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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
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23.02.2020 6.218
 
Hi, Leute! Letzten Sonntag ist es eng geworden, deshalb ging es erst diesen Sonntag. Dafür ist das hier aber länger als es ursprünglich war. Viel Spaß! ^^

WIEDERSEHEN UND ABSCHIED NEHMEN II

Sura bezweifelte stark, dass Rey zur Schauspielerin taugte. Aber sie mussten sich trennen. Sura verfolgte damit eine bestimmte Strategie. Auch sie hatte die Soldaten am Straßenrand bemerkt und sofort geschaltet. Wenn sie mit Rey zusammen blieb, stieg die Gefahr, dass man sie erkannte. Deshalb, weil man bloß eins und eins zusammenzählen brauchte. Der Grund, warum sie Rey bei der Kunstprofessorin zurückließ unter dem Vorwand, dass Rey Kunst studierte. Das entsprach selbstverständlich nicht der Wahrheit. Rey hatte keine Ahnung von Kunst. Sie fand sie sogar langweilig. Sura sah das auch nicht groß anders, aber sie war gut darin, falsches Interesse vorzutäuschen. Ganz im Gegensatz zu Rey, die sich auf dem Boden der Tatsachen einfach sicherer fühlte. Sura tippte darauf, dass es Rey total vermasseln würde. Zum Glück brauchte sie aber nicht lange. Sura wusste, dass es besser war, wenn sie keinen Jedi bei sich hatte, sondern als normaler Mensch auftrat. Jemand, der keinen Krieg wollte, sondern ein Kind nach Hause bringen wollte. Und das, wo der Vater vermutlich nicht einmal wusste, dass sein Sohn noch lebte. Sura ermutigte den Jungen, sie dorthin zu führen wo er wohnte. Und das tat er auch. Denn es schien, als erkannte er die Umgebung. Sura lächelte ein wenig. „Wo lebt er, dein Vater? Sag es mir.“
„Da!“ Der Junge, der kaum Basic beherrschte, deutete auf das von ihnen aus gesehen dritte Hochhaus, das mit Glas errichtet wurde, das zwar transparent war, aber eher an Stahl erinnerte. Der Junge zerrte Sura mit sich und zum ersten Mal sah sie, dass er sich freute. Der Junge rannte zum Lift und tippte dort auf das Zifferblatt. Sura stieg zu und das Gelände fuhr an den Seiten auf. Schließlich hielt der Lift im achten Stock, wo der Junge den Gang hinauf rannte. Er blieb am Ende des Ganges stehen und trommelte wuchtig an die Tür. Sura musste die zwanzig Meter erst mal aufholen. „Hey! Nicht zu schnell! Ich bin schließlich nicht mehr die Jüngste!“ Sura grinste. Eigentlich war sie mit Mitte dreißig noch top in Form. Sie blickte misstrauisch an der Hausfassade hinunter. In schwindelnder Höhe standen sie an einem Geländer, das Sura kaum bis zur Hüfte reichte. Sie musste gestehen, dass das ziemlich respekteinflößend war. Der Junge war aber offensichtlich völlig schwindelfrei. Sura stützte sich an der Wand. Es dauerte, aber die Schiebetür regte sich keinen Millimeter. Sura seufzte und schlug noch wuchtiger gegen die Tür.
„Schuldeneintreiber. Mistsäcke!“, rief ein Mann hinter der Tür. Glas klirrte und Sura begann, an der guten Sache zu zweifeln. Die Tür glitt auf. Der Dresselianer sah aus wie ein gebrochener Mann. Sura sah das sofort. Durch den Krieg hatte sie einige solcher Leute kennen gelernt. Nette Leute, die plötzlich zu Trinkern wurden. Sie hoffte, dass es für diesen Mann noch nicht zu spät war. Sie lächelte leicht und gab dem Jungen einen leichten Schubs. Der Dresselianer starrte sie jedoch nur an. So, als könnte er es nicht glauben. Auch Sura schwieg. Ein Blick reichte, um Gewissheit zu schaffen. Der Vater begann zu weinen wie ein Kind. Er schloss seinen Sohn in die Arme und man gewann den Eindruck, er wollte den Jungen nie wieder loslassen. „D-danke!“, sagte er zu Sura. „D-das ist…“ Er fand keine Worte dafür. Sura zögerte kurz, da auch sie nicht wusste, was sie jetzt sagen oder tun sollte. Vielleicht war es auch besser, gar nichts zu machen.
„K-kommen Sie rein! Bitte!“ Der Mann geleitete sie in seine Wohnung, die zwar sauber war, deren Möbel aber abgenutzt waren und nicht unbedingt schön anzusehen. Anscheinend war er knapp bei Kasse. Sura überraschte das nicht. Nicht-menschliche Spezies hatten es oft schwerer, Arbeit zu finden. Viel schwerer. Die Wände waren gelb gestrichen, aber die Farbe war an vielen Stellen abgeblättert oder verblichen. Der Dresselianer bat Sura, sich zu setzen und holte seinen teuersten und wertvollsten Corellianischen Wein aus der Küche. Er setzte sich zu Sura, seinen Sohn auf dem Schoß. „E-es tut mir so Leid… Aber ich muss wissen, was passiert ist! Wo ist Nalta? Wo ist meine Frau?! Ist sie-“
Sura nickte langsam. „Ich konnte sie nicht retten. Sie war schon tot, als Rey und ich sie fanden. Wir nahmen ihren Sohn mit, da wir dachten, es sei in ihrem Interesse, wenn… Nun ja. Sie wissen es ja.“ Sie lehnte den Wein ab. „Ich muss nüchtern bleiben für den Fall, dass es wieder Ärger gibt mit Sturmtrupplern. Ihren Sohn konnte ich hierher bringen, ohne dass es die Erste Ordnung spitzgekriegt hat, aber ich weiß nicht, ob ich das Glück auch habe, wenn ich mich wieder auf den Rückweg mache.“
„Die Erste Ordnung?“, fragte der Mann. „Dann stimmen die Gerüchte?“
„Welche Gerüchte?“ Sura wurde noch vorsichtiger.
