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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
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25.04.2020 7.959
 
WENN DER GROSCHEN FÄLLT…

Finn hatte es geahnt. Schon, als Boba und Jango Hux der Republik aushändigten. Er hatte es vorausgesehen und trotzdem nicht eingegriffen. Die Senatoren konnten allesamt befreit werden, Szirha wurde vor Gericht begnadigt und Rey war mit der ganzen Crew nach Hoth geflogen. Finn war der einzige, der Boba und Jango bei ihrem Vorhaben unterstützte, Hux der Justiz zu überstellen. Doch warum hatte er das nicht berücksichtigt? Hux größte Loyalisten waren schließlich nicht seine Truppen, selbst wenn man das zu Beginn so vermuten würde. Es war Finn‘s Vater. Szirha hatte Finn angefunkt, dass der Mann es geschafft hatte, zu entkommen. Sie hatte Finn Rache versprochen und das entsprach Szirha‘s Art von Mitgefühl für seine Situation. Aber Finn konnte das nicht einfach hinnehmen.
„Wir haben viel mehr gemeinsam, als dir lieb ist, Finn. Dein Vater, mein Vater – man sollte sie einfach vergessen“, hatte Szirha gesagt. „Wenn er stirbt, hast du nicht den geringsten Verlust gemacht.“
„Ich bin nicht wie du, Szirha“, antwortete Finn.
„Ich weiß. Aber du bist nicht machtsensitiv. Deshalb mache ich mir keine Sorgen, dass dich die Dunkelheit holt. Wenn du Probleme hast, dich zu beherrschen, dann ist das ganz normal.“ Szirha‘s Angebot war aus moralischer Sicht zweifelhaft. Zumindest glaubte Finn, dass sie ihm ein Angebot machen wollte. Das Angebot, dass sie seinen Vater tötete… Stimmte das?
„Nein, Szirha“, erwiderte Finn. „Das können wir nicht tun. So würde ich letztendlich bloß die Werte verraten, für die ich bis jetzt so hart gekämpft habe. Nein, das geht nicht. Verrat liegt nicht in meiner Natur. Ich werde den General bitten, mich von dieser Mission abzuziehen.“
„Du irrst dich. Verrat liegt in unser aller Natur, Finn. Aber die Frage ist, wie wir wählen: Nehmen wir den einfachen Weg oder den richtigen?“ Szirha hatte Finn zugenickt. „Ich denke, du bist stark genug, dich für den richtigen Weg zu entscheiden, aber… deshalb wird es nicht zwingend der einfache sein.“
„Was willst du mir eigentlich sagen?“, fragte Finn Szirha mit harter Stimme.
„Ich will dir sagen, dass es für dich an der Zeit ist, mit dieser Geschichte abzuschließen. Des Blutes nach mag er ja dein Vater sein, aber wer war in diesen vielen Jahren für dich da? Er war es nicht, Finn! Er hat dich im Stich gelassen. Und jetzt schimpft er dich einen Verräter an die Familie… Wenn du mich fragst, ist er derjenige, der seine Familie verraten hat!“
„Ich werde meinen Vater nicht töten. Das wäre einfach nicht richtig“, stellte Finn klar.
„Das meinte ich auch nicht, du Narr!“, rief Szirha. Sie schüttelte den Kopf. „Dachtest du, ich würde dich überreden wollen, deinen Vater umzubringen? Moment mal… Genau das hast du gedacht, habe ich Recht? Deine Gedanken verraten dich!“ Sie war beängstigend, wenn sie wütend war. Sie funkelte Finn an. „Du traust mir nicht.“
Finn wusste, dass es besser war, wenn er ehrlich blieb. „Nein, das tue ich nicht.“
„Warum?“
„Du könntest sie alle töten… Meine Freunde, meine Familie! Du könntest mich ohne mit der Wimper zu zucken töten. Warum also arbeitest du mit mir zusammen? Ist das Teil eines abgefahrenen Plans? Willst du der neue Imperator werden? I-ich kann das unmöglich wissen! Aber dass ich Rey nicht vor dir beschützen kann, das macht mich fertig! Sie ist wie eine Schwester für mich… Wir sind sogar aufgewachsen wie Geschwister! Wir haben einander so oft den Hals gerettet, genau wie Sura. Nein, verdammt nochmal! Ich vertraue dir nicht!“ Als Finn sich ausgesprochen hatte, schien er sich etwas zu beruhigen. „Es liegt nicht in meiner Natur, andere zu verraten. Aber wie ist es mit dir?“
Szirha hatte eine Augenbraue gehoben. Sie war nicht wütend oder traurig, weil Finn sich ausgeschrien hatte. „Du hast Mut“, meinte sie bloß. „Genau deshalb, denke ich, kannst du Rey beschützen und ich nicht.“
Finn ‘s Atem wurde wieder ruhiger. Sein Herz schlug ihm noch bis zum Hals. Er wusste nicht, wie sie reagieren würde. Aber sie sagte kein Wort. Stattdessen wandte sie sich ab und ging, ohne eine Miene zu verziehen. Finn sank auf die Couch. Sie waren noch immer im All unterwegs gewesen, als das geschah. Aber für Finn dauerte der Sprung unendlich lange an.

Jetzt waren drei Wochen vergangen, seit er sich mit Szirha gestritten hatte. Sie waren auf Hoth, wo die frühere Rebellenbasis lag. Rey hatte Finn eingeladen, dass sie zusammen trainieren konnten. Skywalker schien das nicht zu stören, da er Finn vertraute. Denn er wollte, dass Finn einige der Fähigkeiten der Jedi erlernte, die zumindest keine Machtfertigkeiten erforderten. Da Finn ein hervorragender Kämpfer war und genau wie Sura sein Leben lang den Kampf studiert hatte, sollte er auch nicht die gleichen Probleme haben wie die anderen Soldaten des Widerstands. Er hatte die besten Voraussetzungen, da er vorbereitet war. Sein Geist war wie auf das Kämpfen optimiert und Skywalker hatte das bemerkt. Er zog Finn ins Vertrauen, dass er die Rekruten des Widerstands mit diesen Fähigkeiten ausstatten sollte und sie wollten auf diese Weise erreichen, dass ihnen die Erste Ordnung nicht mehr so überlegen war im Kampf. Sie mussten sich organisieren und in der Schlacht funktionieren wie eine gut geölte Maschine. Aber heute fiel es Finn schwer, sich auf den Kampf zu konzentrieren. Es war das dritte Mal, dass er an die Wand krachte. „Arrrgh.“ Er spuckte auf den Boden und fluchte.
„Deine Konzentration ist heute schwach, Finn. Willst du nicht eine Pause einlegen?“, fragte der Jedi-Meister.
„Nein, nein. Es ist schon in Ordnung, ich bin bloß etwas gestresst!“ Er hoffte, dass Skywalker seine Gedanken nicht so leicht durchschaute wie Szirha. Er rieb sich die Lippe, die leicht angeschwollen war.
Rey ließ sich neben Finn fallen. „Ich habe so eine Ahnung, warum.“
„Ach ja?“, fragte Finn leicht grinsend.
