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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
4
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33 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.04.2020 6.997
 
Hi! Zurzeit versuche ich, schneller Kapitel nachzureichen. Es bietet sich halt ganz gut an im Moment. Hoffe, das Kapitel gefällt euch!

DER BRUCHPUNKT

Finn‘s Absicht war es eigentlich gewesen, das hier alleine durchzuziehen. Aber zu seiner Überraschung meldete sich Rey, kaum dass er das Schiff starten konnte. Sie hatte Poe Dameron bei sich. Er tat, als würde er Finn gegenüber salutieren und grinste frech. Natürlich sah er Finn durch die Cockpitscheibe. Aber Finn hatte trotzdem gehofft, er sei übersehen worden. Er seufzte. Wenn die beiden in Gefahr gerieten, dann war das ganz allein seine Schuld! Finn aktivierte die Triebwerke.
„Heeey!“, rief Poe Dameron, als er die Triebwerke brummen hörte. „Rey, er fliegt! Wir müssen den noch kriegen!“
Rey stieß Dameron mit Hilfe der Macht die Laderampe hinauf. Sie selbst sprang aber erst auf, als das Schiff einige Meter weit in die Luft gestiegen war. Die Laderampe schloss sich langsam, aber Rey schaffte es noch, sich durchzuquetschen. „Grrr… Mann, eh, Finn! Das kannst du so nicht machen! Ohne Rückendeckung in den Kampf zu ziehen, ist nicht ohne Risiko!“ Sie flitzte ins Cockpit und stieß Dameron auf diese Weise unsanft zur Seite. „Mein Platz!“, rief sie an Dameron gewandt. „Heute bin ich hier der Pilot. Wenn du dich das nächste Mal etwas mehr beeilst, hast du vielleicht eine Chance auf diesen Sessel. Vielleicht…“ Es war eindeutig, dass sie Dameron absichtlich provozieren wollte. Aber sie grinste.
„Ich würde mich gerne mal mit einem Skywalker messen. Wetten, ich krieg den Kessel-Run besser auf die Reihe?!“
„Das schaffst du doch nie!“, rief Rey selbstbewusst. „Warum fragst du nicht Zay? Sie braucht wohl noch Flugstunden.“
„Ich hasse dich“, brummte Dameron.
„Ich dich auch“, erwiderte Rey frech. Sie zwinkerte Dameron zu.
„Du bist eine Jedi“, konterte Dameron prompt.
„Wer behauptet das?“ Rey startete den Hyperraumsprung ohne Vorwarnung. Finn wurde nach hinten in den Sitz gedrückt.
„Hättest du mich nicht zumindest vorwarnen können?“, knurrte er.
„So macht es doch keinen Spaß“, bemerkte Rey. Sie brachte das Schiff in eine dezente Schieflage, ehe sie den Hyperraum verließ. Hätte sie eine Sekunde später reagiert, wären sie in einen nahenden Asteroiden gekracht.
„Das ist nicht fair“, murrte Dameron. „Du mit deinen Jedi-Tricks haust doch alle über‘s Ohr!“ Wenn die Zwei zusammen waren, endete das immer in einer hitzigen Diskussion. Finn liebte Rey wie seine Schwester und er war stolz, dass Dameron sein Kampfesbruder war, aber zusammen waren die beiden nicht zu ertragen. Sie kabbelten sich andauernd und es war schwer, sie beide gleichzeitig ruhigzustellen. Würden die beiden in eine Klasse gehen, hätte sie der Lehrer vermutlich weit auseinandergesetzt. Und das, wo sie vom Alter her erwachsen sein müssten und Rey sogar eine Jedi war. Anscheinend bedeutete das Jedi-Sein nicht, dass man nicht für die eine oder andere sarkastische Bemerkung zu haben war. „Hört auf!“, rief Finn, der jetzt genug hatte. „Haltet den Mund, alle beide!“
Rey sah zu Finn, irritiert. „Oh. Wo wolltest du eigentlich hin?“
„Ich wollte mich nicht in einen Asteroiden einbuddeln, wenn du das meinst!“, sagte Finn grimmig und deutete auf den unförmigen Felsen vor ihnen im All.
„Das ist nicht einfach ein Asteroid, Finn“, begann Poe Dameron. „Dort gibt es Treibstoff. Es ist ein Außenposten für Reiseschiffe. Sieben vier sieben, Finn. Sechzig Grad von dir aus gesehen.“
Finn wendete das Schiff leicht zur Seite. „Hier?“
„Noch etwas weiter runter“, unterstrich Rey. „Siehst du das? Diese winzige Antennenspitze, meine ich!“
Tatsächlich war da ein Schild. Als Finn in die Deflektorkuppel hineinflog, kam es ihm vor wie eine eigene, kleine planetare Atmosphäre. Aber sie war künstlich geschaffen worden, um den Wartungsmännern- und Frauen die Arbeit draußen zu ermöglichen. „Sehr kostspielig“, kommentierte das Finn. „Ich hoffe, das hier ist ein legaler Außenposten.“
„Keine Ahnung“, meinte Dameron. „Er existiert jedenfalls. Mir reicht das für‘s Erste. Wir müssen ja nicht mit denen rumschmusen!“
„Du weißt schon, dass Kopfgeldjäger hinter mir her sind?“, wandte Rey ein. „Wenn dieser Außenposten illegal ist, dann sind da bestimmt auch viele krumme Geschäfte am Laufen. Die ideale Zuflucht für Attentäter, Kopfgeldjäger und Schmuggler von überall her.“
„So krumm nu‘ auch wieder nicht.“ Dameron sah etwas nervös aus. „Und du hast doch ein Lichtschwert!“
„Ich dachte, das hier ist eine Geheimmission!“
Finn fasste sich mit den Fingern an die Schläfen. Er seufzte. „Sura würde euch beiden jetzt die Hölle heiß machen!“
„Was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß“, kam es von Dameron. „Deshalb wird es das auch nicht für unsere kleine Truppe.“ Er sprang auf und schnallte sich sein Blastergewehr auf den Rücken. Rey versteckte das Lichtschwert unter ihrer Robe. „Gibt es hier auch etwas weniger Jedi-hafte Kleidung?“ Sie ging in Sura‘s Kabine. Die war  immer noch auf Hoth, deshalb zog sich Rey einen einfachen Pulli und eine enge Leggins über, wo sie den Halfter für ihren Blaster festzog. Sie steckte Sura‘s Blaster in den Halfter und schnallte sich wie Dameron noch ein Gewehr über. Das Lichtschwert machte sie an ihrem Gürtel unterhalb des Pullovers fest. So konnte sie es gut erreichen, aber es war trotzdem nicht zu sehen. Rey stieß zu ihren Kampfesbrüdern, von denen Finn der einzige war, der keine Waffe bei sich trug.
