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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
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22.01.2020 3.816
 
Hey, Leute! In den letzten Wochen war ich nicht so lustig auf's Schreiben, aber es war schon klar, dass es nur eine kurze Phase ist. Zumindest hatte ich letzte Woche noch mal richtig Lust und dabei kam dieses Kapitel hier zustande. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Szirha hatte sich auf die Couch gesetzt, wo sie meditierte. Sie brauchte Skywalker‘s Hilfe nicht. So schwer konnte es doch nicht sein, Bezug zur hellen Seite zu finden? Trotzdem brach ihre Verbindung immer ab, sobald sie es versuchte. Sie glitt ab in die dunkle Seite, verfiel dem Hass auf sich selbst und auf ihren Vater. Schließlich fand sie sich im Wunsch wieder, den Mann hinzurichten. Er sollte bezahlen. Szirha stand wieder auf. Ohnehin hatte sie nicht die Geduld dazu. Ob sie ihren alten Freund auf ein Sparring einladen sollte? Szirha dachte nach. Sie musste mit ihm sprechen, wusste aber nicht, wie sie ihn erreichen sollte. In den letzten beiden Tagen hatte er kaum ein Wort mit ihr geredet. Genau wie Rey hatte er sich zurückgezogen, vermutlich, um Zeit zum Nachdenken zu bekommen. Szirha blickte auf das Hologramm über dem Tisch. Neun Uhr nach Standardzeit. Rey hatte das Schiff schon vor einer Stunde verlassen, den Dresselianer im Arm. Der Junge musste zurück zu seinem Vater. Sura war Rey gefolgt, da sie diese nicht allein lassen wollte. Szirha war aber schon klar, warum Rey wirklich gegangen war. Es war nicht wegen des Dresselianers, sondern sie wollte Abstand gewinnen. Sie vermied es, Szirha in die Augen zu sehen und verließ den Raum, sobald sie ihn betrat. Für Szirha war das eine völlig neue Situation. Sie wusste, dass Rey‘s Gefühle verletzt waren, sogar tief. Aber sie wusste nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Szirha war gut darin, ihren Feinden Furcht beizubringen, konnte ganze Stadien mit einer Bewegung komplett ausräuchern, aber das… Wie sollte sie Rey beibringen, dass sie einst böse war? Wie sollte sie Rey mitteilen, dass sie sich aller größte Mühe gab, diese Seite von sich zu begraben? Wie? Zumindest schien es Jango zu verstehen. Zwar hatte er immer noch diesen leicht teilnahmslosen Blick, aber zumindest redete er mit seiner Mutter und versuchte, sich halbwegs normal zu geben. Szirha blickte sich um. Trotzdem war er nicht hier. Selbst Jango war gegangen. Szirha konnte nicht erklären, warum, aber sie fühlte sich verraten. Jahrelang hatte sie mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen gehabt. Und jetzt, wo sie dem langen Schatten ihres Vaters endlich entkommen war, warfen sich neue über sie. Es war, als würde dieser Kreis niemals enden. Ein Strudel, der sie immer weiter hineinzog und immer, wenn sie glaubte, sich hinaushieven zu können, wurde der Strom stärker und sie war nur erschöpfter als vorher. Wie sollte sie diesen Kreis durchbrechen? Und wie konnte sie außerdem auch sichergehen, dass sie nie mehr auf die dunkle Seite zurückfallen würde.
„Szirha“, flüsterte jemand. Szirha fuhr herum, sah aber niemanden.
„Hallo?“ Szirha runzelte irritiert die Stirn, als sie langsam registrierte, dass da niemand war. „Na toll“, fluchte sie leise. „Verrückt werde ich also auch noch.“
„Nein, Szirha“, sagte ein Mann. Ein bläulich glühender, transparenter Geist trat vor. Ein Mann, jung und mit dunkelblonden Haaren. Der leibhaftige Anakin Skywalker. „Ich weiß, wie du dich fühlst“, begann er. „Deine Verbindung zur Macht wird von Tag zu Tag schwächer. Du kannst deine Verbindung nicht aufrechterhalten und hast das Gefühl, sie entgleitet dir immer mehr.“
Szirha antwortete darauf nicht.