„Eigentlich ist es ja nicht lustig“, meinte Rey. „Ich kann dich gut verstehen. Wenn du willst, können wir nachher reden.“
„Es ist gut, Rey. Ich bin gestresst, weil ich viel um die Ohren habe. Ich studiere Medizin, gehe auf Kampfmissionen und soll mich sogar um die Rekruten kümmern… Das ist ziemlich anstrengend, Rey.“
„Das glaube ich auch“, mischte sich Skywalker ein. „Genau deshalb erkläre ich das Training für beendet. Morgen können wir reden.“
Rey stellte sich auf die Knie. „Deine Lippe ist dick. Soll ich dir eine Eispackung holen?“
„Schon gut, Rey“, beruhigte sie Finn. „Der Planet ist mir eisig genug. Wenn man drei Mal täglich das Waschbecken freikratzen muss und es kaum funktioniert, dann könnte man auf die Idee kommen, dass das sogar überflüssig ist.“
„Hmmm...“, meinte Rey. „Ich könnte ein Heizmodul dort installieren. Dann gefriert es zumindest nicht.“
„Wird das Wasser auch warm? Oder muss ich mit Hagelkörnern duschen?“ Anscheinend glaubte Finn nicht an eine konstruktive Lösung des Problems.
„Nein, das ist dann vorbei. Ab dann könntest du das Wasser sogar siedend aus der Leitung holen. Aber das würde ich nicht empfehlen“, grinste Rey. Sie zwinkerte Finn zu. Skywalker‘s Anwesenheit wurde schwächer. Gerade als Finn etwas erwidern wollte, hob sie den Zeigefinger. „Pssst!“ Sie hörte sich um. „Er ist weg. Jetzt kannst du es mir erzählen, Finn!“
„Was?“
„Dein Vater…“
„Mist!“ Finn wollte eigentlich nicht darüber reden. „Ich hatte gehofft, du würdest es vergessen.“
„So etwas vergisst man nicht“, meinte Rey bloß. „Was ist da passiert?“
„Er ist weg. Hux hat er auch befreit. Aber dass es selbst Boba Fett nicht geschafft hat… Er meinte, mein Vater sei ein Tyrann. Und langsam glaube ich, er hat Recht.“ Er legte seinen Kopf frustriert in die Arme. So hockte er ganze fünf Minuten lang da, während Rey über seine Schulter strich. „Lichtschwerter und Jedi sind nicht die Universalantwort“, sagte er schließlich. „Ich muss es tun.“
Rey nickte und zog eine nachdenkliche Miene. „Du könntest Zay fragen.“
„Hast du nicht mitgekriegt, wie Iden Versio ihre Tochter ausgeschimpft hat?! Als ich Zay das letzte Mal gesehen habe, ist sie meinen Blicken regelrecht ausgewichen“, erklärte Finn Rey, die so viel trainierte, dass sie kaum nach draußen kam. Selbst Sura hatte sie eine Woche lang nicht gesehen.
„Ich werde mich mit dieser Frau mal unterhalten“, unterstrich Rey. Ihre Stimme klang ein wenig scharf. „Zay muss es lernen. Sie muss lernen, wie man ein Lichtschwert benutzt. Und wenn ich es bin, die sie heimlich trainiert. Wenn ich es nicht tue, bringt sie sich selbst bloß in Gefahr.“
„Das halte ich für keine gute Idee, Rey. Du handelst dir bloß Ärger mit… deinem eigenen Vater ein.“
„Er ist nicht mein Vater“, entgegnete Rey. „Wenn er mein Vater wäre, hätte er sich längst zu erkennen gegeben! Deshalb kann er auf diesen Titel ruhig verzichten!“ In ihrer Stimme schwang Bitterkeit mit. „Es ist meine Entscheidung! Ich werde Zay helfen, selbst wenn dieser alte Sturkopf nicht einverstanden ist!“
Finn erschrak. „Rey, reg dich wieder ab! Warum bist du auf einmal so rot?“
Rey bemerkte jetzt, dass sie zu weit gegangen war. „‘tschuldigung. Ich bin auch nicht gerade entspannt. Aber das weißt du ja jetzt.“
„Wohl wahr.“

Zay balancierte das Lichtschwert in ihrer Hand. Sie dachte nach. Szirha wollte sie nicht ausbilden, Skywalker auch nicht… Und die Chancen, dass sie ihre Pilotenausbildung fortsetzen konnte, standen sehr schlecht.
„Zay!“, rief Iden Versio. „Der Reis ist durch. Kannst du ihn trockenwälzen, bitte?“
Zay zögerte kurz. Sie hing in der Luft und es gab keinen Ausweg. Als Kopfgeldjäger könnte sie Seite an Seite mit Boba Fett und seinem Sohn durch die Galaxis ziehen. Beide hatten es Zay angeboten, aber zur Zeit waren sie nicht erreichbar. Sie waren nicht hier, da sie einen neuen, sehr schwierigen Auftrag erfüllen mussten. Boba Fett hatte Zay akzeptiert. Sie mochte nicht sehr erfahren sein, aber sie hatte das Herz eines Kriegers. Anscheinend hatte sie den Kodex der Mandalorianer genau verstanden. Zumindest hatte sie sich in den letzten Wochen viel mit ihrer Kultur auseinandergesetzt. Zay richtete sich auf und versteckte das Lichtschwert in der Innentasche ihrer Jacke. Versio wusste nicht, dass sie ein Lichtschwert bei sich hatte. Denn Zay wusste genau, dass sie es direkt an den General übergeben würde, wenn sie es entdeckte. Denn ein Lichtschwert war eine gefährliche Waffe, selbst für einen erfahrenen Nahkämpfer. Und nicht einmal das traf auf Zay zu. Seufzend ging sie in die Küche. „Links von dir, Zay“, sagte Iden Versio und deutete auf die Reisschüssel. Sie probierte die Soße direkt von der Kelle. „Ruukwurz ist ganz hinten im Regal.“ Sie schwang eine der Schranktüren auf. „Wir müssen mehr Vorräte beschaffen. Der General hat die letzte Lieferung nämlich nicht gekriegt. Viel kann sie deshalb nicht ausgeben.“
„Wird es eng?“
„Anscheinend, ja. Die Lieferengpässe dauern schon eine ganze Weile an, deshalb wird es langsam schwierig, den Betrieb hier aufrechtzuerhalten. Ein Kälteödland wie das hier eignet sich auch nicht unbedingt zum Ackerbau. Wir müssen selbst rausfliegen und ein paar Vorräte besorgen.“ Versio schien die Lage nicht zu beeindrucken. Sie war ein Leben wie das gewohnt. „Ach ja?!“, erinnerte sie sich plötzlich. Sie drehte sich wieder zu ihrer Tochter um. „Zay… Heute haben wir Besuch.“
Zay schrak auf. „Was?! Wer?“
„Eine ältere Dame, Kunstprofessor. Sie meint, sie kommt von Chandrila.“ Versio blickte Zay scharf an. „Was hast du da eigentlich getrieben? Warum verschlägt es dich ausgrechnet nach Chandrila an eine Kunsthochschule?“
„Lange Geschichte“, wehrte Zay ab. „Eigentlich ist das ja nicht so wichtig.“
„Ich habe sie zum Essen eingeladen. Sie vermisst etwas und sie meinte, es kann sein, dass du es versehentlich mitgenommen hast… An deiner Stelle hoffe ich, dass es wirklich ein Versehen war!“
„Einen Gegenstand?“
„Sie hat mir nicht gesagt, was. Aber du weißt es ganz bestimmt.“ Versio schaufelte den Reis auf den Teller, den Zay trockengeschwungen hatte. Dafür nahm sie ein Handtuch, um es so lange durchzuschütteln, bis die Nässe raus war. Das hier war ein spezieller Reis, den man backte. Aber er sollte nicht zu nass sein, denn dann ging der Geschmack verloren.
„Aber das ist nicht wahr.“
Versio mustertete Zay kurz. „Das hoffe ich.“ Sie trug die Teller zum Tisch. „Komm! Sie wird in Kürze da sein.“
Zay nickte. „Ich-ähm… Ich müsste mal ins Bad.“
Versio sah skeptisch aus. „Jetzt? Warum jetzt auf einmal?“ Sie legte das Besteck auf den Tisch.
