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Every Breath You Take

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
13.06.2018
08.04.2020
12
21.372
5
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02.04.2019 1.278
 
Regina hatte ausgiebig geduscht, sich die Haare geföhnt und putzte sich jetzt die Zähne. Das Bad war nicht groß und ziemlich vollgestellt, aber sauber. Er hatte mit Sicherheit eine Putzfrau!

Als sie fertig war, warf sie noch einen skeptischen Blick in den Spiegel und zog den Bademantel enger um sich. Ihre Haare fielen in Wellen auf ihre Schultern und als sie ihrem Blick im Spiegel traf, atmete sie tief aus. Ihr Herz klopfte etwas schneller, als sie die Tür öffnete.

Dirk Matthies saß auf seiner Couch, hatte eine Flasche Bier in der Hand und betrachtete interessiert das Geschehen auf dem Bildschirm. Fußball. Regina erinnerte sich vage an ein St. Pauli Spiel am Wochenende.

Als sie aus dem Bad kam und die Tür hinter sich schloss, schaute er auf. Sie lächelte verlegen.
Er musterte sie kurz und wandte sich dann wieder dem Geschehen im Fernsehen zu.
Sie trug den grün-karierten Morgenmantel, den er schon einmal an ihre gesehen hatte, als er vor einiger Zeit gezwungen war, ihr Hotelzimmer zu durchsuchen und darunter blitze ein weißes Spitzennachthemd hervor. Ihm wurde augenblicklich heiß und er trank hastig einen Schluck Bier. Regina ging entschlossen an ihm vorbei.

„Gute Nacht, Herr Matthies“, murmelte sie verlegen.

„Gute Nacht, Frau Küppers“, gab er zurück und grinste schief, als sie im Schlafzimmer verschwand.

An der Tür drehte sie sich nochmals um.

„Und...“, sie zögerte. „Danke“, sagte sie schließlich lächelnd.

„Da nich´für“, gab er zurück.

Er schaltete den Fernseher aus und baute sich ein Bett auf der Couch.
Seine Wohnung war wie ein Loft geschnitten, jeder Raum hatte Fenster auf mehreren Seiten und so warf er einen verstohlenen Blick in Richtung Schlafzimmer, wo sie die Kissen in seinem Bett aufschüttelte und anschließend den Morgenmantel über ihre Schultern streifte und am Fußteil über das Bett legte.

„Junge, Junge, auf was hast Du Dich da nur eingelassen“, murmelte er leise während er das Bettlaken auf der Couch glattstrich.

Regina kuschelte sich in die Kissen und entspannte sich.

„Nur nicht darüber nachdenken, dass Du gerade in Dirk Matthies´ Bett liegst“, ging es ihr durch den Kopf und für einen Moment find ihr Herz wieder an zu schlagen wie verrückt.

Sie lag tatsächlich in seinem Bett. Sie atmete den Duft der Kissen ein. Eine Mischung aus Waschmittel und dem typischen Dirk-Matthies-Geruch, den sie so mochte. Sie seufzte wohlig und schloss die Augen. Wenigstens war sie hier sicher.

Dirk löschte das Licht und ging zur Couch, legte sich hin und zog die Decke unters Kinn. Er seufzte. Auf was hatte er sich nur eingelassen? Und jetzt lag sie nur ein paar Meter weiter in seinem Schlafzimmer, in seinem Bett. Er seufzte und bemerkte, dass sein Herz schon wieder schneller schlug. Wie sollte er das nur die nächsten Tage aushalten?  Wenn sie noch mal im Morgenmantel hier herumlief, brauchte er mit Sicherheit eine kalte Dusche. Er schüttelte den Kopf, als wolle er die Gedanken verscheuchen und atmete tief durch. Das konnte ja heiter werden.

Am nächsten Morgen war sie bereits vor Ihrem Wecker wach. Normalerweise passierte ihr das nie, aber sie hatte in der Eile ihre Schlafmaske im Hotel vergessen und schob es darauf. Für einen kurzen Augenblick schaute sie sich irritiert um, weil sie nicht wusste, wo sie war und dann kam die Erinnerung zurück. Sie schaute sich in dem kleinen Raum um. Das schwarze Messingbett in dem sie gerade lag, die gelbe Bettwäsche, das Regal mit den Weckern, alles wirkte irgendwie gemütlich. Durch die zugezogenen Vorhänge fiel warmes Licht. Sie streckte sich und setzte sich auf.

Aus der Küche erklangen bereits Geräusche. Sie fragte sich, ob Dirk Matthies schon wach war, aber scheinbar musste er das sein, denn wer sollte sonst so einen Lärm veranstalten. Sie stand auf und zog ihren Bademantel über das weiße Nachthemd, band ihn sorgfältig zu und schob ihre Füße in die roten Pantoffeln. Schließlich verließ sie das Zimmer und marschierte in Richtung Badezimmer.
Dirk hantierte mit der Kaffeemaschine und überlegte, was er ihr zum Frühstück anbieten sollte. Dummerweise hatte er natürlich überhaupt nichts im Haus, denn normalerweise frühstückte er erst am Vormittag, wenn er auf Streife war und kurz Pause machte.

