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Every Breath You Take

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
13.06.2018
08.04.2020
12
21.372
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12.03.2020 1.715
 
Dirk schloss die Wohnungstür hinter ihr und knirschte mit den Zähnen. Diese Frau brachte ihn langsam aber sicher um den Verstand. In der Wohnung war es stickig. Auch wenn es sich heute Nacht ein bisschen abkühlen würde, die Hitze war immer noch in den Räumen gefangen.Er ging durch das Wohnzimmer und öffnete ein paar Fenster. Das gleiche tat er anschließend auch im Schlafzimmer. Er wusste nicht, ob ihm heiß war oder ob seine seltsamen Gefühle der Gesamtsituation geschuldet waren.Vielleicht auch beides.

Regina beobachtete ihn heimlich und musst sich das Lächeln verkneifen. Es war heiß. Und hier oben noch heißer. Ihr stand der Schweiß auf der Stirn und sie wedelte sich mit der Hand Luft zu um sich abzukühlen. Er hatte die Fenster geöffnet, aber so wirklich kühle Luft kam noch nicht herein. Ob sie ihm erzählen sollte, was Marie-Luise dachte und dass Ihre beste Freundin ihr vorgeschlagen hatte, ihn anzugraben? Besser nicht. Sie hatte das Gefühl, dass Dirk Matthies zumindest in dieser Hinsicht keinen Spaß verstand.

Sie gähnte und blickte aus dem Fenster, bewunderte die großen Pötte auf der Elbe und die Lichter in der Ferne, spürte eine seltsame Art von Sehnsucht in sich, von der sie nicht wusste, wie sie sie einordnen sollte.

Es dauerte nicht lange, da verabschiedete sich die Küppers und ging ins Bett. Sie hatte ausgiebig geduscht und Dirk stellte angenehm überrascht fest, dass seine halbe Wohnung jetzt nach “Frauenpafeng” roch. Als sie im Morgenmantel an ihm vorbei marschierte, musste er schmunzeln. Zum Glück wurde es merklich kühler in seiner Wohnung.

“Gute Nacht, Herr Matthies”, sagte sie und lächelte verlegen.Es war ihr nach wie vor unangenehm, dass sie in seinem Bett schlief und er auf der Couch.

“Gute Nacht, Frau Küppers”, er fing ihren Blick auf und schaute ihr einen Moment tief in die Augen, wohl wissen, dass er sie damit aus der Fassung brachte.

Sie wich seinem Blick schnell aus und ging ins Schlafzimmer. Er schaute ihr hinterher und betrachtete amüsiert ihren wohlgeformten Hintern.Anschließend seufzte er. Dirk Matthies, sie ist eindeutig ´ne Nummer zu groß für Dich.

Er hatte überall die Lichter gelöscht und überlegt, was er tun sollte. Ihm war nicht wirklich nach schlafen und alles andere würde sie sicherlich stören. Schließlich entschied er sich für ein Bad.Es musste ja nicht heiss sein, sondern nur lauwarm reichte ja schon zum Entspannen. Immerhin hatte er dort seine Ruhe und auch ein bisschen Privatsphäre, die in seiner Loft-Wohnung bei zwei Leuten nicht wirklich gegeben war. Er streckte sich und stand von der Couch auf, die er bereits zu seinem provisorischen Bett umgebaut hatte. Anschließend löschte er die Lichter, so dass es nicht zu bei ihr ins Schlafzimmer schien. Er fand sich in seiner Wohnung schließlich auch im Dunkeln zurecht.

Wenig später lag er entspannt in der Wanne, hatte die Augen geschlossen und atmete tief ein und aus.Am liebsten hätte er noch ein bisschen vor sich hingesummt, aber er war sich nicht sicher wie hellhörig seine Wohnung tatsächlich war, und er wollte sie nicht wecken. Der beruhigende Duft des Duschbades drang ihm in die Nase und zum ersten Mal seit einer halben Ewigkeit konnte er sich entspannen. Er betrachtete den Schaum in der Wanne und lauschte dem leisen Geräusch, dass er verursachte. Beruhigend. Er hatte ein paar Kerzen am Badewannenrand angezündet, die ebenfalls zu seiner Entspannung beitragen sollten. Seine Gedanken wanderten immer noch zu Regina Küppers seltsamen Stalker, aber er kam nicht auf den Punkt in seinen Überlegungen. Stattdessen sah er immer wieder seine Chefin in diesem hübschen Sommerkleid vor sich, dass sie heute Abend getragen hatte.  Dirk Matthies döste langsam weg.

