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Every Breath You Take

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
13.06.2018
08.04.2020
12
21.372
5
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09.07.2018 1.636
 
Dirk schaute grübelnd aus dem Fenster. Irgendwas war doch da nicht ganz koscher. Er seufzte. Er hatte Katja angerufen. Die hatte sich zwar darüber amüsiert, dass er so früh das Event verlassen hatte, aber ansonsten konnte sie ihm nichts auffälliges berichten. Nur dass die Küppers scheinbar ziemlich versackt war und keiner sie am Abend mehr gesehen hatte, berichtete sie Dirk noch amüsiert. Er atmete auf, dann hatte wenigstens niemand mitbekommen, dass sie zusammen gegangen waren.

Das bedeutete aber gleichzeitig auch, dass es jemand auf die Küppers abgesehen und nicht wahllos K.O. Tropfen verteilt hatte. Er hatte noch mal mit ihr gesprochen, aber sie wollte es nach wie vor nicht an die große Glocke hängen und weigerte sich, auch einen Bluttest zu machen. Allerdings war es für den wahrscheinlich ohnehin zu spät, denn der Wirkstoff konnte irgendwann nicht mehr im Blut nachgewiesen werden.

Als er sich umdrehte, stand sie hinter ihm und schaute ihn verlegen an. Er legte das Telefon beiseite und schaute sie nachdenklich an.

„Schlechte Nachrichten?“, fragte sie neugierig als sie seinen Gesichtsausdruck sah.

„Nein“, er schüttelte mit dem Kopf.

„Alles in Ordnung“, sagte er leise und fragte sich, ob es das wirklich war.

Erst jetzt stellte er fest, dass sie wieder das tolle Kleid von gestern Abend trug,  schmunzelte und sie zuckte entschuldigend mit den Achseln.

„Ich hab leider nichts anderes dabei “, sagte sie süffisant und er nickte.

„Ich fahr sie schnell ins Hotel, da können Sie sich umziehen und dann bring ich Sie zu Ihrem Auto“, schlug er vor.

„Oder soll ich Sie direkt zu Ihrem Wagen fahren?“, fragte er im Anschluss.

„Ich glaube, die erste Variante ist mir lieber“, sagte sie nachdenklich.

„Falls die Polizei mich anhält oder so“, sagte sie und zwinkerte ihm zu, worauf er laut lachte.

„Danke nochmal, dass Sie sich heute Nacht um mich gekümmert haben“, bedankte sie sich.

Er nickte.

„Frau Küppers, das ist doch selbstverständlich“, gab er zurück und zeigte ihr den Weg zur Wohnungstür.

„Trotzdem“, murmelte sie.

„Wer weiß, ob ich den Weg nach Hause sonst alleine gefunden hätte“, fuhr sie fort und schaute betschämt nach unten.

„Is´schon alles gut“, sagte er und schloss die Tür hinter sich.

Als sie durchs Treppenhaus nach unten liefen, musste er unwillkürlich daran denken, wie er heute Nacht noch die Steinstufen geschrubbt hatte nachdem sie sich übergeben hatte. Er musste schmunzeln. Sie schaute ihn fragend an, aber er schüttelte nur den Kopf und hoffte, sie würde nicht weiter fragen, denn er hatte ihr nicht erzählt, dass sie heute Nacht laut würgend ihren Mageninhalt wiedergegeben hatte, hier im Treppenhaus, direkt neben ihm. Gewisse Peinlichkeiten wollte er ihr dann doch ersparen.

Regina fragte sich, warum Dirk Matthies vor sich hin schmunzelte, als sie durch das Treppenhaus gingen, aber er machte keine Anstalten, es ihr zu sagen. Also nahm sie an, dass es nicht wirklich wichtig war. Sie war froh, wenn sie im Hotel war und sich umziehen konnte. So schön das Kleid auch war, heute kam sie sich lächerlich damit vor. Am hellichten Tag in blauer Seide. Es gab nur einen Berufszweig, der tagsüber solche Kleidung trug und mit dem hatte sie nun so gar nichts zu tun.