Zay eilte ins Bad, wo sie die Schiebetür verschlüsselte, um kurz allein zu sein. Ihre Freunde hatten sie verlassen, sie hatte ihre Ausbildung geschmissen und Del Meeko, der sie bis vor ein paar Monaten noch bestärkt hatte für die Prüfung, starb durch ein Lichtschwert. Jetzt hatte sie so ein Lichtschwert bei sich. Das einzige, das sie daran erinnerte, dass sie immer noch ein Jedi werden könnte. Zay erinnerte sich an Friedl. Auch an Maxo, der Junge, in den sie früher verknallt war. Aber so sehr sie sich ihre Vergangenheit auch zurück wünschte, es war vorbei. Keine Pilotenausbildung, keine Freunde und kaum noch Familie. Und selbst die Jedi lehnten sie ab. Warum? Zay war verzweifelt. Sie wog das Lichtschwert wieder in ihrer Hand. Sie konnte jetzt Laserschüsse abwehren. Genau wie ein Jedi. Aber das reichte wohl nicht. Zay presste sich den  schwarzen Zylinder an die Stirn. „Warum? Sie wollen mich nicht, weil sie mich für unbeherrscht halten. Sie denken, ich bin bloß auf Rache aus für den Tod meines Vaters!“
„Lass los!“, erklang es in Zay‘s Händen. Sie erschrak sich schwer. „W-was?!“
Zay schloss die Augen. Oh, Mann!, dachte sie bei sich. Dann werde ich jetzt auch noch verrückt oder was? Zay kicherte stumm vor sich hin. Natürlich! Jetzt war sie sogar so verzweifelt, dass sie sich einbildete, Stimmen zu hören. Stimmen, die überhaupt nicht existierten! Doch als Zay wieder die Augen öffnete, sah sie nicht das Waschbecken vor sich. Stattdessen fand sie einen Mann vor. Er saß im Schneidersitz und es sah aus, als würde er meditieren. „Warum bist du so unruhig, Padawan? Ich kann es bis hierher spüren…“
„S-sind Sie ein Jedi?“
„Das bin ich“, erwiderte der Mann. „Mein Name ist Flym El. Ich bin der Waffenmeister des Jedi-Tempels.“
„Heißt das, es gibt noch mehr Jedi da draußen?“ Zay war verblüfft.
„Nein, das tut es nicht. Aber wir und diese Rey Deeja-Mhin Skywalker haben eins gemeinsam: Wir sind innerhalb unseres Zeitalters die letzten unserer Art. Ich lebte vor siebentausend Jahren und war ein Jedi-Meister des Rates der Jedi und der oberste Waffenmeister. Ich habe meinen Geist in dieser Waffe manifestiert, da man mich als letzten Jedi noch zu töten versuchte. Aber mein Geist war zu lange fort. Ich kann mich nicht mehr in der lebendigen Macht manifestieren. Langsam schwindet er und das einzige, das ist tun kann, ist, dich eins zu lehren: Die Macht ist um dich herum, in dir… Sie ist überall. Wenn du deine Gedanken zur Ruhe bringst, wirst du sie spüren. Wenn deine Instinkte stark genug sind, kannst du sie sogar zu deiner Verbündeten machen. Denn die Macht verbindet dich. Durch deine Wahrnehmung bestimmst du deine Realität und nimmst du die Macht war, wird sie ein Teil deiner eigenen Realität. Und es prallen viele Realitäten aufeinander in einer Galaxis, die so groß ist.“ Seine Gestalt wurde transparent. „Dein Schwert spricht zu dir. Denn es ist nicht einfach ein Schwert, Zay Meeko. Es ist ein Teil von dir. Es spricht durch dich und du sprichst durch das Schwert. Erinnere dich daran!“ Er zögerte. „Und sei vorsichtig mit dieser Klinge. Deaktiviere sie, wenn du sie nicht benutzt.“
Zay blickte auf das Schwert in ihrer Hand. Seine Klinge leuchtete grell. Sie hielt das Schwert zu hoch und sie hatte das Gefühl, als würde sie schwitzen. Ihre Wange war nass und ziemlich verklebt.
„Achte auf deine Umgebung, ehe du in die Meditation eintauchst. Sie birgt viele Gefahren. Aber das hast du vermutlich selbst gerade bemerkt.“
Die nächste Frage konnte Zay Flym El nicht mehr stellen, denn der Jedi-Meister und die ganze Umgebung verblassten. Sie landete wieder im Badezimmer, wo sie sich mit zitternden Knien auf den Wannenrand setzte. Die Lichtschwertklinge knisterte. Warum war sie denn an? Zay hatte sie überhaupt nicht eingeschaltet. Sie wusste nicht mehr, wie sie überhaupt ins Bad gelangt war. Zay blickte auf ihre Hand. Das Schwert war immer noch da. Zay ging zur Tür, öffnete sie und stolperte direkt in die Küche.
„Zay?!“, fragte Iden Versio. „Wie siehst du denn aus?“ Sie drückte Zay das Kinn hoch, aber sie schüttelte sie ab.
„Ist schon gut! Warum starrst du mich überhaupt so an?“ Zay schlug ihre Hand erneut weg.
„Wo kommt diese Wunde her?“
„Wunde, häh?“ Zay verstand das nicht. Mit den Fingerspitzen berührte sie ihre Wange. Sie war sehr warm und seltsam… nass? Zay nahm ihre Hand runter. Sie war voll von Blut. „W-warum?“
Sie hatte nicht gemerkt, dass die alte Dame auch da war. „Sie sieht schlimm aus“, bemerkte sie. „An deiner Stelle würde ich mich bei der Lazarettstation melden.“
„Wie ist das passiert?“, fragte Iden Versio.
„Ich weiß es nicht“, antwortete Zay ohne Umschweife. „Ist doch auch egal… Es geht mir gut!“
Versio packte Zay ein Tuch auf die Wange. Es war nass. „Drück‘ das drauf!“ Sie wandte sich an die alte Dame. „Passen Sie kurz auf Zay auf? Ich hole Sura hier rüber. Sie kriegt vielleicht raus, wo die Wunde herstammt.“
„Warum ist das so wichtig?“, fragte Zay. Sie stand unter Druck.
„Weil es aussieht wie eine Streifschussverletzung!“ Iden Versio hatte viele Jahre für das Militär gearbeitet. Sie wusste, wie Verletzungen dieser Art aussahen. Sie hielt ihren Blaster umklammert. Anscheinend fürchtete sie, Zay sei angegriffen worden.
„Da ist niemand!“, rief Zay. „Nimm den Blaster weg!“ Aber Versio hörte nicht auf ihre Tochter. Sie schob die Badezimmertür zur Seite. Hier war tatsächlich niemand. Sie steckte den Blaster weg und eilte durch die Codiertür nach draußen in den Korridor.
Zay blieb kopfschüttelnd zurück. „Warum sehen Sie mich so an?“
„Erinnerst du dich nicht mehr, wie das passiert ist?“
Zay erinnerte sich noch ziemlich genau an ihre Vision. Aber sie wusste nicht, wo sie die Verletzung herhatte.
„Anscheinend leidest du unter Amnesie“, bemerkte die alte Dame. Verschnupft betrachtete sie Zay‘s Gesicht.
„Nein, das tue ich nicht!“ Zay warf das nasse Tuch weg.
Die alte Dame aß weiter ihren Reis. Wie gern hätte Zay der Frau den Mund gestopft? Sie konnte es einfach nicht lassen!
