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Die Wilden Hühner im Abiurlaub

von hannaxoxo
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Thorsten Stubbe / Torte Wilhelm Blödorn / Willi
13.06.2018
05.01.2021
27
41.224
13
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24.08.2018 1.731
 
Fünf Minuten später war ich dann endlich wieder mental so fit, dass ich es sogar wagte nach unten zu gehen. Mir geisterten beim gemeinsamen Frühstück durchgehend Freds Worte durch den Kopf und die große Frage, was er mir großartiges sagen wollte. Ich versuchte zwar den Gesprächen der anderen zu lauschen, aber ich bemerkte aus den Augenwinkeln immer wieder wie Fred mich ansah oder wie sich zufällig unsere Beine streiften und dann war es sofort vorbei mit meiner Aufmerksamkeit.
"Gott und Fred !" Melanie lachte gerade laut auf, nachdem sie und Steve lachend den gestrigen Abend revue passieren ließen.
"Du warst ja mal so so besoffen ! Ich glaub ich habe dich selten betrunkener erlebt !"
Ich selber muss jetzt auch lachen "Ach Quatsch Melli, erinnerst du dich etwa nicht mehr an den Geburtstag von Oscar ?"
"Oh Gott stimmt.. ich nehme alles zurück !" Melanie muss noch lauter lachen.
Auf Oscars achtzehntem Geburtstag hatte Fred alleine zu elektronischer Musik auf den Tischen getanzt. Er hatte dabei eine Krone auf und einen Kaktus in der Hand und sich sehr sehr seltsam bewegt.. irgendwie apathisch, als würde er darstellen wollen wie Außeridische tanzen. Davon gab es, zu seinem Leidwesen, noch sehr viele Videos und jeder aus unserer Gruppe besaß mindestens eins.
"Ach, ich war stocknüchtern !" bestritt Fred mit einem Grinsen im Gesicht.
"Jaja.. dir war gestern also einfach nur so übel ?"
"Ich glaube dein Essen hat mir einfach nicht bekommen". Ich musste Grinsen, tatsächlich hatten Melli und Willi gestern gekocht.
Melanie, die ihm diese Anspielung natürlich nicht böse nahm, streckte nur die Zunge raus und wendete sich wieder an Steve.
Neben mir beugt sich Fred zu mir
"War ich gestern echt so betrunken ?" flüstert er mir ins Ohr.
Als ich hoch gucke, sehe ich einen besorgten Fred. Eine Sache die Fred wirklich gar nicht mag ist es, sich auf Feiern um andere Leute zu kümmern - Mami zu spielen. Deswegen mag er es auch um so weniger, wenn er dann mal der jenige ist, um den man sich kümmern muss. Er hat dann auf gut Deutsch ein schlechtes Gewissen.
Ich schüttele nur den Kopf "So schlimm war es glaube ich nicht.. bis auf das kotzen zumindestend. Du meintest gestern zu mir eine acht von zehn"
Fred seufzt erleichtert auf "Ach wenns nur die acht war, dann war ich ja quasi nur angetrunken"
Ich lache auf und schüttele den Kopf.
Fred stößt mich mit seiner Schulter an "Tut mir trotzdem leid, dass du Mutti spielen musstest."
"Quatsch, für einen Freund tut man sowas doch gerne !"
Bei dem Wort 'Freund' ziehen sich Freds Augenbrauen nach oben, er sieht kurz so aus als wollte er etwas sagen, legt dann aber nur eine Hand auf meinen Oberschenkel und flüstert mir ins Ohr "Wir reden gleich !" .
Da seine Hand viel zu weit oben auf meinem Bein liegt, verstehe ich seine Worte erst richtig, als er seine Hand langsam wieder runter zieht. Ich möchte hier vor allem das ziehen betonen ! Normale Menschen hätten ihre Hand einfach hochgehoben und weggenommen, aber Freds Hand gleitet langsam über meinen ganzen Oberschenkel, bevor er sie wegzieht. Konzentration Sprotte !
