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Die Wilden Hühner im Abiurlaub

von hannaxoxo
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Thorsten Stubbe / Torte Wilhelm Blödorn / Willi
13.06.2018
05.01.2021
27
41.224
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11.05.2020 1.648
 
Der Tag schien nicht zu verstreichen. Eigentlich wartete ich nur auf die Rückkehr unserer Freundesgruppe für.. ja für was eigentlich? Ablenkung wahrscheinlich. Ich hatte auf einmal ein so starkes Bedürfnis mich auszusprechen, dass ich mich wunderte wie ich meine Emotionen so lange vor Frieda versteckt gehalten konnte. Fred kam nicht mehr in mein Zimmer und ich verließ es den Tag über nicht. Fred hatte sich das bestimmt auch anders vorgestellt – er dachte wahrscheinlich er erzählt mir alles und BOOM ich fange an glücklich zu lachen und ihm als Belohnung für seine Ehrlichkeit meine Brüste zu zeigen. Und dann hätten wir wilden Sex in einem leeren Haus gehabt. Ja, ich denke, dass exakt das Freds Plan war. Pech gehabt.
Ich hörte ihn den Tag über hin und wieder vor meinem Zimmer herlaufen, als würde er überlegen reinzukommen und mir nochmal alles zu erklären. Wie als wäre ich schwer von Begriff und hätte das Ausmaß der Lage einfach völlig falsch eingeschätzt – die dumme Sprotte.
Die Gruppe kam um fünf Uhr wieder und in den sechs Stunden hatte ich genug Zeit gefunden meinen Hass zu schüren. JA! Hass! Fred war nur ein Punkt auf meiner Liste. Frieda war der andere. Ich hatte nicht unser ausstehendes Gespräch vergessen und war sowas von bereit ihr einen großen Mangel an Vertrauen vorzuwerfen. Oh ich war so bereit meine Welt brennen zu sehen. Schade, dass Mike nicht hier war. Denn wenn ich ehrlich zu mir selber bin, wusste ich, dass er das eigentliche Hauptziel meines Hasses war. Ich hatte ihn sogar in einer 5-minütigen Hasswelle auf Facebook gesucht, mit dem festen Vorhaben seine ganze Welt zu zerstören. Wie ich das anstellen wollte war mir ein Rätsel, wichtig war nur, dass mein Hass alle anderen Gefühle überschattete.
Als Frieda also in mein Zimmer kam – müde, mit zerzaustem Haar vom Meerwasser und einem kleinen Sonnenbrand – hätte sie wohl mit allem gerechnet, aber nicht mit einer lächelnden Sprotte auf ihrem Bett. Das Lächeln war falsch und sollte so unecht wie nur möglich wirken.
Als erstes bemerkte sie mich garnicht, dann erschrak sie furchtbar und dann schaute sie verwirrt drein.
„Sprotte, ist alles ok bei dir?“ ihre Frage kam vorsichtig, als wüsste sie genau was für eine Stimmung ich gerade hatte.
„Sprotte, ist alles ok bei dir?“ äffte ich sie nach. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen.
„So brauchst du mir -“
Ich unterbrach sie „Nein Frieda bei mir ist nichts ok. Meine Jugendliebe und Mr. Erster Kuss hat mir eben seine absolute Vernarrtheit gestanden und ich habe erfahren, dass alles nur ein riesiges Höflichkeitsgehabe war“
Frieda runzelte verwirrt die Stirn „Aber das ist doch gu-“
Ich ließ sie wieder nicht ausreden „Aber nicht nur, dass ich erfahren musste, dass mir mein Herz vollkommen umsonst gebrochen wurde – nein – gestern durfte ich auch noch mit ansehen, wie meine beste Freundin – and i speak BESTE Freundin – mir seit wie lange? Einem halben Jahr? Einem Jahr? Verheimlicht, dass sie wieder etwas mit ihrem Ex-Freund hat?“
Frieda ist während meines Monologs zunehmend blasser geworden (bei dem Sonnenbrand ein wahres Kunststück). Ich sehe sie herausfordernd an, während sie hilflos im Zimmer steht. Wir beide schweigen. Ich sehe sie genauer an und registriere, dass ihre Augen ganz glasig geworden sind und fühle mich direkt schlecht. Oh man. Sprotte du Idiotin.
