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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
4
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33 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.11.2019 4.091
 
Hi, Leute! Gestern konnte ich das Kapitel leider nicht mehr nachliefern, aber das hole ich jetzt nach. Schätze, um zwei Uhr nachts ist ja ohnehin niemand mehr aktiv. Aber ich will euch nicht zu lange damit langweilen. Hier das Kapitel!



ZWISCHEN LICHT UND SCHATTEN

Szirha hatte den Blick starr auf die Kommandobrücke gerichtet. Das Cockpit war voll besetzt. „Rae Sloane“, sagte sie leise und unheilvoll. „Sie weiß offenbar nie, wann Schluss ist.“ Jacen Syndulla nickte. Er beobachtete Rey‘s Jäger, die aber plötzlich aus der Formation abglitt. Wo sie eben noch ein Manöver geflogen war, schien es, als sei sie plötzlich von etwas erfasst worden zu sein… Es war ein Traktorstrahl, wie Jacen Syndulla erkannte. Er tauschte einen kurzen Blick mit Szirha. „Darth Bane“, sagte sie und klang noch unheilvoller. „Er weiß Bescheid.“
„Bane?“
„Genau der“, bestätigte Szirha. „Er ist nicht hinter Rey her, sondern hinter mir. Für ihn ist sie bloß ein Mittel zum Zweck, um mich… zu bekehren.“
„Dann weiß er nicht, dass sie Skywalker ‘s Tochter ist?“
„Er weiß es nicht. Und da es Rey auch nicht weiß, hat sie vielleicht noch eine Chance, seinen Fängen zu entkommen. Ich muss mich ihm bloß stellen… Auge in Auge.“ Ihre Stimme zitterte leicht. „Bring mich runter, Jace! Bitte…“
Syndulla zögerte. „Mein Vater würde das nicht gutheißen.“
„Bring mich runter!“, forderte Szirha ihren alten Bekannten auf. Sie klang eine Spur härter.
„Szirha…“, kam es von hinten. „Ich werde euch nicht allein lassen.“
Szirha kniff die Augen zusammen. „Ich muss es alleine tun, Luke… So ist es mir bestimmt.“
„Nein, Szirha!“, rief der Jedi, ein wenig drängend. „Wenn du Recht hast, dann ist dieser Mann noch viel gefährlicher als angenommen.“
„Er will mich bekehren, Luke. Er will, dass ich seinem Pfad folge. Und er wird Rey nicht in Ruhe lassen, so lange ich mich ihm nicht… unterwerfe. Wenn er es geschafft hat, Luke, dann versprich mir eins, ja?“
Skywalker wollte widersprechen, aber er wusste nicht, wie. „Du würdest deine Seele an den Teufel verkaufen, um deine Kinder retten?“
„Und noch viel mehr“, antwortete Szirha. „Aber wenn es vollbracht ist, dann… versprich mir, dass du mich tötest!“
„Was?“
„Wenn mich die dunkle Seite hat, Luke, dann ist von mir nicht mehr viel übrig. Die Szirha, die du kanntest, wird nicht mehr existieren. Räche mich, indem du meine dunkle Seite vernichtest!“
„Szirha, nein!“ Skywalker blickte sie an, flehentlich. „Ich weiß, dass du es kannst. Widerstehe der Versuchung, wenn sie noch dir langt!“
Szirha schüttelte den Kopf. „Eines Tages wirst du es verstehen, Luke… Ich bin kein guter Mensch. Denn so war es bestimmt. Meine Eltern haben mich großgezogen, damit ich… meinen Zweck erfülle. Dein Vater, Luke… Er weiß es. Und er hasst mich dafür, dass ich dich nie gewarnt habe. Aber meine letzte Tat soll es sein, Rey – die auch deine Tochter ist – zu retten. Wenn du klug bist, folgst du meiner Bitte und tötest mich, wenn es an der Zeit ist. Vielleicht fällt es dir leichter, wenn du die ganze Wahrheit kennst, aber… Dafür ist es jetzt noch zu früh.“ Sie blickte Syndulla an, jedoch nicht in gewohnter Härte. Mit sanfter Gewalt stieß sie den Mann zur Seite. „Geht und bereitet euch vor. Wir werden die gesamte Anlage auseinandernehmen.“
