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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
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04.12.2019 3.732
 
Hi, Leute! Nach längerer Erkältungspause und viel Schufterei bin ich endlich wieder zu was gekommen. Ich hoffe, es kommt einigermaßen gut an.

ZWISCHEN LICHT UND SCHATTEN II

Der Lift war eng und es brauchte ziemlich lange, bis sich die Türen erneut öffneten. Es war drückend, kalt. Instinktiv strich sich Rey über die Arme. Die dunkle Seite war hier sehr stark. Snoke drehte sich zu Rey um. „Spürst du es? Die dunkle Seite verleiht dir Kraft. Hör auf, dich gegen sie zu verschließen!“ Rey schüttelte den Kopf. Ihre Verbindung zur Macht war auf einmal unheimlich schwach. Durch den Sog der dunklen Seite fand sie zum Licht kaum mehr Anbindung. Es war, als würde es einfach verschluckt. Rey verspürte Übelkeit und sie fror, wie sie nie zuvor gefroren hatte. Und doch… Plötzlich spürte sie, dass die Wärme in ihre Finger zurückkroch. Nutze den Machtschild, flüsterte eine Stimme in Rey. Sie schluckte. Hatte sie überhaupt noch genug Kraft, um diesen zu wirken? Rey tat wie geheißen. Genau, wie ihr Meister es sie gelehrt hatte, verlagerte sie den kläglichen Rest ihrer Kraft auf den Schild. Und es schien, als könnte sie plötzlich wieder atmen. Der Schmerz, von dem sie bis eben kaum bemerkt hatte, dass er sie heimsuchte, verschwand beinahe vollständig und Rey spürte, wie ein Großteil ihrer Last von ihr abfiel. Rey ließ ihre Finger erneut zum Griff des Lichtschwertes gleiten. Snoke wandte sich erneut zu ihr. „Faszinierend“, sagte er. „Vielleicht hattest du doch mehr Ausbildung, als ich dachte.“ Er lächelte. „Aber du hattest nicht genug. Dein Meister ist schwach, Rey. Er kann dich nicht lehren, dir die Macht des Feuers zu eigen zu machen, da er sie selbst nicht besitzt. Szirha könnte es, aber sie ist zu feige, um endlich über ihren Schatten zu springen und sich die Wahrheit einzugestehen. Deshalb wird auch sie nicht in der Lage sein, dich zu lehren, dein Feuer zu zügeln. Aber ich… Ich könnte es dich lehren. Und du könntest mächtiger sein, als es selbst Szirha war.“ Snoke ging voran. Im rötlichen Licht des Thronsaals begann auch seine Rüstung, dezent zu glühen. „Dein Meister kann sich von dir verabschieden, Rey Deeja-Mhin. Denn jetzt bist du meine Schülerin. Ich werde dich unter meine Fittiche nehmen und du wirst lernen, die dunkle Seite zu nutzen wie keiner vor dir.“
Rey schüttelte den Kopf. „Skywalker ist mein Meister – nach wie vor.“
„Interessant.“ Snoke ließ sich auf seinem Thron nieder. „Welcher Skywalker ist es? Ich spüre, dass du nicht allein bist.“ Wieder lächelte er.
Rey fuhr herum.
„Lass sie in Ruhe!“, rief Szirha, die plötzlich hinter Rey aufgetaucht war, zusammen mit Luke Skywalker. „Du hast es nie verstanden, Bane. Es ist wirklich jämmerlich, dass sich das noch immer nicht geändert hat!“
Snoke lächelte. „Genau wie mit dir. Läufst du noch immer vor der Wahrheit weg, Szirha? Wirklich feige ist das, Szirha – oder sollte ich besser sagen: Darth Glaedis.“
Skywalker wich zurück. „Szirha?“ Er hatte das Lichtschwert erhoben und erst sah es so aus, als wollte er Szirha angreifen. Er zögerte.