Er schloss die Tür seines Wagens auf und ging um ihn herum, öffnete ihr dann zuvorkommend die Tür. Sie stieg ein und bedankte sich bei ihm. Der verdammte Schlitz im Kleid rutschte beiseite und gab einen tiefen Blick auf ihren Oberschenkel frei. Sie wurde rot und raffte den Stoff schnell zusammen. Es war schon peinlich genug, dass sie bei ihm übernachtet hatte. In seinem Bett! Und jetzt das. Sie atmete tief durch und schaute stur aus dem Fenster.

Dirk schluckte als sich der Schlitz in ihrem Kleid öffente und holte tief Luft. Wie viele Versuchungen denn noch? Die ganze Nacht war eine einzige Versuchung gewesen und jetzt das... Er war froh, wenn er sie in ihr Auto setzen konnte und wieder seine Ruhe hatte. Das war jetzt alles etwas viel fand er. Außerdem konnte er sich in ihrer Nähe schlecht konzentrieren. Von dem seltsamen Gefühl in seinem Bauch mal ganz abgesehen.

Er parkte seinen Wagen vor ihrem Hotel und schaltete die Zündung aus. Dann lächelte er sie aufmunternd an.

„Danke fürs Fahren, Herr Matthies“, sagte sie.

„Sie können auch nach Hause fahren, ich kann mir doch gleich ein Taxi rufen“, schlug sie vor.

Er grinste schief. Wenn er sie so anlächelte, setzte ihr Herz grundsätzlich einen Schlag aus, aber das ignorierte sie sehr sorgfältig.

„Frau Küppers, ich hab heute sowieso nichts besseres vor, ich warte hier auf sie und fahre sie dann zu ihrem Auto“, antwortete er fröhlich.

Sie nickte und verließ das Auto.

Als sie ihr Hotelzimmer betrat, war irgenwas anders als sonst. Es roch seltsam. Anders.  Sie schaute sich um und entdeckte die weißen Blumen auf ihrem Schreibtisch. Sie runzelte die Stirn. Wo kam der denn her? Sie ging zum Schreibtisch und suchte aufmerksam nach einer Karte, aber sie fand keine. Seltsam war das ja schon... Sie überlegte, ob sie ihren Kollegen nach oben bitten sollte, aber warum eigentlich? Es war schließlich nur ein Blumenstrauß. Sicherlich wusste jemand an der Rezeption Bescheid und hatte nur vergessen, ihr Bescheid zu sagen.

Und außerdem wollte sie nicht, dass er ihr Zimmer sah. Sie schaute sich um, es war im Moment ein Bisschen chaotisch wenn sie ehrlich war und sie hatte schon seit mehreren Tagen ein „Nicht stören“- Schild an der Tür, so dass das Zimmermädchen auch nicht aufgeräumt hatte. Das Bett war zerwühlt und Kleidung lag auf dem Boden. Nein sie wollte ihn wirklich nicht hier oben haben.

Sie öffnete den Schrank und nahm sich frische Unterwäsche heraus. Dazu Jeans, ein blaues Shirt und eine hellblaue Strickjacke. Anschließend ging sie ins Bad und machte sich kurz frisch. Kurz darauf verließ sie das Hotelzimmer.

Auf dem Weg zum Ausgang machte sie kurz halt und ging zur Rezeption, aber dort konnte ihr niemand etwas über die Blumen sagen und sie hielt sich selbst am Ende schon für verrückt. Niemand wusste, woher die Blumen kam und anscheinend war auch niemand in ihrer Abwesenheit in ihrem Zimmer gewesen. Regina zweifelte fast an sich selbst als sie sich auf den Beifahrersitz fallen ließ. Woher kamen denn nur diese Blumen?  

Dirk schaute sie verwundert an, sie hatte sich frisch gemacht und umgezogen und wie immer duftete sie nach schwerem Parfum. Aber sie schien verwirrt und machte plötzlich einen abwesenden Eindruck. Sie wirkte auch ein bisschen blass um die Nase.

„Frau Küppers, alles in Ordnung?“, fragte er schließlich vorsichtig.

Sie reagierte nicht.

„Alles in Ordnung?“, wiederholte er die Frage und schaute sie an.

Schließlich zuckte sie zusammen und fing seinen Blick auf.

„Ob alles in Ordnung ist“, wiederholte er.