„Ich verstehe“, meinte Anakin. „Du bist sehr mächtig, Szirha, aber jetzt, da du der dunklen Seite entsagt hast, spürst du eine tiefe Unzufriedenheit in dir. Dir ist, als fehle ein Teil von dir und du glaubst, ohne sie bist du nicht vollkommen. Ich will dir helfen, Szirha. Auch mir erging es einst so.“
Szirha nickte. „Was soll ich tun, Meister Skywalker? Dein Sohn wendet sich von mir ab, meine eigene Tochter… Sie alle hassen mich!“
Anakin‘s Geist machte ein nachdenkliches Gesicht. „Es braucht seine Zeit, bis die Dinge wieder ins Gleichgewicht kommen, Szirha. Es sind böse Erinnerungen an eine böse Vergangenheit. Bis das Gute wieder hervordringt, braucht es einfach Zeit. Aber es wird wieder erscheinen. Du musst dich in Geduld üben, Szirha.“
„Wie kann ich meine Macht wiedererlangen?“, fragte Szirha kaum einen Atemzug später. „Ich bin einfach zu schwach. Das einzige, was ich noch habe, ist die Kontrolle über das Feuer. Aber meine Instinkte sind belegt, schwach und ich kann nicht mehr auf mein Potenzial zurückgreifen. Warum? Wie kann ich das aufhalten?“
Anakin‘s Geist nickte kurz. „Das kannst du nicht, Szirha. Du kannst nicht einfach zur hellen Seite wechseln, so lange du nur nach mehr Kontrolle strebst. So lange du in dir noch das Bedürfnis nach dieser Macht verspürst, wirst du durch die helle Seite blockiert sein. Du musst dich damit abfinden, Szirha. Erst dann, wenn du dich entgültig von dieser Begierde gelöst hast, wird die Macht in dir auf ein Neues erwachen. Dann, wenn du es am wenigsten willst oder gebrauchen könntest, werden deine Kräfte ihren Weg zurück zu dir finden. Wenn du diesen Zustand halten kannst, werden sie auch nicht wieder verschwinden.“
Szirha wusste nicht, wie sie ihre Wuttränen abhalten sollte. „Warum, oh, warum nur? Als könnte ich etwas dafür, dass mich Bane damals zu seiner Leibeigenen machte? Als ob ich mir das ausgesucht hätte! Ich hasse es! Ich hasse das alles! Warum musste das sein?! WARUM?“
Anakin‘s Geist sah sehr traurig. „Und genau das ist dein Problem. Es ist der große Hass in dir.“ Sein Geist löste sich erneut auf. Szirha blieb zurück, völlig hilflos. Sie schämte sich, weil sie sich schwach fühlte. Eine Schande war das für sie. So, als sei sie allen nackt ausgeliefert. Sie hatte kaum gemerkt, dass sie weinte. „Szirha?“, fragte Zay. „Was ist los mit dir? Ich sehe dich nie so.“
Szirha wollte allein gelassen werden. „Lass mich in Frieden!“
„Das wäre nicht richtig.“
„Du bist doch bloß ein Kind, Zay. Wie willst du mir helfen?“ Szirha fauchte sie an.
Zay nickte. „Ich weiß nicht, ob ich dir helfen kann, da ich nicht einmal weiß, was überhaupt los ist. Mit wem hast du denn gerade geredet?“
„Ach, nichts… Rey wird bald wieder da sein und dann geht die Post erst mal ab.“
Zay setzte sich neben Szirha. „Ich mag dich, Szirha, weißt du? Und es tut mir echt weh, wenn du mich so abweist! Ich meine es doch auch bloß gut. Findest du echt, dass ich das verdient habe?“
Szirha atmete durch. Am liebsten würde sie Zay eine knallen. Sie wollte, dass man sie endlich in Ruhe ließ und nicht weiter bedrängte. Aber sie tat es nicht. „Ich bitte dich, Zay. Geh! Tu es zu deiner eigenen Sicherheit!“ Sie musste ihre ganze Selbstbeherrschung aufbringen, diesem Drang zu widerstehen.