„Die Erste Ordnung hat Cantonica besetzt?“
„Es sieht so aus, ja.“
„Sind Sie vom Widerstand?“, fragte der Dresselianer.
„Das bin ich, ja. Wir konnten einige, wenige von denen retten, die es am Schlimmsten traf. Aber so viele andere… konnten wir nicht retten.“ Sura wartete ab.
„Sie haben meinen Sohn gerettet und so auch mich.“
„Cantonica ‘s Handelswege sind versperrt“, erklärte Sura und wich damit vom Thema ab. „Wir hatten Glück, dass wir rechtzeitig weggekommen sind.“
„Sie haben meinen Sohn gerettet. Dafür schulde ich ihnen etwas“, beharrte der Mann. „Meine Frau würde bestimmt das Gleiche sagen, wenn ich an ihrer statt…“
Sura verschränkte die Arme übereinander, als würde sie frieren. Innerlich fror sie auch. Sie wusste nicht, ob sie die Dankbarkeit des Mannes so überhaupt annehmen konnte. Wer wusste schon, wie viele andere Kinder es nicht geschafft hatten? Darüber mochte sie nicht nachdenken.
„Sie haben mehr gesehen als ihnen lieb ist, nicht wahr?“, fragte der Dresselianer. „Sie haben keine Schuld daran.“
„Sie irren sich“, erwiderte Sura. „Die Erste Ordnung hat den Planeten nicht von ungefähr besetzt…“
„Aber Sie sind nicht die Erste Ordnung…“
„Ich war mal bei der Ersten Ordnung. I-ich hätte das vorhersehen müssen… Der Widerstand verlässt sich darauf, nein – sogar die ganze Galaxis! Und ich habe versagt. Deshalb verstehe ich nicht, warum Sie mir auch noch dankbar sind!“ Sura schüttelte sich. „Das ist der Krieg. Dafür hat man mich großgezogen. Nur deshalb lebe ich. Tag für Tag zweifle ich mehr und mehr daran, dass ich es überhaupt verdiene, zu leben!“
„Sie kämpfen nicht, weil sie wollen“, erwiderte der Mann. „Sonst würde ich an ihrer Ehrenhaftigkeit zweifeln. Aber sie kämpfen, weil sie es müssen. Sie wollen lediglich die beschützen, die sie lieben. Und das finde ich ehrenvoll. Also tun Sie mir den Gefallen und kämpfen Sie weiter.“
Sura war überrascht ob der Intelligenz dieses Mannes, aber sie lächelte. „Vielen Dank. Ich werd‘s mir merken.“
„Wie heißen Sie überhaupt?“, fragte er schließlich.
„Sura. Den Namen haben mir einst meine Kameraden gegeben. Damals, als ich noch bei der Ersten Ordnung war. Es ist eins der wenigen guten Dinge, die ich dort erfahren habe.“ Sura lächelte ein wenig.
„Sura. Dann stimmt es also, dass man den Rekruten ihre Identität genommen hat? Ich habe gehört, die Kinder dort erinnern sich kaum an ihre Eltern. Gilt das auch für Sie?“
Sura nickte langsam. „Wie die meisten der unseren, ja. Rey war die einzige Ausnahme.“
„Rey? Wer ist Rey?“
„Vielleicht sollte ich besser den Mund halten“, entgegnete Sura. „Je weniger Sie wissen, desto sicherer sind Sie vor den Soldaten der First Order. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für ihren Sohn.“
„Ich mag Rey total gern“, sagte der Junge das erste Mal in Basic. „Sie ist voll lieb.“
„Das ist sie“, meinte Sura liebevoll lächelnd.
„Stimmt es, dass Rey ein Jedi ist?“
Sura blieb abrupt stehen. „Das… ja, das stimmt. Aber du darfst das niemandem sagen, in Ordnung? Es gibt Leute, die finden das nicht gut.“
Der Vater blickte Sura an. „Ein Jedi? Habe ich richtig gehört?“
Sura kniff die Augen zusammen. „Höchste Geheimhaltungsstufe, mein Freund. Seien Sie vorsichtig!“
„Dann gibt es Hoffnung!“
„Vielleicht…“ Sura machte Anstalten zu gehen. „Glauben Sie nicht, was Sie in den Medien zu hören bekommen. Es ist nicht wahr.“

Rey versuchte noch immer, sich einen Plan zu machen. Sie musste hier weg. Und zwar so schnell es ging.
„Magst du mir heute etwas assistieren, Rey? Das ist eine großartige Chance für dich.“
Rey wurde aus ihren Gedanken gerissen. Stimmt ja…, dachte sie sich. Skywalker hätte sie bestimmt dafür gerügt, dass sie so unaufmerksam war. Aber es fiel Rey zurzeit nicht leicht, ihren Fokus aufrecht zu erhalten. Luke Skywalker. Er war Rey ‘s Vater. Trotzdem wusste Rey nicht, wie sie empfinden sollte. Wie sollte sie ihren eigenen Vater zugleich als ihren Meister akzeptieren? Das ging einfach nicht. „Es tut mir Leid, Professor. Ich war in Gedanken“, entschuldigte sie sich.