Skywalker blickte Szirha an. Er ging kurz weg, kam dann jedoch mit einer weißen Umhängetasche zurück. „Szirha… Wirst du auch mir noch einen Wunsch erfüllen?“
Szirha sah skeptisch aus. „Hm?“
„Nimmst du Ismir ‘s Schwert? Ich will mit dir Seite an Seite kämpfen… nicht als Kopfgeldjäger, sondern als Jedi. Nur ein Mal… Bitte!“
Szirha seufzte. „Du bist ein harter Verhandlungspartner. Na schön… Aber ein Lichtschwert zu halten, ist eigentlich nicht neu für mich. Als ich jünger war, habe ich die Lichtschwerter, die ich in den Ruinen aufgefunden hatte, an Reiche politische Funktionäre verkauft. Gegen eine hohe Summe… Ich war schließlich auch so etwas wie ein Schatzjäger.“
„Ein Lichtschwert zu tragen macht dich nicht gleich zu einer Jedi“, wandte Skywalker ein. „Ich kann dich anleiten, Szirha. Nutze die Kraft der hellen Seite!“
Obwohl die Anspannung spürbar groß war, musste Szirha unwillkürlich lachen. „Du bist süß, Skywalker! Na schön. Tun wir es, um der guten alten Zeiten Willen!“ Sie schnappte Skywalker das Schwert aus der Hand. Aber sie fasste sich recht schnell wieder und besann sich auf ihre Mission. „Könntest du mir Jango und Zay herbringen? Ich möchte nicht, dass die beiden in Schwierigkeiten geraten. Ich muss sie warnen.“ Sie sprang auf und eilte in den Flur, wo sie beinahe Finn über den Haufen rannte. „Hoppla!“, rief Szirha. „Noch so eine Schleichkatze.“
Finn starrte Szirha an. „Öhm… Kennen wir uns? Du bist doch Rey ‘s Mutter, oder?“
Szirha blickte an sich hinunter, fragend. „Und?“
„Ich habe eine Spur“, erklärte Finn. „Und diese Spur nennt sich Rae Sloane. Ich glaube nicht, dass sie auf Rey aus ist, aber… Sie will dich.“
„Ich weiß“, erwiderte Szirha unbeeindruckt. „Einige Menschen sind eben neugieriger, als gesund für sie ist. Admiral Rae Sloane gehört zu diesen verdammten Seelen. Wegen Rae Sloane brauchst du dir keine Sorgen machen. An deiner Stelle würde ich mich eher vor Thrawn hüten.“
Finn klappte der Mund auf. „Sie hätte Rey vor Monaten schon beinahe umgebracht!“
Szirha verstummte schlagartig. „Nun… Das ändert die Lage. Diese Frau ist so gut wie tot.“ Ihre Augen glühten kurz auf. „Niemand bedroht meine beiden Kinder. Und wenn doch, dann lebt dieser jemand nicht mehr lange.“
„Warte!“, rief Finn. „Wir brauchen einen Plan! Mein Vater ist hier und ich glaube, er ist in diese Sache involviert!“
Szirha nickte. „Gut. Kannst du mich zu ihm bringen?“
Finn war ziemlich erleichtert. „Ja, bitte!“

Dominicus hockte schon eine ganze Weile in der Box. Kein Essen, kein Trinken. Nicht einmal eine Toilette. Das einzige, über das er sich absolut nicht beklagen konnte, war die spannende Atmosphäre. Spannend in vielerlei Hinsicht…
„Ähm… Szirha, ich glaube nicht, dass das gut ist…“, hörte er die Stimme seines Sohnes. Szirha? Dominicus horchte auf.
