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Every Breath You Take

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
13.06.2018
08.04.2020
12
21.372
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26.09.2018 1.336
 
Sie nahm ihren Mantel von der Garderobe und griff nach ihrer Tasche.
Als sie das Licht löschte, klopfte es an ihrer Tür.

„Herein?“, fragte sie skeptisch und ließ einen Blick durch den Wachraum schweifen. Es war niemand der B-Schicht mehr da.

Die Tür öffnete sich und Dirk Matthies schaute sie an. Sie wunderte sich, weil sie  dachte, dass er schon längst Feierabend gemacht hatte. Sie hatte sich scheinbar geirrt. Sie schaute kurz an ihm herunter und stellte fest, dass er sich schon umgezogen hatte und statt der Uniform Alltagskleidung trug.

Hatte er auf sie gewartet? Ihr Herz tat schon wieder einen Sprung. Sie schüttelte unmerklich den Kopf. Wahrscheinlich war ihr dieser Stalker oder was auch immer dahinter steckte zu Kopf gestiegen.

Sie seufzte und schaute auf.

„Herr Matthies, was kann ich für Sie tun?“, fragte sie neugierig.

„Äh nichts“, stammelte er und wich ihrem Blick aus.

Dirk schluckte. Wie sollte er ihr denn erklären, dass er sich Sorgen um sie machte, ohne ihr zu Nahe zu treten? Als sie ihn anschaute, merkte er, wie sein Herz schneller schlug. Gefühle waren hier doch völlig fehl am Platz. Er wollte sie doch nur beschützen!

Sie schaute ihn an und wartete, versuchte, in seinem Gesicht abzulesen, was er wollte.

„Nichts?“, wiederholte sie überrascht und lächelte.

„Naja...“, murmelte er und ließ seinen Blick durch ihr Büro gleiten.

Er holte tief Luft und rollte mit den Augen.

„Frau Küppers, soll ich Sie nach Hause fahren?“, fragte er schließlich.

Sie seufzte. Hatte er vorhin mitbekommen dass die Werkstatt angerufen hatte und sie ihren Wagen doch erst morgen wiederbekommen würde?

Sie zögerte kurz und schüttelte entschuldigend den Kopf.

„Sie kriegen Ihr Auto doch erst morgen wieder“, sagte er.

Er hatte es also doch mitbekommen.

„Nein Danke, das ist nicht nötig, ich kann das Stück zu Fuss gehen“, lehnte sie dankend ab.

„Frau Küppers, sie sollten unter den gegebenen Umständen nicht alleine nach Hause gehen“, entgegnete er.

Sie wusste genau was er meinte, tat es aber ab.

„Herr Matthies, ich glaube, der Weg ist nicht weit“, sagte sie lapidar.

„Ja, weiß ich, aber trotzdem“, sagte er und seufzte.

Warum war sie denn so stur?

Sie überlegte. Er hatte ja Recht. Ein bischen unwohl fühlte sich sich nach allen Ereignissen schon, wenn sie daran dachte, alleine nach Hause zu gehen. Auch wenn es nur ein kleines Stück war. Es dämmerte schon.

Er schaute sie erwartungsvoll an und wartete auf eine endgültige Antwort.

„Also schön“, sagte sie schließlich und ließ es so klingen, als würde sie nur nachgeben, weil er darauf wartete. In Wahrheit fand sie es angenehm, dass er sie begleitete.

Wenig später parkte er seinen Wagen vor dem Hotel und warf ihr einen Blick zu. Sie wirkte nervös. Er zog den Schlüssel ab, öffnete die Tür und ging um den Wagen herum, um ihr die Tür aufzuhalten.

Sie stieg aus und bedankte sich verlegen. Die ganze Autofahrt lang hatten sie kaum ein Wort miteinander gesprochen. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte und er hatte sich auf den Verkehr konzentriert.

„Danke, Herr Matthies“, sagte sie und lächelte ihn an.

„Ich bring Sie noch hoch“, sagte er und warf einen Blick auf den dunkelroten Backsteinbau.

„Das ist doch nicht nötig“, sie winkte ab.

Er holte tief Luft und schüttelte den Kopf.

„Frau Küppers, unter den gegebenen Umständen bringe ich Sie jetzt wenigstens noch nach oben“; sagte er schließlich.

„Ich wünschte, es wären andere Umstände“ ging es ihr durch den Kopf.

„In Ordnung“, sagte sie leise und setzte sich in Bewegung. Er ging neben ihr her.

Sie gingen durch das Foyer des Hotels in dem sie lebte und warteten kurz auf den Fahrstuhl. Die Fahrstuhltüren öffneten sich und sie betraten die rot beleuchtete Kabine und fuhren nach oben.

Sie verließ den Fahrstuhl als erstes und er folgte ihr. Es war ein seltsames Gefühl. Er hätte sie gerne unter anderen Umständen auf ihr Zimmer begleitet.

„Dirk Matthies, reiß Dich mal am Riemen!“, schalt er sich selbst und rollte mit den Augen.