"Hör auf damit!" sage ich, in einem kläglichen Versuch böse zu wirken. In Wahrheit klingen meine Worte wahrscheinlich wie "Gott bin ich untervögelt, wenn du das noch einmal machst springe ich sofort mit dir in die Kiste", denke ich grade als Fred leise auf lacht.
"Das Lustige daran ist, dass du es gar nicht so meinst"
"Ich wüsste nicht was daran lustig sein sollte" gebe ich schnaubend zurück - schon wieder hat Fred mich schneller durchschaut als mir lieb sein sollte.
"Stimmt, ich auch nicht" gibt Fred, nun wieder ganz der Grimmige, von sich und klingt sich just in ein Gespräch von Torte und Frieda ein.

"Wir wollten gleich zu der kleinen Bucht fahren, von der mir Malik gestern erzählt hatte" sagt Frieda zu mir gewand, als ich mir grade mein zweites Brot schmiere.
"Oh... Wer ist denn wir ? "
"Eigentlich alle ausser Fred.. der will lieber seinen Kater Zuhause auskurieren" Frieda wirft Fred einen abschätzigen Blick zu.
"Wo liegt die Bucht denn ?" frage ich schnell zur Ablenkung. Verdammt. Fred hatte gesagt er wolle nicht mitfahren und das bestimmt nur wegen mir und weil wir beide ja 'reden müssen'. Wie soll ich aber jetzt den anderen verklickern, dass ich auch nicht mitkommen kann, ohne, dass es so wirkt als wollte ich mit ihm alleine sein ?
"Ach Malik meinte, wenn man hier die erste abfährt, also zum Supermarkt quasi und dann die nächste links..."
"Sprotte bleibt mit mir Zuhause, oder Sprotte ?" kommt es neben mir von Fred. Mist Mist Mist - wieso sind Jungs so unsensibel ? Natürlich werde ich rot.
Frieda zieht ihre Augenbrauen hoch und wendet sich, nach dem kurzen Blick auf Fred, an mich "Du bleibst auch hier ?".
Alle Augen ruhen jetzt komischerweise auf mir und ich habe das Gefühl ich würde etwas sehr sehr wichtigem zustimmen müssen. Als würde ich die letzte Stimme einer entscheidenen Wahl abgeben.
"Mhm" gebe ich, mit einem Blick auf mein Essen, kleinlaut in die Menge.
Als ich wieder hoch gucke, fängt Willi an zu pfeifen und aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sich Torte und Steve vielsagende Blicke zuwerfen. Verdammt ! Ausrede ! Sofort !
"ich.. ähmm.." räuspere ich mich "Ich ähm muss.. hchrmm.. ich muss noch.." Mir fiel absolut nichts ein.
"Du wolltest doch noch mit deiner Mama telefonieren ? Um ein Uhr, war doch richtig oder ?" hilft mir Fred aus.
"Genau ! Genau... ja.. Mama wollte mal einen kurzen Bericht hören, wie es mir hier so gefällt, was wir hier so machen und so weiter..." gebe ich wenig überzeugend von mir. Ich weiß einfach, dass diese läppische Ausrede keiner glauben wird. Vor allem, weil grade Fred sie erfunden hat.
An Friedas hochgezogenen Augenbrauen, lese ich ab, was ich grade vermutet habe.
"Okay" sie zuckt, nach einem langen Blickkontakt zwischen uns beiden, mit den Schultern, steht auf und bringt ihren Teller in die Küche. Nach dem Gespräch mit Fred war dann also das schon längst überfällige Gespräch mit Frieda dran. Das dürfte ein interessanter Tag werden.

Nach dem Essen verkroch ich mich ins Badezimmer und duschte so lange, bis ich glaubte, dass Frieda und der Rest weg waren. Irgendwie war ich aufgeregt, ich weiß selber nicht wieso. Ich hasste dieses Gefühl. Ich verbrachte wirklich überlang im Badezimmer, bis Fred sogar irgendwann an die Tür klopfte und fragte, ob ich jetzt so langsam bald mal fertig sei. Ich schlurfte also irgendwann, duftend nach Bodylotion, Bodybutter, Bodyspray, Shampoo, Conditioner, Duschgel und sogar Parfüm, mit komplett geföhnten Haaren und komplett rasierten Beinen aus meinem Unterschlupf in mein Zimmer zurück. Zur Feier des Tages trug ich meine abgeranzte Jogginghose und ein viel zu großes Schlabbershirt mit einem Aufdruck meiner Lieblingsserie. Um Gottes Willen, es sollte ja nicht so aussehen, als wollte ich den Jungen beeindrucken. Sobald ich aufs Bett gefallen war, hörte ich auch schon die Schritte, die den großen rothaarigen Blödmann ankündigten. Ich schloss die Augen.