„Finn? Wir wissen nicht, ob die über unsere Identitäten Bescheid wissen“, erinnerte Rey ihren alten Freund. „Du solltest dich besser ausrüsten.“ Aber Finn schüttelte den Kopf. „Ich habe genug vom Kämpfen, Rey. Wenn wir bis auf die Zähne bewaffnet dort einkehren, schöpfen die vielleicht Verdacht.“
„Wenn das ein illegaler Außenposten ist, schöpfen die eher Verdacht, wenn du KEINE Waffen bei dir trägst“, berichtigte sie Finn. „Wir brauchen den Treibstoff, Finn. Ich habe nämlich das Gefühl, dass wir eine Weile unterwegs sein werden. Und je billiger der Treibstoff, desto besser. Ich habe nämlich kaum Credits bei mir.“
Finn blieb aber stur. „Nein, Rey! Keine Waffen, hast du verstanden? So viel Aufmerksamkeit können wir echt nicht gebrauchen!“
„Dann lass sie eben hier“, meinte Rey. „Poe?“
„Hmh?“ Dameron entsicherte sein Gewehr und pustete die Mündung ab.
„Du gibst Finn Deckung!“ Rey tippte hastig einen Code ins Tastenfeld und die Laderampe öffnete sich. „Dann folgt mir!“ Das taten sie dann auch. Sie suchten den nächsten auf, den sie fanden. Er hatte gerade einen Kunden beraten, dessen Schiff einen Heckschaden hatte. Es war ein Weequay. Die Weequay waren eine Spezies mit sehr faltiger Haut und Stacheln unterhalb des Kiefers. Ihre Haut war braun, grau oder leicht bläulich und ihre Augen rabenschwarz bis auf das Weiße um die Iris herum.
„Hallo!“, rief er, als er die drei bemerkte. „Auf der Suche nach Treibstoff, hm? Was haben wir denn hier für ein Baby?“ Er musterte das Schiff, das einige Meter weit entfernt stand. „Ein Frachter der T-17 Klasse. Ein Schiff der Ersten Ordnung, aufgemotzt mit Waffen und rotierenden Bordgeschützen…“ Er sah beeindruckt aus. „Wie viel nehmen Sie für das Schiff?“
Rey stieß ihre Fingerspitze in seine Brust. „Ohne Treibstoff haben wir keinen Deal miteinander!“
„Oh-oh“, rief der Weequay. „Natürlich, junge Frau… Und wie viel sind Sie bereit zu zahlen?“
„Das kommt darauf an, wie sehr Sie mir jetzt auf die Nerven gehen!“, zischte Rey. „WO ist der Treibstoff?“
Der Weequay war eindeutig ein Krimineller. „Das verrate ich ihnen ganz bestimmt nicht!“
Rey wandte sich zu Dameron und Finn um. „Los, weiter! Hier gibt‘s nichts zu holen! So ein erbärmlicher Haufen…“ Sie zwinkerte den beiden zu. Anscheinend hatte sie das genau so geplant.
„Halt, halt! Gehen Sie nicht! Ich zeige es ihnen.“ Der Weequay bebte. „Sie können den Treibstoff haben, aber geben Sie mir das Geld!“
„Ich will den Treibstoff sehen“, erklärte Rey. „Wenn sich herausstellt, dass Sie versuchen, mich hereinzulegen, dann haben Sie ein Problem!“ Sie hatte eine bedrohliche Haltung eingenommen. Wenn sie wollte, konnte sie sehr einschüchternd sein. So, wie sie sich jetzt verhielt, sah sie Szirha sehr ähnlich. Um die Wirkung noch zu verstärken, legte sie die Hand auf ihren Blaster.
„Selbstverständlich“, rief der Weequay. „Folgen Sie mir!“ Er geleitete sie über die Brücke in einen großen Laderaum, wo sich die Fässer stapelten. Sie bestanden aus Metall und einer transparenten Hülle. Man konnte die enthaltene, leicht grünliche Flüssigkeit gut sehen. Eins von ihnen schob der Weequay Rey entgegen. Er hatte große Schwierigkeiten, da er relativ klein war und nicht viel Kraft hatte. Finn war der kräftigste von ihnen. Er stellte das Fass auf. „Öffne es!“, sagte er zu Poe Dameron. Dameron schraubte den Deckel ab. Im Fass war eine übelriechende, transparente Flüssigkeit enthalten. Der Grünstich ließ Finn skeptisch werden. Rey trat näher heran, strich etwas vom Rand ab und leckte den Finger an. „Das ist nicht der Treibstoff, Sie einfältiger, kleiner…“
„Oh-oh!“, rief der Weequay und wurde sehr nervös. „Wenn Sie mir doch folgen würden, junge Frau!“
Rey packte den Weequay von hinten. „WO IST DER TREIBSTOFF?!“
„Den können Sie eh nicht bezahlen“, winselte der Weequay.
„Wie wäre es mit ‘nem neuen Vorschlag? Sie übergeben mir den Treibstoff und ich lasse Sie dafür am Leben!“ Sie presste ihm die Mündung ihres Blasters an die Schläfe. „Beweg dich!“
Dameron und Finn tauschten einen kurzen Blick miteinander. Gehörte das auch zum Plan?
Der Weequay eilte voran. „I-ich… ähm“, stammelte er. „Ich habe keinen Treibstoff. Zumindest keinen richtigen Treibstoff…“
Rey ließ ihren Finger enger um den Abzug gleiten.
„N-nein, töte mich nicht! Ich werde es wieder in Ordnung bringen, ja? Ich geb‘ euch ‘ne Runde aus! Kommt doch mit in meine Bar…“ Er wich zurück. „Nicht schießen!“, flehte er.
Rey nickte langsam. „Na gut.“ Sie sah zu Finn und dann zu Dameron. „Kommt, hier gibt es etwas zu essen!“
Der Weequay begleitete die drei in eine heruntergekommene Bar. Der Rauch war dort so dick, dass man nicht gut sehen konnte. Es war ein zwielichtiger Laden, wo die Leute ungeniert Drogen in sich hineinschütteten. Hier wurde getrunken, gelacht und es wurden viele illegale Bündnisse geschlossen. Rey ließ sich an der Bar nieder, Dameron zu ihrer linken, während Finn hinter Rey stehen blieb. „Ich hab‘ da ein ganz mieses Gefühl“, merkte er an. Ihm sträubten sich die Haare im Nacken. Er konnte hören, wie sich ein Twi‘lek ein Pulver durch die Nase hochschnupfte und er verspürte großen Ekel. „Lass uns verschwinden, Rey!“
„Hey“, rief ein Balosar Finn zu. „Willste ‘n paar Killersticks kaufen?“ Er hielt Finn eine Phiole hin, die eine leuchtende, gelbe Flüssigkeit enthielt. Finn rümpfte die Nase. „Du willst mir keine Killersticks verkaufen“, erwiderte er.