Ich räuspere mich „Hey sorry. Es tut mir leid, ich wollte nicht gemein werden.“ Jetzt sitze ich hilflos auf dem Bett – Fred sieh dir an was du angerichtet hast.
„Nein du.. du hast ja Recht. Ich wollte schon so lange mit dir reden. Wirklich. Aber ich hab mich dann doch nie überwinden können.“ Ich schaue auf meine Hände, sehe aber trotzdem aus dem Augenwinkel wie sie mit den Händen über die Augen fährt. Toll. Jetzt hat Fred auch noch meine beste Freundin zum weinen gebracht. Dieser Idiot.
Ich klopfe sacht neben mich und Frieda bewegt sich langsam Richtung Bett und lässt sich sachte fallen.
„Wir haben erst seit zwei Monaten wieder was am laufen. Er hat mir zum Geburtstag Blumen vorbei gebracht und dann wurde er von meiner Mama reingezerrt ins Haus und er hat sich so – argghhh – er hat sich so richtig gut benommen??? Meine Mama war einfach hin und weg. Und dann, als wir nachher auf mein Zimmer sind um zu reden, kam eins zum anderen. Aber Sprotte es war mir so peinlich. Es IST mir so peinlich.“ sie stößt einen kleinen Seufzer aus.
Ich sehe auf ihr Seitenprofil, das gedankenverloren auf den Bettpfosten starrt.
„Wieso hast du es mir nicht erzählt Frieda? Was meinst du wie ich gestern vor den Kopf gestoßen war, als ich diesen eng umschlungenen Ball gesehen habe?“
Frieda schließt die Augen und seufzt erneut „Ich hab mich so schwach gefühlt. So, ich weiß nicht.. so als würde ich all meine Prinzipien über Bord werfen. Ich hab dir so lange die Ohren damit voll geheult, was für ein Blöder Trottel er ist und dann lande ich nach ein paar netten Wörter und ein bisschen Geschleime bei meiner Mutter direkt mit ihm im Bett?“
Nun schließe ich die Augen und schlucke  „Ich verstehe. Ich verstehe das, weil ich genau das selbe mit Fred gemacht habe.“ Ich lasse mich frustriert nach hinten fallen „Er hat so dumme Sachen heute gesagt und trotzdem ist alles wo dran ich denken kann er und ich in diesem Bett“
„Urgh“ Frieda ahmt ein Kotzgeräusch nach und ich muss grinsen.
Sie räuspert sich „Sprotte, bitte erzähl mir von heute.“
Ich kneife meine geschlossenen Augen fester zusammen „Nur wenn du mir alles über dich und Torte erzählst“
„Abgemacht.“

Wir saßen bestimmt eine Stunde auf dem Bett und teilten uns mit. Man merkte richtig wie uns beiden der Stein langsam vom Herzen fiel – nicht weil sich all unsere Probleme wie durch Zauberhand auflösten, nein, eher weil wir endlich wieder den wahren Vorteil einer besten Freundin genießen konnten.
Frieda und Torte fiel es zunehmend schwerer innerhalb der zwei Monate ihre Freundschaft plus nicht auffliegen zu lassen. Wie beide lachten bestimmt 2 Minuten über mein plötzliches Erscheinen bei ihr im Haus und sie berichtete kichernd wie Torte panisch aus dem Fenster geklettert sei – aus dem ersten Stock. Mit der Zeit wurde es für die beiden insofern kompliziert, als das Torte die Beziehung zwischen den beiden öffentlich machen wollte. Frieda wollte das aber partout nicht und hatte, als sie einmal das Gefühl verspürte, dass Willi etwas mehr weiß, direkt Schluss machen wollen. Darauf hin besorgte sich Torte seine Alibi-Freundin Linda, und falls Willi jemals irgendetwas vermutet haben sollte, wurde es nun im Keim erstickt. Aber seit ein paar Wochen wollte Torte nicht mehr. Er hatte Frieda schon seine Liebe gestanden und wollte endlich offiziell bekannt geben, dass die beiden wieder glücklich zusammen waren.
