Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
4
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
18.10.2019 4.513
 
Hi, Leute! In den letzten Wochen war ich leider nicht so fit und deshalb sind mir die Ideen nun nicht gerade in den Schoß gefallen. Aber deshalb gibt es jetzt ein neues Kapitel! Zwischen so vielen relevanten Charakteren zu balancieren ist natürlich nicht einfach, aber ich gebe mein Bestes. Jeder bekommt seine Rolle, der eine etwas früher, der andere eher später. Doch jetzt gibt's erst mal neuen Stoff zum Lesen^^

WER VON DEN TOTEN ZURÜCKKEHRT…

Rey war zutiefst erleichtert, Sura an ihrer Seite zu wissen. Trotzdem war die Situation zu durchwachsen. „Sura, ich kann nicht…“, begann sie. Sie erzählte Sura von Temiri. In seinem Nacken war ein Transmitter verbaut, erklärte sie. Und der würde explodieren, wenn das Schiff das erste Mal den Boden berührte. Sura schien das zu verstehen. Sie wusste, wie so ein Transmitter funktionierte und begriff auch gleich, wie ernst die Lage war. „Natürlich“, sagte sie nach einer Weile. „Aber eine Frage beschäftigt mich… Hast du denn nicht versucht, den Algorithmus zu knacken? So ein Eingriff ist riskant, weißt du? Gerade hier kann es ziemlich kompliziert werden. Das hier ist nicht das Lazarett.“
Rey dachte nach. „Sura, das geht nicht!“, erklärte sie. „Ich hätte bloß einen Versuch, diesen Code zu entschlüsseln. Der Code hat mehr als zwanzig Stellen, deshalb wird das nicht funktionieren.“
„Gibt es ein Muster, Rey?“, hinterfragte das Sura.
„Wenn ja, dann hätte ich es schon durchschaut“, gab Rey zurück. Sie setzte sich auf die Couch. In ihren Augen stand die Erschöpfung. Sie wusste nicht, wo sie noch die Kraft herholen sollte, den Rest ihrer Ausbildung abzuschließen. Selbst durch das schwache Licht der Küche konnte sie im spiegelglatten Boden ihre Augenringe erkennen.
„Schon gut. Wir schaffen das. Wirst du mir helfen?“, fragte Sura Rey.
Rey starrte Sura an. „Sura, ich habe von so etwas überhaupt keine Ahnung!“
Sura schüttelte den Kopf, ein wenig belustigt. „Müsstest du mich als Jedi nicht durchschauen können? Ich muss den Jungen überreden. Bei der Operation ziehst du dich besser zurück, da Finn zumindest ein wenig über die Medizin gelernt hat. Er wird mir helfen, aber du solltest mir jetzt helfen, Temiri Mut zu machen!“
„Ich weiß nicht, ob das auch für die Jedi gilt, die zu müde sind“, entgegnete Rey trocken.
Sura nahm das zur Kenntnis. „Du hast Recht“, erklärte sie. „Wir alle könnten mal eine Mütze Schlaf gebrauchen, aber ich… Ich brauche jemanden, der Temiri überredet, das auch durchzuziehen. Ohne seine Zustimmung funktioniert das nicht.“
Rey wusste nicht, wie sie Sura Mut machen konnte und sie wünschte sich, sie könnte mehr tun. Sura klopfte Rey auf den Arm und bat sie, den Tisch frei zu machen.