Sie rammte die goldene Klinge von Ismir‘s Schwert in die Box und Dominicus wich erschrocken zurück. Doch es war zu eng. Er konnte kaum weit genug zurückrobben, um der flirrenden Hitze des brennenden Metalls zu entkommen. Er sah Szirha, die die Klinge wieder einfahren ließ und das glühende, angeschmolzene Metall mit ihren bloßen Händen nach außen bog. Sie verbrannte sich noch nicht einmal sie Finger, als sie das tat und Dominicus musste sich eingestehen, dass er ziemlich beeindruckt war. „Hallo!“, grüßte Szirha. Sie sah nicht mehr so aus wie der Sklave, der sie vor wenigen Stunden noch gewesen war. Sie duftete angenehm und Dominicus musste sich eingestehen, dass sie recht hübsch war. „Sie wollen mich töten!“, rief Dominicus, der die Angst in sich hochkommen spürte.
„Eigentlich nicht“, widersprach Szirha. „Das wäre ziemlich kontraproduktiv. Finn? Willst du es tun?“
„Was?“
Szirha drückte ihm augenzwinkernd das Lichtschwert in die Hand. „Du sollst ihn nicht töten. Aber wenn du die Sache etwas beschleunigen willst, dann tu dir keinen Zwang an!“
Finn schüttelte den Kopf. „Nein, das werde ich nicht tun.“ Er gab Szirha das Schwert wieder zurück. „Ich habe der Ersten Ordnung schließlich nicht den Rücken gekehrt, um anderswo den gleichen Mist zu fabrizieren.“
Szirha staunte. „Meinen Respekt, Finn! Du hasst diesen Mann. Ich kann es deutlich spüren. Trotzdem widerstehst du der Versuchung. Das ist genau die Art von Stärke, die ich an meiner Seite wissen will.“
Finn runzelte die Stirn. „Warum tust du das?“
„Um dich zu prüfen“, erwiderte Szirha. „Du bist nicht machtsensitiv, aber du bringst viele der Eigenschaften mit, die man als Krieger braucht. Im Kampf spielt deine Mentalität eine wichtige Rolle, aber wenn du dich allein von deinen Gefühlen beherrschen lässt, ist das womöglich dein letzter Fehler. Du brauchst einen klaren Kopf. Und den hast du. Deshalb triffst du deine Entscheidungen rational und basierend auf deiner derzeitigen Lage. Das zeichnet dich als Soldaten aus. Und genau deshalb frage ich dich: Kommst du mit?“
„Du hast Sura verletzt. Und ich kann dir das nicht einfach verzeihen. Warum sollte ich dir helfen?“
„Es geht hier nicht um mich!“, entgegnete Szirha. „Und es war nie mein Ziel, Sura wehzutun. Ich kann lediglich nicht nachvollziehen, dass Rey so sehr auf sie setzt. Ich möchte sicherstellen, dass Rey ‘s Vertrauen in Sura gerechtfertigt ist.“
„Skywalker hat es dir gesagt! Sura hat Rey und mir nicht bloß ein Mal den Hals gerettet!“
Dominicus räusperte sich. „Also ich glaube nicht, dass überhaupt einer von euch ahnt, worauf das hier hinausläuft. Prince… Ich bin so schrecklich enttäuscht von dir! Eine Schande, dass du dich mit diesen Verrätern zusammengeschlossen hast! Und so etwas schimpft sich mein Sohn!“
Szirha packte Dominicus am Kragen und hob ihn hoch. Sie drückte ihn an die Wand der gegenüberliegenden Seite und so langsam wurde Finn bewusst, wie stark sie war. Sie konnte einen neunzig Kilogramm schweren, ausgewachsenen Mann mit einer Hand hochheben. Was tat sie da? Finn wich zurück. „So springst du nicht mit deinem eigenen Sohn um! Das lasse ich nicht zu!“, zischte Szirha. „So ein Miststück bist du, dass du nicht einmal erkennst, dass es dein Sohn trotz aller Widerstände geschafft hat, die Wahrheit zu durchschauen! So etwas verdient Respekt.“ Szirha ließ ihn fallen, als sie Finn ‘s Gesicht sah. „Ich kann es spüren. Du hasst diesen Mann abgrundtief, aber… Für dich wäre sein Tod kein Verlust. Sura ist für dich wie eine Mutter, Rey wie eine Schwester… So langsam verstehe ich es. Da ist etwas… Wie kommt es, dass dein Vater bei der Ersten Ordnung so eine hohe Position einnimmt?“
„Ist es bei dir nicht auch so?“, fragte Finn hingegen. Er wollte nicht antworten.