Die Kunstprofessorin sah skeptisch aus. „Du sagtest, deine Ma erforscht gern alte Ruinen… Magst du mir bei meinem Auftrag helfen, zur Identifikation historischer Artefakte?“
Rey zögerte. „Artefakte?“
„Du musst wissen, Rey… Das Imperium hat damals viele Fundstücke zusammengetragen. Viele von ihnen stehen in Verbindung zum Jedi-Orden. Ich möchte mehr darüber wissen. Ein Orden, dessen Vermächtnis mit dem Imperium unterging… Das gibt interessanten Stoff für meine nächste Vorlesung.“
„Die Jedi sind noch da“, revidierte Rey ihre Aussage. „Aber sie sind rar.“
„Nein, Rey. Die Jedi sind lange tot. Und die Legende um Skywalker… Ich bin sicher, die Allianz schuf sie, da sie uns Kampfgeist einhauchen wollte und uns für die Kämpfe mobilisieren. Kein schlechter Schachzug, aber auf Dauer dennoch sinnlos. Die Erste Ordnung hat so viele Welten in der Fuchtel. Zu viele, als dass wir eine Chance gegen sie hätten. Das Imperium ist wieder da. Und vielleicht… war es nie richtig fort.“
Rey schluckte schwer. „Aber in den Holo-Net-Nachrichten haben sie von einem Jedi berichtet. Die Erste Ordnung sucht nach ihnen. Das wissen Sie doch auch.“
„Natürlich weiß ich das, du dummes Ding!“, erwiderte die Professorin. „Aber wenn du mich fragst, sind die völlig paranoid! Seit über vierzig Jahren wurden keine Jedi mehr gesichtet. Wenn nicht noch länger. Wir müssen es akzeptieren, Rey. Diese Ära ist vorbei.“
„Ist sie nicht“, sagte Rey mit harter Stimme. „Mein Vater ist… er ist überzeugt von den Jedi.“
„Dein Vater ist ein Narr, Rey. Glaube ihm nicht, sonst ziehst du bald ungewollte Aufmerksamkeit auf dich.“ Die Kunstprofessorin drängte Rey in den Ausstellungsraum, wo auf einem Tisch verteilt Bücher lagen. Sehr alte Bücher und ein Gemälde, dessen Farbe beinahe vollständig verblichen war. „Artefakte, Rey. Ich vermute, dass sie knapp neunhundert Jahre alt sind.“
Rey klappte der Mund auf, als sie das Bild sah. Sie hatte es schon einmal gesehen… auf Jakku. Es bildete dreizehn männliche Gestalten ab, die an einem Tisch saßen. „Das habe ich schon ein Mal gesehen. Auf Jakku.“
Die Professorin hob eine Augenbraue. „Das halte ich für ausgeschlossen.“
„Dieses Bild… Es ist eine Fälschung“, sagte Rey aus dem Bauch heraus. „Ich weiß es.“
„Wie willst du das wissen, Mädchen? Die Merkmale dieses Bildes sind charakteristisch und bilden die Ursprünge der menschlichen Kultur ab.“
„Das tut sie nicht“, erwiderte Rey. „Ich weiß es.“
„Kannst du das auch beweisen?“ Die Professorin traute Rey nicht.
Rey schüttelte den Kopf. „Ich weiß es einfach.“
„Sehr aussagekräftig, Rey. Wenn du es nicht beweisen kannst, dann hat diese These in meinen Augen nicht den geringsten Wert. Entweder bringst du mir den Beweis, oder du vergisst es und wir reden auch nicht mehr darüber. Also schluss damit.“
Rey betrachtete die Ausstellungsstücke. Auf dem Tisch lag ein Zylinder mit einer Hülse aus Ebenerz. Es sah aus wie der Griff eines Lichtschwertes. „Ist das-?“ Rey streckte die Finger aus, aber die Professorin schlug Rey die Hand weg. „Finger weg! Dieses Schwert ist eines der letzten Relikte des Jedi-Ordens, das die Zeiten des Imperiums überstanden hat.“
Rey spürte, dass der Kristall innerhalb des Schwertes sehr, sehr alt war. Sie hatte das Gefühl, Verbindung mit ihm aufbauen zu können und… Sie sah einen Jedi in weißer Rüstung. Er war menschlich, aber seine smaragdenen Augen ließen darauf schließen, dass vermutlich nur ein Elternteil menschlich gewesen war. Das Schwert, das er schwang, hatte einen Griff aus Ebenerz und Mischeisen. Dort waren Ringe, die sich auf der Hülse abzeichneten. Sie glänzten silbern. Der Jedi hielt das Lichtschwert in Bereitschaft. Rey wusste, dass es sich um eine Vision handeln musste, doch fragte sie sich, warum sie der andere Jedi so direkt anstarrte. „Wer bist du?“, fragte er unverblümt. Rey runzelte die Stirn. „Wer sind Sie?“, fragte sie entgegen.
„Flym El, Waffenmeister des Jedi-Ordens. Ich kenne dich nicht, Mädchen. Doch kann ich spüren, dass die Macht sehr stark in dir ist. Wer bist du also?“ Der Mann war ungefähr fünfzig Jahre alt, schätzte Rey. Er machte einen klugen Eindruck, jedoch auch skeptisch.
Rey wusste nicht, wie sie antworten sollte. „Rey… Mein Name ist Rey. Rey Deeja-Mhin… Deeja-Mhin Skywalker.“
Der Mann nickte. „Nun gut. Und du benennst dich als Jedi?“
„Nein“, erwiderte Rey. „Ich versuche mein Bestes, von ihnen zu lernen. Aber ich selbst bin noch kein Jedi. Vielleicht werde ich nie einer sein.“
„Viele Worte nutzt du und doch ergeben sie keinen Sinn, Rey. Ich frage dich noch einmal. Benennst du dich als Jedi?“
„Nein.“ Rey atmete tief ein. „Wo bin ich hier?“
„Das fragst du mich, Padawan? Die Frage ist wohl eher: Wo sind wir? Das hier ist der Jedi-Tempel auf Coruscant.“ Der Mann bedeutete Rey, ihm zu folgen. Sie gehorchte, verstand aber nicht, worauf das hier hinauslaufen sollte.
„Wie kommt es, dass Sie ein Jedi sind? Ich dachte, mein Meister und ich sind die letzten unserer Art?“ Rey hatte Mühe, mit ihm Schritt zu halten, da er viel größer war als sie.
„Benennst du dich als Jedi?“, fragte der Mann wieder.
„I-ich, nein!“ Rey war verwirrt. „Warum fragen Sie mich das andauernd?“
Der Jedi-Meister blieb stehen. „Du wirst nicht zum Jedi, weil es dir gerade so gefällt, Rey. Du bist immer und zu jeder Zeit ein Jedi. Und man wird dich immer wieder zwingen, das zu hinterfragen. So wie ich jetzt. Der Beweis lebt nur für diesen Moment und ebenjener Moment bildet deine Realität. Und den Beweis erbringst du, indem du zu deiner Wahrheit stehst. Über Sekunden, Minuten… Jahrzehnte lang. Also frage ich dich noch einmal: Benennst du dich als Jedi?“
Rey nickte langsam.
