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Die Wilden Hühner im Abiurlaub

von hannaxoxo
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Thorsten Stubbe / Torte Wilhelm Blödorn / Willi
13.06.2018
05.01.2021
27
41.224
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Dieses Kapitel
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06.08.2018 2.049
 
Also zuerst einmal tut es mir ganz schrecklich leid, dass die letzte Woche gar nichts kam ! Ich bin momentan total im Stress, wegen Studium und Wohnungssuche :-(
Ich hoffe ihr hattet trotzdem eine schöne, sonnige Woche !
Eure Hanna.
Ps: Falls jemand zufällig einen freien WG-Platz in Köln kennt, immer her damit !
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Um 11 Uhr morgens wachte ich, komplett durchgeschwitzt, alleine in unserem Schlafzimmer auf. In diesem Raum herrschten bestimmt um die 30 Grad ! Ich hievte mich aus dem Bett, öffnete das Fenster und ließ mich direkt wieder auf die Matratze fallen. Mit dem Aufprall auf die weiche Oberfläche prasselten auch zeitgleich die Erinnerungen an die letzte Nacht auf mich ein. Oh Gott, Oh Nein !
Was sollte ich jetzt am besten tun ? Es ignorieren ? So tun, als ob ich alles vergessen hätte, als ob nichts gewesen wäre ? Oder einfach hoffen, dass Fred alles vergessen hat ? ich meine er hat gestern echt ordentlich Alkohol intus gehabt..
Aber was, wenn er alles noch weiß ? Was wenn er darüber reden möchte ?
All diese Fragen schossen mir durch meinen Kopf und je länger ich über alles nachdachte, umso aussichtsloser kam mir die Lage vor.
Fakt ist: Ich mag Fred, ich mag Fred mehr als man nur einen Freund mag. Und augenscheinlich mag Fred mich auch..  zumindestens wirkt es auf mich und ja sogar auch auf Frieda so. Also, was ist der Plan ? Wie soll ich ihm entgegen treten ?
Just in diesem Moment und in der Höhe meines Denkprozesses öffnet sich die Türe.
"Kommst du zum Essen runter ? Wir waren grade Brötchen holen ?" fragt mich eine völlig übermüdet aussehende Frieda.
Ich nicke "Wie hast du geschlafen ?"
"Ganz gut" Frieda zuckt lieblos mit den Achseln und tritt den Rückzug an. Wenn wir nicht schon so lange beste Freundinnen gewesen wären, hätte ich gedacht Frieda wäre sauer auf mich. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass das einfach Friedas Art ist, wenn sie traurig ist oder sie etwas bedrückt. Kurz war ich überlegt, sie auf ihre Stimmung anzusprechen, überlegte es mir dann aber doch anders. Ich habe doch genug eigene Probleme sollte man meinen, oder ?
Ich beschloss, nach etwas überlegen, einfach spontan auf die Situation zu reagieren. Denn, hatte jemals vorher eine meiner Versuche die Kontrolle zu wahren funktioniert ? Hatte ich je eine Sache, die ich mir bezüglich Fred vorgenommen hatte, durchgezogen ? Eher nein. Eher so gar nicht.
Als ich grade aufstehen wollte um mich in andere Klamotten zu schmeißen, läuft auf einmal Fred an der Türe vorbei. Frieda und ich hatten schon so oft Gezänke, weil sie permanent immer alle Türen offen lässt. Sie kommt zu dir und schmeißt sich in dein Bett ? Türe offen. Du kommst zu ihr, sie holt was aus der Küche oder geht auf Klo ? Türe offen.
Ich will gar nicht wissen wieviele peinliche Gespräche meine Mama oder Friedas Eltern schon von uns beiden belauschen konnten, nur durch die Tatsache, dass Frieda immer vergisst die Türen hinter sich zu zumachen.
Grade in dem Moment, in dem Fred vor meiner Zimmertür stoppt und mich, natürlich nur in seinen grauen Boxershorts bekleidet, anstarrt, könnte ich Frieda mal wieder komplett verfluchen.
Freds Blick ist leicht glasig und er wirkt, besonders mit diesen verwuschlten Haaren, wie grade erst aufgestanden. Vermutlich ist er das auch .
Ich hatte ja oben schon erwähnt, dass ich ab jetzt versuche spontan zu entscheiden. Und wie sah meine spontane Entscheidung aus ? Ich hechtete wie eine vier-jährige zur Türe und knallte sie ihm vor der Nase zu.
Ich wusste in dem Moment nicht wieso oder weshalb, aber eins wusste ich ganz sicher : Bereit, über gestern Nacht zu sprechen, war ich bei weitem nicht.
"Sprotte ?" von draussen klopfte ein hörbar verwirrter Fred an die Türe.
Ich gab keinen Mucks von mir und drückte all mein Körpergewicht gegen die Türe. Wieso musste dieser Drecksladen, denn ausgerechnet für dieses Zimmer keinen Schlüssel haben ?? Selbst die Abstellkammer hat einen !