„Verstehst du es jetzt?“, hauchte Szirha Skywalker zu, der mit seiner Weisheit langsam an seine Grenzen stieß. „Ich wollte, dass du mich tötest. Und zwar ohne Zorn. Du solltest mich töten, weil du keine Wahl hast.“
So langsam begriff der Jedi, worauf das Ganze hinauslief. Szirha war nicht böse. Vielleicht war sie es früher einmal, aber da hatte sich etwas geändert… Er konnte nicht sagen, was der Auslöser dafür war, doch als Szirha die Klinge von Ismir‘s Schwert entzündete, griff sie nicht auf die Kraft der dunklen Seite zurück. Unbewusst machte sie sich die Kraft des Lichtes zu eigen. Sie griff Skywalker nicht an, weil sie es wollte. Sie tat es, weil sie musste. Skywalker sollte derjenige sein, der sie tötete. Er war der einzige, der ihren Geist vor Darth Bane schützen konnte. Sonst würde er auch ihren Geist verschlingen und ihre Macht in sich aufnehmen. So, wie er es bei allen anderen Jedi und sogar Sith getan hatte. Skywalker war der einzige, der Darth Bane tatsächlich ebenbürtig war. Zumindest, wenn man seine Macht und seine Erfahrung berücksichtigte, die er im Laufe der Zeit hinzugewonnen hatte. Als Jedi mochte er selbst kaum Ausbildung genossen haben, aber mit der Zeit lernte er diese Schwäche durch Erfahrung wieder auszugleichen. Trotzdem war er nicht auf Szirha gefasst. Die Art, wie sie Angriff, zeigte deutlich, wie mächtig sie in Wahrheit war. Skywalker war nicht in der Lage, sie zu blocken. Links, rechts – nein, doch nicht. Sie kam von unten, rollte sich zur Seite ab und erhitzte den Boden mit Hilfe ihrer speziellen Fähigkeit. Das Metall bog sich unter gewaltiger Krafteinwirkung nach außen und Skywalker sah sich eingeschlossen im sich kräuselnden, weiß glühenden Eisen. „Szirha… Du hast immer noch die Wahl!“, rief der Jedi. „Merkst du es denn nicht? Die ganze Zeit verlässt du dich auf die Kraft des Lichtes.“
Szirha schüttelte den Kopf. „Nein, Luke… So muss es geschehen. Du musst mich töten. Sonst wird er es tun.“
Darth Bane beobachtete sie gespannt, griff aber nicht ein. Genau wie Rey stand er bloß da. Bei Rey war es jedoch eher die Unschlüssigkeit über die Situation, die sie in eine konstante Schockstarre versetzte. Darth Bane wartete jedoch ab, bis beide Kontrahenten müde wurden. Szirha schnaufte schwer, da sie immer noch verletzt und bewegungstechnisch entscheiden benachteiligt war. Skywalker nutzte aber den kurzen Augenblick und ließ die Klinge seines grünen Lichtschwertes einfahren. Er sah zu Rey, die langsam auf den Boden sank. Sie zitterte kaum merklich. Sie hatte sich noch nicht ganz von dieser Nachricht erholt.
„Ohne Zorn, ja?“, hakte Darth Bane nach. „Ob das auch noch so einfach wird, wenn er die finsterste aller Wahrheiten durchschaut?“
Szirha schluckte schwer. „Vermutlich nicht“, sagte sie leise. „Aber selbst dann ist es noch nicht vorbei.“
„Welche Wahrheit?“, fragte der Jedi mit unheilvoll mulmigen Gefühl im Bauch.
„Dann weißt du nicht, wer ihre Eltern waren, Skywalker?“
„Sith-Kultisten“, erklärte der Jedi. „Das hat sie mir schon gesagt.“
Rey schüttelte den Kopf, den Blick auf den Boden geheftet. Sie kannte die Wahrheit schon. Es war, als würde es sie von innen heraus zerreißen.
„Szirha Deeja-Mhin ist meine leibliche Tochter. Sie war das Kind, das ich zeugte, um mein Erbe weiterzuführen. Folglich ist es dein Padawan, Jedi, der gleichzeitig auch mein Enkel ist. Rey Deeja-Mhin wie auch Jango Fett sind meine Enkel. Sie sind meine rechtmäßigen Nachfolger und werden, ob sie wollen oder nicht, ihren Platz an meiner Seite annehmen. So ist es ihnen bestimmt.“
Skywalker sah zu Rey. Der Mund stand ihm offen. „Wenn sie deine Enkelin ist und… meine Tochter, dann…“
„Luke, nein!“, schrie Szirha. Erneut fuhr die orangene Klinge auf, als sie Darth Bane attackierte.