„Das war eine dumme Antwort.“
Rey runzelte die Stirn. „Bitte, was? Genau das wollten Sie doch die ganze Zeit hören!“, rief sie.
„Du hast es immer noch nicht verstanden, Rey. Hier geht es nicht darum, was ich hören will.“ Der Jedi wurde langsam durchsichtiger, genau wie die Umgebung immer mehr verschwamm. „Denke nach, Padawan…“ Schließlich verschwand er, Rey rief, er sollte auf sie warten, fand sich aber wieder im selben Raum wieder, wo die Professorin sie streng taxierte.
„Was?“, fragte diese. „Worauf soll ich warten? Hast du mir nicht zugehört, Mädchen?“
Rey stützte sich an der Tischkante, keuchend. „I-ich weiß nicht.“
„Was ist los mit dir? Ist dir die Hitze zu Kopf gestiegen, Rey? Ja, ich habe unserem Hausmeister schon vor Wochen gesagt, er soll sich endlich um einen angemessenen Blendschutz an den Fenstern kümmern!“ Die Professorin zögerte. „Ich schätze, wenn ich mich jetzt nicht um dich kümmere, kriege ich Probleme mit deiner Mutter. Nun gut…“
Rey war noch immer ziemlich benommen. „Es ist schon gut, ich… ich habe mich wohl überarbeitet in den letzten Tagen…“
„Noch ein Student, der das Zeitmanagement nicht beherrscht… Was ist das nur mit euch jungen Menschen heutzutage?“ Die Professorin reichte Rey einen Becher, befüllt mit Wasser. Rey nahm ein paar Schlucke, dann stellte sie den Becher ab. „Danke.“ Der Nebel in ihrem Kopf lichtete sich wieder. Erst jetzt bemerkte sie die zwei Stimmen vor der Schiebetür. Sie klangen leicht verzerrt. So, dass bei Rey sogleich die Alarmglocken schrillten. „Sturmtruppen“, sagte sie zu der Professorin. „Sie sind ganz in der Nähe...“
Die Professorin nickte. „Ich weiß. Die suchen da nach mehreren Personen. Aber wenn du mich fragst, können sie da ebenso gut versuchen, auf diesem Planeten einen Jedi aufzutreiben.“
„Haha“, gab Rey von sich. Sie fühlte sich seltsam ertappt. „Wissen Sie, wie man mit denen umspringt?“
„An deiner Stelle würde ich mir um die Truppler mehr Sorgen machen, Rey. Was wollen die mit einer störrischen alten Dame wie mir? Die tun nichts.“
Rey hoffte, dass ihre Tarnung funktionierte. Mehr konnte sie im Augenblick auch nicht tun.
Die Sprechanlage piepte und die Professorin nickte Rey zu. „Gefährlich werden Sie dir erst, wenn du etwas sagst, das ihnen nicht gefällt.“
Die Tür ging auf und die Professorin machte einen kühlen, jedoch professionellen Eindruck. Die beiden Sturmtruppler sahen auch durch ihre Helme so aus, als wollten sie die Dame böse anstarren. Aber sie blieb ungerührt. „Kann ich ihnen irgendwie helfen?“, fragte sie scharf.
Die Sturmtruppler blickten Rey an. Zögernd. „Wir suchen nach eine Gruppe von Gefährdern. Aufständische, Verräter…“ Rey wusste, dass sie mit der Professorin noch vergleichsweise freundlich umsprangen, da sie ein Mensch war. Die Erste Ordnung war nämlich rassistisch und betrachtete die menschliche Spezies als „Leitspezies“.
„Es wäre das Klügste, Sie erzählen uns alles, was Sie wissen. Egal, was es ist“, meinte der Sturmtruppler mit dem Schulterpanzer. Rey sah daran, wie er ausgerüstet war deutlich, dass er zu den Spezialeinheiten gehören musste. Er hatte offenbar das Sagen in diesem Sektor. Rey wusste aus Erfahrung, dass diese Truppler sehr empfindlich darauf reagierten, wenn man ihre Autorität auch nur andeutungsweise in Frage stellte. Sie betete, dass die Professorin sich vorsichtig verhielt.
„Sie meinen diese Plakate mit den gesuchten Jedi? Sind Sie sich sicher, dass es sich dabei wirklich um Jedi handelt? Vielleicht will man Sie auch nur in die Irre führen.“ Die Professorin nickte den Männern zu. „Ich erforsche schon seit Jahrzehnten die Geschichte des Ordens. Und wenn ich ihnen eins mit Sicherheit sagen kann, dann, dass sie alle tot sind. Es gibt keine Jedi mehr. Ihre Vorgänger haben da saubere Arbeit geleistet.“
Der Sturmtruppler kam näher auf die Frau zu. „Sie passen besser auf, was Sie sagen… Ein Wort und Sie sitzen den Rest ihres jämmerlichen Lebens im Gefängnis.“
Die Frau nickte. „Schade, dass man mit ihnen nicht einmal mehr vernünftig diskutieren kann. Mit ihren Vorgängern konnte man zumindest noch einen Kompromiss aushandeln.“
Der Sturmtruppler fuhr mit der Hand an seine Seite, wo er seinen Z6er montiert hatte. „Wer ist die Frau da hinter ihnen?“
„Eine Studentin. Sie hilft mir bei meiner Forschung“, erwiderte die Professorin. „Ein fleißiges Mädel.“
Rey trat vor. Zögerlich. „Es tut mir Leid, Commander. Meine… Dozentin ist manchmal etwas direkt. Sie sollten das echt nicht persönlich nehmen. Sie ist sehr abgehärtet über die Jahre und ist es gewohnt, dass die Leute nach ihrer Nase tanzen.“
Die Professorin sah Rey erschrocken an. Aber der Schock schlug schnell um in Wut. „Zügle dein eitles Mundwerk, Mädel.“
„Das sollte sie nicht“, erwiderte daraufhin der Commander. Rey hatte das Gefühl, er grinste. Hinter seinem Helm war dies nicht zu erkennen, aber Rey hatte ein Gefühl dafür entwickelt. „Ein kluges Mädel. Wenigstens weiß sie, wo sie steht. Das sollten Sie auch, alte Frau.“
Rey zuckte mit den Schultern. „Ich habe nicht viel gesehen“, sagte sie. „Ich sitze mehr im selben Raum fest, als mir lieb ist. Vielleicht sollten Sie es besser in den Bars versuchen.“ Sie nickte dem Sturmtruppler zu und tat, als sei sie wohlwollend. Sie hasste es, aber sie wusste, das die Situation ziemlich verzwickt war.
