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Every Breath You Take

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
13.06.2018
08.04.2020
12
21.372
5
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02.12.2018 1.329
 
Dirk schaute sich unsicher in ihrem Hotelzimmer um, während seine Chefin schließlich aus ihrer Starre erwachte, ihren Koffer aus dem Schrank holte und aufs Bett legte.

Er fühlte sich unbehaglich, als sie den Schrank öffnete und ihre Kleidung zum Vorschein kam.

„Ich warte mal besser unten“, sagte er verlegen.

Sie nickte dankbar.

Als er das Zimmer verlassen hatte und die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, atmete sie hörbar aus und legte ihre Stirn gegen das kühle Holz des Kleiderschrankes. Das hatte ihr alles gerade noch gefehlt! Unter einem Dach mit Dirk Matthies! Das konnte doch nicht gut gehen! Er raubte ihr ja jetzt schon den Verstand.

Auf was hast Du dich da nur eingelassen, Regina Küppers?, fragte sie sich selbst.

Sie schüttelte den Kopf und fing an, den Koffer zu füllen.


Dirk Matthies stand im Eingangsbereich des Hotels in dem sie wohnte und ging auf und ab. Er atmete tief ein. Er wusste, dass es keine gute Idee war, die er da gehabt hatte, aber was hätte er  denn machen sollen? Er hätte sie ja nicht alleine lassen können.

Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn er sie woanders untergebracht hätte, aber so schnell war ihm auch nichts anderes eingefallen.

Jetzt würde er sie nicht nur auf der Wache sehen, sondern auch noch Zuhause. Fast 24 Stunden jeden Tag. Für die nächsten Tagen war sie die letzte Person, die er vorm Einschlafen sah und die erste, die ihm nach dem Aufstehen begegnete. Er seufzte.

Dirk Matthies, Du bist echt ein Idiot!, ging es ihm durch den Kopf.

Jetzt war es ohnehin zu spät. Vielleicht ging es ja schnell und der Stalker verlor das Interesse sobald er merkte, dass sie nicht mehr im Hotel war und sich woanders aufhielt. Ansonsten würde sie früher oder später sowieso Anzeige erstatten müssen und dann hatte er ganz andere Möglichkeiten.

Dass sie aber auch immer so stur sein musste und damit nicht gleich  zur Polizei ging!

Plötzlich hörte er hinter sich ein Geräusch und drehte sich um. Sie zog den Rollkoffer hinter sich her und lächelte ihn scheu an.

Sie fragte sich, auf was für ein Abendteuer sie sich da gerade einließ. Es war keine gute Idee, soviel stand fest. Sie hatte keine Ahnung, wie sie die nächsten Tage überstehen sollte.

Dirk nahm ihr den Koffer ab und zuckte fast zurück, als sich ihre Hände kurz am Griff berührten. Elektrischer Funkenschlag war stark untertrieben.

Auch das noch!

„Sie lassen Ihren Wagen am Besten hier stehen und wir nehmen meinen. Das erweckt zumindest den Eindruck, dass Sie hier sind“, forderte er sie auf und sie nickte zustimmend.

„Wahrscheinlich sollte auch niemand wissen, wo ich bin.“, schlussfolgerte sie, als er ihr die Tür zu seinem Wagen aufhielt.

Sie stieg ein.

„Besser ist das“, antwortete er, schloss die Tür wieder und ging um den Wagen herum um selbst einzusteigen.

Er ließ sich in den Wagen fallen und startete den Motor, überlegte kurz und wandte sich dann an seine Chefin.

„Vielleicht sollten Sie Ihrer Mutter sagen, wo Sie sind“, sagte er nachdenklich.

Sie rollte mit den Augen. Auch das noch.

„Wieso denn meiner Mutter?“, frage sie genervt.

„Damit wenigstens die weiß, wo Sie sind“, sagte er betont langsam.

„Aber wieso denn meine Mutter?“, fragte sie genervt.

„Weil Ihre Mutter vieliecht versucht, sie zu erreichen“, antwortete er im selben Tonfall.

„Und sich Sorgen macht“, wenn Sie nicht weiß, wo sie sind, fügte er versönlich hinzu.

Sie rollte wieder mit den Augen, schaute ihn kurz an und wandte dann den Blick ab und wühlte in ihrer Handtasche. Irgendwann förderte Sie ihr Mobiltelefon zu Tage.

„Ja, Muddel ich bins...“, begrüßte sie ihre Mutter am Telefon.

„Rübchen, schön, dass Du mal wieder anrufst“, die Stimme ihrer Mutter klang fröhlich und gleichzeitig überrascht.

Regina räusperte sich.

„Muddel, ich bin ein paar Tage nicht Zuhause“, verkündete sie schließlich kurz und knapp.

„Du hast kein Zuhause, Du lebst im Hotel, Rübchen“, entgegnete ihre Mutter trocken.

Sie rollte mit den Augen, war sich aber darüber bewusst, dass ihre Mutter das gar nicht sehen konnte.

„Muddel, ich bin für ein paar Tage nicht da“, sagte sie dann wage.

