Andromeda Black

GeschichteRomanze, Familie / P16
Andromeda Tonks Bellatrix Lestrange Druella Black Narzissa Malfoy Rabastan Lestrange Ted Tonks
13.06.2018
13.10.2019
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Hey :)

Schön, dass ihr her gefunden habt. Im Vergleich zu den paar Kapiteln, die ich am Anfang vorgeschrieben hatte, hat sich diese Geschichte mittlerweile zu einem ziemlich großem Werk manifestiert, das viele Randereignisse des Harry Potter-Universums aufgreift - wobei insbesondere die Beziehung zwischen Andromeda und Ted beleuchtet wird.

Falls euch irgendwelche Logik- oder Rechtschreibfehler auffallen, freue ich mich natürlich ungemein, wenn ihr mich kurz darauf aufmerksam macht. Danke schon einmal im Voraus!

Dann wünsche ich euch viel Vergnügen beim Lesen.

Maya

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1. Schlechtes, unreines Blut


Andromeda Black und Edward Tonks lernten sich in ihrem fünften Schuljahr kennen, was gleichermaßen erstaunlich spät und überraschend früh war. Erstaunlich spät deshalb, weil sie seit dem ersten Schuljahr, als der Sprechende Hut mitten in ihre Herzen geblickt hatte, die gleiche Jahrgangsstufe besuchten, die gleichen Streichhölzer in Stecknadeln verwandelten, die gleichen Gegenstände magisch zu sich riefen. Und es war überraschend früh, da Andromeda Black bei jener Zeremonie vor nunmehr dreieinhalb Jahren nach Slytherin eingeteilt worden war. Ted Tonks nach Hufflepuff.
Trotz der obligatorischen Fehde zwischen Slytherins und Gryffindors gab es wohl keine zwei Häuser, die weniger gemeinsam hatten als erstere mit den Hufflepuffs.

Andromeda und Ted waren, was dieses Vorurteil betrifft, keine Ausnahme. Ted, muggelstämmig, hatte erst kurz vor seinem elften Geburtstag von dem magischen Gut in seinen Adern erfahren und nutzte seit jeher die neugewonnen Fähigkeiten dazu, Gutes zu tun. Er half seinen Mitschülern im Unterricht, wenn diese nicht weiter wussten, er nutzte seine freien Abende im gemütlichen Gemeinschaftsraum der Hufflepuffs dazu jüngeren Schülern, die an ihren Hausaufgaben verzweifelten, die schwierigen Lektionen der Magie verständlich zu machen, er heilte Meermenschen im See, die an Menschenkrankheiten litten und er verband Bowtruckler, die um ihre winzigen Gliedmaßen fürchteten.

Andromeda dagegen war von jeher im Glauben an die Vorherrschaft des reinen Blutes erzogen worden. Man hatte ihr eingetrichtert, dass Magier unreinen Blutes, Menschen niederer Art waren, denen Rechte zuteil wurde, die ihnen verwehrt werden sollten und die Privilegien nutzten, für deren bloße Erwähnung man sie besser hingerichtet hätte.
Während andere Töchter mit ihren Müttern kochten, Ausflüge unternahmen oder Eis essen gingen, lernte Andromeda wie eine Dame ihres Standes sich zu kleiden, wie sie ihren Ehemann zu behandeln und wie sie auf Muggelstämmige herabzusehen hatte.
Und während andere Mädchen auf den Schultern ihrer Väter jauchzend durch die Wohnung tobten oder im Winter ausgiebige Schneeballschlachten mit Kindern jeglicher Abstammung auf der Straße durchführten, studierte Andromeda den Stammbaum der Familie Black, las die Toadstool Tales, feierte Weihnachten in einem Haus voller abgeschlagener Hauselfen-Köpfe und etablierte Wörter wie Schlammblut, Obrigkeit oder für das größere Wohl in ihrem Sprachgebrauch.

Ja, es mochte wohl verwunderlich sein, dass es überhaupt jemals zu einer Begegnung zwischen Andromeda Black und Ted Tonks kam. Viele Jahre nach diesem allerersten Gespräch sollte Andromeda einmal überlegen, wie anders ihr Leben wohl verlaufen wäre, wäre dieser eine Tag nicht gewesen.