Der Commander nickte. „Hier gibt‘s nichts zu holen, Kadett. Wir sollten weiterziehen.“ Doch der Kadett zögerte. „Was ist das da an ihrem Gürtel?“
Rey biss sich auf die Unterlippe. Jetzt war es aus. „Mein Gürtel? Wo schauen Sie denn hin?“ Rey drehte sich versucht unauffällig weg. Ihre Hand wandete langsam zu ihrem Lichtschwert. „Ich finde, Sie sollten jetzt gehen, Truppler.“
„Du erteilst mir keine Befehle!“, zürnte der Commander. „Ist das ein-? Sofort die Hände hoch! Sie sind wegen des Verrats festgenommen!“
„Verrat? Das ist bloß eine sehr, sehr alte Waffe. Ein Erbstück meiner Familie.“ Rey knurrte. „Es ist nicht so, wie Sie denken! Ich habe es ins Büro mitgenommen, um es auseinanderzunehmen und zu erforschen. Glauben Sie mir doch!“
„Hände hoch, oder wir werden euch beide auf der Stelle hinrichten!“
„Was geht hier vor?“, schaltete sich nun auch die Professorin ein. „Rey, ich erwarte, dass du mir das erklärst! Ist das ein Lichtschwert? Wo hast du das her?“
„Ein Geschenk meines Vaters“, erwiderte Rey. „Aber das geht Sie wirklich nichts an, Professor.“
„Du hast ein Lichtschwert? Warum hast du mir das nicht gesagt? Eine Situation wie diese hätte verhindert werden können!“
„Ganz genau“, bestätigte der Commander. „Ich schlage dir einen Kompromiss vor. Wenn du mir das Schwert übergibst, werden wir so tun, als wäre das nie passiert. Mein Kadett und ich werden verschwinden und nicht einer von ihnen wird des Verrates bezichtigt.“
Rey nickte langsam. „Es tut mir Leid, Sir. Aber das geht nicht. Gehen Sie weg, und ich werde nicht einmal in Erwägung ziehen, es einzusetzen. Das ist der Kompromiss, den ich ihnen vorschlagen will.“ Rey löste das Schwert von ihrem Gürtel ab und entzündete die Klinge.
Der Commander starrte sie an. „Du sagtest, du bist kein Jedi.“ Es sah aus, als versuche er noch abzuwägen, ob er angreifen oder wegrennen sollte.
„Stimmt.“ Rey nickte langsam. „Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht wüsste, wie viel Schaden diese Waffe tatsächlich anrichten kann. Außerdem… Ein Padawan zählt noch nicht als Jedi, oder? Ich weiß ja nicht, wie Sie das sehen, aber ich denke, dass das ungefähr stimmen könnte.“
Die Professorin schien selbst kaum zu verstehen, was hier vorging. „Rey, nein! Das kann nicht sein! Tritt zurück oder du bist mit sofortiger Wirkung exmatrikuliert!“
Rey wartete ab, das Lichtschwert erhoben. „Später bin ich ihnen wohl noch eine Erklärung schuldig, Professor. Aber jetzt, bitte! Sie müssen mir einfach vertrauen. Und wenn es bloß für diesen Moment ist.“
Der Commander aktivierte seinen Komlink. „Dringende Benachrichtigung an unseren General. In Sektor 42 haben wir eine Jedi festgesetzt. Wiederhole: In Sektor 42 haben wir eine Jedi festgesetzt. Wir brauchen so schnell wie möglich Verstärkung.“
Rey drehte das Schwert ein Mal in der Hand. Sie war kein ausgebildeter Jedi. Tatsächlich verfügte sie kaum über alle grundlegenden Fähigkeiten. Mit zwei Sturmtrupplern sollte auch sie fertig werden, aber wenn Verstärkung kam, hatte sie vielleicht ein Problem. „Sind Sie jetzt fertig, Commander?“, fragte Rey den Mann. „Sie sollten wissen, dass ich nicht vorhabe, mich erwischen zu lassen.“
„Du kannst nicht mehr entkommen“, erwiderte der Commander. Er nickte seinem Begleiter zu, der seinen Blaster entsicherte. Er richtete die Mündung genau auf Rey. „Blasterfeuer und Nahkampfattacken wirst du nicht zeitgleich abwehren können. Wenn du denkst, wir wissen nicht, wie man einen Jedi handhaben muss, dann hast du dich geschnitten. Meine Legion wurde nämlich genau auf diese Kämpfe ausgebildet.“
Rey hob eine Braue. „Ich schätze, Sie werden mich nicht gehen lassen, bis diese Angelegenheit geregelt ist, oder?“
„Scharf kombiniert, Mädel“, kommentierte das der Commander und setzte seinen Z6er unter Spannung. „Jetzt wird es interessant.“
Rey hatte schon Mühe, den ersten Schlag abzuwehren. Der war schnell und wuchtig, aber nicht sehr präzise. Er hätte Rey am Schulterblatt getroffen, wenn sie diesen Schlag nicht abgewehrt hätte. Ihre Klinge glitt sachte über den Schalter des Z6ers und sie schaffte es, diesen zu überlasten. Der Schalter zerschmolz und der Z6er verlor seine Spannung.
