Die Wilden Hühner im Abiurlaub

von hannaxoxo
GeschichteRomanze / P18
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Thorsten Stubbe / Torte Wilhelm Blödorn / Willi
13.06.2018
11.05.2020
26
38.060
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14.06.2018 1.321
 
Mein Name ist Sprotte und mein Kopf ist wie ein großer roter Stressball, auf dem zu sehr geknetet wird.
Diese Methaper schießt mir spontan durch den Kopf, als ich nun zum ungefähr hundersten mal meine Biologie-Lernzettel durchlese. Morgen ist unsere letzte Klausur für... naja für immer! Denn dieses Jahr machen ich und meine Freunde endlich ihr Abitur.
Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich in der besagten Klausurenphase mein ganzes soziales Leben unter den Teppich kehren kann, hätte ich mich vermutlich nicht so gefreut. Ich dachte mit dem Abitur winken Mottowochen, Stufenfeten, Planwagenfahrten, Abschlussfahrten und natürlich der Abiball. Auf SOWAS war ich nicht vorbereitet. Die ganzen blöden Klausuren hab ich komplett in die hinterste Ecke meines Gehirn verbannt.
Natürlich habe ich mir mit meinem Leistungskurs Biologie auch wieder das umfangreichste und lernaufwendigste Fach rausgeangelt was es gibt. Englisch und Deutsch... DAS hätte ich mal wählen sollen.
Mit dem Kopf in meinen Armen stöhne ich genervt auf, als mein Handy vibriert. Ich vermute, nicht zu Unrecht, dass das nur wieder Trude sein kann. Trude - die Einser-Schülerin schlechthin, mit Bomben-Zeugnissen und der größten Prüfungsangst überhaupt. Seit Tagen nun schickt sie mir schon Sprachmemos, was ich denn meine was drin vorkommt, ob ich Photosynthese viel gelernt habe und welche Stifte ich wohl benutzen werde.
Hätte ich dieses Mädchen nicht so verdammt gern, hätte ich sie vermutlich schon blockiert.
Ich patsche, wie eine gestrandete Seekuh, blind nach meinem Handy und hebe leicht meinen Kopf um die Nachricht zu lesen. Der Inhalt veranlasst mich allerdings sogar dazu mich aufzusetzen.
*Fred hat Sie zu der Gruppe "Abschlussfahrt" hinzugefügt*
Ich öffne schnell meinen Messenger und kundschafte die Lage aus.
All meine Mädels sind mit mir in der Gruppe. Trude, Melli und Frieda sind nun schon seit zig Jahren meine besten Freundinnen und Banden-Gefährten. Unsere Bande ? Wir nennen uns die Wilden Hühner. Den Namen verdanken wir den vier Hühnern die wir besitzen und unserer damaligen Ungestümtheit. Damals haben wir zusammen großartige Dinge angestellt, wie die besagten Hühner vor meiner Oma zu retten oder uns tolle Streiche für die Pygmäen auszudenken. Die Pygmäen sind sozusagen unsere Gegenbande. Der Feind.
In dieser Gruppe sind besagter Fred, Steve, Willi und Torte. Wir acht haben uns dauernd in die Haare gekriegt und waren für die Lehrer, wie auch für unsere Eltern der Horror von einem Kind.
Mitlerweile sind wir aus dieser Phase heraus gewachsen (naja, fast) und koexistieren friedlich neben einander her. Das könnte auch daran liegen, dass Melli und Willi nun schon seit vier Jahren ein glückliches Paar sind. Stress zwischen den Gruppen würde auch Stress für die beiden bedeuten und das wollen wir alle natürlich tunichts verhindern... und ok, ich gebe es zu, mir sind die Jungs mit der Zeit auch ans Herz gewachsen.
Und nun sieht es wohl so aus, als würden wir alle zusammen in den Abschlussurlaub fahren.
Während in der Urlaubs-Gruppe nach und alle zustimmen, gebe ich in unserer Mädels-Gruppe über die Kombination zu denken. Zwei Wochen Hühner und Pygmäen auf einem Haufen ? Eng beieinander ? Ob das wohl gut geht ?

Schlussendlich stimme auch ich zu und lege mein Handy ganz ganz weit weg von mir. Jetzt wird gelernt, denn morgen wird schließlich eine Klausur geschrieben!
Und genau so weckt mich meine Mutter dann auch am nächsten Tag. Schlafend am Schreibtisch, mit einer eingeschlafenen Hand und Sabber auf meinen Lernzetteln. Also ihr, wenn ich nicht vorbereitet bin....