„Interessant“, rief der Sith, als er seine rote Klinge entzündete und ihren Schlag parierte. „Dann ändert sich die Lage. Das Mädchen muss sterben.“
Skywalker sah zu Rey, die nicht in der Lage war, sich selbst gegen Darth Bane zu stellen. Er verstand, dass sie Zeit brauchte. Jetzt war sie bloß Beute. Und als Rey ‘s Vater und Meister war es seine Pflicht, sie zu beschützen. Er sprang an Szirha ‘s Seite und nahm mit dieser den Kampf gegen den Sith-Meister auf.
„Du Narr hast deine eigene Tochter an mich verraten!“, rief Darth Bane. „Dank dir wird sie hier und heute sterben!“
„Nicht, wenn ich ein Wörtchen mitzureden habe!“, knurrte der Jedi. Zusammen mit Szirha tanzte er um den Sith herum, in der Hoffnung, in seiner Defensive eine Lücke zu finden. Aber er schaffte es nicht, Darth Bane die Stirn zu bieten. Sein Blut war mächtig wie das eines Skywalkers, aber er war so viel älter und erfahrener als es Luke Skywalker war. Zumindest schien es, als könnte Szirha seiner Klinge standhalten. Trotzdem hatte sie kaum eine Chance. Gerade so war sie noch in der Lage, seine wuchtigen, schnellen Schläge zu parieren, aber kaum dass sie sich wieder ausbalanciert hatte, schlug er erneut zu.
„Du bist mächtig geworden, Darth Glaedis“, bemerkte Darth Bane. „Dein Schmerz hat dich erstarken lassen. Aber du bist nicht stark genug.“
Skywalker kniete etwas weiter hinten, wo er sich die Schulter hielt. Darth Bane hatte ihm eine tiefe Wunde auf der Schulter verpasst. Der Schmerz ließ ihn kaum atmen und er schaffte es deshalb nicht, wieder in den Kampf einzusteigen. Doch gerade jetzt brauchte ihn Szirha am meisten. Der Sith-Meister machte sich die Macht des Feuers zunutze, durch die er sie einkesselte. Bläuliche Flammen züngelten an ihren Füßen hoch und sie hatte immer mehr Mühe, sich dagegen zu schützen. Langsam zeichneten sie Brandblasen an ihren Beinen ab und das Leder ihrer Hose zerschmolz. Skywalker sah das, wusste aber nicht, wie er Szirha helfen sollte. Instinktiv griff der Jedi nach der Macht, ohne es so zu beabsichtigen. Und es kam gerade rechtzeitig. Das Feuer machte Szirha langsam ziemlich zu schaffen. So lange, bis sich ein Eisfilm auf ihrer Haut bildete, der sie schützte. Szirha atmete auf, als sie das Eis auf ihrer Haut spürte. Darth Bane war jedoch nicht begeistert. „Dass ich das nicht habe kommen sehen… Wenn es solche gibt, die Kontrolle über das Feuer erlangen, muss es auch welche geben, die Macht über das Eis erlangen können!“ Er entfesselte einen Feuersturm. Skywalker, der das aber vorhergesehen hatte, zog sich die Feuchtigkeit aus der Luft, durch die er lauter kleine Eiskristalle gegen die Feuerwand entgegenschickte. Das Feuer wurde gelöscht, das Wasser verdampfte schlagartig und der Kampf ging weiter. Skywalker formierte eine Eisschicht über seiner verletzten Schulter und stürzte sich erneut in den Kampf. Zusammen schafften sie es letztendlich auch, Darth Bane die Stirn zu bieten. Schließlich verpasste Skywalker Bane einen wuchtigen Tritt gegen die Brust. Darth Bane krachte auf den Boden. Szirha stand ihrem Vater Auge in Auge gegenüber, drehte das Lichtschwert gefühlvoll in der Hand und… sie schlug ihm den Kopf ab. Einen Augenblick lang schien alles stillzustehen. Skywalker konnte es schlichtweg nicht glauben, Szirha hatte jedoch den gleichen, grimmigen Ausdruck wie eben. „Tut mir Leid, Luke, wenn ich dich jetzt desillusionieren muss, aber… Er ist noch längst nicht aus der Welt. Mit der Zeit regeneriert er wieder. So wie immer.