„Wie geht es eigentlich dieser Jedi?“, fragte die Dame.
Zay zuckte mit den Schultern.
„Und wo ist mein Lichtschwert?“ Sie blickte Zay an, als warte sie auf eine Entschuldigung.
„Wie?“ Zay stellte sich dumm.
„Na, das Lichtschwert! Das Lichtschwert, das du gestohlen hast! Wo hast du es versteckt?“ Die alte Dame schob ihren Teller kurz zur Seite.
„Es ist eine Waffe der Jedi“, erwiderte Zay. „Ich habe sie ihnen zurückgegeben!“
„Wer hat sie jetzt?“
„Fragen Sie doch ‚diese Jedi‘!“ Zay stand das Wasser bis zum Hals. Sie hasste diese Frau. Anscheinend hielt sie sich für etwas Besseres.
„Diese Jedi war sehr höflich und gut erzogen. Von dir kann man das nicht unbedingt behaupten!“
Jetzt war es genug. „Wie lange kennen Sie mich jetzt?“, fragte Zay gereizt. „Wie wollen Sie das beurteilen, wo Sie mich kaum kennengelernt haben?“
„Es gibt nicht wenige, die sind ganz ähnlich wie du. Du bist jung und völlig verwildert“, meinte die alte Dame. „Du bringst dich dauernd in Schwierigkeiten, weil du nicht vorausschauend bist. So wie jetzt, wo du mir mein Schwert entwendet hast.“
„Ich habe es ihnen nicht entwendet!“, zischte Zay. „Ein Lichtschwert ist eine gefährliche Waffe und in ihren Händen wird es selbst für Sie schnell zur Gefahr!“
„Versio hat es mir erzählt, Zay“, bemerkte die alte Dame und ignorierte Zay‘s gereizten Unterton. „Seit dein Vater nicht mehr ist, stehst du völlig neben dir. Ich kann das ja verstehen, Zay. So etwas tut weh, aber es wird Zeit, dass du darüber hinwegkommst.“
Zay hatte das Gefühl, die Frau umbringen zu wollen. Was erlaubte sie sich?! „Gehen Sie mir aus den Augen, Sie alte Hexe!“
„Zay!“, kam es von hinten. Es war Sura, die in der Tür lehnte. „Es ist gut. Komm jetzt mit!“
Zay knirschte mit den Zähnen. „Warum können die mich nicht einfach in Ruhe lassen?!“
„Zay!“, rief Sura erneut. „Ich werde es dir nicht noch einmal sagen.“ Die alte Dame blickte erleichtert auf. „Das Mädchen hat stark aggressive Neigungen“, erklärte sie und richtete sich auf. „Und sie hat mein Lichtschwert. Sie hat es immer noch.“
Sura schüttelte den Kopf. „Seien Sie ruhig, Frau Professor. Das hier geht Sie nichts an.“
„Sie hat mir mein Schwert gestohlen!“ Die Dame stemmte die Hände in die Hüften. „Das ist unerhört! So soll sie es mir gefälltigst zurückgeben!“
Sura schüttelte den Kopf. „Das Schwert gehört ihnen nicht, Frau Professor. Die einzigen, die ein Recht darauf haben, sind die Jedi. Und weder Sie, noch Zay gehören zu ihnen. Das bedeutet, dass Sie selbst nicht weiter Anspruch darauf erheben werden und Zay das Schwert entweder Luke Skywalker, Szirha oder Rey übergibt. So hätten wir das Problem gelöst, nicht wahr, Zay?! Die Wunde an deiner Wange stammt von einem Lichtschwert. Das kann ich sehen.“
Zay schlug mit der Faust auf den Teller, der direkt zerschellte. „Das tut sie nicht!“
„Wer ist hier der Arzt, Zay?“ Sura schob die beiden Streithähne auseinander. „Ich bin vielleicht kein Jedi, aber so, wie Sie beide miteinander umspringen, kann ich das nicht tolerieren. Ich werde den Sektionsleiter darüber informieren, dass Sie… offensichtlich Streit miteinander haben.“
Zay riss die Augen auf. „Er brummt mir Sozialstunden auf!“
„Es ist nicht meine Schuld, dass du dich ständig in Schwierigkeiten bringst“, entgegnete Sura. Die Professorin sah Zay verheißungsvoll an. „Ich kann dich nicht immer in Watte packen, Zay! Es wird Zeit, dass du die Suppe selbst auslöffelst!“ Anscheinend hatte Sura eine lange Schicht hinter sich. Sie war sehr gereizt. „Und Sie, Frau Professor: Sie entschuldigen sich bei Zay dafür, dass Sie sie auf diese Weise angegangen sind! Wenn ein Elternteil stirbt, gerade wenn man noch so jung ist, dann ist man gezeichnet. Und Zay hat doch wohl das Recht, ihren eigenen Vater zu betrauern, ohne dass Sie sie dafür kritisieren?!“ Sie blickte die alte Dame scharf an. „Zay hat viel durchmachen müssen. Deshalb finde ich es nicht fair, dass Sie sie so behandeln!“
Zay zuckte innerlich zusammen. Sura hatte ja keine Ahnung… Die alte Dame wandte sich Zay zu, die Lippen aufeinander gepresst. „Entschuldigen Sie mich.“ Dann ging sie. Mehr brachte sie nicht über die Lippen. Dafür war sie einfach zu stolz.
„Wo ist meine Ma?“, fragte Zay Sura.
„Rey hat sie kurz zur Seite genommen“, meinte Sura. „Sie unterhalten sich.“
„Wo denn?“, fragte Zay.
„Das spielt keine Rolle, Zay. Komm mit.“ Sura packte Zay hinten an ihrer Jacke und zog sie auf die Füße. „Willst du, dass das eine Narbe hinterlässt oder kommst du jetzt mit?“
Zay zögerte kurz. „Na gut“, sagte sie. Sie folgte Sura und verriegelte hinter sich die Tür.

Nach einigen Minuten hatte es Sura geschafft, die Blutung zu stoppen und Zay hatte wieder etwas Ruhe. Aber sie wusste immer noch nicht, wie sie auf diese Vision reagieren sollte. „Sura?“, fragte sie leise.
„Hm?“, antwortete diese abwesend. Sie sortierte die Verbände.
„Ich-ähm… Ich habe vorhin etwas gesehen, als ich das Schwert in der Hand hielt. Ich glaube, es war eine dieser… Visionen wie ich sie bei Pa hatte, als er starb.“
Sura wandte sich Zay zu, skeptisch. „Ich glaube nicht, dass ich dir da helfen kann, Zay. Wenn du eine Frage hast, die sich auf die Macht beziehst, dann fragst du besser Meister Skywalker.“
„Er hat doch eh keine Zeit“, erwiderte Zay. Sie fühlte sich von Skywalker im Stich gelassen. „Außerdem interessiert er sich doch überhaupt nicht für mich.“
„Das weiß ich nicht, Zay“, erklärte Sura. „Aber als Jedi hat er bestimmt viel um die Ohren. Rey habe ich in letzter Zeit auch kaum mehr gesehen.“ Sie beauftragte einen Reinigungsdroiden, den Rest einzusortieren. Als das erledigt war, widmete sie sich Zay voll und ganz.
„Er hält mich für schwach“, meinte Zay.