„I-ich will dir keine… Ähm-hallo mal?“ Der Balosar schlug Finn mit der blanken Faust ins Gesicht. „Du bist mir nicht ganz geheuer“, lallte er. „Also, du Winzling! Wo sind meine Credits, hm?! Lass mal rüberwachsen!“
Rey reagierte ohne zu Zögern und legte den Mann in wenigen Sekundenbruchteilen über das Knie.
„Aaargh!“ Der Balosar erbrach sich mitten auf Finn‘s Hosenbein. „Hey, Süße?!“
Rey verpasste ihm eine Backpfeife.
„Oha.“
Finn schüttelte sein Hosenbein durch. „Igitt! Das ist so widerlich!“
„Und das riecht sogar nach mehr Ärger“, bemerkte Dameron. Erst dachte Finn, er meinte den Balosar, aber er durchschaute recht schnell, dass das nicht stimmte. Weiter hinten befand sich ein Mann, der so aussah wie ein Reporter. Er gehörte wohl zum RecordOne-Sender. Oft moderierte er dort die Nachrichten des Holo-Nets. Aber warum sollte sich ein Reporter wie er in einer so zwielichtigen Gegend herumtreiben? Rey hatte da so eine Ahnung. Er trank einen Cocktail, den sie auch den „Spinnerfield“ nannten. Eine gefährliche Mischung. Rey hoffte sehr, dass er zu betrunken war, sie zu erkennen. Sie schüttelte an Dameron gewandt den Kopf. „Dreh dich weg!“, sagte sie leise. Doch noch ehe Dameron das tat, spürte sie plötzlich etwas. Ein Gefühl von… Gefahr. Ohne Vorwarnung packte sie Finn von hinten. Sie schleuderte Finn zur Tür, der nicht verstand, warum. Aber die Antwort erhielt er, als sich der Balosar auf die Stelle des Bodens stürzte, wo Finn eben noch gesessen hatte. Doch der Unterschied war, dass er einen Dolch in der Hand hatte. Wenn Rey nicht rechtzeitig reagiert hätte, dann hätte Finn jetzt einen Dolch in der Brust stecken. Rey wich den Attacken des Balosars aus, ehe sie den Mann mit leichten, aber schnellen Schlägen und Tritten so traktierte, dass er plötzlich umfiel wie ein Baum. Rey hatte die Energieimpulse seiner Muskulatur blockiert. Jetzt war er wie gelähmt. In ihrer ungeheuerlich schnellen Reaktion hatte Rey aber zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. So taxierte sie auch der Reporter mit ungläubigen Blicken, ehe er wieder an seinem Cocktailglas nippte. Rey reichte Finn die Hand. „Tut mir Leid“, entschuldigte sie sich. „Ich hatte es auch nicht gleich kommen sehen.“
Finn klopfte sich die Kleidung ab. „Uäääh! Balosarische Kotze… Der Typ sollte mal über einen radikalen Entzug nachdenken!“ Er ließ sich direkt neben Dameron nieder, der das Ganze immer noch nicht begriffen hatte. „Sag bloß, der wollte dich gerade umbringen?!“
„Denke schon“, sagte Finn bloß, als sei das nicht weiter überraschend.
„Das ist abgefahren“, kommentierte das Dameron.
„Nicht abgefahren“, begann Rey. „Aber hinterhältig. Mal sehen, wie die Mandalorianer auf einen Typen wie den hier reagieren… Wenn er das bei meinem Bruder versucht hätte, dann wäre er jetzt nämlich tot.“
Dameron bestellte sich einen Fizzy beim Barmann.
„Dein Ernst?“, fragte Finn.
„Wenn ich schon mal hier bin…“
Rey klapste Dameron leicht den Kopf.
„Hey!“, rief er empört. „Was soll das?“ Er wuselte sich mit den Händen durch die Haare.
„Dann fliege ich“, erklärte Rey. „Eine Strafanzeige wegen deiner Trunkenheit im Cockpit… Wunderbar! Wenn man dich so beobachtet, könnte man denken, der Schwierigkeiten sind es dir noch nicht genug.“
„Endlich sagt es mal einer“, schwenkte jetzt auch Finn ein.
Doch ihre Unterhaltung brach ab, als der Reporter sich direkt neben Rey setzte. „Das Gesicht kommt mir bekannt vor… Wer sind Sie?“
„Das hat Sie nicht zu interessieren“, erwiderte Rey.
„Die hab‘ ich doch schon mal gesehen…“ Der Reporter nahm noch einen Schluck. Das Glas war halb leer.
„Sehr erfreut“, sagte Rey kühl und wandte sich wieder Dameron zu. „Und du: Hör auf so zu grinsen!“
Der Reporter sprang plötzlich auf, die Augen aufgerissen. Er sah Rey mitten ins Gesicht. „Du bist diese Jedi!“ In der Bar wurde es still. Der Mann rieb sich demonstrativ die Augen. Als er diese hastige Bewegung machte, schmiss er sein Cocktailglas um. Schnell nahm er den Arm dort weg.
„Eine Jedi?“, fragte ein Togruta mit blau-schwarzen Lekku. „Der is‘ doch verrückt!“
Rey tauschte einen nervösen Blick mit Finn, der genau das befürchtet hatte. „Ich bin Kopfgeldjäger“, sagte sie und knurrte den Reporter an. Der wich ein paar Zentimeter zurück. „Na-Nat-Natürlich“, stotterte er. „Kopfgeldjäger, eh?“ Er setzte sich wieder hin und ersäufte seinen Ärmel versehentlich in der klebrigen Flüssigkeit seines umgekippten Cocktailglases.
Rey schüttelte an den Reporter gewandt den Kopf.