„W-wie? Du willst es hier tun?“, fragte Rey verwirrt. „Bist du-?“
„Ich habe keine Wahl, Rey!“, fuhr Sura dazwischen. „Die Umgebung muss steril sein und die Fläche eben. Selbst die Küche halte ich für absolut ungeeignet, aber es ist der einzige Ort, wo er sich nicht gleich eine Infektion einfängt!“ Sie sah Rey in die Augen, die ziemlich entsetzt aussah. Aber Sura schien das zu verstehen. Sie hielt Rey noch zurück. „Ich habe schon unter viel schlechteren Bedingungen arbeiten müssen und viele von denen, die genau unter diesen Umständen so schwer verwundet wurden, haben es trotzdem geschafft!“ Sie nahm Rey in den Arm. „Rey, Szirha wird es schaffen. Und der Junge auch.“
Rey stieß Sura von sich weg. „Sura, s-so geht das nicht.“ Die ständige Angst, dass doch noch etwas schiefgehen konnte, verfolgte sie. „I-ich muss gehen, Sura. Ich muss einfach weg von hier. Ich halte das nicht mehr aus.“
Sura hielt Rey zurück. „Ich weiß das, Rey. Aber auch so wirst du deiner Situation nicht entkommen. Es klingt vielleicht hart, Rey, wenn ich das so sage, aber da musst du jetzt durch!“
Rey war da anderer Meinung. „Ich muss hier weg. In ein paar Tagen bin ich wieder da, ja?“ Sie drehte sich weg. Zay Meeko hatte ihren gestohlenen X-Flügler ans Heck des Transporters gekoppelt. Rey hatte schon so eine Ahnung, dass sie einen Plan gemacht hatte, um wieder zu verschwinden. Aber es schien, als hätte sie ihren Bruder in diesen Plan mit eingebunden. Rey hatte so das Gefühl, Jango wollte zusammen mit Zay abhauen. Das machte es nicht unbedingt einfacher, aber Rey würde jetzt ohnehin ihre Pläne durchkreuzen. Nicht absichtlich, aber sie brauchte ein Schiff. Auch wenn das bedeutete, dass sie einen gestohlenen X-Flügler erneut stehlen musste. Rey ging ins Schlafzimmer, wo sie Kleidung zusammensuchte. Nicht die, die diese Frau, die Twi‘lek, für sie beigelegt hatte. Aber sie hatte nicht viel. Rey suchte ihren Schrank ab. Jedi-Roben hatte sie reichlich, aber sie wollte die nicht anziehen. Rey lugte auch in Sura ‘s Schrank. Sie hatte sich Kleidung gekauft. Ganz normale Kleidung. Rey zog sich eine zerrissene Jeans über, und platzierte Schützer an Knie und Ellbogen. Sie trug ein Top, das die Bewegungen mitmachte und packte einen schwarzen Pullover in die Tasche. Das musste reichen. Rey hatte eigentlich nicht vor, Waffen mitzunehmen, aber sie wusste, dass es nicht klug war, unbewaffnet loszuziehen, wo das Interesse an den Jedi so groß war. Aber musste es das Lichtschwert sein? Sie wollte sich zurückziehen und Abstand zu den Jedi gewinnen, zu denen sie so oder so nie hatte gehören wollen. Vielleicht sollte sie versuchen, etwas mehr über ihre Vergangenheit herauszufinden und über Szirha, die Rey vielleicht auch heute nicht erzählen wollte, warum sie sie ausgerechnet in der Wüste zurückgelassen hatte… Warum durfte Jango bei Boba bleiben, während sie in der Wüste ums Überleben kämpfen musste? Das ergab keinen Sinn. Rey entschied, das Lichtschwert mitzunehmen, es aber nicht zu benutzen. Sie hatte ein Gewehr, das sie benutzen konnte, wenn es eng wurde. Aber sie hoffte, dass das Interesse an ihrem Kopfgeld nicht so groß war, wie sie vermutete. Das Lichtschwert hängte sie sich an den Gürtel, tarnte es jedoch mit einem Stück Tuch. Es war das, das sie einst in den Katakomben entdeckt hatte. Kaum zu glauben, dass sie es noch bei sich hatte… Rey hatte es in der Tasche gefunden, die sie einst von ihrem Fliegerass bekommen hatte. Rey lächelte unwillkürlich. Ein munterer Poe Dameron an ihrer Seite – genau das brauchte sie jetzt! Jemanden, der das Leben überhaupt nicht ernstnehmen konnte, selbst, wenn es gerade zugeschlagen hatte. Rey packte in der Küche noch etwas zu Essen und ein Getränk ein, dann setzte sie sich in Bewegung. Sura war nicht zu sehen. Vermutlich suchte sie gerade das Gespräch mit Temiri. Als Rey Schritte hörte, schob sie sich schnell hinter die Wand. Sura hatte Temiri bei sich. „Es geht schnell“, sagte sie beruhigend. „Du wirst es nicht spüren, das verspreche ich dir!“
Temiri sah misstrauisch aus. „Wie geht das?“
„Ganz einfach“, klärte Sura den Jungen auf. „Ich muss den Chip rausnehmen, der dich als Sklaven benennt. Wenn er weg ist, bist du frei, verstehst du?“ Natürlich wollte sie Temiri nicht mit der Aussicht erschrecken, dass er sterben könnte, wenn sie nicht bald etwas unternahm.
