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Feuer und Eis - 1. Teil: Zwielicht

GeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P16
Finn Kylo Ren Leia Organa Poe Dameron Rey Snoke
12.06.2018
11.11.2020
45
211.658
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33 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.09.2019 7.931
 
Hey, Leute! Am Wochenende habe ich wenigstens mal Zeit, weiterzuschreiben und ich habe es auch durchgezogen. Diesmal ist das Kapitel ziemlich lang geworden. Ich konnte es nicht mehr splitten, da ich es leider zu spät gemerkt habe. Ich müsste es auf einen anderen Kontext beziehen und damit hätte ich mich letztendlich übernommen. Aber egal! Vielleicht sagt es euch so ja eher zu!



„ICH HABE DA EIN GANZ MIESES GEFÜHL...“

Als Rey erwachte, fand sie sich an Bord ihres gestohlenen Schiffes wider. Sie war wohl eingeschlafen, konnte sich aber nicht mehr erinnern, wie. Die Umgebung war vertraut. Jemand hatte ihre Wäsche gewaschen und frische Anziehsachen für sie beiseite gelegt. Doch es handelte sich nicht um Jedi-Roben, sondern um trendige Kleidung, wie sie gerade bei Stage 17 auf Coruscant angesagt war. Ein Top mit Farbübergängen in schwarz-grau und weiß, ein passendes Armband, eine schwarze Leder-imitat Hose und eine silbern glänzende Kette. Die Stiefel hatten für Rey ‘s Geschmack aber zu viele Schnallen. Auch eine Mütze hatte dieser jemand bereitgelegt. Rey fragte sich, wer das Outfit zusammengestellt hatte. Sura bevorzugte einfache Kleidung. Sie interessierte sich nicht dafür, wie der neueste Trend aussah. Deshalb konnte sie das nicht gewesen sein. Rey richtete sich auf. Die Pritschen hier waren rein zweckmäßig, aber Finn hatte sie mal ausgepolstert. Wie er es geschafft hatte, dass man in der Pritsche schlief wie in einem Himmelbett, wusste Rey aber nicht. Sie aktivierte das Hologramm, das so funktionierte wie eine Fototapete, die aber seine Bilder wechseln konnte. Einst hatte sie diesen Computer angeschlossen, weil sie etwas ausprobieren wollte. Heute empfand sie diesen und den Projektor bloß als überflüssigen Luxus, den sie nicht unbedingt gebraucht hätte. Trotzdem beruhigte sie die Aussicht auf den Wald. Vögel zwitscherten und wenn sie kein Jedi wäre, dann hätte sie auf das Bild leicht hereinfallen konnte. Aber die Macht teilte Rey deutlich mit, dass das hier bloß eine Illusion war. Die Galaxis da draußen war so kalt und so unendlich grausam. Nicht selten fröstelte sie, wenn sie an die Vision zurückdachte, die sie einst hatte. Natürlich war sie noch nicht so stark auf die Macht eingestimmt wie ein ausgebildeter Jedi, aber auch sie spürte, dass sich etwas gewandelt hatte. Dunkelheit drang durch jede Ritze wie der kalte, schwarze Nebel, der sie in ihrer Zeit in den Katakomben beinahe in den Wahnsinn getrieben hätte. Rey wusste, dass Skywalker wollte, dass sie diese Warnung nicht ignorierte. Die Macht wollte sie vor etwas warnen. Aber wovor? Rey stand auf. Jemand hatte die Wunde auf ihrer Wange genäht. Rey vermutete, dass es Sura war. Sie hatte Rey schlafen lassen und sie trotzdem wieder zusammengeflickt. Sura ‘s Stille Fürsorge rührte sie. Sie hatte Rey nicht geweckt, da sie verstanden hatte, dass sie ihre Ruhe haben wollte. Und sie hatte es respektiert. Rey richtete sich auf. Sie deaktivierte den Projektor und deinstallierte den Chip. Eigentlich hatte sie den Computer installiert, um mit ihren Freunden gelegentlich eine der Simulationen zu machen. Sie hatte angefangen, ein Programm zu schreiben, mit dessen Hilfe man den Umgang mit Waffen spielend leicht erlernen konnte. Ein Sensor verfolgte die Bewegungen, die man mit der Waffe machte, die der Laser aber erst brennen musste. Es war keine echte Waffe. Man konnte niemanden verletzen, es sei denn, man benutzte sie als Wurfgeschoss. Trotzdem konnte Rey diesen Ozongeruch nicht ausstehen, der sich dann im Raum verbreitete. Sie nahm sich vor, den anderen hier diese neue Funktion vorzustellen. Aber erst mal musste sie etwas essen und trinken. Bestimmt hatte sie sechzehn Stunden geschlafen. Rey richtete sich auf. Sie nahm sich ein Buch aus dem alten, eisernen Lagerregal. Wie die meisten Bücher bestand es aus Hologrammen. Es hatte bloß sechs Seiten, aber dafür wechselten die Bildnisse, wenn man mit der Hand darüberwischte. Rey sah sich den Bericht durch, den Sura verfasst hatte. Zu jeder Mission, die sie machte, hinterließ sie einen ausführlichen Bericht. Das war einer ihrer Vorzüge. Sura war da sehr akribisch. Sie hatte das Ereignis genau protokolliert. So konnte sich Rey die Daten durchsehen. Ereignisse, an die man sich nicht erinnern konnte, konnte man sich so wieder ins Gedächtnis rufen. Rey erkannte, dass Sura sogar eine psychologische Stellungnahme abgelegt hatte. Sie beschrieb das Phänomen einer sich ausbreitenden Panik auf engen Raum mit vielen Menschen. Furcht voreinander, Angst umeinander und die Sorge, dass man den Massen selbst zum Opfer fiel. Sura beschrieb das Phänomen als eine „Massenpanik“. Rey kannte sich da aber nicht aus. Der letzte Satz bereitete Rey jedoch noch mehr Kopfschmerzen. Sura hatte eine ungefähre Schätzung zu den Todesopfern abgegeben. Angeblich lag die Zahl bei mehr als achttausend. Rey erschauderte. Sie konnte nicht umhin, sich für das Schicksal dieser Leute verantwortlich zu fühlen. Hinzu kam, dass sie Leia eine Nachricht hinterlassen hatte. Einen Zettel, den sie scheinbar mit Wasser bekleckert hatte. Er bestand aus Papier. Die wenigsten verwendeten Papier und bei vielen Spezies galt es sogar als verwerflich, dafür Bäume zu fällen. Aber Sura benutzte es oft, wenn es schnell gehen musste.