Regina holte tief Luft, als sie ihr Zimmer mit der Chipkarte aufschloss. Zum Glück war heute morgen das Zimmermädchen dagewesen und hatte für eine gewisse Grundordnung gesorgt.

Sie betrat den Raum, hielt ihm die Tür auf und er folgte ihr. Beide sahen sich im Zimmer um. Sein Blick fiel auf das cremefarbene Satinnachthemd auf dem Bett und er musste schunzeln, während sie rot wurde und seinem Blick auswich.

Ihr Blick blieb am Schreibtisch hängen. Eine Schachtel Pralinen lag dort. Daran gelehnt ein schlichter Umschlag ohne Beschriftung. Sie schaute ihren Kollegen fragend an. Ihre Blicke trafen sich kurz. Er ging an ihr vorbei und erreichte mit wenigen Schritten ihren Schreibtisch, schaute sie fragend an. Sie schüttelte den Kopf. Sie hatte keine Ahnung, wo die Schokolade herkam. Als er ihr den Umschlag gab, lief es ihr kalt den Rücken herunter.

Sie öffnete den Umschlag mit zitternden Händen und holte ein weißes Blatt Papier heraus. Ein Herz aus Papierschnipseln war darauf geklebt. In der Mitte aus ausgeschnitten Buchstaben ihr Name. Es sah aus wie ein stereotypischer Erpresserbrief, nur dass außer ihrem Namen keine Botschaft darauf stand. Sie atmete tief ein und aus und schaute ihn fragend an. Das konnte doch nicht sein! So langsam fragte sie sich wirklich, wer ihr da einen schlechten Scherz spielte. Sie konnte sich bewusst an niemanden erinnern, der soetwas machen würde. Sie seufzte.

„Frau Küppers, meinen Sie nicht, dass es langsam Zeit wir, die Polizei einzuschalten?“, fragte er.

„Wegen ein paar Blumen und ein paar Pralinen?“, fragte sie und versuchte, die Sache so unwichtig wie nur möglich zu nennen. In Wahrheit klopfte ihr das Herz bis zum Hals und es wurde ihr langsam mulmig.

Er rollte mit den Augen. „Sie wissen genau, dass das nicht stimmt“, entgegnete er.

Sie zuckte mit den Achseln.

„Ich weiß nicht, warum, aber es erscheint mir noch immer nicht richtig, wegen so einer ...“, sie suchte nach den richtigen Worten. „Wegen so einer Lapalie die Kollegen zu informieren“, antwortete sie ehrlich.

Dirk schluckte. Er konnte sie nicht verstehen.

„Muss denn erst was richtig schlimmes passieren?“, fragte er ungehalten.

Sie schüttelte den Kopf.

„Herr Matthies, was soll schon passieren?“, fragte sie gereizt.

Sie überlegte.

„Warten wir noch ein wenig ab“, schlug sie vor.

„Abwarten?“, fragte er und zog eine Augenbraue hoch.

„Ja“, sie nickte.

Er schüttelte den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust, ließ seinen Blick kurz aus dem Fenster gleiten und seufzte.

Er wusste, dass das die bescheuertste Idee war, die er seit langem hatte, aber er machte sich Sorgen um sie und ihm war nicht wohl bei dem Gedanken, sie alleine im Hotel zurückzulassen, wenn möglicherweise ein Stalker sein Unwesen trieb und nur darauf wartete, ihr aufzulauern .

„Wie Sie möchten, Frau Küppers“, sagte er leise und schaute sie an. „Dann schlage ich vor, dass sie jetzt ein paar Sachen zusammenpacken und für die nächsten Tage bei mir schlafen“, schlug er vor.

Sie schaute ihn überrascht an und spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg.

„Herr Matthies, ich glaube, das ist keine gute Idee“, wehrte sie ab und schüttelte verlegen den Kopf.

Das konnte nicht sein Ernst sein!

„Das ist mein voller Ernst!“, sagte er. „Wenn Sie schon nicht mit der Polizei sprechen wollen, dann sollten Sie wenigstens ein paar Tage hier raus. Vielleicht hört es ja dann auf“, fügte er hoffnungsvoll hinzu.

„Tapetenwechsel ist ja manchmal ne ganz gute Idee“, sagte er dann grinsend.

Sie überlegte, ob sie weiterhin widersprechen sollte, entschied sich dann aber dagegen. Er hatte ja Recht. Allerdings wurde ihr bei dem Gedanken daran, ein paar Tage bei ihm zu verbringen mulmig. Der Gedanke, mit Dirk Matthies unter einem Dach zu leben, brachte sie völlig durcheinander.

Dirk hätte sich ohrfeigen können. Er hatte sie tatsächlich dazu aufgefordert, ein paar Tage bei sich zu verbringen, damit sie aus der Schusslinie kam. Wie sollte er es nur mit ihr zusammen aushalten? Das war ja schon im Büro schwierig. Selbst auf der Arbeit machte sie ihn fast wahnsinnig. Und jetzt das? Das war Folter! Er schluckte. Auf was hatte er sich da nur eingelassen?
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