„Ich glaube ihnen nicht“, sagte der Junge.
„Na schön“, meinte Sura. „Ich werde dir nicht alle Details verraten. Sagen wir einfach, du läufst Gefahr, verletzt zu werden, so lange dieser Transmitter nicht entfernt wird.“
„Sie lügen“, erwiderte der Junge. „Ich weiß, dass Sie nicht böse sind. Sie sind viel zu nett. Aber ich kann sterben, oder? Dieses Transdingsbums ist gefährlich, oder? Das ist es doch!“ Er klatschte sich die Hand vor den Mund. „Ich wollte Sie nicht beleidigen, Herrin!“
„Herrin?“, fragte Sura verständnislos. Jetzt war sie beleidigt. „Ich bin nicht dein Herr, Temiri. Niemand ist dein Herr! Du bist nämlich frei.“ Sie riss sich wieder zusammen. Bei Kindern hielt sie sich zurück, aber nicht bei Erwachsenen. Da fuhr sie ziemlich schnell aus der Haut. „Wenn du das hinter dir hast, Temiri, dann schenke ich dir etwas. Du magst doch diesen Würfel, hm? Vielleicht habe ich etwas, das dich auch interessiert.“
„Okay“, sagte der Junge nickend. „Heißt das, ich kann schlafen wenn ich müde bin und spielen, wenn ich Lust habe?“
„Du kannst so viel schlafen, wie du willst und du kannst dich austoben, wenn du das möchtest. Ist das ein Kompromiss?“
„Was ist ein Kompromiss?“, fragte Temiri, der neugierig aussah.
Sura stieß die Luft aus. „Ach, weißt du? Eigentlich kann ich nicht sehr gut erklären… Vielleicht solltest du Finn fragen, der kann das ziemlich gut.“
Rey hatte genug gehört. Sie hatte nicht vor, weiter zuzuhören. Wenn sie Abstand gewinnen wollte, dann musste sie sich langsam auf den Weg machen. Rey öffnete die Schleuse im Flur und kletterte über die Leiter nach unten. Der Sternjäger war alt, aber sehr geräumig. Rey ließ die Klappe wieder schließen. Sie schnallte sich an und gab Schub auf die Triebwerke. Da sie noch immer auf Chandrila waren, musste Rey die Route neu berechnen. Für ihren Geschmack war der Computer viel zu langsam. Als Ingenieur ließ sie es nicht gern darauf beruhen, aber sie hatte keine Zeit, sich um das Problem zu kümmern. Sie startete ihren Flug. Coruscant war das Ziel, das sie sich gesetzt hatte. Die alten, imperialen Archive gaben bestimmt auch die eine oder andere Information über ihre Herkunft heraus. Da die Neue Republik den Zutritt zu den Archiven erlaubte, sollte sie auch keine Probleme haben, dort hineinzugelangen. Dieser Ort war für viele von historischer Bedeutung und das Imperium hatte für jeden einzelnen eine Akte hinterlegt. Viele Leute hatte man zu der Zeit ausspioniert. Selbst die Wände hatten Ohren. Wenn jemand eine abfällige Bemerkung über das Imperium gemacht hatte, endete das mit einer Gefangenschaft. Und die meisten Gefangenen des Imperiums, so wusste man heute, hatten nicht überlebt. Trotzdem wurden die, die zumindest überlebten, auch als sie ihre Zeit abgesessen hatten, zu Ausgestoßenen. Sie berichteten von Folter und von vielen Wochen, die sie ohne Nahrung überstehen mussten. Wasser gab es zwar, aber es war verunreinigt. Viele der Gefangenen starben an den Krankheiten, die gerade unter den schlechten hygienischen Bedingungen grassierten. Lange Zeit hatte sich Rey gefragt, ob Szirha vielleicht selbst mal eine Gefangene des Imperiums war. Wenn ja, dann hatte sie vielleicht einen Grund dafür, so zu handeln.

„Rey? Rey! Deine Ausbildung ist noch nicht vorbei…“ Skywalker suchte weiter nach seiner Padawan, aber sie war verschwunden. Schließlich stieß er zu Sura, die den Chip ohne Probleme hatte entfernen können. Sie wischte den Tisch. „Was ist los?“, fragte sie.
„Haben Sie Rey gesehen, Sura?“
„Sie ist nicht hier“, erwiderte Sura kurzangebunden.