„Mein Vater hat sich mit ihnen verbündet, ja. Aber er ist auch abgrundtief böse. Wie kommt es aber, dass ausgerechnet dieser… Mann dein Vater ist? Ich sehe keine Verbindung zwischen euch.“
„Vielleicht ist er ja doch nicht mein Vater und das ist bloß ein billiger Trick… Ich weiß es nicht.“
„Er hat es dir nicht erzählt, wie?“, fragte Dominicus belustigt. „Er, Sura und Rey waren selbst Teil der Ersten Ordnung! Wirklich schlau von dir, Szirha. Endlich durchschaust du die Wahrheit. Nicht so schnell wie Skywalker, muss ich anmerken.“
Szirha lächelte böse. „Natürlich. Er ist immer noch ein Skywalker“, sagte sie. „Ich bin es nicht. Aber ich kann ihnen trotzdem gefährlich werden, Dominicus. So heißt du doch, nicht wahr? Deine Gedanken verraten dich. Du wurdest manipuliert, hintergangen… Genau wie dein Sohn. Aber er hat die Wahrheit erkannt, wo du sie verkennst.“
„Sie sind nicht böse. Sie gehören zu diesen Widerständlern. Das heißt, Sie sind sehr naiv.“
„Ich gehöre nicht zum Widerstand. Nicht mehr. Heute bin ich eine Jedi. Aber das bedeutet nicht, dass ich eine gute Jedi bin. Um Rey zu retten, sind mir alle Mittel recht. Und wenn ich Sie dafür töten muss, soll es so sein. Auch dein Sohn kann dich dann nicht mehr retten. Selbst wenn er es wollte. Aber er hasst dich. Er würde es vielleicht nicht selbst tun, aber wenn Sie sterben, wird er ihren Tod kaum betrauern. Sie werden sterben wie eine Fliege. Schnell und ohne jeden Grund. Nutzlos und nervtötend wie alle anderen Geheimdienstoffiziere.“
Dominicus stand die Angst ins Gesicht geschrieben. Finn brauchte nicht machtsensitiv sein, um seine Angst zu spüren. Aber eine Sache beschäftigte ihn… Warum half ihm Szirha? Wie kam es, dass sie ihn als Verbündeten akzeptierte, Sura jedoch nicht? Lag es vielleicht daran, dass sie beide Frauen waren und umeinander konkurrierten? Finn verstand nicht viel von diesen Dingen.
Szirha sah dem Mann eindringlich in die Augen. „Sag mir, wo ich Rey finde! Wo ist sie und wer hat sie?“
„Sehe ich aus wie ein Jedi? Ich weiß es nicht, verdammt nochmal!“
Szirha schlug ihm mit der blanken Faust ins Gesicht. Es knackte fürchterlich und langsam realisierte Finn, dass sie Dominicus gerade den Kiefer gebrochen hatte. Der Mann würgte einen Schwall Blut hervor. „Mist!“
Finn hielt Szirha zurück. „Hör auf!“ Er war der einzige, der mit ihre Kräften halbwegs mithalten konnte. Szirha wandte sich zu ihm um. „Ich dachte, er ist dir egal.“
„Das ist er auch“, unterstrich Finn, der seine Zähne zusammengebissen hatte. „Aber wenn du ihn umbringst, kommen wir auch nicht weiter.“
Szirha nickte. „Du hast Recht“, sagte sie leise. „Er ist es nicht wert, dafür eine Gefängnisstrafe zu riskieren. Aber wenn er nicht die Klappe hält, dann werde ich mich nicht mehr zurückhalten.“
„Okay“, sagte Finn beschwichtigend. „Ich habe es verstanden. Können wir jetzt endlich einen Plan machen?“
„Du denkst zu sehr wie ein Soldat und vergisst, dass du neben dir zwei Lichtschwerter hast.“
„Vermutlich.“ Finn gefiel das nicht. „Wir brauchen Sura.“
„Aha.“ Szirha schien ihm das nicht zu glauben.