"Wow. Ich dachte schon du wärst in dieser Dusche gestorben ! Die Wasserkosten für unseren armen Vermieter wurden wahrscheinlich grade um das doppelte in die Höhe geschraubt ! Was hast du da drinnen getan ? Ein Hörbuch gehört ? Gelesen ? Hast du .."
Weiter kam er nicht, ich lachte "Schon verstanden, ich habe lange geduscht. Hast du ein Problem damit ?" Ich richtete mich auf und fand mich einen Kopf von Fred entfernt. Ich rückte nach hinten an die Lehne und nahm meinen typischen Schneidersitz ein.
"Sooo.." starte ich, als Fred beide Beine ausstreckt, sie rechts und links von mir positioniert und mit seinen Füßen wackelt.
"So" sagt Fred und wir beide blicken uns an. Freds Gesichtsausdruck ist schwierig zu deuten, er sieht nervös aus, vielleicht auch etwas ängstlich. Trotzdem lächelt er mich an.
"Ich sag es einfach mal frei heraus: Was ich dir gleich erzählen werde, wird wahrscheinlich zum Ende unserer Freundschaft führen.."
Meine Mundwinkeln müssen wahrscheinlich sichtlich nach unten gewandert sein, denn Fred grinst mich schief an.
"Soll...?  Was soll das heißen ?" frage ich.
"Dass wir nach diesem Gespräch keine Freunde mehr sein können."
Ich schlucke. Ich hätte mit vielem gerechnet, aber niemals mit so etwas.
"Ich glaube, dann will ich gar nicht hören, was du zu sagen hast" sage ich und versuche aufzustehen - schwierig, wenn man in einem Beinkäfig gefangen ist.
"Sprotte jetzt warte doch mal eben" Freds Hände, auf denen er sich hinter seinem Rücken abgestützt hat halten mich fest. Ich gehorche und lasse mich wieder in meine alte Sitzposition sinken.
"Was soll das heißen, wir können keine Freunde mehr sein ?"
"Nach diesem Gespräch, gibt es genau zwei Möglichkeiten. Die eine ist, dass wir beide, du und ich" das betonte Fred deutlich " das wir ein Paar werden. Das wir zusammen kommen."
Ich sehe ihn entgeistert an.
"Die andere Möglichkeit ist, dass du wütend .. oder"er schluckt an dieser Stelle "einfach nicht interessiert an mir bist und ich so oder so keine Freundschaft mehr wollen würde..."
Er lässt die letzten Sätze in der Luft hängen.
"Alles hängt eigentlich von dir ab" klärt er mich jetzt, wieder mit einem Lächeln im Gesicht, auf.
"Bloß kein Druck" murmele ich.
"Nein Sprotte, wirklich jetzt" er setzt sich wieder auf und nimmt meine Hand, die bis jetzt träge auf meinem Knie lang "Dieses Gespräch hätte ich schon vor Ewigkeiten führen sollen und ich möchte, dass du weißt, dass alles was ich sage absolut wahr ist."
Ich bin komplett verwirrt. Dieses Gespräch, was auch immer ich erwartet hatte, driftet in eine völlig falsche Richtung ab. Fred als Freund verlieren ? Schon allein der Gedanke schmerzte.
"Ich glaube ich will das nicht hören" gebe ich nervös von mir.
Fred lacht kurz auf. "Ich versuche das alles dir schon seit mehr als drei Jahren zu sagen, so langsam wird es Zeit".
Er nimmt seine Hand weg, lehnt sich wieder entspannt nach hinten und fängt an zu erzählen.
Und ich höre zu.
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