“ Szirha setzte seinen scheinbar leblosen Körper in Brand. „Zumindest haben wir jetzt noch etwas Zeit. Bei Enthauptung und Verbrennung braucht er ein paar Stunden.“
Skywalker starrte sie an. „Niemand überlebt so etwas.“
„Ja“, erwiderte Szirha. „Aber du vergisst, dass Darth Bane vorher auch nicht gelebt hat. Er ist ein Untoter.“ Mit sanfter Gewalt drängte sie ihren alten Freund von dort weg. „Komm schon. Ich denke, dir und meinen Kindern schulde ich noch Antworten.“ Sie ging zu Rey. „Steh auf, Rey!“, sagte sie. „Ich weiß, die Wahrheit ist schmerzhaft, aber erinnere dich vor allem an eins: Man kann sich seine Väter nicht aussuchen.“
Rey nickte langsam. „Seine Mütter kann man sich auch nicht aussuchen.“ Sie mied ihren Blick.
Szirha verletzte das. „Rey… Ja, ich verstehe. Du brauchst noch etwas Zeit.“
„Sura ist die, die ich meine Mutter nennen sollte. Sie hat mein Leben lang über mich gewacht und mich beschützt. Sura ist die, die die Anerkennung verdient.“ Rey knurrte. „Deshalb lässt du mich jetzt besser in Ruhe, Sith!“
Skywalker mischte sich ein. „Szirha, nimm dir das nicht zu Herzen.“
„Oh, doch!“, rief Rey wütend. „Und wie sie sich das zu Herzen nehmen soll! Sie hat alles verraten, wofür wir – die Jedi – stehen! Gerade du müsstest es verstehen… Vater!“ Rey wandte sich ab, der Blick zerrissen, so tief, wie sie enttäuscht war.
„Rey!“, rief Sura, die mitsamt den anderen zu ihnen stieß.
Szirha starrte Sura an. „Meinen Respekt, Sura.“ Sie nickte dieser zu, ging dann aber.
„Was ist passiert?“, fragte Sura Skywalker.
„Lange Geschichte“, erwiderte dieser knapp. „Sura, ich finde, dass sollte ich dir und Finn überlassen. Ich bin mit meiner Weisheit am Ende.“
Sura schüttelte den Kopf. „Ein Jedi, der sagt, er sei mit seiner Weisheit am Ende… Warum erwartet dieser Jedi gerade von mir, dass ich da noch eine Lösung parat habe?“
„Vielleicht, weil du kein Jedi bist.“
Rey zögerte. Szirha ging auf Jango zu, der aussah, als hätte man ihm das dritte Mal Weihnachten abgesagt. Aber im Gegensatz zu Rey warf er es seiner Mutter nicht vor. „Ja, verstehe!“, sagte er, als sie ihm alles erklärt hatte. „Damit muss ich leben.“ Szirha umarmte ihn. „Rey und du“, sagte sie. „Ihr wart der Grund dafür, dass ich mich von der dunklen Seite abwandte.“
Sura legte Rey widerum eine Hand auf die Schulter. „Nur fort von hier, Rey.“

Finn konnte es nicht glauben, als er die Wahrheit erfuhr. Er und Zay tauschten einen kurzen, ungläubigen Blick. So, als würden sie erwarten, dass der jeweils andere widersprach.
„Schicksale“, meinte Sura. „Ich verstehe nicht viel von dieser Macht, aber es klingt sehr gefährlich.“ Sie saßen alle um den Esstisch herum. Mit Ach und Krach waren sie entkommen.
„Das ist echt übel“, wandte Finn ein.
Rey widersprach nicht.