Andromeda hatte an diesem Tag in ihrem fünften Schuljahr eine wahrhaft grauenvolle Wahrsagen-Stunde hinter sich gebracht und ihr Kopf war noch ganz neblig von all den Räucherstäbchen und Duftwässerchen, die Professor Doughton, die Wahrsage-Lehrerin, so gerne im Klassenzimmer verteilte. Im Grunde wollte sie nichts anderes tun, als in den Gemeinschaftsraum der Slytherins zurückkehren und sich auf den dunklen Ledersofas vor dem Kamin entspannen.
Ihre Klassenkameraden Rabastan und Celina plapperten zusammenhangsloses Zeug über die Prophezeiung, die Professor Doughton soeben gehalten hatte, während sie den weiten Weg vom Nordturm des Schlosses bis in die Kerker hinabstiegen. Andromeda hörte ihnen nur mit halbem Ohr zu und war in Gedanken bereits bei der wohligen Wärme des Kaminfeuers und einer dampfenden Tasse Tee, zu der sie im Gemeinschaftsraum gewiss kommen würde. Sie hatten die Eingangshalle, von der aus die Treppen in den Kerker abgingen, beinahe erreicht und Elijah Crabbe versuchte sie soeben in ein Gespräch über das Quidditch-Spiel am kommenden Wochenende zu verwickeln, als sich die Türen der großen Halle öffneten und drei lachende Schüler hinaustraten. Sie hatten sich gelbe Schals um die Hälse gewickelt und in ihrem Gespräch kamen eindeutig die Worte Fußball und Telefon vor.

Muggelstämmige. Andromeda spitzte verächtlich die Lippen. Sie tauschte einen bedeutungsvollen Blick mit ihren Freunden und einvernehmlich machten sie einen großen Bogen um die Mitschüler.
Nur dass diese Geste der Abwertung nicht unbemerkt blieb.

„Lestrange“, rief einer der Ankömmlinge, „Crabbe, Black, Higgs!“
Andromeda wollte weiterhasten - als wohlerzogene junge Dame bemühte sie sich Streite dieser Art zu vermeiden - doch Elijah und Rabastan blieben stehen und ließen drohend die Muskeln spielen.
„Und ihr seid?“, fragte Rabastan von oben herab, „Was wagt ihr es, unsere Namen in eure wertlosen Münder zu nehmen?“
„Wertlos?“, echote ein zweiter Hufflepuff. Er hatte blondes volles Haar und Grübchen um seine Mundwinkel, die davon zeugten, dass er fröhlicher Natur war. Seine hellen Augen blitzten ein wenig streitlustig, doch dies konnte das Mitgefühl, das sonst aus ihnen sprach, nicht ganz verbergen. Unter anderen Umständen hätte Andromeda ihn gewiss als attraktiven jungen Mann eingestuft. Doch er war ein Muggelstämmiger. So gönnte sie ihm nicht einmal einen zweiten Blick.

„Natürlich seid ihr wertlos“, spottet Elijah, „Der große Salazar Slytherin wusste schon, weshalb er die Schule von allen Unwürdigen säubern wollte. Von allen Schlammblütern.“
Andromeda schloss resigniert die Augen. Doch Edward Tonks -denn natürlich war er es, auch wenn Andromeda sein Name zu diesem Zeitpunkt nichts gesagt hätte- war nicht umsonst ein Hufflepuff. Und kein Gryffindor, der zuerst mit dem Herzen und dann mit dem Kopf dachte.