„Wie meinen Sie das?“
„Muss ich ihnen auch das noch erklären? Sie ist ausgeflogen.“ Sura blickte den Jedi-Meister finster an.
„Wie? Und Sie haben sie einfach gehen lassen? Haben Sie keine Ahnung, wie gefährlich es da draußen ist?“
Die Temperatur im Raum sackte spürbar nach unten. „Ich habe sie nicht gebeten“, sagte Sura scharf. „Trotzdem kann ich sie nicht zwingen, hierzubleiben.“ Sie wusch den Lappen aus, ging aber ziemlich reißerisch vor. Sie wusste, dass sie diese Arbeit nicht machen müsste, wenn sie einen Droiden angelernt hätte. Und sie hasste es, wenn sie aufräumen musste. Es war eine undankbare Arbeit.
Skywalker rieb sich die Stirn. „Wie geht es Temiri?“
„Er schläft“, meinte Sura. Sie sah grimmig aus. „Und ich bin froh darüber!“
„Warum?“
„Das bedeutet, er hat Vertrauen gefasst.“ Sura glaubte, dass er das eigentlich wissen müsste. „Er ruht sich nicht wegen des Eingriffs aus. Es war kein schwerer Eingriff. Aber er ist müde und seit mehr als zwanzig Stunden auf den Beinen. So etwas kann krank machen.“
„Dann ist er nicht mehr im Lagerraum?“
„Nein. Er hat schläft im gleichen Raum wie Szirha, aber er hat ausgerechnet das Bett genommen, wo Rey eigentlich schlafen sollte. Na ja, das ist egal. Sie ist ja eh nicht hier.“ Sura warf den Lappen in die Spüle.
„Hmmm… Wissen Sie, wo ich Zay finde?“
„Ich glaube, sie heckt mit Jango etwas aus.“ Sura wartete kurz ab. „Nicht, dass mich das überraschen würde. Aber wo genau sie sind, kann ich ihnen auch nicht sagen.“ Tatsächlich hatte sie das in den letzten Stunden ziemlich genau beobachtet. Sie hatte nämlich Sorge, dass Zay wieder Reißaus nahm.
Der Jedi-Meister seufzte resigniert. „Ich habe nie verstanden, wie Leia das meinte, als sie sagte, wenn man Kinder hat, stellen sie dein Leben auf den Kopf. Jetzt verstehe ich es, auch wenn ich selbst keine Kinder habe.“
Sura starrte den Mann an. „Glauben Sie das wirklich, Skywalker? Nun, ich kann ihnen nicht helfen. Ich habe selbst keine Kinder. Zumindest sind sie nicht meine eigenen.“
„Denken Sie, das Macht einen Unterschied?“, fragte der Jedi.
„Vielleicht. Ich werde das nicht beantworten.“ Sura zuckte mit den Schultern. „Ich kann bloß für mich sprechen, aber ich sehe keinen Sinn darin, es ihnen zu sagen, also… Lassen wir es!“ Wieder drehte sie sich weg.
„Sura? Können wir nicht miteinander reden, ohne dass Sie mir das Gefühl geben, mich gleich umbringen wollen?“
Sura murmelte etwas Unverständliches.
„Was?“, fragte der Jedi-Meister.
„Egal“, erwiderte Sura. Sie machte sich ran, die Teller zu waschen. Noch so eine Arbeit, die sie nicht ausstehen konnte…
Plötzlich fuhr Skywalker herum.
„Wo ist meine Tochter?“, erklang die Stimme einer Frau. Es war Szirha. Sie stand wieder aufrecht und lehnte an der Wand hinter Skywalker, der sie bis eben nicht bemerkt hatte. Sanft streichelte sie die Klinge ihres Wurfmessers. „Und wo ist Jango?“, fragte sie dann an Sura gewandt, die ziemlich überrumpelt aussah.
„Sie sind ja schon wach!“, rief sie überrascht. „Wie kann das sein?“
Szirha ‘s Blick wurde noch bedrohlicher. Sie hatte immer noch keine Antwort erhalten „Wo sind meine Kinder?“
Sura tauschte einen kurzen Blick mit Skywalker, der gerade die Augen verdrehte. „Bei Jango bin ich mir selbst nicht sicher. Zuletzt habe ich ihn mit Zay zusammen im Flur gesehen, aber von Rey weiß ich, dass sie ausgeflogen ist. Sie meinte, sie braucht einen Moment lang für sich.“
Szirha sah aus, als habe sie jemand geohrfeigt. „Mist!“, rief sie.