Zay sah zu Szirha ins Cockpit. „Sie hat mir vorhin das Leben gerettet, Rey“, meinte diese. „Sie hätte das nicht tun müssen, hat es aber trotzdem durchgezogen.“ Sie wandte den Blick nicht mehr ab. „Weißt du, Rey? Eigentlich wollte ich ja auch nie ein Jedi sein. Skywalker macht mir echt Angst. Aber Szirha… Ich weiß nicht, warum, aber ich vertraue ihr. Von ihr würde ich lernen wollen.“
Rey schüttelte den Kopf. „Das ist keine gute Idee, Zay.“
„Vielleicht hast du Recht“, meinte daraufhin Zay. „Aber vielleicht irrst du dich auch. Ich weiß nicht, warum, aber es fühlt sich einfach richtig an.“
Rey seufzte. „Finn?“
„Ich finde, dass muss Zay selbst entscheiden“, erklärte dieser.
„Danke!“, meinte Rey sarkastisch.
Sura schwieg beharrlich, obwohl sich alle Blicke auf sie richteten. „Nein, ich werde mich hierzu nicht äußern“, sagte sie, als sie das bemerkte. „Tut mir Leid, ich passe.“
Zay stand auf. „Na gut. Wisst ihr was? Ich werde sie einfach selbst fragen!“ Sie schluckte schwer. Ihre Nervosität konnte sie kaum verbergen. Mit gesenktem Blick stieß sie ins Cockpit durch. „Ähm… Szirha?“
„Hm?“ Szirha hielt die Steuerknüppel fest umklammert. So fest, das ihre Knöchel weiß wurden. „Ich weiß, was du willst.“ Sie kniff die Augen zusammen. „Die Antwort lautet: ‚Nein!‘, Zay! Bestenfalls würde ich mich als ungeheuer verantwortungslos erweisen, wenn ich mich darauf einließe!“
„Ich vertraue dir, Szirha.“
Szirha klatschte sich die Hand vor die Stirn. „Verdammt, nochmal! Hast du vorhin nicht zugehört, oder was? Ich war eine Sith!“
„Aber du bist es doch nicht mehr, oder?“, hakte Zay nach.
Skywalker blickte von Szirha zu Zay. „Wovon redet ihr?“
„Zay will, dass ich sie ausbilde.“
Skywalker dachte nach. „Ich weiß nicht, Zay. Szirha mag keine Sith mehr sein, aber im Umgang mit der hellen Seite hat sie keinerlei Erfahrung. Wie soll sie dich das lehren?“
Zay blickte Skywalker an. „Ich vertraue Szirha. Sie hat mir das Leben gerettet. Sogar zwei Mal. Wenn sie böse wäre, dann hätte sie das bestimmt nicht getan.“
„Szirha?“ Skywalker war irritiert. „Seit wann rettest du Leuten, die du nicht kennst, den Hals?“
„Das tut hier nichts zur Sache!“, brummte Szirha.
„Das tut es sehr wohl!“, entgegnete der Jedi. „Es bedeutet, dass du dich geändert hast, Szirha! Obwohl es schwer war, hast du es geschafft, der dunklen Seite den Rücken zu kehren und endlich lernst du, die Werte der Jedi zu respektieren!“
„Ach, komm! Hör auf, Skywalker! Ich kann nichts anderes, als alles um mich herum in Brand zu stecken.“ Szirha wurde noch brummiger. „So geht das nicht. Darauf hatten wir nicht gewettet.“
„Wie ist dein Gefühl, Zay?“, fragte der Jedi.