„Heheheh“, meinte der Barmann. „Räum‘ das gefälligst weg!“ Er packte den Mann bei der Kapuze und zog diesen flach über die Theke. „Mach‘ schon!“
Dameron konnte sich das Lachen bloß mit großer Mühe verkneifen. Er sah fast so aus, als hätte er Schmerzen. So wie er angestrengt versuchte, seine Belustigung über die Situation zu verbergen, könnte er sie noch verraten. Rey blickte Dameron böse an. „Untersteh dich!“
Finn rammte Dameron den Ellbogen in die Seite. „Ruhe auf den billigen Plätzen!“ Die beiden begannen, sich zu streiten. Rey ließ sich durch die beiden nicht ablenken, auch, als die Versuchung groß war. Denn sie konnte es spüren. Sie spürte, dass etwas nicht stimmte. Die Tür zur Bar glitt auf. Eine schwarze Gestalt schritt durch die Tür. Sie hatte ein Schnellfeuergewehr mit Schilden in den Armen. Aber die Gestalt visierte nicht Rey an. Sie zielte auf Finn ab. In unter einer Zehntelsekunde sah sich Rey gezwungen, zu reagieren. Das Lichtschwert flog in ihre Hand und sie aktivierte die Klinge gerade rechtzeitig, die eng aufeinanderfolgenden Schüsse auf den Schützen zurückzuwerfen. Rey hatte das Gefühl, der Mann bewegte sich in Zeitlupe. Schnell durchtrennte sie mit Hilfe ihres Lichtschwerts den Lauf des Gewehrs, schlug einen Salto und landete auf der anderen Seite. Der Mann versuchte wieder, Rey auszuknocken, schaffte es aber nicht, dieser zuvorzukommen. So trennte sie ihm nach der letzten, ausweichenden Bewegung die Hand ab. Es war Aus. Als Rey sich umdrehte, blickte sie unverhofft in lauter geschockte Gesichter. „Na toll“, sagte sie. „Ich hoffe, das sah jetzt nicht zu verdächtig aus.“
Der Barmann wollte die Getränke nachfüllen, bemerkte aber nicht, dass er das Glas verfehlte und sich den Schnaps auf die Schuhe goss. Hatte er sich das gerade bloß eingebildet? Diese Frau hatte doch ein Lichtschwert, oder nicht? Und sie hatte Laserschüsse abgewehrt. So unnatürlich schnell, wie diese humanoide Frau reagiert hatte… Das war nicht normal. Diese Frau hatte ein Lichtschwert und war unglaublich geschickt in der Kampfkunst. Mit und ohne Lichtschwert konnte sie jemanden problemlos in die Schranken verweisen. Und diese Reflexe…
Der Reporter sprang auf. „Nicht abhauen, Jedi!“
Rey ignorierte den Reporter. Sie machte sich Sorgen wegen Finn. Offenbar hatte er sich leicht an der Schulter verletzt. „Ich schätze, der wird dich nicht mehr angreifen“, sagte sie leise. „Geht es dir gut?“
Finn nickte knapp. „Warum wollte der mich töten?“
Rey kniete sich neben den Mann, der Finn eben noch offen angegriffen hatte. Sie zog seine Kapuze runter. „Wer ist das?“ Rey vermutete, der Mann war ein Attentäter. Denn das Gesicht des Mannes kannte sie nicht. Seine grauen Haare standen in alle Richtungen ab und er hatte einen stoppeligen Bart. Seine Haare waren wüst, seine Kleidung aber gepflegt.
„Gideon Hask“, sagte Finn zu Rey. „Ein Ex-Agent ehemaliger Imperialer. Erinnerst du dich nicht? Er war einer unserer Ausbilder, Rey.“
Rey blickte zu Finn auf. „Gideon Hask?“
Hask spuckte Finn ins Gesicht, der sich aber direkt zur Wehr setzte. „Hast du ein Tape? Der geht mir auf den Keks!“, rief er Dameron zu.
„Klar“, antwortete Dameron ganz direkt. Er überreichte Finn sein Panzertape. „Das habe ich immer bei mir.“
„Ich glaube, ich will nicht wissen, warum“, gab Finn zurück und nahm Dameron das Tape ab. Er klebte es Hask knapp über den Mund, der sich das aber nicht gefallen ließ. „Bewusstlos kann er dir nicht mehr auf den Leim gehen“, erinnerte Rey ihren alten Kameraden. Schließlich schlug Finn den Mann bewusstlos. „Nicht meine Schuld!“, knurrte er. „Er nervt.“
Rey nickte Finn zu. „Das hast du nicht von mir, klar?“
„Tse, tse! Ist das bei den Jedi so üblich?“, fragte Dameron an Rey gewandt.
„Ähm… Nein, eigentlich nicht“, gab Rey zu. „Aber ich bin es auch nicht. Vergiss es einfach, kapiert?“
Finn stemmte sich Hask auf seinen Rücken. Er hing schlaff wie ein Handtuch. Rey blickte sich um. „Poe! Vergiss nicht, zu zahlen! Der Mann da hinten schaut schon so böse!“
„Aber der Weequay sagte, das Getränk geht auf‘s Haus!“, rief Dameron.
„Wie blöd bist du eigentlich?“, fragte Rey und schüttelte den Kopf. „Ihm gehört die Bar nicht. Er hat dich reingelegt!“
„Und warum warnst du mich nicht vor?“, grummelte Dameron.
„Ich fand‘s unterhaltsam“, meinte Rey. „Aber jetzt nicht mehr. Wir sollten so langsam verschwinden!“
Der Mann von der Presse tippte Rey auf die Schulter. „Kein Interview, Jedi?“
Rey war zu gereizt. „Ich bin kein Jedi“, sagte sie. „Bloß, weil ich ein Lichtschwert habe, macht mich das noch lange nicht zur Jedi!“
„Aber dein Kumpel da hat dich doch auch eine Jedi genannt!“, widersprach der Reporter.
„Weil er ein Idiot ist!“, brauste Rey auf. Wütend blickte sie zu Dameron, der bloß mit den Schultern zuckte. „Ich bin ein Kopfgeldjäger. Als man mich beauftragte, einen dieser angeblichen Jedi zu jagen, nahm ich das Schwert an mich. Es gibt keine Jedi mehr! Ein paar behaupten vielleicht, Jedi zu sein, aber wie gesagt: Wenn Sie den Mist auch noch glauben, dann ist das nicht meine Schuld!“
Der Reporter wich zurück. „Du hast die Reflexe wie ein Jedi!“
„Das ist jahrelange Kampferfahrung“, behauptete Rey. „Schon als ich klein war, bildete man mich für den Kampf aus. Ich habe den Kampfstil des Mannes ganz einfach durchschaut.“
Der Reporter ließ sich nicht abschütteln. „Bitte!“, rief er wieder. „Ich weiß, dass du lügst, weil du mich abschütteln willst! Warum willst du, dass die Leute glauben, die Jedi sind tot?“
„Vielleicht…“, fuhr Rey fort. „Vielleicht behaupte ich das ganz einfach deshalb, weil sie es sind!“ Rey entzündete die blaue Klinge ihres Lichtschwerts. „Ich könnte auch einfach auf meinen bisherigen Auftrag verzichten und stattdessen ihren Kopf jagen! Die Erste Ordnung bezahlt sicherlich gut für diese eine Geisel… und für einen aufsässigen Reporter, der behauptet, dass es noch Jedi gibt.“
Dameron legte seine Hand auf Rey‘s Schulter. „Jetzt ist es gut! Rey, hör auf, diesen Mann zu bedrohen!“
Rey streckte Dameron die Klinge entgegen. „Soll ich stattdessen dich bedrohen?“
Dameron wich mit erhobenen Händen zurück. „Rey…“
Rey atmete tief durch. „Er interessiert sich doch überhaupt nicht für das Schicksal der Leute hier! Er will eine Story und durch sie das große Geld machen. Aber auf wessen Kosten geht das dann wohl, hm?“ Sie blickte den Reporter an. Ihre Augen glühten regelrecht. „Kein Wunder, dass mein Vater da seine Probleme hat.“
„Dann stimmt es?“, fragte sie der Reporter. „Mein Name ist Lucius und ich bin wie das Aushängeschild des Holo-Nets.“
„Was macht ein Reporter wie Sie in einer so zwielichtigen Gegend?“, fragte Rey den Mann.