„Was ist los?“, fragte Sura, die sich auf diese Reaktion keinen Reim machen konnte. Szirha schnappte nach Luft. So blass, wie sie war, erinnerte sie mehr dennje an eine Leiche. Szirha zückte das Messer, drehte es locker in der Hand und trat Sura gegenüber. Ihre braunen Augen erhellten sich leicht. Sie packte Sura und hielt dieser das Messer an die Kehle. Das ganze geschah so urplötzlich, dass sich Sura kaum gegen sie wehren konnte. „Hey!“, keuchte diese. „Was soll das?“
Szirha zischte. „Ich würde dir jetzt raten, dass du endlich mit der Sprache rausrückst! WO SIND SIE?!“ Sie schlitzte Sura‘s Haut leicht an, um ihren Worten mehr Nachdruck zu verleihen.
„Szirha!“, mischte sich auch der Jedi ein. „Sura hat keinerlei Schuld daran, dass sich Rey zurückgezogen hat! Lass sie los!“
Szirha zögerte, ließ jedoch ab und stieß Sura wuchtig zu Boden. Skywalker half Sura auf. Er sah verärgert aus. „Deine Aggression richtet sich gegen die falsche Person, Szirha. Wenn, dann habe ich Schuld daran, dass Rey verschwunden ist.“ Als er das sagte, verzog Szirha nicht die Miene. „Du hast keine Ahnung“, zischte sie. „Du hast keine Ahnung, in welcher Gefahr sie da schwebt!“
So langsam ergab ihre Reaktion einen Sinn. Skywalker packte sie an den Schultern. „Sprich endlich Klartext, Szirha! Was ist dein Problem? Rey ist mein Padawan! Auch mich geht das sehr wohl etwas an!“ Er wurde noch beharrlicher. „Was verschweigst du mir?“
Szirha warf einen kurzen Blick zu Sura, die sich bedächtig die Kehle rieb. „Gute Frage“, meinte Sura, als sie sich wieder gefasst hatte. „Ich wüsste nur zu gern, warum du mich gerade umbringen wolltest. Schließlich habe ich dir den Hals gerettet, während du mir meinen aufschlitzen wolltest!“
Szirha ‘s Blick wurde noch düsterer. „Halt den Mund!“, rief sie. „Das ist eine Sache zwischen Skywalker und mir!“
„Seit du versucht hast, mich umzubringen, denke ich, ist es das nicht mehr! Erkläre dich!“
„Ich wollte dich nicht umbringen“, erwiderte Szirha gereizt. „Ich wollte, dass du mir Antworten lieferst. Aber die kannst du mir ja nicht bieten. Das heißt, du hast deinen Nutzen mir gegenüber verwirkt.“
Langsam wurde auch der Jedi wütend. „Sura hat weder dir noch deinen Kindern etwas getan, Szirha. Ich erwarte, dass du dieser Frau mit etwas mehr Respekt begegnest!“
„Das muss sie sich erst noch verdienen“, entgegnete Szirha scharf.
„Sie hat so oft ihren eigenen Hals riskiert, bloß um Rey zu retten. Reicht dir das nicht?“
Szirha gab nicht klein bei. „Vielleicht…“, sagte sie. „Das heißt, wenn sie es mir beweisen könnte…“
„Nenn‘ mir einen Grund, warum ich dir einen Beweis liefern sollte!“, meinte Sura, die sich von Szirha nicht einschüchtern ließ.
„Interessant“, sagte diese. „Du hast keine Angst vor mir, obwohl ich dich gerade in die Mangel genommen habe. Die meisten anderen hätten jetzt die Hosen voll.“
„Ich habe so viele Tode miterlebt, dass ich meinen eigenen längst nicht mehr fürchte“, erwiderte Sura. „Es gibt schlimmere Schicksale.“
Szirha taxierte Sura von oben bis nach unten. „Ein Sparring mit dir wäre bestimmt ganz interessant…“ Kurz darauf wandte sie sich wieder an ihren alten Freund. „Rey schwebt in großer Gefahr, Luke! Ich habe sie nicht ohne Grund so weit wie möglich von zu Hause weggebracht. Ich musste verhindern, dass Snoke sie schnappt!“
„Warum sollte sie jetzt in Gefahr sein, Szirha? Rey war schon oft in der Galaxis unterwegs.“ Skywalker konnte das nicht nachvollziehen.