Sura schüttelte den Kopf. „Du bist nicht schwach, Zay. Und dein Blut ist es auch nicht. Skywalker hat selbst kaum die Gelegenheit, Atem zu schöpfen. Er versucht, Rey zu trainieren und eine Spezialeinheit auszubilden, die auf die Zusammenarbeit mit Jedi spezialisiert ist. Er will Temiri Blagg helfen und die Presse ruhigstellen, die gerade regelrecht über die Jedi herfällt. Hast du überhaupt eine Ahnung, wie viel Arbeit das macht? Ich glaube nicht.“
Zay war nicht überzeugt. „Er glaubt nicht an mich. Definitiv. Ich weiß es. Er hat mich abgelehnt und weiß nicht einmal mehr meinen Namen!“
Sura seufzte. „Dann werde ich nicht weiter versuchen, dich vom Gegenteil zu überzeugen. Das dauert mir zu lange.“ Sie richtete sich auf und ging, kaum dass Zay die Gelegenheit hatte, sich auszusprechen. Wieder hatte man sie allein gelassen. Zay wusste nicht, warum, aber anscheinend war niemand mehr an ihrer Teilhabe interessiert. Innerlich verletzte sie das sehr. Wenn Jango Fett der einzige war, der für sie noch ein Ohr hatte, sollte sie seiner Spur vielleicht folgen.
„Zay?“
Zay zuckte zusammen. Es war Szirha‘s Stimme. „Ich kann deinen Frust bis hierher spüren“, meinte sie und klang aber eher genervt. „Ich habe es verstanden, Zay. Komm mit!“
Zay begriff nicht, was sie meinte. „Ähm… Gibt es einen Grund dafür?“
Szirha verschränkte die Arme. Geduld war eindeutig nicht ihre Stärke. „Dein Training“, sagte sie. „Beeil dich, ehe ich‘s mir überlege!“
Zay wurde nicht schlau aus Szirha. Was meinte sie? „Was denn für ein Training?“
„Dein Jedi-Training“, zischte Szirha. „Beweg‘ dich! Es könnte die letzte Stunde sein, die du je von mir bekommst! Es war nämlich nicht meine Entscheidung!“
Anscheinend glaubte Zay Szirha immer noch nicht. „Woah! Du willst jetzt mit mir trainieren – JETZT?! A-also ich weiß nicht…“
„Nein, Zay – natürlich NICHT! Wir legen los, wenn du alt und grau geworden bist!“ Sie sah finster drein. „Na los!“
Zay war das zu viel. „Boah, Mann eh! Was soll das?!“ Sie war völlig überrumpelt.  „A-aber das geht nicht. Ich dachte, dass du das nicht tun würdest und dann habe ich mich darauf eingestellt…“
Szirha packte sie unsanft am Kragen und zog sie zu sich heran. „Nenne mich nicht so, Zay! Zeig gefälligst ein bisschen Respekt!“
„Natürlich, Meister Jedi.“
„Ich bin kein Jedi“, fuhr Szirha fort. „Und es heißt immer noch: Ma‘am!“
„Bis jetzt hat mich noch niemand so genannt“, sagte Zay leise. Aber sie wusste gleich, dass das sehr, sehr dumm war. Die Worte schossen schnell aus ihrem Mund. Sie waren schneller als ihre Gedanken, durch die sie jetzt realisierte, dass sie eben sehr respektlos gewesen sein musste.
Szirha ohrfeigte Zay genau da, wo sie sich mit der Lichtschwertklinge verbrannt hatte. „Respekt!“, rief sie wütend. „Respekt, Zay!“ Eigentlich war es nicht typisch für die Jedi, dass sie ihre Schüler ohrfeigten. Nein, so etwas würde ein Jedi nie tun! Denn eigentlich entsprach das überhaupt nicht den Prinzipien des Ordens,
„Szirha?“, erklang eine männliche Stimme. „Seinen Schüler schlägt man nicht.“ Es war Luke Skywalker, der Szirha direkt konfrontierte. „Wenn das noch einmal passiert, haben wir beide ein Problem miteinander.“ Anscheinend war er die ganze Zeit in der Nähe gewesen. Er ging zu Zay, wo er seine Hand auf ihre Wunde legte, die wieder angefangen hatte zu bluten.
„Es tut mir Leid“, entschuldigte sich Szirha, die merkte, dass auch sie nicht unbedingt gut darauf reagiert hatte. Sie hätte Zay nicht schlagen sollen. „Ich selbst hatte keinen guten Meister. Ich dachte, so sei das üblich.“
„Bei den Sith ist es das vielleicht, Szirha“, erwiderte Skywalker streng. Er stellte sich Szirha breitbeinig gegenüber, da er fürchtete, sie würde seine Rüge nicht ernst nehmen. „Nicht aber bei den Jedi. Wenn sie respektlos ist, dann verdonnere sie dazu, das Deck zu putzen, aber das hier… Das geht so nicht, Szirha! Das kann ich nicht akzeptieren!“
Wie gern hätte Zay losgeheult, wo sie eigentlich wusste, dass das die Situation bloß verschlimmern würde. Sie musste sich beherrschen. Ihre Eltern hätten sie nie geschlagen. Und das hatten sie auch nie getan. Skywalker legte Zay seine Hand auf die Schulter. Er wollte sie scheinbar beruhigen, da er ihre Fassungslosigkeit spüren konnte. Und es half auch etwas. Zay behielt die Beherrschung über sich.
„Es tut mir Leid“, unterstrich Szirha erneut. „Es kommt nicht wieder vor und… Zay? Ich hoffe, ich habe dich nicht zu sehr verletzt?!“ Anscheinend meinte sie die Entschuldigung ernst, denn ihre Miene hatte einen leicht bekümmerten Ausdruck angenommen.
„Das hier ist nicht unbedingt das beste Vorgehen“, meinte Skywalker. Wie immer versuchte er, den Konflikt ruhig zu lösen. Aber es wurde deutlich, dass er so etwas nicht noch einmal sehen wollte. „Es braucht keinen eisernen Willen. Der Schlüssel ist Empathie! Du musst wissen, wie du jemanden richtig motivierst, Szirha! Aber so schüchterst du denjenigen eher ein. Wenn du so mit mir umspringen würdest, dann würde ich dich nicht als Meister haben wollen.“ Skywalker reichte Zay eine Kompresse. „Halt das.“ Sie nickte langsam. „Wenn dir dein Schüler respektlos kommt, wird er durch gemeinnützige Arbeit sensibilisiert. So habe ich das bis jetzt gehalten – ganz einfach.“
Szirha wusste wohl keine Antwort darauf. „Ich hoffe, du verzeihst mir, Zay! Das war nicht richtig.“ Sie nickte dieser zu. „Wenn du immer noch trainieren willst, findest du mich in bei den Wartungsschächten.“ Sie ging.
Skywalker blieb bei Zay zurück, die immer noch kein Wort gesagt hatte. „Sura hat Recht. Du hast Talent dafür, dich in Schwierigkeiten zu bringen.“ Er seufzte kurz.
„Bis gestern haben Sie sich überhaupt nicht für mich interessiert, Meister Skywalker. Warum hat sich das jetzt geändert?“ Zay glaubte nicht mehr daran, dass Skywalker sich für sie eingesetzt hatte. Nein! Warum auch? Wieder machte sich in Zay die Bitterkeit breit. Der Frust kam hoch und sie wollte bloß noch verschwinden. „Sie glauben doch überhaupt nicht an mich!“, rief sie und ballte die Hände zu Fäusten. Ihre Schultern spannten sich an und der Jedi erkannte langsam, wo das Problem lag.