„Warum? Lass mich dir helfen!“
„WANN KAPIERST DU ES ENDLICH?! ICH WARNE DICH NICHT NOCH EINMAL, ZAY!“
Zay zog den Kopf ein. „Na gut“, sagte sie und sah ziemlich verletzt aus. „Ich verstehe schon.“
Szirha keuchte. Sie spürte den Zorn tief in sich rumoren. Er war so stark, dass sie ihre Fingernägel in den seidigen Stoff der Couch hineinbohrte, wo sich leichte Kratzspuren abzeichneten.
„Szirha!“, rief Luke Skywalker. „Komm raus und reagiere dich ab! Zay kann nichts für deine Aggression!“
„Du verstehst es einfach nicht, Skywalker! Ich bin zu schwach! Meine Verbindung zur Macht ist weg. Sie hat sich verabschiedet – auf Nimmerwiedersehen!“
„Und?“, fragte der Jedi. „Es wird dir jetzt auch nicht helfen, wenn du dieser Verbindung nachtrauerst! Komm schon raus und reagiere dich ab!“
Szirha kämpfte immer noch mit sich. „Ich bin wie eine tickende Bombe, Luke. Bleib zurück!“
„Wenn es dir dadurch besser geht, riskiere ich das“, erklärte der Jedi. „Deine Macht bestimmt nicht deinen Wert als Person, Szirha!“
„Oh, doch, das tut sie! Einzig und allein die Macht verschafft mir die Möglichkeit, die Fesseln, die mich an die Willkür meines Schicksals binden, zu sprengen! Nur durch sie werde ich frei!“
„Nein, Szirha! Das ist es, was die Sith einander predigen. Aber du bist weit mehr als das, hörst du? Du bist kein Monster, sondern ein Mensch, der bloß seinen Platz finden will in dieser Galaxis und dem es in der Vergangenheit partout nicht leicht gemacht wurde! Niemand ist unfehlbar.“
Szirha versuchte, etwas ruhiger zu werden. „Warum hilfst du mir? Ich dachte, du verachtest mich!“
Skywalker schüttelte den Kopf. „Ich war nicht ganz ehrlich zu dir, Szirha. Das tut mir Leid. Damals, als wir zusammen unterwegs waren, da… Szirha, i-ich…“ Der Jedi schluckte. „Ich weiß, dass mir das als Jedi nicht zusteht, Szirha, aber ich hatte mich in dich verliebt. Damals schon. Als ich erfuhr, wer du wirklich bist, da verspürte ich keinen Zorn auf dich, sondern auf ihn. Bei dir empfand ich bloß… Trauer. Ich werde vermutlich nie alles wissen, was er dir angetan hat, aber es reicht mir schon, wenn ich es dir aus den Augen ablesen kann.“
„Ich werde es dir auch nicht sagen, Luke. So würdest du es nie verstehen. Aber ich kann es dir zeigen.“
„Was meinst du damit?“ Skywalker wich zurück. Als Szirha ihn berührte, verspürte er in sich auch das Echo einer Erinnerung. Die Bilder, die er nun sah, waren verschleiert und nicht ganz eins zu eins zu dem, was wirklich geschehen war. Sie erzählten aus Szirha ‘s Perspektive von einem Erlebnis, das sie einst gehabt hatte:

Er sah Szirha, wie sie auf den Knien vor ihrem Vater lag. Szirha selbst konnte er nicht sehen, da er aus ihren Augen blickte. Aber er sah ihre Knie und das glitzernde Schwert, das mit schwarzem Quarz umrahmt war. Sie hatte es ihrem Meister dargeboten, genau wie es die Tradition verlangte.
„Gute Arbeit, Glaedis“, meinte Darth Bane. „Du hast deinen Feinden das Fürchten gelehrt.“
„Wie befohlen, mein Meister“, erwiderte Szirha leise, aber deutlich. Sie war ungefähr fünfzehn Jahre alt, als das geschah, wie ihm Szirha mit einem Gedankenstoß mitteilte.
„Deine Kräfte sind gewachsen, Glaedis. Mit jedem Feind, den du vernichtest, wirst du mächtiger.“ Bane‘s verfaulter, skellettierter Körper drehte Szirha den Rücken zu. Unter seiner letzten Rippe wucherte Moos. Wie aus einem Alptraum „Ich habe dich aber nicht ohne Grund herbeigerufen, Szirha.“
„Was wollt Ihr, mein Meister?“ Szirha senkte den Blick.