Der Commander fluchte laut. Da die Spannung weg war, konnte Rey den Z6er problemlos in zwei Teile zerlegen. Er nahm seinem Begleiter den Z6er ab und schnauzte diesen an, er sollte endlich auf sie schießen. Das tat er dann auch und Rey fiel es zunehmend schwer, an zwei Stellen ihre Defensive aufrecht zu erhalten. Schließlich schoss der Begleiter, noch während der Commander mit seinem Z6er auf sie einschlug. In beiden Fällen trafen sie und Rey klappte auf dem Boden zusammen. Sie hatte Verletzungen am Oberarm, und registrierte langsam, dass sie so nicht mehr kämpfen konnte. „Das war sehr schlau, Commander“, bemerkte sie anerkennend. „Und es war sehr hinterhältig.“
„Im Namen unseres obersten Anführers – du bist hiermit festgenommen!“ Der Commander blickte zufrieden auf sie herab.
„Reeey!“, rief jemand. Es war Zay, die plötzlich angerannt kam. „Oh, Mann, du bist ja verwundet! Sag bloß, sie haben dich verletzt!“
„Wer bist du?“, rief der Commander gereizt und fuhr herum. „Identifiziere dich!“
„Wow, wow, wow! Sachte Kumpel!“ Zay hob die Hände. „Ich bin noch nicht einmal bewaffnet, Sie Schlaumeier!“ Sie warf Rey etwas zu. Einen Heilungsstim.
„Du rettest mir das Leben, Zay“, rief Rey erleichtert. Sie injizierte sich den Stoff mitten in die Schulter. Der Schmerz war augenblicklich betäubt und Rey konnte sich wieder aufrichten. „Hat dir Sura das gegeben?“, fragte Rey ihre Retterin.
„Öhm… Nein, aber… Na ja, das ist eine lange Geschichte.“ Zay blickte den Commander an. „Wir müssen verschwinden, Rey. Die suchen überall nach dir. Ich glaube, sie wissen jetzt, wer du bist.“
Rey warf einen Blick über die Schulter. Zu der Professorin, die völlig fassungslos aussah. Sie griff das Schwert, das diese dort seit Ewigkeiten lagerte und reichte es an Zay weiter.
„Ähm, ich weiß nicht, wie man es benutzt, Rey!“
„Das interessiert jetzt keinen, Zay. Tu es einfach!“ Rey sah sie eindringlich an. „Los jetzt!“ Auch sie entzündete Skywalker‘s Lichtschwert, wehrte die nächste Salve Schüsse ab und reflektierte sie auf den Sturmtruppler zurück. Es wahren zehntel Millisekunden die sie brauchte, um zu reagieren und den Mann außer Gefecht zu setzen. So schnell war nur ein Jedi. Der Commander starrte sie an. „Was?“ Er hatte es offenbar nicht begriffen. Die Frau vor seiner Nase hatte gerade seinen Begleiter ausgeschaltet. Und zwar so schnell, dass es schon unnatürlich war. Er rannte auf Rey los, den Z6er erhoben. Doch da tat Rey etwas Unerwartetes. Sie stoppte den Schlag mitten in der Luft und fror den Mann in der Bewegung ein. Noch ehe sie es sich versah, hatte sie den Commander in einen starren Eisblock verwandelt Er kippte um wie ein Baum. „Feuer und Eis“, sagte sie. „Aber natürlich.“
„Das ist echt gruselig“, bemerkte Zay daraufhin.
„Finde ich auch“, erwiderte Rey. Sie sah wieder zu der Professorin. „Sie sollten mitkommen. Ich gebe ihnen kurz Zeit, ihre wichtigsten Habseligkeiten zusammenzusuchen, aber beeilen Sie sich! Ab heute wird man Sie jagen und Schutz werden Sie nirgendwo finden. Na ja. Die einzige Ausnahme bildet da der General des Widerstands.“
„Du hast es zerstört. Alles. Wie soll ich dir das je verzeihen? Binnen weniger Minuten hast du mein Leben ruiniert, Mädchen.“
„Dann geben Sie mir zumindest die Chance, es wiedergutzumachen! Kommen Sie mit! Vielleicht erhalten Sie so auch die Möglichkeit, etwas über die Jedi erfahren. Geschichten, die nicht bloß Legenden sind, sondern tatsächlich der Wahrheit entsprechen!“ Rey atmete durch. „Es tut mir so Leid. Es war nie mein Ziel, ihnen zu schaden, Professor. Aber hier geht es um so viel mehr, als ihnen bewusst ist…“ Zay wartete vor der Tür, das Lichtschwert zum Kampf erhoben. „Rey, wir haben Besuch!“
„Konzentration, Zay!“, rief Rey. „Geh nach Gefühl, verstanden? Du kannst fühlen, wo der nächste Angriff abzielt. Versuche nur nicht, darüber nachzudenken, ja?“
„Oha“, meinte Zay nur.
„Ich helfe dir.“ Rey trat an ihre Seite. „Beeilung, Frau Professor!“ Aber die Professorin schien noch immer völlig desorientiert.
„Autsch! Rey, hilf mir!“ Zay schaffte es nicht, das Blasterfeuer der über den Lift hereinbrechenden Truppen abzuwehren. Ein Schuss traf sie in die Seite.
„Verdammt, Zay!“ Rey zerrte sie unsanft hinter sich und versuchte nun, die Truppen im Alleingang zu stellen. Es wurde eng für Rey, da sie das Blasterfeuer von mehr als dreißig Trupplern kaum zeitgleich abwehren konnte. Sie war noch kein ausgebildeter Jedi und wusste deshalb auch keinen Ausweg aus dieser Situation. Doch sah sie plötzlich eine orangene Lichtschwertklinge aufleuchten, die in kurzen Abständen hin-und herzuckte. Binnen weniger Sekundenbruchteile hatte Szirha die feindlichen Trupps auf eine Hand voll dezimiert. Und obwohl sie von allen Seiten beschossen wurde, konnte sie alle Attacken problemlos abwehren. Akrobatisch balancierte sie sich von einem Truppler zum nächsten, bis sie diesen mit ihrem Lichtschwert ins Jenseits beförderte. Schließlich hievte sie Zay auf ihre Schulter, da diese zu schwer verletzt war, sich selbstständig wieder aufzurichten. „Komm schon, Zay! Bleib bei mir!“, rief Szirha. „Sie verliert das Bewusstsein.“ Sie wandte sich an Rey. „Sura kann sie wieder aufmischen, aber wir haben jetzt keine Zeit, hörst du?“
Die Professorin hatte es doch noch fertiggebracht, ihre zehn Sachen zusammenzusuchen. Sie blickte Rey an, verwirrt.