„Es tut mir Leid, wenn ich sie behelligen muss, General Organa Solo. Die Redaktion zerreißt sich schon das Maul, aber die Erste Ordnung hält sämtliche Berichte zurück. Jetzt haben sie es auf ihren Bruder abgesehen. Er hat ihnen aber deutlich gemacht, dass er an einer öffentlichen Stellungnahme keinerlei Interesse hat. Bestimmt werden sie es auch bei Rey versuchen, wenn sie wieder wach ist. Die Drohne verfolgt unser Schiff schon seit acht Stunden ununterbrochen. Ich kann mir denken, dass Rey mit der Situation vielleicht nicht zurechtkommen wird. Sie wird sich sehr bald genötigt fühlen, ein Statement abzugeben. Und wer bin ich, es Rey zu verübeln? Die Presse macht großen Druck. Wenn sie Rey zu nahe treten, werde ich nicht scheuen, ihnen eine Ohrfeige zu verpassen, die sich gewaschen hat. Und ich glaube, das wäre auch ganz in Szirha ‘s Interesse. Ich habe sie ins Koma versetzt, da es ziemlich eng wurde. Ich hoffe, sie erholt sich wieder. Aber ich weiß, dass sie gewollt hätte, dass ich ihre Kinder beschütze. Und das werde ich auch tun. Wegen meiner auch Rey ‘s Bruder.  Trotzdem muss ich mir etwas überlegen, deshalb frage ich Sie um Rat. Hinzu kommt auch noch, dass ihr Bruder bei einem der Kinder nicht herausfinden konnte, wo wir die Eltern finden. Der Junge redet auch mit niemandem. Selbst seine Besänftigung durch die Macht hat nicht geholfen und ich dachte, ihr Bruder sei ein Meister der Illusionen. Er sagt, der Junge hat um sich herum eine Mauer errichtet. Ich weiß, es hört sich albern an, aber vielleicht redet er ja mit Rey oder ihrem Bruder. Sie haben eine ganz ähnliche Situation durchgemacht. Was den Dresselianer angeht, bin ich mir noch nicht ganz sicher. Anscheinend lebten seine Eltern auf Chandrila, aber ich kann ja schlecht einen ganzen Planeten absuchen. Der Vater ist wohl Zimmermann. Ich habe herausgefunden, wo er arbeitet, mehr aber nicht. Ich werde Kontakt mit der Firma CultrEcho aufnehmen. Seine letzte Spur führt dort hin. Ich wäre froh, wenn wir zumindest eins der Kinder retten können. Ich kann mir vorstellen, dass der Vater gerade die ziemliche Hölle durchmacht. Er weiß vielleicht nicht, dass seine Frau tot ist, aber auch nicht, dass sein Kind noch lebt. Ich weiß, als Arzt hätte ich lernen müssen, etwas auf Distanz zu gehen, aber mich nimmt das Schicksal der beiden sehr mit. Wenn ich doch wüsste, wie ich ihnen helfen kann. Sie mögen keine physischen Verletzungen mitgetragen haben, aber das Trauma bleibt. Und was die näheren Angelegenheiten angeht – ich habe eine flüchtige Twi‘lek kennen gelernt. Die Erste Ordnung macht Jagd auf sie, weil sie sich für die Jedi ausgesprochen hat. Und ich finde es nur fair, wenn sie beim Widerstand Zuflucht bekommt. Sie mag kein Soldat sein, aber sie ist eine sehr liebe, nette Person. Sie sollten aber nicht erwarten, dass sie sich rekrutieren lässt. Sie hat eine sehr pazifistische Einstellung.
Ich verbleibe, Sura
Vizesprecherin des Ärztestabs.“

Rey wischte über die Folie des Holo-Buches. Eine Antwort erschien. Etwas, das für den General sehr ungewöhnlich war, fiel Rey jedoch gleich ins Auge. Sie hatte den formellen Gruß ausgelassen. Und für sie bedeutete das, dass die Situation sehr, sehr ernst sein musste. Sie kritisierte Sura nicht, im Gegenteil. Sie lobte ihren Einsatz und ihre Fürsorge, aber auch ihre Vorsicht. Für eine Hoheit hielt sie sich sehr zurück. Sie hatte kurz und knapp die wichtigsten Informationen herausgegeben.

„Das habe ich mir gedacht“, hatte sie über die Presse geschrieben. „Aber der Druck stammt nicht von den Herausgebern der Nachrichten. Die Erste Ordnung hält sich mit ihren Berichten sehr zurück. In der kurzen Zeit haben sie den mehr als vierzig Systemen ihre Pressefreiheit entzogen. Die Leute bekommen jetzt gepredigt, dass allein die Ziele der Ersten Ordnung propagiert werden dürfen und dass jeder, der sich gegen sie ausspricht ohne Ausnahme ins Gefängnis wandert. Sie haben die Order 66 offiziell wieder in Kraft gesetzt und (…). Mein Bruder ist sehr sauer. Er hat mir versichert, dass er bald vor die Presse treten wird, aber er meinte, er muss das erst noch beobachten. Ich bin da anderer Meinung. Ich sage, wir müssen jetzt reagieren. Wenn die Galaxis glaubt, dass man sie in den ganzen Jahren der Not in Stich gelassen hat, dann wird sich der Hass auf die Jedi lenken. Und wenn du Rey und ihren Bruder tatsächlich beschützen willst, dann solltest du jetzt handeln. Ich kann hier nicht weg. Die Leute betrachten mich als Fadenzieher. Sie trauen meinen Worten nicht, weil ich selbst in diesen Krieg verwickelt bin. Deshalb solltest du diejenige sein, die vor die Presse tritt. Du weißt, wie die Erste Ordnung ist. Du kennst ihre Methoden, da du einst zu ihnen gehört hast. Verschaffe dir bei den Leuten Gehör. Ich verlange nicht von dir, dass du für den Widerstand Partei ergreifst, aber hilf meinem Bruder und Rey, die er so sehr zu schätzen gelernt hat! Bei Rey muss ich dich wohl nicht fragen, aber bei Luke (…) Eines Tages wird er es dir danken, Sura. Auch wenn er es dir heute übel nimmt, solltest du es tun. Hör nicht auf seine Worte, sein Verstand ist benebelt! Er hat zu große Angst, wieder einen Padawan zu verlieren, deshalb wird er sie vielleicht mitnehmen ins Exil. Aber das ist nicht die Lösung, es ist sogar ein großer Fehler. Die Leute werden denken, die Jedi lassen sie im Stich. Sie werden anfangen, die Jedi zu verabscheuen. Sorge dafür, dass das nicht passiert! Ich will nicht, dass du gegenüber den Medien absolute Transparenz walten lässt, aber ich wünsche mir, dass du sie zumindest über die Jedi und ihre wahre Natur in Kenntnis setzt.
Was Szirha angeht, so muss ich dich warnen. Rey und ihrem Bruder gegenüber wird sie loyal sein, vielleicht auch mir und meinem Bruder, aber für die anderen kann ich nicht garantieren. Sie ist sehr jähzornig und kann dir von einer Sekunde auf die andere gefährlich werden, wenn du hitzköpfig wirst, Sura. Durch ihre schwierige Vergangenheit hat sie sich in eine gefährliche Richtung entwickelt. Entweder wird sie dir vor Dankbarkeit um den Hals fallen, weil du sie gerettet hast oder sie wird dich töten wollen, weil Rey durch dich zur Ersten Ordnung gelangt ist. Sieh dich vor! Szirha ‘s Methoden sind gelegentlich auch etwas… verwirrend. Wenn du Glück hast, sieht sie dich aber als Verbündete und wird dich genau so beschützen, wie sie mich einst verteidigt hat. Du solltest wissen, dass Szirhra von ihren Eltern nie auch bloß ein bisschen Liebe erfahren hat. All das kam erst, nachdem sie sich Boba Fett angeschlossen hatte. Sie hat diesen Mann geliebt und er hat sie geliebt… Wenn Szirha auf dich aber völlig neutral reagiert, was ich auch nicht für ausgeschlossen halte, dann überlass Rey das Wort. Sie und Jango sind die einzigen, die sich mit Szirha anlegen können, ohne fürchten zu müssen, um einen Kopf gekürzt zu werden. Aber du solltest dir auch nicht zu viele Gedanken machen. Szirha ist machtempfänglich genau wie ihre Kinder. Sie wird Rey ‘s Vertrauen zu dir mit Sicherheit spüren. Und wenn das passiert, dann wird sie dich vielleicht sogar mögen.