„Ah“, begann er. „Das ist also der Grund dafür, dass du so frustriert bist? Die Antwort ist einfach, Zay: Du liegst falsch. Aber mein Interesse an dir begründe ich nicht mit deinen Fähigkeiten. Du bist aus anderen Gründen bedeutsam: dein Schicksal ist unmittelbar mit den unseren verbunden. Du besitzt Potenzial in der Macht, hattest bis jetzt aber nicht die Möglichkeit, deine Grenzen auszuloten. Dann kam Eins zum Nächsten: Der Tod deines Vaters – ja, ich kannte deinen Vater, Zay – dann die Ereignisse auf Cantonica und die Auslöschung der Neuen Republik. Verzeih mir, wenn ich ehrlich sein muss, aber ich muss mich um dringlichere Dinge kümmern als deine Ausbildung.“ Skywalker dachte kurz nach. „Das bedeutet nicht, dass ich dich vergessen hätte, Zay. Aber noch bin ich nicht bereit für so viele Schüler. Als dein Meister würde ich dich bloß enttäuschen. Nach Rey wirst du aber die Nächste sein. Und ich bin überzeugt, dass sie ihre Ausbildung in kürzester Zeit abgeschlossen hat. Wie lange sie noch braucht, kann ich zwar nicht sagen, aber sie lernt sehr schnell. Nach ihrer Ernennung wird sie sich vermutlich auch einen Schüler nehmen und ich kann mich deiner Ausbildung widmen. Dafür müsstest du dich lediglich etwas mehr gedulden. Trotzdem besteht die Chance, dass Szirha dich ausbildet. Sie hat noch keinen Padawan und sie braucht jemanden an ihrer Seite, auf den sie sich verlassen kann. Das könntest du sein. Deshalb – und ganz allein deshalb – habe ich euch beiden mehr Raum geben wollen.“
Zay wusste nicht, ob sie das überhaupt noch so wollte. Das Jedi-Training galt als unglaublich hart und war für die meisten Leute einfach unzumutbar.
„Dein Vertrauen hat gelitten, Zay“, merkte der Jedi-Meister an. Er hatte sie eine Weile beobachtet. „Das kann ich verstehen. Aber du solltest dich daran erinnern, dass Szirha‘s Ausbildung von vielen schmerzhaften Erlebnissen geprägt war. Sie kennt das nicht so wie du oder ich. Wenn sie den Wünschen ihres Meisters nicht gerecht werden konnte, musste sie mit weit schlimmeren Bestrafungen rechnen. Er hat sie sogar gefoltert.“
Zay versuchte, den dicken Kloß in ihrem Hals hinunterzuschlucken. „Dann werde ich es tun. S-sie fordert mich doch nicht gleich zum Duell heraus, oder?“
„So, wie ich sie kennen gelernt habe, wird sie genau das tun“, erwiderte Skywalker ungerührt. Anscheinend empfand er die Aussicht darauf kein bisschen erschreckend. „Aber es ist kein Duell auf Leben und Tod. Ich duelliere mich auch ab und zu. Genau wie mein Vater in seiner Zeit als Jedi hilft mir das, mich etwas zu entspannen. Er war ein ausgesprochen… hyperaktiver Charakter. Vielleicht hilft es dir auch.“
„Aber mich würden Sie nicht zum Duell herausfordern, oder?“ Zay biss sich auf die Zunge.
„Oh, liebend gerne“, meinte der Jedi-Meister lächelnd. „Aber erst soll sich Szirha mit dir herumschlagen.“
„Oh-oh.“
Skywalker grinste Zay an. „Sie ist der beste Duellant, den ich kenne. Viel besser, als ich es bin. Wenn sie dich lehrt, ein Lichtschwert zu führen, kannst du überhaupt nicht verlieren! Aber vergiss nicht: Sie ist nicht so nachsichtig wie ich es bin. Wenn du ein Problem hast, dann wende dich an mich. Konflikte, die nicht gelöst werden, bringen bloß noch mehr Konflikte hervor.“ Er überreichte Zay das Lichtschwert, das Sura Zay vor wenigen Minuten abgenommen hatte. „Wenn du die Grundzüge beherrschst, reisen wir ab. Dann ist es nämlich an der Zeit, dass du dir selbst ein Lichtschwert baust. Die Cyberkristalle, die für den Bau eines Lichtschwertes zwingend gebraucht werden, sind unglaublich rar und der Planet, wo der alte Jedi-Orden seine Kristalle bezog, ist jetzt Geschichte.“
„Ilum?“, fragte Zay überrascht. „In den Legenden wurde er ein paar Mal erwähnt.
„Genau der. Aber dieser Planet existiert nicht mehr“, entgegnete der Jedi-Meister. „Die Erste Ordnung hat Ilum zur Starkiller-Basis umgebaut. Der Widerstand hatte keine andere Wahl. Diese Waffe musste zerstört werden. Sie hat genug Leid über diese Galaxis gebracht. Noch mehr braucht es nicht.“
„Wo gibt es dann diese Kristalle?“
„Vor einer Woche erhielt ich eine Übertragung. Ein Agent des Widerstands erzählte mir von drei Planeten, wo es anscheinend Kristalle zu finden gibt. Planeten, die bis jetzt niemand betreten hat, da sie nicht kartographiert wurden.“ Der Jedi-Meister wartete Zay‘s Reaktion ab.
„Wer ist dieser Agent?“, fragte Zay.
„Das weiß ich nicht, Zay“, erwiderte Luke Skywalker. „Aber es gibt viele Agenten da draußen, die aus der Deckung heraus agieren und ihre Aufgabe ist es, feindliche Truppenstärken einzuschätzen und Angriffsmuster zurückzuverfolgen. Sie mögen nicht direkt an der Front stehen, doch ist das der mit Abstand die gefährlichste Aufgabe von allen.“
„Wie kommt es dann, dass sich da jemand auf die Suche nach Kyberkristallen gemacht hat?“ Zay verstand das nicht. Sie spürte, dass Skywalker einen wichtigen Teil der Wahrheit zurückhielt. „Dieser Agent… Ist er ein Jedi?!“
„Wer weiß?“, meinte Skywalker bloß und kratzte sich den Bart. „Du solltest zu Szirha gehen!“ Er blickte auf sein Chronometer. „Der Eingang zu den Wartungsschächten befindet sich hinter der Windanlage. Sei vorsichtig, wenn du dort entlanggehst!“
Zay wusste, dass Skywalker ihre Unterhaltung an dieser Stelle so oder so ausgesetzt hätte. Anscheinend hatte sie einen Punkt getroffen.

Als Zay in den Schacht gelangte, erkannte sie, dass Szirha sie nicht in Watte packen wollte. Denn der einzige Punkt, der beide Übergänge verband, bezeichnete einen langen Balken aus Eisen, der knapp fünf Zentimeter dick war und fast so dünn war wie ein Seil. Seine Oberfläche war glatt und der Schacht war nicht beheizt. Minus fünfzig Grad Celsius waren auf Hoth keine Seltenheit. Und Zay hatte sich bloß die alte Jacke ihres Vaters übergezogen. Zay wusste, dass Szirha erwartete, dass sie über den Balken ging. Denn genau dort hatte sich Szirha hingestellt, das den Schwertgriff in ihren Händen liegend. Aber Zay hatte ziemlich Höhenangst. Ihre Knie waren weich wie Butter und allein der Gedanke, über diesen Balken balancieren zu müssen, ließ es Zay schlecht werden. „Komm zu mir, Zay!“, rief Szirha. Sie klang nicht so hart wie vorhin, aber der Ton war sehr fordernd. Zay schüttelte den Kopf. „Was sollte das? Ich habe Höhenangst!“
„Ich weiß“, erwiderte Szirha kein bisschen überrascht. „Und genau deshalb fangen wir hier an. Deine Angst kann dich blockieren. Wenn du sie nicht überwindest, wird sie dich den Rest deiner Ausbildung behindern und du wirst deine Gefühle nie ganz loslassen können. Und gerade das musst du können, denn ohne die Kontrolle über dich selbst erlangst du keine Verbindung zur Macht.“
Zay schluckte schwer. „A-aber was ist, wenn ich runterfalle?“
„Die Macht ist mit dir, Zay. Sie wird dich retten.“ Szirha‘s Training setzte schon jetzt zu hoch an, wie Zay fand. Im wahrsten Sinne des Wortes, könnte man sagen. Der Boden reichte so tief, dass er nicht mehr zu sehen war.