"Hey Sprotte, alles ok ? Hab ich... " draussen vor der Tür wird es kurz ruhig "Hab ich gestern Nacht irgendwas angestellt ? Hab ich gekotzt oder so ? Oder wieso steht dieser Eimer vor meinem Bett ? Steve wusste auch nichts genaueres.." Als ich nicht antwortete, drückte Fred die Klinke runter und presste sich gegen die Türe "Komm Sprotte, red mit mir... Falls du wütend bist, wüsste ich gerne den Grund wieso !"
Während Fred mich zutextete doch die Türe zu öffnen, ratterte es in meinem Gehirn. Fred hat also offensichtlich ein Blackout - alles vergessen. Ich wusste nicht ob ich darüber froh oder sauer sein sollte. Naja, weil ich genau wusste, dass sauer sein absolut unbegründet und irrational ist, entschied ich mich für die Fröhlichkeit. Ach Gott, war ich froh, dass Fred vergessen hat, wie er meinen ganzen Rücken abgeschleckt hat. ACH wie herrlich. Bin ich dankabr. Wunderbar. Falls ihr es immer noch nicht verstanden habt, der bittere Beigeschmack in meinem Mund verriet mir, dass ich doch nicht ganz so froh war. Aber sauer sein war so.. so dumm. So absolut weiblich. Ich wollte kein Mädchen sein, dass sauer war, weil ein Kerl (Mit dem sie ja eigentlich nicht zusammen sein will...) vergessen hatte, dass er sie geküsst hat. Vorallem nicht, wenn der Kerl der beste Freund ist.
Um es zusammen zu fassen: Ich war wütend. Innerlich brodelte ich. Aber äusserlich ? Ein Engel. Man hätte meinen können Chöre würden im Hintergrund singen und Babys mit Flügeln ein paar Rosenblätter auf mich werfen. Äusserlich sah ich aus, als hätte ich grade im Lotto gewonnen.. und war dem nicht auch eigentlich so ? Fred hatte vergessen, dass er mich geküsst hat.. wir können genau so weiter machen wie vorher.
"Warte einen Moment, ich muss mich eben noch umziehen !" rief ich also in panischer Verzweiflung zur Türe.
Das ruckeln an der Tür hörte auf und nachdem ich eine Minute auf der Stelle stand und so tat, als müsste ich mich umziehen, öffnete ich dem, nun sehr wachen Fred, die Tür.
"Hey" Fred sah mir sofort in die Augen und suchte wahrscheinlich grade nach meinem Hass. HA! Den wirst du nicht finden Fred. Den habe ich nämlich ganz tief in mich verbuddelt. Äusserlich bin ich ein Engel.
"Du bist wütend" Fred seuftzte. VERDAMMT ??! Wie zum Teufel ? Ich war doch gut im Emotionen verstecken.. ich habe quasi nichts anderes in der zehnten Klasse ( nach unserem Kuss) gemacht.
"Nein, gar nicht" Ich zeigte ihm mein überzeugendstes Lächeln. Sogar mit Zähnen.
"Und wieso hast du dann noch genau das selbe an wie eben ? Umgezogen hast du dich ja anscheinend nicht" Er kam einen Schritt auf mich zu und ich wich automatisch ins Zimmer zurück "Was gäbe es sonst für einen Grund mich anzulügen, wenn du nicht sauer bist ?"
"Ich habe meine Unterhose gewechselt" kommt es von mir, wie aus der Pistole geschossen. Das ich dabei ein wenig rot werde, scheint Fred nicht zu übersehen und zieht die Augenbrauen hoch.
"Wirklich" sage ich nochmal zur Unterstreichung und setzte mich aufs Bett "Ich bin nicht wütend".
"Und was ist dann gestern passiert ?" Fred sieht mich zwar immer noch kritischt an, aber als er sich fragend am Hinterkopf kratzt, weiß ich, dass er mir glaubt. (HA!)
"Du warst sehr sehr betrunken.. und du hast gekotzt." sage ich mit einem schiefen Lächeln.
"Oh Shit" Freds Arm fällt nach unten. Er setzt sich in Bewegung und pflänzt sich neben mich aufs Bett.
"Wars sehr schlimm ? Echt krass, dass ich mich an nichts mehr erinnern kann" Fred sieht verwirrt aus.
"Ach halb so wild. War nur ein mal und Gott sei Dank vor dem Club" gebe ich mit einem Schulterzucken zurück.
"Stimmt..." Fred kratzt sich am Hinterkopf und fokussiert seinen Fuß "Du hast mir doch sogar ein Wasser gebracht"
"Mhm" gebe ich nüchtern zurück. Äusserlich nüchtern, innerlich panisch. Wieso erinnert er sich denn wieder ? Bitte lass ihn nur diese kleine Erinnerung wissen ! Bitte lass ihn nicht..