Frieda wusste nicht was sie sagen soll. Sie hatte unglaubliche Angst erneut verletzt zu werden, erneut ersetzt zu werden – wieder zu langweilig zu sein.
Ich erzählte ihr natürlich auch alle Facetten von meinem und Freds Gespräch und alles was sie durchgehend machte war verliebt seufzen und „Ich habs dir ja gesagt“ zu murmeln.
Am Ende waren wir beide leichter ums Herz aber genau so planlos wie vorher, was die Lösung unserer Probleme anging. Wir lagen mittlerweile nebeneinander auf dem Bett und starrten an die Decke.
Frieda räusperte sich nach einer längeren Pause zwischen uns beiden „Ich weiß, dass du das wahrscheinlich nicht hören willst -“
„Dann sag es nicht“ gab ich schmunzelnd von mir.
„- aber die Sache zwischen Torte und mir – ich bin so dankbar, dass es alles so gekommen ist. Ich bin so froh ihn erneut an mich heran gelassen zu haben.“
„Du bist sehr glücklich momentan oder?“ fragte ich leise.
„Mhm ziemlich, ja“ sagte sie leise zurück, räusperte sich dann aber und sagte laut „Ich wollte nur sagen, dass du nie vorher wissen kannst was passiert. Aber ich glaube, wenn du das mit dir und Fred nicht zulässt, dann wirst du es in ein paar Jahren bereuen. Spätestens wenn er eine heiße College-Freundin findet.“
Allein bei dem Gedanken fuhr mir ein scharfer Schmerz aus Eifersucht durch meine Brust.
„Ich glaube du hast Recht“ murmele ich, selber ungläubig zugestimmt zu haben.
„Ich weiß.“
Ich lache und ramme ihr meinen Ellebogen in die Seite.
„Au“ lacht sie.
„Du weißt aber auch, dass nur weil du mein Problem gerade gelöst hast, deins noch sehr real ist, oder?“
Frieda seufzt „Danke. Stimmung ist wieder im Keller“
„Was spricht denn dagegen? Was spricht dagegen wieder mit ihm zusammen zu kommen?“
„Sprotte, das würde einfach so gegen das Bild gehen, dass ich versuche von mir zu haben. Strong independent woman.“
„Gegen dein Bild von dir selber oder gegen das Bild was du zwanghaft versuchst nach aussen zu vermitteln?“ sage ich leise.
Frieda schweigt.
„Ich glaube nämlich, dass es eigentlich das ist. Eigentlich stört dich nur der Gedanke, was die anderen nun von dir denken würden. Wieso kommt sie wieder mit ihrem Ex-Freund zusammen, der sie für andere Mädchen verlassen hat? Wie naiv ist sie bitte?“
ich murmel leise „Aber keiner würde das von dir denken Frieda. Auch keiner aus unserer Gruppe. Wir wären alle so glücklich für euch beide. Es wär echt sehr schade, wenn die Meinung von anderen Menschen, die du sowieso nicht magst, das was du und Torte aktuell haben, zerstören würde“ schließe ich.
Frieda schweigt immer noch und ich beschließe, dass ich nun auch genug gesagt habe.
Nach ein paar Minuten: „Sprotte ich denke du hast recht.“
ich lächele „Ich weiß“
Frieda setzt sich auf „Ich glaube ich werde es ihm jetzt sagen“.
Ich setze mich auch langsam auf und lächele „Ich bin sehr stolz auf dich.“
Frieda ist schon auf dem Weg zur Tür als ich sie nochmal aufhalte „Hey Frieda? Würdest du auf deinem Weg vielleicht Fred fragen ob er eben mit mir reden möchte?“
Frieda dreht sich kurz zu mir um und strahlt mich an „Natürlich“.
Dann ist sie weg und ich beginne schon einmal mich mental auf das Gespräch vorzubereiten.
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