„Es gibt keinen besseren Scharfschützen als sie.“
„Na dann.“ Szirha bewegte sich auf ‘s Schlafzimmer zu.
„Bist du immer so?“
„Was?“
„So unsensibel.“ Finn schreckte das ein wenig ab.
„Ich bin nicht unsensibel.“
„Oh doch, das bist du!“, rief Skywalker dazwischen. Er kam zu ihnen, ein hässliches, graues Klebeband in der Hand. „Willst du dir die Wunde nicht wenigstens abkleben?“
Szirha rieb sich über das Bein. „Gib her!“ Sie nahm sich das Klebeband, riss einen Streifen ab und zog ihn über der Schusswunde fest. So fest, dass Finn die Augen zusammenkniff. „Sura würde das in der Seele wehtun.“
„Dann soll sie eben nicht hinsehen.“ Szirha reagierte genau so, wie es sich Skywalker gedacht hatte. Er schüttelte an sie gewandt den Kopf. Szirha sah das, grinste aber.
Skywalker verdrehte erneut die Augen. „Szirha, auf ein Wort!“
Szirha riss noch einen Streifen ab, den sie Skywalker über den Mund klebte. „Ah, schon besser!“ Wenig später war sie verschwunden. Skywalker fuhr sich mit der Hand über das Klebeband. Er hatte sich nicht alle Barthaare abrasiert. Und das bereute er jetzt. Er packte das eine Ende des Klebebands und riss es sich mit einem schmerzhaften „Ratsch!“ einfach ab. Jedi hin oder her. Das hatte wehgetan. „Diese Frau ist manchmal echt sadistisch.“
„Das können Sie laut sagen, Jedi“, wandte Dominicus ein.
„Na toll. Wieder ein gebrochener Kiefer. Sie kann es einfach nicht lassen…“
Finn blickte Skywalker fragend an. „Ach, dann ist das normal?“
„Für Szirha ‘s Verhältnisse schon. Vielleicht sollte ihn jemand wieder zusammenflicken. Das gibt sonst unangenehme Fragen.“
„Sura reißt mir den Kopf ab.“
„Dir nicht, aber Szirha! Das heißt, wenn sie sich das traut.“
„Sie kennen Sura offenbar nicht.“
„Nach achtundvierzig Stunden gemeinsamer Zeit würde ich mir das auch nicht unterstellen.“
„Sie sollten wirklich mal mit Rey‘s Mutter reden. Rey wäre mit dieser Methodik bestimmt nicht einverstanden.“
„Vor den Augen ihrer Kinder würde Szirha auch nie so offensichtlich gewalttätig werden. Sie tut es nur, wenn sie weiß, dass sie es ohnehin nicht mitbekommen.“
„Aber Jango ist doch auch hier.“
„Er duscht noch. Seit zwei Stunden, um genau zu sein. Ich glaube, das ist seine Art, mit den neuen Gegebenheiten klarzukommen.“ Skywalker blickte Finn an. Seine Konzentration war stets ungebrochen. „Haben Sie mit Sura geredet?“, hakte Finn nach.