„Sie wirken so verwirrt“,  berichtete er , aber sie zuckte mit den Achseln.

„Ach, es ist nichts“, sagte sie lapidar.

Damit zog sie seine Aufmerksamkeit auf sich.

„Das glaube ich Ihnen jetzt aber nicht“,  fragte er leise.

Sie überlegte einen Moment, schaute ihn an und atmete tief aus.

„Ach, es ist nichts“, begann sie und winkte ab. „Ich habe blos einen Strauss weißer Rosen auf meinem Zimmer und weiß nicht, wo der herkommt“, berichtete sie schließlich.

„Aber das ist doch schön, Frau Küppers“, antwortete er grinsend. An sich war doch nichts schlimmes daran, Blumen zu bekommen.

„Niemand kann mir sagen, wo die Blumen hergekommen sind“, berichtete sie leise.

„Vielleicht haben Sie einen heimlichen Verehrer...“, überlegte er laut und schaute sie an.

Er wollte eigentlich noch etwas sagen, aber schluckte, als ihm die Situation bewusst wurde. Was eigentlich eine amüsante Geschichte gewesen wäre, wirkte vor dem Hintergrund der Ereignisse der vergangenen Nacht deutlich bedrohlicher.

Sie zuckte mit den Achseln.

„Bestimmt nur Zufall“, versuchte sie ihre aufkeimende Nervosität zu überspielen und Dirk nickte.

„Kann doch sein“, sagte er beruhigend.

„Kommt bestimmt noch raus, von wem die Blumen sind“, fügte er hinzu.

„Bestimmt haben Sie nur die Karte übersehen“, mutmaßte er und nickte um seine Worte zu bekräftigen.

Dann startete er den Wagen.

„Da war keine Karte“, sagte sie unsicher und überlegte angestrengt.

„Frau Küppers, Sie haben sie bestimmt übersehen. Oder das Personal hat sie vergessen und sie kriegen sie noch“, sagte er um sie zu beruhigen.

Er fand die ganze Sache äußerst merkwürdig, aber er würde sie jetzt nicht noch mehr beunruhigen. Vielleicht war es wirklich Zufall. Sie war eine tolle Frau, vielleicht hatte ihr tatsächlich jemand Blumen geschickt und sie hatte die Karte nur übersehen, oder das Personal hatte die Karte verschlampt.


Dirk parkte seinen Wagen auf dem Anlieger und riss die Augen auf, als er den BMW seiner Chefin sah. Bestimmt hatte er sich nur verguckt. Das konnte jetzt nicht sein!
Er blickte zu ihr. Sie war blass, hatte es auch gesehen.

„Oh Gott, das darf doch nicht wahr sein!“, sagte sie leise.

Sobald der Wagen stand, löste sie den Anschnallgurt und öffnete die Tür, rannte zu ihrem Wagen und hob schockiert die Hand zum Mund.
Er war ihr gefolgt und schaute ebenso fassungslos von ihrem Wagen zu ihr und wieder zurück.
Jemand hatte anscheinend seine schlechte Laune an ihrem Wagen ausgelassen, alle vier Reifen waren platt.

„Das darf nicht wahr sein!“, wiederholte sie und schaute ihn hilflos an.

Er ging um den Wagen herum und betrachtete fachmännisch die Reifen.

„Sie sind nicht zerstochen, es hat nur jemand die Ventile geöffnet“, stellte er schließlich erleichtert fest.

Sie atmete tief aus.

„Wie beruhigend“, sagte sie süffisant.

„Beruhigend vielleicht nur bedingt, aber deutlich günstiger als wenn man alle Reifen zerstochen hätte“, erklärte er.

Sie nickte.

„Sie haben ja Recht“, sagte sie schließlich.

„Sagen Sie mal Frau Küppers, gibt es jemanden, der etwas gegen Sie hat?“, fragte er schließlich nachdenklich.

Sie schüttelte mit dem Kopf.

„Nicht dass ich wüsste...“, sagte sie ehrlich und dachte nach.

„Rufen Sie Ihre Werkstatt an und lassen sich abschleppen. Ich fahr Sie nach Hause“, schlug Dirk vor.

Sie nickte nur und suchte in der Tasche nach ihrem Handy.
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