Was jedoch die Kinder angeht, die ihr gerettet habt: Was den einen, menschlichen Jungen betrifft, bin ich selbst überfragt, aber beim anderen kann ich dir bloß raten, Rey mitzunehmen, wenn du den Dresselianer nach Hause bringst. Später werde ich dir noch sagen, warum. Wir müssen auch mit politischen Zügen planen, auch wenn mir das nicht gefällt. Den anderen Jungen kannst du zusammen mit der Twi‘lek bei mir unterbringen, wenn du es nicht schaffst, sein Vertrauen zu gewinnen. Vielleicht braucht er psychologische Hilfe.“

Der Rest des Briefes sollte Sura helfen, das Ganze bürokratisch einigermaßen zu managen. Vielleicht hatte es Sura verstanden, aber Rey schwirrte noch immer der Kopf. Stimmte es, dass Szirha im Koma lag? Hatte sie Sura ins künstliche Koma versetzt? Wenn ja, warum? Rey zögerte. Sie musste mehr darüber in Erfahrung bringen. Sie stellte das Buch zurück ins Archiv und trat nach draußen in den Flur. In der hintersten Ecke sah sie einen alten Kasten, dessen Lackierung langsam abblätterte, der ungefähr ihre Größe hatte und wo von innen ständig jemand entgegenschlug. Rey hatte so eine Ahnung, wer das sein könnte. Aber sie ignorierte das. Sie ging zur Küche, wo sie Sura fand, die gerade versuchte, etwas zu kochen. Anscheinend stellte sie sich aber nicht sehr geschickt an, denn das Lhim-Ei hatte sich an der Beschichtung festgeklebt. Sura kratze mit einem Messer auf der Pfanne herum, bekam es aber nicht hinunter. Sie fluchte laut.
„Vielleicht solltest du es mal mit Alkohol probieren“, schlug Rey vor. „So zerkratzt du die Beschichtung.“
Sura fuhr herum, ziemlich erschrocken. „Oh, du bist es. Gut geschlafen, ja?“ Gänzlich unauffällig befolgte sie Rey ‘s Rat. Sie schaffte es, das Ei von der Beschichtung zu lösen, aber es war nicht mehr genießbar. „Mist!“, rief sie und ließ die Pfanne in der Spüle fallen. Das Wasser ging von selbst an, da sie die Pfanne auf den Sensor hatte fallen lassen, der für die Betätigung des Hahns gedacht war.
Rey kicherte. „Als Koch warst du nie sehr geschickt.“
„Ich danke dir, Rey, für deine Blumen. Seit einer Stunde rackere ich mich hier ab und versuche etwas Essbares zu zaubern und dann kommst du und sagst mir, ich tauge nicht als Koch.“ Sura sah pikiert drein. „Versuch‘ du es doch! Ich halte dich nicht ab.“
Rey trat vor den Herd. „Das Rezept, das ich von meinem Meister gelernt habe, ist vielleicht nicht das Leckerste, aber es verleiht dir die Energie eines Vulptex‘.“
Sura seufzte. Sie ließ sich auf den Stuhl in der Nähe des Esstisches fallen. „Ich dachte, du kannst auch nicht gut kochen?“
„Das stimmt auch“, bestätigte Rey. „Aber zumindest kenne ich ein Rezept, das ich auch zubereiten kann. Es ist aber auch das einzige. Mal sehen…“ Sie suchte einige Kräuter zusammen und warf sie zusammen in den Topf.
„Was kochst du denn?“, fragte Sura, die langsam neugierig wurde. „Die Energie eines Vulptex‘, hm?“
„Ich habe keine Ahnung“, antwortete Rey. „Aber zumindest ist es nicht giftig.“
„Na, das ist ja beruhigend.“ Sura legte den Kopf auf den Tisch. „Komm mir jetzt nicht mit schlechten Manieren“, murmelte sie.
„Das hatte ich nicht vor.“ Rey klatschte etwas Mehl in die Soße.
„Warum machst du Mehl rein?“ Sura sah verwirrt aus. „Das passt doch überhaupt nicht.“
„Doch, du wirst schon sehen.“ Rey ließ sich nicht beirren. Sie rührte die Soße um.
„Das riecht wie nasser Hund.“
„Danke dir!“, antwortete Rey frech.
„Gern geschehen.“
Nach fünfzehn Minuten war das Gericht zubereitet. Rey schickte Sura zu den anderen, die sie aber misstrauisch beäugte. „Bist du sicher, dass man das essen kann?“
Rey zuckte demonstrativ mit den Schultern.
„Wunderbar“, kommentierte das Sura. Sie rief die anderen zur Küche.
Nach und nach drängten sich alle durch den Flur. Jango klatschte sich eine Portion auf den Teller, die selbst ein Bantha nicht hätte verdrücken können. „Ich bin nicht maßlos“, antwortete er auf Sura ‘s Gedanken, die mit den Fingern schnippte und aus der Küche stürmte, da sie etwas vergessen hatte. Rey schüttelte an ihren Bruder gewandt den Kopf. „Dann lass es dir schmecken“, sagte sie grinsend.
Jango beäugte sie misstrauisch. Er stellte den Teller wieder ab. „Was hast du da reingemacht?“
Rey ‘s Grinsen wurde noch frecher. „Lass es dir schmecken!“ Sie ließ ihren Bruder stehen, der völlig verdutzt war.
Luke Skywalker kam in die Küche. Er sah zu Jango, der noch immer nicht wusste, ob er den Teller nehmen wollte oder nicht. „Was ist los?“, fragte er.
„Das hat Rey gekocht.“
Skywalker nahm sich einen Teller. „Und?“
„Keine Ahnung“, erwiderte der Kopfgeldjäger. „Ich glaube, ich erlege mir mein Essen selbst.“
Der Jedi starrte Jango an. Sein Bart hing schon voller Soße. „Warum? So schlimm ist es doch nicht. Ich glaube, Rey wollte dich bloß ärgern. Sie sah ziemlich amüsiert aus, als sie aus der Küche raus war.“ Auch er grinste. „Wenn du machtsensitiv bist, warum setzt du nicht deine Instinkte ein, hm? Rey würde dir nie ein Haar krümmen, aber necken wollte sie dich.“
„Ach, und als Jedi geht das in Ordnung?“, fragte Jango den Jedi-Meister gereizt.
„Ich werde mich mit Rey unterhalten“, seufzte Skywalker. „Eigentlich sind diese Neckereien ja nicht ungewöhnlich unter Geschwistern.“
Er zog sich aus der Küche zurück. Rey saß mit Sura zusammen. Sie unterhielten sich. „… dann sollten wir vielleicht strategisch vorgehen.“ Sura hatte Rey etwas gesagt, das der Jedi aber nicht verstanden hatte. Trotzdem schaltete er gleich, da ihm seine Instinkte verrieten, warum die beiden ihre Köpfe auf diese Weise zusammengesteckt hatten. Er räusperte sich. Als Rey ihren Meister sah, hellte sich ihre Miene auf. Sie rückte zur Seite und machte Platz. Die Couch war sehr bequem. Der Jedi kam kaum mehr hoch. Er war eben auch nicht mehr der Jüngste, rief er sich in Erinnerung. „Es geht um den Jungen, hm?“, fragte er.