Nach der ungefähr zermürbensten, vier stündigen Klausur die ich je geschrieben habe ist es dann auch endlich vorbei.
"So alle Mann die Bögen nach vorne geben bitte" kommt es vom Pult von meinem Lehrer.
Grade, als ich mich und meinen verspannten Körper dazu überreden konnte aufzustehen, schnappt mir eine Hand meine Klausur weg. Die Hand gehört zu Fred, dem rothaarigen Anführer der Pygmäen.
Er lächelt mich an "Ich mach das schon"
"Danke"
Ich beobachte ihn wie er nach vorne läuft und bin erneut erstaunt was die Jahre mit einem Jungen-Körper alles anstellen können. Ich könnte schwören, dass Fred vor drei Jahren noch ein durchschnittlich großer, schlaksiger Typ mit einem konstanten Pickel auf der Stirn und zu großen T-Shirts war. Puberty hit him hard, so viel dazu. Heute ist besagter Fred einer der größten der Stufe, geht trainieren und Pickel hat er auch keine mehr.
Als er sich vom Pult wieder zu mir hinbewegt wende ich schnell den Blick ab und packe meine Sachen zusammen.
Zu zweit laufen wir auf den Pausenhof und reden über die Klausur
"Zu viel Genetik hm?" fragt er mich schmunzelnd auf dem Weg zu unserer Mauer. Diese Mauer ist nun schon seit 3 Jahren unser Treffpunkt für die Pause und eine ständige Erinnerung an eine Wasserschlacht in einem viel zu heißem Sommer.
Ich seuftze. Genetik war tatsächlich meine Achilles-Ferse in der Biologie.
"Naja, ich hoffe dafür ist der Rest richtig"
Während wir uns setzten wirft mir Fred einen kurzen Blick zu "Natürlich Oberhuhn. Wenn sich hier jemand Sorgen machen muss, dann ja wohl ich."
Ich lache. Fred ist tatsächlich einer der faulsten Menschen, die ich kenne. In den Monaten in denen ich ununterbrochen gelernt habe, hat er gejobbt, seinem Opa bei der täglichen Gartenarbeit geholfen und sich jedes Wochenende mit den Freunden zum trinken verabredet.
"Das bist du dann aber auch selber Schuld Fred" Ich grinse ihn an.
Er grinst zurück. Wenn er das tut strahlen seine Augen so viel  Wärme und unterdrückten Schalk aus, dass man ihm am liebsten spielerisch auf die Schulter klopfen würde. Was ich natürlich nicht tue. Ich kenne unsere Grenzen.
Grade kommen Trude und Linda zusammen auf den Hof gelaufen. Trude, die nach der Klausur noch auf Toilette war, ist wohl unglücklicherweise in die Arme von Tortes neuer Flamme gestolpert.
"Ach die arme Trude" sage ich mitfühlend, als die beiden plötzlich stehen bleiben und Linda beherzt auf Trude einredet.
Fred grunzt neben mir " Ich verstehe nicht, wieso Torte denkt, er würde mit Eifersucht Friedas Gefühle wecken können. Ich versteh es wirklich nicht"
Torte und Frieda waren in der zehnten Klasse für vier Monate ein Paar. Da Frieda Tortes erste Freundin war, hatte er nach ein paar Monaten das Gefühl er würde was verpassen. Er redete sich ein, dass er sein Single-Leben geniessen müsse und machte kurzerhand nach einem großen Streit mit Frieda Schluss. Diese hat sich einen Monat die Augen ausgeweint und Torte einen weiteren hinterher getrauert. Danach hat sie, das verkündigte sie uns drei Monate nach der Trennung, erstmal mit den Beziehungen und besonders den Jungs abgeschlossen. Torte hingegen merkte nach einem halben Jahr, dass alle Mädchen ausser Frieda für ihn absolut uninteressant und langweilig waren. Seitdem versucht er sie konstant mit Briefen, Blumen und schnulzigen Gedichten zurück zu gewinnen. Seine neuste Masche: Eifersucht.
Seine neue Masche war allerdings zwei Jahre jünger als wir, arrogant und dumm bis in die Haarspitzen. Vor zwei Wochen merkte Torte das selber und versuchte sich langsam, aber geschickt von ihr zu distanzieren. Im Gegenzug versuchte Linda über uns immer mehr über Tortes Sinneswandel zu erfahren. Und grade nervte sie Trude damit.
"Meinst du ich sollte hingehen und eingreifen ?" fragte ich grinsend, aber mit Besorgnis in der Stimme. Trude war wirklich ein zu netter Mensch für sowas und ließ sich leicht von anderen einlullen.
"Nein, siehst du" Freds eine Hand zeigte zu den beiden, die andere legte er auf mein Knie, wahrscheinlich als Zeichen, dass ich gucken solle. Hingegen aller Logik breiteten sich von der Hand kleine Wärme-Schauer aus. Ich ermahnte mich, nicht so auf diesen Jungen zu reagieren und zog mein Knie vorsichtig weg, während sich Trude tatsächlich von Linda loseisen konnte und auf uns zu eilte. Ich sah, dass Fred mich im Seitenprofil ansah, aber ich ignorierte ihn und strahlte Trude an.

"Na ihr, wie verlief eure Klausur?" fragte uns Trude, während sie sich neben Fred setzte.
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