Regina wachte mitten in der Nacht auf und es dauerte einen Augenblick, bis sie wieder wusste, wo sie war. Durch das Fenster drang kühle Nachtluft in den Raum und es hatte sich ein bisschen abgekühlt. Sie verspürte den Drang, auf die Toilette zu gehen und verließ bedauernd das kuschelige Bett. War wohl doch ein Cocktail zu viel gewesen stellte sie mit Bedauern fest als sie aufstand. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie noch nicht lange geschlafen hatte.

Sie hatte kein Licht gemacht, denn sie wollte Dirk Matthies nicht wecken. Durch das Wohnzimmerfenster drang genug Licht in das Zimmer dass sie Umrisse erkennen konnte und so schlich sie auf Zehenspitzen um die Couch herum. Dirk Matthies schien tief und fest zu schlafen, denn sie hörte ihn kaum atmen.

Es dauerte nicht lange und sie erreichte die Badezimmertür ohne weitere Vorkommnisse. Sie war nirgends dagegen gerannt und hatte auch nichts umgestoßen. Erschreckend, wie schnell man sich in einer fremden Umgebung zurechtfinden konnte. Aber sie war ja schließlich auch Polizistin.

Sie öffnete die Badezimmertür so leise und vorsichtig wie möglich und kniff die Augen zusammen, als könne sie so jegliche Geräusche vermeiden.

Im nächsten Moment war sie hellwach und schnappte nach Luft. Es brannte zwar kein Licht, aber ein angenehmer Kerzenschein erhellte den Raum. Vor ihr in der Badewanne und Gott sei Dank von Schaumbergen bedeckt lag Dirk Matthies, der sie erschrocken anstarrte.

“Frau Küppers!”, begrüßte er sie vorwurfsvoll.

“Herr Matthies”, stammelte sie verlegen. Wie peinlich war das denn?

Er atmete tief ein und fing dann an, schief zu grinsen.

“Frau Küppers, was machen sie denn hier?”, Dirk hatte schnell die Contenance wiedererlangt. Wohlwissend, dass er gut von Schaumbergen bedeckt war und ihm gerade nichts peinlich sein musste. Im Gegensatz zu ihr.

Ihr schien die Situation gerade sehr peinlich zu sein, wie er amüsiert zur Kenntnis nahm.

“Herr Matthies, es tut mir leid”, stammelte sie mit hochrotem Kopf und wusste nicht, wohin sie schauen sollte.

Er lag in der Badewanne, zum größten Teil mit Schaum bedeckt, aber sein Oberkörper schaute ein Stück heraus, so dass sie den Ansatz seiner Brust und ein paar vorwitzige Brusthaare sehen konnte. Sie war sich fast sicher, dass sie im Umkleideraum schon mehr von ihm gesehen hatte als jetzt, aber es war ihr unsagbar peinlich. Und ihre Gedanken machten sich selbständig. Die Wanne war sicher auch groß genug für zwei… Regina Küppers, jetzt reiß Dich zusammen, ging es ihr durch den Kopf während ihr das Blut in den Kopf stieg. Sie musste feuerrot sein!

Ihr Blick wanderte unwillkürlich ein Stückchen weiter. Überall Schaum. Zum Glück!


“Entschuldigung, Herr Matthies”, sagte sie schließlich und schüttelte den Kopf. “Ich hab gedacht, Sie schlafen schon”, murmelte sie kleinlaut.

Dirk betrachtete sie und grinste schief. Er fand die Situation durchaus komisch und musste sich bemühen, nicht laut los zu lachen, sondern einigermaßen ernst zu bleiben.

“Sie hätten ja auch mal anklopfen können”, sagte er vorwurfsvoll und sie zuckte mit den Schultern.

“Sie hätten ja auch mal abschließen können!” antwortete sie anklagend.

Touché , dachte Dirk. Da hatte sie Recht. Er hatte gar nicht daran gedacht, abzuschließen weil er es nicht gewöhnt war und außerdem dachte, sie würde tief und fest schlafen.