„Ich weiß nicht. Es fühlt sich einfach richtig an.“
„Aha“, stellte der Jedi fest. „Wenn das wirklich stimmt, dann finde ich, solltest du zumindest mal darüber nachdenken, Szirha. Was ich heute gesehen habe, war keine Sith, sondern ein Jedi, der mit seinem inneren Dämonen kämpft. Du hast die helle Seite genutzt, um das Böse in dir in Schach zu halten. So hast du es geschafft, uns alle zu retten. Du wolltest das Gute beschützen und hättest dich dafür sogar selbst geopfert. Als Padawan hättest du damit alle Prüfungen bestanden. Du hast dich deinem Schmerz gestellt und bewiesen, wie stark du bist.“
„Es war nur auf deine Bitte hin, Luke!“, entgegnete Szirha. „Du wolltest einen Jedi an deiner Seite haben und ich habe mein Bestes gegeben, diesem Wunsch gerecht zu werden. Aber wie du schon sagtest, ein Lichtschwert macht mich nicht gleich zur Jedi!“
„Dein Handeln macht dich dazu, Szirha.“
Szirha dachte nach. „Na gut“, sagte sie an Zay gewandt. „Ich denke darüber nach, aber deine Chancen, dass ich dich zum Padawan nehme, stehen nach wie vor nahezu bei Null. Ich tue es lediglich, um dich und Luke nicht zu enttäuschen.“
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, erwiderte Zay. „Das hat mein Pa immer so gesagt.“
„Ach so. Zay‘s Mutter, Iden Versio, wird sicher auch noch mitreden wollen.“ Skywalker sah ernst aus. „Ich hoffe, du entscheidest dich dagegen, Zay als Padawan zu nehmen, Szirha. Du bist noch nicht bereit.“
„Das denke ich auch. Vermutlich werde ich nie bereit sein.“ Szirha gab ihm Recht.
„Trotzdem würde ich es respektieren, wenn du dich dafür entscheidest. Es liegt ganz in deinem Ermessen, Szirha.“
Szirha verließ das Cockpit. „Du solltest mit deiner Mutter darüber reden, Zay. Du bist noch nicht volljährig und hast, wie ich hörte, deine Ausbildung geschmissen. Das halte ich für ein Problem.“
„Komm schon!“
„Geduld, Zay.“ Szirha verschwand in einem der Schlafzimmer.
Zay ließ sich auf den Pilotensessel fallen.
„Ich werde dich nicht ausbilden, Zay“, meinte Skywalker. „Zu viel Zorn in dir. Dein Bedürfnis nach Rache für den Mord an deinem Vater stellt ein Problem dar.“
„Ach, und dass Sie ihre eigene Tochter zur Jedi ausbilden, geht in Ordnung?“
„Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sie meine Tochter ist. Und ja, Zay. Eigentlich ist das nicht in Ordnung. Aber ich bin zurzeit der einzige noch lebende Jedi.“
Zay zögerte kurz. „Dann bringen Sie mich nach Hause! Ich will endlich in diese Armee eintreten!“
„Auch dafür bist du noch zu jung, Zay.“
„Mir doch egal.“ Sie ging. Wieder fühlte sie sich von allen im Stich gelassen, da man sie wieder nur abgewiesen hatte. Den Tod ihres Vaters hatte sie sich nicht ausgesucht. Eines Tages, da kam er einfach nicht mehr zurück. Sie war ganz allein. Und sie hatte bis eben das Gefühl gehabt, Szirha könnte dieser Leere in ihrem Herzen endlich ein Ende bereiten. Sie hatte Erfahrung damit. Sie würde Zay verstehen. Zumindest war das vorerst der Gedanke.
Zay zog sich zurück, stellte später aber fest, dass sie sich in der Tür geirrt hatte. Temiri saß hier. Bis eben hatte er mit seinem Würfel gespielt. Zay ließ sich neben dem Jungen nieder.
„Bist du auch traurig?“, fragte Temiri leise.
Zay schüttelte den Kopf.
„Du lügst.“
„Ich will nicht darüber reden“, erklärte Zay nach wenigen Augenblicken.
„Sura hat gesagt, wenn jemand traurig ist, dann muss man ihn trösten. Rey ist nämlich auch traurig. Sie sagt, ihre Mutter ist ein böser Mensch.“
„Szirha soll böse sein?“, hakte Zay nach. „Ich finde, Rey liegt da falsch. Sie ist nicht böse, aber sie hat eine böse Vergangenheit.“
Temiri hörte aufmerksam zu. „Was ist daran so anders?“, fragte er mit seiner niedlichen Stimme.
„Alles“, erwiderte Zay. „Es bedeutet, dass sie vielleicht mal böse war, es aber nicht mehr ist. Heute ist sie gut.“
„Geht das denn? Kann ein böser Mensch gut werden?“
„Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Aber mein Gefühl sagt mir, dass sie es zumindest mit mir nicht böse meint.“ Zay dachte nach.