Bitte frag nicht, wo ich bin, dachte sie bei sich und hoffte, ihre Mutter würde nicht weiter nachhaken.

„Und wo bist Du?“, fragte ihre Mutter neugierig.

Regina unterdrückte ein Stöhnen.

„Ich bin für ein paar Tage bei Dirk Matthies“, nuschelte sie in der Hoffnung, ihre Mutter würde nicht so genau hinhören.

„Machst Du,  Urlaub?“ fragte Renate Küppers neugierig.

„Ich bin bei Dirk Matthies, Muddel“, antwortete Regina leise.

Es wäre so einfach, auf den roten Knopf zu drücken und das Gespräch zu beenden.

Eine kurze Pause entstand und sie fragte sich, ob ihre Mutter nicht vor lauter Überraschung aufgelegt hatte.

„Das ist aber schön, Rübchen“, entgegnete ihre Mutter und sie konnte das fette Grinsen ihrer Mutter durchs Telefon wahrnehmen.

„Seid wann seid Ihr denn zusammen?“, fragte ihre Mutter weiter als würde sie über das Wetter plaudern.

„Ich freu mich jedenfalls für Euch“, fuhr sie fort ohne Luft zu holen.

„Nein, Muddel“, antwortete Regina eindringlich.

„Wir sind nicht zusammen“, fuhr sie fort und warf ihm einen kurzen Blick zu.

Ihre Wangen waren plötzlich gerötet.

Er grinste und räusperte sich. Die alte Küppers konnte es nicht lassen. Er schüttelte den Kopf und konzentrierte sich weiterhin auf den Weg.

Scheinbar prasselte gerade ein Redeschwall auf seine Chefin herein, aber er konnte nicht hören, was ihre Mutter am anderen Ende der Leitung sagte.

„Muddel...“, begann Regina und versuchte, ihre Mutter zu unterbrechen.

„Ich habe einen Stalker...“, erklärte sie der alten Dame.

„Du hast was?“, fragte diese entsetzt.

„Einen Stalker“, Regina rollte wieder die Augen.

„Oh, ich hatte auch mal einen Stalker“, entgegnete ihre Mutter.

„Nein, Muddel, hattest Du nicht“, sagte Regina trocken.

„Du hast den Mann bezahlt“, fuhr sie fort.

„Ach Rübchen, sei doch nicht so kleinlich“, antwortete Renate Küppers.

„Also Muddel, nur damit Du Bescheid weißt, wo ich bin“, sagte sie schließlich.

Ihre Mutter setzte zu einer Antwort an, aber sie fiel ihr ins Wort.

„Du darfst keinem sagen, wo ich bin, hörst Du?“, forderte sie ihre Mutter eindringlich auf.

„Wem sollte ich das denn auch erzählen?“, kam die Antwort.

Regina widerstand dem Impuls, ihren Kopf gegen das Armaturenbrett zu schlagen.

„Ich muss jetzt Schluss machen, Tschüss“, sagte sie und legte einfach auf.

Sie atmete hörbar auf und schaute auf das Telefon in ihrer Hand.

„Alles in Ordnung?“, fragte Dirk Matthies grinsend.

„Ja, meine Mutter ist einfach unverbesserlich“, sagte sie schließlich und hüllte sich dann in Schweigen.



Dirk stellte ihren Koffer ab und schaute sich in seiner Wohnung um. Zum Glück war es immer noch ordentlich. Wie gut dass er eine Putzfrau hatte.

„Herzlich willkommen, Frau Küppers, Sie waren ja schon mal hier“, sagte er grinsend.

Sie erwiderte ein scheues Lächeln, allerdings war ihr die Sache eher peinlich.

Er trug ihr den Koffer ins Schlafzimmer und anschließend brachte er sein Bettzeug ins Wohnzimmer. Selbstverständlich würde er wieder auf der Couch schlafen und ihr das Schlafzimmer überlassen. Da hatte sie wenigstens etwas Privatsphäre, auch wenn man vom Wohnzimmer durch die Fenster ins Schlafzimmer schauen konnte.

„Die Küche ist da vorne, das Bad daneben“, er zeigte auf die beiden Türen.

Sie nickte. Was sollte sie auch sagen.

Nachdem er das Bettzeug auf die Couch geworfen hatte, ging er zum Schrank und holte zwei große Handtücher heraus.  Er hielt sie ihr hin.

„Hier, die brauchen Sie bestimmt“, sagte er und lächelte sie an.  

„Danke Herr Matthies“, sie nahm die flauschigen blauen Handtücher fast zögernd entgegen und bemühte sich, seine Hand nicht zu berühren. Die flüchtige Berührung vorhin am Koffer hatte ihr gereicht. Wenn sie jetzt etwas nicht gebrauchen konnte, dann waren es Schmetterlinge im Bauch.

„Da nicht für“, er schaute ihr grinsend in die Augen.  "Sie wollen ja sicher auch ma!´duschen", fuhr er fort und zwinkerte.

"Natürlich, Herr Matthies", antwortete sie irritiert.

Als sich ihre Blicke trafen, schluckte er und bemerkte das flaue Gefühl in seiner Magengegend. Wie sollte er die nächsten Tage überstehen?
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