„Deine Ausbildung neigt sich dem Ende zu, Glaedis und es wird Zeit für deine letzte wahre Prüfung.“ Aus dem Schatten trat eine Frau hervor, deren Gesicht von leichten Stirnfalten durchzogen war. Eine Kellnerin. Es war die Frau, die Szirha einst, als sie wochenlang ohne Nahrung und Wasser auskommen musste, durchgefüttert hatte. Sie verstand nicht, warum Darth Bane dies als Teil ihrer Ausbildung implementierte. Sie wäre verhungert und verdurstet, wäre diese Frau nicht gewesen.
„Ich habe die Wahrheit durchschaut, Glaedis. Diese Frau hat deiner Schwäche Raum gegeben, sie erwachsen lassen. Nun fürchte ich, diese Schwäche hat sich in dein Wesen eingebrannt. Beweise mir, dass ich mich täusche, indem du sie tötest.“
Die Teenager-Szirha runzelte die Stirn. „Erlaubt mir, mein Meister, dass ich Euch frage, warum Ihr denkt, dass das mit Schwäche zu tun hat? Indem wie Macht gegenüber unseren Untergebenen ausüben, schützen wir sie doch vor Verblendung. Was für einen Nutzen hat es also, sie zu töten?“
Darth Bane‘s sehniger Mund formte sich zu einem Lächeln. „Nun, Glaedis. Das ist deine Prüfung. Du sollst über die richten, die dich verraten. Wenn du das nicht tust, demonstrierst du Schwäche. Diese Schwäche wird man wiederum ausnutzen, um dich zu stürzen. Ah ja… Ich habe wohl einen Teil der Wahrheit unterlassen.“
Die Kellnerin zitterte deutlich. „Szirha…“, sagte sie. „Tu es nicht, bitte!“
Szirha starrte sie an. „Wie hast du mich gerade genannt?“, fragte sie verständnislos.
„Szirha… Das ist dein Geburtsname.“
„Ich heiße Glaedis“, knurrte Szirha. „So einen banalen Kindsnamen brauche ich nicht. Die Leute sollen erzittern, wenn sie meinen Namen hören! Szirha, tse! Was für ein langweiliger, gewöhnlicher Name… Erbärmlich.“ Sie packte das Lichtschwert und ließ die Klinge auffahren.
„Szirha!“, rief die Frau. Sie sank vor Angst auf die Knie. „Szirha, du bist mein Kind! Meine Tochter bist du! Das Kind, das ich nie haben konnte… Ich liebe dich! Bitte, tu das nicht! Zerstöre nicht das Gute in dir! Ich gab dir diesen Namen, mein Kind. Ich tat es, weil ich hoffte, dass du dich eines Tages erinnern würdest… Dass wir… verschwinden können!“
Szirha senkte das Schwert. „Ma? A-aber Darth Bane ist doch mein Vater!“
„Ich wollte das nie, Szirha. Er hat mich hintergangen.“
„Ja“, sagte Bane beinahe frohlockend. „Erzähl sie Szirha. Erzähl Szirha diese wundervolle Geschichte. Du warst jung, arm und verliebtest dich in den Sohn eines reichen Mannes, eines angesehenen Investors und größten Geldverleiher des Imperiums. Zumindest glaubtest du das. Zu dumm!“
„Es war Darth Bane. Er schuf mir die Illusion eines attraktiven jungen Mannes, verführte mich und lockte mich zu ihm… Ihn wollte ich nie, aber du… Du bist mein Kind, Szirha! Lass uns hier verschwinden und ein neues Leben anfangen. Du bist die Einzige mit der Macht, diesen Mann hier aufzuhalten!“
„TÖTE SIE ENDLICH!“, rief der Sith. „Wenn nicht, dann stirbst du als Erste!“
Szirha schluckte. Sie hob das Schwert über Kopf, völlig desorientiert. Sie rannte auf die Frau zu, sprang in die Höhe, doch gerade, als eigentlich die Enthauptung hätte folgen müssen, hielt sie inne. „Lauf!“, rief sie ihrer Mutter zu. „Verschwinde hier, bevor ich es mir anders überlege!“