Rey nickte. „Sura hat mich gebeten, mich um Temiri zu kümmern. So heißt er doch, oder?“
Sura bestätigte das. „Er hat sich in den Lagerraum zurückgezogen. Ich habe nicht gesehen, was er da macht, aber er hat mit einem kleinen Würfel gespielt. Für mich sah es aus wie ein kleiner, unbenutzter Datenträger.“
„Ein Datenträger?“, hakte der Jedi-Meister nach. „Das verstehe ich nicht.“
„Anscheinend hat er den im Lagerraum gefunden“, sagte Sura ungeduldig. Sie mochte es nicht, wenn sie bei ihren Erklärungen weit ausholen musste. Bei Rey hatte sie das Problem nicht.
„Hm… Das ist seltsam.“
„Das dachte ich auch“, räumte Sura einige Sekunden später ein. Sie schwiegen. „Ich habe Rey gebeten, sich mal mit Temiri zu unterhalten.“
„Er ist ein Stalljunge“, wandte der Jedi-Meister ein. „Er hat von Anfang an eingetrichtert bekommen, er sollte den Mund halten. Er schweigt nicht, weil er über seine Probleme nicht reden will, sondern weil er es als aufdringlich empfindet.“
Sura starrte Skywalker an. „Wie wollen Sie das wissen?“
„Ich beobachte“, sagte der Jedi. Sein Blick war so intensiv, dass sich Sura abwandte, da sie das als unangenehm empfand. Rey klopfte Sura auf den Arm.
„Es ist schon interessant, was diese beiden Worte bei dir auslösen, Sura“, schloss der Jedi-Meister. „Hast du Angst, bespitzelt zu werden?“
Rey sah ihren Meister an. „Können Sie das nicht unterlassen?“
„Rey, mit dir rede ich gerade nicht.“ Der Jedi-Meister war streng.
Sura erwiderte seinen Blick. „Wollen Sie, dass es darauf hinausläuft?“ Man konnte unverhohlene Wut herauslesen, dann Verwirrung.
„Interessant“, sagte der Jedi-Meister leise. „Du hast auf meine Gedanken geantwortet, nicht auf meine Worte.“
Rey schien irritiert. „Was soll das hier?“
Skywalker wandte sich wieder Rey zu. „Ich lasse euch beide allein.“ Dann ging er wieder und zog sich ins Cockpit zurück. „Deine Freundin hier ist sauer auf mich.“
Sura seufzte. Sie war bleich geworden. „Das war gerade ziemlich unheimlich.“
„Das finde ich auch“, gab Rey zu. „Was hat das zu bedeuten? Sura?!“ Sie hatte überhaupt nicht verstanden, was da gerade passiert war.
Sura drehte sich weg. „Das war merkwürdig, sehr merkwürdig. Ich hatte so ein Gefühl, als könnte ich…“ Sie brachte den Satz nicht zu Ende. „Rey, w-wir sollten uns wieder unserer Mission zuwenden… Ich brauche noch eine Minute… Bitte!“
Rey respektierte das. „Du weißt aber, dass ich für dich da bin, Sura!“ Sie wartete in der Ecke, dann robbte sie den Sitz entlang auf die Schiebetür zu. Sie war noch keinen Deut schlauer. Fragend sah sie Sura an. Sura nickte kurz darauf, schickte sie aber fort.
Rey ging zum Lagerraum, wo sie Temiri sah. Einen Augenblick lang glaubte sie, nicht richtig gesehen zu haben. Hatte dieser Würfel gerade in seiner Hand geschwebt? Rey kam auf den Jungen zu. „Hi“, grüßte sie. „Ich wollte mit dir reden.“
Der Junge zuckte kurz zusammen und versteckte den Würfel hinter einer der Kisten.
„Keine Angst“, meinte Rey. „Ich nehme ihn dir nicht weg. Wenn du den Würfel magst, auch wenn es nicht deiner ist, dann kannst du ihn behalten.“ Sie ahnte, dass Temiri den Würfel mitgehen lassen wollte.
Rey lächelte sanft. „Ich habe das Schiff auch gestohlen, weißt du? Man kann nicht immer alle Regeln befolgen, wenn man da draußen überleben will. Aber sage meinem Meister nicht, dass ich das gerade gesagt habe, ja?“
„Okay“, sagte der Junge leise. „Hast du auch einen Meister? Bist du auch ein Sklave?“
Rey wusste nicht, warum, aber diese Frage traf sie sehr unerwartet. „Du bist ein Sklave? Ich bin kein Sklave, Temiri. Aber ich weiß jemanden, der die gleiche Situation durchgemacht hat wie du.“
„Wer bist du?“, fragte der Junge verunsichert. Sein Blick huschte auf Rey ‘s Gürtel, wo das Lichtschwert hing. „Und was ist das?“
Rey zögerte. Sie wollte den Jungen nicht erschrecken. „Gut, dann zeige ich es dir.“ Sie nahm den Griff des Schwerts und drehte diesen so von Temiri weg, dass er sich an der Klinge unmöglich verletzen konnte. Die blaue Klinge fuhr auf. Der Junge wich erschrocken zurück. „I-ist das ein Lichtschwert?“
Rey schwang das Schwert ein Mal, dann ließ sie die Klinge wieder einfahren. „Ja“, sagte sie ruhig. „Und es ist sehr alt.“
„Aber mein Meister hat gesagt, die Jedi gibt es nicht mehr.“ Temiri rückte etwas näher an die Wand.
Rey schüttelte den Kopf. „Es gibt sie, aber eigentlich ist es bloß einer.“
„Du?“, fragte Temiri ungläubig.
„Nein“, erwiderte Rey lächelnd. „Ich lerne noch.“
„Warum zeigst du mir das?“, fragte Temiri scharfsinnig.
„Ich möchte, dass du weißt, dass ich es nicht böse mit dir meine. Wenn es hart auf hart kommt – das solltest du wissen – werden mein Meister und ich für deine Sicherheit sorgen, verstanden? Das gleiche gilt aber auch für alle anderen.“ Rey fühlte sich unsicher, da diese Art der Verantwortung eigentlich zu viel für sie war. Aber sie hatte Sura versprochen, dass sie zumindest versuchen würde, mehr über Temiri herauszufinden. Und dafür musste sie erst sein Vertrauen gewinnen.
„Du hast Angst“, sagte der Junge. „Ich weiß es. Du hast Angst, dass deine Freunde draufgehen. Du hast deine Freunde sehr gern.“
Rey schien überrascht. „Woher weißt du das so genau?“
Der Junge machte sich klein. „D-du… Du verhältst dich so.“
„Das hast du ziemlich gut beobachtet“, tastete sich Rey behutsam weiter heran. „Und wie genau kommst du darauf? Für mich ist das wichtig. Es gibt Leute, die nutzen so etwas gerne aus, um jemanden zu erpressen.“
„Ich weiß nicht“, sagte der Junge verunsichert.
Rey hatte einen sehr merkwürdigen Verdacht. Sie nahm sich aber vor, mit Sura darüber zu sprechen, bevor sie ihren Meister fragte. Sie sah den Jungen an. „Gut“, erklärte sie. „Ich respektiere das. Aber du solltest wissen, dass ich für dich da bin, wenn du mit mir reden willst?“
„Du bist ein Jedi“, sagte der Junge leise. „Und du hast ein Lichtschwert. Kannst du es auch… benutzen? D-darf ich es mal anfassen?“
Rey hatte Sorge, dass sich der Junge selbst verletzte. Aber sie nickte. Sie setzte sich neben den Jungen und legte das Schwert in seine Hand. „Sei vorsichtig!“, ermahnte Rey den Jungen und klang bei dieser Warnung wie Skywalker. „Du könntest dich leicht selbst verletzen.“ Sie half Temiri, den Griff gerade in der Hand zu halten. „Komm, steh auf!“ Rey erinnerte sich, dass Skywalker ihr das Schwert überlassen hätte, auch wenn er noch nicht wusste, dass sie machtsensitiv war.