„Er weiß jetzt, wer sie ist.“ Szirha atmete tief durch. „Er ist in der Lage, ihren Weg durch die Macht zurückzuverfolgen, jetzt, da er weiß, wie sich ihre Gegenwart anfühlt. Er wird keine Ruhe geben, bis er sie hat. Als Rey in meine Nähe kam und auch er Kurs auf Cantonica nahm, bemerkte er eine Bindung zwischen uns. Er wird jetzt wissen, wer sie ist – nämlich, dass sie meine Tochter ist! Und das ist… nicht gut.“
„Szirha, warum hast du so eine Angst vor Snoke? Er ist bloß ein weiterer Sith, der vernichtet werden wird!“ Skywalker wurde nicht schlau aus ihren Andeutungen. „Du hast Angst“, stellte er fest. „Du hast nie Angst vor etwas…“
Szirha nickte Skywalker zu. „Snoke ist nicht der, den er zu sein vorgibt. Das ist bloß seine Tarnung. In Wahrheit ist er der, der ursprünglich die Regel der Zwei schuf: Darth Bane – der erste Sith. Der Mann, der das Feuer meisterte und der über tausend Jahre lang in den Katakomben verharrte. Sein Erfahrungsschatz und sein Wissen um die dunkle Seite sind unerreicht. Er meisterte die Sith-Alchemie, die Nekromantie – sogar die Essenzübertragung. Hast du dich nie gefragt, warum deine alten Meister nie zurückgekehrt sind? Ich habe etwas gespürt, als sich Ben Solo von der hellen Seite abwandte. Es war… wie ein Hilferuf.“ Szirha sah aus, als hätte sie einen schlimmen Alptraum durchlitten. Trotzdem behielt sie die Nerven. Der Jedi spürte aber, dass sich Szirha sehr disziplinieren musste. „Es waren deine alten Meister, Luke… Er hat ihre Seelen an sich gerissen und sie seiner unterworfen. Das Wissen deiner alten Meister und ihre ganze Macht… Je mächtiger der Jedi, dessen Geist er sich einverleibt, desto mehr gewinnt er an Kraft. Das heißt, wenn du stirbst, ist es Aus! Denn bisher hat es bloß einer geschafft, seinem unstillbaren Hunger nach Seelen zu entkommen. Und es ist dein Vater, Luke… Der Mann, der selbst einst böse war. Er ist der einzige noch bestehende Geist.“
Skywalker starrte Szirha an. „Wie willst du das wissen, Szirha?“ Seine Stimme klang belegt und er schien nicht zu wissen, wie er darauf reagieren sollte.
„Snoke… er und meine Eltern kannten sich“, erklärte sie. Ihre Stimme wurde schrill. „M-meine Eltern waren keine guten Menschen. Sie verehrten die Sith und ihre Riten. Sie bewachten einst die Verliese, in denen Darth Bane eingesperrt war. Sie hatten Artefakte aus der ganzen Galaxis zusammengetragen, bereit, sie Darth Bane darzubieten, wenn seine Zeit gekommen war. Sie waren so fanatisch… so BÖSE! Wenn sie machtsensitive Wesen aufgespürt hatten, opferten sie diese ihrem Meister. Und durch diese Opfergaben wurde er sogar so stark, dass er wieder eine physische Form erlangte.“
„Mein Vater…“
„Er ist hier“, meinte Szirha. „Ich kann seine Gegenwart spüren. Aber er traut sich nicht Kontakt aufzunehmen, da er fürchtet, dass Darth Bane die Situation ausnutzt.“ Sie blickte ihren alten Freund an. „Ich denke, er ist hier, weil er Rey beschützen will. Er kennt nämlich die Wahrheit.“
„Er weiß, dass sie in Gefahr ist?“, hakte Skywalker nach.