„Wann ist denn jemand gut und wann ist er böse?“ Temiri traf den Nagel auf den Kopf.
„Ich weiß es nicht. Ich glaube, das ist auch gar nicht so einfach zu sagen.“
„Ich glaube nicht, dass sie überhaupt böse war. Sie war beides. Alle sind beides“, sagte der Junge. „Aber sie tun manchmal Gutes oder Böses.“
Zay klappte der Mund auf. „D-du hast Recht! In dem Moment, als Szirha mir das Leben rettete, tat sie Gutes. Sie tat Gutes für mich. Schlau von dir, Kleiner!“
„Ich bin nicht klein!“, erwiderte der Junge ein wenig trotzig.
„Wahre Größe definiert sich nicht durch die Körperlänge. Eines Tages wirst du ein großer, starker Mann.“
„Ganz genau.“ Der Junge nickte. „Weißt du was? Ich zeige dir mal was. Kannst du den Mund halten? Versprichst du, es niemandem zu sagen?“
„Ehrenwort“, erwiderte Zay.
Der Junge legte den Würfel auf den Boden. „Schau hin!“ Plötzlich fing der Würfel an, zu schweben.
„W-was? Ich fasse es ja nicht, Temiri!“
Der Würfel fiel wieder auf den Boden. „Das ist echt schwierig“, sagte der Junge. „Aber ich bin schon viel besser als früher.“
„Temiri, das ist wunderbar! Du kannst die Macht nutzen?“
„Waaaas? Was heißt das denn?“
„Das heißt, du könntest ein Jedi werden.“ Zay lächelte ein wenig. „Willst du wirklich, dass ich es niemandem erzähle? Das ist sehr selten.“
„Du bist es doch auch. Und diese Jedi natürlich. Rey, nicht wahr?“
„Ich weiß nicht. Ich glaube, du bist besser.“ Zay wartete ab. „Du solltest es Sura sagen.“
„Sura ist okay, aber sie ist zu logisch. Sowas glaubt sie einem nicht.“
„Ich denke, das war früher einmal.“ Zay nickte ihm ermutigend zu. „Sie wird Beweise wollen. Aber noch schlagkräftiger als das geht wohl nicht.“

„Doktor?“, rief Zay. „Ich muss dir etwas sagen.“
Sura richtete sich auf. Bis eben hatte sie sich noch mit Rey unterhalten. „Was ist los?“
„Es geht um diesen Jungen, Temiri… Ich glaube, er ist machtsensitiv.“
„Bist du sicher?“, fragte Sura, die etwas irritiert aussah. „Rey?“
„Ich würde sagen, du führst den Test durch.“ Rey sah selbst ratlos aus. „Du besitzt die medizinische Kenntnis dafür.“
„Du besitzt die Kenntnisse eines Jedis.“ Sura blickte Rey an.
„Es sind aber nicht genug, Sura. Ich bin immer noch ein Jedi-Schüler. Das bedeutet, ich weiß nicht so viel darüber.“
„Na, danke auch. Ja ja, Sura macht ‘s. Wie immer.“ Sura klang etwas gereizt. „Ich habe militärisches Feingefühl. Wie soll ich dem Jungen beibringen, dass ich sein Blut brauche?“
„Nutze die Macht.“
Sura zeigte Rey den Vogel. „Sehe ich aus wie ein Jedi?“
„Du bist manchmal mehr Jedi als ich.“
Sura schüttelte den Kopf. „Hast du etwas auf den Kopf gekriegt, Rey?“
„Ich dich auch.“
„Hätte ja sein können.“ Sura wandte sich seufzend ab. „Komm mit, Zay. Diesmal assistierst du!“
„Na toll.“ Zay war ahnungslos wie ein Stück Brot.
Rey sah den Beiden hinterher. Es war klar, dass es seine Zeit brauchen würde, bis sie mit den heutigen Ereignissen abgeschlossen hatte. Lieber wollte sie jetzt schlafen gehen oder einfach duschen. Noch lieber würde sie aber abhauen und nie wieder zurückblicken.
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