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Die Wilden Hühner im Abiurlaub

von hannaxoxo
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Thorsten Stubbe / Torte Wilhelm Blödorn / Willi
13.06.2018
05.01.2021
27
41.224
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11.05.2020 1.794
 
Ungefähr direkt nachdem die Tür hinter Frieda zufällt bereue ich schon sie gebeten zu haben Fred zu holen. Mir wird nur zu sehr bewusst, dass ich noch immer die gammeligen Klamotten von heute morgen anhabe, meine Augen vermutlich noch leicht geschwollen vom weinen sind und meine Haare vom ganzen Tag im Bett liegen in alle Richtungen abstehen. Schnell springe ich auf und haste zur Kommode um mir schnell ein schöneres Oberteil anzuziehen und die Haare zu kämmen, da klopft es schon an der Tür.
„Sprotte“ räuspert sich Fred „Kann ich reinkommen?“
Mir stockt der Atem und kleine Schmetterlinge fangen an bei seinem vorsichtigen Tonfall in meinem Bauch zu flattern. Ich bin ein nervöses Wrack, erinnere mich aber erneut an Friedas Worte.
Mit der Bürste in der Hand hole ich tief Luft und sage laut „Ja, komm rein“.
Die Tür öffnet sich und ein großer, sehr traurig aussehender Rotschopf tritt ein. Fred schließt die Tür hinter sich und lehnt sich mit dem Rücken an sie. Mir bleibt die Luft weg, als sich unsere Augen verhaken. Dieses Gefühl, ein Gefühl innerlich zu vergehen, breitet sich langsam in mir aus. Ich kann ihn nur atemlos anstarren und hoffen, dass er sich keinen Schritt von dieser Tür wegbewegt. Wenn er mir nur ein bisschen näher kommen würde, wusste ich, war ich mir sicher, würde ich verbrennen.
Fred findet als erstes seine Sprache wieder „Ich wollte dich nie zum weinen bringen“.
Wie von selbst wandert meine Hand zu meinen Augen und reibt drüber „Alles gut“.
Er zuckt kurz bei meiner offensichtlichen Lüge zusammen, löst sich dann langsam von der Tür und macht einen zögerlichen Schritt auf mich zu.
„-Nicht“ ich klinge etwas atemlos. Mein ganzer Körper schreit nach Fred. Aber so sehr ich dieses Gefühl irgendwo in meinem Hinterkopf auch genieße, das Gefühl der Angst ist präsenter. Angst vor diesem neuen Gefühl, ein Gefühl das noch nie so stark da war. Klar, vielleicht bei unserem ersten Kuss und vielleicht auch schon bei unserem Gespräch heute morgen... aber noch nie war so viel Emotion, so viel Hitze involviert. Noch nie war ich mir seiner so sicher und doch so unsicher.
„Ich will aber“ sagt Fred leise und schließt die Distanz zwischen uns und zieht mich in seine Arme. Die ersten Sekunden stand ich wohl ziemlich steif dar, aber nachdem Fred anfing beruhigend meinen Rücken entlangzufahren, ließ ich mich in die Umarmung fallen.
„Es tut mir leid“ höre ich ihn leise in mein Haar flüstern und registriere, wie unterbewusst längst jegliche Wut ihm gegenüber verraucht war.
Ich räuspere mich und ziehe mich aus seiner Umarmung. Mit meiner Hand zeige ich hilflos auf Friedas und mein Bett „wollen wir uns setzen?“.
Freds Blick ist schwer zu deuten, aber nach ein paar Sekunden setzt er sich träge in Bewegung, lässt sich auf das Bett fallen und klopft neben sich. Ich lasse mich so hinfallen, dass ich ihm in meinem Schneidersitz direkt in die Augen blicken kann.
„Also ich-“ setze ich an.
„Du musst dich nicht rechtfertigen“ und als ob es das natürlichste der Welt wäre nimmt er meine Hand und drückt sie.
Ich schlucke und starre auf seine langen Männerfinger. Es ist mir noch nie aufgefallen, aber Freds Finger sind wirklich attraktiv. Lang und sehnig und sehr maskulin. Viel zu groß für meine Hand.