„Es fühlt sich warm an, so lebendig…“, sagte der Junge bewundernd. „Aber es ist nicht wie ich. Es ist mir viel zu fremd.“ Er legte das Schwert wieder in Rey ‘s Hand, die gerade die Stirn runzelte.
Plötzlich spürte Rey etwas. Sie wusste nicht, warum, aber sie hatte da so ein Gefühl. „Dein Nacken… Ich würde gern etwas überprüfen. Darf ich?“
Der Junge nickte kurz.
Rey tastete seinen Nacken ab, wo sie eine Verhärtung bemerkte. „Ein Transmitter“, flüsterte sie. „Das kann nicht sein.“
„Mist!“ Plötzlich stürmte sie aus dem Lagerraum. Sie wusste, was das bedeutete. Wenn der Transmitter nicht bald entfernt würde, dann würde er bald explodieren und der Junge würde einen grausamen Tod sterben. Was sollte sie tun?
„Meister…“, rief sie und platzte ins Cockpit. Sie hatte ihren Meister noch nie überrascht gesehen, aber auf einmal war er es.
„Hier landen“, sagte der Jedi zu Jacen Syndulla. Schließlich blickte er zu Rey auf. Er drehte seinen Stuhl. „Rey! Was ist geschehen?“
„Der Junge“, begann Rey. „Er war ein Sklave. Die haben einen Transmitter in seinen Nacken verbaut. Wir müssen diesen Flug stoppen, sonst wird der Fernsender aktiviert und der Chip explodiert! Der Junge wird sterben, wenn wir diesen Chip nicht rausholen.“
„Sagtest du nicht, Sura ist Arzt? Kann sie das nicht tun?“, fragte der Jedi-Meister. Auch er wurde unruhig. „Was sagt dir dein Gefühl, Rey? Können wir landen?“
„Ich weiß, Sie halten das vielleicht für albern, aber… Tun Sie das nicht!“ Rey verspürte eine innere Unruhe, die sie nicht erklären konnte.
„Rey, das ist nicht albern“, entgegnete der Jedi. „Du hast eine Erschütterung der Macht gespürt. Wir müssen dieser Warnung nachgehen.“
„Meister Jedi?“, fragte eine Frau. Rey fuhr herum. Plötzlich erkannte sie die Frau. „Sura ist über die Laderampe nach draußen gehüpft. Sie hat gesagt, sie habe mit diesen Leuten von der Presse noch ein Hühnchen zu rupfen.“ Es war die Twi‘lek, die ihnen bei Stage 17 auf Coruscant Kleidung verkauft hatte. Der Jedi-Meister sah zu Rey, dann zu der Twi‘lek, die ziemlich hibbelig war. „Oh, nein! Sie will sich doch nicht mit diesen Reportern treffen auf ein Interview?“
Rey wusste, dass Sura genau das vorhatte. „Ihre Schwester hat das so in die Wege geleitet“, erklärte sie. „Ich habe Sura ‘s Bericht gelesen. Anscheinend hat sie ihre Schwester um Rat gefragt und die hat dann geschrieben, dass wir den Medien gegenüber transparenter sein sollten. Die Erste Ordnung versucht, den Ruf des Widerstands und des Jedi-Ordens zu zerstören.“
„Sie werden dich jagen!“, entgegnete Skywalker. Seine Stirn war von Sorgenfalten durchzogen. Er konnte nicht verhindern, dass er laut wurde. Seine Angst, dass Rey etwas zustoßen könnte, war viel zu groß. Er konnte sich nicht beherrschen. Wenn er auch Rey verlor, würde er sogar daran zerbrechen. Er konnte die Bindung, die er zu Rey spürte, nicht ganz erklären. Aber er wusste, dass sie mitunter auch einer der Gründe war, warum er ihren Verlust so sehr fürchtete. „Bitte!“
„Meister“, sagte Rey, die ziemlich erbleicht war. „Ich kann auf mich aufpassen! Wie hätte ich denn so lange überlebt, wenn es nicht so wäre?“ Dass sie Skywalker so direkt angeschrien hatte, hatte sie ziemlich unvorbereitet getroffen.
Skywalker sah aus, als ärgere er sich über sich selbst. „Es tut mir Leid, Rey. Das war sehr unbeherrscht von mir.“
Rey nickte. „Sie haben Angst um mich?“ Ihre Instinkte verrieten Rey, dass er sich fürchtete, sie zu verlieren. „Warum?“
Der Jedi-Meister richtete sich auf. „Landen Sie das Schiff auf keinen Fall“, sagte er an Hera ‘s Sohn gewandt. „Dieser Junge, Temiri Blagg, schwebt in großer Gefahr. Sura muss den Chip entfernen, bevor der Fernsender aktiviert wird…“
„Wie soll sie denn ins Schiff kommen, wenn die Laderampe zu weit oben hängt? Ich habe versucht, den Mechanismus auszutricksen, aber es hat nicht funktioniert.“ Syndulla ‘s Blick war ernst wie der von Skywalker.