“Ich dachte, Sie schlafen”; erklärte sie. “Und es kam ja auch kein Lichtschein von unter der Tür”; fuhr sie zu ihrer Verteidigung fort.

Da hatte sie Recht. Er hatte gar nicht daran gedacht, abzuschließen weil er es nicht gewöhnt war und außerdem dachte, sie würde tief und fest schlafen.

Er schaute sie an. Ihre Nervosität und die Verlegenheit ließen sie ganz anders wirken als gewöhnlich. Dann stellte er fest, dass sie nur das weiße Spitzennachthemd trug und keinen Bademantel. Auch das noch! NIcht gut! Sie könnte es ja einfach ausziehen und zu ihm in die Wanne steigen… Seine Fantasie ging kurz auf die Reise und er rief sich zur Ordnung.” Dirk Matthies! Auch wenn überall Schaum ist, Du liegst immer noch nackt in der Wanne!”, rief er sich zur Ordnung, bevor es richtig peinlich werden konnte.

“Überhaupt, was machen Sie denn hier?”, fragte er.

“Dumme Frage”, stellte er  im Geiste fest. Das hier war das Badezimmer. Und er hatte nur eins. Also was sollte sie hier schon wollen?

Regina Küppers wurde endlich wieder Herrin ihrer Sinne und sie merkte, dass er sich amüsierte. Sie rollte mit den Augen. Ihr Blick fiel zur Toilette und dann zurück zu ihm.

“Was soll ich hier wohl machen?”, fragte sie mit einem genervten Unterton.
Dirk lachte.

“Achso”, sagte er dann und sie verzog das Gesicht. “Natürlich”, murmelte er.

“Warten Sie”; er schaute  sie unschuldig an, stütze sich auf den Beckenrand und machte Anstalten, aufzustehen.

“Um Gottes Willen, Herr Matthies, bleiben Sie sitzen!”, entgegnete Regina und schloß erschrocken die Augen. Ihr Herz raste. Das hatte er doch nicht wirklich vorgehabt?

Dirk Matthies ließ sich wieder in die Wanne fallen. Natürlich wollte er nicht, einfach so aufzustehen, aber ihre Reaktion war großartig. Er genoss ihre Befangenheit.

Sie atmete tief durch, öffnete erst das eine Auge und dann das andere, wodurch sie wie eine Eule aussah. Ihre Wangen waren wieder tiefrot.

“So dringend muss ich nicht”, stammelte sie schließlich. “Ich kann auch noch einen Moment warten, bis sie fertig sind”, schlug sie schließlich vor und stemmte die Hände in die Hüften.  

Er nickte.

“Ich beeil´ mich”, sagte er schließlich.

“Das ist nett von Ihnen, Danke”, gab sie zurück.

Sie schauten sich einen Augenblick lang an. Dirk legte den Kopf schief.

“Frau Küppers?”; fragte er schließlich leise.

“Ja, Herr Matthies?” entgegnete sie.

“Frau Küppers”, begann Dirk langsam und suchte nach den richtigen Worten.

“Herr Matthies?”, sie schaute ihn noch immer an.

“Frau Küppers, wenn Sie sich bitte mal umdrehen würden oder kurz rausgehen”,sagte er schließlich trocken “Sonst kann ich nich´ aus der Wanne ´raus”, erklärte er sich.

“Oh ja, natürlich”, erkannte sie verlegen und drehte sich um, um das Badezimmer zu verlassen. Dabei rannte sie fast gegen die Tür.

Dirk sah ihr grinsend hinterher und lachte sehr leise. Schien sie ja ganz schön aus der Fassung zu bringen. Wobei wenn er so recht darüber nachdachte, ließ ihn das ja auch nicht ganz kalt. Er hätte einfach die Tür abschließen müssen… Aber wer konnte denn auch ahnen, dass sie nachts nochmal raus musste. Wobei so spät war es ja nun auch noch nicht.

Er stieg aus der Wanne, trocknete sich sorgfältig ab und schlüpfte in Boxershorts und das FC St. Pauli T-Shirt, dass er sich herausgelegt hatte. Gott sei Dank hatte er seine Klamotten mit ins Bad genommen. Er ließ das Badewasser ab und schlenderte lässig aus dem Badezimmer, während seine Chefin an ihm vorbei stürmte und die Tür hinter sich ins Schloss knallte.
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