Die Frau nickte. Eine Sekunde lang war sie von so tiefer Freude erfüllt, dass es ihr Szirha wahrhaftig ansehen konnte. Sie würde ihre Tochter nach Hause bringen, vielleicht eine eigene kleine Wohnung, wenn sie wieder Arbeit fand und ein Leben in idyllischer Beisammenkeit. Doch kaum, dass Szirha die Gelegenheit, sich an den Gedanken und Gefühlen, die ihre Mutter teilte, zu suhlen, warf Bane sein Lichtschwert nach ihr und ehe Szirha es sich versah, brannte sich das Schwert tief in die Brust ihrer Mutter. Es war ein Treffer mitten ins Herz. Szirha stürzte sofort an ihre Seite, ihre sterbende Mutter auf dem Schoß. „N-nein!“ Sie drückte ihre Hand auf die Wunde. Die Frau blickte Szirha an. Sie blinzelte, zog die Mundwinkel hoch. Kaum, dass noch ein Blinzeln erfolgte, erschlaffte sie und Szirha konnte deutlich spüren, wie die Energie aus ihrem Körper wich. Der Traum war kurz und wunderschön, doch verpufft war er, kaum dass er in der Luft war. Szirha‘s Blickfeld verschwamm durch ihre Tränen und auch Skywalker konnte einen Augenblick lang nichts erkennen. Als sich das Bild wieder klärte, wanderte Szirha griff zum Lichtschwert. Sie war zornig, tief erfüllt von Hass.
„Hahahaha, endlich! Strecke mich nieder, Glaedis! Bestrafe mich!“
Szirha schrie, dass einem Außenstehenden das Trommelfell zerbersten würde. Dann rannte sie auf Bane zu. Ein Duell ergab sich, in dem Szirha aber eindeutig unterlegen schien. Sie parierte Bane‘s Schläge nur unter größter Mühe und nicht bloß einmal erwischte er sie oberflächlich auf der Haut. Szirha‘s Muskeln erschlafften immer mehr, da sie nicht wusste, wo sie die Kraft hernehmen sollte, seiner Klinge weiter standzuhalten. Sie wusste, dass sie diesen Kampf nicht überleben würde und fasste in letzter Sekunde einen Entschluss: Sie schickte ihm überraschend eine Feuerwand entgegen, in die sie ihre ganze Wut, ihren Frust und ihre Trauer verpackte. Bane konnte sie zwar ohne Probleme abwehren, doch als seine Sicht wieder frei war, war Szirha in den Lift geklettert, von wo aus sie sich nach unten flüchtete. Bane warf sein Lichtschwert auf die Aufzugstreben, die er so durchtrennte. Der Aufzug ging in den freien Fall über und Szirha hatte keine Chance, sich zu befreien. Zumindest glaubte dies Bane. Aber Szirha schaffte es. Sie entkam in letzter Sekunde. Noch ehe sie mit den Aufzugtrümmern zermalmt wurde, sprang sie über eine durch das Lichtschwert geschweißte Luke nach draußen, wo sie auf den Bug des nächstbesten Speeder sprang. Den überraschten Piloten warf sie aus dem Speeder, dann übernahm sie das Steuer. Es regnete stark und durch den Dunst konnte sie kaum etwas sehen. Trotzdem arbeitete sie sich weiter vor, in der Hoffnung, bald ein schnelles Schiff kapern zu können, um möglichst weit von diesem Planeten zu verschwinden. Da endete die Vision auch schon.

Skywalker starrte Szirha an – völlig ungläubig. „Er wollte, dass du deine eigene Mutter aus reiner Willkür tötest?“
„Ja“, antwortete Szirha knapp. „Hätte er das nicht getan, wäre ich vielleicht sogar an seiner Seite geblieben. Wer weiß? Durch diese Forderung hat er sich selbst seinen größten Feind geschaffen – und ich meine nicht mich. Ich rede von Rey.“
„Was hat Rey damit zu tun?“
„Viel zu viel“, meinte Szirha daraufhin. „Ich erkläre es dir, wenn wir wieder sicheren Boden unter den Füßen haben. Im Schutze der Basis.“
„Warum?“ Skywalker blickte sie verständnislos an.