„Kannst du nicht die Macht nutzen um mich aufzufangen oder so?“
„Das muss ich nicht, denn das kannst du auch selbst.“ Szirha schien absolut überzeugt.
Zay tröstete das überhaupt nicht. „Das ist nicht wahr.“
„Wenn du deine Einstellung änderst, ändert sich auch deine Wahrheit. Sieh mich an!“ Szirha‘s Blick war fest entschlossen. „Nicht denken, Zay. Tu es oder tue es nicht! Was willst du erreichen?“
„Dich?“, hakte Zay nach.
„Ganz richtig. Besinne dich darauf!“
Zay kniff die Augen zusammen. Sie schwitzte, als sei sie auf Tatooine, nicht auf Hoth. Aber zittern tat sie auch. Seltsam war, dass die Kälte daran nicht Schuld war. Vorsichtig setzte sie einen Fuß auf den Balken, aber er war rutschig. Das machte es nicht besser. „I-ich kann nicht.“
„Ich weiß, dass du es kannst“, entgegnete Szirha Deeja-Mhin. Sie war ausgebildet in der Macht, jedoch wurde sie in den Wegen der Sith unterrichtet. Sie kannte zwar das Wesen der Macht, aber als Jedi bezeichnete sie sich trotzdem nicht. „Wenn du in dir ein Gleichgewicht herstellen kannst, erlangst du auch hier Halt.“
Zay blickte nach unten. Sie wusste gleich, dass es ein Fehler war, denn kaum eine Sekunde später musste sie sich plötzlich übergeben. „Nein!“ Das war der Reis.
„Lass dir Zeit“, erklärte Szirha nach wenigen Augenblicken. „Ich werde hier auf dich warten.“
Zay schnaufte. Sie hockte auf allen Vieren und versuchte, langsam nach vorne hin aufzurücken. Aber auch so fühlte sie sich nicht sicher. Ihre Hände zitterten und sie konnte sich kaum halten. Aber sie wusste, Szirha würde keine Ruhe geben, wenn sie es nicht durchzog. Wie konnte sie ein Gleichgewicht in sich herstellen? Wie sollte sie die Kontrolle über sich behalten? Und wie kam Szirha auf die Idee, dass diese beiden Faktoren so unmittelbar miteinander zusammenhingen?
„Vielleicht ist dir das eine Hilfe, Zay: Die Macht ist überall um dich herum. Sie bildet ein Energiefeld und verbindet dich mit mir, mit den Schächten und selbst durch den Balken. Du kannst sie um dich herum spüren, wenn du dich auf sie konzentrierst. Sie kann dich festhalten, wo der Balken nachgibt. Sie kann dich retten, wo du an Halt verlierst. Sie kann dir sogar Halt geben. Halt in dir und um dich herum.“ Szirha‘s Augen blitzten entschlossen auf. „Sieh mich an und sag mir: Wo liegt der Unterschied?“
„Du kannst gut balancieren hier oben“, riet Zay. Tatsächlich schien Szirha völlig unbeeindruckt von der Höhe und sie bewegte sich elegant wie eh und je.
„Gut“, fuhr Szirha fort. „Und was sagt dein Gefühl?“
„Ich habe Angst“, antwortete Zay.
„Und das ist der Fehler. Du gibst deinen Ängsten zu viel Raum, lässt dich durch sie beherrschen und gibst dich ihnen widerstandslos hin. Du musst kämpfen, Zay. Tust du das nicht, wirst du nie zu wahrer Stärke finden!“
Zay versuchte, die Macht um dich herum zu ertasten. Sie existierte tatsächlich. Zumindest gab das Zay ein wenig Sicherheit. Die Macht hatte keine feste Struktur. Sie war einfach da. Zay versuchte, sich vorzustellen, dass sie zu beiden Seiten stützende Wände hatte. Und genau so war es dann auch. Es war, als verspürte sie einen festen Körper an den Fingerspitzen. Langsam tastete sich Zay voran, bis sie Szirha‘s Atem an ihrem Hals spüren konnte. „Sehr gut“, sagte sie leise. „Das war der erste Schritt. Durch die Macht Kontrolle über seine Umgebung zu erlangen, ist das Eine. Aber erst solltest du versuchen, Kontrolle über dich selbst zu erlangen.“
Zay blickte Szirha an. „Dann habe ich es geschafft?“
„Das war der erste Schritt“, antwortete Szirha indirekt. „Dein Lichtschwert, Zay. Nimm es!“
Zay konnte es nicht fassen. „Was? Hier sollen wir kämpfen?!“
„Ich will nicht mit dir kämpfen“, sagte Szirha kurzangebunden. „Aber jetzt werde ich dich lehren, zu kämpfen. Laserschüsse kannst du abwehren. Das habe ich gesehen, aber… du verschwendest deine Energie. Dein Kampfstil ist viel zu unbeherrscht.“
„Warum?“
„Deine Bewegungen sind nicht einheitlich und viel zu grob. Wenn du Pech hast, verletzt du dich sogar selbst. Du musst dein Lichtschwert beherrschen wie deine rechte Hand. Du musst die Bewegungen kennen, die Kampffiguren und du musst lernen, wie du sie einsetzt. Es ist wie eine Abfolge aus Bewegungen, eine Choreografie.“ Szirha entzündete die rotorangene Klinge ihres Lichtschwertes. Sie hatte sich wieder leicht ins Rote verfärbt.
„Deine Klinge wird rot.“ Zay bedachte Szirha‘s Klinge eines skeptischen Blickes.
„Das ist wahr“, begann Szirha zu erklären. „Meine innere Dunkelheit ist wie ein Gift. Ich kann sie zurückhalten, aber gelingt mir das für den Augenblick nicht, dann blutet der Kristall weiter aus. Zumindest ist er aber noch nicht ganz rot. Früher haben sich alle Lichtschwerter rot gefärbt, kaum, dass ich sie berührt habe.“
„Warum bluten die Kristalle?“
„Kyberkristalle sind keine Steine, Zay. Sie leben. Wenn ein Kristall rot ist, dann bedeutet das, er ist tot. Und der Kyberkristall entscheidet über viele Eigenschaften der Klinge. So auch über seine Farbe.“ Szirha demonstrierte ihre Kampfhaltung. Sie schwang das Schwert in die Höhe, ging in die Offensive über und rollte sich ab. Der Balken mochte schmal sein, aber Szirha kämpfte trotzdem, als hätte sie festen Grund unter sich. Zay verblüffte das ungemein. „Und jetzt?“
„Versuche, meine Bewegungen nachzuahmen.“
„A-aber wir haben zu wenig Platz.“
„Nimm dir den Platz, den du brauchst. Es ist genug da.“ Szirha‘s Worte ergaben in Zay‘s Ohren immer noch keinen Sinn. Zay schluckte. Sie versuchte, es so umzusetzen, wie es Szirha gesagt hatte.