Skywalker dachte nach. „Ja. Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, hat sie sich um die Kinder gekümmert. Sie will den Dresselianer nach Hause bringen. Temiri hat niemanden, an den er sich wenden kann, deshalb versucht sie, den beiden die Möglichkeit zu geben, miteinander Kontakt zu halten. Nach diesen schrecklichen Erlebnissen ist das vielleicht auch keine so schlechte Idee.“
„Eine Art Selbsthilfegruppe für Kinder? Sura kommt immer auf Ideen…“

Szirha blickte Skywalker in die Augen. Hinter sich hatte sie Zay, die ihren Blaster bereithielt und Jango, der noch rücksichtsloser aussah als sonst. Finn und Sura wiederum hatten sich Skywalker angeschlossen. Sie standen allesamt auf der Laderampe, aber Szirha sollte die Erste sein, die absprang. Sie trug einen Schulterpanzer, eine Lederjacke und eine zerrissene Hose, komplett in schwarz. Aber sie war behände wie eine Raubkatze und die Sturmtruppler, an denen sie sich hinten vorbeischlich, bemerkten sie nicht einmal. Das Schiff war leise. Jacen Syndulla landete das Schiff so sanft, dass man kaum einen Luftzug verspürte. Szirha lächelte, als sie sich an den Sturmtrupplern vorbeigeschlichen hatte. Sie hielt eine Betäubungsgranate in der Hand, die sie einem Sturmtruppler im Nacken platzierte, ohne dass er es bemerkte. Schließlich trat sie einen Schritt zurück. „Hi, Leute!“, rief sie. Erschrocken drehten sich beide Sturmtruppler zu ihr um. „Wer ist sie und wo kommt sie her?“, fragte der eine. Szirha lächelte.
„Ähm, was?“, fragte der andere Sturmtruppler.
„Du hast da was im Nacken, Kumpel!“ Szirha zwinkerte ihm zu, dann trat sie ein paar Schritte zurück.
„Was?“ Der Sturmtruppler fuhr sich mit der Hand über den Hals. „Mist!“ Die Granate ging hoch und setzte ihn vollständig unter Strom. Der andere Truppler zückte sofort seinen Blaster. „Dafür wirst du bezahlen!“
„Ich habe ihn nicht getötet, Junge. Er ist bloß betäubt. Jede Wette, dass er in ein paar Minuten wieder aufsteht und sich fragt, was passiert ist.“ Szirha zückte das Lichtschwert. Sie aktivierte die goldene Klinge des Schwertes.
„Dieses Ding… Ist das ein Lichtschwert?“ Der Sturmtruppler klopfte sich an den Helm.
„Gut geschnallt“, erwiderte Szirha.
„Du bist eine Jedi!“
Szirha seufzte. „Diese Typen lernen es einfach nicht.“ Jango trat an ihre Seite. Er war noch immer ziemlich geplättet. „Ich bin es nur heute, weil ich jemandem einen Gefallen tun muss.“ Die anderen kamen nach. Zay sah Szirha an. „Was machen wir mit ihm?“
„Ich weiß nicht. Hast du eine Idee, Kleines?“
„Schockgranaten machen nicht so wirklich Spaß.“ Zay kratzte sich am Hinterkopf. „Wollen wir ihn bewusstlos schlagen?“
„Was?“, rief der Sturmtruppler wieder. „Ihr werdet nichts erreichen ihr dummen… Widerständler!“
„Warum nutzt du nicht deine Jedi-Kräfte, um ihn zu liquidieren?“, fragte Jango Skywalker.
Der Jedi-Meister seufzte. „Ich glaube, langsam verstehe ich, warum sich deine Mutter als Jedi kaum eignet.“
„Endlich“, bemerkte Szirha.
Der Jedi-Meister zog mit Hilfe der Macht den Blaster des Sturmtruppler zu sich, der noch versuchte, hinterherzuspringen. Schließlich schlug er den Sturmtruppler bewusstlos. „Ich hasse das.“
„Jedi verspüren keinen Hass“, entgegnete Szirha.
„Auf Gewalt schon.“
„Das nennst du Gewalt?“ Szirha schüttelte den Kopf. „Egal. Wir müssen weiter…“ Sie hielt das Lichtschwert hoch und rannte los. Sie war nicht sehr schnell, da sie durch ihre Verletzung nicht gut balancieren konnte, aber sie kam zurecht. Skywalker bedeutete Sura und Finn, dass sie die Station von einer anderen Richtung aus angingen. Szirha schnappte sich Zay und Jango. „Kannst du mit diesem Ding wirklich kämpfen?“, fragte Zay. „Ich meine, als ich dich damals getroffen hatte, hast du nicht ausgesehen wie jemand, der ein Lichtschwert führen kann.“
„Da siehst du es“, sagte Szirha. „Ich stecke voller Überraschungen.“ Zay hatte das Gefühl, sie hörte eine leichte Verbitterung heraus. Warum?