„Nein, er weiß, dass du Rey ‘s Vater bist“, erwiderte Szirha ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Skywalker starrte sie an. „Was?“
„Ach, stimmt ja… Ich habe es vor dir geheim gehalten.“
„Sie ist mein Padawan!“, rief der Jedi-Meister empört. „Ich kann meine eigene Tochter doch nicht zum Jedi ausbilden!“
„Ich denke, ob du es kannst, interessiert hier niemanden. Du musst es tun! Wenn sie nicht lernt, sich zu wehren, wird er auch sie vernichten! Und selbst die schlimmste Folter, die der menschliche Geist je ersonnen hat, ist nicht so schrecklich wie das Schicksal, das deine alten Meister ereilt hat! Selbst ich, ein Kind, das von boshaften Menschen für bösartige Zwecke aufgezogen wurde, würde ihren Feinden nie so ein Schicksal zumuten wollen… Lass dir das mal auf der Zunge zergehen!“ Szirha wartete ab. Skywalker hatte es noch immer nicht ganz begriffen. „I-ich bin Rey‘ s Vater… Szirha, du… Warum hast du es mir nie gesagt?“
„Reiß dich zusammen!“, sagte Szirha harsch. „Wir haben keine Zeit für Sentimentalitäten! Später ist noch genug Zeit zum Knutschen und Heulen! Wir müssen sie finden! Und zwar so schnell wie möglich!“
Rey‘s Herz schlug bis zum Hals, als sie bemerkte, dass die Erste Ordnung Sternzerstörer über Coruscant in Stellung gebracht hatte. Sie war in die Falle getappt. Eine Übertragung kam durch.
„R-rey! Krrrzt… Nimm… das… krzzzt… der Ionenimpuls…“ Rey schlug auf die Konsole. „Der Kommunikator funktioniert nicht!“, rief sie. „Ich verstehe kein Wort!“
Es war die Stimme einer Frau. Aber es war nicht Sura, die sprach. „I-krrzt… bin gleich da! Versuch sie etwas zu… prrrft -schäftigen!“
Rey dachte nach. Vielleicht half es, wenn sie das Signal durch einen zusätzlichen Repeater verstärkte? Bestimmt dauerte auch das wieder viel zu lange. Und… sie hatte die erforderlichen Teile nicht an Bord. Rey ließ die Schilde hochfahren, da die ersten TIE-Jäger auf sie aufmerksam geworden waren. Sie flog einen X-Flügler des Widerstands. Wie hätte sie da nicht damit rechnen sollen, dass man sofort das Feuer auf sie eröffnete? Rey fluchte. Die ersten Jäger flogen auf sie zu und Rey entschied, sie erst mal auszumanövrieren. Sie wollte nicht schießen, wenn sie es vermeiden konnte. Wenn sie das tat, würde der Sternzerstörer bestimmt noch mehr TIE-Jäger ausspucken, bis sie hundert zu eins in der Unterzahl war. Sie konnte bloß hoffen, dass bald Hilfe kam. Rey riss den Steuerknüppel herum und beschleunigte massiv. Schließlich zischte sie unter den Jägern durch, die ihre Kanonen wieder neu ausrichten mussten. Aber sie fanden Rey, kaum, dass sie wieder in  Formation gegangen war. Es sah sehr ernst aus. Die Piloten der Ersten Ordnung wurden genau wie Rey von klein auf auf das Fliegen ausgebildet. Sie hatten viel Kampferfahrung und brachten sie deshalb sogar ins Schwitzen. Die meisten Manöver, die Rey flog, waren auch den Piloten der feindlichen Jäger nicht unbedingt neu.

„Vielleicht solltest du das mir überlassen“, meinte Sura an Rey ‘s und Jango ‘s Mutter, Szirha, gewandt.
„Ich wette darauf, dass ich viel besser fliegen kann als du“, erwiderte diese selbstbewusst. „Warum sollte ich es dir überlassen, wo ich kaum mal weiß, ob du tatsächlich fliegen kannst?“
Sura platzte langsam der Kragen. „Warum behandelst du mich so wie eine Aussätzige? Wie habe ich mir das verdient, hm?“
Szirha blieb abrupt stehen. „Wir können diesen Streit gerne fortsetzen, aber wenn du mich weiter daran hindern willst, Rey zu retten, dann räume ich dich auf eine sehr unbequeme Art und Weise zur Seite! Lass mich durch!“
Skywalker hatte die Szene beobachtet. Er trat hinter Sura, die mit dieser Situation offenbar nicht gut umgehen konnte. „Sura… Sie ist sehr angespannt! Sie wird dich anhören, wenn die Gefahr entschärft ist!“
Sura schlug seine Hand von ihrer Schulter weg. „Wie wollen Sie das wissen?“
„Ich bin Rey ‘s Vater.“
„Sehr schön“, keifte Sura. „Und wie lange wissen Sie das schon? Seit zwei Stunden, sogar erst seit anderthalb Stunden?“ Sie war rot angelaufen.
