geplant hatte. Die Neuigkeit, die Narzissa den beiden Schwestern verkündet hatte, war unerwartet gekommen. Sicher, Druella war nicht gerade erfreut über den Tag in Hogsmeade gewesen und Bellatrix’ Ausrede für ihre UTZ lernen zu müssen bot ihr einen legitimen Grund, die Einladung zurückzuziehen. Dennoch. So etwas war noch niemals vorgekommen. Und Andromeda erfüllte der Gedanke daran mit Schaudern.
„Tut mir Leid für dich.“ Elijah lief Andromeda nun doch hinterher, als sie gen Ausgang strebte und hakte sich bei ihr unter. „Du wirst deine Eltern wohl vermissen.“
„Das ist es nicht.“ Andromeda zögerte. Bob, Amar und Ted waren längst verschwunden. Dennoch war es nicht Elijah, mit dem sie gerade ihre Probleme teilen wollte. „Ich…“ Seufzend blieb sie stehen und wandte sich dem Freund zu. „Meine ganze Welt scheint gerade auseinanderzubrechen. Meine Schwestern wenden sich von mir ab, Celina und Rabastan erscheinen mir unfassbar fremd und nun auch noch meine Mutter…“
„Hey.“ Elijah packte sie an beiden Schultern und sah sie ernst an. „Das kleine Mädchen mit dem furchtbaren Modegeschmack wird immer meine Freundin bleiben.“
Nun traten ihr doch alberne Tränen in die Augen und sie lehnte sich an Elijahs Schulter. „Du meinst wohl eher, das der kleine Junge mit dem furchtbaren Modegeschmack immer mein Freund bleiben wird.“ Sie grinste und fühlte sich auf einmal zuhause. „Danke, El“, fügte sie ehrlich hinzu, „Das bedeutet mir eine ganze Menge.“ Dann löste sie sich vorsichtig von ihm. „Ich muss jetzt…“
„Dich ausruhen.“ Elijah lächelte und strich ihr eine Strähne aus der Stirn. „Schon klar.“

Während Elijah in die Große Halle zurücklief, stieg Andromeda in den Kerker hinab. Sie fühle sich seltsam hohl und beinahe bereute sie, die Gesellschaft des Freundes ausgeschlagen zu haben. Doch es war nicht Elijah, nachdem sie sich sehnte. Es war…
„Dromeda.“
Erschrocken zuckte sie zurück, als sich eine Gestalt aus dem Dunkel schälte. Blondes Haar, blaue Augen. Er war ihr in den vergangenen Monaten so vertraut geworden und dennoch erschien es ihr jedes Mal wie ein Traum, dass sie ihn berühren, ihn küssen und seiner wunderbaren Stimme lauschen durfte.
„Ich…“ habe gerade an dich gedacht. Ihre Stimme brach im Satz und sie schluckte heftig. „Was machst du hier, Ted?“
Nun lächelte er das schiefe Grinsen, welches sie so gerne mochte. „Was wohl?“, fragte er mit mildem Spott in der Stimme, „Ich bringe Slughorn einen Papierflieger vorbei.“
„Als Ausgleich für dein Benehmen nach dem letzten Treffen?“ Sie musste unwillkürlich grinsen.
„Sicher.“ Ted stieß sich lässig von der Wand ab und trat auf sie zu. „Ich habe schließlich zwei Chaoten in sein Büro gelassen.“
Ihr wurde bewusst, dass das Treffen der Todesser sie so sehr vereinnahmt hatte, dass sie keine Zeit gefunden hatte, sich zu bedanken. „Du hast uns wieder zusammengebracht.“
Sein Lächeln wurde eine Spur überheblich. „Zicken“, sagte er schlicht, „Niemand mag Zicken.“
Sie stieß ihm gespielt verärgert mit dem Finger in die Brust. „Ich bin keine Zicke.“

Ein Schatten legte sich über sein fröhliches Gesicht. „Wie ist es gelaufen?“
Sie wusste sofort von was er sprach. „Es war furchtbar. Sie sind so voller Hass für… für Menschen wie…“
Ted hob eine Augenbraue in die Höhe. „Menschen wie mich“, stellte er fest.
Sie senkte den Kopf. „Unter anderem. Es ist gefährlich, Ted. Das mit un“
Blitzschnell zog er sie an sich und hielt sie so nah, dass ihre Gesichter nur wenige Millimeter trennten. „Nach dem ersten Kuss“, sagte er leise, „war mir klar, dass ich… dich brauchte, Dromeda.“
Die Angesprochene zuckte überrascht zurück und spürte, wie Wärme in ihre Wangen kroch.
„Und ebenso“, fuhr Ted fort und schien nichts von ihrer Verlegenheit zu spüren,  „war mir klar, wie schwierig das werden würde.“ Er brach ab, schluckte, als wolle er noch sagen, dann aber ließ er sie ebenso abrupt wieder los.