„Ich möchte nicht, dass jemand außer dir von dieser Sache mitbekommt. Sagen wir mal, auch die Sith wissen über Dinge Bescheid, von denen zu wissen gefährlich ist. Und Bane gehört zu denen, die über all das Wissen verfügen. Sogar das Selbstzerstörerischste allem Wissens.“ Man merkte Szirha deutlich an, dass sie ursprünglich in der dunklen Seite ausgebildet worden war. So große Furcht sie vor der dunklen Seite auch hatte, schwang eine seltsame Faszination mit, die ein Jedi ganz sicher nie gutheißen würde.

Rey strebte unaufhaltsam nach vorn. Sie guckte nicht einen Moment lang zur Seite und gelegentlich schubste sie einen Passanten beiseite, wenn er im Weg stand. Sie wusste, dass sie sich damit keine Freunde machte, aber das war ihr im Moment auch schnurzpiepegal.
„Rey, jetzt mach aber mal halblang!“, rief Sura hinter ihr. Sie half einer älteren Dame auf, deren Spezies Rey nicht bekannt war. „Sind Sie verletzt? Verzeihen Sie, meine Tochter ist ein wenig ungestüm.“
Rey und Sura hatten sich darauf geeinigt, sich als Mutter und Tochter auszugeben, da sie nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich lenken wollten. Sura imitiere Reys Bewegungen und ihre Körperhaltung so, dass man ihnen das wenigstens abkaufte. Rey drehte sich um, seufzend. Sura hatte sich über die Frau gebeugt. „Es tut mir so schrecklich Leid. In letzter Zeit herrscht so viel Stress, dass es schon schwer ist, Kellie dazu zu bewegen, mehr Rücksicht auf andere zu nehmen.“ Sura blickte Rey wütend an. Sie hatten sich falsche Identitäten ausgedacht, um Ärger mit der Ersten Ordnung aus dem Weg zu gehen. Sura spielte eine Frau, die Charlet hieß, Rey ihre achtzehnjährige Tochter, Kellie. Vor wenigen Minuten hatten sie eine Wand mit Steckbriefen entdeckt, wo ihre Gesichter abgebildet waren. Zum Glück hatte sie noch niemand erkannt. Sura und Rey hatten sich auf eine öffentliche Toilette zurückgezogen, wo sie sich so geschminkt hatten, dass man sie möglichst nicht wiedererkannte. Rey hatte sich blasser geschminkt als sie in Wahrheit war und sich grüne Kontaktlinsen eingesetzt. Ihre Haare hingen ihr über den Schultern und niemand, der sie nicht genau kannte, hätte sie in dieser Aufmachung erkannt. Sura jedoch hatte sich nicht großartig verändert. Sie hatte lediglich ihre Haarfarbe ins rötliche verändert. Das Farbspray hierfür hatte sie sich zuvor aus jemandes Tasche gekrallt. (Rey konnte es immer noch nicht fassen.) In der hiesigen Künstlerszene auf Chandrila gab es sehr viele Leute, die an speziell vorgesehenen öffentlichen Plätzen ihre Kreativität auslebten. So die Kopie eines berühmten Monuments, das den einstigen Imperator darstellen sollte, das aber mit allen Farben bespritzt wurde. Auf der Hologrammtafel gegenüber stand: „Colour Patch“. Genau war Rey auch in die Passantin reingebrettert. Es war nicht das erste Mal, dass ihr das passierte. Und es war auch nicht das erste Mal, dass Sura davon mitbekam. Den dresselianischen Jungen stieß sie dezent zur Seite. (Kinder schubste sie nicht um. Das war natürlich Ehrensache.) „Oh, das – ähm… - das tut mir fürchterlich Leid. Ich komme zu spät zur Vorlesung. Bevor ich wieder Sänge kriege, wollte ich mich schnell aus dem Staub machen, aber Mum wollte ja unbedingt… Sie wollte mir das Monument zeigen. Diese… Farbkomposition von Carré.“
„Carré? Du sprichst es falsch aus“, erwiderte die ältere Dame und ließ sich von Sura auf die Beine helfen.