Verwirrt über meine Gedankenwelt hebe ich den Kopf und sagen „Ich will aber. Ich will mich auch entschuldigen“
Als Fred wieder zum sprechen ansetzt hebe ich schnell die Hand und rede weiter „Doch Fred. Ich will mich entschuldigen, weil ich ein wenig überreagiert habe. Das war nicht gerechtfertigt. Ich verstehe wieso du dich so verhalten hast und du hast Recht gehabt mit dem, was du gesagt hast. Ich hätte ziemlich wahrscheinlich genau so gehandelt. Ich kann dir nicht böse sein für einen Akt, den du aus Nächstenliebe getan hast. Ich war wahrscheinlich sauer auf die ganze Situation, auf Mike und auch ein wenig auf dich. Es ist nur.. Fred“ Ich sehe ihn frustriert an und er neigt zustimmend der Kopf, als wüsste er schon genau was ich sagen wollte.
„Es ist nur, es hätte alles so einfach sein können mit uns beiden. Wir hätten schon sehr lange so glücklich sein können“ ich seufze.
Fred setzt sich grader auf uns sieht mich wieder mit diesem unergründlichen Blick an, der aber langsam seinem schelmischen Lächeln weicht.
„Weißt du Sprotte, ich nehme deine Entschuldigung an“ sagt er rigoros und ich muss lachen.
„Und ich bin sehr froh, dass wir uns über alles einig sind. Ich war ein Arsch, Mike ist ein Arsch und du.. du bist wunderschön“
Bei jedem gesprochenen Wort beugt er sich vor und mein Kopf wird zu einer verlassenen Geisterstadt – wo sind all die Einwände und Warnschilder hin?
Er ist nur noch Zentimeter von meinem Mund entfernt, seine Augen halten mich gefangen. Als dann sein Geruch, diese Mischung aus Deo und Parfüm zu mir schwebt, weiß ich genau was zu tun ist. Gerade als er die letzen Zentimeter überbrücken will legt sich meine Hand auf seinen Mund und er stöhnt frustriert auf. Ich muss lachen.
„Sprotte, das ist nicht fair“ sagt er, während er sich wieder zurückfallen lässt und mich schmollend ansieht.
Ich lache immer noch „Und wie fair das ist“.
Sein Blick geht an mir vorbei und schaut auf die Kommode. Ich kenne ihn mittlerweile lang genug um zu wissen, dass ihn das verletzt hat. Ich seufze und nun nehme ich seine Hand in meine „Sieh mal Fred. Es ist nicht, dass ich das nicht will. Ich glaube wir beide können nicht abstreiten, dass da eine gewisse körperliche Anziehung zwischen uns beiden herrscht“ bei den letzten Worte schnellt sein Blick wieder zu mir, zu meinen Augen, meinem Ausschnitt und meinen Beinen.
Er räuspert sich und murmelt etwas heiser „Nein, ich denke, dass können wir nicht“
Ein kleiner Schauer läuft mir den Rücken runter „Aber ich möchte erst einmal keine Grenze überschreiten. Ich mag dich so sehr und wir beide sind so gute Freunde, dass ich das fürs erste nicht gefährden möchte. Oder.. wie soll ich sagen? Ich..“ ich versuche verzweifelt meine Gefühle zu beschreiben, aber Fred kommt mir zuvor „Alles gut Sprotte. Ich verstehe das. Es war ja auch viel, was ich dir heute berichtet habe und ich verstehe das Bedürfnis keine Veränderung zulassen zu wollen, um so weiter die Kontrolle in diesem Ding.." er gestikuliert wild zwischen uns " ..zu haben. Ich verstehe es und ich respektiere es. Was aber nicht bedeutet, dass die nächste Zeit nicht verdammt hart wird. Und ich warne dich jetzt schon einmal: Ich werde immer versuchen ein Schlupfloch in diesem Konstrukt zu finden. Selbst wenn du denkst ich versuche es nicht mehr. Ich versuche es“ Dabei hebt er anzüglich die Augenbrauen und fährt gemächlich mit seiner Hand über meine Wade.
„Ich-“ keine Wörter der Welt hätten mich so schnell so sehr dazu gebracht meine Regeln direkt wieder brechen zu wollen.
„Du?“ Seine Hand nahm meine Ferse in die Hand und streichelte an der Seite entlang.
„Ich-“ setze ich erneut an,wurde aber von der aufschlagenden Zimmertür unterbrochen. Melli steht, ausser Atem, im Türrahmen. Ein großes Grinsen ist auf ihr Gesicht gekleistert und auf ihrem Dekolltee sieht man rote Flecken.