Die ersten Sturmtruppen kamen ihnen entgegen und Szirha schüttelte den Kopf. „Vielleicht war es doch keine so gute Idee, diesen Weg zu nehmen.“
Jango zog seine alte Vibroklinge hervor. „Es geht los.“
Zay sah etwas nervös aus. „Es sind zu viele.“
Szirha spürte ihre Angst. „Du solltest dir nicht so viele Sorgen machen, Zay. Dich kennen sie noch nicht. Und du bist machtsensitiv. Warum versuchst du nicht, auf deinen Stärken zu bauen?“
Zay zögerte.
„Na schön. Ich weiß womöglich eine andere Lösung, Zay. Wirst du mir vertrauen?“
„Wa-haas?“ Plötzlich wurde Zay von hinten gepackt und auf die Masse der Sturmtruppler geschleudert. Rein instinktiv landete Zay ausbalanciert und verpasste dem Sturmtruppler einen schmerzhaften Tritt, der gerade auf sie zielte. Eine Sekunde später wurde sie zu Boden gedrückt und der nächste Schuss verfehlte sie haarscharf. In dieser einen Sekunde sprang Szirha mit einem Salto über ihren Rücken hinweg und schaltete den Sturmtruppler aus, der sonst auf Jango geschossen hätte. Zay hatte keine Zeit, sich darüber zu wundern, was hier gerade geschah. Szirha warf Zay das Lichtschwert zu, die sie dann so dirigierte, dass sie Blasterfeuer abwehren konnte. Aber sie selbst konnte deshalb nicht kämpfen. Diese Machttechnik zehrte sehr von ihrer Konzentration und Szirha musste sich wieder darauf beschränken, den Kopf für die anderen hinzuhalten. Zay konnte das Blasterfeuer nicht mehr abwehren, aber… Sie verstand, wie es sich anfühlte, es zu tun. Zay besann sich auf das Gefühl, das sie eben gehabt hatte und nahm ganz von selbst den Kampf auf. Sie hatte das Gefühl, sehen zu können, wo das Blasterfeuer zunächst entlangging und folgte dieser Intuition. Erst wusste sie nicht so recht, wie sie es angehen sollte, aber so langsam verstand sie, dass es reichte, wenn sie einfach Vertrauen hatte. Zay wehrte die Schüsse ab, ohne mit der Wimper zu zucken und noch ehe sie es sich versah, waren alle Sturmtruppler erledigt. „Was zum-?“
Szirha kam auf sie zu. „Ich hätte nicht gedacht, dass das funktioniert, aber anscheinend hat es das ja doch.“
Zay verstand nicht, wie sie das Blasterfeuer hatte abwehren können. „A-aber ich…“
„Dein Problem ist dein geringes Selbstvertrauen, Zay“, erklärte Szirha. „Es hat dich blockiert. Du wusstest schon instinktiv, wie man ein Lichtschwert führt, aber du hast nicht daran geglaubt, dass es dir gelingen könnte. Das war der Fehler!“
Jango kam auf sie zu. „Ma? Was war das denn eben? Kannst du mir auch zeigen, wie man so etwas macht? Ich meine, wie man jemanden so dirigiert!“
Szirha schüttelte den Kopf. „Nein, Jango. Das werde ich nicht tun.“
„Warum?“
Szirha ignorierte diese Frage und ging vorab. Zay folgte ihr, noch immer zu verwirrt, ganz zu begreifen, was da eben geschehen war. „Szirha!“, rief sie. „Du kämpfst genau wie ein Jedi! Warum sagst du andauernd, dass du kein Jedi bist?“
Szirha wandte sich um. Als sie den Blick ihres Sohnes bemerkte, seufzte sie. „Zay, ich habe meine Gründe. Dinge, die ich gern für mich behalten würde.“ Außerdem, dachte sie bitter, würde sie es ohnehin bald erfahren.