„Ihr seid so versessen von eurem Wahn des reinen Blutes." Er blickte alle vier offen an. „Ihr überseht das Offensichtliche. Würde es nach eurer Ideologie gehen, so wäre die Blutlinie der Magier in wenigen Generationen ausgestorben. Früher womöglich noch, wenn man Squibs einberechnet, die in einer Welt der Inzucht sicher häufiger als gewöhnlich auftreten.“
„Unsere Nachfahren werden keine Squibs“, wollte Elijah schon aufbegehren und Rabastan zog entschlossen den Zauberstab, um sich für diese Gemeinheit zu rächen, doch Ted Tonks ließ ihn überhaupt nicht zu Wort kommen.
„Ja, ihr seid perfekt“, sagte er und Andromeda musste das Grinsen, das sich auf ihre Lippen schleichen wollte, hastig herunterschlucken. Bei Merlin, er war ein verachtenswerter Muggelstämmiger, kein unterhaltsamer Zeitgenosse! „Aber die Fakten sind unwiderlegbar. Und selbst wenn nicht - wir sind doch alle Magier. Sollten wir nicht zusammen halten?“
„Zusammen halten - mit Blutverrätern und Schlammblütern." Rabastan hätte sicher noch mehr erwidert, doch Andromeda und Celina wechselten einen einvernehmlichen Blick. Andromeda hakte sich bei Rabastan unter, Celina bei Elijah und drängten beide unverblümt in Richtung Treppe, ehe noch Blut vergossen werden würde.
„War echt nett mit euch zu reden. Black, Higgs.“ Einer der Hufflepuffs deutete eine spöttische Verbeugung an. Andromeda war froh, dass weder Elijah noch Rabastan diese Geste mitbekam.

Ja, dies war die erste Begegnung Andromeda Blacks und Ted Tonks, und obgleich es keine besonders erfreuliche war, so war sie doch nicht so schlecht, wie sie hätte sein können.
Sie würde nicht die letzte Begegnung dieser Art sein.

***


Das Jahr neigte sich mit einem herrlichen Wintertag dem Ende entgegen. Die Straßen waren weiß von dem Schnee, der in der vergangenen Nacht frisch und weich auf Großbritannien niedergegangen war, die Luft frostig und so kalt, dass man den eigenen Atem nebelhaft wahrnehmen konnte, und die Gesichter der Menschen gleichsam froh und besorgt ob des plötzlichen Wintereinbruchs.

An diesem Tag hatte Andromeda sich trotz der Kälte, in einen pelzbesetzten Wintermantel und dicke, aus Drachenleder gefertigte Handschuhe gewickelt, auf den Weg in die Zaubererstadt Hogsmeade gemacht, die sich in unmittelbarer Nähe ihrer Schule befand. Sie wusste, die meisten ihrer Freunde zogen es vor, an einem Tag wie diesen ihren kuscheligen Platz am Kaminfeuer mit einer dampfenden Tasse heißen Tees oder Honigweins in der Hand, nicht zu verlassen. Doch so sehr sich Andromeda auch  in den urigen Gemäuern des Schlosses wohl fühlte und die belanglosen, amüsanten Anekdoten ihrer Freunde  zu schätzen wusste, so sehr genoss sie auch die Einsamkeit.
Besonders an einem ruhigen, herrlich kühlen Tag wie diesem.

Eine halbe Stunde später fand sie sich auf einer der Bänke vor den Drei Besen wieder, ein süß-duftendes Butterbier vor ihrer Nase und ein abgegriffenes Buch von Beatrix Bloxam in den Händen. Sie genoss die köstliche Stille,  in der sich ihre Gedanken so wunderbar frei entfalten konnten.
Diese friedliche Idylle sollte gleichwohl nicht lange anhalten.

Nach wenigen Minuten bereits kam eine lärmende Meute angetrunkener Hufflepuffs aus den Drei Besen getorkelt und besetzte die Bänke um Andromeda herum.
Einen Augenblick lang konnte Andromeda sie nur verblüfft anstarren. Ausgerechnet Hufflepuffs, die verbotene Substanzen wie Feuerwhiskey oder Elfenwein konsumierten - denn von Butterbier allein konnten sie nicht derart betrunken geworden sein, waren in der Tat ungewöhnlich. Dann aber wurde ihre Aufmerksamkeit von einer anderen, größeren, Seltenheit in Beschlag genommen.

„Black“, sagte jener Hufflepuff mit dem blonden Haar und den freundlichen Augen, der ihr bereits zuvor schon durch Mut und Besonnenheit aufgefallen war, sobald er sie erblickte und nahm ungefragt neben ihr Platz, „Du - ganz allein hier?“
Mit einem abgrundtiefen Seufzer schloss Andromeda ihr Buch und sah ihm fest in die Augen.
„Ich wollte meine Ruhe.“
„Dann solltest du womöglich in die Bibliothek gehen.“ Ted Tonks deutete dann auf ihr Butterbier. „Liegt es also bloß am Alkohol, dass du hier bist? Oder etwa doch an der netten Gesellschaft?“