„Sie wusste nicht, wie sie es anstellen sollte“, meinte Rey in Bezug auf Zay. „Wie hätte sie das auch schaffen sollen?“
„Entspann dich, Rey. Sie kommt schon wieder auf die Beine.“ Szirha nickte der Professorin zu. „Sind Sie bereit? Denn jetzt gibt es kein Zurück mehr.“
„Ja“, erwiderte die alte Dame. Sie schnaubte. „Ich habe ja keine andere Wahl, als mitzugehen.“
„Das stimmt.“ Szirha hob eine Braue. „Aber die feindlichen Truppen interessiert das nicht. Wenn sie können, werden sie versuchen, Sie zu töten. Also kommen Sie!“ Sie war weniger Kompromissbereit als Rey.
„Wo ist Sura?“, fragte Rey schließlich Szirha. „Ist sie sicher?“
„Ich dachte, du kennst deine Freunde. Sura versucht gerade gemeinsam mit Finn, die Truppverstärkung daran zu hindern, bis hierher vorzudringen. Ich gebe zu, die beiden sind härter als ich dachte.“ Szirha schaltete das Lichtschwert ab. „Sind jetzt alle deine Fragen beantwortet? Wir haben keine Zeit!“
Rey nickte kurz und knapp. Sie packte die Professorin an der Hand und zog sie mit sich. Als sie den Lift betraten, machte sich aber noch ein Problem bemerkbar. Er war so beschädigt, dass die Stahlseile auseinanderglitten und er in den freien Fall überging. Aber Szirha wäre wohl nicht Szirha, wenn sie aus der Situation keinen Ausweg fände. Sie griff auf die Macht zurück und bremste die Plattform so weit, dass sie gerade rechtzeitig im Erdgeschoss zu Stehen kam. Rey konnte sehen, dass sie dafür all ihre Anstrengung aufbrachte. Man sah ihre Schläfen hervortreten, so konzentriert versuchte sie, sich gegen diese Situation zu stellen. Schließlich stieß Rey die Professorin von der Plattform, ehe sie hinterhersprang und ihre Mutter mithilfe der Macht zu sich heranzog. Gerade rechtzeitig schafften sie es, allesamt von der Plattform herunterzukommen, als diese weitere zwanzig Meter hinabstürzte und in der Dunkelheit verschwand.
Szirha schnaufte schwer. „Verdammt, das war knapp!“ Sie blickte zu Rey. „Ich kann die Gegenwart deiner Freunde spüren, Rey. Geh zu ihnen! Ich komme auch allein zurecht.“

Rey zögerte, nickte dann aber. Sie nahm das Feuerschotttor, das den schnellsten Weg nach draußen stellte. Sura war dort und musste allein mit Finn zu Rey ‘s Entsetzen gegen mehrere hundert Truppler kämpfen. „Endlich“, meinte Finn. „Wir könnten hier einen Jedi gebrauchen. Ist der hier noch frei?“
„Was denkst du denn?“, fragte Rey und musste zu ihrer Verwunderung lachen. „Sura, du wirst anderswo dringender gebraucht.“ Sie deutete mit ihrem Kinn kurz hinter das Feuerschotttor.
„Na toll“, erwiderte Sura. „Ich bin dann mal weg. Haltet die Stellung, ja?“ Sie legte sich den Gurt ihres geliebten Scharfschützengewehrs wieder um die Schulter.
„Warum muss sie immer dann gehen, wenn es eng wird?“, fragte Finn Rey.
„Weil zurückschießen nicht immer die passende Antwort ist, schätze ich.“ Rey grinste ein wenig. „Vielleicht solltest du dir das mal vor Augen führen, alter Freund!“
„Vielleicht aber auch, weil es nur nicht die einzige Antwort ist!“, erwiderte Luke Skywalker, der plötzlich neben Rey auftauchte und sie damit ziemlich erschreckte. Rey hatte vergessen, dass er sich unsichtbar machen konnte. „Konzentration, Rey!“, ermahnte er sie. „Du hättest mich durchaus bemerkt, wenn du dich besser konzentriert hättest. Aber so labil, wie deine Konzentration derzeit ist, wundert es mich nicht, dass du sogar Schwierigkeiten hast, die Schüsse abzuwehren.“ Der Jedi-Meister war so flink in seiner Abwehr, dass Rey seinen Bewegungen kaum mehr folgen konnte. Letztendlich war sie überrascht, als kein Truppler mehr übrig war und das Schiff, das sie einst gekapert hatte, vor ihrer Nase auftauchte. „Himmel, das war interessant“, meinte die alte Dame. „Auf einmal waren es vier Jedi. Wie viele von ihnen gibt es noch?“
„Eigentlich sind es bloß zwei“, widersprach der Jedi-Meister. „Szirha ist kein Jedi und Zay hat ihre Ausbildung noch nicht angetreten.“
„Sie machen mich neugierig…“ Die Professorin lächelte.
„Können Sie ihre Neugier vielleicht auf später verschieben, gute Frau?“
Die Laderampe des Schiffes klappte nach unten. Szirha tauchte nun ebenfalls auf, zusammen mit Sura. „Schneller!“ Skywalker sprang als letzter auf die Rampe auf, wo das Schiff schon gestartet war. „Wer hätte gedacht, dass wir das überleben?“, fragte Rey Sura.
„Ich hatte zugegebenermaßen daran gezweifelt“, antwortete Sura sarkastisch. Sie folgte Szirha, die noch immer Zay trug, in die Küche. Rey ließ sich währenddessen in ihrer Kabine nieder.