„Die Getränke hier sind legendär“, erklärte der Mann von der Presse. „Aber Sie haben Recht. Der Laden hier ist tatsächlich ziemlich… grenzwertig.“
„Na dann“, meinte Rey bloß. „Wir sollten gehen.“ Sie nahm Dameron und Finn an die Seite. Finn schien keine Probleme zu haben, Hux eine Weile auf der Schulter zu halten. Er war ziemlich kräftig. Er quetschte sich zuerst durch die Tür. Da Hask wie Finn relativ groß und muskulös war, erwies sich das aber als Problem. „Poe? Schieb ihn mir durch!“
Dameron packte die Füße des Mannes so an, dass es passte. „Okay“, sagte er. „Klappt‘s denn?“ Zwar war auch Dameron war gut bepackt mit Muskeln, aber Finn war immer noch der Kräftigere von beiden. Denn Finn hatte schon als Kind einen starken Körperbau gehabt. Jetzt, da er erwachsen war, stellte er aber selbst die größten Gestalten des Widerstands in den Schatten. Rey war die letzte, die durch die Tür ging. Zumindest hatte sie das kurz gedacht. Der Holo-Net-Reporter war ihnen gefolgt. „Sie müssen mir helfen“, sagte er. „Sie sind schließlich ein Jedi.“
„Ich werde ihnen nicht helfen“, stellte Rey klar. „Es gibt nämlich Leute, die brauchen tatsächlich meine Hilfe. Das sind Sie nicht!“ Sie stieg hinter Dameron auf die Laderampe, die direkt hochklappte.
Lucius seufzte. Die werden noch sehen, dachte er bei sich. Wenn ich es doch beweisen könnte! Sie ist eine Jedi. Und ich werde derjenige sein, der die Wahrheit herausfindet! Wo er eben noch betrunken war, wurde sein Geist plötzlich glasklar. Er hatte einen Peilsender. Wenn er den doch am Rumpf des Frachters befestigen könnte… Denn er war überzeugt, dass Rey kein Kopfgeldjäger war. Selbst, wenn ihre Argumente die anderen schnell überzeugen mochten, so stießen sie bei Lucius auf taube Ohren. Er könnte schwören, dass diese Frau die gleiche Jedi war, die angeblich auf Cantonica gesichtet wurde. Aber wenn das stimmte, konnten dann auch die anderen Gerüchte wahr sein? Stimmte es, dass sie Luke Skywalker‘s Tochter war? Lucius schwor sich, dass er es herausfinden würde. Er aktivierte das Holo-Board, von wo aus er Rey‘s Frachter verfolgte. Er stieg in sei Schiff, startete die Triebwerke und machte sich bereit. Sein Equipment, die Holo-Cam und der Audiorecorder hatte er bei sich. Er lagerte sie immer in seinem Schiff, das geformt war wie eine schnelle, kleine Speerspitze. Sein Schiff war auch sein zu Hause. Da er mehr unterwegs war als alle anderen und oft kreuz und quer durch die Galaxis ziehen musste, verbrachte er die meiste Zeit hier. Doch ab jetzt würde sich das ändern. Er wollte mehr über diese junge Frau erfahren. Stimmte es, dass sie ein Jedi war? Die Reflexe, die sie gezeigt hatte, waren einfach unglaublich. Und das Geschick, mit der sie ihre Klinge vor sich herführte. Die winzigste Bewegung war so millimetergetreu auf das Laserfeuer abgestimmt, dass sie es auf den Schützen zurücklenken konnte. Nein, das war unmöglich. Niemand war zu diesen Reflexen und zu so einer hohen Präzision imstande. Es sei denn, er oder sie war ein Jedi. Die Frau behauptete lediglich, dass sie kein Jedi sei, weil sie keine unnötige Aufmerksamkeit erregen wollte. Aber schon als sie das Lichtschwert aktivierte, hatte sie sich selbst verraten. Zumindest galt das für Lucius. Die anderen schienen den Aussagen der Frau Glauben zu schenken, dass sie angeblich ein Kopfgeldjäger war. Ein Kopfgeldjäger, der überraschend an ein Lichtschwert gekommen war. Ein Kopfgeldjäger, an ein Lichtschwert gelangte. Oder zumindest über jemanden, der angeblich ein Jedi war.

„Wo ist er?“, fragte Dameron Husk erneut. Er schlug Hask ins Gesicht. „Ich habe dich etwas gefragt!“
Rey griff nicht ein, wo sie das als Jedi eigentlich hätte tun müssen. Aber aufgrund der Dringlichkeit der Informationen ließ sie es geschehen. Dameron schlug Hask wieder und wieder, da er wissen wollte, wo Finn ‘s Vater steckte. „Raus mit der Sprache!“
„Ich werde es dir nie verraten“, erwiderte Hask und er grinste bösartig. Er würde die Erste Ordnung nicht hintergehen. Nicht wie dieser Finn und seine Freundinnen, Rey und Sura. Ja, er wusste Bescheid. Finn sollte es als Ersten erwischen, dann Sura. Rey sollte er jedoch nicht töten. Letzendlich wusste er aber auch nicht, dass Rey bei Finn war und das zusammen mit Poe Dameron. Der war Hask schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Aber das Schlimmste war, dass er einst mit Iden Versio und Del Meeko unter einer Decke gesteckt hatte. Dameron hatte Hask auf Pillio schwer verletzt. Es war ein Schuss mitten in den rechten Lungenflügel. Er überlebte diesen Treffer, aber er wäre fast gestorben. Trotzdem schien Dameron Hask nicht erkannt zu haben. Er hatte seinen Namen nicht gekannt. Sie hatten keine Worte gewechselt, bloß Schüsse. Und sein Gesicht hatte sich auch verändert. Hask verschaffte das einen leichten Vorteil.