Andromeda lachte auf. „Meinst du damit etwa dich?“
Ted griff sich theatralisch in die Brust. „Ich bin der angenehmste Gesprächspartner, den du dir nur wünschen kannst. Du musst mir nur eine Chance geben.“
Sie war beinahe bereit, ihm tatsächlich diese Chance zu gewähren. Die Courage eine Black anzusprechen, die so offensichtlich in Ruhe gelassen werden wollte und dann auch noch dermaßen von sich überzeugt zu sein, schätzte sie durchaus wert.
In diesem Augenblick aber traten zwei Gestalten an den Tisch. Andromedas älteste Schwester Bellatrix, die die Klasse über ihr besuchte und Rodolphus Lestrange, der Bruder von Andromedas Freund Rabastan, der in diesem Jahr seinen Abschluss machen würde.

„Du belästigst meine Schwester, Muggel."
„Nimm deine dreckigen Finger von ihr.“ Erschrocken erkannte Andromeda, dass Rodolphus Lestrange ebenso vorschnell mit dem Zauberstab unterwegs war, wie sein kleiner Bruder und ihn dem seltsamen Hufflepuff drohend unter die Nase hielt.
Binnen weniger Sekunden glitt auch Ted Tonks’ Zauberstab in seine Hand und Andromeda musste ihren ersten Eindruck revidieren. Er war nicht annähernd so betrunken, wie sie geglaubt hatte. Ganz offensichtlich hatte er nicht vor, sich vertreiben zu lassen.
„Ich bin kein Muggel." Amüsement schwang in seiner Stimme mit. „Mein Zauberstab wollte dann doch lieber einen würdigen Besitzer.“
Andromeda zuckte einen Augenblick irritiert zusammen ob der Wortwahl, dann wurde ihr klar, dass der Satz mit voller Absicht an den Jargon der reinblütigen Zauberer angepasst worden war. Eine dumpfe, bange Vorahnung schlich sich in ihr Herz.
Würdiger Besitzer!“ Rodolphus spuckte vor dem Hufflepuff aus, doch dieser zuckte nicht einmal mit der Wimper ob dieser Beleidigung, „Wahrscheinlich hast du ihn einem Zauberer gestohlen. Das ist es, was ich von deiner Würde halte, Schlammblut.“
Nun zeichnete sich ehrliche Überraschung im Gesicht des Schülers ab. „Du glaubst das wirklich. Du kannst doch nicht so dämlich sein, Lestrange.“

Andromeda kannte den Ausdruck, der sich nun auf den Zügen Rodolphus' bildete, denn Rabastan neigte häufig zu dem gleichen Mienenspiel. Eine Ader begann auf seiner Stirn zu pulsieren und auf seinen Wangen bildete sich eine Zornesröte.
Später sollte sie sich einreden, sie sei nur besorgt gewesen, die Situation möge eskalieren. Schließlich waren die Slytherins deutlich in der Unterzahl, auch wenn nicht gerade viele der Hufflepuffs so nüchtern schienen, wie Ted Tonks.
Aus unerklärlichen Gründen aber hatte sie in diesem Augenblick furchtbare Angst davor, dass die Körperteile des Hufflepuffs womöglich in naher Zukunft im Krankenflügel zusammen geflickt werden mussten.
Sie trat vor, ehe sie es sich anders überlegen konnte.

„Du kannst einen Lestrange doch nicht als dämlich bezeichnen. Sie sind wahrlich brillante Zauberer. Wie könnten sie einem Irrglauben verfallen?“
Ted Tonks’ Mundwinkel zuckten, er war sich des milden Spotts ganz offensichtlich bewusst. Nicht so Rodolphus, den ihre Worte offenbar genug besänftigten, um die drohende Haltung ein wenig zu lockern.
Ted zögerte noch einige Herzschläge lang, dann aber neigte er in stummem Einverständnis den Kopf.
Der Blick, den er mit Andromeda wechselte sagte ihr, dass er verstand.

„Kommst du, Ani?“ Bellatrix sah Andromeda beinahe ungeduldig an, und so löste sich Andromeda schließlich von den Augen des Hufflepuffs, die so viel wärmer waren, als alles, was sie kannte. Sie hakte sich bei ihrer großen Schwester ein und begleitete die beiden Slytherins zum Schloss zurück.