Weiter komme ich in meinem Gedankengang nicht, denn Fred redet auf einmal schnell weiter.
"Und dann haben du und Willi und Frieda... nein Melli.. dann habt ihr mich nach Hause gebracht.. und dann.."
Freds Blick zuckt auf einmal von seinem Fuß hoch zu mir. Ich bin bereit aufzuspringen und zu fliehen.. aber es gelingt mir unter Freds zusammengekniffenen blauen Augen nicht.
"Und dann hast du mich ausgezogen ! Und wir .." Freds Augen werden groß.
"Und dann bin ich gegangen und du hast deinen Koma-Schlaf gehalten!" gebe ich halbherzig von mir.
"Und wir lagen in meinem Bett und ich hab dich geküsst... " Freds Blick gleitet zu meinem Hals, auf den er gestern ganz viele kleine Küsse gesetzt hat "Und du hast dich nicht gewehrt".
Die letzten Worte spricht er sehr langsam und leise aus, so dass ich leider eine Gänsehaut bekomme.
Verdammt. Darauf war ich bei Gott nicht vorbereitet. Ich dachte es gibt nur A oder B. Entweder er erinnert sich oder er erinnert sich nicht. Das ich mich auf beides einstellen muss, wirft mich komplett aus der Bahn.
"Hör mal Fred.." beginne ich räuspernd, doch er unterbricht mich schon.
"Ich denke wir beide müssen reden. Ich muss dir etwas wirklich wirklich wichtiges erklären. Über damals, unseren Kuss ... über alles einfach"
Da. Er hat es getan. Er hat unsere ungeschriebene Regel gebrochen. Nie, aber auch niemals, haben wir je über diesen verdammten Kuss gesprochen.
"Ich weiss nicht, ob.." gebe ich im letzten Versuch von mir.
"Ich bestehe darauf" Freds Augen und meine Augen verhaken sich ineinander. Seine Augen sagen: Ob du es willst oder nicht: ich bekomme meinen Willen. Und wenn ich dich fesseln und knebeln muss, um mit dir zu reden.
Ich zucke, versucht gelangweilt zu wirken, mit den Schultern "Meinetwegen.. aber lass uns beide erst was essen und.. Zieh dir bitte ein T-Shirt an" Mein Blick bleibt wieder kurz an seinem straffen Bauch kleben.
"Dir gefällt was du siehst" Fred Lächeln taucht wieder auf seinem Gesicht auf und er schmunzelt mir zu "Mein Körper verwirrt dich"
Ich plustere die Wangen auf. Wie recht er nur hatte.. "Ach Quatsch, ich finde einfach, dass sich das nicht gehört ! Ich sitzte hier ja auch nicht im BH vor dir !"
Freds Blick wird auf einmal weich und er lächelt mich an "Was nicht ist, kann ja noch werden".
Hätte er diesen Spruch mit seinem Macho Blick und seinem typischen Witz gebracht, hätte ich genau gewusst wie ich zu reagieren hätte. So werde ich einfach nur rot und gucke zur Seite. Verdammt !
Von unten höre ich die Treppe und bin kurz abgelenkt, als Fred wieder zu reden beginnt.
"Weisst du eigentlich wie schön du bist ?" Als ich ihn wieder ansehe, gleitet sein Blick grade von meinem Seitenprofil zu meinem Kinn, meinen Lippen und schließlich zu meinen Augen zurück. Mein Herz schmilzt.
"Kommt ihr beiden jetzt endlich mal runter ? Wir warten schon seit ner Viertelstunde." sagt der genervte Torte im Türrahmen.
Freds Blick bleibt noch kurz an mir kleben, wandert dann aber zu Torte.
"Wir kommen jetzt"
Torte verzog leicht das Gesicht, so als würde er merken, dass er da grade in etwas reingeplatzt war "Gut". Darauf dreht er sich um und stiefelt wieder nach unten.
"Wir reden nach dem Essen !" Meine Augen, die immer noch auf die Stelle fokussiert sind, an der Torte eben stand, schweifen wieder zu Fred.
Sein Blick sagte alles und alles was ich als Gegenzug machen kann war zu nicken.
"Ok" Fred erhebt sich aus meinem Bett und stiefelt ebenfalls zur Tür.
"Kommst du ?" fragt er mich, als er sich an der Türe umdreht.
"Geh schon einmal vor, ich muss eben noch was erledigen"
Fred betrachtet mich mit gerunzelter Stirn, sah dann aber ein, dass ich nicht kommen würde und ging mit einem Schulterzucken runter.

Und damit ließ er mich, Sprotte, komplett ratlos und gefühlsduselig in meinem Zimmer zurück. "Weißt du eigentlich wie schön du bist ?" Das geisterte mir durch den Kopf und ich konnte nichts anderes tun, als dumm zu lächeln.
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