„Du hast die Erste Ordnung verraten“, sagte er zu Finn und er spuckte wieder auf den Boden. Sein Speichel war blutig. Dameron hatte ihm den Kiefer gebrochen. „Und für dich, Rey Deeja-Mhin Skywalker, gilt das Gleiche.“ Er grinste wieder. „Ich weiß Bescheid. Aus dir hätte ein hervorragender Inquisitor werden können. Vielleicht hättest du sogar an der Seite unseres Anführers gekämpft. Du hättest so viel mehr werden können als das… Wir könnten Freunde sein, sogar Verbündete!“
Rey trat an Hask heran, die Arme verschränkt. „Das ist sehr nett von ihnen“, sagte sie leise. Dann verpasste sie Hask einen Tritt in die Magengrube. „Aber ich habe mich entschieden.“
Hask übergab sich. „Verräterisch bist du, genau wie alle anderen Jedi! Korrupt und bestechlich wie die alten Meister des Jedi-Rats.“
„Ach ja? Wer kooperiert denn mit der Ersten Ordnung, hm?“ Rey drehte Hask den Rücken zu. „Ich glaube, ich tue es auf meine Art. Das bedeutet, ich unterwerfe seinen Geist und lese es aus seinen Gedanken heraus.“
„Ist das nicht gefährlich?“, fragte Dameron.
„Nicht für mich“, erwiderte Rey. „Er könnte es da schwerer haben als ich.“ Sie legte ihre Hand auf seine Stirn. „Jetzt wirst du mir verraten, wo wir Finn‘s Vater finden…“
„N-nein!“, stammelte Hask. Er versuchte, gegen Rey‘s Eindringen in seinen Geist anzugehen. „Aus mir kriegst du es nicht heraus.“ Aber je weiter er sich widersetzte, desto enger zog sich die Schlinge zu. Erinnerungen durchschnellten seinen Kopf. Iden Versio als junge Frau, wie sie Hask und seine Verbündeten zurückließ. Del Meeko, der sich auf ihre Seite geschlagen hatte und Hask bedrohte. Er blickte in die Mündung des Gewehrs und hörte, wie er und Iden Versio die Flucht ergriffen. Es war, als sei er wieder dort. Auf Vardos, wo sich Iden Versio das erste Mal offen gegen das Imperium stellte. Aber kaum, dass er sich wieder besonnen hatte, wechselte das Bild.

„Das ehemalige Inferno Squad hat unseren Truppen schwer zugesetzt, Hask“, erklang Darth Bane‘s Stimme. „Iden Versio, Del Meeko… Erfahrene Kämpfer sind sie, das respektiere ich. Deshalb sollen sie die Gelegenheit erhalten, ehrenhaft von dannen zu ziehen. Ich werde mich wie von ihnen gewünscht aus der Angelegenheit heraushalten. Aber liefern Sie ihnen einen ehrenhaften Kampf. Ich möchte, dass sie sehen, wie stark die Erste Ordnung doch geworden ist!“ Es war, noch ehe seine Transformation begonnen hatte. Er sah noch immer mehr tot aus als lebendig, aber Hask hatte keinen Zweifel daran, dass der alte Sith-Meister lebendiger war als die meisten anderen hier. Er verbeugte sich tief vor Darth Bane. Natürlich wusste er nicht, dass Snoke Darth Bane war, aber dass er ein Sith war, das wusste er. „Wenn Sie sterben, dann sehen Sie ihnen in die Augen, Hask. Sagen Sie ihnen, dass es Aus ist. Bald werde ich über die Galaxis herrschen und sie sollen wissen, dass alle, die sich heute gegen die Erste Ordnung stellen, sterben werden. Auch ihre Tochter…“
Hask hielt den Kopf gesenkt. „Selbstverständlich, großer Anführer. Ich werde ein Exempel statuieren.“


Die Szene wechselte.

„Zurück, Hask!“, rief Versio. Ihre Haare sahen aus wie jetzt. Sie waren leicht grau, aber sie war noch immer so entschlossen wie früher.
„Sie vergessen, wer hier das Sagen hat, Versio… Jetzt bin ich der Admiral.“
„Zumindest habe ich noch die Kurve gekriegt, Sie jedoch nicht!“ Versio sah Hask wütend an. „Ich hatte gehofft, Sie würden noch auf die richtige Fährte finden, Hask! Aber ich habe mich getäuscht!“
„Warum sollte ich das denn aufgeben? Ich habe Ansehen, ich habe Macht und sehr viel Geld. Meine Truppen sehen zu mir auf und ich habe die Gunst eines mächtigen Mannes gewonnen.“ Hask lächelte. „Auf Sie scheint das ja nicht zuzutreffen. Kämpft der Widerstand immer noch mit zugestellten Lieferwegen und unzureichender Wasserversorgung? Wie armselig. Die Erste Ordnung könnte ihnen und dihrer Familie so viel mehr bieten. Selbst Zay, euer Mädchen, hätte die Chance auf eine anständige Pilotenausbildung… Aber wenn Sie wollen, dass sie weiter mit Schrott fliegt, dann lassen Sie es doch gut sein! Wenn sie einen Unfall hat, ist das nicht meine Schuld.“ Hask hielt den Blaster immer noch Versio entgegen, genau wie Versio umgekehrt das Gleiche tat. „Wollen Sie mich gerade erpressen, Hask?“
„Nein, nein! Ich will ihnen bloß ein Angebot machen. Wir waren schließlich auch mal verbündet. Wir könnten all das zurückhaben und noch so viel mehr!“
Versio senkte den Blaster ein wenig. „Ja, das waren wir! Aber das ist jetzt vorbei. Sie haben sich für eine Seite entschieden, Del und ich für die andere. Ich habe nicht vor, das zu ändern. Ich werde den Widerstand weiter unterstützen. Hier habe ich Freunde gefunden, die es ernst meinen. Leute, für die ich mein Leben geben würde… Auf Sie trifft das nicht zu. Wenn es ihnen nützen würde, so würden Sie mir direkt in den Rücken fallen!“
„Wer sagt, dass ich das tun würde? Bis jetzt habe ich auch nicht abgedrückt. Wenn ich so wäre, wie Sie sagen, dann wären Sie jetzt tot.“ Hask packte seinen Blaster noch energischer an. „Unser Anführer hat einen Plan. Er weiß, wie mit Rebellen wie ihnen zu verfahren ist!“
„Wir haben auch ein Plan“, erwiderte Versio. Sie klang mutig wie immer. „Und wir haben die Neue Republik.“
„Ich habe das Imperium“, gab Hask zurück.
„Dann haben Sie doch keinen Grund, sich zu fürchten“, erklärte Versio. „Oder sehe ich da die ersten Zweifel hochkommen?“
„Keineswegs“, entgegnete Hask lächelnd und er neigte den Kopf dezent zur Seite.


Wieder kam eine andere Erinnerung hervor.

„Dominicus?“, rief Hask. „Haben Sie den General gefunden?“ Er sprach über den Kommunikator mit Dominicus, der gleichzeitig Finn‘s Vater war.
„Der General ist hier. Wie sollen wir verfahren?“ Dominicus‘ Hologramm flackerte leicht.
„Bringt den General auf die nächste Lazarettstation!“
„Sir!“, rief Dominicus. Er salutierte. „Eine Frage hätte ich an Sie, Sir!“
„So sei es ihnen gestattet, zu sprechen!“, sagte Hask und er wartete kurz ab.