„Sura…“ Der Jedi-Meister wartete ab. „Sie hat viel durchgemacht!“
„Ich auch!“, entgegnete Sura. „Trotzdem bin ich nicht so wie sie!“
„Das ist doch auch gut so“, meinte der Jedi-Meister. „Nicht alle können so kompliziert sein wie sie! Wenn es so wäre, dann hätte ich das Jedi-Sein schon vor langer Zeit an den Nagel gehängt! Aber sie hat auch gute Seiten, Sura. Sie kann mit dieser Eigenschaft an sich aber nicht umgehen. Verstehst du das?“
„Nein.“ Sura war nicht überzeugt.
„Hm… Einen Versuch war es wert.“
„Ich brauche ‘nen Kaffee“, erklärte Sura nach einigen Augenblicken, die sie vor sich hingeschwiegen hatten. Schulterzuckend wandte sie sich ab.
„Ich auch“, erwiderte der Jedi-Meister.

Szirha Deeja-Mhin, die Frau, die urplötzlich aus den Schatten hervortrat. Rae Sloane erinnerte sich an sie. Doch als sie heute auf die Kommandobrücke trat, musste sie gestehen, dass sie das hier so nicht erwartet hätte. Da war ein Pilot des Widerstands, der sich allein mit sieben dutzend TIE-Jägern anlegte… Erst dachte sie, dass dieser Pilot ziemlich dumm sein musste, doch sie begriff, dass da etwas nicht stimmte.
„Interessant“, sagte Thrawn leise. „Meine Agenten haben mich auf diesen Piloten aufmerksam gemacht. Sie haben es geschafft, seine Kommunikation abzuschneiden, aber… Mir gefiel der Gedanke, ihre Frequenz stattdessen abzuhören, deshalb habe ich meinen Männern befohlen, den Radius zu vergrößern.“
„Konnten Sie etwas über diesen Piloten herausfinden? Dieser Pilot ist unglaublich geschickt, aber es ist nicht Poe Dameron. Dafür fliegt er nicht halsbrecherisch genug. Mir… ist das nicht ganz geheuer.“
„Sie erkennen diesen Flugstil wieder?“, stellte Thrawn fest.
„Ja“, antwortete Rae Sloane. „Aber die Frau, auf die dieser Flugstil passt, ist schon lange tot…“
„Näheren Information zufolge ist ihre Annahme nicht ganz korrekt“, erklärte Thrawn. „Szirha Deeja-Mhin lebt. Aber sie ist nicht der Pilot dieses Schiffes… Es ist ihre Tochter, die das Schiff fliegt. Da Szirha machtsensitiv ist, müssen wir auch bei ihrer Tochter von der Möglichkeit ausgehen, dass sie in der Lage ist, sie zu nutzen. Viele Jahre musste ich mich auch mit Jedi auseinandersetzen. Ich weiß, wie gefährlich sie sein können, aber ich kenne auch ihre Schwächen. Schwächen Sie erst ihre Verbündeten, dann wird sie sich widerstandslos ergeben. Widerstandslos. Informieren Sie den Obersten Anführer darüber, dass uns Szirha‘s Schützling in die Falle getappt ist und fordern Sie Verstärkung an. Wenn wir sie haben, rückt das Ziel wieder in greifbare Nähe…“
„Thrawn… Wir sind nicht allein.“ Rae Sloane erschauderte. „Szirha… Sie ist hier!“
Noch ehe sie es sich versahen, stand die ganze Kommandobrücke unter Beschuss. Rae Sloane hatte richtig gelegen. Es war Szirha, die das Schiff flog. Denn sie kämpfte mit einer Intensität, die ganz andere Dimensionen umschrieb. Sie war wild, unberechenbar.
„Ein Feuer wie das ist zügellos“, erklärte Rae Sloane.
Thrawn schien das nicht zu beeindrucken. „Szirha Deeja-Mhin ist keine Jedi. Aber unser Anführer scheint sie zu kennen.“
„Natürlich kennt er sie!“, fuhr Sloane auf. „Sie sind alte Feinde!“
Wieder lächelte Thrawn. „Halten wir sie weiter beschäftigt. Ich denke, unseren Anführer wird das sehr interessieren. Szirha Deeja-Mhin ‘s Tochter…“ Das Schicksal hatte einen merkwürdigen Sinn für Humor…
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast