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Die Wilden Hühner im Abiurlaub

von hannaxoxo
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Thorsten Stubbe / Torte Wilhelm Blödorn / Willi
13.06.2018
05.01.2021
27
41.224
13
Alle Kapitel
79 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
30.06.2018 988
 
---FREDS SICHT---

Gott war ich anstrengend. Ich bin in den letzten Tagen, man könnte, wenn mans genau nimmt auch Jahren sagen, zu einem wahren Weichling, einem emotionalen Kleinkind mutiert. Grade liege ich im Bett, versuche angestrengt nicht an rote Haare und kleine Grübchen zu denken und schmeiße einen Fußball in die Luft und fange ihn wieder auf. Und das jetzt schon seit einer Stunde. Da habt ihr jetzt eigentlich ein ganz schön präzises Bild meiner letzten Tage.
Mein Lichtblick: Steve kommt gleich auf ein Bier und auf eine Runde Fußball schauen vorbei. Heute spielt Real gegen Manchester - ein Top Spiel.
Mein Handy vibriert und kurz schießt ein kleiner Anflug von Adrenalin in mein Blut, weil ich hoffe, dass SIE mir schreibt. Aber das wird sie nicht, deswegen ist es um so deprimierender auf sein Handy zu sehen und festzustellen, dass Mama einen nur zum Essen runter ruft.
Wie ich mir wünsche, dass Sprotte sich endlich meldet, kann man sich nur schwer ausmalen. Ich sage nur so viel: Ich kann euch sagen, was sie für ein Profilbild und Status hat, was unsere letzten Nachrichten sind und traurigerweise auch, wann sie die letzten Stunden immer online war.
Ich raffe mich auf, lege den Fußball auf den Boden und trotte die Treppe runter, immer dem Essensduft entgegen.
Mama hat Nudeln gekocht - das einzige Gericht, das sie hinbekommt - und sitzt bereits mit meiner kleinen Schwester am Tisch.
"...Und dann hat Maria doch tatsächlich MEINE Hausaufgaben vorgelesen ! Der geb ich nie wieder irgendwas" sagt meine Schwester grade in einem genervten Tonfall, als ich mich an den Tisch plumpsen lasse und mir Nudeln auf den Teller häufe.
Die beiden disskutieren rege weiter über Marias Fehlverhalten und ich esse stumm meine Nudeln. Schon wieder vibriert mein Handy, und schon wieder gucke ich in großer Erwartung auf den Bildschirm, wo eine Nachricht von Steve aufblinkt. Innerlich verfluche ich mich. Sprotte hat wahrscheinlich grade den Spaß ihres Lebens.
*- Mit Nick* fügt eine böswillige Ecke meines Gehirns hinzu und ich muss sauer aufstoßen.
"Fred, Handy weg beim Essen !" Kommt es von meiner Mutter, die ihre Aufmerksamkeit kurz von ihrer Tochter ziehen konnte um mich natürlich anzumotzen.
"Schon gut, bin eh fertig" murmele ich genervt, stehe auf und räume das Geschirr in die Spümaschine.
"Schatz ist alles in Ordnung mit dir ?" fragt meine Erzeugerin nun besorgt.
"Klar.. hab nur schlecht geschlafen gestern" gebe ich in meinem überzeugendstem Ton zurück. Mama von meinen Problemen zu erzählen käme gleich mit, sich selber einen Dolch in den Rücken zu rammen. Sobald Mama davon wüsste, wüssten es bald auch all ihre Freundinnen - eingeschlossen Sprottes Mama. Auf sowas konnte ich getrost verzichten.
"Meinst du denn nicht, dass Steve vielleicht heute dann nicht kommen sollte ?" fragt sie nun streng. Das war mal wieder so typisch. Die meisten Mütter können ihre Kinder lesen wie ein Buch - sehen wenn es ihnen schlecht geht, wenn man mit ihnen reden sollte oder wann man sie in Ruhe lässt - meine Mutter hat dieses Empathievermögen in der Schwangerschaft anscheinend komplett verloren.
"Ne Quatsch.. heute ist doch ein wichtiges Spiel!" gebe ich nun wieder genervt zurück, woraufhin sie nur nickt und sich wieder an ihre engelsgleiche Tochter wendet.

Ich bin froh, dass Steve kommt. Seit Tagen habe ich fast niemanden mehr gesehen, außer meine Familie und den Postboten. Ich wollte mich gerne jemandem anvertrauen, aber Willi würde alles nur an Melanie weiter plaudern und Torte ist das größte Klatschmaul, das ich kenne. Dem einzigen, dem ich es erzählen konnte, war Steve. Aber Steve war die letzte Woche bei seiner Familie und somit musste ich meine Gefühle in mich reinfressen, bis jemand kommt um sie mit mir zu analysieren. Klingt das nicht weiblich ? Vielleicht ist mir ja die letzten Tage eine Vagina gewachsen.

Es klingelt, ich eile wieder runter und empfange meinen besten Freund Steve.
"Mann, siehst du scheiße aus" Ist das erste was ich zu hören bekomme, als ich die Tür öffne "Warst du die letzten Tage mal duschen ? Und Schlaf ? Ist das ein Bergriff für dich ?"
"Ach Fick dich, hab dich auch vermisst" sage ich grinsend, während wir beide den Keller runtersteigen.  
Unten sind in einem ehemaligen Abstellraum zwei Sofas, ein Tisch und ein großer, alter Fernsehr untergebracht. Neben den Sachen steht auch noch eine Tischtennisplatte, für die ein oder andere Partie Bier-Pong. Als Papa sich von seinem ganzen alten Gerempel verabschiedete, blieb ein relativ großer, leerer Raum, den wir Jungs sofort umgestalteten und zu unserem Notfall-Bandenquartier ernannten. Heute nutzen wir es echt nur noch zum Tv schauen oder zum Vortrinken.
Steve lässt sich auf eine Sofa fallen, schnappt sich die Fernbedienung vom Tisch und schaltet das Spiel an. Da es noch nicht angefangen ist, macht er auf stumm, legt die Fernbedienung weg, dreht sich zu mir um und sieht mich musternd an.
"So.. willst du mir heute jetzt noch sagen, wieso du aussiehst wie ausgekotzt ?"
Dafür liebe ich Steve. Im Gegensatz zu meiner Mama spürt er genau, wenn es mir scheiße geht und spricht einen auch sofort darauf an. Die 15 Jahre ab dem Kindergarten haben uns beide wohl enger zusammengeschweißt als man vermuten würde.
"Also erstens mal : Du siehst immer noch beschissener aus.." an der Stelle lacht Steve laut auf "Und zweitens...." Ich seuftze.
Für diese Geschichte müsste ich wirklich lange ausholen.
"Gehts um Sprotte ?" fragt Steve unschuldig, während ich zusammenzucke. Klar, wussten alle, dass ich Sprotte nicht unattraktiv finde... aber über tiefere Gefühle hatte ich noch nie mit einem von den Jungs geredet.
Ich schlucke und nicke.
Steve dreht sich wieder auf den Bauch und schließt die Augen "Du hast noch genau 22 Minuten Zeit, bis das Spiel anfängt.. beeil dich also"
Ich selber lehne mich auf der Couch zurück, fixiere den stummen Fernsehr und die Werbung über Medikamente und beginne zu erzählen.
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