Als würde sie garnicht merken, in was sie hier gerade hereingeplatzt ist, verkündet sie uns „Torte und Frieda sind wieder zusammen“. Fred neben mir hebt ungläubig die Augenbrauen und gibt ein geschocktes „Was?!“ von sich. Ich hingegen fange an zu lächeln. Es freut mich, dass das Gespräch meiner besten Freundin so gut verlaufen ist.
„JA! Ich kann es selber kaum glauben, aber Torte kam eben aus seinem Zimmer gestürzt und erzählte es uns so stolz, als ob er gerade sein erstes Mal gehabt hätte.“
Fred setzt sich langsam vom Bett auf „Melli, das glaub ich nicht“.
„Doch Fred es ist wahr! Frag Sprotte!“ Als Freds Blick zu mir zurückschnellt und ich entschuldigend die Schultern hebe und nicke schaut er ungläubig.
„Aber??? Wie?“
Melli und ich lachen „Das weiß glaub ich keiner so richtig. Aber viel wichtiger ist, dass wir nun ein neues altes Paar in unserer Freundesgruppe haben. Nun sind Willi und ich nicht mehr die langweiligen Spießer! HA!!“ ich muss bei ihrer übertriebenen Freude schmunzeln „Zur Feier des Tages wird gleich getrunken was das Zeug hält. Torte darf sich, einfach weil wir nun alle mehr Respekt vor ihm haben sollten, den Club oder die Bar aussuchen. Los Los! Zieht euch um, heute Abend wird gesoffen.“
Und mit diesen fast schon gesungenen letzten Worten verschwindet Melli aus dem Türrahmen und hastet weiter um vermutlich Trude die frohe Kunde zu unterbreiten.
Fred und ich grinsen uns an und ich stehe langsam aus dem Bett auf und strecke mich ausgiebig. Heute wird also wieder eine lange Nacht.
Ich bewege mich zur Tür und halte sie für Fred auf. Ein Zeichen, dass er seinen Arsch besser rausschieben sollte, wenn er mich nicht beim schminken beobachten möchte.
Fred hievt sich aus dem Bett und schlendert gemächlich zur Tür, bleibt aber kurz vor mir stehen.
„Ich freue mich auf heute Abend“ Er sagt es so lasziv und mit diesem brennenden Blick, dass mein Bauch wieder anfängt zu kribbeln.
„Fred“ ermahne ich ihn. „Wir hatten doch eine Abmachung. Ausserdem ist der heutige Abend Friedas und Tortes Abend.“
Fred beugt sich langsam zu mir runter und platziert seine Arme rechts und links von meinem Gesicht. „Du hast eine Abmachung aufgestellt, der ich nie zugestimmt habe“ murmelt er, als er eine meiner losen Haarsträhnen nimmt und sie mir wieder hinter mein Ohr streicht.
„Fred-“ versuche ich wieder anzusetzen, als er sich vorbeugt und anfängt meine Wangenknochen und meine Hals zu küssen. Als er meine Haare träge nach hinten streicht, bleibt mir jedes Wort in der Kehle stecken. Vielleicht auch ganz gut so, ich hätte sowieso nicht mehr gewusst was ich sagen wollte.
Wie automatisch greife ich in seinen Nacken und ziehe in näher an meinen Hals.
„Sprotte“ stöhnt er gedämpft, als ich leise anfange zu wimmern.
Vom Flur aus ertönt ein lauter Schrei und wir fahren erschrocken auseinander. Es ist Trudes Schrei und ich vermute, dass Melanie gerade die frohe Botschaft verkündet hat. Zwei Sekunden später – ich schaffe es gerade einmal ein Stück von Fred wegzurutschen und meine Haare wieder zu arrangieren – platzt Melli erneut in mein Zimmer rein.
„Na los, na los! Macht euch fertig, wir wollen in einer halben Stunde aufbrechen!“ quakt sie aufgeregt in unsere Ohren und zieht Fred aus dem Zimmer.
„Auch du Fred! nur weil du männlich bist, heißt das nicht, dass du Sprotte aufhalten brauchst“.
Ich atme erleichtert auf, als Freds Körper aus dem Zimmer verschwindet „Bis nachher Sprotte“ sagt  er noch strahlend, kurz bevor ihn Melanie endgültig aus dem Zimmer zerrt.
Ich stehe noch eine Minute dumm an der selben Stelle und frage mich wie schlimm der heutige Abend werden kann.
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