Als sie sich aber bereits von Rodolphus verabschiedet hatten und Andromeda endlich in ihren Schlafsaal gehen wollte, da hielt Bellatrix sie zurück.
„Du hast dich über ihn lustig gemacht." Es schwang keine Frage in Bellatrix Satz mit.
„Über den Hufflepuff?“
„Über Rodolphus. Weshalb hast du das gemacht?“
Andromeda verdrehte die Augen. Sie war wohl die einzige, die sich gegenüber Bellatrix eine solche Geste heraus nehmen konnte.

In dieser Zeit gab es keine andere Person, der sie sich so sehr verbunden fühlte, wie Bellatrix. Nur ein Jahr trennte die beiden Schwestern und waren sie sich auch äußerlich ähnlich wie kaum jemand sonst, so waren ihre Innern so unterschiedlich wie es zwei Menschen bloß sein konnten. Bellatrix aufbrausend, fordernd, jemand zu dem die anderen Menschen aufsahen. Andromeda wohlerzogen, ein wenig voll unangebrachtem Spott, weckte wie ihre jüngere Schwester Narzissa den Beschützerinstinkt der Menschen.
Man sollte meinen ein solcher Unterschied führe zu Spannungen zwischen den Schwestern. Tatsächlich aber schienen sie sich genau dadurch so gut zu ergänzen.

Es gab kaum ein Geheimnis, das die beiden trennte. In den Ferien schlüpfte häufig die eine zur anderen des morgens ins Bett, wo sie dann stundenlang über Zukunftsängste und Jungs und die gar nicht so geringe Schnittmenge dieser beiden Themen sinnierten und jede Sorge teilten, die ihren Geist beschattete.
Narzissa war drei Jahre jünger als Andromeda, vier sogar als Bellatrix. Beide wussten nicht viel anzufangen mit dieser stillsten der Black-Geschwister. Obgleich sie sie liebten war es die Freundschaft zwischen Andromeda und Bellatrix, die so stark schien, dass sie womöglich den Tod überdauern konnte.

Ja, in dieser unbeschwerten Zeit ihres fünften Schuljahres standen Bellatrix und Andromeda sich so nahe, wie Bellatrix niemals wieder einem Menschen stehen würde. Selbst nach ihrer Entfremdung, peinigte Andromeda noch häufig der Gedanke, dass dies womöglich ihre Schuld war. Dass Bellatrix ein einziges Mal in der Lage gewesen war, jemanden zu lieben. Und dass sie ihre Liebe enttäuscht hatte.

„Wir beide wissen, dass der Hufflepuff seinen Stab nicht geklaut hat, Bella. Das ist lächerlich.“
„Und ich dachte schon, du schlägst dich auf die Seite eines einfältigen Schlammbluts.“
„Das meinst du nicht ernst.“
Einen Herzschlag lang glaubte sie etwas in Bellatrix’ Blick zu sehen, das ihr einen Schauder über den Rücken jagte. Zweifel, Unsicherheit. Dann aber strafften sich die Züge der ältesten der Blacks.
„Natürlich nicht.“ Ihr Grinsen war in diesen Zeiten bereits ansteckend und sollte sich später einmal in das irre, berühmt-berüchtigte Funkeln verwandeln sollte, „Du hast schließlich Recht, Ani. Der Hellste ist Rodolphus wohl wirklich nicht.“
„Und trotz dieser Erkenntnis bist du bereits das dritte Mal mit ihm ausgegangen?“
„Ich werde ihn wohl heiraten, Ani. Mutter hat das alles schon besprochen.“

„Du wirst ihn heiraten?“ Arrangierte Ehen waren in reinblütigen Familie nichts Ungewöhnliches. Trotzdem schockierte es Andromeda, dass ihre Schwester ihr Leben mit einem Mann verbringen würde, den sie so wenig ernst nehmen konnte.
„Aber sicher.“ Bellatrix fuhr Andromeda in einer Geste, die beinahe als zärtlich war, mit dem Finger über die Wange. „Doch keine Sorge, Ani. Für dich wird sie auch den passenden Mann finden.“
Nun, dies war nicht unbedingt die Art von Sorge, die Andromeda sich machte.
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