„Ich habe meinen Sohn gefunden, aber… Er hat die Erste Ordnung hinter sich gelassen. Er arbeitet zusammen mit den anderen Verrätern, die desertiert sind und hat sich den Widerständlern angeschlossen. Wie soll ich mich einklinken? Soll ich den Jungen töten?“
„Nein, Dominicus“, sagte Hask ruhig. „Den Jungen und die anderen beiden überlassen Sie besser mir. Ich weiß, wie ich sie stoppen kann. Denn so fähig sie auch sein mögen, so sind sie doch bloß Soldaten. Soldaten mit der gleichen Ausbildung. Und diese Ausbildung hat auch ihre Schwächen.“
„Wo?“, fragte Dominicus.
„Das werde ich herausfinden. Sie sollen alle gemeinsam hingerichtet werden.“ Hask dachte nach. „Begeben Sie sich nach Fondor zu Station zwei eins neun. Bald werde ich zu ihnen stoßen und wir werden über unser Vorgehen beraten.“
„Eine Information kann ich aber nicht so recht glauben, Sir: Die Frau aus der früheren Einheit meines Sohnes ist angeblich zur Jedi geworden. Aber das kann ja nicht sein.“
„Rey Deeja-Mhin, hm? Sie ist doch bloß ein Schüler“, meinte Hask. „So viel ich mich erinnern kann, ist sie vor kürzester Zeit abgereist. Ein Jedi zu werden, braucht seine Zeit.“ Er nickte Dominicus zu. „Vertrauen Sie mir, Dominicus. Ich werde ihnen helfen, ihren schlechten Ruf hier in unseren Reihen zu überwinden.“
„Sir“, sagte Dominicus wieder. „Werden Sie alle töten?“
„Das muss ich, Dominicus“, erwiderte Hask. „Ihren Sohn schließt das mit ein. Aber Sie brauchen sich keine Sorgen machen. Ich werde es selbst tun. Und genau wie diese drei werden auch Del Meeko und Iden Versio sterben.“


Rey klappte der Mund auf. „Oh, Mann!“
„Rey?“, fragte Dameron besorgt. „Geht es dir gut?“
„Ja“, antwortete Rey. „Aber ich bin noch nicht fertig.“ Wieder drang sie in Hask‘s Geist ein.

„Sie haben wieder versagt, Hask“, schnarrte Darth Bane. „Del Meeko lebt. Er ist entkommen und irgendsoein Naivling eines Widerständlers hätte Sie fast erschossen? Sie enttäuschen mich sehr.“ Er richtete sich vorsichtig auf. „Es ist vorbei.“ Er entzündete sein Lichtschwert und hielt die rote Klinge an Hask‘s Hals. Trotzdem tötete er Hask nicht. Warum, verstand dieser selbst nicht. Aber er konnte spüren, wie der Schweiß an seiner Stirn hinunterlief. Angst breitete sich in seinen Eingeweiden aus.
„Ich werde Sie nicht töten“, erklärte Darth Bane. „Töten Sie stattdessen den Jungen, der auf den Namen ‚Finn‘ hört. Er ist der Kampfgefährte meines Enkelkindes. So eng die Beziehung zwischen den beiden ist, könnte sie sein Tod sogar bekehren. Sollten Sie das schaffen, Hask, so werden Sie der Anführer des ganzen Militärs.“
Hask kniete nieder. „Sie sind sehr großzügig.“
„Währenddessen werde ich mich des Mannes annehmen, an dessen Hinrichtung Sie so kläglich gescheitert sind.“ Darth Bane stieg von seinem Thron endgültig herab. „Sein Schicksal wird den anderen eine Lehre sein.“ Er war nicht mehr so sehr auf die Lebenserhaltungssysteme angewiesen wie vor ein paar Jahren. Hask fiel auf, dass er sich regenerierte. „Ja. Ich werde Sie nicht noch einmal enttäuschen, Oberster Anführer!“, versprach er.
„Das hoffe ich sehr für Sie, Hask.“ Darth Bane winkte mit der Hand. „Und jetzt gehen Sie! Sie müssen sorgfältig planen, Hask. Das Mädchen darf Sie nicht kriegen, ehe Sie den Auftrag erledigt haben!“
Hask nickte. „Verstanden.“


Rey fiel zu Boden und keuchte schwer.
„Rey?“, fragte sie Finn und er ertastete ihren Puls. „Was hast du gesehen?“ Er erinnerte mehr dennje an Sura.
„Darth Bane hat deinen Tod angeordnet“, erklärte Rey. „Er erteilte Hask den Befehl, dich zu töten. Er wollte, dass es in mir den gleichen Zorn entfacht, der mich auf die dunkle Seite bringt.“ Sie sah sehr traurig aus.
„Du meinst, ich bin für Darth Bane bloß ein Mittel zum Zweck?“
„Anscheinend, ja“, meinte Rey. Sie blickte auf zu Finn. „Er weiß, dass ich dich liebe wie einen Bruder. Wenn du sterben würdest, dann… würde auch in mir etwas sterben.“
Finn ließ sich neben Rey nieder. „Das lasse ich nicht zu, Rey! Wir passen aufeinander auf!“
„Vor Darth Bane kannst du mich nicht beschützen“, stellte Rey klar. „Niemand kann das. Und du bist kein Jedi, Finn.“
„Nein, aber das Gute in dir werde ich beschützen“, erinnerte sie Finn. „Das kann ich auch, ohne ein Jedi zu sein.“
Rey nickte. Sie wischte sich eine Träne von der Wange. „Pass auf dich auf! Weil Hask es nicht geschafft hat, Del Meeko zu töten, hat sich Darth Bane persönlich eingemischt. Jetzt, da Hask erneut gescheitert ist, schwebst du in großer Gefahr!“
Finn drückte Rey‘s Kopf an seine Brust. „Ich habe keine Angst zu sterben, Rey“, sagte er leise. „Es ist nicht das schlimmste Schicksal, das einen treffen kann.“
„Genau das macht mir Angst“, schluchzte Rey und ließ sich von Finn trösten. Dameron schien derweil nicht zu verstehen, warum sie das Weinen angefangen hatte. Nervös lief er auf und ab, ohne ein Wort zu sagen. Hask blickte zu Dameron. Es war ein ausgesprochen böswilliger Ausdruck der deutlich zu verstehen gab, dass er Schadenfreude empfand. Aber Dameron ignorierte es ganz einfach. Sie mussten hier weg. Ohne den Schutz des Widerstands schwebten sie alle in Gefahr. Wer wusste schon, ob Darth Bane Hask‘s Misserfolg nicht doch vorausgesehen hatte? Was, wenn er sie erwischte und alle tötete? Bane‘s Gegenwart schwebte wie ein unheilvoller Schatten über ihnen. Wie sollte Rey, die ihre Jedi-Ausbildung noch nicht einmal abgeschlossen hatte, einen Jahrtausende alten Sith-Meister wie Darth Bane besiegen? Langsam wurde Dameron bewusst, dass ihre Chancen, Darth Bane zu besiegen, doch ziemlich schlecht standen. Und das selbst für die Jedi. Ein Schlag für die Moral, wie Poe Dameron fand.