„Meine Tochter – Kellie – studiert Kunst an der hiesigen Hochschule“, erklärte Sura und deutete auf Rey. „Ich finde, sie verkennt das Potenzial moderner Kuns, so wie man sie hier betrachten kann.“
„Du studierst?“ Die Dame wirkte hellauf begeistert. „Du hast wohl vergessen, wer ich bin, hm? Ich doziere hier für die Kunstrichtung des Impressionismus. Eine sehr eigenwillige Kunstform. Aber du brauchst nicht hetzen, Kellie. Meine Vorlesung findet erst zur vollen Stunde statt.“ Sie lächelte Sura an. „Sie sind die Mutter? Ihre Tochter bringt eine gewisse Ausstrahlung mit. Sehr ungewöhnlich. Sehr wild. Das gefällt mir. Das spricht für einen ausdrucksstarken Charakter in der Kunst.“
„Kellie ist in der Tat sehr eigen. Und sie liebt historische Gegenstände. Seit Wochen erzählt sie von nichts anderem mehr, als diesem komischen… Ding.“ Sura nickte Rey linkisch zu.
Rey geriet langsam ins Schwitzen. Sura wollte sie doch auf dem Arm nehmen… „I-ich mag es, alte Ruinen zu erkunden. Die Kunst dort ist sehr alt und… fundamental. Aber es ist zu gefährlich dort.“
„Welche Ruinen?“
„Jakku.“ Rey wurde noch unsicherer, da sie von Kunst kein bisschen Ahnung hatte.
„Ein Lichtschwert löst nicht alle Probleme“, flüsterte Sura Rey grinsend ins Ohr. „Warum lernst du hier nicht ein bisschen die Leute kennen, hm? Lerne, wie sich ein Nicht-Jedi durch das Leben schlägt.“ Sura nahm den Dresselianer an den Arm. „Derweil bringe ich den Kleinen hier nach Hause. Viel Spaß!“
Rey schüttelte an Sura gewandt den Kopf. „Su-“
„Pssst!“, zischte Sura. „Hast du vergessen, wo wir sind? Du hast das Spiel angefangen, also spiele es jetzt auch zu Ende!“ Sie wandte sich um und ging. Rey blieb zurück, völlig planlos. Die Dame winkte Rey zum Monument hinüber. „Abstraktion. Die Kunst der Wilden. Vielleicht genau das richtige für dich, Kellie.“
Rey hatte keine Wahl, als der Dame zu folgen. Weiter hinten erblickte sie zwei Sturmtruppen-Patroillen, die Passanten anhielten, um ihnen ins Gesicht zu sehen. Sie suchten noch immer nach den beiden Jedi. Sie durften sie nicht in die Finger bekommen!
„Der Imperator“, sagte Rey unheilvoll. „Ist das… karikativ?“
„Karikativ? Du spinnst doch!“, rief die Dame. „Ich finde, der Künstler hat sich sehr genau ausgedrückt. Sieh genau hin, Kellie!“
„A-aber der Imperator ist doch tot!“
„Tot, aber nicht verschwunden. Das ist ein Mahnmal, Kellie. Es soll uns an die Schrecken erinnern, die die Galaxis einst erlitt. Voller Stolz können wir Chandrilaner darauf zurückblicken, dass wir uns dem Willen jenes Diktators nie gebeugt haben.“
„Aber da hinten sind doch Soldaten!“, rief Rey verständnislos. „Die Gefahr ist überall!“
„Manche vergessen das. Vielleicht, weil sie es vergessen wollen. Aber ich werde es niemals vergessen. Wir Künstler wurden aufs Schärfste zensiert. Harte Zeiten waren das.“ Die Dame stakste zum nächsten Bild. „Was macht deine Mutter beruflich, Kellie?“
„S-sie ist so etwas wie ein Arzt.“ Rey verlor langsam die Nerven.
„Wirklich? Schade. Aber sie scheint der Kunst gegenüber so aufgeschlossen…“
Rey zögerte ein wenig. Diese Frau kannte Sura ziemlich schlecht. „Sie ist… ein Eigenbrötler. Lassen Sie uns doch einfach weitergehen! Ich kenne das doch schon.“
„Warum so stürmisch? Keine Geduld hat die Jugend von heute.“ Die Dame ließ sich nicht durch Rey ‘s Unruhe stören.
Eine störrische alte Dame, stellte Rey fest. Sie ließ sich darauf ein. Mehr oder weniger unfreiwillig.
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