Skywalker legte seine Hand auf Rey‘s Rücken und drängte sie sanft aus der Kabine. „Wir werden eine Lösung finden“, sagte er. Schließlich hielt er Rey im Flur an. „Warum hat sie das getan? Wenn du etwas weißt, dann sag es mir!“
Rey schluckte. „Sie will den Leuten die Angst vor den Jedi nehmen. Meister… Sie können das nicht mehr objektiv beurteilen. Die Erste Ordnung verbreitet Propaganda in allen Ecken der Galaxis. Sie versuchen, den Leuten einzureden, dass die Jedi gefährlich sind… dass sie töten. Sie machen den Leuten Angst und ich muss zugeben, dass das ein ziemlich kluger Schachzug ist. Sura und ihre Schwester haben sich darüber ausgetauscht. Sie haben die Situation durchschaut und wissen, dass wir mehr Transparenz walten lassen müssen. Wenn die Leute da draußen wissen, dass wir auf ihrer Seite sind, dann werden sie auch nicht mehr angreifen. Sura versucht sie aufzuklären über die Methodik der Ersten Ordnung. Sie will ihnen deutlich machen, dass die Erste Ordnung dieses Feindbild geschaffen hat und dass sie das bloß machen, weil sie sich die Leute so gehörig machen wollen. Wenn sie den Leuten auch noch erzählen, dass sie sie mit ihrer Armee vor den Jedi beschützen können, dann werden sich viele von ihnen auf ihre Seite schlagen. Sura will das verhindern und Leia hat sie gebeten, dass sie das Interview gibt. Sie wird die Leute gezielter angehen können, allein weil sie genau weiß, wie die Erste Ordnung tickt. Sie wird die Leute warnen.“ Rey atmete tief durch. „Deshalb ist sie gegangen.“
„Die Leute misstrauen den Jedi!“, entgegnete Skywalker. „Sie haben Angst vor Dingen, die sie nicht verstehen. Sie werden sich fragen, wo die Jedi denn in all diesen Jahren der Not geblieben sein sollen und unsere Absichten hinterfragen. Sie werden wissen wollen, warum ihnen niemand geholfen hat und weshalb der Imperator so frei über sie walten konnte. Glaubst du, Sura wird ihnen eine befriedigende Antwort geben können? Denkst du, dass sie ihnen die Erinnerung an das Vergangene nehmen kann? Nicht einmal ich kann das, Rey. Du siehst die Gefahr nicht! Wenn sich die Nachricht unseres Tuns weiter so verbreitet, wenn die Leute von unserer Existenz wissen, dann schweben wir beide in großer Gefahr! Attentäter werden sich unserer annehmen, Rey! Das sind professionelle Auftragskiller!“
„A-aber wir sind Jedi!“, gab Rey zurück. „Wir spüren doch, wenn es eng wird…“
„Rey, du hast noch viel zu lernen“, erklärte der Jedi-Meister. „Die Macht warnt dich, aber deine Instinkte sind noch nicht geschärft genug. Deine Verbindung zur Macht ist viel mehr ein Flackern, deine Wahrnehmung entsprechend beschränkt. Wie willst du auf eine Warnung reagieren, von der du kaum etwas mitbekommen hast? Die Warnung kommt vielleicht rechtzeitig, aber das muss nicht bedeuten, dass du auch sie auch verstehst. Du würdest es verschlafen und den Preis dafür zahlen. Für viele Jedi war das der letzte Fehler.“ Er musterte Rey traurig. „Ich kann dich nicht ewig beschützen, Rey. Eines Tages wird deine Ausbildung abgeschlossen sein. Du wirst deinen eigenen Schüler haben, den du unterweisen musst. Wenn du dann so einen Fehler begehst, dann bezahlst nicht allein du den Preis dafür.“
Rey wusste nicht, wie sie antworten sollte. Die Situation überforderte sie. Sie konnte die Angst ihres Meisters spüren. Sehr deutlich. „Sura hat die richtige Entscheidung getroffen“, sagte sie schließlich. „Als Jedi ist es unsere Pflicht, die Leute vor der Ersten Ordnung zu beschützen. Und dieser Pflicht können wir nicht gerecht werden, wenn wir in den Schatten verbleiben.“ Rey versuchte, es aus ihrer Sicht zu erklären. „Das Licht muss grell sein, blendend. Die Jedi sind nicht dafür geschaffen, sich in den Schatten zu verkriechen.“
Skywalker schüttelte den Kopf. „Rey, du verstehst meine Hintergründe nicht!“
„Dafür verstehen Sie meine nicht“, erwiderte Rey, die langsam wieder mutiger wurde. „Ich habe es ihnen gesagt. Risiken muss man eingehen, wenn man erfolgreich sein will.“
„Rey, nicht!“ Skywalker hielt die Hand hoch. „Spürst du das?“ Er hatte die Augen geschlossen.
Rey fuhr herum. „Eine Erschütterung der Macht“, schloss sie. „Was ist passiert?“
„Deinen Freunden geht es gut, Rey“, beruhigte sie Skywalker. „Ich habe so ein Gefühl, als ob…“ Er schaltete den Projektor ein. „Ein Aufbegehren“, sagte er.

„Ich schalte weiter zu unseren Berichterstattern vor Ort. Wir haben ein Schiff verfolgt, gekapert von der Ersten Ordnung. Ein aufgerüsteter Frachter, dessen Crew bei den Ereignissen auf Canto Bight anwesend war.“ Er schaltete seinen Kollegen zu.
„Hallo, Mr. Brent hier. Ich begrüße Sie heute, Sura. Wie ich hörte, waren sie bei den Ereignissen gestern auf Cantonica anwesend“, begann der besagte Kollege ohne große Umschweife das Gespräch. Sura saß auf einer weißen Couch, die Hände über den Schoß gelegt. Sie hatte kaum Zeit, sich auf dieses Interview vorzubereiten, da sie befürchtet hatte, Skywalker würde ihre Pläne womöglich durchkreuzen. „Können Sie eine Einschätzung darüber abgeben, wie es zu dieser Panik kam?“, fragte der Berichterstatter Sura, die sich erst ein paar Antworten zurechtlegen musste. „Viel kann ich ihnen darüber auch nicht sagen“, begann Sura. „Aber so, wie ich das beobachtet habe, schien das Erscheinen dieses Zerstörers entscheidend zu sein. Es war die Supremacy, ein Schiff, dessen Ausmaße so gewaltig sind, wie die keines anderen Zerstörers, der je erbaut wurde. Als die Sonne verdeckt wurde, da wurde es überall dunkel. Die Zuschauer haben sich umgesehen. Vielleicht in der Erwartung einer Sonnenfinsternis? Ich weiß es nicht, aber sie haben zumindest nicht das zu sehen bekommen, was sie vermutlich erwartet hätten. Als sich herausstellte, dass es ein Sternzerstörer war, holte sie die Gewissheit ein, dass dieser nicht ohne Grund dort aufgetaucht war. Er war mit zerstörerischen Waffen und mächtigen Schilden ausgestattet, gerüstet für den Kampf. Dann diese Geräusche – rotierende Waffen, die erste Ziele anvisierten. Viele der Leute bekamen Angst, als sie das sahen. Todesangst. Das hat sie in Panik versetzt. Viele von ihnen haben sich gegenseitig angerempelt, totgetrampelt oder noch schlimmer…“ Sura zögerte. Sie erinnerte sich an die Furcht, die sie verspürt hatte. Sie hatte Angst um ihre Freunde, die sich durch die Menge schlagen mussten und versuchten, zumindest ein paar Zuschauer zu retten. Sie erinnerte sich an das Gesicht eines Mannes, das völlig zermatscht war. Sura brauchte nicht einmal raten, wie er umgekommen war. Es lag auf der Hand.
„Ah, verstehe… Dann waren Sie selbst Zuschauer?“, hakte der Reporter weiter nach, aber Sura schüttelte den Kopf. „Sie sagten, der Zerstörer sei dort aufgetaucht, aber warum?“ Er goss Sura und sich selbst etwas Limonade in ein Glas ab. Jemand blendete hinter ihnen einige Bilder ein. „Warum sollte dieser Zerstörer ausgerechnet das Stadion auf Cantonica anvisieren? Die ansässigen Bürger standen mit der Ersten Ordnung nicht im Konflikt. Sie standen für eine neutrale Welt, die nie direkt ins Geschehen des Krieges eingegriffen hatte. Wie kam es, dass ausgerechnet diese Welt zur Zielscheibe geworden war?“
Sura bedankte sich. Sie nahm einen kleinen Schluck von der Limonade, stellte das Glas aber gleich wieder ab. Für Sura ‘s Geschmack war sie viel zu süß. „Haben Sie keine Bilder? Ich denke, Sie wissen, wie es passiert ist. Und ich glaube, die Antwort dürfte ihnen genau so wenig gefallen wie mir.“
Der Mann nickte. „Sie haben Recht, aber… Es wird gemunkelt, dass… Jedi-Ritter gesichtet wurden, aber das ist einfach nicht möglich!“
Sura verstand das. „Das kann ich gut verstehen. Sie haben Angst, habe ich Recht? Man hat ihnen erzählt, die Jedi hätten einst die Republik verraten und sie unterwandert.“ Sie dachte nach. Viele Gedanken schossen Sura durch den Kopf. „Nein“, sagte sie dann. „Sie glauben nicht einmal daran, dass die Jedi existiert haben. Man hat ihnen erzählt, dass es bloß Legenden sind.“
Der Reporter reagierte. „Ja“, bestätigte er das. „Und genau deshalb kann ich es nicht glauben. Alle spekulieren wie wild darauf, dass sie drei Jedi-Ritter gesehen hätten? Zwei von ihnen angeblich mit Lichtschwert, der dritte ein Verurteilter, der eigentlich hingerichtet werden sollte. Letzterer trug angeblich kein Schwert bei sich. Ich verstehe das nicht? Sollte das Teil der Show sein?“
Sura schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte sie leise. „Die Hinrichtung war ein Teil der Show, aber dann gerieten die Ereignisse völlig durcheinander. Es begann mit Rey, die ich schon von Klein auf gekannt habe. Diese Verurteilte, die Sie meinen, hört auf den Namen ‚Szirha Deeja-Mhin‘ und Rey ist ihre Tochter. Natürlich hat sie versucht, sie zu retten, also ist sie auf die Rennbahn geeilt.“
„Dann ist diese Frau kein Jedi?“, fragte der Reporter, der brennend interessiert war.