Rey wechselte einen kurzen Blick mit Thrawn. Sie kannte diesen Mann nicht, aber er machte einen sehr scharfsinnigen Eindruck. Er hatte eine kühle, nachdenkliche Ausstrahlung, wie es Rey schon von Sura kannte. „Wo gehen wir hin?“, fragte sie.
„Zu unserem Anführer“, erklärte Thrawn. „Er möchte dich unbedingt kennen lernen.“ Seine roten Augen taxierten Rey, die sich schütteln musste, da plötzlich etwas Kaltes über sie hereinbrach. Sie zitterte. Hier war es schrecklich kalt. Aber Thrawn schien das nicht einmal zu bemerken.
„Er ist hier“, flüsterte Rey. „Er ist ganz in der Nähe. Diese schreckliche Kälte… Es ist, als wollte sie alles auslöschen.“
Der Großadmiral sah sich gezwungen, stehen zu bleiben. „Du spürst seine Gegenwart… Sag, wie fühlt es sich an?“
Rey rieb sich die Arme, antwortete jedoch nicht. „Er ist ganz nah.“ Instinktiv griff sie mit der Macht nach ihrem Lichtschwert, das an Thrawn ‘s Gürtel hing. Diese Kälte war unerträglich. Es war genau wie in den Katakomben einst. Es betäubte sie und sorgte dafür, dass ihre Verbindung zur Macht immer schwächer wurde.
„Ab hier ist meine Anwesenheit nicht mehr erwünscht“, sagte Thrawn leise. „Du wirst ihm alleine gegenübertreten müssen.“ Er verbeugte sich tief und wandte sich anschließend ab. Rey wusste, dass er sich vor Snoke verbeugt hatte, der weit und breit nicht zu sehen war. Rey hielt das Lichtschwert hoch, bereit, sich zur Wehr zu setzen.
„Senke deine Waffe, mein Kind!“, sagte eine tiefe, raue Stimme. Es war Snoke. Plötzlich wurde er sichtbar. So langsam begriff Rey, dass es seine Rüstung war, die ihm die Möglichkeit verschaffte, ganz und gar unsichtbar zu werden.
„Snoke…“ Rey blieben die Worte im Halse stecken. Seine Rüstung war schwarz, strahlte aber dennoch surreal hell.
„Rey Deeja-Mhin“, stellte er fest. „Ich habe mir nicht zu viel versprochen.“
Im Korridor wurde es plötzlich dunkel. Einzig Rey ‘s Lichtschwert und Snoke ‘s Rüstung warfen Lichtreflexionen an die eiserne Wand. Rey wagte es nicht, die Klinge einfahren zu lassen.
„Wenn ich dich töten wollte, Rey“, begann Snoke. „Dann wärst du jetzt tot.“
„Können Sie das auch über meine Mutter sagen?“, hielt Rey dagegen.
„Ah. Szirha, ja. Stur wie sie ist, hat sie es doch tatsächlich geschafft, mir den Rücken zu kehren. Sie ist viel zu naiv.“ Snoke ging voran.
„Wie meinen Sie das, dass ihnen Ma den Rücken gekehrt hat?“
„Das ist eine lange Geschichte, Rey. Wie ich sehe, hat dir Szirha noch immer nicht die Wahrheit gesagt. Denn statt sich der Wahrheit zu stellen, läuft sie weiter weg. Eine Schande ist das.“
„Welche Wahrheit?“
„Komm mit, Rey, dann werde ich es dir zeigen.“
Rey zögerte. So viele Jahre wartete sie schon auf Antworten. Und jetzt, endlich, waren die Antworten zum Greifen nah. Snoke schien sie zu kennen, da er Szirha selbst auch kannte. Sie waren alte Feinde, die sich einander kannten und genau wussten, dass die nächste Konfrontation auch die letzte sein würde. Der Konflikt würde bald ein Ende nehmen. Dann, wenn einer von ihnen starb. Aber Rey fürchtete, dass man sie wieder nur belog. Snoke war ein dunkler Machtnutzer, der das Spiel der Intrigen und des Verrats beherrschte wie kein Zweiter. Rey entschied kurzerhand, jedoch mit einem sehr schlechten Bauchgefühl, seinem Weg zu folgen.
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