„Rey?“, fragte Jedi-Meister Skywalker. Er war seiner Tochter quer durch das Schiff gefolgt, da sie sein Rufen offenbar nicht gehört hatte. „Geht es dir gut?“
„Natürlich“, giftete Rey ihren Vater und Lehrmeister an. „Mein Vater war der Meinung, er könnte die Situation belassen, wie sie war und deshalb hätten sie Zay beinahe getötet.“
„Es tut mir Leid, Rey“, entschuldigte sich Skywalker wie zur Antwort darauf. „Ich wusste, dass es eng werden könnte, dachte aber, dass du keine Schwierigkeiten haben würdest. Ich hätte dich besser anleiten müssen… Mit meiner falschen Einschätzung habe ich dich und Zay in Gefahr gebracht und das tut mir Leid. Denn das war nie das Ziel der Mission.“
Rey rieb sich die Stirn. „Es ist zu viel, verstehst du nicht? Ich kann mich von dir nicht ausbilden lassen. Du bist mein Vater!“
Skywalker seufzte. „Vor wenigen Stunden dachte ich noch genau wie du, Rey. Aber ich habe nachgedacht. Hast du dich nie gefragt, warum der Jedi-Orden seinerzeit untergegangen war? Ich kann es dir sagen. Sie waren zu festgefahren in ihren Traditionen und kaum flexibel genug, den Charakter deines Großvaters zu händeln. Er entwickelte sich in eine ganz andere Richtung, wie sie es vielleicht beabsichtigt hätten. Denn auf seine Probleme waren sie nicht eingegangen und Anakin entwickelte sich deshalb zum Einzelkämpfer. Er wurde schon früh mit der Dunkelheit konfrontiert und Tatooine war voll von zwielichtigen Gestalten. Die anderen Padawane jedoch hatten den Tempel nie von außen gesehen, bis sie ihre ersten Missionen aufbekamen. Dein Großvater hatte sich an die gewaltliberale Atmosphäre auf Tatooine gewöhnt und wusste mit diesen Charakteren umzugehen, aber die Jedi… Die waren kein Vergleich hierzu. Sie waren seiner Ansicht nach zu konservativ, hatten ihre Augen immer nur auf das Vergangene gerichtet. Traditionen, die so verstaubt waren, dass sie in der Realität nicht mehr zur Anwendung gebracht werden sollten. Die Jedi verzichteten in allen Ecken genau auf das, das sie eigentlich ausmachen sollte: ein Leben, eine Familie. Natürlich hätte es sie angreifbarer gemacht, aber die Belohnung wäre es vielleicht wert gewesen. Stattdessen begannen die Jedi, sich in die Politik einzumischen… Und in der Politik werden Intrigen gesponnen, es wird betrogen… Die Jedi ließen sich in die Geschehnisse einspannen und... das war es, das sie letztendlich noch verwundbarer machte als der Rest.“ Er sah zu Rey. „Ich habe eine Tochter, ja. Jedi sollten eigentlich keine Kinder haben, aber… Es wird Zeit, diese Regel aus der Welt zu schaffen. Denn jetzt bin ich der Großmeister des Jedi-Ordens. Mein Ziel ist es, dich so weit auszubilden, dass du dir bald einen Padawan suchen kannst. Ab dann wirst du dich selbst fortbilden müssen. Deine Ausbildung wird kurz sein, aber sehr hart. Härter als es damals der Fall war. Und da die Macht in dir so stark ist, kann ich das Risiko auch eingehen. Zay braucht einen Meister, dein Bruder auch und der Junge, Temiri Blagg.“ Skywalker sah aus, als sei er überfordert. „Wir haben noch sehr viel Arbeit.“
Rey wartete ab, bis sie sicher war, dass er nichts mehr sagen wollte. „Und wenn ich auf eigene Faust weiterziehen will?“
Skywalker schüttelte den Kopf. „Es ist zu gefährlich. Pass auf, Rey: Wir werden nach Hoth reisen, einem unserer früheren Stützpunkte. Der Rest des Widerstandes hat sich dort versammelt. Wenn wir dort sind, werde ich mich also der anderen beiden annehmen. Genau wie dir.“

„Zay…“, hakte Szirha nach, als diese die Augen leicht öffnete. Sie verpasste Zay eine Ohrfeige. „Du hast genug geschlafen, Zay. Hoch mit dir!“
„Was‘n‘los?“ Zay richtete sich mühsam auf. „Ich sehe aus wie eine Mumie.“
„Tut mir Leid“, rief Sura von weiter hinten. „Das ist nur vorübergehend so. Ich finde, Szirha liegt falsch, wenn sie sagt, dass du genug Schlaf hattest. Denn wenn du mich fragst, sehen im Schlaf alle unschuldiger aus. Schlafen ist nämlich toll.“
„Für dich, ja“, erwiderte Szirha. „Du drückst dich ja immerzu vor Arbeit.“
„Was erlaubst du dir-?“
„Nicht streiten!“, rief Zay plötzlich dazwischen. „Es reicht jetzt! Immer, wenn ich euch beide zeitgleich am selben Ort sehe, seid ihr irgendwie am Streiten!“
„Stimmt auch“, meinte Szirha und guckte Sura böse an. „Nicht meine Schuld-“
„Ach ja?“ Sura fauchte. „Du fängst doch jedes Mal an!“
„Es ist mir egal, wer angefangen hat! Hört gefälligst auf!“
„Ziemlich unhöflich, junge Dame!“, sagte Sura.
„Da muss ich Sura zustimmen.“ Szirha grinste frecher dennje.
„Boah! Geht mir aus den Augen!“ Zay richtete sich auf. „Ich geh zu Rey. Die streitet zumindest nicht so viel.“
„Da kennst du Rey aber schlecht“, entgegnete Sura.
„Also mit mir fetzt sie sich ständig“, kam der nächste Kommentar von Szirha. Schließlich blickten sie sich beide an. Erst schienen sie beide eher irritiert, dann fingen sie heftig an zu lachen.
„Können wir uns wenigstens darauf einigen, dass wir uns nie einig sind?“, fragte Szirha Sura. Diese nickte.
„Das ist eine sehr treffende Umschreibung für diesen Dauerzustand. Ich denke, so kann man es formulieren.“
„Oder auch nicht“, meinte Szirha wieder.
„Oder auch nicht“, wiederholte Sura. Dann lachten sie wieder.
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