„So weit ich das sagen kann, nein. Zumindest hat sie sich nie als Jedi betrachtet, auch wenn sie viele der Fähigkeiten mitbringt, von denen man in den alten Geschichten gehört hat.“ Sura hielt sich sehr zurück, da sie nicht wusste, wie der Reporter auf diese Antwort reagierte.
„Wie meinen Sie das?“, fragte dieser zögernd. „Sie sprechen, als würden auch Sie an diese Dinge glauben.“
„Für einen Reporter besitzen Sie überraschend wenig Hintergrundinformationen“, wandte Sura ein. „Rey Deeja-Mhin ist der Padawan Luke Skywalker ‘s, des Jedi-Ritters, der als Rebell einst den ersten Todesstern zerstörte. Und sie sind die letzten beiden Jedi, die es noch gibt. Rey ist obendrein noch nicht lange Skywalker ‘s Lehrling. Ihre Vergangenheit ist genau so verworren und undurchsichtig, wie meine. Die Erste Ordnung hat uns zwangsrekrutiert, als wir noch jung waren. Ich war lange fertig mit meiner Ausbildung und half als Arzt auf der Lazarettstation aus. Das war der Tag, wo ich Rey das erste Mal traf… Sie war acht Jahre alt, viel zu jung und wurde von den meisten Tutoren trotzdem als zu alt für die Ausbildung eingestuft.“
Der Reporter wartete noch einen Augenblick ab. „Dann unterschreiben Sie das?“
„Natürlich“, unterstrich Sura. „Lassen Sie mich doch erst mal erzählen! Sie wollen mehr über diese Ereignisse erfahren? Ich kann ihnen sehr viele von diesen Fragen beantworten, die ihnen auf der Seele brennen. Ob Sie es mir glauben oder nicht, bleibt aber letztendlich ihnen überlassen.“
„Ich höre zu“, sagte der Reporter, der langsam ungeduldig wurde.
„Schon damals, als Rey noch so klein war, fiel mir auf, dass sie sich deutlich von den anderen Kadetten unterschied. Sie hatte unheimliche Reflexe und lernte viel schneller als alle anderen. Mit zwölf Jahren besiegte sie einen ihrer Ausbilder im Nahkampf. Und der war sehr stark. Es war, als wüsste sie genau, wo der Schlag landen wurde, noch bevor er sich seine Strategie zurechtgelegt hatte. Ich habe das über viele Jahre hinweg beobachtet. Ihre Reflexe wurden von Jahr zu Jahr besser und während der Ausbilder einen Schlag machte, schaffte sie ganze zehn. Und diese Z6er sind sehr schwer. Selbst die leichtesten, unmodifizierten Z6er wiegen mehr als fünf Kilogramm. Überlegen Sie doch mal, wie anstrengend das mit der Zeit wird, wenn sie diese Waffe auch noch schwingen müssen! Aber Rey hatte das, als sie zwölf Jahre alt war, keine Umstände mehr gemacht. Sie wusste, wie sie diesen Nachteil wieder ausgleichen konnte und hat sich sehr hervorgetan mit ihren Fähigkeiten im Nahkampf.“ Sura erzählte, wie sie Rey ‘s Fähigkeiten entdeckt hatte und wie überrumpelt sie war, als sie eines Tages die Ursache erkannt hatte. „Es ergab sich, dass Rey genau das Potenzial mitbrachte, das für die Jedi einst vorausgesetzt war. Sie war machtsensitiv, genau wie es bei allen Jedi-Rittern vor Rey der Fall war. Ich ahnte, dass Rey, wäre sie in einer anderen Zeit geboren worden, vermutlich einer von ihnen geworden wäre, da sie sie wohl früher oder später entdeckt hätten.“ Sura erzählte ihm von den Midi-Chlorianern.
Der Reporter schien aber nicht ganz mitzukommen. „Ich habe das nicht so ganz verstanden. Was sind diese Midi-Chlorianer, von denen Sie sprechen, Frau Doktor?“
„Oh“, schreckte Sura hoch. „Ach, das können Sie ja unmöglich wissen! Die einzigen, die von diesen Phänomenen zumindest schon mal gehört haben, sind Ärzte und andere Wissenschaftler, die sich darauf spezialisiert haben. Es tut mir Leid, ich wollte ihnen nicht das Gefühl geben, dass Sie keine Ahnung hätten. Ich habe einfach vergessen, dass es kaum mehr Leute gibt, die darüber noch Bescheid wissen…“ Sie überlegte, wo sie mit der Erklärung ansetzen sollte. „Die Midi-Chlorianer leben in unseren Zellen – ob es eine intelligente Lebensform ist, eine semi-intelligente Lebensform oder eine nicht-intelligente Art. Pro Zelle haben die Menschen für gewöhnlich an die 1500 bis 3000 Midi-Chlorianer. Jemand, der machtsensitiv ist, hat aber mehr als 4000. Anhand des Blutes lässt sich der Wert genau ermitteln, aber eine Abweichung kommt so selten vor, dass es sich eigentlich nicht lohnt, den Wert bei allen genau nachzuprüfen. Trotzdem keimte bei mir der Verdacht auf, dass zumindest Rey machtsensitiv sein könnte. Und ich sollte Recht behalten.“
„Aber warum braucht es dieses Wissen, wenn die Jedi kaum mehr existieren? Nützt es einen überhaupt, zu wissen, dass man machtsensitiv ist?“
Sura nickte langsam. „Da muss ich noch etwas weiter ausholen. Wussten Sie denn eigentlich, dass viele unserer Instinkte schon bei der Geburt das erste Mal auftreten? Als Säugling sind viele Reflexe, wie der, der für das Husten verantwortlich ist, noch nicht gegeben. Sie müssen erlernt werden, verstehen Sie, wie ich das meine? Ein Kind, das zu wenig Midi-Chlorianer im Blut hat, wird es schwerer haben, die ersten Tage nach der Geburt zu überstehen. Es hat einfach nicht die Gegenwart, sich auf seine Instinkte zu beziehen, ist völlig abwesend und es kann sogar passieren, dass es stirbt, obwohl es kerngesund ist. Hat man aber den Midi-Chlorianer-Wert genau vor Augen, kann man mit speziellen Präparaten arbeiten, die dafür sorgen, dass es zumindest die ersten Tage überlebt. Sie bremsen die neurobiologischen Abläufe des Gehirns etwas aus. So ist das Kind allein auf seine Instinkte angewiesen und durch die es kann seine Schwäche überbrücken. Der Körper lernt also, mit dieser Schwäche zu verwalten und das Kind hat die Chance, auf ein ganz normales, unauffälliges Leben. Es kann gut sein, dass es etwas tollpatschiger ist als normal, aber in der Regel gleicht sich das auch wieder aus.“
„Das ist interessant“, sagte der Reporter. „Das heißt, es hat einen medizinischen Hintergrund. Was passiert denn, wenn sich herausstellt, dass ein Kind machtsensitiv ist?“