„Hier.“ Stattdessen steckte er ihr ein in schwarzes Satin-Papier gewickeltes Päckchen zu, „Darum habe ich eigentlich auf dich gewartet.“
„Was…?“ Verwirrt von der abgebrochenen Ansprache und dem plötzlichen Abstand, griff Andromeda beinahe mechanisch nach dem Päckchen. „Ted…“
Doch er deutete bloß auf das Päckchen und so wickelte sie es behutsam aus. Ein abgegriffener, einfacher Messingschlüssel mit der Nummer 17 kam zum Vorschein. Sie warf Ted einen unschlüssigen Blick zu, dann wendete sie ihn und sah, dass in verblichenen Lettern die Worte Eberkopf darauf zu lesen waren.
Andromeda furchte die Stirn. Sie hatte die Kneipe am Rande Hogsmeades in letzter Zeit für ihren Geschmack viel zu häufig betreten. Und das obgleich die schmuddelige  Kneipe derart herunter gekommen war, dass niemand, der wie Andromeda eine gute Erziehung genossen hatte, auch nur im Entferntesten daran dachte, einen Fuß dort hinein zu setzen.
Dann aber wurde ihr bewusst, was Ted ihr mit diesem Geschenk anbot: Einen Zufluchtsort, fernab des Schulgeländes, eine Flucht aus der Realität, ein Ort, an dem sie nicht mehr die wohlerzogene, reinblütige Nachfahrin des wohl unbeliebtesten Schulleiters Hogwarts war. Dort konnte sie ein einfaches Mädchen sein, das mit dem einfachen Jungen Zeit verbrachte, dem ihr Herz zugeflogen war, wie Blätter im Hauch des ersten Frühlings.

Es war seit Beginn einfach gewesen mit Ted zu sprechen, wunderbar leicht ihm die tiefsten Gedanken ihrer Seele anzuvertrauen. Es war sogar einahe leichter als mit Bellatrix, denn sie musste nicht fürchten ob eines falschen Wortes verurteilt zu werden. Und Ted selbst - er war ein wunderbarer Erzähler. Seine Geschichten waren weder zu kurz, noch zu lang, so amüsant, dass Andromeda das Chaos vergessen konnte, dass sich bereits seit der letzten Veranstaltung der Todesser am Rande des dunklen Waldes in ihrem Innern stetig aufbaute, und so tiefgründig, dass es sie erschaudern lies. Es sprach gegen alles, was sie seit Kindheit an erzählt bekommen hatte, doch dieser muggelstämmige Hufflepuff vermochte es ihrem Leben Töne zu entlocken, die ihr so unbekannt waren, dass sie sie nicht einmal vermisst hatte.

Als Andromeda den Kopf wieder hob und Ted anblickte, da klopfte ihr Herz heftig und ihre Lippen zierte ein albernes Lächeln. Die bitteren Gedanken schienen der Vergangenheit anzugehören.
„Wann?“, fragte sie bloß und umklammerte den Schlüssel so fest, dass es beinahe schmerzte.
„Komm morgen Abend“, sagte Ted und sah beinahe erleichtert aus, „Sieben Uhr?“
Andromeda nickte hastig. „Sieben Uhr klingt wunderbar.“
Als sie einschlief, da glaube sie einen Tropfen puren Glücks auf ihren Lippen zu spüren, der sich so real anfühlte, als habe sie tatsächlich ein Anrecht auf ebenjenes.

***


Das zugige Zimmer mit der Nummer 17 in der heruntergekommenen Kneipe Eberkopf in Hogsmeade bot keinen besonders einladenden Eindruck. Wuchtige Schränke und verblasste, einst wohl lavendelfarbene Gardinen zierten die Wände. Das Bett, welches das Zentrum des Zimmers bildete, war klein, die Matratze durchgelegen und die beiden storchbeinigen Stühle, die das einzige andere Mobiliar der Kammer bildeten, sahen so wacklig aus, dass sie bei dem rechten Menschen wohl direkt zusammengebrochen wären.
All dies sah Andromeda aber nicht, als sie am nächsten Abend in einen dunklen Mantel gehüllt, die Kapuze über die verräterischen Locken gestülpt, durch die Tür trat. Sie hatte sich wie üblich mit dem Einbruch der Nacht aus der Pforte des Schlosses gestohlen, doch diesmal war sie nicht über die Ländereien gen Wald geschlendert, sondern Richtung Dorf. Der Schlüssel hatte den ganzen Tag über in ihrer Tasche für ein geheimnisvollen Klingen gesorgt -wenn auch nur in Andromedas Kopf, die als einzige um dessen Anwesenheit wusste- und sie mit seinen Lockungen und Versprechungen jede Minute ungeduldiger werden lassen. Die Worte des dunklen Lords, die Okklumentik-Stunden mit Bob, all das schien auf einmal unwichtig.
Nun, da der Tag sich dem Ende zuneigte, war ihre innere Unruhe so groß, dass sie beinahe leichtsinnig wurde. Erst, als sie schließlich die Tür des Zimmers aufstieß, schien es als käme sie wieder zu Luft, ließe Sauerstoff in großzügig dosierten Wogen in ihre Lunge gleiten.
Nein, sie sah nichts von dem Verfall, der Spärlichkeit des Zimmers. Sie erblickte nur einen Strauß Orchideen in gedeckten Weiß- und Rosatönen, eine Flasche Elfenwein neben zwei kristallenen Gläsern auf einem der storchbeinigen Stühle und ihn, Ted. Er stand in der Mitte des Zimmers, in ein einfaches anthrazitfarbenes Hemd aus Leinen und eine dunkle Stoffhose gekleidet. Ein Lächeln lag so breit auf seinen Lippen, dass es das ganze Zimmer auszufüllen schien und seine Augen blitzten groß und freudig und vertrauensvoll von der Tür her und schienen Wogen der Magie - der Muggelmagie- in die Luft zu weben.

Ihr Herz lief beinahe über vor Glück und ohne ihr Zutun setzten sich ihre Beine in Bewegung.
„Gefällt es dir?“, fragte Ted lächelnd und hob sie in die Höhe, als sie die Arme um seine Schultern warf. Sie löste sich so rasch es ging wieder aus der Umarmung und sah ihn stattdessen an. Wenn Edward Tonks lachte, dann lachte nicht bloß sein Mund. Seine weichen, braunen Augen glitzerten und blitzten in seinem hübschen, vertrauenswürdigen Gesicht, seine Nase zog sich zusammen, sodass sich auf seiner Stirn und um seine Augen lauter winzige Fältchen bildeten und seine Aura… Nun, Andromeda war niemand, der behauptete Auren lesen zu können und selbst die Weissagungen Professor Doughtons tat sie im Gegensatz zu Celina und Rabastan meist als Flunkern ab. Doch bei Ted, da meinte sie beinahe schwören zu können, dass sich seine Aura veränderte, wenn er lächelte. Er schien umgeben von einem strahlenden Glanz aus Licht und Zufriedenheit und Sicherheit.
„Was ist?“, fragte er nun, da sie nicht antwortete, ihn bloß aus ihren tiefen, dunklen Augen musterte.
„Du bist wunderschön“, brachte sie hervor und fand sich selbst so fruchtbar kitschig und albern und… Black-unwürdig, dass es ihre Mutter wohl zum Erbrechen einer ohnehin schon spärlichen Mahlzeit gebracht hätte.


Ein wenig aufgebracht schüttelte die mittlere der Black-Schwestern nun den Kopf, dass ihre dunklen Locken durch die Luft gewirbelt wurden. Der Schatten ihrer Familie schien sie immer und überallhin zu begleiten. Die warnenden, gebieterischen Worte ihrer Mutter hatten ihren Geist fester im Griff als ein Grindeloh das Objekt seiner Begierde, und vermochten es so, ihr sogar diesen wundervollen Augenblick zu ruinieren.
„Das Zimmer, alles was du hergerichtet hast… es ist perfekt“, sagte sie rasch, doch es war zu spät. Seufzend ließ sich Ted auf dem Bett nieder und klopfte mit der Hand auf das Laken - ein Zeichen, dass sie sich zu ihm setzen sollte.
„Woran hast du gedacht?“, fragte er ruhig, „Ist es wegen den…?“
„Todessern?“ Sie wollte ihn zurückweisen und das Glück, das sie den ganzen Tag mit sich herum getragen hatte wie einen besonders gut duftenden Flakon Parfum, wieder an die Oberfläche bringen.
Doch es ist so eine Sache mit dem Glück. Ist es zum Greifen nah, so sollte man es rasch an sich bringen, denn nur allzu schnell ist es verschwunden.
„Es ist… wegen allem.“ Ehe sie es verhindern konnte, brachen bittere, salzige Tränen aus ihren Augen hervor., Sie rannen ihre Wangen hinab, beschmutzten das hübsche mitternachtsblaue Kleid, das sie extra für ihren liebsten Hufflepuff angezogen hatte, und erstarrten schließlich auf der fleckigen Bettdecke. „Die Todesser. Meine Schwestern. Meine Mutter. Celina, Rabastan. Du.“

„Was ist mit ihr?“, fragte er behutsam, während er ihren Kopf an seiner Brust barg und ihr liebevoll über die Haare fuhr.
„Ich fürchte, ich bringe dich in Gefahr“, brachte sie mühsam hervor, „Für Menschen wie sie bist du ein Ärgernis, das aus dem Weg geschafft werden muss. Wenn du hören würdest, wie sie reden. Bella, Rabastan… der dunkle Lord selbst.“
„Ich wünsche, du müsstest es nicht hören“, sagte Ted traurig.
„Ach Ted.“ Sie räusperte sich, dann sah sie ihn an. Noch immer war ihr Blick von Tränen verschleiert. „Ich bin selbstsüchtig und egoistisch. Ich sollte dich um deiner eigenen Sicherheit willen von mir stoßen. Doch ich kann nicht. Ich…“ Ich brauche dich.
„Ach Ted, es tut mir so Leid“, sagte sie stattdessen.
Auf diese Worte hin, löste er ihren Kopf von seinem Hemd, hob ihn an, sodass sie gezwungen war, ihm direkt in die Augen zu sehen.
„Das muss es nicht“, sagte er und aus seinen Augen sprach Ehrlichkeit und eine solche Wärme, wie Andromeda sie nicht einmal in den Augen ihrer Schwester jemals erblickt hatte, „Ich möchte für dich da sein. Ich möchte der sein, der deine Tränen auffängt und ich möchte auch der sein, der das Lächeln wieder in dein bezauberndes Gesicht bringen kann, wenn keine Tränen mehr da sind. Ich möchte deine Freude tragen, aber auch deinen Kummer, Dromeda. Jetzt und für immer.“
Unwillkürlich hatten sich die feinen Härchen auf ihren Unterarmen bei diesen Worten aufgestellt und sie blickte ihn sprachlos an.

„Ein anderer wäre längst davon gerannt“, sagte sie schließlich verblüfft und ihre Stimme zitterte ein wenig.
„Ein anderer liebt dich auch nicht so, wie ich es tue“, erwiderte er nüchtern und fing eine der Tränen, die noch immer unaufhaltsam ihre Wangen hinab rannen, mit seiner hohlen Hand auf, „Ein anderer wird nicht der Mann sein, der dich aus deine Trauer rettet und von deinen Zwängen befreit.“
„Du-du…“ Wieder fehlten ihr die Worte. „Du liebst mich?“, brachte sie schließlich hervor, obgleich es im Grunde nicht das war, was sie sagen wollte. Ich brauche dich, wollte sie sagen, ich fühle mich lebendig bei dir, ich fühle mich frei, Ted Tonks. Und dennoch waren es diese Worte - diese falschen Worte-, die ihr über die Lippen kamen.
Er aber lachte nur laut auf, schien nicht im Mindesten gekränkt. „Natürlich liebe ich dich“, sagte er, als sei dies das Selbstverständlichste auf der Welt, als habe er nicht eben einen unerhörten Frevel ausgesprochen. Er, ein Muggelstämmiger, der sein Herz einer Back zu Füßen legte. „Wie könnte ich auch nicht? Du bist für mich wunderschön, du bist klüger als die meisten und du verfügst über einen subtilen, spöttischen Witz, den ich… den ich noch niemals zuvor gesehen habe. Wie könnte ich dich nicht lieben? Wie könnte irgendjemand dich nicht lieben?“

Einem Impuls folgend lehnte sich vor und drückte ihre Lippen auf die seinen. Sie konnte weder in Worte fassen, was sie in diesem Augenblick empfand noch ihm sagen, was sie fühlte, was ihr Herz mit aller Kraft hinaus schrie. Und dennoch brauchte sie ihn in diesem Augenblick so sehr, wie nie zuvor. Der süßliche Kürbisgeschmack seiner Lippen vermischte sich mit dem Salz ihrer Tränen, als sie langsam seinen Mund mit ihrer Zunge öffnete, um Einlass bat.
Ted schien einen Augenblick unschlüssig, schließlich weinte sie soeben, doch wie immer wusste er ganz genau, was sie empfand. Und so gab er schließlich nach, beugte sich ihrem Flehen und gewährte ihrer Zunge Einlass. Zuerst waren die Küsse zögerlich, unterbrochen von dem steten Schluchzen Andromedas. Schließlich aber wurden sie heftiger, Ted umfasste die Hüften Andromedas mit festem Griff und zog sie mit einer geschmeidigen Bewegung auf die seinen und Andromeda selbst krallte ihre Hände in seinen Rücken, so unblackhaft, so wenig wohlerzogen, klammerte sich an ihn, nahm seine Muskeln auf, die sich unter ihren feinen Händen rau und unbändig anfühlten, ließ schließlich eine Hand in sein blondes, wirres Haar wandern.
Sie wollte ihn spüren, wollte jede Faser seines Körpers spüren, sich vergewissern, dass sie nicht träumte. Ohne drüber nachzudenken, begann sie sein Hemd aufzuknöpfen, einen Knopf nach dem anderen, bis sie es schließlich von seinen Schultern streifen konnte.

„Dromeda“, hauchte Ted vorsichtig und hielt ihre Hände fest, die weiter zu seiner Hose wandern wollten, „Dromeda, was tust du denn da?“
„Ich brauche dich, Ted.“ Nun waren sie doch da, diese Worte, leise in sein Ohr gemurmelt, aber ehrlicher als alles, was sie in ihrem Leben je empfunden hatte, „Ich will dich bei mir haben, ich will… ich will dich spüren.“
Er  griff mir der freien Hand nach ihrem Kinn, drehte es erneut in seine Richtung.
„Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist…“
„Glaub mir, Ted“, brauchte sie ein wenig außer Atem hervor, „Das ist die beste Idee, die ich jemals hatte. Ich…“ Die Worte steckten tief in ihrem Hals, wollten hinaus und doch wieder nicht. Aber tief in ihrem Herzen wusste Andromeda, dass sie längst zu weit gegangen war. „Ich liebe dich auch, Ted Tonks“, sagte sie schließlich und da waren sie wieder, die Tränen, das Schluchzen, das Wissen um ihre Schande. „Ich liebe dich“, wiederholte sie ihre Worte, „Und ich möchte wissen, dass das hier kein Traum ist.“
Endlich ließ Ted ihre Hände los und sah sie mit einem solch intensiven Blick an, wie sie es noch nie gesehen hatte.
„Ich weiß“, sagte er schlicht, „Und ich weiß, dass wir zusammen gehören.“
Er küsste die Tränen von ihren Wangen, vom Rand ihres Dekolletees, von der Decke ihres Bauches und inmitten all seiner Küsse und Berührungen schien Andromeda in Flammen aufzugehen.
Sie wusste, dass es niemals so einfach sein konnte. Und doch wollte sie sich in diesem Augenblick nur dem Jungen hingeben, dem ihr Herz gehörte.

___________________________________________________________________________________


Da ich nach circa dreimaliger Überarbeitung noch immer das Gefühl habe, dass ich den Kitsch-Faktor nicht genügend reduzieren konnte: Sagt bitte Bescheid, falls ihr kleben bleibt. :D
Review schreiben