Währenddessen trainierte Szirha Zay hart. Als sie Zay die erste Kampffolge beigebracht hatte, forderte sie diese zum Duell heraus. Noch während des Kampfes nutzte sie oft die Macht, Zay in ihrer Bewegung erstarren zu lassen, um dieser ihre Fehler aufzuzeigen.
„Du solltest dich mehr an die Macht halten, Zay. Dein Kampfstil ist viel zu unbefleckt“, sagte sie. „Denke daran: Das Schwert liegt nicht separat zu dir. Es ist nämlich ein fester Bestandteil deines Wesens. Versuche, dich in dein Schwert hineinzufühlen und sein Wesen zu begreifen.“
„Wie meinst du das?“
„Der Kyberkristall, Zay. Er lebt. Teile seine Gefühle und du wirst es verstehen!“, erklärte Szirha Zay. „Als du diese Vision hattest, da hast du genau das Gleiche getan. Es war zwar unbewusst, aber du hast es trotzdem getan.“ Sie korrigierte Zay‘s Haltung. „Tu es wieder!“
Zay wusste nicht, wie sie es anstellen sollte.
„Das Schwert ist ein Teil von dir, Zay. Du kannst dich in es hineinfühlen wie in deinen eigenen Arm“, erinnerte sie Szirha. „Probiere es aus! Du wirst überrascht sein.“
Zay versuchte sich, auf das Schwert zu konzentrieren. Es pulsierte warm in ihrer Hand. „Gefühle…“, sagte sie leise. Vorsichtig drehte sie das Schwert in der Hand. Als sie das tat, kam in Zay unterschwellig ein Gefühl des Nervenkitzels auf. Wo kam das her? Zay war ein wenig verwirrt. Aber sie realisierte, dass es der Kristall sein musste. Als sie das Schwert beäugte, hatte sie das Gefühl, es war neugierig auf sie. Konnte es sein, dass sie langsam den Verstand verlor? Der Kristall empfand nicht so komplex wie sie. Aber er schien es ungemein interessant zu finden, wenn sie das Schwert ein wenig durch die Gegend schwang. Als sie seine Gefühle erwiderte, fiel es Zay letztendlich auf. Es war, als sei das Schwert wie sie. Sie verschmolzen zu einer Einheit und Zay konnte genau spüren, wie die Klinge die Luft flirrend durchschnitt. Es war kein Geräusch und sehen tat sie es auch so ganz, aber sie spürte es.
„Du hast es verstanden“, lobte sie Szirha. „Es war mir schon vorhin aufgefallen, Zay… Du besitzt eine ungewöhnliche Affinität zu anderen. Du kannst dich in ihre Körper hineinfühlen wie in deinen eigenen und du begreifst von Grund auf den Geist eines anderen Charakters. Das… habe ich so auch noch nicht kennen gelernt. So schnell gelingt es den meisten nicht, eine Bindung zu ihrem Kristall aufzubauen. Es sei denn, es ist der eigene.“
Zay blickte zu Szirha. „Was bedeutet das?“
„Das bedeutet, du besitzt eine selbst für Jedi eher ungewöhnliche Begabung. Dein Blut ist relativ stark und dein Potenzial vielleicht auf einer Höhe wie das von Obi-Wan Kenobi seinerzeit. Aber diese Fähigkeit an dir ist nicht unbedingt… einfach.“ Szirha kam direkt zu Zay. „So schnell gelingt es den meisten Jedi nicht, eine Bindung zu ihren Kristallen aufzubauen – es sei denn, der Kristall hat sie selbst als Träger ausgewählt. Wenn man eine fremde Klinge lange genug einsetzt, lernt man zwar, sie zu verstehen, aber in der Regel nimmt das sehr viel Zeit in Anspruch. Warum geht das bei dir also so schnell?“ Sie schien eine Vermutung zu haben. „Interessant“, sagte sie. „Du besitzt die Fähigkeit zur Annexion. Jetzt verstehe ich es!“ Sie dachte kurz nach. „Setze deine Übungen fort, Zay! Ich muss kurz etwas mit Skywalker besprechen.“ Selten erlebte Zay Szirha so verunsichert. Hatte es etwas mit dieser Fähigkeit zu tun? Wie hatte Szirha es doch genannt: Annexion? Zay hatte das Wort noch nie gehört. Ob ihre Eltern das wussten?

Zay umarmte Versio, als sie diese sah. „Ich-ähm… Ich wollte dich etwas fragen“, sagte sie zu ihrer Ma.
„Dann frag mich doch einfach“, erwiderte Versio. „Ich werde dich nicht umbringen.“
Zay lachte kurz. „Okay. Was bedeutet das Wort ‚Annexion‘?“
Versio‘s Blick wurde skeptisch. „Hat der General etwas gesagt? Gibt es Ärger da draußen?“
Zay schüttelte den Kopf. „Ich habe den Begriff gelesen, habe das Wort aber noch nie gehört.“
„Geschichtsstunde, Zay?“, fragte Versio. „Das Wort ‚annektieren‘ bedeutet im Militär dasselbe wie ‚besetzen‘. Wenn ein Gebiet von feindlichen Truppen annektiert wurde,  haben sie die Kontrolle über das hiesige Stück Land.“
Zay ließ sich die Definition auf der Zunge zergehen. Aber je mehr sie darüber nachdachte, desto schlimmer kam es Zay vor. Die Annexion eines anderen Körpers oder eines Gegenstandes. Angeblich hatte sie eine Fähigkeit, die sich so nannte. Hieß das, dass Zay andere Menschen „besetzen“ konnte? Wenn ja, bedeutete das dann nicht, dass sie die Kontrolle über sie hatte? Das klang nicht gerade nach einer Fähigkeit der Jedi. „I-ich müsste dringend ins Bad!“, rief Zay und schlüpfte hinter Versio durch die Quartiertür. Wieder war Versio irritiert. „Da stimmt doch etwas nicht“, bemerkte sie. „Zay?“
„Lass mich in Ruhe!“, erklang es durch die Zimmertür. Zay hatte sich nicht ins Badezimmer begeben, eher in die Küche.
„Geht‘s dir gut?“, fragte Versio.
Zay antwortete nicht. Anscheinend wollte sie allein sein. Versio entschied, Szirha zu fragen, ob beim Training nicht doch etwas vorgefallen war.
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