Er hatte ein Geräusch gehört und steckte neugierig den Kopf aus der Küchentür. Ihr Anblick ließ ihn grinsen. Sie trug ihren Morgenmantel und Pantoffeln und die Haare fielen ihr weich auf die Schultern.

Wie gerne würde ich dich jetzt küssen,  ging es ihm durch den Kopf und schnell schob er diesen verlockenden Gedanken wieder beiseite.

„Guten Morgen, Frau Küppers“, stammelte er und bemühte sich, ihrem Blick stand zu halten.

Jetzt nur nicht rot werden, Dirk!, befahl er sich leise.

„Guten Morgen, Herr Matthies“, antwortete sie irritiert.

„Ähm...“, er dachte nach und kratzte sich am Kopf.

„Haben Sie gut geschlafen?“, fragte er schließlich.

Sie nickte. „Danke. Ja“ Sie wollte eine Bemerkung über sein kuscheliges Bett machen, aber fand dieses dann doch unangebracht und schloss den Mund schließlich wieder.

„Ja also“, er grinste schief. Dieses Lächeln dass sie so mochte.

„Kaffee ist frisch gekocht, aber Frühstück hab ich keins da“, sagte er verlegen.

Sie winkte ab. „Das macht nichts. Ich frühstücke normalerweise morgens gar nicht“, verriet sie ihm mit einem Augenzwinkern.

„Ah, das ist gut, ich nämlich auch nicht“, antwortete er.

Sie lächelte und deutete auf die Badezimmertür.

„Ich geh dann mal“, sagte sie und er nickte.

„Nur zu“, sagte er und nickte aufmunternd.

Als sie im Bad verschwand und die Tür hinter sich schloss, atmete er tief aus. Warum konnte er denn kaum noch einen klaren Gedanken fassen, wenn sie in seiner Nähe war? Das war sie doch sonst auch auf der Arbeit.

Aber das hier ist etwas völlig anderes, und das weißt du auch ganz genau, beantwortete er sich eine Frage selbst.


Eine halbe Stunde später standen sie gemeinsam an seinem Bistrotisch, tranken Kaffee und blickten auf die großen  Pötte. Regina war immer noch überwältigt von diesem Ausblick. Während sie die Schiffe betrachtete, schielte Dirk sie heimlich zu ihr herüber. Jetzt im dunkelgrauen Nadelstreifenanzug, mit hochgesteckten Haaren und Make-Up sah sie wieder ganz anders aus. Das hier war seine Chefin. Sie roch nach teurem Parfüm und wirkte streng und perfekt, vor einer Stunde hatte sie noch ganz anders ausgesehen. Diese Gegensätze reizten ihn

Er räusperte sich und ging zum Schlüsselbrett, nahm einen Schlüssel mit einem St. Pauli -Anhänger herunter und hielt ihn ihr hin.

Sie schaute überrascht auf und zog fragend eine Augenbraue nach oben.

„Naja, den werden Sie vielleicht in den nächsten Tagen brauchen“, sagte er grinsend. „Falls ich ma´nich´da bin“, fuhr er dann fort.

„Danke, Herr Matthies, aber ich glaube nicht...“, entgegnete sie, aber er fiel ihr ins Wort. „Doch, doch“, sagte er lauter als beabsichtigt. „Besser is´das!“, mit diesen Worten drückte er ihr den Schlüssel in die Hand. Als sich ihre Hände berührten, zuckte er zurück. Es kribbelte viel zu doll, wie er fand. Regina ignorierte dieses Gefühl.

„Danke“, sagte sie nochmal und ließ den Schlüssel schließlich in der Tasche ihres Blazers verschwinden.

„Soll ich sie heute morgen mitnehmen und etwas vor dem PK14 rauslassen?“, fragte er vorsichtig.

Sie dachte kurz nach. „Ja“, sie nickte. „Das ist sicher eine gute Idee“, fuhr sie fort.

„Sonst denken die Kollegen noch, wir hätten etwas miteinander“, sagte sie lapidar. Im nächsten Moment fiel ihr auf, was sie eigentlich gesagt hatte. Er schaute ihr tief in die Augen und sie erwiderte den Blick.

„Ha´m wir aber nicht“, flüsterte er leise.

„Nein, natürlich nicht“, entgegnete sie genauso leise und seufzte unbemerkt.

Er lächelte schief und sie räusperte sich plötzlich verlegen und stellte die Tasse auf den Tisch.

„Herr Matthies, ich glaube, wir müssen los“, unterbrach sie peinlich berührt den fast schon romantischen Moment und suchte hektisch nach ihrer Tasche.
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