„Deine Haltung ist mir zu locker“, kritisierte sie Szirha. Sie trat Zay auf den Fuß. „Achte auf deine Körperspannung!“
Zay schossen kurz die Tränen in die Augen. Sie erlangte das Gleichgewicht wieder, noch ehe sie fiel. Trotzdem war es ziemlich knapp.
„Es ist zwar nicht perfekt, aber zumindest ist es jetzt besser.“ Szirha‘s Miene entspannte sich ein wenig. „Ja. Das ist ziemlich anstrengend, nicht wahr? Du bist viel zu schwach.“ Überraschend schlug sie einen Salto über Zay hinweg, die kurz nach unten abtauchte. „Aber du hast gut reagiert“, stellte Szirha fest. „Du musst deine Muskeln straffen und so viel trainieren, wie du kannst. Und deine Ernährung solltest du auch umstellen. Etwas mehr Eiweiß könnte da nicht schaden.“
Zay geriet wieder ins Wanken. „Ich sollte jetzt besser nicht ans Essen denken…“
„Wie du willst“ Szirha tippte Zay von hinten an, die herumfuhr und sie fast angegriffen hätte.
„Entschuldigung, das…“
„Das war genau das, das ich sehen wollte, Zay“, korrigierte sie Szirha. „Ich wollte, dass du so reagierst, als sei ich die Gefahr.“ Sie grinste. „Eigentlich bin ich das ja auch.“ In den nächsten drei Stunden lernte Zay, wie hart so ein Jedi-Training tatsächlich sein konnte. Szirha trimmte sie körperlich und geistig bis an die Grenzen. Sie lernte, das Lichtschwert richtig zu halten und sie schaffte es sogar, einige Schläge von Szirha abzuwehren. Aber es wurde deutlich, dass sie noch einen langen Weg vor sich hatte.

Als das Training beendet war, wollte Zay bloß noch ins Bett. In dieser extremen Höhe auf fünf Zentimeter dicken Balken zu balancieren und dort das Lichtschwert zu schwingen, hatte sie zwar auch ausgelaugt, aber die größte Erschöpfung schlug sich auf ihren Geist nieder. Sie hatte mehr gegen sich gekämpft, als sie sich mit Szirha duelliert hatte. Zumindest hatte sie jetzt keine Höhenangst mehr. Das hatte sie auch so ziemlich gestört, da sie ursprünglich hatte Pilot werden wollen. Da war diese Höhenangst ein Problem. Aber als Jedi lernte sie, mit ihren Ängsten umzugehen und sich nicht durch sie beeinflussen zu lassen. Sie hatte sich in Szirha geirrt. Denn sie nahm Zay nicht deshalb so hart ran, weil sie dieser Schaden wollte. Sie wollte, dass Zay lernte, mit gefährlichen Situationen umzugehen. Und tief in sich drinnen fühlte sie sich besser. Sie hatte Sicherheit erlangt und sie wusste, dass die Macht ihre Verbündete war. Durch die Macht konnte sie auch in gefährlichen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. Als sie nach Hause zurückkehrte, machte Iden Versio einen ziemlich neugierigen Eindruck. „Und? Luke Skywalker hat es mir gesagt… Wie war dein Training?“
Zay setzte sich an den Tisch. Sie legte den Kopf in ihren Armen ab. Es mochte nicht unbedingt für gute Marnieren sprechen, aber Zay war einfach zu müde, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
„Du bist ziemlich erschöpft, hm?“ Versio musterte Zay abschätzend. „Die Jedi lehnten die Gewalt seinerzeit zwar ab, aber die Leute erzählten sich viel über sie. Legendäre Krieger, die sich selbst aber nicht als Krieger betrachteten… Das muss schrecklich gewesen sein. Die Order 66, die große Auslöschung und die Jagd durch die Inquisition… Zay, i-ich…“ Versio wusste nicht, wie sie es Zay beibringen sollte. „Ich habe Angst um dich.“
Nach wenigen Sekunden setzte sich Zay auf. „Warum?“, fragte sie.
„Wenn Hask erfährt, dass du… Potenzial hast in der Macht und du zur Jedi ausgebildet wirst, dann wird er dich jagen. Er wird dich jagen, genau wie er mich seit Jahrzehnten ununterbrochen gejagt hat! Mich würde er vielleicht bloß einsperren, aber dich würde er auf der Stelle töten! Als Jedi bist du für die Erste Ordnung eine nicht zu unterschätzende Gefahr, ein Risiko.“
Zay seufzte. „Ich werde das nicht einfach aufgeben“, flüsterte sie. „Heute habe ich so viel gelernt! Diese Jedi ist unglaublich schnell und sie hat mir gezeigt, wie man ein Lichtschwert richtig zu halten hat!“
Versio hatte Tränen in den Augen. „Zay…“
„Es ist gut, Ma!“, fuhr Zay fort. „Sie weiß, wie sie mir helfen kann.“
„Warum ausgerechnet du?“, fragte Versio mit zittrigen Lippen. „Warum musst eigentlich ausgerechnet du machtsensitiv sein?“
Zay zuckte mit den Schultern. „Es war nicht meine Entscheidung.“ Sie empfand es wie einen Vorwurf. Vielleicht war es das auch.
„Es gibt Mächte innerhalb der Galaxis, vor denen ich dich nicht beschützen kann!“ Versio war bis auf den Grund erbleicht.
„Das solltest du auch nicht“, erklärte Zay. Sie legte die Hände aufeinander. „Eines Tages werde ich es sein, die die Leute beschützt.“ Sie war wild entschlossen, aber dennoch beherrscht. Versio machte das Angst. So kannte sie ihre Tochter nicht. Oft hatte sie übereilte Entscheidungen getroffen, ohne sie vorher richtig zu überdenken. Sie war spontan und von Natur aus sehr neugierig. Wie oft war sie der Nase nach gegangen, ohne die Folgen zu überdenken? Und wie oft brachte sie sich deshalb in Schwierigkeiten? Versio erinnerte sich nicht mehr. Zay hatte von Geburt an das seltene Talent besessen, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Es war ein Teil ihres ganzen Wesens. Nicht, dass das ihre Absicht war, aber ihren Eltern hatte es trotzdem sehr viel Geduld abverlangt. Es war diese Mischung aus Neugier und geringer Voraussicht, die sie oft direkt ins Messer laufen ließ.
„I-ich sollte dich nicht so behandeln, weil du…“ Versio schüttelte resigniert den Kopf. „Was würde dein Vater jetzt wohl sagen?“
„Er würde sagen, ich soll dieser Spur folgen“, antwortete Zay. Sie vermisste ihren Vater, aber da, wo sie die Nähe ihres Vaters suchte, fand sie bloß klaffende Leere vor. Er war tot. Das Schmerzhafteste war für Zay aber die Gewissheit, dass sie ihren Vater nie wieder sehen würde. Wenn man sie doch früher entdeckt hätte… Als Jedi hätte sie ihren Vater vielleicht retten können. Denn er war durch die Klinge eines roten Lichtschwerts getötet worden – durch die Klinge von Darth Bane.
Versio lächelte. „Du hast Recht“, sagte sie leise. „Zay, es tut mir Leid! Ich denke, er wäre sehr stolz auf dich.“
„Ich denke nicht“, entgegnete Zay. „Ich werde mir seinen Stolz noch verdienen – genau wie ich mir deinen Stolz verdienen werde!“ Schlurfend stand sie auf. Es war an der Zeit, dass sie ins Bett ging. Denn Szirha hatte versprochen, dass sie das Training bald fortsetzen würden. Denn jetzt hatte sie etwas Vertrauen in Zay‘s Fähigkeiten gewonnen. Sie hatte entschieden, Zay als ihren Schüler zu behalten.
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