Sura schüttelte den Kopf. „In der Regel passiert dann nicht viel. Da müssten Sie Skywalker schon direkt mit der Tatsache konfrontieren, dass Sie machtsensitiv sind. Aber ich glaube, selbst dann würde er Sie nicht gleich zum Padawan nehmen. Er hat schon einen Schüler, den er unterrichten muss. Und er wird sich keinen neuen Schüler nehmen, so lange er Rey ‘s Ausbildung nicht beendet hat. Sie mag sehr schnell sein und hart an sich arbeiten, aber letztendlich braucht es einige Jahre, bis man für die Prüfungen überhaupt bereit ist. Wenn sie aber fertig ist, kann auch sie sich einen Schüler nehmen und Skywalker wird sich jemand neuen suchen. Der Orden wird wachsen, aber es wird sehr lange dauern. Deshalb wird er sich vermutlich auf die beschränken, die entweder selbst für einen machtsensitiven außergewöhnlich stark sind in der Macht oder die, die keine Familien mehr haben und bei denen es nicht so viele Umstände macht, sie in den Orden zu berufen.“
„Dann ist es auch eine Sache des Glücks?“, hakte der Reporter nach. „Aber was soll man denn tun, wenn man selbst machtsensitiv ist? Kann man sich da nützlich machen?“
Sura lächelte ein wenig. „Sie könnten einen Beruf erlernen und sich unter die Leute mischen wie alle anderen auch. Glauben Sie mir, der Weg der Jedi ist nicht einfach! Viele Leute werden versuchen, Sie zu töten! Und selbst, wenn Sie in der Lage sind, alle Angriffe abzuwehren und sich zu verteidigen, so schlägt es ihnen mit der Zeit doch sehr auf das Gemüt. Sie dürfen keine Sekunde lang unaufmerksam sein und Sie müssen mit Angriffen rechnen, selbst wenn es nicht den Anschein hat, als seien Sie in Gefahr. Wollen Sie das? Wollen Sie von Tag zu Tag immer ums Überleben kämpfen müssen und obendrein noch die Verantwortung für das Überleben tausender auf den Schultern tragen müssen? Ich würde das nicht. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich mit meiner Arbeit doch ganz zufrieden. Mein Umfeld ist vertraulich, ich habe nette Kollegen und ich kann mich zurücklehnen, wann immer ich zu müde bin. Ein Jedi kann das nicht. Gerade jetzt, wo das Misstrauen in der Galaxis so groß ist, müssen die beiden ständig auf der Hut sein. Sie ziehen wie Nomaden umher und versuchen hier und da Konflikte zu lösen, die schier unlösbar sind. Sie haben keinen Tempel, wo Sie sich ausruhen können und sie haben niemanden, der sie beschützen kann.“ Sie betrachtete das Gesicht des Reporters.
„Sie haben Recht“, sagte er. „Bestimmt stehen die ziemlich unter Stress. Seltsam, dass ich bisher gesagt habe, meine Frau stresst mich, wenn sie mir in den Hintern tritt, weil ich hinter mir nicht aufräume… Aber glauben Sie tatsächlich daran, dass viele versuchen werden, die Jedi zu töten?“
„Haben Sie nicht mitgekriegt, dass die Erste Ordnung ein Kopfgeld auf die beiden ausgesetzt hat?“, fragte Sura, die etwas verwundert schien. „Viele Leute wissen schon Bescheid, sogar viel besser als Sie. Und sie wissen, dass sie, wenn sie es schaffen, einen Jedi zu töten, für den Rest ihres Lebens ausgesorgt haben.“
„Warum verraten Sie es dann allen, wenn Sie genau das so sehr befürchten?“
„Weil es keinen Sinn macht, es ihnen zu verheimlichen. Wenn Sie erst an die Bilder kommen, dann bleibt kein Auge mehr trocken. Ich wusste, Sie würden es so oder so erfahren. Aber ich wollte, dass Sie es von mir erfahren und nicht von der Ersten Ordnung. Die verbreiten ihre Propaganda überall. Bald werden Sie auch die Presse in ihrer Hand haben. Und ich wollte Initiative ergreifen, bevor es so weit kommt.“ Sura ‘s Blick verfinsterte sich. „Ich weiß, wie die ticken, Mr. Brent. Lange Zeit habe ich mit ihnen als Verbündete gekämpft. Rey hatte mir schon früh die Augen geöffnet. Das war einige Jahre, bevor wir desertierten. Aber der ausschlaggebende Punkt war ein anderer, viel schrecklicherer, als Sie ahnen.“

Rey schaltete den Projektor ab. Sie wusste nicht, wie sie auf diesen Bericht reagieren sollte. Sie fühlte sich angreifbar, sensibel. Aber sie wusste nicht, warum. Als sie das Gesicht ihres Meisters sah, erkannte sie aber, dass er sich genau so fühlen musste, wie sie sich gerade fühlte. Sie konnte seinen ruhenden, nachdenklichen Blick nicht ertragen. Deshalb ging sie. Alarmiert durch eine eigenartige Präsenz, die sie spürte, eilte sie ins andere Schlafzimmer. Sie trat ein und knipste den Lichtschalter an. Dort lag Szirha, seelenruhig und tief schlafend. Rey setzte sich neben sie auf das Bett, unfähig, etwas zu sagen. Sura hatte sie an eine Maschine angeschlossen und sie musste beatmet werden. Das Halfter war beschlagen mit Szirha ‘s Atem. Trotzdem hatte Rey das Gefühl, als würde ihre Präsenz langsam wieder stärker. Was hatte das zu bedeuten? Bedeutete das, dass sie sich erholte? Hoffentlich tat es das, denn Rey wüsste nicht, was sie tun sollte, wenn es nicht so wäre.
Rey wusste nicht, wie lange sie dort gesessen hatte, als sie eine warme Hand auf ihrer Schulter spürte. Es war Sura, die sich neben sie kniete und sie im Nacken etwas massierte. „Mir scheint, als sei sie wieder stabil“, sagte sie leise. „Das ist gut.“
„Wann wird sie wieder aufwachen?“, fragte Rey mit gebrochener Stimme.
„Das weiß ich nicht“, erwiderte Sura. „Es kann noch eine Weile dauern. Eine Woche vielleicht.“
„Gelten die gleichen Regeln auch bei machtsensitiven Individuen?“ Rey war ziemlich niedergeschlagen.
„Wenn sie nicht bei Bewusstsein sind, ja.“ Sura strich Rey tröstend über den Kopf. „Wir schaffen das, Rey. Aber du musst dich noch etwas gedulden, ja? Sie hat viele schlimme Verletzungen erlitten, die auch noch unbehandelt geblieben sind. So lange sie hier liegt, regeneriert sie sich eher. Sie hat eine Sepsis, Rey. Das heißt, neben dieser tödlichen Erschöpfung war sie auch so schon in großer Gefahr. Die meisten anderen Menschen hätten an ihrer Stelle kaum eine Stunde lang durchgehalten. Dass es Szirha trotzdem geschafft hat, auf den Beinen zu bleiben, ist mir ein Rätsel, aber so ist es eben. Ich beschwere mich nicht.“
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